Margarete Stokowski und Kurt Tucholsky

Eine Kombination im Titel bereits, die Leserin und Leser erschaudern lassen werden. Was um alles in der Welt haben diese beiden Menschen miteinander zu tun? Nichts, rein gar nichts. Der eine ist ein Essayist, Satiriker, Gesellschaftskritiker und Schriftsteller, die andere ist Kolumnistin bei SpOn. Dennoch: Margarete Stokowski wird der Tucholsky-Preis verliehen. Ein Gott, der Tintenteufel oder sonstwer mag wissen weshalb. An ihrer ausgefeilten Sprache kann es nicht liegen, an ihrem Witz ebensowenig und auch nicht an ihrer eloquenten Art zu sprechen – man schaue sich das Gespräch mit Svenja Flaßpöhler über MeToo an. Es muß also wohl an der Jury liegen, die hier im Link einzusehen ist. Man sehe auf die Namen und man wisse.
Ich selbst wäre eher dafür, Margarete Stokowski den Karl-Kraus-Preis, genauer gesagt, den von Karl Kraus ausgeschriebenen Preis zu verleihen, fürderhin nicht mehr zu schreiben und mit dem Geld besser einen für die Gesellschaft nützlichen Beruf zu ergreifen. Kraus sagt es so:

„Das Preisrichterkollegium hat sich vor der Fülle konkurrierender Genies nicht anders helfen können als für jedes Gebiet je drei Preise à 1000 Schilling festzusetzen. Sie sollten zwar ursprünglich jener »Aufmunterung« dienen, die auf sämtlichen Gebieten der Kunst schon so viel Unheil angerichtet hat, während Abschreckungspreise, geknüpft an die Bedingung, nichts dergleichen mehr zu tun, sondern einen nützlichen Beruf zu ergreifen, ein wahrer Segen wären.“
(Karl Kraus, Die Fackel, Nr. 726-729, Mai 1926)