Welttag der Philosophie

Heute ist Welttag der Philosophie und ich habe dazu eigentlich nur einen einzigen Rat: Lest die Texte der Philosophinnen und Philosophen und nicht die Sekundärtexte dazu, lest diese Texte gründlich! Begreift, daß Philosophie Arbeit ist und daß man dabei kein Wissen schwarz auf weiß nach Hause trägt, mit dem man dann irgendwo glänzen kann. Manchmal machen solche Texte erhebliche Mühe, oft erschüttern sie überkommene Denk-Gewißheiten und Meinungen, und vielleicht bemerkt manche Leserin, mancher Leser in diesem Prozeß dann: philosophische Texte dienen nicht der Referenzrahmenbestätigung und sie sind auch keine Munition, die sich dazu mißbrauchen läßt, die eigenen Thesen, die man eh schon vorher im Kopfe trug, abzusichern. Philosophische Texte sind keine Bunker. Denn wenn man diese Texte, auch die der vermeintlichen Geistesheroen und jener „heiligen“ Autoren, die man dabei besonders lieb gewonnen hat, gründlich liest, wird man oftmals bemerken: diese Texte führen ein Eigenleben und je öfter ich solche Texte lese, desto mehr kann ich das als Leser bemerken, stoße auf neue Adern, Wege und Argumente.

Ob Philosophie solche Welttage tatsächlich benötigt, sei dahingestellt, aber ich will die symbolische Dimension solcher „Feierlichkeiten“ nicht gering schätzen. Besser als hohe Würdigungsreden freilich, die meist auf Phrasen hinauslaufen, was man sich landläufig so von der Philosophie vorstellt – dies oder eben auch das, glauben, meinen, annahmen –, ist es, an diesem Tag sich einen ausgewählten Text vorzunehmen: Das XII. Buch der Metaphysik des Aristoteles, Platons „Phaidros“, Leibnizens „Monadologie“, Hegels „Vorrede“ zur „Phänomenologie des Geistes“, Marxens Feuerbachthesen und dazu vielleicht die ersten Seiten seiner „Deutschen Ideologie“, Kierkegaards „Diapsalmata“ aus „Entweder-Oder“, Husserls „Philosophie als strenge Wissenschaft“ oder auch etwas ganz anderes. Philosophie bedeutet, unter anderem, (aber eben nicht nur), einen Text gründlich zu lesen. Und Philosophie heißt ebenfalls, das Gelesene zu hinterfragen und es nicht per se als geltend zu setzen, nur weil es der „Meister“  sagt. Philosophie ist kein Ismus.  Philosophie sollte nicht das Nachbeten von Texten und Werken sein, und vielleicht entdecken wir durch intensive Lektüre noch andere Pfade und Wege im Text als das, was bisher in Lehrbüchern und in Sekundärtexten als Auslegung festgeschrieben wurde. Philosophie sollte sich insofern kritisch zum „Meister“ stellen – etwas, das ja gerade Hegel auch fordert und in diesem Sinne wird der Hegelianer seinem „Meister“ in diesem Sinne nicht gerecht und ist geradezu kein „Hegelianer“.

Für jene Menschen, die noch jung und noch Studenten sind – aber eigentlich gilt das auch für ältere und für alle Leserinnen und Leser , sei zudem geraten: Bildet Banden, bildet Lesekreise, lest gemeinsam, diskutiert, debattiert, streitet und vergeßt bei all diesem Disput eines nicht: im Zentrum steht der Text und nicht das persönliche Ego. Texte wollen verstanden werden. Sie auszulegen und zu verstehen, bedeutet nicht, irgendeinen heiligen und irgendwie geheimen verborgen Sinn dort herauszulesen, den ein Autor dort hineingeschmuggelt hat. Sondern die meisten Texte beschäftigen sich mit einer Frage oder einem Problem. Manchmal muß man ein wenig schauen und forschen, was eigentlich die Frage und was das Problem ist, das der Text angeht. Oft hängen diese Frage bzw. dieses Problem mit der Darstellungsart und der Sprache des Textes zusammen. Es gibt Inhalte und es gibt eine Form, in der sich Inhalte präsentieren. Zum philosophischen Text gehören also auch dessen argumentativer Aufbau und dessen rhetorische Struktur. Was wie in Kierkegaards „Entweder-Oder“ locker als Literatur und als ästhetizistisches Happening anmutet, das dann vom Ethiker „gekappert“ wird, ist nicht bloß ein Dreischritt vom Sinnlichen übers Moralische in den Glauben: sondern es handelt sich um Philosophieren in einer spezifischen Form und wie so oft bestimmen Frage und Problem die Darstellung.

Wer einen Blick für unterschiedliche Textformen schärfen will, lese Platons Staat, Aristoteles‘ Metaphysik, Spinozas Ethik, Wittgensteins „Tractatus“, Heideggers „Beiträge zur Philosophie“ oder Adornos Ästhetische Theorie. All diese Fragen von Darstellung, Argument, Stil, Rhetorik, Inhalt wollen beim Lesen mitbedacht werden. In diesem Sinne ist das Lesen von Texten eine mühevolle Arbeit. Aber eben nicht nur.

Wer da lange genug gelesen hat, wird irgendwann auch bemerken: Text ist Sex! Nur eben nicht zum Anfassen. Aber zum Begreifen.

32 Gedanken zu „Welttag der Philosophie

  1. danke für die ermutigung zur bandenbildung *höhö*
    wenn ich noch marx maschinenfragment im original anmerken darf, hinsichtlich deiner aufgeführten unterschiedlichsten textsorten? ;)

  2. Ohne Marx und Freud gelesen zu haben oder zumindest deren wichtigste Interpreten wie z.B. Marcuse kann man die Welt nicht verstehen.

