„Stop! In the Name of Love“ – Zum Ende von Game of Thrones

„Nichts auf der Welt ist mächtiger als eine gute Geschichte.
Nichts kann sie aufhalten, kein Feind vermag sie zu besiegen.“ (Tyrion Lennister)

Es war bewegend, es war aufregend, es war eine herrliche Zeit. Spannung immer wieder, und mit jeder Folge steigerte sie sich, geniale Cliffhänger, Wendungen, Volten, Exzesse. Über Monate, über Jahre. Eine der erfolgreichsten und spannendsten TV-Serien ging am Montag zu Ende. Seit 2011: Acht Staffeln, fast 80 Stunden Aktion, Intrige, Verrat, Liebe und Blut. Herrlich erzählte Geschichten und Handlungsstränge, anfangs oft verwirrend die vielen Personen, aber dranzubleiben lohnte. Ein Spiel aus Betrachtungslust und Decodierungen: War das nicht gerade eine Anspielung auf Florenz, auf die Ponte Vecchio? Ist das Lennister-Wappen neben einer Venedig-Assoziation nicht auch der Löwe von England und sieht nicht überhaupt der Kontinent Westeros von seiner Gestalt her aus wie England? Europäische Geschichte, Indien und die Steppen des Ostens. Die Statue im Hafen von Braavos: Ganz klar eine Anspielung auf den Koloß von Rhodos, nur deutlich wehrhafter und massiver. In Braavos schützen nicht nur die Götter vor Angreifern, sondern auch die Menschen selbst erwehren sich.

Man kann ein Decodierspiel an diese Serie knüpfen und Referenzen, Bezüge, Zitate entziffern. Auch das macht Spaß. Aber nur deshalb schauen wir „Game of Thrones“ nicht. Wir wollen eine Erzählung, die trägt, wir wollen Intrigen, wir wollen vielleicht sogar unseren Lieblingscharakter scheitern sehen. „Game of Thrones“ bot vieles: List, Klugheit, Böses, Schönheit, Gewalt, Sex, nackte Körper: ja es gab dort manche Lustszene und am Besuch in Bordellen wurde nicht gespart. Schöne Brüste, Schwänze und Muschis. Wir sahen die Kunst der Politik und die Kunst des Verrats: wer von uns war nicht von Kleinfingers Geheimdienstarbeit irgendwie doch fasziniert, wenn er geschickt neue Intrigen am Königshof einfädelte oder einfach die Seiten wechselte, sich bei Sansa Stark einschmeichelte, die am Ende sein Doppelspiel durchschaute und dieses Ränkespiel beendete. Und auch das radikal Böse, der Sadist Ramsay Boldon, faszinierte in seiner perfiden Art Menschen zu Sklaven zu degradieren, sie auf das Niveau eines Hundes herabzubiegen. Und meinen beiden Lieblingsfiguren, die mich von der ersten Folge ab faszinierten und die ich lieb gewann: Arya Stark, die Tochter von Ned Stark, dem Lord von Winterfell und Wächter des Nordens, sowie Tyrion Lennister, der kluge und witzige Zwerg: „Ich trinke und weiß Dinge“. Ein Spruch, der es auf T-Shirts schaffte. Überhaupt wurde in dieser Serie und insbesondere bei den Lennisters Unmengen an Wein getrunken. Was Sex, Drogen und Lust betrifft dürfte diese Serie der evangelikalen Linken sauer aufstoßen, was mich wiederum an die Sekte des Hohen Spatzen in jener Serie erinnert. Aber zu der komme ich weiter unten.

Spät bin ich zu „Game of Thrones“ zugestoßen. Eigentlich erst ab dem Start der achten Staffel, Mitte April. Und von Ostern ab bis Anfang Mai sah ich in einer Tour de Force sämtliche Folgen aus allen sieben Staffeln und bin seit drei Wochen auf dem aktuellen Stand. Es war dieses Schauen wie ein Rausch, geniale Geschichten, überraschende Wendungen, und es war keine Sekunde davon langweilig. Ja, solche Serien sieht man auch identifizierend, und zugleich eben, das ist ja die Stärke des Reflektierens, denkt man über diese Mechanismen nach – spätestens dann, wenn einem der vermeintliche Lieblingscharakter umkippt oder Züge entwickelt, die immer unangenehmer werden. Bis auf Jon Schnee, den heimlichen Helden, der in seinem Handeln durch alle acht Staffel eigentlich zu den grundguten Charakteren gehört – bis auf seinem Verrat an der herrlichen, der liebenden und wunderschönen Ygritte vom freien Volk. Eine Liebe, die nicht hatte sollen sein.

