Chronologie des laufenden Schwachsinns (1). Teresa Bücker

Ich freue mich schon, wenn die Kinder von Klein-Teresa erwachsen sind und gegen die woken, weicheierigen Eltern rebellieren. Das wird ein Heidenspaß.

Die beste Kindergeschichte für Leute wie Klein-Teresa wäre vermutlich ein Kinderbuch, wo alle Figuren auf allen Seiten gar nichts tun: Sie sagen nichts, sie fragen nichts (schon gar nicht „Wo kommst du her?“), sie machen nichts, sie bewegen sich nicht, sie berühren sich nicht, sie lächeln nicht. Denn wenn man nichts macht, kann man auch nichts „falsch“ machen. Sie haben sich alle im Schrank versteckt. Der Schrank ist der Safer Place. Da ist es warm und dunkel und niemand tut einem etwas. Triggerfreie Zone. Mir tun diese armen Kinder unendlich leid, die in der freudlosen Welt einer Teresa Bücker aufwachsen müssen.

Andererseits finde ich es aber gut, daß es Leute wie Teresa Bücker gibt: Es gibt immer was zum Lachen.

[Vielleicht wird dies ja eine neue Blogrubrik, wo man besonders lustige oder eben dämliche und deshalb eben unfreiwillig komische Beiträge einstellt, um Leute wie Bücker auszulachen. Eine Art Hausbuch der nichtliterarischen Niederkomik. Weitere Anwärter hier könnten Mario Sixtus und Margarete Stokowski sein.]

14 Gedanken zu „Chronologie des laufenden Schwachsinns (1). Teresa Bücker

  1. Es ist für Jungen halt ziemlich schwierig, das Verhalten von Mädchen einzuschätzen. Kann mich daran noch aus einer eigenen Erfahrung erinnern. Was machst du jetzt? Will sie, dass du sie anfasst und versuchst sie zu küssen? Oder will sie nicht und haut dir eine und alles ist vorbei? Weibliche Bekannte haben mir auch erzählt, dass sie dachten: „Warum macht der Typ jetzt nichts, warum versucht er nicht, mich zu küssen?“

    Ist ja nach wie vor so. dass die meisten Frauen erwarten, dass der Mann die Initiative ergreift und nicht sie. Dabei kann man halt auf die Schnauze fallen; ich denke jeder Mann hat die Erfahrung gemacht, von Mädchen abgewiesen zu werden. Ist schon mit einer gewissen Kränkung verbunden, aber da muss man durch.

    OK, also heute macht man das nicht mehr so, sondern man handelt mit der Dame seines Herzens verbal aus, was angebracht ist und was nicht. „Darf ich dich jetzt berühren? Bist du einverstanden, wenn ich dich jetzt küsse?“

    Mein Fall ist das nicht, und ich denke, die meisten Frauen wollen das auch nicht.

    Douglas Murray schreibt sehr schön:

    „Ein junger Mann, der versucht, das andere Geschlecht zu verstehen, sieht sich heute einer Welt gegenüber, die ihm sagt, dass er genaue Regeln darüber beachten muss, was als angemessenes und was als unangemessenes Verhalten gilt. Gleichzeitig findet er in jedem Buchgeschäft die am meisten von Frauen ( auch denen im Alter seiner Mutter) gekauften Bestseller, die sich mit Vergewaltigungsfantasien beschäftigen. Fantasien, über die niemand indem Medien diskutiert, die aber so öffentlich sind, dass man die betreffenden Bücher verfilmt und damit eine halbe Milliarde Dollar verdient. Sind es Gruppen von Männern, die ins Kino gehen, um zu sehen, wie Christian Grey seine Freundin vor dem Sex fesselt? Oder sind es eher Frauen?“

    Douglas Murray, The Madness of Crowds. Meine Übersetzung

  2. Ich bin immer zwiegespalten, wenn ich so solchen Irrsinn lese: Reagiere ich darauf? Auf Twitter sogar im Blog? Oder werte ich das damit nur noch auf. Denn es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die UrheberInnen maximale Aufmerksamkeit erregen wollen – zum Teil, wie mir scheint, um jeden Preis. Die meisten solcher Postings dienen vermutlich zur Befriedigung eines übersteigerten Narzissmus. Man lebt nicht mit sondern für die Ablehnung, die man erfährt, die natürlich wiederum als Beleg für die „Rechtmäßigkeit“ der eigenen These gilt. Denn sobald irgendein Dummkopf aus AfD oder anderen Gefilden sich daran erregt, kann man alle anderen, die sich ebenfalls aufregen, in diese Ecke stellen. Damit ist das eigene Weltbild zementiert.

