Arik Brauer

Arik Brauer ist tot – das ist traurig. Mit seiner Malerei konnte ich nicht viel anfangen, wenngleich ich seinen Hinweis richtig fand, daß sich die Abstraktion leer- und totgelaufen habe, aber seine Lieder mochte ich und auch seine Person: mit Haltung für etwas einzustehen. „Für mich ist es keine Frage, dass die gegenstandslose Malerei am Ende angekommen ist“, so wird Brauer im Nachruf der FAZ zitiert.

Daß es in Wien ein Arik-Brauer-Haus gibt, wußte ich bisher nicht – das Hundertwasserhaus kenne ich, da ich im Weißgerber-Viertel zweimal gewohnt habe, und auch die von Hundertwasser gestaltete Müllverbrennungsanlage in Wien-Spittelau ist nicht nur gut bekannt, sondern auch weithin sichtbar, etwa wenn man auf der Friedensbrücke steht und in den Bezirk Alsergrund flaniert. Das Arik-Brauer-Haus steht im 6. Gemeindebezirk Mariahilf an der Gumpendorfer Straße. Und wenn ich all diese Namen höre und wenn ich an die Lieder von Arik Brauer denke, dann möchte ich unbedingt wieder ins schöne, herrliche und manchmal eben auch schrecklich-schöne Wien. Auch auf dieser Stadt liegt Vergangenheit und die war nicht immer nur gut. Man lese nur Robert Seethalers traurig-schöne Liebes- und Lebensgeschichte „Der Trafikant“.

Nun ist Arik Brauer nach einem langen und ereignisreichen Leben mit 92 Jahren gestorben – wobei „ereignisreich“ ein Euphemismus ist: Brauer gehörte als Sohn eines jüdischen Vaters zu denen, die von den Nazis verfolgt wurden. Seinen Vater ermordeten die Deutschen in einem Lager. Auch aus diesem Grunde setzte sich Brauer Zeit seines Lebens gegen Antisemitismus ein – auch gegen solchen aus der arabischen Community, da wo viele Linke, insbesondere jene, die sich intersektionalistische Linke nennt, oft wegschauen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Einen schönen Artikel zu solchem nicht nur bei Deutschen vorkommenden Antisemitismus gibt es von Thomas M. Eppinger mit dem Titel „Gedenkenloses Gedenken„. Im Blick auf das Gedenken an den Anschlusses Österreichs an Deutschland im Jahre 1938 heißt es:

„Am Sonntag durchkreuzte der Störenfried Arik Brauer die traute Eintracht einer honorigen Runde im ORF. Heinz Fischer, der ehemalige Bundespräsident und Regierungsbeauftragte für das Gedenkjahr 2018, war zu Im Zentrum geladen, ebenso wie Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen Barbara Glück und der Historiker Oliver Rathkolb. Und eben Arik Brauer – als »Künstler und Zeitzeuge« und, wie man wohl annehmen darf, auch als Jude.“

Solche Stimmen, die auch unangenehme Wahrheiten aussprechen, fehlen heute. Vor allem aber seine Lieder und sein herber wie melancholischer Witz.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.