Anfangs, als ich von „Game of Thrones“ hörte und man mir vorschwärmte, war ich skeptisch. Ich bin kein Serienfan, schon gar nicht, wenn die Serie ein derartiges Ausmaß hat. Eine Freundin wollte mich 2017 immer wieder überreden, ebenfalls mit „Game of Thrones“ anzufangen. Sie schwärmte von Schlachten und von Drachen, von Kriegervölkern, daß ich mich wunderte, denn mit ihr konnte man eigentlich keinen Western, keinen Kriegsfilm sehen, ohne daß sie sich die Augen zuhielt, weil sie Blut nicht mochte und schon gar keine Schlachtexzesse. Wenn ich ihr vorschwärmte, wie wir 1969 in der Festung von Nha Trang den Vietcong abwehrten und wie wir im Bell uh 1 Iroquois luftlandeten, verschloß sie schnell ihre Ohren. Meine alten Frontgeschichten aus der US-Army wollte sie nicht und ebensowenig meine seltsamen Filme. „Apokalypse Now“ brauchte ich ihr niemals vorzuschlagen. Hier aber, bei „Game of Thrones“ war es anders.

Analysen und Interpretationen zu dieser genialen Serie, die wohl ein Meilenstein im TV-Programm sein wird, gibt es viele. Aber was war es, das mich faszinierte? Warum blieb ich am Ball? Es waren vor allem die Bilder, diese Kameraführung samt der daran knüpfenden Bildästhetik: wenn da die Lenneisterarmee oder die Untoten des Nachtkönigs aufmarschierten, das Dunkel der Wälder oder wenn in ihrem ersten Auftritt die Drachen wie aus dem Nichts böse Angreifer vernichteten. Und man muß sich diese Winterbilder vorstellen, die Kälteszenen und wie oft in diesen Folgen der Schnee fiel.

Der Funke sprang bereits nach den ersten zwanzig Minuten zusehen über, als da eine Patrouille der Nachtwache, von der große Mauer her aufbrach – jene Mauer aus Eis und Schnee, die die Zivilisation vom wilden, unzugänglichen Norden trennt. Bei ihrem Gang durch die Wildnis stießen sie auf Seltsames. Das Dunkel des nordischen Waldes, der Schnee und der Zombie-Schock dann. Vor allem faszinierte mich dieses Auftakt-Szenario, weil es spannend bis ins Mark gemacht war, ohne billigen Zombie-Kitsch zu produzieren oder ein Genre zu persiflieren. Ins vermeintlich Normale einer mittelalterlichen Welt brach das Anderes, brach ein Außen ein, das nichts Menschliches mehr in sich hatte und wogegen all die Kriege und der Zank der Menschen untereinander, in Westeros und auf dem östlichen Kontinent Essos, klein wirkten.

Aber auch Kleines kann sich zu Großem und zu entsetzlichem Krieg aufsteigern: das eben zeigte diese Serie. Es ist die Gewalt der Geschichte. Man sollte parallel zum „Game of Thrones“ Tamás Miklósʼ geschichtsphilosophische Studie „Der kalte Dämon“ lesen. Es paßt schon vom Titel her und auch in bezug auf den darin dargestellten Walter Benjamin und sein theologisch-materialistisch-geschichtsphilosophisches Bild von jenem seltsamen Engel der Geschichte, den ein Sturm in die Zukunft treibt. Der sich perpetuierende Kreislauf unendlicher Gewalt, noch im Paradies, bei den ersten Menschen, wo in GoT bereits die finstere Macht des Nachtkönigs sich Bahn brach. Die Macht der Liebe siegt in dieser Serie nicht – oder zumindest nur als Spiel in Gedanken. Weil wir alle, auch die Charaktere der Serie, sofern sie nicht grundböse sind, von ihr wissen. Insbesondere der weise und oft listenreiche Lord Varys und Tyrion.

Die Art wie „Game of Thrones“ filmästhetisch genommen Schlachten darstellte, war verstörend. Und neu. Bilder, die den Schrecken zeigen und die in aller Grausamkeit nichts ästhetisieren oder zukleistern – und trotzdem waren diese Bilder in ihrer Art schön. Schön in einem ästhetisch erweiterten Sinne: nämlich als in sich stringent gefaßt. Genau deshalb waren es die richtigen Bilder: sie waren brutal, sie bluteten gleichermaßen. All das Heldentum vom Kampf Mann gegen Mann verblasste bei der Schlacht der Bastarde zum Ende der sechsten Staffel: Da schaute die Kamera plötzlich aus der Sicht des Kämpfers, der – überlebend – unter den Leichenbergen lag, und wie er sich zwischen totem Gebein und Blut-Rüstungen wieder an die Oberfläche scharrte. Dunkel, wie lebendig begraben und dann etwas Licht und der Blick aus dem Tod, in den Tod. Oder die Endschlacht um Königsmund in der letzten Staffel: sie erinnerte an die Bombardierung von Städten im Krieg, an Feuersbrunst und man sah jene, die nichts für diesen Krieg konnten und die dennoch verbrannten. Alles retten, rennen, flüchten half nichts.

