Documenta 15: Zwischen arabischem Antisemitismus und „Stürmer-Ästhetik“

Hier hätte heute eigentlich ein anderer Text zur Documenta 2022 stehen sollen, kein wohlwollender zwar, sondern mehr nach dem Motto „Bleib ich halt zu Hause“ – ich bringe die Glosse dann morgen oder übermorgen. Aber was ich heute früh im Internet fand und was auf der Documenta 15 von den Ausstellungsmachern, dem indonesischen Künstlerkollektiv Ruangrupa, als Bild und als „Kunstwerk“ gezeigt wird, das verwundert doch sehr. Um es in der höflichsten Formulierung zu fassen.

„Das Künstlerkollektiv, das für das Bild verantwortlich zeichnet, nennt sich „Taring Padi“. Zu sehen ist es am Friedrichsplatz“, so Thorsten Sommer auf Twitter, wo er diesen Fund veröffentlichte. Ein Twitterer mit gerade einmal 75 Followern und nicht mit der Reichweite von Deutschlandfunk Kultur und dem Sendeplatz eines Tobi Müller, genannt auch Schweige-Müller. Schauen wir mal, ob Kulturzeit heute abend dazu etwas bringen wird und ob es in den Sendungen von Deutschlandfunk auftaucht.

Sommer schreibt weiterhin auf Twitter:

„Der Jude“ als zoomorphes Wesen mit verzerrter Physiognomie (blutunterlaufene Augen, spitze Raffzähne, krumme Nase) samt Kippot, Hut und Schläfenlocken. Auf dem Hut prangt eine „SS“ Rune, die „den Juden“ als Nazi und somit als das personifizierte Böse charakterisiert“

Daß solche Bilder in einer Kunstausstellung, die zudem mit öffentlichen Geldern gefördert wird, in einem Land, in dem der Holocaust stattgefunden hat, gezeigt werden, ist nicht mehr nur befremdlich zu nennen – von der billigen Kindergarten-Ästhetik sowie einer Polit-Ästhetik, die bereits vor 55 Jahren schon dumm zu nennen gehörig untertrieben ist, einmal ganz abgesehen. Solche „Kunst“ wie die von Taring Padi disqualifiziert sich aber nicht etwa nur wegen solcher Inhalte, wie man sie aus dem „Stürmer“ oder in anderen NS-Karikaturen kennt, sondern bereits von ihrer Form hier. „Infantile Ästhetik“, wie Herwig Finkeldey auf Facebook schreibt, der diesen Fund ebenfalls verbreitete. Auch wenn Kunstförderer nicht über Bilder und Inhalte zu bestimmen haben, bedeutet dies nicht, daß ein Kulturminister solche Bilder unkommentiert lassen müßte. Daß solche Bilder nicht einfach nur schlechte Kunst, sondern gar keine Kunst sind, weil sie ästhetisch bereits derart mißlungen und hinter ihrer Zeit zurückgeblieben sind, ist das eine. Hier können Debatten der Kunstkritik und auch der Ästhetik einsetzen: die Frage nach den Maßstäben und nach den Möglichkeiten von Werken heute. Wenn Adorno in „Vers une musique informelle“ schreibt „Die Gestalt aller künstlerischen Utopie heute ist: Dinge machen, von denen wir nicht wissen, was sie sind“, so trifft das von der Materialbeschaffenheit, von der Art der Ausführung und Darstellung des Werkes, vom Sujet bis zum Stil und zu den Details, mithin der gesamten Auseinandersetzung des Künstlers mit seinem Material, auf dieses Machwerk ganz sicher nicht zu.

Und das gilt vermutlich heute überhaupt für einen Großteil der Kunst, die fern solcher Utopie eines Anderen ist: insbesondere jene eher an die Staatskunst der DDR gemahnenden Werke aus Wokistan, wenn da sogenannte Künstler artgerecht ihre Stücke für die Findungskommission schreiben und brav Themenliste abarbeiten.

Ich bin im Blick auf die documenta dafür, daß alle Kunst Kunst bleiben muß. Aber solcher Agitprop, der Judenhaß zum Thema hat, indem jüdische Stereotype gezeichnet werden, und solches Hetzprogramm als Kunst zu maskieren: das geht nicht, das ist nur noch bedingt von der Kunstfreiheit gedeckt. Zumindest muß solcher Judenhaß laut und deutlich zum Thema gemacht werden. Zumal in diesem Machwerk eben kein irgendwie auszumachender doppelter Boden oder ein Spiel oder eine Art von Kippfigur eingebaut ist. Dies ist ganz einfach und deutlich gesagt „Stürmer“-Ästhetik, die in bestimmten Kreisen anscheinend hoffähig geworden ist.

Was sagen die üblichen Medien-Aktivsiten dazu? Haben wir schon eine Kolumne von Margarete Stokowski, haben wir was von Teresa Bücker oder von Kübra Gümüsay gehört? Oder von Annika Brockschmidt, die auf Twitter immer mal wieder gerne und aktivistisch in moralisch hochfahrendem Ton sich gebärdet? Werden wir etwas von jener Allzeit-bereit-immer-bereit-Aktivisten von Diez bis Sixtus im dauernden Kampf für das Gute und das politisch Korrekte, die beim kleinsten Anlaß reagieren und immer woke und wachsam sind, noch zu hören bekommen und ein „Wir-sind-mehr“ gegen Antisemitismus und antijüdischen Rassismus erleben? Was wäre gewesen und was gäbe es für ein Hallo, wenn ein eher konservativer Künstler sich solches geleistet hätte? Sagen wir Georg Baselitz oder Neo Rauch? Wie war das eigentlich nochmal mit dem Leipziger Maler Axel Krause? Da gab es erhebliche Skandalisierungen bei deutlich geringerer Verfehlung. Würde man, wenn Matthias Matussek ein Bildender Künstler wäre und ein Werk mit dem Titel „The Muslime as a massacre man“ ausstellen wollte, auf einer Leistungsschau der Kunst auch derart darüber hinweggleiten? Vermutlich nicht, vermutlich wäre dieses Werk nicht einmal zugelassen – und das nicht etwa nur wegen mangelnder formaler Qualität.

Während es bei Uwe Tellkamp eine Woge der Empörung gab, habe ich leider den Verdacht, daß im Falle dieses Bildes und noch eniger anderer Werke von den üblichen Verdächtigen eine Woge des Schweigens samt dessen Deckmantel über solche antisemtischen Machwerke hinwegsäuselt: Was wird es im Blick auf solche Inszenierungen geben, die Ruangrupa, die Ausrichter der dieser documenta 15, zu verantworten haben: Etwa Taring Padis Wandbild oder auch (ich komme diese Woche darauf noch zu sprechen) solchen Gaza-Kitsch wie ihn Mohammed Al Hawajri von der Gruppe Eltiqa produziert: mit einem Titel wie „Guernica Gaza“? Darüber wird zu sprechen sein. Und dieses Thema Antisemitismus wird, wenn Ruangrupa Debatte und Dikussion will, immer wieder auf den Tisch zu bringen sein in dem sogenannten „Lumbung“, den Ruangrupa als kommunikative Öffnung und als Gesprächsraum eröffnen will. Und solche Kritik an solchen Machwerken wie von Taring Padi und Mohammed Al Hawajri läßt sich auch nicht mit der Phrase „antislamisch“ erledigen, sondern wir haben das binnenästhetisch auch im Blick auf die sogenannte engagierte Kunst zu debattieren – hier täte ein Blick in Adornos in den „Noten zur Literatur“ zu findenden Essay „Engagement“ gut – und wir haben das zugleich über die Reichweite und das, was Kunst darf zu debattieren.

