USA – Iran, mal jenseits vom Völkerrecht

Zu meiner Zeit in den 1980er und 1990ern wären heute, genau heute um 18 Uhr einige zehntausend Menschen vor der US-Botschaft in Berlin und vor dem Konsulat in Hamburg und demonstrierten und in Frankfurt und in München und Hannover ebenso. Nur so als Randbemerkung. Aber die Sabbellinke der Multimedia-Lemuren inszeniert wahrscheinlich lieber einen Shit-Storm, weil irgendwer twittert, daß er oder sie es nicht mag, wenn sich Männer schminken. Dreh dich nicht um der Plumpssack geht rum? Nein: es ist nur der Hohe Spatz und die Sekte der Linksviktorianer unterwegs. Übrigens: nach einem Atomkrieg im Nahen und Mittleren Osten sind Schminkfragen und anderes nur noch marginal.

Wahrscheinlich muß vorm Aufstieg der 82. Luftlandedivision und ihrem Einsatz über iranischem Gebiet erst ein US-Truppenkommandant einer Soldatin ins Militär-Höschen fassen, dann könnte es gelingen, daß im Internet zumindest ein Shitstorm entsteht. 

24 Gedanken zu „USA – Iran, mal jenseits vom Völkerrecht

  1. 1991, beim Zweiten Golfkrieg, hatten wir noch einen mehrtägigen Unistreik organisiert, die Göttinger Innenstadt tagelang und eine Kreuzung einen Monat lang blockiert, versucht den Bahnhof zu stürmen und ausrückenden Schützenpanzern die Zieloptik beschädigt.

  2. @Alexander Hiller: Hinter diesen Lemuren verbergen sich Leute wie Stokowski, Sixtus, Bücker und all das, was sich da im Umfeld noch bewegt. In diesem Sinne ist der Begriff eine nette, böse Variabel, für die man unterschiedliche Leute einsetzen kann. Der Platzhalter ist also ergänzbar.

    @che: In Hamburg zumindest gab es damals riesige Straßenproteste – wobei man eben Saddams Überfall auf Kuwait schon kritisch sehen muß und der Einsatz der US-Truppen immerhin ein UN-Mandat hatte, nämlich Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates. Von Unistreiks allerdings hielt und halte ich rein gar nichts. Man bestreikt sich selbst. Ebenso skeptisch bin ich in einer solchen Phase des Konfliktes bei Gewalt gegen Sachen. Kann man machen, nur sollte man sich dann eben auch nicht über die Konsequenzen beschweren. Und ich denke auch nicht, daß solche Gewalt-Aktionen die Leute eint.

  3. Saddams Invasion von Kuwait hatte ja eine Vorgeschichte, die in der unautorisierten Biographie von George H.W. Bush nacherzählt wird: Die Kuwaitis haben – ermuntert von den USA – an der Grenze zum Irak schräg nach Öl gebohrt statt senkrecht, und das haben die Irakis irgendwann spitzgekriegt. Saddam Hussein hat bei der US-Botschafterin April Gillespie vorgefühlt, wie die USA dazu stünden, wenn der Irak das Problem Kuwait (nach irakischer Lesart eine abtrünnige Provinz) militärisch löst. Und die US-Repräsentantin gab Saddam zu verstehen, dass die USA das als innerirakische Angelegenheit betrachten würden. Mit anderen Worten, Saddam ist in eine Falle getappt, das darf man bei der Bewertung jener Ereignisse nicht außer Acht lassen.

    Gute Gründe zum Protestieren gegen den Krieg hat es damals jedenfalls genügend gegeben, und heute gäbe es auch sicher wichtigere Anlässe als das, was bei der PoMo-Bubble und Schneeflocken-Fraktion die Sau vom Pflock lässt.

  4. Um so wichtiger, so zeigt sich auch hier, sind also Verhandlungen, und Krieg ist, wo es irgend geht, zu vermeiden. Freilich kann man das nicht immer. Wenn die von Dir geschilderten Hintergründe so stimmen, dann ist Saddam in der Tat in eine idiotische Falle getappt. Jener Kurdenschlächter, der zuvor auf der Finanzliste der USA stand.