  3. @El Mocho: Das eine muß das andere nicht ausschließen. Dennoch sind, anders als in der Antike und noch zur beginnenden Sattelzeit und bis zu Kants Epoche, Philosophie und Naturwissenschaften in der Moderne und aufgrund hochspezifischer Ausdifferenzierungen inzwischen Bereiche, die nicht mehr in eins sind, wenngleich Fragen der Kosmologie eben auch die moderne Astro-Physik berühren und ebenso zahlreiche Fragen der Ethik die Naturwissenschaften – wie auch umgekehrt. Zudem, und da greift dann ches Hinweis, hängt es davon ab, was ich in der Philosophie untersuche und mir betrachte. Im Zeichen einer komplexen Moderne mit ihren hochspezialisierten Fachwissenschaften bedarf es der Ausdifferenzierung. Wichtig ist, bei allem Spezialistentum, eine breite Allgemeinbildung die umfassende Kenntnisse

    @Alex Hiller: So ist es. Und dazu Heraklit den Dunklen. Mein Reden sowieso: die Vorsokratiker lesen! Platon und Aristoteles.

  4. Was ich meine ist etwa folgendes. Descartes wollte 1633 sein Buch über die Welt („Le Monde“) veröffentlichen, aber er tat es nicht. In einem Brief an Mersenne vom November 1633 schrieb er: „Man sagte mir, Galilei sei verurteilt worden. Ich war so erschüttert, dass ich fast alle meine Unterlagen verbrannt hätte. Ich muss zugeben, dass dann, wenn seine Ansichten falsch sind, es auch die gesamten Grundlagen meiner Philosophie sind. Denn seine Ansichten können aus ihr abgeleitet werden. Auf jeden Fall wollte ich aber nichts publizieren, in dem es ein einziges Wort gibt, dem die Kirche nicht zustimmen kann.“ (AT I 270f.)

    Da sieht man, wie vermutlich die Geschichte der Philosophie ganz anders verlaufen wäre ohne Galileis Verurteilung, denn Descartes wollte ursprünglich in Le Monde seine Naturphilosophie darstellen, ausgehend von einer kosmologischen Theorie . Er tat es aber nicht, sondern ging, wie wir wissen, vom denkenden Ich aus, dessen Existenz wohl auch die Kirche nicht bestreiten würde, zumal er dessen Selbstgewissheit in Gott gründete.

    Und ich denke wenn man das nicht weiß, kann man Descartes Philosophie (und auch das was auf sie folgte) nicht angemessen verstehen. Philosophie existiert nicht unabhängig von Wissenschaft (und natürlich auch von Religion).

  5. Was Galilei widerfuhr und was Descartes schrieb, hat nur alles nichts mit einem naturwissenschaftlichen Reduktionismus zu tun. Und niemand sagt, daß Philosophie unabhängig von Wissenschaft und Religion existiert. Wer hat diese Behauptung aufgestellt? Und selbst ein Philosoph wie Heidegger, der schrieb, daß die Wissenschaft nicht denke, meinte damit nicht, daß die Wissenschaft nichtig sei und nichts Gescheites produziet, sondern diese Aussage hängt an dem, was Heidegger unter dem Begriff des Denkens versteht. Auch hier also kein Verleugnen der (Natur)Wissenschaft, sondern eine Spezifizierung. Ob Heidegger damit den Wissenschaften gerecht wird, die ja durchaus auch zur Methoden- und Anwendungsreflexion fähig sind und damit immer schon dicht bei der Philosophie, ist nochmal eine andere Frage. Aber auch dazu muß man wiederum Heidegers Text sehr genau lesen und nicht in die Falle der voreiligen Auslegungen tappen.

    Descartes‘ Philosophie wurde, sobald sie auf dem Tisch lag, kritisiert. Von kirchlicher Seite im Sinne des Dogmatismus, von Spinoza über Hegel bis Heidegger. Hinzu kommt, daß man Descartes‘ Meditationen ebenso unter anderen Hinsichten noch lesen kann als einer reinen Geistphilosophie. Man sollte sich also hüten, in die Falle der Rezeptionsartefakte zu tappen, die sich leider durch die Geschichte der Philosophie ziehen; nicht nur bei Descartes, sondern ebenso bei Platon, bei Hegel, bei Marx, bei Heidegger und Nietzsche.

    Die Einsetzung des Ichs als Instanz bei Descartes, vor allem gegenüber der Allmacht Gottes, bedeutete für die Philosophie und für die Theologie eine entscheidende Wendung. Dieser Aspekt ist mitzudenken. Und in diesem Sinne ist Descartes ein Aufklärer und in diesem Sinne lag Descartes Denken in Konflikt mit der Kirche. Daß er am Ende seines Beweisganges in den „Meditationen“ nun auch noch Gott ins Spiel brachte, war eben seinen Kritikern geschuldet, die einen, wie Descartes von Galilei und vor allem von Giordano Bruno her wußte, nicht nur zum Widerrufen, sondern eben auch auf den Scheiterhaufen zwingen konnten. Wer also unter diesen Bedingungen schreiben wollte, der mußte das zwischen den Zeilen tun, um mit der Kirche nicht in den Konflikt zu geraten. Auch diese Aspekte müssen mitgedacht werden, wie auch der von Dir zitierte Brief zeigt.

    Sowieso rate ich bei diesen ganzen Fragen, solches möglichst nahe am Text und MIT DEM TEXT zu machen, damit in der Auslegung nicht die Vermutung über den Text an die Stelle des Textes tritt

  6. Du zitierst einen Brief und eine Aussage in einer bestimmten Hinsicht. Und die legst Du dann instrumentell aus und bastelst dann daraus auch noch einen Pappkameraden, in dem Du eine Position konstruierst, die niemand vertritt. Davon abgesehen, daß dieser Brief eben nichts über die Struktur der „Meditationen“ und des „Discours“ aussagt.

