Documenta 15: Es klappert die Botschaft im rauschenden Bach. Zwischen Workshop-Kunst und Antisemitismus

Dieser Text wird auf diesem Blog der erste und auch der letzte Artikel zur vermutlich sterbens- und steinlangweiligen documenta 2022 sein – außer vielleicht, es fällt mir noch die eine oder die andere Polemik ein. So wollte ich am 20.6. auftakten. Aber aufgrund eines antisemitischen Machwerkes der Gruppe Taring Padi hat sich das erledigt. Allerdings bleibt es wohl dabei: Ich werde nicht nach Kassel fahren, dafür ist mir meine Zeit und vor allem mein Geld zu schade – wenngleich Kassel als Stadt einer der spannenden bundesrepublikanischen Städte ist: Wegen der Architektur, dieser seltsamen Nachkriegsmoderne aus Beton, Funktionalität und dem neuen Wirtschaftswunder. Die Häßlichkeit und die Unwirtlichkeit der Städte verkeht sich ins Gegenteil. Kassel ist solch ein Ort. Hier kann man also mit Fug und Recht vielleicht doch sagen: Das beste an der documenta 15 ist Kassel. (Wäre vielleicht auch ein guter Spruch fürs Stadtmarketing.)

Kassel, August 2012

Es gab einmal eine Reisesendung, am Sontag beim NDR, die hieß „Zwischen Hamburg und Haiti“. Für die Fahrt nach Kassel kann man nun schreiben „Zwischen Lumbung und Humbug“. Absatz und Neubeginn.

Wir bereisen lieber andere Orte. Denn wer schöne und gute Kunst sehen will, der mache doch in seinen Ferien dieses Jahr eine Deutschlandreise (auch wenn Sprit teuer ist, ein guter Riesling liegt immer bei 10 Euro, aber es lohnt sich) und besuche zum Beispiel das wunderbare Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, auch von der Architektur her ein faszinierender Bau, und der Betrachter tut einen schönen Gang durch die Kunstgeschichte – so zum Beispiel Carl Spitzweg, der sehr unterschätzte witzig-geniale Maler, wie auch Max Slevogt sind dort zu sehen. Oder er fahre nach Chemnitz und schaue das architektonisch ebenfalls wunderbare Musuem Gunzenhauser sich an: unter anderem findest sich dort eine Vielzahl an Gemälden von Otto Dix; ein Dix, der nicht ins Exil ging, sondern unter den Nazis weitermalte: seltsam-kalte, aber doch faszinierende Landschaften in realistischem Stil. Ebenfalls findet sich dort eine Vielzahl an Gemälden von Alexej von Jawlensky.

Und weil wir im Osten uns befinden und die Reise westwärts geht, haben wir vorher noch einen Abstecher nach Halle ins Kunstmuseum Moritzburg getan, darin sich insbesondere deutsche Malerei vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart findet. Daß ich hier eine der schönsten Sammlungen für die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts und auch der DDR-Kunst, nämlich das Museum der bildenden Künste in Leipzig, nicht eigens erwähne – obwohl: nun tue ich’s ja doch – hat allein darin seinen Grund, daß ich davon ausgehe, daß jeder Mensch mit ästhetischem Verstand bereits diese herrliche Kunsthalle einmal in seinem Leben mindestens besucht hat. Auch die Sichtachsen und die Architektur sind eine Reise wert. Und wer sich für die verschiedenen Maler der DDR interessiert, findet hier eine kleine, feine Sammlung.

Kassel, August 2012

Weiterhin bereise man, so wurde es mir empfohlen, ich war selber noch nicht dort, das Museum Schloß Schwerin, wie auch das Staatliche Museum Schwerin: Was vom Namen wie Residual-DDR klingt, erweist sich als ganz und gar wundervolle Kunstsammlung. Allerdings muß man sich diese Reise bis 2024 aufheben, da die Kunstsammlung in Renovierung ist, und so bleibt zunächst mal nur das Schloß und die schöne Stadt. Genannt werden sollte solche Perle, die abseits des Weges liegt, aber doch. Wenn wir schon bei Diversität sind. Und von dort geht es weiter in den hohen Norden – fast schon zu den Wikingern. Haithabu ist nicht weit entfernt.