Kunst kann und darf alles, so sagt man. Sie darf auch Kritik an Ländern und Politikern üben, vor allem, wenn es im Werk selbst gut gemacht ist. Aber es sagt niemand, daß das, was Kunst darf, nicht auch kritisiert werden darf und unkommentiert gelassen werden muß – vor allem im Blick aufs ästhetische Gemachtsein und besonders dann, wenn es in solch plumper Art und Weise daherkommt wie auf der documenta 15. Auch durch Kunst kaschierter Antisemitismus bleibt Antisemitismus. „Stürmer“-Karikaturen wären ja auch nicht deshalb gelungene Kunst, weil es sich um Zeichnungen von Ivo Saliger handelt. Auch poltisch muß es nicht ukommentiert gelassen werden. „Naivität“ und „Antisemitismus“ sollten nicht als „Klugheit“ oder „Gewitztheit“ bezeichnet werden, sondern als das, was sie sind.

Und solche Freiheit der Kunst bedeutet ebensowenig, daß man über bestimmte Werke nicht debattieren und zudem und vor allem die Frage stellen dürfe, ob solches überhaupt Kunst sei und nicht vielmehr wegen ästhetischer Minderleistung niemals hätte ausgewählt werden dürfen. Es hat Gründe, warum es auch in den Kunstkursen an Schulen Fünfen und Vieren gibt. Nicht jedes Objekt, das sich selbst Kunstwerk nennt, ist ein Kunstwerk. Und ein Kunstwerk ist nicht deshalb ein Kunstwerk, weil es in einer Galerie oder einer der wichtigsten Kunstschauen Europas hängt. Kunstwerke bedürfen der Institutionen, aber sie sind nicht durch Institutionen. Freilich hätte man sich gewünscht, daß eine solche Debatte über den Status des Werkes – gewissermaßden die immerwährende Frage der Ästhetik nach „der Verklärung des Gewöhnlichen“ und was ein Kunstwerk zu einem Kunstwerk macht – nicht an derartig dummen und einfältigen Objekten geführt wird.

Andererseits, denke ich, sollten wir es nicht machen wie die Cancel Culturer, jene Woko Haram aus Identitätshausen. Eine kluge Form von Protest und Gegenaktion muß dafür her: Nicht-Kunst nicht mit Nicht-Kunst, sondern mit Kunst zu begegnen.

Nachtrag, heute Mittag:

Hanno Hauenstein zu jenem Twitter-Text von Thorsten Sommer


Hanno Hauenstein ist Ressortleiter im Kulturbuch der Wochenend-Ausgabe der Berliner Zeitung. Wenn einer also benennt, was da auf einem Bild zu sehen ist, reproduziert er damit das, was da zu sehen ist. Nicht jene, die solche antisemitischen Karikaturen produzieren, werden von Hanno Hauenstein auf Twitter als erstes Mal scharf kritisiert, sondern jener Mensch, der auf Antisemitismus hinweist, wird von Hauenstein zur Ordnung gerufen und als fremdenfeindlich diskreditiert. Was kommt als nächstes: Kritiker des NSU reproduzieren nur die Denke des NSU? Putinkritiker sind in Wahrheit Apologeten Putins, weil sie wiedergeben, was Putin sagt?

Bei jeder falschen Klotür und bei jedem unbedarften Wort machen diese Leute Gewese und Geschiß. Bei arabischem Antisemitismus aber schweigen oder beschwichtigen sie und machen, labeln die, die darauf hinweisen als islamophob. Es ist zum Kotzen.

46 Gedanken zu „Documenta 15: Zwischen arabischem Antisemitismus und „Stürmer-Ästhetik“

  1. Ja, diese Dinge sollten, gerade bei einer documenta, die sich für ach so politisch hält, denn doch nicht unkommentiert gelassen werden. Und auch das Schweigen von Ruangrupa zum Alltagsrassismus in ihrem eigenen Land, wozu ich im Laufe der Woche in meinem ursprünglich geplanten Documenta-Text etwas schreiben wollte.

  2. Wie gut mir das tut, mit Ihnen einmal wieder in allem, wirklich allem einverstanden zu sein. (Über Kriterien was Kunst s e i – und es g i b t sie, also jene, ganz entschieden -, darüber einmal in anderem Zusammenhang; hier würde es die von Ihnen besprochenen Machwerke nobilitieren. Diese dürfen nicht einmal ein Anlaß ästhetischer Diskussionen sein, sondern solche sind am Beispiel von Arbeiten zu führen, die gescheitert sein mögen, aber als gescheiterte immer noch zur Kunstwelt gehören.)

  3. Es gibt ja manche Aspekte, gerade ästhetische, wo wir Dinge ähnlich sehen, weil es uns um das Gemachtsein eines Werkes geht. Und es hat ja auch gute Gründe, warum ich Ihre Kunst sehr schätze. In manch anderem mögen wir divergieren. Aber auch solcher Streit gehört ja manchmal dazu, wenn man sich hinterher wieder gut ist und beim Wein die Dinge in eine gute Bahn bringt.

  4. „Der Toten gedenken, die Lebenden verachten!“ Der deutsche Staatsantifaschismus kann nur mit toten Juden etwas anfangen, egal ob sie von den Nazis oder Muslimen umgebracht wurden/werden. Gestern abend lief in der ARD (Antisemitischer Rundfunk Deutschlands) wieder eine Agitprop-Sendung, um die Documenta reinzuwaschen. Neben der sogenannten Kuratoren-Gruppe (Orang Utan oder so ähnlich) liess man auch einen Alibivertreter der deutschen Juden zu Wort kommen, der ebenso wie Herr Schuster vom ZJD nicht begeistert war, aber klassischen Antisemitismus nicht erkennen konnte. Eine Vertreterin der Documenta wies wiederum jede Verbindungen zu BDS zurück. Die aktuelle Documenta ist ein Tummelplatz von politischen Aktivisten aus den Bereichen Gender, Klima und Kolonialismus, hat aber eher nichts oder wenig mit Kunst zu tun. Natürlich wurde auch wieder das Narrativ verbreitet, Antisemitismus käme nur von rechten Deutschen. Und die Visage von diesem „Moderator“ ertragen zu müssen, ist eine zusätzliche Qual.

  5. Nun ist Thorsten Sommers Ausgangstweet, der so viele Steine ins Rollen brachte, bei Twitter gesperrt worden.
    So geht es offenbar allen, die unserern woken Diversity-Hipstern das Spiel verderben.

  6. Unter dem Twitter-Deckmantel vermutlich, Antisemitismus zu bekämpfen. Demnächst werden dann vermutlich auch Putin-Kritiker gesperrt, weil sie ja Putins totalitäre Doktrin verbreiten helfen.

  7. HINWEIS: Rechte oder neurechte Trollkommentare, auch solche, die sich judenfreundlich geben, lösche ich. Wer aus ARD „Antisemitischer Rundfunk Deutschland“ macht, ist leider auf dem falschen Dampfer und damit auch auf diesem Blog falsch. Medienkritik bitter immer konkret und anhand von Beispielen. Und kleiner Tip noch: All-Aussgen nicht mit „Einige“-Aussagen verwechseln. Stichwort mereologischer Fehlschluß.

    Wobei, Nachtrag: Nein, ich habe mir überlegt, ihn aus dokumentarischen Gründen stehenzulassen. Auch weil darin derart vieles falsch ist, daß man daran wiederum lernen kann. Erstens kann auch politische Kunst Kunst sein, zweitens sind nicht die Themen der documenta 15 per se schlecht, sondern es kann sein, daß die Art, wie sie umgesetzt wurden, ästhetisch problematisch ist. Dazu muß man freilich die Werke dann auch wieder gesehen haben. Drittens gibt es keinen Staatsantifaschismus. Es gibt Gedenkveranstaltungen und es ist manchmal problematisch, wie mit hier lebenden Juden umgegangen wird. Aber das läßt noch lange nicht den von Ihnen getätigten Schluß zu.

  8. Und noch etwas, nouseforislam: Du tust der Sache mit solchen Kommentaren ganz und gar keinen Gefallen – so gut sie auch gemeint sein mag. Weil all das, was Du schreibst, nämlich sehr leicht sich widerlegen läßt und damit wird die Darstellung im ganzen unglaubwürdig. Wenn man schon Polemik fährt, muß es ausgefeilter gemacht werden. Man darf dabei nicht schon auf der Ebene basaler Fakten widerlegbar sein.