  5. Bersarin hat recht: Gewalt spaltet und vereint nicht. Die meiste Zerstoerungswut bei Demos kommt aus der Hand junger „Intellektueller“ Loser, keine Rocker oder Handwerker.
    Iran gehoerte zu den aeltesten Hochkulturen, Ursprung der Geschichte der orientalischen Welt sowie des Abendlandes, mit freundlichen, gebildeten und gesitteten Menschen. Man koennte sich wuenschen, dass das Volk es schafft sich von den Steinzeit-Mullahs zu befreien – auf eigene, innere Weise.

  6. @Gerhard Wendland: Die USA waren zugleich auch jenes Land, das Deutschland vom Faschismus befreite. Der Antiamerikanismus vieler Deutscher beruht auch auf dieser narzißtischen Kränkung. Ohne den Sprit, ohne das Flugbenzin, ohne das Material, den Nachschub, die Flugzeuge, Panzer, Jeeps und Fahrzeuge der USA wäre Stalins Rote Armee bis weit hinter den Ural ins tiefe Sibirien zurückgedrängt und wäre sicherlich nicht bis nach Berlin gekommen und kaum ein Flieger wäre je gestartet und deutsche Flugzeuge abzufangen.

    Das freie, westliche Berlin der Nachkriegszeit und die BRD würde es ohne die USA vermutlich ebensowenig geben. Dies sahen auch Horkheimer und Adorno ganz ähnlich – trotzdem sie linke Theoretiker waren. Sicherlich verhielten die USA sich derart aus pragmatischen und machtpolitischen Zwecken und nicht aus Altruismus heraus. Aber immerhin konnte unter dieser Obhut eine Demokratie gedeihen, die den Menschen Freiheiten gab, wie sie selbst in vielen westlichen Ländern nicht der Fall war. (Bei allen Mißlagen und bei allen Problemen, die eine solche Demokratie mit sich bringt. Nur eben: man sollte in solchen Dingen in der Kritik auch nicht dem Nirwana-Fehlschluß aufsitzen.)

    Die USA betreiben Geopolitik wie jedes andere Land auch. Aufgrund ihre wirtschaftlichen und militärischen Stärke und aufgrund des Ausbaues eines militärisch-industriellen Komplexes dort haben sie besser Möglichkeiten als andere Länder. Dieses Gewicht verschiebt sich inzwischen und es treten Akteure wie China und Rußland (wieder) auf den Plan und auch Regionalmächte erringen zunehmend Einfluß. Ein Krieg gegen Länder wie Indien, Brasilien oder eben den Iran dürfte mit normalen Mitteln und Waffeneinsatz nicht zu gewinnen sein. Im Unterschied übrigens zu China und Rußland ist die USA immerhin eine liberale Demokratie. Auch das sollte man bei solchem Pauschalurteil nicht unterschlagen. Und es ist zugleich ein Land, daß nach 1945 über viele Länder der Welt Leid brachte. Die Perspektive ist also eine vielschichtige und solche Einwortsätze gehen an der Komplexität vollständig vorbei. Denn es finden sich in bezug auf die USA eine Vielzahl an Aspekten. Gute und leider auch, was die Geo- und die Außenpolitik betrifft, eine Vielzahl negativer und grausamer Aspekte, wo nicht mehr nach Recht, sondern nach Macht gefragt wird. Der Vietnam-Krieg wurde übrigens unter anderem durch eine demokratische Öffentlichkeit innerhalb der USA und durch den Einsatz von Pressephotographien und Nachrichtenbildern der Medien beendet. Auch intern hat dieses Land also gute wie negative Kräfte.

    Alphachamber: Jo, das sehe ich ähnlich: Gewalt bei solchen Demos ist der falsche Weg. (Davon ab, daß das Gewaltmonopol beim Staat liegt.)

    Der Iran hatte unter in den 1950er Jahren unter Mohammad Mossadegh eine gute Chance. Von heute aus muß man sagen, daß das Schah-Regime fast noch besser war als das Regime der islamo-totalitären Mullahs. Die Möglichkeit in naher Zukunft, daß es eine Befreiung geben könnte, sehe ich nicht. Man kann nur hoffen. Man sollte den Menschen vielleicht Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ ins Land schmuggeln, damit sie irgendwann vielleicht eine bürgerliche und soziale Demokratie ausbilden können. Im Augenblick aber sieht es nicht danach aus – erst recht nicht unter dem Einfluß einer Bedrohung von außen.