Wer also Kunst, Kultur und Landesegeschichte von Schleswig und Holstein sich betrachten will, der fahre zum Schloß Gottdorf bei Schleswig. Man kann dort einen ganzen Tag verbringen, schlendern, schauen, stöbern und Kuchen essen. Sogar Moorleichen gibt es zu sehen und immer wieder wechselnde Ausstellungen über die Monate. Und auch die Landschaft in der Umgebung ist ein Kunstwerk für sich: Nordisch by Nature, nordische Landschaft, Land zwischen den zwei Meeren, das Naturschöne in Gestalt. Und von dort aus einmal quer durch Schleswig-Holstein zum Emil-Nolde-Museum in Seebüll. Auch hier wieder ist es dieses Zusammenspiel von Archtektur, Ausstellungsraum, Kunstwerken und dem Garten, welches sich aufs Sehen auswirkt und worin sich zeigt, daß Bilder einen Ort haben. Durch diese Umgebung wird die Betrachtung eines Werkes mitbestimmt. Deshalb eben ist auch die Betrachtung der so schönen Gioconda eine lästige Sache, weil ich im Louvre diese Schönheit nicht für mich allein oder zumindest nur mit wenigen habe, sondern sie mit Hunderten von Leuten teile, die das Gemälde durch ihr Smartphone sich betrachten. Das ändert auch die Qualität eines Bildes hinsichtlich seines Betrachtetwerdens. Während Fragonards frivoles Liebes- und Eifersuchtsgemälde „Der Riegel“ oder Jean-Auguste-Dominique Ingres‘ herrlicher Orientalismus, wie in „Das türkische Bad“ und in „La Grande Odalisque“ oder auch “ Die Badende von Valpincon“ nahezu unbetrachtet an den Wänden hängen. Kein Mensch zu sehen. Alles drängelte vor den Gemälden im großen Saal.

Kassel, August 2012

Ebenso sollte man auf solcher Fahrt diesen Sommer einmal wieder Werner Tübkes Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen bereisen und weil Naumburg nicht weit weg ist, dort im Naumburger Dom die Stifterfiguren und jene hoheitsvoll-wunderbare Uta von Naumburg. Weiblich, ragend, kühl und mit diesem für jene Zeit so besonderen Gesichtsausdruck. Umberto Eco formulierte es auf eine witzige Weise: „Wenn Sie mich fragen, mit welcher Frau in der Geschichte der Kunst ich essen gehen und einen Abend verbringen würde, wäre da zuerst Uta von Naumburg.“ So geht es mir auch, wenn wir denn überhaupt Kunstwerke aufs Kulinarische herunterbrechen wollen.

Es gibt in Deutschland viel wunderbare Kunst zu sehen: Modernes, Spätmodernes, Klassisches oder weit in die Vergangenheit Reichendes. Kassels Documenta scheint mir nach dem, was ich las und in Zeitungen sah, sehr verzichtbar, vor allem im Blick auf die dort dargebotene Agitprop-Kunst. Diese Kunst-Show hat, so scheint es mir, eher etwas von einer gymnasialen Mittelstufe-Projektwoche beflissener Schüler, die auch mal was Politisches ausstellen wollen: ein wenig Ökologie, ein wenig Kolonialismus, auch ein Wandbild muß her, ein wenig Gesellschaft und irgendwie auch Kunst. Verstörend an alledem allenfalls, daß da nichts ist, was wirklich verstört. Langeweile herrscht vielmehr, so scheint es mir: das von Berlin aus nach Kassel schippernde „Citizenship“, es fährt ökologisch und nachhaltig, um voranzukommen, muß man, Prinzip Trettboot, auf Fahrrädern kräftig in die Pedale treten. Bevor ich mich mit diesem Boot befasse gucke ich mir dann doch lieber John Hustons „African Queen“ mit Katharine Hepburn und Humphrey Bogart an. Man kann sowas als Kunst machen, aber wirklich aufregend ist es nicht.

