Christoph Schlingensief

Kurze Tagesnotiz: Könnte man bitte alle Schreiberlinge und -linginnen, die die Phrase „Schlingensief fehlt“ faseln, umgehend töten (frei nach seiner Documenta-Performance) oder aber diese zumindest mit einem 10jährigen Schreibverbot in sämtlichen Medien wie auch im Internet belegen?

PS: ich halte Schlingensief für ästhetisch überschätzt, was die Aktionskunst betrifft – wenngleich auch nicht für uninteressant, wenngleich mir Helge Schneider ästhetisch deutlich näher ist, wobei man beides genauso als ein Sowohl-als-auch sehen kann. Immerhin aber war hier die ästhetische Intervention ins Soziale noch mit einem gewissen Witz und einer Bosheit gepaart, die man bei dem kreuzlangweiligen Zentrum für Politische Schönheit lange schon nicht mehr ausmachen kann: sondern da schlägt der Tugendfuror sich Bahn und in simpler Manier wird platt Politisches zu platter Kunst. Nein: das ist falsch, es ist das, was das ZPK macht weder Schönheit  noch Kunst: denn mißlungene Kunst ist keine Kunst und oktroyierte Schönheit ist in ihrem Wesen häßlich.

Aber vielleicht resultiert mein Urteil in bezug auf Schlingensief auch nur daraus, daß mir seine Fans auf die Nerven gehen – oft dieselben Leute, die ansonsten bei Lisa Eckharts gecanceltem Auftritt zwischen offener und  klammheimlicher Freude schwanken oder nur ein Schulterzucken übrig haben, oftmals jene Leute, die bei jeder ästhetischen oder echten Provokation heute ins Kreischen verfallen. Unter der Ägide derer von Stroh- und Kreischkowski, derer von Bückdich und Mario Schweißfuß wäre der Mann heute gecancelt oder aber kreuzbrav geworden. Man muß Schliegensief  gegen seine Liebhaber verteidigen.

 

Photographie: wikipedia cc-Lizenz

5 Gedanken zu „Christoph Schlingensief

  1. @“Witz und einer Bosheit gepaart, die man bei dem kreuzlangweiligen Zentrum für Politische Schönheit lange schon nicht mehr ausmachen kann“ —- Die sind eine Verfallsform des Büros für notwendige Einmischungen, die etwa ein „Spiel mit Grenzen“ veranstalteten, bei dem Straßensperren in Fußgängerzonen veranstaltet wurden und Passanten gebeten wurden, sich die Hände fesseln zu lassen, um sie dann auch zu knebeln und mit Psychopharmaka-Spritzen zu bedrohen mit dem Hinweis, dies sei eine pädagogisch besonders wertvolle Erfahrung, da sie sonst nur Asylbewerbern bei der Abschiebung zuteil würde. Oder die Titanic mit „Der 145. Weigerung, sich von der Formulierung zu distanzieren dass der Programmdirektor des Bayerischen Rundfunks, Wolf Feller, ein karrieregeiler Arschkriecher sein.“

    Oder das Titanic-Centerfold „Kinder bringen Freude in Leben“ das eine Zwölfjährige auf dem Babystrich zeigt. Oder feuernde Haubitzen mit dem Text: „Das türkische Militär zivilisiert mal wieder die Kurden.“

    Aus unserer Abteilung: Nichts ist so geschmacklos wie die Wirklichkeit.

  2. Heute alles Dinge, die schwer denkbar sind. Und auch Schlingensief wurde ja damals nicht nur von rechts, sondern auch von links her angefeindet. Das ZPS bzw. Philipp Ruch und seine Gesellen mit ihren schwarz geschminkten Gesichtern, die Arbeit oder Leute in Gefahr simulieren sollen, sind dagegen eine Pfadfindertruppe, die auf dem Weg der Tugend sich gerne bewegt. Evangelikales Erweckungsmilieu und von ungeheurer Biederkeit inzwischen.

  3. Ich habe das Problem, dass diese „schwer denkbaren“ Dinge für mich nach wie vor fast die einzige linke Realität sind die ich kenne. In meinen Mikrohorizonten gibt es die noch, was da von ZPS und ähnlichen veranstaltet wird nehme ich hingegen seit etwa 1998 nicht mehr wahr.

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