    Und sowas ist einfach nur auf Kindergartenniveau:

    „Da sieht man, wie vermutlich die Geschichte der Philosophie ganz anders verlaufen wäre ohne Galileis Verurteilung, denn Descartes wollte ursprünglich in Le Monde seine Naturphilosophie darstellen, ausgehend von einer kosmologischen Theorie . Er tat es aber nicht, sondern ging, wie wir wissen, vom denkenden Ich aus, dessen Existenz wohl auch die Kirche nicht bestreiten würde, zumal er dessen Selbstgewissheit in Gott gründete.“

    Woher weißt Du, was Descartes wollte? Du kannst wohl kaum seine Gedanken lesen und auch die zitierte Textstelle gibt all das nicht im geringsten her. Wenn Du also etwas belegen willst, dann mußt Du das gründlich machen und nicht die Aussage eines Autors mit Deinen persönlichen Assoziationen verwechseln. Davon einmal abgesehen, daß man als Philosoph SOWOHL zur Erkenntnistheorie WIE AUCH zur Naturlehre etwas schreiben kann. Bei Dir geschieht alles in einem Entweder-Oder: Da konnte Descartes also das eine nicht schreiben,dann hat der sich wohl was anderes ausgedacht. Nein, El Mocho, so war es bei Descartes nicht.

  7. Im übrigen publizierte Descartes eine Schrift zu den Naturwissenschaften auch nachdem er vom Schicksal Galileis erfuhr, nämliche: „Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences, plus la Dioptrique, les Météores et la Géométrie qui sont des essais de cette méthode“

  8. „Ohne Naturwissenschaften macht Philosophie keinen Sinn, besonders Galileo Galilei ist wichtig, mit Sicherheit wichtiger als alle nachkantische Philosophie.“

    Und das ist genau dieser Blödsinn, den ich meine, El Mocho, und den Du systematisch und in Permanenz unters Volk bringen willst, im Ton der dogmatischen Festlegung, was Philosophie zu sein hat. Daß Philosophie in der Argumentation und in der Darstellung ganz gut ohne Naturwissenschaft auskommt, zeigen 2600 Jahre europäische und auch außereuropäische Philosophie. Nicht weil die Philosophie Naturwissenschaften ablehnt – ganz im Gegenteil -, sondern weil es, wie jeder Naturwissenschaftler von der Antike bis heute und auch jeder Philosoph von der Antike bis zur Gegenwart weiß, eine Differenz in der Methode gibt. Für die Beweisverfahren der Philosophie sind nämlich zu einem großen Teil die naturwissenschaftlichen Verfahren ungeeignet. Die Frage nach dem Gerechten, dem Guten, dem Schönen und dem Wahren lassen sich nicht mittels Naturwissenschaften beantworten, in dem einer empirisch experimentiert, Formeln erstellt oder Hypothesen über dies oder das aufstellt und auch das Verfahren der Beobachtung funktioniert in philosophischen Verfahren anders. Das ist es ja, was ich Dir weiter oben in bezug aufs Erkennen die ganze Zeit über gezeigt habe.

    Und was Denken ist, läßt sich nicht bestimmen, indem man das Gehirn untersucht. Neuronen denken nicht, sie sind lediglich notwendige Bedingungen – eine These, die im übrigen auch Biologen vertreten, wie uns oben ziggev zeigte. Du verwechselst in dieser Sache die einfache Kausalitätsbeziehungen, El Mocho. Weil ein Organ wie das Gehirn fürs Denken physiologisch nötig ist, bedeutet dies nicht, daß diese Erklärung der Funktion des Gehirns irgendwie weiter das Denken noch erklärt als eben physiologisch. Und genau für dieses physiologische Erklären brauchen wir Biologie und was darüber hinausgeht, dafür sind entweder spezielle Wissenschaften wie Soziologie oder Geschichte zuständig und wenn es um die nicht-empirischen Fragen geht, sondern um Strukturen und Fragen der Reflexivität dann tritt die Philosophie auf den Plan: Wenn z.B. gefragt wird, was erkennen ist oder was das Gerechte ist.

    Philosophie ist zudem keine Cafeteria, wo man sich irgendwelche Texte aussucht, weil sie irgendwie die persönliche Ideologie stützen – das eben, was hier zu recht mit Weltanschauung bezeichnet wurde. Wenn Du also meinen Text zum Welttag der Philosophie gründlich gelesen hättest, würdest Du begreifen, daß Philosophie und Naturwissenschaft keine Wursttheke ist, wo man sich irgendwas herauspickt, was einem gerade schmeckt.

    Auch ist es seltsam, daß jemand wie Du, der sich auf die Naturwissenschaften beruft, derart dann bei den logischen Bezügen und bei den Argumenten schwächelt. Ich dachte eigentlich, daß es auch in den Naturwissenschaften auf den Beweis und das Argument ankäme.

  9. „Und was Denken ist, läßt sich nicht bestimmen, indem man das Gehirn untersucht. “ —- Man kommt ja auch zu keiner Analyse des Kapitalismus indem man eine Fabrikbesichtigung durchführt.

  10. „Woher weißt Du, was Descartes wollte?“

    Aus seinen eigenen Äußerungen, warum sollte man die nicht ernst nehmen? Descartes wollte das Christentum gegen den Atheismus verteidigen, denn er war ein gläubiger Katholik. Er wollte keine neue Philosophie begründen, zumindest spricht nichts in seinen Äußerungen dafür, egal was Hegel oder Adorno später gesagt haben.

    „Daß Philosophie in der Argumentation und in der Darstellung ganz gut ohne Naturwissenschaft auskommt, zeigen 2600 Jahre europäische und auch außereuropäische Philosophie.“

    Im 17. Jahrhundert geschah aber etwas neues. Galilei kam und untersuchte die Welt selber, ohne sich groß um die Philosophen zu kümmern. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es die Wissenschaften auf der einen und die Philosophie auf der anderen Seite, vorher gab es nur Philosophie.
    In diesem Zusammenhang möchte ich auf die große Philosophin Anneliese Maier hinweisen, von der du wahrscheinlich noch nie gehört hast.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Anneliese_Maier

    Das ist kein Vorwurf, ich bin auch nur auf sie gestoßen, als ich mich näher mit Galilei beschäftigt habe.

