Baby, laß uns impfen!

Bisher war ich mit der Kampagne #allesdichtmachen lässig, fand die teils lustig und gut, vor allem #teamtukur und #teamliefers, aber mit diesem Video übertreiben sie ihre Satire. Auf eine derartig böse Weise darf man Impfwerbung nicht in den Dreck ziehen. Denn ich halte das Impfen für eine wichtige und gute Sache. #allesdichtmachen geht hier zu weit.

„Baby, lass uns impfen!
Ich und du wir zwei!
Lass uns hier verschwinden
Endlich sind wir frei!
Komm wir gehn jetzt impfen,
du kannst mir vertraun!
Wir tanzen und wir singen
ein Leben wie im Traum!“

Und ich fange heute zum ersten Mal daran zu zweifeln an, ob ich mich wirklich impfen lassen will, nachdem ich dieses Video sah. Vielleicht ist es doch besser, es nicht zu tun, wenn derart geworben wird. Kleiner Witz – geht ja eh nicht, weil in Berlin gar kein Impfstoff da ist und es staatlich organisiert auch keine Impftermine gibt. Nicht einmal für die Leute, die in der Prioritätsgruppe 3 nun an der Reihe wären. Seit etwa 1 1/2 Monaten versuche ich auf der Internetseite des Landes Berlin bei einem der sechs Impfzentren einen Termin zu buchen.*[Zum Land Berlin siehe Fußnote] Nicht daß ich schon an der Reihe wäre, ich gehöre nicht zur Priogruppe 3, sondern nur zu den geburtenstarken Jahrgängen, die irgendwann mal drankommen, vielleicht, wenn die vierte oder fünfte Welle kommt, wie der Alarm eben gerade rauscht, aber ich versuche aus Recherchegründen, einen Termin zu buchen. Es erscheint dann seit Mitte April und also seit sechs Wochen jeden Tag eine Meldung wie diese:

„Bitte beachten Sie, dass aufgrund der hohen Nachfrage und aktuell begrenzter Impfdosen alle Verfügbarkeiten ausgebucht sind. Bitte versuchen Sie es erneut zu einem späteren Zeitpunkt.“

Der in vielen Zeitungen und Fernsehmedien verbreitete Impfoptimismus scheint mir verfehlt.

Eigentlich müßte es gegen diese verfehlte Corona-Politik – von mangelnden Lufttauschern in den Schulklassen bis hin zu Kindern, die durch den Wind sind, und Triage in den Kinder- und Jugendpsychiatrien, einem Staat, der von seinen Bürgern viel und mehr als das fordert, aber selber nicht in der Lage ist zu leisten – massiven Protest geben. Leider werden die Corona-Demos zu einem großen Teil von Idioten bespielt. Das ist gegenwärtig das Problem. Etwas Besseres kann Leuten wie Jens Spahn und Michael Müller et al. gar nicht passieren. Kaum einer noch traut sich auf die Straße, weil er davor sich fürchtet, mit diesen Spasten in einen Sack gesteckt zu werden.

Immerhin haben hier Leute wie #allesdichtmachen in eine Kerbe gehauen. Und wenn es schon in diese Richtung geht, dann frage ich mich vielmehr weiter: Wer bezahlte die Werbekampagnenen der Bundesregierung im Sommer 2020? Wer bezahlt die steindämliche Kampagne dieses Wir-bleiben-zu-Hause-Quatschs, wo erwachsene Menschen mit Prominentenstatus wie Kindsköpfe mit IQ von 70 ein Dach über ihrem Kopf formen, während jene dachformenden Prominenten auf mindestens 120 qm (pro Stockwerk in der Zweietagenvilla) ihren Kindern gut ausweichen und ihrer Ehefrau mit Penetrationswünschen bequem aus dem Weg gehen können. Der Deutsche tut anscheinend nichts ohne klare Ansage: sei es Blitzkrieg, sei es Zu-Hause-bleiben.

Man sagt, Scholz & Friends stecke hinter der Werbe-Kampagne fürs Zuhause-Bleiben. Und da möchte ich gerne wissen, ob diese Werbeagentur diese Kampagne umsonst machte oder ob sie dafür Bundeskohle erhielt. Und wenn letzteres: dann ist die Frage wieviel; und es steht weiterhin die Fragen im Raum, ob dieses Geld nicht sinnvoller in Lüftungsgeräte für Schulen oder eine bessere Ausstattung von Kliniken oder Schulen oder Universitäten gesteckt worden wäre als in diese strunzen- und blunzenblöde Kampagne – vom Sofaheld bis hin zu dieser Dach-überm-Kopf-Kindergarten-Aktion. Das sind Dinge, über die ich mich sehr viel mehr ärgere als über die stellenweise sehr treffenden, lustigen und guten Videos der Schauspieler.

Und wenn wir schon dabei sind: nein, es ist, wie viele Zeitungen berichten, keine neue Normalität und auch keine „neue Freiheit“, wenn man zum spontanen Besuch eines Biergartens oder des Außenbereichs eines Restaurant, wo nachweislich und bei den Winterwinden des Mai 2021 frische Luft weht, einen Gesundheitsnachweis braucht, für den man sich vorher das Nasenloch penetrieren lassen muß. Und nein: ich werde nicht bei Karstadt einkaufen gehen und vorher nach einer Teststation suchen. Sondern ich bestelle dann selbst das Paar Socken und die Unterhosen bei Amazon. Schließlich bin ich für 7,99 Euro im Monat Prime-Kunde, kann die schöne Serie „Vikings“ oder die BILD-Doku gucken und bekomme, Socken, Unterhosen, Jeans, CDs, DVDs und vieles mehr kostenlos nach Hause geliefert. Und im Unterschied zu den Freunden der Ökologie stören mich auch Aluschalen nicht, mit denen Restaurantessen geliefert wird.

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* Zwar weiß ich, daß ich in Berlin teils in einem Failed State lebe, dem Reichshauptstadtslum eben, wo einem Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, schon auch mal entgegnet, wenn sich eine Frau über schwarzen Dealer in der Görlitzer Brache beschwert, die dieser Frau was aufs Maul gaben, so daß ihr ein Zahn fehlte: „Da mußt Du halt besser auf Deine Zähne aufpassen!“ (Aus dem Gedächtnis zitiert.) Gesundheit ist eine politische Sache und da lehnt man dann auch gern die Bundeswehr ab, wenn es um Personal für Gesundheitsämter in Zeiten von Corona-Krise geht. Statt daß Monika Herrmann nun aber selber Personal organisiert oder Freiwillige mobilisiert geschieht was? Gar nichts.