  9. „People’s Justice“ heißt das Banner, wie ich gerade lese. Es klingt, als spräche Roland Freisler die Sätze „Im Namen des Volkes“. Bzw: Es erinnert an irre Maoisten der Kulturrevolution oder an Pol Pot. Linke Gesellschaftskritik hat solchen Humbug zu kritisieren. In der Kunst hat solcher offen antisemitischer Agitprop jedenfalls nichts verloren.

    Ich hoffe, die Sache wird justiziabel und es stellt jemand Strafanzeige.

  10. dann sage ich mal nix zur freihet der kunst
    mein freiheitsbegriff sieht da etwas anders aus
    man könnte wenn man wollte auch völlig anders argumentieren
    und lass das mal im nebulösen raum
    eh ich noch gelyncht werde

  11. Freiheit der Kunst heißt, daß es sich bei solchen Wandbildern überhaupt um Kunst handelt und nicht einfach um Propaganda-Machwerke, die in Billigästhetik daherkommen und die Botschaft: Jude Raffzahn, „Juden sind die tatsächlichen Nazi“ in einem als uneigentlich getarnten Sprechen verbreiten wollen: mithin also antisemitische Propaganda unter dem Deckmantel der Kunst betreiben. Freiheit bedeutet im übrigen auch nicht, daß jeder tut, was er denkt, das man so tun kann. Die Kunst in Anspruch zu nehmen, um Holocaustleugnung zu betreiben, wäre ebenfalls mehr als problematisch. Und wie ich es schrieb: bei dieser antisemitschen Darstellung von Juden und von Israel ist kein doppelter Boden, kein Mehr, keine weitere Ebene eingebaut. Etwa als Anselm Kiefer den Hitlergruß zeigte oder die genial-überschießenden Werke von Jonathan Meese. Oder auch die Textflächen von Elfriede Jelinek, die rein aus Zitaten aus dem NS bestehen und eben in diesem Dauersound das, was dargestellt wird, durch die Art der Darstellung ins Absurde führen. All das geschieht in diesem Machwerk nicht. Bei Jelinek sind es Zitate, die durch ihren Kontext eine andere Funktion bekommen. Während das, was Taring Padi betreibt, eine Eins-zu-eins-Wiedergabe ihrer politischen Ansichten sind.

  12. Hinzu kommt: jeder hat die Freiheit bestimmte Dinge zu zeigen. Aber wer diese Freiheit für sich in Anspruch nimmt, muß es dann auch ertragen, daß kritisiert wird. Und um es im Blick auf Putin nochmal zu verdeutlichen: Einen Eimer russischer putinscher Pferdepisse werden wir nicht schmackafte Limonade mit Eigenduft nennen, sondern sie als das bezeichnen, was sie ist. So auch bei diesem Documenta-Machwerk. Ob man diese Sache abbauen soll? Weiß ich nicht. Ich würde sie so lassen. Auch um eine bestimmte Linke auf Dauer zu beschämen.

  13. Der Antifaschismus war schon ein Bestandteil des DDR-Staats(un)wesens. Und die Politik der letzten Jahre mit ihrem hektischen Kampf gegen „Rechts“, ihrem fleissigen Unterstützen diverser sogenannter „antifaschistischer“ Organisation, etc. beweist, dass die BRD den gleichen Weg geht. Zur Doktrin ist er noch nicht gelangt, aber wir sind auf dem Wege dorthin. Wollen Sie das bestreiten?

  14. „Manchmal problematisch“? Das sehen wohl viele Juden etwas anders. Und entgegen der offiziellen Faeser und Konsorten-Rhetorik ist der islamische Antisemtismus/Israel-Hass sehr weit verbreitet. Aber solange sich unsere „Reg“ weigert, solche Tatsachen anzuerkennen, wird sich wohl wenig ändern. In einem Land wie Frankreich ist diese Problematik ebenfalls bekannt, aber man ist sich dessen schon etwas bewusster. Und zum Thema Kunst: Das, was ich davon bisher gesehen habe, ist billigste Propaganda. Ich habe eine Documenta – die mit Beuys‘ Honigmaschine – „live“ besucht. Dagegen ist das, was heute präsentiert wird, so von Haltung durchdrungen, dass ich es nicht mehr als Kunst bezeichnen möchte. Ich habe die Beuys’sche Installation bis heute nicht verstanden, aber allein schon die Tatsache, dass man immer noch über Sinn/Unsinn des Ganzen reflektiert, ist für mich ein Beweis, dass es sich um Kunst handelt/gehandelt hat. Um einer Gehirnwäsche unterzogen zu werden, indem ich mir Haltungskunst zu Gemüte führe, ist mir die Zeit zu schade. Da ziehe ich politische Plakate vor, die in vielen Fällen noch gestalterisch überzeugen (nein, keine neuen).

  15. Hat Herr Beck gemacht. Grüne sind mir zwar ein Graus, aber diesbezüglich hat er alles richtig gemacht. Die Roth beschwert sich jetzt auch. Bei ihrer Mullah-Nähe kommen mir allerdings Zeifel an ihrer Lauterkeit.

  16. Das stimmt. Gesellschaftliches Lynchen geht heute flott von der Hand.

  17. Nachtrag zum Blogtext:

    Auf dieses Banner wies bereits am 18.6. der WELT-Autor Nathan Giwerzew hin. Es hätte dies alles also bereits seit der Eröffnung gewußt werden können.

    „#documenta15 ist ein Dammbruch, was Antisemitismus angeht: „Question of Funding“ setzt Israel mit dem NS-Staat gleich. „Taring Padi“ stellt Agitprop-Bilder u.a. mit Dollarzeichen und Davidsternen auf. Beide waren heute auf einer Pro-BDS-Demo zu sehen. Bald mehr

  18. ich wär nie auf die idee gekommen dieses werk weltöffentlich derart krass zu erhöhen
    dazu braucht es wirklich deutsche befindlichkeiten
    die einen eher auf die idee kommen lassen müssen nur deutsche kunst auszustellen auf der dokumenta

    wo ist das corpus delikti auf diesem werk?
    es wäre jeder drann vorbeigegangen
    keiner hätte es wahrgenommen
    es sind sparsame schläfenlocken
    in der grösse eines federstrichs auf der fläche eines fussballfeldes

    schon bricht der wahnsinn heran von einem verbissenen entdeckt
    wird es zum bedeutendsten werk der dokumenta
    es gibt kein land das daran vorbeikommt es zu betrachten
    die existenz israels steht plötzlich auf dem spiel
    demnächst kommen fackelträger von neonazis und umrunden dieses bild
    (löblich will ich bemerken das solche gestalten nie einen dokumenta-besuch in auge gefasst haben und so ihr kunstverständnis vervollkommnen können)

    gegendemos reißen bäume aus von joseph beuys gepflanzt um sie zu erschlagen
    kassels polizei in aufruhr
    polizeischutz tag und nacht für das bild
    es ist mal wieder alles unfassbar
    es reichen schläfenlocken und alle drehen durch
    kaftan hakennase alles nicht mehr nötig
    zentrale bildaussage auch nicht mehr
    da gehts ja um was ganz anderes
    007 kgb cia mossad und mI5
    die kanonen die dahinterstehen
    und die verursachten totenköpfe

    das schwein wurde nicht als jude ausgemalt
    der fette kapitalist mit fliege hatte keinen davidsstern
    und in vorderster front die tusse trägt auch noch die österreichische flagge
    ich fasse es nicht was irrsinnige aus diesem bild machen

    vom marketing gesehen da ich ja als ziwo wirtschaftlichen denkens bin trau ich mir nich zu dieses werk perkunär zu schätzen
    wobei die qualität nicht entscheidend ist
    sondern die explosion die 2 federstriche hervorgerufen haben auf der fläche eines fussballfeldes

    DENK ICH AN DEUTSCHLAND IN DER NACHT
    BIST DU UM DEN SCHLAF GEBRACHT!