    Maier hat einige Bücher über die Naturphilosophie der Spätscholastik im 14. Jahhrundert geschrieben und dabei festgestellt, dass die Philosophen des 14. Jahrhunderts, Johannes Burdian und Nicolaus von Oresme, eigentlich schon dort standen, von wo Galilei mit seinen Frschungen ausging. Sie hatten erkannt, dass die Physik und Astronomie des Aristoteles falsch und unhaltbar waren und man die physische Welt selber untersuchen (messen) muss, um sie zu erkennen. Aber sie taten es nicht. Warum?

    Sie schreibt:

    „Man muss darum eine künstliche Maßeinheit, eine minima mensura secundum institutionem festsetzen und mit dieser dann die übrigen Größen messen. … Wenn man als Maßeinheit den Finger oder die Spanne nimmt (digitus aut palma), so ist zu bedenken, dass der Finger des einen Menschen grösser ist als der eines anderen usw. In welcher Weise also soll sie festgesetzt werden? Es ist das ja in der Tat ein Problem, das erst Jahrhunderte später gelöst wurde. Immerhin hätte diese Schwierigkeit die Möglichkeit eines Messens nicht ernsthaft beeinträchtigt. Aber es erhebt sich noch ein anderer, entscheidender Einwand, der sich nicht auf die Maßeinheit bezieht, sondern auf die Möglichkeit eines exakten Vergleichens. Was für eine Gewissheit haben wir denn, dass zwei Werte, die uns gleich scheinen, wirklich gleich sind? Notandum est, so bemerkt Buridan einmal36 quod non possumus motus naturales omnino prac¬tise et punctualiter mensurare, seil, secundum modum mathema- ticae considerationis. Non enim possumus per stateram scire si prae- cise libra cerae sit librae plumbi aequalis; potest enim esse excessus in ita parva quantitate quod non perciperemus excessum37. Hier liegt in der Tat die ausschlaggebende Schwierigkeit: eine mathematische Genauigkeit erschien unsern Philosophen von vornherein als unerreichbar, und sie haben darum grundsätzlich auf jedes Messen verzichtet. Buridan fährt allerdings fort: Sed sufficit saepe mensuratio ad prope iuxta illud quod de modico non est curandum. Er spricht damit einen Gedanken aus, der der Spätscholastik ganz neue Wege hätte eröffnen können, wenn sie ihn wirklich in ihrer Naturbetrachtung angewandt hätte. Aber daran hat weder Buridan noch sonst einer seiner Zeitgenossen und Nachfolger im Ernst gedacht. Ein Rechnen mit ungefähren Massen, d. h. mit Näherungswerten, mit Fehlergrenzen und vernachlässigbaren Größen, wie es der späteren Physik selbstverständlich wurde, wäre den scholastischen Philosophen als ein schwerer Verstoß gegen die Würde der Wissenschaft erschienen. So sind sie an der Schwelle einer eigentlichen, messenden Physik stehengeblieben, ohne sie zu überschreiten — letzten Endes, weil sie sich nicht zu dem Verzicht auf Exaktheit entschließen konnten, der allein eine exakte Naturwissenschaft möglich macht.

    Anneliese Maier, Metaphysische Anfangsgründe der spätscholastischen Naturphilosophie, 1955, S. 397-401

    Das ist eben der Unterschied von Philosophie und Wissenschaft; Wissenschaft gibt sich mit Näherungswerten zufrieden und verzichtet auf absolute Exaktheit, wie sie die Philosophen anstreben. Sie ermöglich allerdings wirliche Erkenntnis der Realität, außerhalb der Studierstube.

    „Und was Denken ist, läßt sich nicht bestimmen, indem man das Gehirn untersucht.“

    Wie denn sonst?

  11. „„Woher weißt Du, was Descartes wollte?“
    Aus seinen eigenen Äußerungen, warum sollte man die nicht ernst nehmen?“

    Eben nicht: Du unterschiebst dem Zitat eine Deutung, die dort nicht steht. Und das hat auch nichts mit Adorno zu tun oder mit Hegel, sondern nur mit gründlicher und genauer Lektüre. Zu der Du leider häufig nicht fähig bist. Descartes hat nicht wegen Galilei sich plötzlich eine ganz andere Philosophie ausgedacht, weil das dann besser zur Kirche paßt. Sondern er hat sein System und sein Denken modifiziert und weiterentwickelt.

    Mit nicht minder revolutionären Folgen für die Philosophie wie die Entdeckungen Keplers oder Kopernikus‘. Es steht dort im Brief übrigens: Unterlagen verbrannt HÄTTE. Konjunktiv. Er hat es anscheinend aber nicht. Worum es Descartes ging: zu publizieren. Und das konnte man nur mit dem Segen der Kirche, also wurden etwa die Meditationen derart modifiziert. Für die Begründung des Cogito wäre Gott eigentlich überflüssig. Um der Kirche willen mußte es sein. Weiterhin zeigt auch dieser Satz von Descartes, daß Philosophie nun gerade nicht die absolute Exaktheit ist, wie Du unten widersinnigerweise annimmst, sondern daß sie gerade in Suchbewegungen besteht. Auch hier bereits Inkonsistenz.