  7. @Krieg vermeiden: In diversen Alternativmedien wird übrigens die Hypothese ventiliert, dass General Soleimani nicht im Irak war, um irgendwelchen Terror zu veranstalten, sondern um mit den Saudis zu verhandeln, wie die zunehmenden Spannungen zwischen diesen beiden Machtblöcken abgebaut werden können. Den Amis (und mehr noch Israel) ist aber eher daran gelegen, dass der Druck auf den Iran nicht abgebaut, sondern noch erhöht wird. Es hatte vor Jahren übrigens schon mal einen Versuch der Israelis gegeben, den Mastermind der iranischen Generalität zu liquidieren.

    Mit diesem Anschlag jetzt ist die Welt jedenfalls nicht sicherer geworden.

  8. Das mit Saddam in die Falle locken war genauso wie Mark das schildert. Zu Resolution 678 verfassten wir damals einen Text mit dem Titel: „Die UNO als verlängerter Arm des Petrodollars oder warum macht der Russe nichts“ und dem Untertitel „Golf GTI (IGlobaler Transatlantischer Imperialismus)“.

  9. @“Die meiste Zerstoerungswut bei Demos kommt aus der Hand junger „Intellektueller“ Loser, keine Rocker oder Handwerker.“ —- Als jemand, der zwei Jahrzehnte zu den Militanten gehört hat muss ich da entschieden widersprechen. Es gibt da gezielte, kalkulierte und geplante Aktionen, blinde Zerstörungswut und aus meiner Sicht in bestimmten Situationen durchaus legitime Gegenwehr gegen Polizeiterror, und ebenso vielschichtig wie die Situationen sind auch die Akteure. Das reicht von solchen auf die die obige Bezeichnung durchaus zutrifft über zugesoffene oder zugekokste Leute denen ich die Begrifflichkeit intellektuell gänzlich absprechen würde und die eher ins Kleinkriminellenmillieu einordne (auch solche, für die Plünderungen bei Entglasungen zum Anschaffen gehören) über sehr bunt zusammewngesetzte autonome Gruppen (in unserem Haufen waren Buchhändler, eine Heilpraktikerin, charismatische Sprecherin der Gruppe, geflüchtete Migrationsarbeiter, Studierende, eine Architektin, eine Psychotherapeutin, ein IT-Dozent, ein Lehrer, ein hauptamtlicher Mitarbeiter einer Menschenrechtsorganisation, wissenschaftliche Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin des Sozialamts und mehrere Bauhandwerker dabei) bis hin zu Rockern, Headbangern und Punks die nur dabei sind um die Bullerei vorzuführen sowie bei internationalen Demos sehr viele Angereiste aus Griechenland oder Italien die dem dortigen Subproletariat angehören. Ach ja, und agents provocateurs von Polizei und Verfassungsschutz. Bin selbst mal von Bereitschaftspolizisten für einen Bundespolizisten in Zivil gehalten worden.

  10. @bersarin: „Die USA waren zugleich auch jenes Land, das Deutschland vom Faschismus befreite. Der Antiamerikanismus vieler Deutscher beruht auch auf dieser narzißtischen Kränkung.“ —- Das ist in großen Teilen wahr. Weil man nicht so einfach sagen konnte: „Ich könnte heute Gauleiter in Kurland sein wenn die nicht gekommen wären“ wurde das halt sublimiert auf die Ebene falscher Kulturkritik (oberflächliche Plastikamis, Negermusik, fehlende Gefühlskultur im Gegensatz zu deutscher Innerlichkeit, russischer Seele und französischem Temperament). Einerseits. Andererseits beruhte die massive Anti-US-Haltung der 67er und folgender linker Protestgenerationen gerade auf einer Begeisterung für US-Popkultur, einer Identifikation mit Bürgerrechts- Hippie- und Studentenbewegung in den USA und der Kritik am Vietnamkrieg und der Beliebigkeit mit der die USA in den 1970ern Militärdiktaturen einsetzten. Das war kein Antiamerikanismus. Und auf der anderen Seite gibt es eine ursprünglich mal bei der CDU und dem Seeheimer Kreis der SPD verbreitete Denunziationshaltung gegen linken Antiimperialismus, die diesen zu Antiamerikanismus und Antisemitismus umdeutet, weil er an der Politik der USA und Israels Kritik übt. Da sollte sauber unterschieden werden.