  19. weil bersarin die welt zu wort kommen lässt lasse ich sie auch zu wort kommen:
    “ Ausgerechnet das kurz nach dem Holocaust gegründete Land muss nun einen großen Teil der postkolonialen Kritik auf sich ziehen – und das soll nicht antisemitisch sein? “

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article239419087/Documenta-Wenn-der-globale-Sueden-Israel-unsichtbar-machen-will.html

    das problem is nur so: was hatte palästina mit dem holocaust zu tun?

    und wenn palästina von israel dominiert wird wie putin in der ukraine tobt wird doch mancher aus dieser gegend fragen dürfen wo ist da der unterschied?
    wie oft fahren wir nach israel und palästina und mahnen die zweistaatenlösung an?
    an verlogenheit sind wir ja nicht zu überbieten

    und wenn künstler rebellieren dann sind sie antisemitisch?

    ES IST NICHT ANTISEMITISCH!
    FREIHEIT FÜR PALÄSTINA UND DIE UKRAINE!

    ist dieses ganze geschrei mit antisemitismus nicht nur dafür da unsere unfähigkeit zu kaschieren unsere besonderen befindlichkeiten
    rede ich etwa antisemitisch?
    der witz is ja es ist die offizielle agenda deutschlands in der aussenpolitik

    aber wenn dann ein künstler mag er noch so klein und schmächtig sein 2 federstriche auf ein fussballfeld malt dann steht israel vor dem ruin
    dann bahnt sich antisemitismus an

    IHR HABT DOCH NICHT MEHR ALLE AN DER LATTE!

  20. ziwo, ich denke, Du hast von dem Unterschied zwischen Kunst und Propaganda nicht wirklich eine Ahnung.

    „das problem is nur so: was hatte palästina mit dem holocaust zu tun?“

    Versuch darüber einfach mal nachzudenken und dann wirst auch Du auf ein Ergebnis kommen. Die Gründung Israels beruht nicht nur, aber zu einem wesentlichen Teil auf dem Holocaust, weil Juden nun keine Lust mehr hatten, sich irgendwo in der Welt umbringen zu lassen.

    „und wenn palästina von israel dominiert wird“

    Es gibt kein Palästina. Es gibt Israel und davor hat es ein britisches Mandatsgebiet gegeben und davor ein Osmanisches Reich.

    „aber wenn dann ein künstler mag er noch so klein und schmächtig sein 2 federstriche auf ein fussballfeld malt dann steht israel vor dem ruin“

    Hat wer wo behauptet? Niemand.

    So ziwo und nun Klartext: Entweder Du schreibst hier informiert und dödelst mir hier nicht den Blog voll mit solchem Durchfall oder Du fliegst hier gleich wieder elegant raus.

  21. @nouseforislam
    „Und die Politik der letzten Jahre mit ihrem hektischen Kampf gegen „Rechts“, ihrem fleissigen Unterstützen diverser sogenannter „antifaschistischer“ Organisation, etc. beweist, dass die BRD den gleichen Weg geht.“

    Wenn Du in den politischen Systemen den Unterschied zwischen der DDR und der heutigen und auch damaligen Bundesrepublik nicht siehst, dann würde ich mich an Deiner Stelle mit allen weiteren politischen Urteilen zunächst zurückhalten und mich besser mit dem politischen System der Bundesrepublik befassen. Solche Zuspitzungen wie Du sie vornimmst, führen in die Irre und ebnen Unterschiede ein. Denn anders als in der DDR können wir hier gegen solchen Antisemitismus protestieren und ihn benennen. Und wir können sogar gegen ein Regierung protestieren.

    „Und entgegen der offiziellen Faeser und Konsorten-Rhetorik ist der islamische Antisemtismus/Israel-Hass sehr weit verbreitet.“

    Das ist auch nicht zu betreiten. Aber dennoch gibt es in Deutschland eine Öffentlichkeit und auch eine Regierung und sogar einen Bundespräsidenten, der sich gegen solchen auch arabischen Antisemitismus stellt. Ob es immer ausreichend geschieht, ist eine andere Sache, man würde sich da manchmal klarerer Wort noch wünschen. Aber die Thematisierung von arabischem Antisemitismus in Deutschland ist ja vorhanden. In diesem Sinnen auch hier: Differenzierte Kritik ist besser.

  22. @ziwo: „aber wenn dann ein künstler mag er noch so klein und schmächtig sein 2 federstriche auf ein fussballfeld malt dann steht israel vor dem ruin
    dann bahnt sich antisemitismus an“

    Hat wer wo geschrieben, daß Israel vor dem Ruin steht? Du hast anscheinend das Problem nicht gut erfaßt. Hier geht es nicht um Israel, sondern um irgendwelche Schrunzen, die Kunstfördergelder abgreifen, um eine Agenda zu verbreiten, die auf dem Niveau eines Kunstmittelstufenkurses aus dem Jahr 1971 liegt, der etwas früher als Horst Mahler die Seiten gewechselt hat.

  23. Nun die meiste moderne Kunst lässt mich kalt. Aber das hat aus meiner Sicht das Niveau von Comic-Bildchen. Warum man sowas ausstellt ist mir unverständlich. Dann doch lieber Comics von den Freak Brothers.

  24. Nun, der Sache lag der gute Wille zugrunde, mal progressiven KünstlerInnen aus der früher so genannten Dritten Welt eine Stimme zu geben. Und als linker Konsens gilt von Südamerika über Afrika südlich der Sahara (die arabische Welt knüpft daran an, trotzdem schließe ich sie als Sonderfall aus dieser Betrachtung aus), Indien, Indonesien und die Philipinnen ein Vulgärantiimperialismus, bei dem Wall Street, das US-Militär, CIA und MI5/6 und Israel die Achse des Bösen darstellen. Ursprünglich bezieht diese Auffassung sich auf eine dem Kalten Krieg parallellaufende bzw. mit diesem verschränkte Konfrontation der blockfreien Staaten (u.a. Kuba, Algerien, Jugoslawien) mit dem früheren informellen Bündnis Pinochet-Chile, Generäle-Argentinien, Apartheid-Südafrika und Israel, dem letzteres aufgrund von westlichen Waffenembargos nach dem Sechstagekrieg angehörte. Also eine spezifische Fronstellung aus den 70er und 80er Jahren. Die so etwa das ist, was ein durchschnittlicher marxistischer Gemeinschaftskundelehrer in Südafrika, Kerala oder Indonesien seinen Schülern bis heute als Weltbild vermittelt.

    Das ist die eine Komponente.

    Die andere ist die, dass Wimmelbildkunst im Stil der Siebziger und so eine Mischung als Sozialistischem Realismus und Naiver Kunst in der arabischen Welt und Indonesien als aktuelle progressive Kunst gilt.

    Und anhand des aktuellen Beispiels stellt sich dann eben die Frage, inwieweit die Vulgärvariante des alten Antiimperialismus und der Antisemitismus ineinanderspielen. Etwas, das wir Anhänger des neuen Antiimperialismus den Antiimps seit 1988 unter die Nase halten.

  25. Na ja, das bloße Gefühl ist ja als Kriterium nicht ausreichend, zumal dabei ein Gefühl neben dem anderen stehen kann. Genügend Leute gibt es ja, die sich bei solchen Werken gut fühlen. Werke, die zu dem in der Tradition der Wandbilder stehen.

  26. @che: Die documenta ist eine der großen Weltkunstausstellungen, wie auch die Venedig Biennale und da sollte, außer man will sich zur Bedeutungslosigkeit kleinschrumpfen, schon noch eine gewisse Qualität und Güte herrschen: was nicht bedeutet, daß nicht auch und gerade Künstler aus Afrika und Asien und Südamerika mit dabei sind. Für die Qualität und die Güte der Arbeiten und Projekte freilich sind die Ausstellungsmacher verantwortlich. Und da zeigt sich wieder einmal, daß das gut Gemeinte das Gegenteil des gut Gemachten ist. Und wenn eine Kunstausstellung eher wirkt wie eine Projetwoche einer gymnasilane Mittelstufe, dann läuft da was falsch. Ich schreibe dazu morgen was. Ruangrupa wurden im übrigen schon lange auf das Problematische eines solchen Konzepts hingewiesen und es gab bereits im Januar Kritik auch an einigen arabischen Gruppen. Vor diesem Hintergrund hätten die Veranstalter genauer schauen müssen.

