Der Naschmarkt zu Wien, Donaukanal, Josefstadt und ein Handke-Nachschlag

Um nicht nur das Thema Handke und all die Denunziationen und die Nicht-Lektüren hier zum Thema zu machen, aber um doch irgendwie in Österreich zu bleiben, wenn auch nicht in Kärnten, sondern in Wien, spiele ich hier einige Photographien aus jener schönen und herrlichen Stadt ein.

Zu dem unseligen Artikel von Alida Bremer beim „Perlentaucher“ sei aber doch noch soviel geschrieben: Ihr Text ist voll von freien Assoziationen und Handke-Zitate werden bewußt dekontextualisiert. Bremer reißt aus dem Zusammenhang, um dann dasjenige an Deutung in ein vermeintlich inkriminierendes Zitat zu packen bzw. herauszukonstruieren, was ihr in den Kram paßt. Nach dieser Methode wäre auch Thomas Mann mit seinem Text „Bruder Hitler“ ein Nationalsozialist par exellence . Unter dem Nazi, unter dem Faschismus und Breivik macht es Bremer nicht. Suggestiv der gesamte Text und wenn man die Methode Bremer auf diese Frau einmal selbst anwendete, dann käme womöglich heraus, daß durch dieses Überdehnen des Nazi-Begriffes dieser entleert und damit zugleich verharmlost und relativiert wird, und wo der Nazi beliebig als Spielmarke eingesetzt wird, um andere zu diskreditieren, ist am Ende jeder oder eben niemand mehr ein Nazi bzw. ein Rechter. Den echten Nazis kommt das gut zupasse. Betreibt Bremer also das Geschäft der Nazis? Mit ihrer Methode zumindest entwertet Bremer den Begriff des Rechten und leert ihn aus.

Die Methode Bremers besteht, neben den üblichen und bei ihr inzwischen notorischen Denunziationen, in einer fehlerhaften Kontextualisierung von Zitaten, und darin liest Bremer dann genau den Sinn hinein, den sie bereits vorher hineinlegte. Hermeneutische Referenzrahmenbestätigung mithin. Daß sich all diese Passagen auch anders lesen lassen und auch so zu lesen sind, verschweigt diese Dame geflissentlich. Bereits im Auftakt ihres Textes zeigt sich die rhetorische Kläglichkeit ihres Unternehmens: daß dieser Text eben nichts als rhetorischer Klimbim ist. Im Heranzitieren einer Äußerung von MRR wird sogleich jegliche Kritik an einer (dazu noch unsachgemäßen) Handke-Kritik abgebügelt und gleichsam pathologisiert. Kritisiert man den Kritiker oder hier eben, die Kritikerin, so gehört man bereits zur Gemeinde.

Dabei gelingt es ihr im Sinne einfachster Recherche nicht einmal, Marcel Reich-Ranickis Literarisches Quartett korrekt zuzuordnen. Daß der Mann bereits 2013 tot war und also am 27. September 2014 (so in der Ursprungsfassung ihres Textes, bis heute morgen so online) kaum auf Sendung gehen konnte: geschenkt (inzwischen hat sie es korrigiert). Ebenso wie mit Zahlen geht sie mit den Zitaten um: ungenau und ausgedeutet nach ihrem persönlichen Gusto, so wie es in Bremers vorgefertigtes Schema paßt. Differenzierungen können da gar nicht erst auftauchen.

Kritik aber heißt unterscheiden und eine Sache zunächst einmal zu sichten. Das heißt nicht, Handke in jedem zuzustimmen. Das aber was Bremer macht, ist ein Tribunal. Ihr geht es um die Vernichtung eines Autors, indem etwa bewußt Zitate und Sätze Handkes aus dem Kontext gerissen werden und dazu dann ein rechtes Narrativ aufgefahren wird.

Die komplexe Geschichte des Jugoslawienkriegs, der in der Tat gut erforscht ist, löst sie in eine Richtung hin auf, nämlich die ihr in den persönlichen Abrechnungskram passende.

Lesen und Gelesenes begreifen/verstehen sind übrigens zweierlei. Vielleicht sollte dies irgendwer der Frau Bremer einmal stecken.

Und um es auf den Punkt zu bringen, und darin scheitert eben auch der Bremer-Text: Eine komplexe und überdeterminierte Angelegenheit wie die Prosa Handkes und auch dessen Essays bzw. Aufsätze  zu Jugoslawien werden reduziert auf einen einzigen Aspekt: Ein rechter Autor, ein rechter Denker. Jegliche Mehrdimensionalität wird in bewußter Entstellung exkulpiert. Solche Texte wie die von Bremer verhindert damit eine tatsächliche und sachliche Auseinandersetzung – das also, was sie vorgeblich anstrebt, wird vereitelt durch die Methode und die Thesen solcher Texte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.