    Andererseits sind Bücker et. al. Keine durchgeknallten Blogger mehr, sondern in etablierten Medien angekommen. Sie erhalten Platz, Sendezeit; ihnen wird „Expertise“ angedichtet. Das macht die Sache bedrohlich.

    Vielleicht geht ignorieren nicht mehr. Oder es ist das einzige Mittel.

  3. @ El Mocho: Das Problem dieser Leute besteht in der Tat vor allem darin, daß da ein überstrapazierter Begriff von Gewalt in Anschlag gebracht wird und daß damit einhergehend unterschiedliche Formen von Gewalt nicht mehr differenziert werden können. Prinzipiell jede Aussage, jedes Kunstwerk, jede Handlung und Haltung bis hin zu Fragen wie „Woher kommst du?“ kann zu einem Affront umgedeutet werden, aus dem man dann zum einen das Erregungspotential und zum anderen die eigene Wichtigkeit als vermeintlicher Kritiker von Ungerechtigkeit ziehen kann. Kritik ist inzwischen zu einem Popanz geworden.

    Dazu kommt, daß es ambigue Situationen gibt – eben genau das, was Du beschreibst. Wenn ich eine Frau zum ersten Mal treffe und gleich beim ersten Treffen ihre Haare berühre, dann kann das übergriffig sein. Es kann aber genauso sein, daß jene Frau es als irgendwie angenehm empfindet, weil da eine besondere Atmosphäre zwischen Mann und Frau herrschte und sie also auf diese Geste gewartet hat. Oder weil der junge Mann die Initiative ergreifen wollte und einen Augenblick, der vielleicht nicht mehr wiederkommt, nicht ungenutz verstreiche lassen wollte. Das ganze ist am Ende eine Sache der praktischen Klugheit und der Einschätzung einer Situation: was ist angebracht und was nicht? Und dabei kann man sich auch mal eine Abfuhr holen. Ein weiteres Problem bei Leuten wie Bücker scheint mir zu sein, daß aus Einzelfällen von Übergriffen, die es ja durchaus gibt, auf eine generelle Übergriffigkeit geschlossen wird. Hinzu kommt: Manchmal hilft es einfach, den Mund aufzumachen und zu sagen: „Hand weg, Kerl!“ Auch hier sind zahlreiche Varianten denkbar und auch hier kommt es auf die Situation an. Und manchmal ist es auch so, daß Zeichen falsch gedeutet werden. Auch das gehört zum Leben dazu – für beide Seiten. Und solange es nichts Justiziables ist, muß man es eben auch mal aushalten. Hinzu kommt weiterhin: Leben ist nicht frei von Mißverständnissen.

    @Gregor Keuschnig: Ich denke, wenn man aus solchen Tweets was Lustiges herausschlagen kann oder anderen Anlaß zum Lachen geben kann, sollte man es bringen.

    Das AfD-Problem ist nochmal eine Sache für sich und da entsteht dann in der Tat so etwas wie jene falsche Solidarität mit Leuten wie Bücker, zumal die Leute leider nicht zwischen einer Aussage und einem Sprecher unterscheiden. Ich kann den Inhalt der Kritik teilen, aber deshalb muß ich eben noch nicht die ansonsten damit einhergehende Ideologie teilen.

    Ansonsten ist bei all dem laufenden Schwachsinn eines Großteils des von diesen Typinnen und Typen Dargebotenen das Ignorieren das beste. Nur eben: Die Leute sind ja auch morgen noch da. Und damit kommen wir eben zum zweiten, entscheidenden Punkt, den Sie nennen:

    „Andererseits sind Bücker et. al. Keine durchgeknallten Blogger mehr, sondern in etablierten Medien angekommen. Sie erhalten Platz, Sendezeit; ihnen wird „Expertise“ angedichtet. Das macht die Sache bedrohlich.“

    Diesen Aspekt kann man gar nicht oft genug wiederholen. Diese Leute haben einen erheblichen Teil der kulturellen Hegemonie errungen und leider gibt es genügend junge Menschen, die dieses krude Zeug nachplappern, ohne darüber nachzudenken.