    Und auch solch „kultureller Hintergrund“ rechtfertigt keine antisemitischen Stereotypen. Ansonsten müßte man wohl bei den Stürmer“karikaturen“ und bei Julius Streicher und Goebbels dann auch sagen, daß da eben deren Erfahrungen mit Juden aus der Weimarer Republik verarbeitet würden. Dies ist aber keine wirklich zielführende Erklärung, was da die Macher dieses Machwerkes im Augenblick herumrudern. Sinngemäß faseln diese Leute davon, daß in diesem speziellen Kontext dieses Werk in Deutschland als beleidigend empfunden werden könnte. Deutlicher kann man eigentlich nicht mehr zu verstehen geben, daß man mit Antisemitismus und der stereotypen Darstellung von Juden eigentlich gar keine Probleme hat, wenn einer da die Bildssprache nicht bemerkt. Auch 2002 nicht. Aber was viel besser ist: diese Leute aus dem globalen Süden bedienen sich genau dieser westlichen, europäischen Bildsprache, um antisemitische Stereotypen darzustellen. Nein, die Naivität glaube ich dieser Bande von „Künstler“ nicht, auf die sie sich hier herausreden wollen. Die wußten, was sie da taten und was sie da malten.

    Und was ich mindestens genauso schlimm finde, ist das laute Schweigen all derer, die ansonsten beim kleinsten Anlaß – und da reicht es, daß ein weiter Schauspieler auf dem Theater sich für den Othello schwarz schminkt – in Empörungsstürme ausbrechen und diesen Schauspieler nach allen Regeln der Kunst auf Twitter fertigmachen. Hier aber, bei Dritte-Welt-Antisemitismus schweigen sie: ob das unser Erdogan- und Milli Görüs-Fangirl Kübra Gümüsay ist oder Stokowski oder Teresa Bücker oder Till Raether und wie sie alle heißen. Hätte sich das ein als rechts gelabelter Künstler geleistet: wir können sicher sein, daß jene üblichen Verdächtigen sich die Finger und die Tastatur ihres Smartphones heißgeschrieben hätten, um ihre Empörung loszulassen. Und ich möchte die Empörung nicht lesen, die Elke Buhr (Monopol) oder Tobi Müller (Deutschlandfung) sich herausgeschrieben hätten, wenn das irgendein als rechts gelabelter Maler sich geleistet hätte.

    Solche Werke wie die gezeigten mögen nicht die gesamte Documenta entwerten und irgendwo wird sich immer was finden, was irgendwie doch gelungen ist. Aber das ändert nichts daran, daß das Gesamtkonzept und ein Großteil der gezeigten Werke doch sehr durchschaubar sind – zumindest wenn nich nach dem gehe, was ich bisher gesehen und gelesen habe.

  27. In der WELT steht es treffend:

    „Plötzlich sind alle schockiert: ein antisemitisches Kunstwerk, das an NS-Propaganda erinnert, auf dem wichtigsten Platz von Kassel. Wer trägt die Verantwortung? Die Frage lässt sich klar beantworten – und muss sofort zu Konsequenzen führen, um Schlimmeres abzuwenden.
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    Eine Documenta dauert hundert Tage. Nach nur drei Tagen stehen die Macher der Documenta fifteen vor einem Scherbenhaufen. Antisemitische Darstellungen auf dem wichtigsten Platz von Kassel, mitten in der größten Kunstschau der Welt. Keine „Israelkritik“, nein, klassischer Antisemitismus. Die Gleichsetzung der israelischen Armee mit der Wehrmacht in einem von der Gruppe „The Question of Funding“ kuratierten Raum verblasst dagegen.

    Plötzlich sind alle schockiert. Hat man es kommen sehen? Ja. Um ehrlich zu sein aber nicht in dieser Drastik. Seit mehr als sechs Monaten wurde in dieser Zeitung darauf hingewiesen, dass die Documenta fifteen von Israelfeinden kuratiert wird. Menschen, die Petitionen unterschrieben haben, in denen zur Zerschlagung, zum „Auseinandernehmen“ des jüdischen Staates aufgefordert wird. Die Schau hat mit Ruangrupa eine künstlerische Leitung, deren Mitglieder sich an Boykottaufrufen zum Ausschluss israelischer Institutionen von künstlerischen und wissenschaftlichen Veranstaltungen beteiligt haben. Die Reaktion der Documenta auf diese Vorwürfe war die Verleumdung ihrer Kritiker als Rassisten. Sorgen des Zentralrats der Juden in Deutschland wurden als unzulässige Einmischung abgetan. Bei dieser Strategie des Leugnens und Ausweichens haben auch der Bürgermeister von Kassel, Christian Geselle, und Kulturstaatsministerin Claudia Roth eine unrühmliche Rolle gespielt. Sich jetzt überrascht und empört zu zeigen wegen eines Kunstwerks, ist heuchlerisch.

    Was nun? Öffentliche Institutionen tragen eine besondere Verantwortung. In einer Demokratie kann diese Verantwortungskette immer nur bei einer gewählten Instanz enden. Die Aufsicht über die Documenta gGmbH führen Abgeordnete und Regierungsmitglieder. Sie bestimmen Personal und Etat. Und sie sind nun in der Pflicht, weiteren Schaden von der Documenta, der Stadt Kassel, dem Land Hessen und der Bundesrepublik Deutschland abzuwenden. Dazu gehört unbedingt die sofortige Entlassung der Geschäftsführung um Sabine Schormann und des gesamten künstlerischen Teams, das die Documenta fifteen verantwortet und die Kuratoren unterstützt.

    Nicht um die Schau von Ruangrupa zu „canceln“, sondern um sie, soweit es geht, zu retten. Die Institution würde einen sofortigen Abbruch auch finanziell nicht überleben. Die Schuld an diesem Desaster liegt nicht bei den vielen beteiligten Künstlern oder beim viel zitierten „Globalen Süden“. Ruangrupa wurde ein Team zur Seite gestellt, das vorwiegend aus Europa kommt und sich im Betrieb bestens auskennt. Kein einziges Mal wurde von ihnen angesichts der berechtigten Kritik nur der Hauch einer Distanzierung vom BDS laut. Jetzt, da ein an NS-Propaganda erinnerndes Motiv mitten in Kassel auftaucht, redet die Documenta-Geschäftsführerin Sabine Schormann in einem Statement allen Ernstes von diesem Werk als „einem Denkmal der Trauer über die Unmöglichkeit des Dialogs in diesem Moment“.

    Befreiungskitsch und Israelhass

    Das Documenta-Team weiß, was auf den Bildern zu sehen ist, die dort ausgestellt werden. Es weiß auch, was auf den Filmen zu sehen ist, die dort gezeigt werden. Das in Brüssel und Ramallah arbeitende Kollektiv „Subversiv Film“ zeigt die verfilmte „anti-imperialistische Solidarität“ der Japaner mit den Palästinensern aus den 1970ern. Der „renommierte Regisseur“, von dem das Kollektiv die Filme in Tokyo bekommen hat, war zeitweilig Mitglied der japanischen Rote-Armee-Fraktion. Dass diese Terrorgruppe 1972 sechsundzwanzig Israelis auf einem Flughafen ermordete, wird nicht erwähnt. Die „Süddeutsche Zeitung“ spricht angesichts der in Kassel gezeigten Bänder von „wild geschnittenen Bildern, die die Palästinenser implizit als moralisch angeblich überlegene Ureinwohner verherrlicht“.“

    https://www.welt.de/kultur/article239483243/Documenta-Warum-die-Leitung-sofort-entlassen-werden-muss.html?

    Und ich fürchte, da kommt noch mehe Scheiße raus, was diese Leute sich da zusammengewurstelt haben. So etwas, darf es in dieser Form nie wieder geben.

    Leid tut mir das ganze vor allem für all jene Künstler, die in Kassel versuchen, gute Arbeiten zu zeigen.

