Todestage und Tonspuren: 35 Jahre Tschernobyl

Ein Gutes hat Tschernobyl aber: Es brachte die hervorragende Sky-HBO-Serie „Chernobyl“ hervor. Wirkt wie ein düsterer, bitterböser Science Fiction. Ist aber ein Spielfilm, der in mehreren Folgen diese Geschichte ziemlich genau dokumentiert. Vor allem auch die völlige Unfähigkeit und die Überforderung der sowjetischen Apparatschiks. In ihrem Grauen und Schrecken sind es zugleich wunderschöne und eindringliche Bilder, die den Reiz dieser Serie ausmachen. Ästhetik des Untergangs. Und dazu passend dieser schöne Song einer meiner Lieblingsbands: Rammstein.

3 Gedanken zu „Todestage und Tonspuren: 35 Jahre Tschernobyl

  1. Meine Erinnerungen an dieses Ereignis: Mein Freund Wolfgang war zum Zeitpunkt der Havarie in Polen angeln. Sicherheitshalber wollte er vor dem Verzehr den gefangenen Fisch auf Strahlung durchmessen lassen und musste dann seine gesamte Anglerausrüstung in der Nuklearmedizin lassen. Eine Ärztin aus eben dieser Nuklearmedizin mass die Radioaktivitöt an Pfützen vor dem Göttinger Klimikum und erklärte, würde sie diese Werte in einem Labor messen müsste dieses sofort geschlossen werden. Jodtabletten waren ausverkauft. Im Rat der Stadt Göttingen wurde darüber diskutiert ob die Messwerte öffentlich erhoben und tagesaktuell bekannt gemacht werden sollten. Wir vom Arbeitskreis gegen Atomenergie veranstalteten eine Demo mit der Forderung die deutschen AKWs abzuschalten und versuchten, in die Ratssitzung zu gelangen, wovon wir von der Bullei mit Schlsagstockeinsatz und CS-Gas abgehalten wurden, schließlich wurde ein Bus der Verkehrsbetriebe in die Demo hineingelenkt um diese aufzulösen. Grinsend setzten sich Bullen mit kleinen Schrammen in Rettungswagen um zu demonstrieren dass sie auch ihre Verletzten hatten.

    An dem Tag wurde sicher Dutzende neue Autonome geboren, angesichts der Polizeigewalt wurde binnen Minuten aus Kirchenliedern „Aufhörn, aufhören, Schweine, Schweine, Polizei, SA SS“, und schließlich „Feuer und Flamme für diesen Staat“ und „Wie die Bullen laufen, wie die Bullen laufen, wenn wir uns Gewehre kaufen!“.

    Überall wurden Eltern aufgefordert ihre Kinder nicht im Sandkasten spielen zu lassen, alle Freibäder waren dicht. Die Nachbarn meiner Schwester grillten unbeschwert. Als sie die auf die Gefahr hinwies sagten die: „Junge Frau, wir haben im Krieg im Keller unter unserem zerbombten Haus gesessen und das Phosphor von den Brandbomben von unseren Broten gewischt und die gegessen.“

    Pfingsten war in Wackersdorf eine Großdemo, bei der die Bullei aus dicken Puma-Hubschraubern Tränengaspetarden wie Fliegerbomben über der Menge abwarf, wobei die Demonstrantin Erna Sielka getötet wurde. Die Wasserwerfer spritzten Wasser mit so hohem Reizgasanteil in die Baumkronen (um die Demo in eine Aerosolwolke einzunebeln), dass die Rinde mit dem Wasser herunterkam. Dann wurde die Demo eine Waldschneise heruntergetrieben, direkt auf quergestellte Bullenwannen zu, die natürlich umgeworfen wurden. Die Fernsehkameras waren an der Stelle seit Stunden aufgestellt. So lieferte die Staatsmacht die Bilder von gewalttätigen Chaoten.

  2. Zu Wackersdorf gibt es einen Film, der ganz gut ist.

    http://www.wackersdorf-film.de/

    Es hat sich in Deutschland zum Glück vieles verändert. Bei einer weitgehend rot-grünen Presselandschaft, wie sie heute besteht, bis tief in die mit Zuschauergebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender hinein, gäbe es bei solchen Polizeieinsätzen heute eine deutlich kritischere Berichterstattung. Siehe auch die Berichterstattung über den Dannenröder und den Hambacher Forst – wobei diese Rodungen eher Petitessen sind gegen Wackersdorf und das Endlager. Im übrigen haben dort, wie auch in Wyhl und Marckolsheim, also in der Region Elsaß und Baden, die Bauern, die Landwirte, linke Ökos und Autonome Hand in Hand gekämpft. Und erinnert sei dabei auch an den unvergessenen politischen Sänger Walter Mossmann.

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