Die Gesetze der Welt Oder zur politischen Literatur

Der Dichter, einem Schwanze verglichen

Er wird die Gesetze
Der Welt nicht sprengen.
Erst muß er stehn,
Dann muß er hängen.
(Peter Hacks, Hundert Gedichte, No 90)

Kurz, knapp und lakonisch schildert uns Peter Hacks hier das politische und gesellschaftliche Wirken des Dichters – man muß freilich dazu sagen: es ist der Mann. Bei einer Dichterin funktioniert das Gedicht – List des Dichters – nicht. Man könnte hier, in einer Art Gegenoptik – und sicherlich nicht im Sinne Hacks‘, der für Nietzsche nicht allzuviel übrig hatte – dessen Gedanken zur Wahrheit als Weib, das Grund hat, ihre Gründe nicht sehen zu lassen, anführen. Männliches Dichten und weibliches Philosophieren.

„Vielleicht ist die Wahrheit ein Weib, das Gründe hat, ihre Gründe nicht sehen zu lassen? Vielleicht ist ihr Name, griechisch zu reden, Baubo?… Oh diese Griechen! Sie verstanden sich darauf, zu leben: dazu tut not, tapfer bei der Oberfläche, der Falte, der Haut stehenzubleiben, den Schein anzubeten, an Formen, an Töne, an Worte, an den ganzen Olymp des Scheins zu glauben! Diese Griechen waren oberflächlich – aus Tiefe!“ (Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft)
Die Macht des Scheins, der zugleich Wahrheit ist – denn das Wesen muß erscheinen, damit es wesentlich wird – liegt insbesondere in der Dichtung, in der Kunst, die Schein ist und es dann eben doch nicht sein will. Zumindest will sie nicht durchschaut werden. Und sie ist kein Belehrbär, der mit dem Holzhammer die Politik macht. Identitäres Theater wie in Berlin im Gorki Theater, wenn man hier Simon Strauß folgt. Das Gegenteil von Dichtung und nicht einmal Kunst. Sag mir, wo Du stehst. Kunst als Haltung. Peter Hacks sprengt solches Identitätstheater mit seinem lakonischen Witz.