  28. Von irgend einer Einsicht ist bei diesem Kollektiv rein gar nichts zu bemerken:

    .“Wir sind traurig darüber, dass Details dieses Banners anders verstanden werden als ihr ursprünglicher Zweck. Wir entschuldigen uns für die in diesem Zusammenhang entstandenen Verletzungen. Als Zeichen des Respekts und mit großem Bedauern decken wir die entsprechende Arbeit ab, die in diesem speziellen Kontext in Deutschland als beleidigend empfunden wird. Das Werk wird nun zu einem Denkmal der Trauer über die Unmöglichkeit des Dialogs in diesem Moment. Wir hoffen, dass dieses Denkmal nun der Ausgangspunkt für einen neuen Dialog sein kann.““

    https://documenta-fifteen.de/news/verdeckung-einer-arbeit-von-taring-padi-auf-der-documenta-fifteen/

    Wenn nicht auch die Urheber dieses Banners sehen, was an dieser Darstellung derart entsetzlich ist, dann ist dies um so schlimmer und trauriger. Da wäre doch mal ein guter Ansatz für all jene Twitter-Aktivisten, die dauernd Rassismus bekämpfen wollen. Judenhaß und antisemitische Sichtweisen sind eben nicht nur bei Deutschen endemisch.

  29. Die zunächst ja entscheidende Frage ist, wie das denn geschehen konnte. Ich habe mit viel Pseudo-Dialektik gerechnet, die wie üblich auf Linksaußen äußerst unsubtil immer wieder unter dem Banner „Israelkritik“ rudert und so in den linken Weltverbesserungshafen einfährt. Dieser linke Kahn kann ja das eine nicht sein (antijüdisch) ohne das andere zu lassen (postkolonial), woraus das Dritte folgt (antifaschistisch). Postkolonial, antijüdisch und antifaschistisch heißt die säkulare, linksheilige Drei-Einfältigkeit. Dazu unerquickliche Diskussionen, Unterstellungen eines „Judenknacks“ etc.. Das in etwa hatte ich erwartet.

    Aber ein antifaschistisches Kitschwimmelbild mit Karikaturen wie bei Julius Streicher abgepaust – das hat mich dann doch verblüfft. Noch einmal: Wie kam es dazu?

    Zwei konkurrierende Erklärungen sehe ich. Sie können, müssen sich aber nicht ausschließen.
    Die erste geht von einer naiven Weltsicht aus. Diese besteht in einem ewig schlechten Gewissen gegenüber dem „globalen Süden“. Dieses Weltbild enthält eine große Schnittmenge zur sog. critical whiteness. Kurz gesagt geht unser selbstkritischer Weißer davon aus, dass Rassismus von der Hautfarbe abhängt, speziell also nur ein hellhäutiger Mensch ein Rassist sein kann. Alles andere fällt bei ihm unter Blasphemie.
    Folge dieses weißen Rassismus ist die Unterdrückung des „globalen Südens“ gewesen. Diese Geschichte arbeitet der Postkolonialismus auf. Und an diesem Aufarbeitungsprojekt bastelt unser moralisch tief zerknirschter critical whiteness-Aktivist kräftig mit.
    In diesem Projekt bekam der „globale Süden“ nun auf einer der bedeutensten Kunstschauen die Möglichkeit, ihre Positionen des darzustellen. Dass es hierbei zu rassistischen, antisemitischen Werken kommen könnte, liegt völlig außerhalb der Einbildungskraft unseres zerknirschten Aktivisten. Es widerspricht ja seiner Weltsicht diametral, die da lautet: Nur Weiße können böse sein und der „globale Süden“ ist reiner Ausdruck berechtigten Gerechtigkeitsstreben. Nun steht unser Aktivist vor den Trümern seiner Ideologie: Karikaturen in Stürmer-Manier. Ein Weltbild wie das derjenigen, die in Auschwitz an der Rampe standen. Genauso kalt, genauso verachtend, genauso gedankenlos. Man muss das schlimmste befürchten, wenn diese Leute, diese „Kunst“Truppe wirkliche Macht in den Händen halten würden. So muss man es ja wohl sehen.
    Das ist dann schon die nahtlose Hinwendung zur zweiten Erklärung: Uneingestandener Antisemitismus. Diese frechen Juden, die uns jahrzehntelang ihre moralische Überlegenheit haben spüren lassen, darf ich jetzt mal so richtig vorführen. Nein, nicht Opfer seid Ihr, Ihr doofen Juden, sondern Täter! Seit Jahrhunderten schon. So denkt ES wohl in so manchem kunzelmannschen Kopf.

    Wer was in sich trägt, weiß ich natürlich nicht. Ich nehme zwanglos an, dass der Critical-Whitness-Aktivist die häufigere Variante darstellt. Kann aber im Einzelfall einen kunzelmannschen Antisemitismus nicht ausschließen. Eines aber weiß ich: Das darf nicht ohne Konsequenz bleiben. Das Führungsgremium der Documenta hat unverzüglich zu verschwinden. Und auch die eine oder der andere Politiker*innen kann mit Hilfe eines Rücktritts Achtung und Selbstachtung zurückgewinnen.

  30. @Herwig: Sehr gute Analyse und treffend auf den Punkt gebracht: vor allem die Linie Critical Whiteness, Postcolonial Studies in einer auf trivial-dumme Weise von den USA her, wo das schon unheilvolle, inquisitorische Züge trug, nach Deutchland überführt und auch dieses eben: „Kurz gesagt geht unser selbstkritischer Weißer davon aus, dass Rassismus von der Hautfarbe abhängt, speziell also nur ein hellhäutiger Mensch ein Rassist sein kann. Alles andere fällt bei ihm unter Blasphemie.“ Dieses Denken trägt fast schon religiöse, aber zumindest dogmatische Züge.

    Ich sehe es inzwischen auch so, daß das Führungsgremium der documenta, insbesondere Sabine Schormann zurückzutreten hat. Was sie heute in Kulturzeit von sich gab, zeugt von einer erheblichen Naivität und vor allem war es ein einziges Abwiegeln.

    Gut auch der Hinweis auf einen in Teilen der Linken enedmischen Antisemitismus: Leute wie Kunzelmann und Horst Mahler wissen, was sie tun und sagen. Und ähnliches auch bei der RAF, bis hin zur Sonderung von Juden bei der Flugzeugentführung 1976 nach Entebbe. Und ich fürchte eben auch, daß es da eine Linie gibt. Man gehe mal auf die Al-Kuds-Demo und was man da teils auch an palästinenserfreundlichen Linken sieht. Zum Glück gibt es eben auch noch eine andere Linke, die diese Dinge im Blick hat.

  31. frau sabine soll also mit einem hubwagen und lupe das werk in augenschein nehmen
    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/documenta-antisemitisches-wandbild-wird-entfernt-18116298/gerechtigkeit-widerfaehrt-hier-18115151.html
    weil es darum geht mögliche antisemitischen vermutungen keinen raum zu lassen
    find ich echt geil

    in der modernen theologie werden texte auf den sitz im leben überprüft
    das bild stammte von 2002 und weder ein israelischer kulturverein noch sonstige antisemitismusfraktion hat sich in australien
    noch in anderen nachfolgenden ländern in asien mokiert
    die künstler die sich auf indonesien bezogen hätten beim erstellen des werkes daran denken sollen wie antisemitische kampfbrigaden in deutschland es interpretieren

    ich schlage also vor:
    ein komitee entartete weltkunst
    das jedes werk bis auf den letzten federstrich interpretiert
    und dann abstempelt

    mir is schon klar am deutschen wesen soll die welt genesen
    nur kommt dann fast keiner mehr

  32. Das ist leider alles kein Argument, was Du da bringst. Dieses Bild enthält eindeutig antisemitische Inhalte. Und darüber brauche wir hier auch nicht zu diskutieren. Wenn Du das hier diskutieren willst, dann schmeiße ich Dich beim nächsten Posting raus. Ich diskutiere hier auch nicht mit Putin-Trollen, die mir erzählen wollen, daß Rußland gar keinen Angriffskrieg führt und daß an diesem Krieg nur die NATO schuld sei.