    „Ich muss zugeben, dass dann, wenn seine Ansichten falsch sind, es auch die gesamten Grundlagen meiner Philosophie sind. Denn seine Ansichten können aus ihr abgeleitet werden.“

    Nun sind aber Galileis Einsichten nicht falsch, sondern nur von der Kirche verboten: und nach logischer Ableitung sind es dann auch die gesamten Grundlagen von Descartes nicht. Also schon bei der ersten Lektüre sieht man, daß Deine Deutung nicht funktioniert. Davon mal inhaltlich abgesehen, daß Descartes Ansichten dennoch richtig sein können, auch wenn sie nicht mit Galilei zusammenstimmen: nämlich genau dann, wenn zwei völlig andere Gegenstandsbereiche untersucht werden. Sehr gut zeigt sich hier aber, daß Kosmologie, Physik und Philosophie miteinander kommunizieren und sich gegenseitig ergänzen können. Insofern beweist Dein Zitat genau das Gegenteil von dem, was Du zeigen willst.

    „Im 17. Jahrhundert geschah aber etwas neues. Galilei kam und untersuchte die Welt selber, ohne sich groß um die Philosophen zu kümmern. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es die Wissenschaften auf der einen und die Philosophie auf der anderen Seite, vorher gab es nur Philosophie.“

    Es geschah bereits sehr viel früher schon Neues und die abendländische Geschichte ist voll von Neuerungen, ob es das Denken der Griechen ist oder das Aufkommen des Christentums oder die arabische Philosophie samt dem Islam. Diese Innovationen kannst Du gut nachlesen in Leinkaufs Buch zur „Philosophie des Humanismus und der Renaissance“. Darin findest Du eine Vielfalt an Neuerungen, nicht bloß naturwissenschaftlicher, philosophischer und ästhetischer Art, und wenn Du Dich über die Philosophie des Mittelalters informiertes, kämest Du ebenfalls nicht zu einer derart kreuzdummen These. Und wenn Du zudem noch darüber nachdenkst, daß sich im Mittelalter die Philosophie erst aus der Theologie entwinden mußte, dann kämst Du ebenfalls nicht auf solche banalen Thesen. Vorher gab es eben nicht nur Philosophie und natürlich gab es vorher ebenfalls Naturwissenschaften und insbesondere die Mathematik. Ich meine sogar, daß der Satz des Pythagoras und der des Thales noch heute seine Gültigkeit haben. Ich habe, El Mocho, seit langer Zeit nicht solch dünnen Scheiß gelesen, wie Du es hier und heute geschrieben hast.

    Wie ansonsten Glauben und Wissen in ein Verhältnis gebracht wurden, um nur zwei von vielen Beispielen zu nennen, kannst Du nachlesen etwas in Anselm von Canterburys Proslogion II-IV („Kann Gottes Nicht-Sein gedacht werden?“), also seinem Gottesbeweis und der Antwort des Mönchs Gaunilo von Marmoutiers darauf. Oder eben bei Thomas von Aquin. Und ich glaube auch kaum, daß sich bei Anneliese Maier solche trivialen Thesen finden, wie Du sie aufstellst. Dein Problem ist, daß Du Philosophie andauernd auf irgendwelche handhabbaren Thesen und auf einen simplen Funktionszusammenhang herunterbrechen willst. Und Dein eigenes Ausgedachtese nimmst Du dann für die Sache der Philosophie. Das hat dann schon etwas Kindliches. Kinder nehmen auch an, daß im Wald die bösen Räuber sind.

    Weitere Belege für den Austausch zwischen Philosophie und Wissenschaften und dem Ringen um die Fragen des Erkennens vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit finden sich in Kurt Flaschs „Kampfplätze der Philosophie“.

    Weiterhin hat niemand behauptet, daß Aristotelesʼ Naturphilosophie das Maß der Zeit sei und unbeschränkt und ewig gültig. Es fällt mir im Augenblick nur ein einziger ein, der solchen Quatsch behaupten könnte.

    „Das ist eben der Unterschied von Philosophie und Wissenschaft; Wissenschaft gibt sich mit Näherungswerten zufrieden und verzichtet auf absolute Exaktheit, wie sie die Philosophen anstreben.“

    Auch wieder eine Deiner Pappkameraden, die Du aufbaust. Wie wäre es, wenn Du diesen Blödsinn einfach mal unterläßt? Zudem: Wo tut sie das? Philosophie wie auch Naturwissenschaften stellen Thesen auf, davon einmal ab, daß beide Disziplinen im System ganz unterschiedlich arbeiten. Und allein die lange 2600 Jahre währende Geschichte der Philosophie zeigt, daß es solches Konstrukt nicht gibt. Ansonsten wäre nämlich die Philosophie schnell am Ende. Wenn Du Dich einmal mit Fichtes oder Kants Philosophie befassen würdest, bemerktest Du, daß Fichte z.B. seine Wissenschaftslehre viele Male umgeschrieben und geändert hat. Und bei Kant wirst Du nach seinen zwei Kritiken bemerken, daß er mit dem Ergebnis samt dem daran gebundenen Dualismus – um es mal verkürzt darzustellen – ganz und gar nicht zufrieden war, sondern im Gegenteil nach einem einigenden Band der beiden Vernunftsteile fahndete. Diese bei Kant OFFENE FRAGE ist dann das Einfallstor des Deutschen Idealismus und daran arbeiteten sich Fichte, Schelling und Hegel sowie auch die Jenaer Romantiker wie die Gebr. Schlegel und auch Novalis vehement ab. Und so hinterlassen also Philosophen mit ihren Denksystemen oder mit ihren aphoristischen Ausfaltungen nicht „absolute Exaktheit“, sondern offene Fragen, auf die dann wieder andere Philosophen reagieren.

    Dein Problem, El Mocho, ist, daß Du Dir Philosophie vorstellst, wie Klein Hänschen es sich vorstellt und daß Du die Texte der Philosophen schlicht und ergreifend nicht zur Kenntnis nimmst. Was Du hier als Philosophie insinuierst, ist das Niveau nicht einmal der zehnte Klasse. Kein Schüler würde sich solchen Unsinn leisten.