Daß ich solche intervenierende Kunst für trivial halte, brauche ich nicht extra dazuzusagen. Zumal solch erweiterter Kunstbegriff am Ende zu einer Entleerung von Kunst überhaupt führt und sich die Sache auf dem Bastel-Bau-und-Heimwerker-Niveau ansiedelt: jeder kann irgendwie irgendwas und kann es eben doch nicht. Kunst, die neugierig auf andere Kontinente, auf Ökologie oder auf Fragen des Klimawandels machen will, sollte uns etwas mehr zu erzählen haben als solche Flußfahrtgeschichte. Und auch wenn ich mir diese vier in der FAZ gezeigten Bilder von Werken ansehe, bleibe ich skeptisch. Die Textilkollagen der Künstlerin Malgorzata Mirga-Tas aus der Zigeuner- bzw. Roma- und Sinti-Kultur scheinen mir zwar interessant und es ist gut, Blicke auf andere Kulturen und Kontinente zu erhalten. Aber ob ich mir dafür dieses Gesamtspektakel einer fröhlichen Schülerprojektwoche, die 100 Tage währt, dazu noch in einer derart durchschaubaren Weise, ansehen möchte?: „I would prefer not to“. Es ist dies eine Form von Kunstgewerbe, wie sie auf Dritte-Welt-Workshops erbastelt wird. In den 1980er Jahren und davor waren es Frauen in Walle-walle-Gewändern und nach dieser unnachahmlichen Mischung aus Achselschweiß und Patschuli-Moschus duftend. Dann doch lieber die griechische Säulenordnung und um auszurufen: Et in Arcadia ego, da bereise ich lieber gleich vor der Haustür Potstdams Parklandschaft oder das Schloß Glienicke mit dem herrlichen Schinkel-Casino, davor man mit einer Frau Wunder ein Sommerpicknick veranstaltet, um abends den Sonnenuntergang zu schauen. Preußische Parklandschaft gegen Kurhessens Politprop.

Großflächige Werke des indonesischen Künstlerkollektivs „Taring Padi“ im Hallenbad-Ost. Bild: dpa

Und bei jenem Werk der bereits im Beitrag vom 20.6. erwähnten und durch kruden Antisemitismus aufgefallenen Gruppe Taring Padi scheint mir die im Vordergrund stehende Frau sowie ihr Shirt samt der damit korrespondierenden Tasche noch der interessanteste Teil des Bildes zu sein und man sehnt sich nach längst abgelebt geglaubter Farbfeldmalerei. Man merkt bei solchen Werken das gut Gemeinte und ist verstimmt, wie ein altes indonesisches Fischersprichwort lautet. Und das ist nach jenem widerlichen Wandbild auf dem Friedrichsplatz eine freundliche Umschreibung.

Überhaupt das Politische der Documenta und dazu der Gaza-Kitsch von Mohammed Al Hawajri von der Gruppe Eltiqa. Nichtmal ignorieren, wäre eigentlich das Motto, wenn die Sache nicht so ärgerlich und derart symptomatisch wäre. Vor allem aber:ein Titel wie „Guernica Gaza“ ist billiger Agitprop, der Täter zu Opfern verkehrt und zudem eine widerliche Asoziation bzw. eine Parallele zu den Nationalsozialisten und Israel zieht. Klar, Kunst darf das. Aber es ist dies deshalb noch lange keine gelungene Kunst. Eine Verkehrung im übrigen und eine Codierung, wie man sie auch von rechtsextremistischen Antisemiten kennt: hier eben geliefert von arabischen, die in Kassel anscheinend ein Forum bekommen haben. Kunst darf das, klar, aber niemand muß solche Scheiße goutieren und es ist dies deshalb noch lange keine gelungene Kunst, sondern vielmehr das Gegenteil. Eine kitschige und durchschaubare Agenda nämlich ohne doppelten Bode und eine die Sache erweiternde Ebene. Interessant vor allem, daß die Polit-Leute von Ruangrupa bei ihrer eigenen Heimat Indonesien und den Problemen dort, gerade auch in puncto Rassismus in Indonesien, sehr schmalllipig sich verhalten. Marco Stahlhut brachte in der FAZ vom 21. Mai dieses bigotte Verhalten in einem Artikel mit der Überschrift „Warum so viele blinde Flecken? gut auf den Punkt:

„Trotz aller Verstiegenheit im Vokabular über Israel und die Palästinenser haben Ruangrupa bisher kein einziges kritisches Wort über Papua verloren, und schon gar nicht haben sie kritische Künstler aus dieser östlichsten Provinz Indonesiens eingeladen. Dabei ist Papua das größte schwelende Problem des Landes. Man kann sich freilich nicht sicher sein, ob Ruangrupa es überhaupt sehen. Zu einer Vorveranstaltung der Documenta im Goethe-Institut von Jakarta hatten sie zwar eine Fotoschule aus Papua eingeladen, aber deren Repräsentanten waren vergleichsweise hellhäutige Indonesier. Papuas sehen dagegen als ethnische Melanesier mit ihrer dunklen Haut und krausem Haar sehr verschieden vom Rest der Landesbevölkerung aus.

Dabei gäbe es wichtige Künstler aus Papua. Einer von ihnen ist Wensislaus Fatubun, ein Filmemacher und informeller Lehrer, politisch engagiert – alles Bereiche, die Ruangrupa doch so sehr am Herzen liegen.

[…]

Erst im März warnten UN-Vertreter in eindringlichen Worten vor „schockierenden“ Verstößen gegen die Menschenrechte in Papua, einschließlich Tötung von Kindern, Folter, verschwundener Menschen und Massenvertreibungen. Und erst vor wenigen Tagen sollen Papuas in verschiedenen Orten ihrer Heimatinsel für ein Unabhängigkeitsreferendum de­monstriert haben, wie Amnesty International Australien behauptet. Allerdings kann die Authentizität von Videos dieser Demonstrationen nicht verifiziert werden.

Kein Wort zu alldem von Ruangrupa, kein kritisches Wort generell zum beschämenden Umgang mit dunkelhäutigen Menschen in Indonesien, und dies trotz aller von der Gruppe zur Schau getragenen Sensibilität für Rassismus. Offenbar ist der nur dann ein Problem, wenn er sie angeblich selbst betrifft. Im Übrigen auch kein kritisches Wort von Ruangrupa zum chinesischen Völkermord an den muslimischen Uiguren – ein andauerndes Verbrechen, das die kulturelle Auslöschung einer ganzen Ethnie zum Ziel hat. Ebenso kein kritisches Wort zur Militärjunta in Myanmar, die die muslimischen Rohingya und andere ethnische Minderheiten verfolgt – alles Ereignisse, die sich geographisch viel näher an Indonesien abspielen und un­gleich menschenverachtender sind als das Verhalten Israels in den palästinensischen Gebieten.“

Aber für eine in der Sache gegründete Kritik wird der Kritiker am Ende eben doch sich diese documenta anschauen müssen, ob das so ist. Ansonsten eben bleibt es, wie dieser Text auch, zunächst mal eine Mutmaßung, was das Gesamt dieser Ausstellung betrifft. Das feine ist aber: da hier in Berlin bereits die 12. Berlin Biennale ist, brauche ich vermutlich gar nicht so weit zu fahren, um ähnliches, wenn nicht gleiches zu sehen. Oder um es mit Adorno/Horkheimer zu sagen:

„Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit“ (Adorno/Horkheimer: Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug)

Freilich kann man diese ganze Documenta-Farce, die sich die Ausstellungsmacher da geleistet haben, auch einfach mit einem Satz von Mutter Kempowski in „Ein Kapitel für sich“ beschreiben: „Bist Du wirklich so dumm, mein Junge?

Kassel, August 2012

15 Gedanken zu „Documenta 15: Es klappert die Botschaft im rauschenden Bach. Zwischen Workshop-Kunst und Antisemitismus

  1. Guten Tag!

    Ich bin tatsächlich und ohne Koketterie das, was mein „Twitter-„Name vermuten lässt.
    Da Ihr Beitrag allerdings das wirklich Beste ist, das ich zum „Thema“ gelesen habe (und ich habe, auch vorab einiges gelesen), würde ich ich ihn gerne mit meinen (überaus bescheidenen) Mitteln verbreiten …

    Ist Ihnen das recht?