  4. Wer zur Teufelin ist Teresa Bücker? Habe ich was verpaßt? (Ich kann nur hoffen, daß ihre Kinder in die von Ihnen herbeigesehnte Lebensphase überhaupt werden eintreten k ö n n e n – und sehen Sie, welch ein aggressives Wort, dieses „eintreten“ … – typisch weiß, Mann, alt und mit unrechtsprivilegiertem Bildungs- statt eines correcterweise Migrationshuntergrunds. Wobei, sind wir nicht a l l e Migranten?)

  5. Man muß sie nicht kennen, sie zu kennen, ist kein Gewinn, sie nicht zu kennen, kein Verlust. Das Problem aber bleibt bestehen, daß es genügend Leute gibt, die diesen Leuten zuhören und solche Aussagen zum Anlaß für weiteren Aktivismus nehmen. Und so verselbständigt sich ein Verfahren, wo Kinderbücher, Kunst, Literatur, Theater nach gefährlichen Wörtern und Szenen abgesucht werden. Es etabliert sich die Hermeneutik des Verdachts.

  6. Für diesen gequirlte Quatsch gibt es übrigens für Teresa Bücker 799 Likes. Das ganze ist leider nicht ohne Wirkung und Reichweite.

    Sehr schön finde ich auch diesen Bücker-Tweet:

    „Ich hab selbst gute Erinnerungen an die Kinderbücher von Janosch. Aber mir ist beim Vorlesen wirklich anders geworden, mit der Sensibilität, die ich heute habe.“

  7. @El Mocho: Ausgrechnet in der politisch hochkorrekten linken Szene von Göttingen begann mein erster ernstzunehmender sexueller Kontakt in dieser Stadt damit, dass eine Frau mir auf einem politischen Plenum von hinten an die Eier fasste. Sooooo direkt ging es da damals zu. In der gleichen Szene fragte mich abends auf einer Paety eine Frau, ob ich irgend ein Antiallergikum hätte, sie würde auf den Tabaksqualm allergisch reagieren, und ich gab ihr ein Heuschnupfenmittel. Nachdem sie es genommen hatte fragte sie, ob das jetzt nicht eine Droge wäre, die sie willenlos machen sollte, und ich antwortete, wenn das so wäre wäre es jetzt zu spät. Zwei Stunden später sagte sie „Ich bin jetzt willenlos“ und zog mich in ihren Schlafsack.

    @“Vielleicht wird dies ja eine neue Blogrubrik, wo man besonders lustige oder eben dämliche und deshalb eben unfreiwillig komische Beiträge einstellt, um Leute wie Bücker auszulachen. Eine Art Hausbuch der nichtliterarischen Niederkomik. Weitere Anwärter hier könnten Mario Sixtus und Margarete Stokowski sein.“ —– Die gab es früher schon in der Titanic: Die sieben peinlichsten Persönlichkeiten.

    Übrigens hat Janosch neben niedlichen Kinderbilderbuchgeschichten auch harte Pornocomics gezeichnet.

  8. Es wäre Zeit, diese Rubrik wieder einzuführen. Was würde Klein-Teresa nur sagen, wenn sie die Kinderbücher vom herrlichen Tomi Ungerer sähe und dann erführe, daß besagter Ungerer ebenfalls Pornocomics gemacht hat?

    Diese Klemmschwestern und -brüder der evangelikalen Linken sind im Grunde wurscht, wenn sie in ihrem Muffmilieu blieben. Das Problem ist nur eben: die haben prominente Schreibplätze und für viele Mädchen sind Bücker und Stokowski eine Art von Rollenmodell.

    Zudem tut mir Bückers Kind leid. Ein wenig erinnert mich das in Kinder aus dem Milieu der Zeugen Jehovas oder irgend einer anderen evangelikalen Sekte. Daß es so etwas wie eine Freiheit im Denken gibt und daß man seine Kinder nicht mit Angst erdrücken sollte, ist all diesen Leuten fremd. Stattdessen pathologisiert man das Küssen. Die neue Art von Feminismus, Bekannt aber seit der Mädchenmannschaft ab dem Eintritt von solchen wie Lantzsch et al.

  9. PS: Die Überschrift meines Textes bezieht sich dann ja auch implizit auf einen der Autoren der Titanic, als dieses Magazin noch gut war und nicht von Aushilfsklassensprechern wie Leo Fischer betrieben wurde: nämlich Eckhard Henscheids „Trilogie des laufenden Schwachsinns“.

  10. El Mocho, erstens sind meine Erfahrungen für meine eigenen Lebensphasen das einzige, was für mich zählt, da ich nicht jemand anderes bin, und zum anderen ist der Schwachfug den heute Frau Bücker verzapft leider repräsentativ für das was heute als links gilt.

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