    „„Und was Denken ist, läßt sich nicht bestimmen, indem man das Gehirn untersucht.“
    Wie denn sonst?“

    Dann zeige es doch mal auf. Bisher lese ich bei Dir nichts über das Denken, sondern über biologische Determinismus und Trivialitäten: Denken ist Gehirn. Trivialitäten, die man nicht einmal mehr in der Biologie in dieser Weise vertritt, wie ziggev zeigte. Und mit solchen Tautologien erklärst Du weder die Formale Logik noch philosophische Sätze und warum Denken in der einen Kultur diese und in der anderen eine völlig andere Ausprägung annimmt. Wenn darauf die Antwort sein soll: Das sind Neuronen und Nervenbahnen, dann merkst vielleicht selbst, daß das keine Erklärung, sondern eine Ausflucht bzw. einfach nur eine nichtssagende Aussage ist. Vom Argument hier zudem eine petitio principii bzw. ein Zirkelschluß. Ich denke aber, daß die Biologie am Ende doch ein wenig mehr zu bieten hat, als Du es uns hier darstellen willst. Und ich habe es Dir bereits im ersten Posting erklärt: Du verwechselst die einfache Kausalität mit einer Funktionserklärung. Da kannst Du noch so lange das Gehirn untersuchen: darin findest Du nicht die Antwort, weshalb sich Denken in seinem kulturellen Ausprägungen unterscheidet.

    Und auch das von Dir gebrauchte Zitat ist leider keine Untermauerung Deiner These, sondern nur der Aufweis, daß Du das, was Maier schrieb, nicht im Ansatz durchdrungen hast.

    Gewöhne Dir einfach mal ab, irgendwelche Rezeptionsartefakte wiederzukäuen und Deine eigenen Konstruktionen an die Stelle der Sache zu setzen und zudem eine bestimmte Form von Wissenschaft zu verabsolutieren und dann dogmatisch als geltend zu setzen. Du machst genau das andauernd, was Du dem Pappkameraden, den Du zur Philosophie aufbaust, vorwirfst.

  12. Ich sage nicht „Denken ist Gehirn“, sondern „The Mind ist the Brain“.

    „There is only one sort of stuff, namely matter — the physical stuff of physics, chemistry, and physiology — and the mind is somehow nothing but a physical phenomenon. In short, the mind is the brain. According to the materialists, we can (in principle!) account for every mental phenomenon using the same physical principles, laws, and raw materials that suffice to explain radioactivity, continental drift, photosynthesis, reproduction, nutrition, and growth.“

    Daniel Dennett, Consciousness explained, P. 33

    Du solltest übrigens nicht so eine dicke Lippe riskieren, wenn du die angelsächsische Philosophie nicht liest, weil du nicht genug Englisch kannst; Englisch ist heute die Sprache der Wissenschaften, auch der Philosophie.

    Und Anneliese Maier genießt auch unter Philosophen großes Ansehen, auch wenn du sie nicht ernst nimmst, weil sie nie etwas über Hegel geschrieben hat.

    https://www.researchgate.net/publication/276487280_Anneliese_Maier_and_the_Study_of_Medieval_Philosophy_Today

    Logisch dass du auf ihre Argumentation nicht eingehen willst.

  13. Es geht hier nicht um die angelsächsische Philosophie, die Du ebensowenig verstehst wie die kontinentale, sondern um Deine kreuzdumme Behauptung sowie darum, daß Du die simpelsten Regeln der Debatte nicht beherrscht: daß man nämlich seine These begründen muß. Weshalb Deine Begründungen hier nicht funktionieren, wurde Dir hier gezeigt. Ebenso, daß Du nicht einmal in der Lage bist, einen einfachen Satz von Descartes auszulegen. Stattdessen packst Du dort hinein, was Dir gerade in den Sinn kommt und was Du als verdeckten Sinn dort hineinlesen möchtest, was nur leider dort nicht steht.

    Weil Dennett oder Maier etwas schreiben, heißt das nicht, daß es richtig ist: Argumentum ad verecundiam. Und wie immer verwechselst Du auch in diesem Falle behaupten mit gelten.

    Für all diese Fragen ist es völlig unerheblich, welche Texte ich lese und welche ich nicht lese und ob ich gut englisch oder nicht englisch kann. Es stünde Dir eher gut an, zunächst einmal überhaupt erst deutsche Texte zu verstehen. Dir gelingt nicht einmal das. Ansonsten: Du bist für Deine Thesen begründungspflichtig. Nicht mehr und nicht weniger. Du hast hier ein biologischen Aspekt angebracht und diesen hast Du dogmatisch verabsolutiert, indem Du aus „einige“ „alle“ machst. Da liegt Dein Denkproblem. Und ich vermute, daß dies einen ideologischen Hintergrund hat. Daß Du in Permanenz Deine biologistische Agenda unterbringst, die teils rassisch konnotiert sind oder doch an solche Diskurse andocken, wurde Dir von Netbitch und von che wiederholt gezeigt.

  14. Der Unsinn von solchen Zitaten mag Dir vielleicht auch darin aufgehen, daß ich nun Stellen aus der Bibel zitieren könnte, die zeigen, daß das Denken göttlich ist. Was als Metapher immer noch sinn- und gehaltvoller ist als Dein biologistischer Schnulli-Kram, der sich im simplen Reduktionismus ergeht.