    Beste Grüße!
    FrancescoOlivi5

  2. PS:

    Bei Twitter heiße ich „Eintragung ins Nichts“ bzw. „Import/Export“.
    Also Blumfeld und Seidl, Ihnen ohne Frage bekannt; ansonsten, normal, ein in die fernste Ferne geflüchteter Schatten.
    Bei mir gibt es tatsächlich nichts zu lesen.

    Bester Gruß!
    Christian

  3. Vielen Dank. Sie können diesen Beitrag gerne verbreiten. Und wie es mit den Koppelungen so ist, verbreiten Sie durch Ihre Frage hier ja zugleich Ihren Twitter-Acccount. ;-) Es freut mich aber, daß dieser Artikel Ihren Zuspruch findet. (PS: Die Raucherphotos bei Ihnen gefallen mir gut)

  4. Das Traurige ist, dass es in Indonesien auch wirklich faszinierende Gegenwartskunst gibt (allerdings nicht auf der documenta zu sehen).

    Ansonsten vielen Dank für die Museumstipps und Zustimmung hinsichtlich Uta. Lustig ist, dass die Nazis 1937 versuchten, Uta als Inbegriff der deutschen Frau zu vereinnahmen, obwohl der unbekannte Naumburger Meister auch in Metz, Amiens, Noyon und Straßburg gearbeitet hat und vermutlich aus Frankreich stammte.

  5. So ist es. Da wurde, so steht zu vermuten, eine große Chance vertan, Kunst eben auch aus Indonesien zu zeigen, die mehr ist als solche Workshoparbeiten. Zumal dann noch mit solcher Bildsprache.

    Diese Vereinahmung jener Uta durch die Nazis ist in der Tat lächerlich – und töricht dazu. Es zeigt sich einmal wieder, was passiert, wenn in solchen Regimen Kunstpolitik gemacht wird. Und wir erleben es in anderer Weise in Putins Rußland.

  6. Das Schlimme ist: (Noch) funktioniert das ganz gut. Schuld an der aufziehenden Hungerkrise ist natürlich der Westen (am liebsten höhnisch als „Wertewesten“ bezeichnet). Der hetzt die Ukraine dazu auf, zu verhindern, dass Russland ganz friedlich Odessa besetzen kann.

    Leider wird in Afrika (noch?) die russische Sichtweise übernommen. Dabei könnten die russischen Ansagen eigentlich nicht deutlicher sein.

    Den Zermürbungs- und Vernichtungskrieg im Donbass wird Russland wohl erst einmal für sich entscheiden. Dann werden wieder die Friedensverhandlungsforderer aufschlagen. Und wenn die Russen dann mittendrin auf Odessa vorstoßen, ist sicher wieder der Westen schuld.

  7. Was mich an diesen von Dir geschilderten Leuten vor allem anwidert: Hier das ungeheure Privileg zu genießen, sogar die Propaganda Putins verbreiten zu dürfen und entgegen der Faktenlage zu lügen oder zu verfälschen, aber bei der Kritik am Westen dann kein einziges Wort zu Rußland zu schreiben. Bigottes Pack. Putins Propaganda hier von den Nach“Denk“Seiten, von solchen Portalen wie Rubikon und Apolut verbreitet, müssen Fakten entgegengesetzt werden. Ob freilich Aufklärung hilft, ist fraglich. Die Denk- und Wahrnehmungsstruktur dieser Leute und vor allem ihrer Rezipienten erinnert an Scientology. Nur daß man hier eben keine Exit-Programme starten kann und auch logisches Denken nichts hilft. Der Feind ist per se der Westen. Zu Rußlands Imperialismus werden die Augen fest verschlossen. Und das eben ist das gefährliche an diesen Leuten.

    Und ich denke auch: noch der nächste Angriff Rußlands und der drohende Holodomor durch Rußland werden als Schuld des Westens gelabelt. Allen voran vermutlich Sahra Zarenknecht.