    „mögliche antisemitischen vermutungen“ Ich gehe davon aus, daß Du das ironisch meinst: Ansonsten würde ich Dir zunächst mal eine Nachhilfestunde in politischer Ikonographie empfehlen. Im Namen solcher Bilder ist in Deutschland die Shoah durchgeführt worden. Viellecht ist Dir dies entfallen. Ich erinnere Dich aber gerne nochmal daran.

    Man kann darüber reden, wie man mit dem Bild umgehen soll: Interessant ist es insofern, weil sich an diesem Bild zeigt, wie sich in die Aktivistenszene der Dritten Welt ein Antisemitismus eingeschlichen hat, der nicht einmal mehr bemerkt wird oder wenn er bemerkt wird, als normal und nicht weiter schlimm gesetzt wird. DAS ist der erschreckende Befund. Daß diese spezifisch antisemitische Ikonographie entweder gar nicht erst gesehen oder aber billigend in kauf genommen wird. Das wären in der Tat interessante Debatten. Aber nicht Dein Rumgerante hier.

    „frau sabine soll also mit einem hubwagen und lupe das werk in augenschein nehmen“

    Verantwortliche heißen verantwortlich, weil sie? Ja stimmt, weil sie verantwortlich sind. Sie ist ja nicht der Praktikan. Und wenn dieses Bild ein Twitterer mit nicht einmal 60 Followern erkennt und im übrigen auch Nathan Giwerzew von der WELT, dann wird das sicherlich auch einer Frau leisten können, die professionell mit Kunst zu tun hat und die die documenta leitet. Im übrigen hat es diese Antisemitismusvorwürfe seit Januar gegeben. Es hätte hier also bereits im Vorfeld eine erhöhte Aufmerksamkeit geben müssen. Und zu diesen Umständen hat oben Herwig alles weitere geschrieben. Das sind zunächst mal die Fakten und um die geht es.

    „ein komitee entartete weltkunst
    das jedes werk bis auf den letzten federstrich interpretiert“

    Ist auch nicht der Punkt. Sondern vielmehr sind evident antisemitische Darstellungen als solche zu benennen. Wir nennen Putin ja auch nicht einen Friedensfürsten. Insofern ist auch das kein Argument und zudem eine polemisch-dumme Zuspitzung. Ansonsten: einfach mal mit der Geschichte Deutschlands sich befassen. Übrigens: weil diese Sache 2002 durchging, was schlimm genug ist und wozu man weiterhin auch die Ausstellungsbedingung und die Öffentlichkeit, die diese Bild erfuhr, dann kennen muß, ist es deshalb ja nicht zwangsläufig richtig, daß es auch 2022 durchgeht. Weil Putin 2008 Georgien angriff und Teile des Landes besetzte und weil das im Westen so durchging, ist es ja auch nicht richtig, daß wir Putin dann auch die Ukraine durchgehen lassen. Das sind basale logische Bezüge: aus dem Schweigen zu A. läßt sich kein generelles Schweigen ableiten. Sondern es zeigt eben nur, daß bei A geschwiegen wurde. Was schlimm genug ist.

    „ein komitee entartete weltkunst“

    Billige und dumme Täter-Opfer-Umkehr. Davon abgesehen hat es in Deutschland mit solchen Bildern aus Gründen der Geschichte, die auch Du sicherlich irgendwie wirst mitbekommen haben, eine andere Bewandnis als in anderen Ländern. Auch das motiviert zu diesen Reaktionen.

    Ansonsten hegst Du zudem ein unangemessenes Verständnis von Freiheit. Freiheit bedeutet nämlich nicht, einfach zu tun und zu lassen, was man will. So wie es auch keine Einschränkun der Freiheit ist, wenn ein Staat in einem demokratischen Procedere bestimmte Einschränkungen erläßt. Wenn ich Dir morgen Dein Auto abfackele und das als eine Kunstaktion ausgebe, um auf den Klimawandel und die Autoindustrie aufmerksam zu machen, dann ist solches nicht mehr von der Kunstfreiheit gedeckt. Wenn unter Angabe eines Photos von Dir und Deiner Adresse dazu aufrufe, Dir Schaden zuzufügen, dann ist auch das nicht durch die Kunstfreiheit gedeckt. Und so ist es auch mit solchen Kunstwerken, die in Deutschland aus gutem Grunde in die Kritik genommen werden. Im übrigen kann das Kunstwerk ja weiterhin gezeigt werden, solange ein Gericht nicht dagegen entscheidet. Die Künstler können es in einer Privatgalerie ausstellen.

    Viel interessanter an diesem Bild ist der Umstand, daß in den Köpfen dieser Leute derartige Stereotypen reproduziert werden. Und da ist dann in der Tat eine Debatte angebracht. Immerhin dazu ist dieses auch ästhetisch lausige Bild gut. Und auch darüber, was Kunst ist und was nicht. Und was von der Kunstfreiheit gedeckt ist und was nicht.

  33. Dürfte Dich interessieren, Herwig:

    Nathan Giwerzew
    @nathan_giwerzew
    ·
    20. Juni
    Aber das ist noch nicht alles:„Taring Padi“ war am Samstag auf einer Pro-BDS-Demo, und zwar mit einem deutlich antisemitischem Symbol: Dem Pappbild eines langnasigen Militärs, der einer Anti-Nazi-Karikatur der USA aus dem 2. WK nachempfunden ist.

  34. selbstverständlich musst du mich rausschmeissen weil ich da keinen jota von ablasse

    Hinweis Bersarin: Und genau das tue ich hiermit auch, weil ich mir mit solchem argumentfreien Blödsinn nicht meinen Blog zerschießen lassen und weil mir vor allem meine Zeit zu schade ist, solchen Quatsch und derartig dumme Polemik zu debattieren. Ich habe Dir hier eine Ansage gemacht und an die hast Du Dich hier zu halten. Ich habe Dir hier Argumente genannt und auf die hast Du Dich zu beziehen und nicht einfach Assoziationen an Assoziationen zu reihen. Im übrigen: die Leute im globalen Süden sind nicht so dumm, daß sie Antisemtismus in Bildern nicht erkennen können.

    Weiterhin: Inzwischen ist mir meine Zeit zu schade, auf meiner Seite Debatten zu führen, die frei von Erkenntnisgewinn sind.

  35. In einer Sache allerdings hat dieses Wandbanner eine gute Funktion: es veranschaulicht, was man in der Bildendne Kunst ästhetisch besser nicht machen sollte. Nicht nur wegen dieser antisemitischen Elemente darin, sondern rein vom Kunstwerk her zeigt sich, weshalb solcher Agitprop eine mißlungene Kunst bzw. gar keine Kunst ist: weil nämlich solche Werke mit ihren Botschaften und „Aussagen“ dazu dienen, Menschen für dumm zu verkaufen. Es ist triefiger Gesinnungskitsch. Derartige Botschaften mit dem Holzhammer gehören nicht einmal auf einen Schulhof einer Schule in Jakarta – geschweige auf eine der bedeutendsten Kunstschauen. In diesem Sinne wäre zur ästhetischen Aufklärung das Bild als detailliertes Anschauungsmaterial und im Sinne ästhetischer Bildung und Erziehung – frei nach Schiller, durch die Schönheit zur Freiheit – ein guter Kanditat, um zu zeigen, was alles nicht geht und weshalb Agitprop weder Kunst noch Volksaufklärung ist, sondern leider nur billige Agenda.

  36. Vielen Dank für den Buchtip. Und an Herweg: ich bin im Augenblick unterwegs und antworte ggf. noch, wenn ich zurück bin. Beste Grüße

  37. Die Sendung „Zwischen Hamburg und Haiti“ gibt es immer noch.
    Zu den Besonderheiten von Kassel wären noch die Kurhessentherme, der Park Wilhelmshöhe und Netbitch zu erwähnen.

  38. Ja, das stimmt sicherlich, das sind in Kassel sicherlich ausragende Orte bzw. Personen. Wobei ich kein Freund von Bäderlandschaften und Sauna bin. Ich fahre zur Entspannung lieber gemächlich Boot, Kajak undso.