    Bei Leuten wie Dir und auch bei Dennett habe ich allerdings die Befürchtung, daß der Geist nicht einmal das Gehirn ist, sondern vielmehr, daß da kaum Geist vorhanden ist, der die Sache mit Denken durchdringt und nicht bloß mit Neuronen. Weshalb das so ist und weshalb eine monokausale und naturalisierend-dogmatische Betrachtung nicht ausreicht, zeigte ich oben. Da nützen auch Dein ad nauseam, mithin Dein immergleiches Nachbrabbeln der immergleichen These nichts. Seltsam, daß Du bei anderen Leuten Hegelianismus oder Marxismus beklagst, aber selbst in einer Tour unreflektiert und unkritisch irgendwelche Positionen nachbetest

  15. „Und Anneliese Maier genießt auch unter Philosophen großes Ansehen, auch wenn du sie nicht ernst nimmst, weil sie nie etwas über Hegel geschrieben hat.“

    Das ist hier aber nicht die Frage, ob Maier einen guten Ruf genießt oder nicht, davon mal abgesehen, daß die Gemeinde der Philosophinnen und Philosophen derart heterogen ist, daß es da kaum eine einheitliche Position ergibt. Sondern vielmehr kommt es auf die These an, die Maier vertritt. Und das, was sie in dem Zitat schreibt, stützt leider noch nicht einmal Deine eigene These, sondern zeigt eben einen entwicklungslogischen Aspekt der Philosophie, und zwar auch nur im Hinblick auf eine bestimmte Phase, und sie zeigt, wie von dort her die Ausdifferenzierung der Naturwissenschaften sich ins Werk setzte. Und unabhängig davon, ob ihre These zur Exaktheit nun stimmt oder nicht stimmt, bezieht sie sich hier auf eine bestimmte Phase der Philosophie, nämlich die Spätscholastik. Damit ist aber nicht gegeben, daß diese Überlegung zur Exaktheit auf die ganze Philosophie, etwa die nach dieser Epoche, ebenfalls auszudehnen ist und es ist auch nicht gegeben, daß diese Sicht für die Antike gilt. Du verstehst nicht einmal diese basalen Passagen. Und das liegt wieder daran, daß Du in den Text einen Sinn hineinpackst, der allein Dir im Kopf herumschwirrt, und so verwechselst Du Deine Privatauslegung mit dem, was da im Text geschrieben steht und zudem rechnest Du diese Privatauslegung dann noch auf die gesamte Philosophie hoch. Aus „einige“ machst Du also wieder einmal „alle“. Aus einer bestimmten Hinsicht, die Maier beschreibt, machst Du sämtliche Philosophie.

    Weiterhin habe ich nicht geschrieben, daß ich sie nicht ernst nehme, sondern ich habe hier die Bezüge aufgezeigt, in denen der Text steht. Und dafür ist es auch unerheblich, ob sie etwas über Hegel oder über sonstwen geschrieben hat.

    Und so kann man Satz für Satz Deiner Phrasen und all das Fehlerhafte und argumentativ Lasche hier auseinander nehmen. Wird Dir eigentlich dieses Spiel nicht irgendwann mal zu dumm, sich derartig und ständig zum Kasper zu machen?

  16. @Der Unsinn von solchen Zitaten mag Dir vielleicht auch darin aufgehen, daß ich nun Stellen aus der Bibel zitieren könnte, die zeigen, daß das Denken göttlich ist.

    Dann aber bitte auf aramäisch oder zumindest griechisch;-)

  17. Ja dann sag doch mal, warum die moderne Physik von Galilei begründet wurde und nicht von Johannes Buridan im 14. Jahrhundert? Irgendwie muss er (Galilei) ja doch etwas besonderes getan bzw. gedacht haben, oder?

    Du bist völlig borniert in deiner deutschen Universitätsphilosophie gefangen und kannst alles was sich außerhalb von ihr bewegt von Anfang an nur als defizitär wahrnehmen. Brett vor dem Kopf.

    Übrigens ist die Bibel kein wissenschaftlicher Text, den man in irgendeiner Weise mit Galilei vergleichen könnte.

  18. Du meinst die klassische Physik, die moderne Physik wurde durch Planck, Einstein, Pauly, Heisenberg, Dirac, Schrödinger, Bohr und solche begründet.

    Mal abgesehen davon dass die klassische Physik nicht von einer Einzelperson begründet wurde sondern prozesshaft aus einer bestimmten Phase der Wissenschaftsgeschichte hervorgegangen ist wäre auch nicht Galilei als einer ihrer prominentesten Gründungsväter zu nennen sondern viel eher Newton, ansonsten reicht das Spektrum der Gründerväter von Roger Bacon über Galilei und Newton bis hin zu James Clerke Maxwell und Ernst Mach. Auch dieses hat aber keinerlei Bezug zu den Dingen die im Eingangsposting behandelt werden, es handelt sich schlicht um unterschiedliche Geisteswelten. Man kann auch ökonomische Theorien nicht mit Quantengravitation begründen.

    BtW ansonsten würde ich das was Du betreibst mit „Das Brett vorm Kopf zur Waffe machen“ paraphrasieren.

  19. „Ja dann sag doch mal, warum die moderne Physik von Galilei begründet wurde und nicht von Johannes Buridan im 14. Jahrhundert?“

    Auch wieder: Am Thema vorbei und zudem war das auch gar nicht die Frage. Daß es im Stufengang der Erkenntnis Vorstufen und unterschiedliche Wege gibt, auf die wiederum andere aufbauen, dieses entwicklungslogische Modell kommt Dir nicht einmal im Ansatz in den Sinn. Davon mal ab, daß die moderne Physik nicht einfach von jemandem „begründet“ wurde. Du stellst Dir Philosophie vor wie ein Kleinkind. Wobei da tatsächlich noch mehr philosophisches Bewußtsein vorhanden ist, da der Geist von Kinder noch offen ist.

    „Du bist völlig borniert in deiner deutschen Universitätsphilosophie gefangen und …“

    Nein, El Mocho. Ich stelle nur keine dummen Thesen auf und verallgemeinere sie dann auch noch dogmatisch. Daß die Bibel ein wissenschaftlicher Text ist, habe ich nirgends behauptet. Wieder ein Pappkamerad. Wenn Du intellektuell einmal nur Kontexte erfassen könntest – leider bist Du dazu nicht im Ansatz in der Lage und laborierst hier auf dem Niveau nicht einmal von Anfängern -, dann hättest Du bemerkt, daß es um das von mir (explizit!) genannte Argumentum ad verecundiam geht. Nur weil X etwas behauptet, ist es deshalb nicht richtig oder wahr, und zudem ist auch Daniel Dennett Aussage kein wissenschaftlicher Text, sondern ein Zitat und genauer gesagt dazu noch Dogmatik, die sich auf ähnlichem Niveau wie die Bibel bewegt. Es ist nämlich eine monokausale Ableitungen.

