Helga Feddersen zum 30. Todestag und zum 90. Geburtstag – nachträglich

Helga Feddersen, das ist eine großartige und leider unterschätzte Schauspielerin. Am 14. März 1930 in Hamburg geboren und am 24. November 1990 in Hamburg gestorben. Es wäre also dieses Jahr ein mehrfaches Jubiläum zu begehen. Das Fernsehen zeigte leider keinen der Filme, in denen sie mitwirkte. Begriffen habe ich diese Größe erst spät, als ich bemerkte, daß womöglich nicht nur Filme von Woody Allen, Bergman, Hitchcock, Truffaut, Lynch und Godard großes Kino sein können und als ich sie irgendwann in den 1990er Jahren in einem Fernsehfilm sah, darin sie ungeheuer intensiv und mit tiefen Ernst die Rolle einer Frau vom Hamburger Kiez spielte: den Mann versorgen, für die Familie da sein, die eigenen Bedürfnisse zurückstellen, und so lebte sie mit ihrem, wie ich mich zu erinnern meine, zur See fahrenden Mann in Hamburg-Altona, irgendwo nahe Kiez, Fischmarkt, Michaliskirche oder Königsstraße, ich weiß die Ecke nicht mehr genau. Feddersen ist nicht einfach nur die Ulknudel, als die sie viele gerne sahen.

Sie war vielmehr eine großartige Schauspielerin, vielleicht ihre beste Rolle: Wir erinnern uns an jene Szene aus Eberhard Fechners „Tadelöser und Wolf“, wo sie die Klavierlehrerin spielte: hart, verbittert, streng gegen dem jungen Walter Kempowski. Und sie zeigte in ihrem Mienenspiel und ihrem Gestus in wenigen Minuten das Gesicht eines bestimmten (sadistischen) Menschentypus, der eben auch für diese Nazizeit mitverantwortlich war und unter dem solche Zeiten gedeihen konnten. Ebenso fein ihr Spiel in „Vier Stunden vor Elbe 1“ und ebenso in anderen Filmen, wo sie die sogenannten Charakterrollen spielte.

Wie sehr da in ihrem Spiel eine Vielfalt lag, konnte man bemerken, wenn man sie in den ernsten und in den komischen Rollen sah – sie konnte beides. Wobei mir die ernste Helga Feddersen deutlich besser gefiel.