  11. Genau, man muß eben sehen, welche USA und welche Position damit im Detail gemeint sind. Das ist teils auch eine Frage der Perspektive: Die Westberliner sahen – politisch-pragmatisch und nicht zu unrecht – in den USA eine Schutzmacht. Die Studentenbewegung sah die Morde in Vietnam – ebenfalls ganz zu recht. Und beide haben auf ihre Weise einen zentralen Punkt. Es ist dies auch ein logisches Problem: die Verneinung von x an A muß eben nicht die Verneinung auch von v, w. y, z oder gar von „alles“ an A bedeuten. Solcher Differenzierungen und solches Auseinanderanalysieren ist meist in den politischen Kämpfen der Zeit nicht gut zu fassen. Diesen guten Teil der USA repräsentieren ja auch Teile der Pop-Kultur und der Bürgerrechtsbewegung und noch der Boxer Muhammat Ali sagte: „Man, I ain’t got no quarrel with them Viet Cong“ und „They never called me Nigger“ (https://www.youtube.com/watch?v=B9LFmUVV0SY„)

    Antiamerikanismus, Antisemitismus und ebenso Begriffe wie Rassismus, Kolonialismus, Islamophobie (meist von der linken Seite als Label benutzt) sollten nicht als ubiquitäre Spielmarke und als Diskurs-Joker eingesetzt werden, um jegliche Kritik an den USA, an Israel, an Migration, an afrikanischen Staaten, am Islam von vornherein abzuwürgen. Erst beim Einsatz bestimmter Klischees in der Argumentation beispielsweise kann solcher Begriff zielführend sein. Antisemitisch bspw. sind Positionen, die im Nahostkonflikt ihre Kritik einseitig und in monothematischer Fixierung samt Dauerton auf Israel als Hort des Bösen richten und dabei alle anderen Konfkliktparteien regelmäßig unerwähnt lassen und ausblenden. Rassistisch sind Positionen, die in bezug auf Einwanderung und „Ausländer“ ihre Kritik von „einige“ auf „alle“ ausdehnen.

  12. Wenn in einem Land nur Wahlen gewinnen kann, wer von Oligarchen unterstützt wird oder selber einer ist – ist das dann noch eine „liberale Demokratie“? Die seit 2010 zulässigen sog. „Superpacks“ haben endgültig jede Begrenzung der Wahlkampffinanzierung pulverisiert. Jetzt ist der Weg des Geldes überhaupt nicht mehr zu verfolgen. Auch der Status der Bürgerrechte ist nach dem Homeland Security Act nur mehr so mittelgut.

    „Ich könnte heute Gauleiter in Kurland sein wenn die nicht gekommen wären.“ Das stimmt, ist aber schon sehr, sehr lange vorbei. Und zu der Zeit dieser Haltung waren es gerade die relevanten Altnazis, die in D als Bürgermeister, Redakteure, Behördenmitarbeiter, Politiker, Ärzte, Justizangehörige und Unternehmer Karriere machten, sofern sie nicht als Wissenschaftler direkt in den USA vor Strafverfolgung geschützt wurden. Die waren weiß Gott nicht antiamerikanisch.
    Bereits der Chefankläger der Nürnberger Prozesse sah sich massivem Druck seitens der US-Regierung ausgesetzt, doch bitte etwas zurückhaltender zu agieren, um die Deutschen nicht zu demütigen.

    Der Antiamerikanismus in D ist eine Erfindung der „Atlantikbrücke“, eine Killerphrase, wie es „Neid!“ zur Erledigung von Sozialkritik ist.
    Antiamerikanismus gibt es in Mittel- und Südamerika, wo er auf den traumatisierenden Erfahrungen der Völker mit den Aktionen des US-Außenministeriums beruht.

