St. Martin in Vincoli

St. Martinstag finde ich jedes Jahr erneut rührend und schön – wenn nicht all die Kinder da wären. Nein, Scherz beiseite: Hier in dem doch im ganzen angenehmen Stadtteil der ansonsten widerlich verranzten Stadt, in der ich lebe, gab es heute abend einen großen St. Martinszug. Ich habe ihn mir angesehen, denn ich mag Laternelaufen und Kinder mit ihren Laternen. Meine schöne blaue Laterne mit dem guten gelben Mond darauf habe ich damals geliebt. Die Musik heute schallte zwar etwas kläglich – lediglich ein Bläserensemble von fünf Mann. Die Kinder und die Erwachsenen hätten mehr singen können (eigentlich sangen sie gar nicht), ich hätte die Kinder mit den Werkzeugen der Inquisition dazu angehalten, fröhlich-melancholisch St-Martinslieder abzusingen, aber gut, ich bin leider kein Mann der Kirche.

Wir damals in „Born in Hamburg-Horn“ hatten auch St. Martin, aber bei uns im Arbeiter-Aso-Osten hieß das Laternenumzug, da spielte, wie das Anfang der 1970er üblich war, ein ganzer Spielmannszug auf und schmetterte. (Ich liebe im übrigen Spielmannszüge, wer da Bildbände für mich hat, bitte melden.) Schöne Geschichte einer Horner Freundin dazu, von anno dunnemals, sie war damals vielleicht vier Jahre und ging mit ihrer drei, vier oder fünf Jahre älteren Schwester, in die ich mich in der Schultheater-AG zehn Jahre später schwer verlieben sollte, aber das ist eine andere Story, auf diesen Laternenumzug. Der Spielmannszug spielte und am Ende des Zuges schlug ein Mann die Pauke und irgendwie dahinter schlenderte auch ein Polizist. Die kleine Schwester der zukünftigen Theaterliebe fragte, warum der Polizist dort ginge, worauf die große Schwester mit viel Ernst antwortete: „Damit der Mann mit der Pauke dem der vor ihm geht, nicht den Paukenschläger auf den Kopf haut!“ So war Hamburg-Horn und ja, ich hatte mich in das richtige Mädchen verliebt.

(Das Photo stammt aus unserem, nun ja, Einkaufszentrum und ist aus genau jener Zeit. Allerdings nicht zum Laternenumzug, wie man unschwer sieht. Der Bengel hinten links auf dem roten Rad mit der Vistramjacke könnte ich sein – ich rätsele noch.)

Und im Abschluß noch ein guter Song, den ich gerade bei einem Facebookfreund zu diesem schönen Anlaß sah und hörte. Man muß Korrespondenzen erzeugen: „Und er zerteilt sein Maillot Jaune.“

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