    Ich dachte eigentlich, daß es diese Sendung am Sonntag im Radio gar nicht mehr gibt. Aber stimmt, sie ist nun auf NDR-Info und als Podcast zu hören. Das finde ich schön, weil das eine feine Reisesendung war – zumindest damals. Ob es heute noch so ist, vermag ich bei dem gegenwärtigen Wandel der Medien nicht zu sagen.

  39. Vielen Dank für diesen Hinweis zum Podcast. Das ist sehr gut, denn in diesem russischen Angriffskrieg geht es nun einmal um militärisches und damit auch taktisches, strategisches und geopolitisches Wissen. Ein Verteidigungskrieg ist zudem schwierig zu führen, wenn der Gegner, also der Russe, bereits im Land ist.

  40. Der Soziologe Armin Nassehi auf Twitter : „Der Globalersüdenkitsch und das geschäftsmäßige schlechte Gewissen dieses kunstorganisierenden Milieus nimmt Leute aus Asien, Palästina usw. erst recht nicht ernst, indem sie hier nicht genau hinsehen. Das ist eine koloniale Geste, nicht die Kritik an Schund.“

    Auf den Punkt gebracht. Und das ist nicht nur eine koloniale Geste, sondern eine zutiefst paternalistische Form.

  41. Gefunden in dieser großartigen Kolumne von Sascha Lobo, der freilich ein weniger markiger Titel gutgetan hätte.

    „Die Documenta wird von Leuten verantwortet, die Judenhass als Teil von Kunst und Debatte akzeptieren. Das einzige, was sie dafür benötigen, ist eine Ausrede, wie wolkig und hanebüchen sie auch daherkommen mag. Und weil Antisemitismus schon immer eng verwoben war mit der Kunst der absurdesten Ausreden, warum der Hass gerechtfertigt oder sogar geboten sei, verschwimmen Judenhass und Judenhassakzeptanz zu einem antisemitischen Amalgam. Mit ganz konkreten Folgen in Form eines inzwischen berüchtigten, auf der Documenta zunächst ausgestellten Werks eines indonesischen Künstlerkollektivs. Darauf ist unter anderem zu sehen : ein Trupp Soldaten, über skelettierte Leichen marschierend, einer hat einen Schweinekopf, auf seinem Helm steht »Mossad«, auf seinem Halstuch prangt ein Davidstern. Ein Teufel, der angesichts dieses Marschs mit verzerrter Fratze lacht und einen Davidstern auf der Brust trägt. Eine argwöhnisch dreinschauende Figur mit blutunterlaufenen Augen, Vampirzähnen, gebogener Nase, Schläfenlocken, Kippa-artiger Kappe und darüber einem Hut, auf dem die »SS«-Runen prangen. Es gibt keine Lesart, nach der das nicht antisemitisch ist, egal aus welcher Perspektive, in welchem Land, in welchem Kontext: Das ist künstlerischer Judenhass in Reinform auf der Documenta; irgendetwas anderes zu behaupten, ist antisemitismusakzeptierendes Gelaber.
    […]
    Die Documenta wird von Leuten verantwortet, die Judenhass als Teil von Kunst und Debatte akzeptieren. Das einzige, was sie dafür benötigen, ist eine Ausrede, wie wolkig und hanebüchen sie auch daherkommen mag. Und weil Antisemitismus schon immer eng verwoben war mit der Kunst der absurdesten Ausreden, warum der Hass gerechtfertigt oder sogar geboten sei, verschwimmen Judenhass und Judenhassakzeptanz zu einem antisemitischen Amalgam. Mit ganz konkreten Folgen in Form eines inzwischen berüchtigten, auf der Documenta zunächst ausgestellten Werks eines indonesischen Künstlerkollektivs. Darauf ist unter anderem zu sehen : ein Trupp Soldaten, über skelettierte Leichen marschierend, einer hat einen Schweinekopf, auf seinem Helm steht »Mossad«, auf seinem Halstuch prangt ein Davidstern. Ein Teufel, der angesichts dieses Marschs mit verzerrter Fratze lacht und einen Davidstern auf der Brust trägt. Eine argwöhnisch dreinschauende Figur mit blutunterlaufenen Augen, Vampirzähnen, gebogener Nase, Schläfenlocken, Kippa-artiger Kappe und darüber einem Hut, auf dem die »SS«-Runen prangen. Es gibt keine Lesart, nach der das nicht antisemitisch ist, egal aus welcher Perspektive, in welchem Land, in welchem Kontext: Das ist künstlerischer Judenhass in Reinform auf der Documenta; irgendetwas anderes zu behaupten, ist antisemitismusakzeptierendes Gelaber.
    […]
    Es gibt keine Kultur, in der Antisemitismus in Ordnung wäre. So, wie es auch keine Kultur gibt, in der Frauenhass, Rassismus, Homo- und Transphobie oder Behindertenfeindlichkeit akzeptabel wäre. Oder Diktatur, denn genau diese Rechtfertigungskomplexe verwendet auch die chinesische Regierung, um ihre Gewaltherrschaft zu rechtfertigen: Man verfolge eine »Chinese Style Democracy«, weil die Originaldemokratie ein koloniales Konzept sei, das man China aufzwängen wolle. Kritik an vorgeblich kulturellen Perspektiven, tatsächlich aber menschenfeindlichen Haltungen, wird instrumentell als kolonial oder rassistisch bezeichnet, damit das wohlmeinende Publikum zurückschreckt oder in die Akzeptanz gedrängt wird. Es ist in westlichen Debatten zu einem Einfallstor der Menschenfeindlichkeit geworden, das zu Recht vorhandene, schlechte Gewissen zu missbrauchen, um andere Vorurteile salonfähig zu machen. Nur so kann eine andere künstlerische Propagandaschleuder auf der gleichen Documenta ernsthaft in ihrer Kunst Israel mit Nazideutschland gleichsetzen. Was eine Verharmlosung des Holocaust, Dämonisierung von Israel und also durch und durch antisemitisch ist.

    Dass das indonesische Künstlerkollektiv in perfider Genauigkeit weiß, welche Knöpfe es in der sehr weißen Kunstlandschaft drücken muss, erkennt man an seiner Schlussunverschämtheit: »Das Werk wird nun zu einem Denkmal der Trauer über die Unmöglichkeit des Dialogs in diesem Moment. Wir hoffen, dass dieses Denkmal nun der Ausgangspunkt für einen neuen Dialog sein kann.« Man muss sich noch einmal vergegenwärtigen: Das sagen Leute, die stolz ein Schwein mit Davidstern in ihr Kunstwerk eingebaut haben.
    Das Künstlerkollektiv versteht unter Dialog, dass sein Judenhass gefälligst akzeptiert werde und man von da aus weiterreden könne. Es ist, als säße der Mörder auf der Leiche und würde jetzt verlangen, dass man zunächst seine spezielle Lebenssituation anerkenne. Nein Bro, zu spät. Aber die Leitung der Documenta schuf ein Fanal der Antisemitismusakzeptanz, indem sie nicht nur die Gruppe und das Kunstwerk zuließ, sondern zunächst als einzige ernsthafte Konsequenz die Verhüllung betrachtete. Folgerichtig, wenn man nicht das Werk selbst für das Problem hält, sondern die Reaktion des überempfindlichen Publikums. Um es noch schlimmer zu machen, ist eine sehr weiße, sehr deutsche Perspektive, den Antisemitismus von Rassismusbetroffenen nicht so richtig ernst zu nehmen, sondern zur kulturspezifischen Besonderheit zu verklären. Der Soziologe Armin Nassehi twitterte dazu : »Der Globalersüdenkitsch und das geschäftsmäßige schlechte Gewissen dieses kunstorganisierenden Milieus nimmt Leute aus Asien, Palästina usw. erst recht nicht ernst, indem sie hier nicht genau hinsehen. Das ist eine koloniale Geste, nicht die Kritik an Schund.«“
    https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sascha-lobo-ueber-den-documenta-skandal-willkommen-bei-der-antisemita-a-424a0c6f-ec04-4158-92be-9ab8f03f17ad?sara_ecid=soci_upd_KsBF0AFjflf0DZCxpPYDCQgO1dEMph&

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