    Es ist richtig, dass ohne die Unterstützung der UdSSR und Englands mit US-Kriegsmaterial und Versorgungsgütern, und ohne die Eröffnung einer zweiten Front im Westen (D-Day) der Sieg der Alliierten nicht möglich gewesen wäre. Richtig ist aber auch, dass ohne die Kriegserklärung Deutschlands an die USA heute vom Nordkap bis Marokko die Hakenkreuzfahne wehte, wenn‘s denn reicht, und nicht ein, wie geplant, globales „3. Reich“ existierte, mit der Welthauptstadt „Germania“, deren Pläne Albert Speer bereits ausgearbeitet hatte.
    Die neuere Forschung zeigt, dass der Ausgang des Kriegs am seidenen Faden hing. Viel hat nicht gefehlt, und jeder Kommentar hier hätte mit „Heil Hitler!“ zu enden, sofern der Kommentierende es vermeiden wollte, dass es an der Tür klingelt.
    O.K., die Ledermäntel und die Hüte sahen auch irgendwie cool aus; man soll nicht immer nur das Negative erwähnen.

  13. So ist es, und man sollte bei bestimmten, in die Debatten eingebrachten Begriffen prüfen, ob diese die Sache treffen oder ob es nicht vielmehr rhetorische Spielmarken sind, die taktisch zum Einsatz kommen, um ein neues Narrativ zu installieren und eine berechtigte Kritik nicht nur abzuwürgen, sondern sie auch negativ zu labeln. (Fragt man z.B. viele der Bewohner Mittel- und Südamerikas nach den USA, so fällt die Antwort nicht besonders freundlich aus.) Wir kennen dieses Verfahren auch bei Slogans wie „Sozial ist, was Arbeit schafft“, „soziale Hängematte“ für Leute, die gerade eben wegrationalisiert wurden, und wir kennen es aus Talk-Shows wie „Sabine Christiansen“, wo fünf verschiedene Positionen saßen und wenn man dann genauer hinschaute, waren drei der Anwesenden Mitglieder der INSM. Und dieses Verfahren des Labelns hat seit 2003 ff. prächtig funktioniert. Und es geschah nicht das, was man eigentlich erwarten sollte: daß da Menschen massenweise auf die Straßen gingen, um gegen diese Agenda 2010, die nach einem Kriminellen benannt wurde, nämlich nach Peter Hartz, zu protestieren und zu zeigen, wo der Hammer hängt – bei ein paar 100.000 Menschen auf der Straße kann man nämlich eine Sache nicht mehr nonchalant weglächeln und da helfen dann auch die von Springer, Spiegel & Co in Umlauf gebrachten Parolen nicht viel. Aber die Massen gingen nicht auf die Straßen, vielleicht waren die Menschen womöglich viel subtiler: Sie straften die SPD scheibchenweise und jahrweise ab: immer ein paar Prozent weniger! Immer ein paar Prozent weniger. Den zweiten Beteiligten freilich, die Grünen, traf all das Wähler-Ungemach nur bedingt. Heute sieht es um diese Partei – leider – sehr gut aus. A girl named Greta hat dieser bieder-spießigen Partei den Arsch gerettet.

    Daß sich die SPD um Kevin Kühnert herum erneuern könnte, steht nicht zu vermuten. Davor stehen, Springer, Spiegel, Teile der Zeit-Redaktion und auch bei Bertelsmann wird man an einer entsprechenden Studie schon arbeiten. Und die Slogans von Sozialismus und Enteignung werden ja bereits dort auch schon fleißig in Umlauf gebracht. Die immergleiche Variante, nur heute mit ein wenig anderen Akteuren, auch auf Seiten der „Arbeiterschaft“ oder dem, was davon noch übrig blieb: „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen!“ Aber auch „deutsche“ darf man heute vermutlich nicht mehr sagen. Da kommen dann die No-border-Dödel und machen Partialpolitikpetitessen, damit noch der letzte irgendwie an Politik Interessierte sich abwendet. Ohne zu begreifen, daß Deutsche heute auch Mehmet, Melek, Kosta, Alessia, Fatma, Hayet oder Giovanni heißen.

    PS: Bei den Ledersachen stehe ich mehr auf die Pilotenjacken. Ansonsten war ich jahrzehnte lang ein Freund der Lucky Strike – ohne Filter versteht sich. Ich stand also auf der Seite der Sieger.

  14. Was die „liberale Demokratie“betrifft, so steht und stand in den USA immer schon vieles auf der Kippe. Trotzdem es erhebliche Probleme gibt, gerade was die Verteilung des Reichtums, die Rassenfrage und die politische Partizipation betrifft und ebenso die von Dir genannten Aspekte Nörgler, so liegt im Spiel der Kräfte und durch die (mögliche) Mobilisierung einer Öffentlichkeit und auch einer doch erheblichen politischen Gegenkultur immer auch die Chance, daß sich politische Verhältnisse in kleinen Schritten ändern. Leider muß man eben auch dazu sagen, daß es in den USA eine Vielzahl an Menschen gibt, die das, was ist, so wie es ist, ok finden. (Und auch die fast unbeschränkte Macht und Gewalt einer Polizei kann nicht im Sinne eines liberalen Rechtsstaates sein.