  8. In Moskau genügt es längst, ein weißes Schild hochzuhalten, um verhaftet zu werden. Aber klar, die faschistische Diktatur ist im Wertewesten.

    Bei uns war selbstredend nie alles in Ordnung, aber die Russland bietet ja heute nicht mal mehr eine ideologische Gegenposition. Oder will man als Deutscher die gewaltsame Wiedererrichtung des Zarenreichs bejubeln?

  9. Das ist genau der Punkt bei diesen Leuten: die mangelnde Differenzierung. In Deutschland, in der EU und in den USA erst recht gibt es eine Menge zu kritisieren. Wer das aber tut und dann bei Rußland die Klappe hält oder lediglich beschwichtigende Worte bereithält und das Übel im Westen sieht, der hat alle Maßstäbe verloren. Die Spreu scheidet sich vom Weizen bei der Beurteilung dieses russischen Angriffskrieges. Zum Glück gibt es eben auch eine Linke, die diesen Krieg als das sieht, was er ist.

  10. Sahra Wagenknecht ist zu intelligent, um das nicht zu sehen. Aber die bedient inzwischen eine ganz spezielle Klientel.

  11. Wenn ich die verlinkten Bilder in der FAZ anschaue, erscheint mir das alles von nivht zu überbietender Mittelmäßigkeit. Agitprop-Comics oder Bahnhofsgraffitis, und das auf der Documenta.

    Defund Documenta!

  12. Das stimmt wohl. Ich bin vor allem derart enttäuscht von ihr, weil ich mit Teilen ihrer Ausführungen zur Sozialpolitik durchaus übereinstimmte.

    Es gibt jedoch Äußerungen, da gibt es kein Zurück mehr und diese Aussagen wie die zum Ukrainekrieg diskreditieren die Person bzw. die Äußerungen und das Denken dieser Person im ganzen. Ähnlich wie mit den Nachdenkseiten, die bis 2014 gut waren und danach immer desaströser wurden – gerade im Blick auf die russischen Aggressionen seit 2014 und Putins Einflußnahme in der Ukraine. Wolfgang Lieb wußte, warum er ausgestiegen ist und solche Leute wie Jens Berger müssen sich inzwischen auch zurechnen lassen, zur Szene der Verschwörungsideologen zu gehören. In der Tat bedienen all diese Leute, wie auch Wagenknecht, eine spezielle Klientel.

  13. @El Mocho: Es wirkt vor allem bemüht und es ist eine Kritik mit dem Holzhammer am Westen und undialektisch dazu. Ästhetisch scheint mir vieles eher auf dem Niveau einer Projektwoche an einer Schule zu liegen. Aber gut, um das im Detail zu sehen, muß man die Werke natürlich in ihrem Raum und in ihrem Umfeld und damit eben in ihrer Echtzeit sehen. Bilder geben – trivialerweise – nur unzureichend ein Werk wieder.

  14. Noch mehr Jawlenskys als in Chemnitz gibt es übrigens im Museum Wiesbaden zu sehen, das – neben dem Norton Simon Museum in Pasadena, Kalifornien – die größte öffentliche Sammlung von Jawlenskys Werken besitzt. Derzeit läuft dort noch die Ausstellung Alles! 100 Jahre Jawlensky in Wiesbaden. Der Künstler und seine Frau lebten lange in der hessischen Landeshauptstadt und liegen dort auf dem russischen Friedhof begraben. Den Schlüssel zum Friedhof gibt es in der russischen Kirche, zu der kann man mit der Nerobergbahn, der zweitältesten mit Wasserballast betriebene Drahtseil-Zahnstangenbahn Europas, fahren.

    Das Museum für Sepulkralkultur in Kassel soll sich lohnen.

    Deutschlandfunk Kultur zitierte die öffentliche Entschuldigung des Künstlerkollektivs Taring Padi. Auf mich wirkte die geheuchelt. Die wollen jetzt erst erkannt haben, dass „die Bildsprache im historischen Kontext Deutschlands eine spezifische Bedeutung bekommen hat“? Ach ja? Einige von denen leben in Deutschland, hörte ich. Muss ein sehr großer Stein sein.

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