    Gewöhne Dir hier im Blog in Zukunft an, daß Du für Deine Behauptungen Belege und Begründungen bringst. Dieser Blog ist kein Meinungsforum, wo Leute ihre sektenhaften Einstellungen oder ihre Glaubenssätze verbreiten, sondern hier wird argumentiert. Solche Argumente haben die Form: Denken ist X, Y, Z und die Begründung äußert sich dann in Wörten wie „weil“, „deshalb“, „insofern“, „denn“. Und nicht einfach, indem man irgendeine These aufstellt und meint mit dem Behaupten eines Sachverhaltes ginge auch schon dessen Geltung einher. Und Argumentation heißt auch nicht, sich auf irgendwelche externen Autoritäten zu berufen. Weil Anneliese Maier, Kant, Hegel oder Dennett etwas gesagt haben, heißt das nicht, daß es deshalb bereits per se und ungeprüft richtig ist. Auch da muß man dann zeigen, weshalb die Behauptung richtig ist oder in welcher Hinsicht sie richtig ist oder aber den Gedankengang der Philosophie zumindest weiterbringt. (Es gibt nämlich auch Aspekte,die sind zwar nicht richtig, aber die treiben dennoch die Philosophie voran. Aber mit derart komplizierten Aspekten will ich Dich nicht einmal belasten.) Deshalb auch mein Verweis auf die Bibel: Weil einer behauptet, das Wahre käme von Gott, ist es deshalb nicht geltend.Gleiches gilt für Dennett,auch wenn den manche für Gott halten.

    Und das hat dann auch nichts mit Universitätsphilosophie zu tun, sondern mit den elementaren Regeln der Argumentation. Weshalb Dein Ansatz zum einen Dogmatismus auf der Stufe der Religion ist und weshalb Dein überdehnter Naturalismus bzw. Dein Biologismus nicht funktioniert, wurde Dir oben gezeigt.

    In der Tat ist übrigens fürs Philosophieren die gründliche und genaue Kenntnis von Texten nötig. Dieses genaue und gründliche Lesen lernt man auf Universitäten in den Philosophischen Seminaren – wenn es gut läuft. Und da lernt man vor allem, in philosophische Texte nicht seine persönlichen Befindlichkeiten hineinzupacken und Texte nicht als Referenzrahmenbestätigung für irgendwelche Eigenüberlegungen zu mibrauchen, um sich mit fremden Texten zu augmentieren. Weiterhin lernt man, daß Texte komplexe Gebilde sind und meist auf ein bereits lange vorher diskutiertes philosophisches Problem antworten. Bevor Du Dich also mit Philosophie beschäftigst, solltest Du Dich mit den basalen Techniken des Lesens und Interpretierens von Texten vertraut machen. Auch Deine bisherigen Äußerungen hier zeigen, daß es Dir noch an grundlegenden Kenntnissen mangelt. Mein erster Tip für Dich: Nichts in Texte hineinlegen, was da nicht steht und nicht Deine persönliche Interpretation mit dem Text verwechseln.

  20. Die letzten Bersarinschen Kommentare sind im Übrigen keine Philosophie, sondern elementare Semantik und Hermeneutik bzw. Grammatik im ursprünglichen, antiken, die Rhetorik einschließenden Sinne.

  21. Daß „Anneliese Maier“ in Philosophenkreisen hochgeschätzt sei, kann ich nicht bestätigen. Ich nämlich schätzte sie keineswegs, da bereits ihr Name so klingt, wie sie schreibt.

  22. Beim „Cogito ergo sum“ darf nicht übersehen werden, daß das die Reformulierung des Aristotelischen Satzes der Identität ist.

  23. Sowohl Anneliese Maier, deren erkenntniskritische Großdenkung bereits ihr Name uns vermittelt, als auch Mocho tragen die von ihnen vermutete naturwissenschaftliche Insuffizienz der Alten vor. Dabei zeigen MochoMaier, wie wenig sie mit ihrem Gegenstande sich befaßten. Denn sonst führten sie an, daß Aristoteles glaubte, die Mäuse entstünden aus dem Stroh, und die Löwen gebärten aus dem Maul. Den Irrtum der Löwengeburt darf man darauf zurückführen, daß der menschliche Beobachter hinterher keine Möglichkeit mehr fand, seine Erkenntnisse anderen mitzuteilen.

    Ἐρατοσθένης war es, der im 3. Jahrhundert vor Null den Erdumfang auf 4 Kilometer genau berechnete. Jede Geschichte der Mathematik hebt bei den Alten an, deren Leistungen in Geometrie und Arithmetik grundlegend sind bis heute. Wie war es möglich, daß Mocho und Maier dies entging?

    Die Antwort darauf finden wir in Max Horkheimers „Der neueste Angriff auf die Metaphysik“.

  24. Und wieder ist Mocho nicht auf dem Sachstand der Forschung:
    „Übrigens ist die Bibel kein wissenschaftlicher Text, den man in irgendeiner Weise mit Galilei vergleichen könnte.“
    Bereits die Genesis beschreibt präzise die Naturgeschichte.
    Das „Paradies“ erklärt uns die Welt der Jäger und Sammler.
    Der Mord Kains an Abel stellt am Konflikt zwischen Nichtseßhaften und Seßhaften die sozioökonomische Transformation ins Privateigentum dar.
    Der Untergang von Sodom und Gomorrha ist durch die Explosion von Gasblasen experimentell bestätigt.

  25. Danke auf alle Fälle, Nörgler für die deutlichen und präzisen Ausführungen, denen ich mich nur anschließen kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.