    Die liberale Demokratie der USA ist in großen Teilen eine von Oligarchen und Multimillionären und von Medienmogulen gekaufte Demokratie, manchmal gibt es in Wahlen Ausreißer wie Kennedy, Carter oder Obama – wobei man eben dazu sagen muß, daß all diese Männer keine Heiligen sind und man sich im Feld des unmittelbar Praktisch-Politischen eben vor dem Nirwana-Fehlschluß hüten muß.

    Es gibt in den USA Möglichkeiten (auch politisch), die es in Ländern wie China, Rußland, Venezuela, Iran oder Saudi-Arabien oder den reichen Scheichemiraten nicht gibt. Das muß man ideologisch nicht als unreflektiertes Loblied singen und immer ist in der bestimmten Negation an der Kritik festzuhalten, was ja einige Intellektuelle in den USA auch regelmäßig tun. Und immer wieder sollte daran erinnert werden, daß sich solche liberalen Demokratien eben am Ende, gut mit Hegel gedacht, an ihren eigenen Begriffen werden messen lassen müssen. Und da sind dann Sachen wie Drohnenkriege, Guantanamo, Kriegsverbrechen im Ausland, ohne daß diese geahndet werden, extreme Armut und Ungleichheit, Polizeiwillkür, Diskriminierung von Schwarzen, ein Stachel im Fleisch. Auch bei den USA zeigt sich also wieder einmal die Diskrepanz zwischen idealischem und empirischem Charakter.

    Wer von den Härten eines Lebens in der weißen Unterschicht lesen will, greife zu J.D. Vance „Hillbilly-Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise“. Das ist eine Sozialkritik, freilich aus weißer eher konservativer, aber auch aus einer sozialen Perspektive heraus.

    Interessant scheint mir von Jill Lepore „Diese Wahrheiten. Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika“, eine neue und aus anderer Perspektive geschriebene Geschichte der USA, erschienen bei C.H. Beck letztes Jahr.

    Ach und noch ein sehr witziger Roman, der auf einer wahren Tatsache beruht. Nämlich während der Weltwirtschaftskrise bereisten die beiden sowjetischen Schriftsteller Ilja Ilf und Jewgeni Petrow die USA https://de.wikipedia.org/wiki/Ilf_und_Petrow Diese Reise quer durch die USA, von den Ford-Werken bis zur Besichtigung des ersten elektrischen Stuhls, schildert auf ungemein spannende und lustige Weise Felicitas Hoppe in „Prawda. Eine amerikanische Reise“.

  15. Nicht zu vergessen, schon etwas älter und von einem Autor der heute rechtsradikal ist, damals aber noch links stand: Edward Limonow, Fuck off America!

    Die USA aus der Perspektive eines von Sozialhilfe im Slum lebenden russischen Einwanderers.

  16. Immer wieder diese witzigen Randbemerkungen. Sagte gerade Pompeo: „Wir wollen doch nur, dass der Iran ein normales Land ist, so normal wie Norwegen.“ Er vergaß jedoch, dass Norwegen unter US-Sanktionen wie der Iran, dann ein Land wäre wie der Iran.

  17. Keiner wird vergessen, jeder kommt dran.
    Also sprach partyschreck:

    „Alle Resourcen werden doch viel dringender benötigt, um wie gesagt beispielsweise auf Barbara Schöneberger herumzuhacken, weil sie ohgottohgottohgott für sich p e r s ö n l i c h geschminkte Männer nicht so gerne mag, oder dafür unseren Jüngsten in Liedform einzutrichern, dass Oma eine alte „Umweltsau“ sei, nur um anschließend zu behaupten, dass es sich um die explizit benannte „Omi“ natürlich dann doch gar nicht handeln würde, sondern das mit „Oma“ ganz selbstkritisch der männliche Verfasser von sich sprechen würde…?!?“

    Das πρῶτον ψεῦδος deiner Argumentaristik besteht in der Verwendung der verbrauchten Manier der linearen Schreckensreihung: Schlimmer als Kopfweh ist Zahnweh ist Analfistel ist Lungenentzündung ist Hartz4 ist Gehirntumor ist FDP ist Unfalltod ist Krieg ist Atomkrieg ist Sonne wird Supernova.
    Allein bereits deine imitatorische Entscheidung für jenes Altschema zeigt uns, dass du, unfähig eines eigenen Gedankens, nicht die hellste Kerze auf der Torte bist.

    Zeuge ward ich, als Frau Schöneberger bei einer VW-Veranstaltung in der Gläsernen Manufaktur Dresden ein Servicemädel von oben her zur Sau machte, als die darauf bestand, dass auch Frau Schöneberger ihre zweite Portion Pommes mit 2 € zu zahlen hätte. Zufall, daß ich direkt daneben stand, und die Gelegenheit hatte, ein 2€-Stück zu zücken: “Ich übernehme das.” Schöneberger schnappatmete und zog mit den Pommes ab. La Schöneberger ist ein kleiner, ein sehr kleiner Charakter.

    Wie autodiminuitiv aber ist es, die Aussage zu diminuieren, geschminkte Männer seien so irgendwie Bäh? Wenn wir – und das nicht zu erkennen, partyschreck, qualifiziert dich als zu dumm um aus dem Bus zu gucken – das durchgehen lassen, indem wir es, wie du, als einen minder schweren Fall erachten, dann haben wir qualitativ kein Argument mehr gegen Neger, Nigger, Saujud, Zigeuner und Untermensch.

    Was ich an dir, partyschreck, so scheiße finde, ist deine Unfähigkeit, im kleinen Pipi die große Defäkation zu erkennen. Wie würdest du es denn werten, wenn der Nörgler sagt: “Für mich persönlich, und andere können da auch anderer Meinung sein, finde ich den Einfluß der Juden in der internationalen Finanzwirtschaft nicht so gut.” Wärest du angesichts dieser Äußerung bereit zu erklären, das ist doch weniger schlimm als was auch immer und deshalb nicht gar so schlimm?

    Karl Kraus würde gesagt haben, und da bin ich mir ganz sicher, wie ich ihn aus 35.000 Seiten kenne:
    Nicht zeigt uns Schöneberger das Grauen der Welt. Das Grauen der Welt zeigt uns Schöneberger.

    Na OK, Kraus hätte es wohl noch besser gefitschelt, aber ich meine, ich bin da schon ziemlich nahe dran. Sorry Karl, klar, daß du es noch besser gemacht hättest. Aber wir sind ja sowas von am Arsch ohne dich! So ein Scheiß, daß es dich nicht mehr gibt.

    Soweit präludierend.

    Ich affirmiere:
    “… oder dafür unseren Jüngsten in Liedform einzutrichern, dass Oma eine alte „Umweltsau“ sei, nur um anschließend zu behaupten, dass es sich um die explizit benannte „Omi“ natürlich dann doch gar nicht handeln würde, sondern das mit „Oma“ ganz selbstkritisch der männliche Verfasser von sich sprechen würde…?!?“

    Gute Gedanken von partyschreck, dem/der Analytiker/in selbst schwieriegster Texte.

    Das WDR-Lied ist zwar harm- und belanglos sondergleichen, weist aber doch den Weg:

    “Die Uroma hat beim BDM gesungen,
    gesungen, gesungen, gesungen.
    Das hat immer doch so wunderschön geklungen.
    Die Uroma ist ‘ne alte Nazisau.

    Die Uroma war vom Führer so begeistert,
    begeistert, begeistert.
    Wenn er sprach, war sie im Schritt gleich ganz verkleistert.
    Die Uroma war ‘ne geile Nazisau.

    Die Uroma war Bewacherin im Lager,
    im Lager, im Lager.
    Deshalb war es für die Juden noch viel arger.
    Die Uroma ist ‘ne Mörder-Nazisau.“

  18. Na ja, Nörgler, bei Schöneberger und ihrem Twitterposting ging es Partyschreck ganz zu recht um eine Dummbrumpflinke, die nicht weiter kommt, als sich über solchen Scheiß zu ereifern und wo die Gesinnungsschnüffler auf der Lauer liegen. Schöneberger mag geschminkte Männer nicht und sie hat ein anderes Männerbild als irgendwelche genderfluiden Leute. Na und? (Jene, die ansonsten nicht müde werden, von einer pluralen Gesellschaft zu salbadern, bekommen Schaum vorm Mund, wenn es Abweichungen von der von einer bestimmten Genderlinken verordneten Pluralität gibt.) Den kategorialen Unterschied zwischen geschminkten Männern und Juden wird vielleicht auch der Nörgler begreifen. Und die Show, die da gerade mit Transgender und all diesem Geschlechterscheiß abgezogen wird: die meisten der jungen Leut_*Innen brauchen keine Geschlechtsumwandlung, sondern einen guten Jugend- und Psychotherapeuten, weil sie die üblichen Identitätsprobleme haben.

    Die heutige Linke und die damit einmal verbundene Gesellschaftskritik ist aus genau diesen Gründen im Arsch und sie hat genau ihre Stokowskis, Schicks und Böhmermanns, die sie verdient und als besondere Strafe noch Mario Sixtus dazu. Insofern ist die Klimakrise die gerechte Strafe für diese ganze Dämlichkeit, die sich an irgendeiner Privattwitterei aufhängt. Und was das Gesinnungslied da vom WDR betrifft: Das heutige Witz-Niveau ist Mario Barth. Jede Gesellschaft bekommt die Satire, die sie verdient und die sie verstandesmäßig zu erschließen fähig ist.

    Und noch was, Nörgler. Ich möchte Dich bitten, auf Einwände hier sachlich zu reagieren. Oder nein: das ist keine Bitte, sondern eine Aufforderung. Kritik besteht nur durch Argumente (das von der linearen Schreckensreihung ist eines, trifft aber aus einem anderen Grund, siehe oben, die Sache nur ungenügend.) Und die Busfenster sind manchmal die, aus denen man selber schaut oder eben nicht schaut. Und dies manchmal auch noch, ohne es zu merken.

  19. Na ja und was Kraus betrifft: Das Grauen der Welt zeigt uns Menschen. Das ist die Dialektik. Und zu der gehören eben auch die Kritiker von Schöneberger, die nur die andere Seite derselben Medaille darstellen. An den Schöneberger-Kritikern wird das Problem der einstmals unter dem Zeichen der Aufklärung und der Emanzipation angetretenen Linken deutlich (eines Teils zumindest, der Großteil war es nie und wollte es nie sein): daß jene Twitter- und Irgendwas-mit-Medien-Sabbel-Linke nichts mehr zu sagen hat, was irgendwie in Sachen Kritik noch relevant wäre.

    In einem gar nicht so schlechten Gastbeitrag zum WDR in der „Zeit“ von Armin Laschet findet sich die Überschrift „Wenn aus Debatten Tribunale werden, zerbricht die Gesellschaft.“

    Diese Linke wird ihren alten Stalin nicht los. Es geht nicht mehr um Kritik, sondern um Vernichtungswillen. Den anderen mundtot machen. Und das ist das Gegenteil einer liberalen Demokratie. Und damit ähneln diese Leute fatal jenen Rechtsextremisten und Rechtsaußenleuten à la Kubitschek.

    Im Opferquartett kann man jetzt bei Schöneberger übrigens noch die Frauen-Karte ziehen: Es ist bezeichnend, daß im Twittersturm ausgerechnet Männer (und teils auch Frauen, die gegenüber anderen Frauen oft noch viel unsolidarischer sich verhalten) über eine Frau herfallen, die für alles das einsteht, was man mit Emanzipation verbindet. Sogar gegen einen Konzern wie VW lehnt sie sich auf, zeigt den fürs Kapital arbeitenden Domestiken dort, daß sie eben nichts anderes als Domestiken und folglich auch so zu behandeln sind, und sie frißt den Aktionären, dem Konzern und dem Kapital die Pommes vom Teller, ohne zu bezahlen. Inzwischen ist mir Schöneberger sogar sympathisch.

    https://www.zeit.de/2020/02/wdr-satire-debattenkultur-klimawandel-generationen

  20. Es gibt nicht nur diese Sabbel-Linke, die müllt nur das Internet voll. Von den aktiven Linken die ich so kenne weiß ein Teil noch nicht einmal dass es eine Bloggosphäre gibt.

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