Es waren die Schlachten, es waren die Körper, die die Kamera einfing, die mich faszinierten, und für mich freilich auch die herrlichen Brüste der Khaleesi, Daenerys Targaryen, die Mutter der Drachen: wie sie da in der ersten Staffel dem Feuer entstieg. Nach dem Tod ihres Mannes, des wilden Steppenreiters Khal Drogo, baute man für ihn den Scheiterhaufen und die Khaleesi schreitet zusammen mit ihren drei Dracheneiern in die Flammen, um mit ihrem geliebten Mann zu sterben. Doch am nächsten Morgen, unversehrt und mit drei Drachenkindern im Arm, entsteigt die Khaleesi nackt dem Feuer. Ein göttliches Bild, ein eindringliches Bild. Und trotzdem Daenerys Targaryen immer wieder dem Tod nahe ist, hält sie durch, bis zur letzten Folge, auch wenn es das eine oder das andere Mal für sie brenzlig ausschaut. Am Ende der siebten Staffel gar schien ihr nichts mehr zu bleiben: einer ihrer Drachen tot, Ser Jorah Mormont, der gute, treue Vertraute, der sie über alles liebte, auf dem Schlachtfeld im Kampf gegen den Nachtkönig gefallen. Sie aber konnte ihn nicht lieben. Auch wieder eine dieser Szenen des Scheiterns.

Allerdings: all die Sympathie, die man Daenerys Targaryen im Lauf der Serie, bis zum Ende der siebten entgegenbringt, weil sie für eine menschlichere Welt einzutreten scheint, ohne Sklaven, ohne den Zwang, der auf den Menschen lastet, schwinden in der letzten Staffel. Auch wieder einer dieser genialen Umschlagpunkte, wo gekonnt mit den Emotionen der Zuschauer gespielt wird, die sich an eine liebgewonnene starke Frauengestalt gewöhnt hatten.

Und überhaupt all die starken Frauen in dieser Serie. Sie sind ein Thema für sich, angefangen bei der wunderbaren Arya Stark, die sich an all jenen rächt, die ihre Familie verrieten, oder die so hübsche wie grausame Cercei Lennister oder die tapfere und gerechte Brienne von Tarth. Kennen wir Frauen in herkömmlichen Ritter- und Kriegsfilmen als Beiwerk, so sind sie hier genauso wild, genauso sanft, genauso frech wie es die Männer sind.

Bei Daenerys jedoch ist es der Fluch der guten Tat. Das Rad ein für allemal zu brechen, so Daenerys; jenes Rad der Geschichte und der Gewalt, des Mordens und Schlachtens, das Rad des Ixion, an das wir in der Gewaltwiederholung, wo sich der Zwang perpetuiert, gefesselt sind. Wer aber das Gute will, schuf häufig am Ende doch das Böse und brachte den Tod über die Menschen. Aus der Erlösung, aus dem Schein der schönen Utopie wurde der Irrsinn, eine Idee von Befreiung, die sich in Zwang verkehrt. Daß da ein Wahnsinn in Daenerys wohnt, deutet sich bereits in manchen Zeichen an. In sämtlichen Staffeln. Immer einmal wieder. Der kluge und brave Lord Varys ahnte es zum Ende hin und mußte sterben. Am Ende einer langen Reise, die wir Zuschauer zusammen mit Daenerys und ihren drei Drachen taten, nachdem sie sich als die Sprengerin der Sklavenketten erweis und die Städte des Ostens von Unterdrückung befreite, hinterließ sie zum Abspann zwar nicht Sodom, aber doch die Operation Gomorrah. Köngsmund, dort, wo der Eiserne Thron steht, auf dem der König über die sieben Königslande herrscht, lag in Asche.

„Dracarys!“ hieß es da aus Daenerys Mund und das war, nachdem Königsmund schon kapituliert hatte, der Befehl für den Drachen, jene Stadt ins Feuer zu legen, den Ascheregen zu bringen, der am Ende in Schnee übergeht. Fire walk with me! Beeindruckend, erschreckend und reduziert im guten Sinne, jene Folge 5 der Staffel 8. Eine nicht enden wollende Apokalypse vom Himmel her. Fast eine Stunde lang, so kam es mir vor, den Menschen damals unter den Trümmern muß es wie die Ewigkeit erschienen sein. So sehen also zerstörte und verbrannte Städte aus, Trümmer, die vom Himmel regnen, Feuer, das von irgendwoher fließt – damit wir es einmal wieder wissen beim Klagen einiger Enttäuschter über jene 5. Folge, die angeblich unangemessen sei. Nicht nur Hamburg, Bagdad, Dresden („Nun Volk steh auf und Sturm brich los!“), Warschau, Coventry, Rotterdam, Hiroshima, Hanoi, Operation Rolling Thunder. Zurück blieb ein schreckliches Grauen. Verstörende Bilder.

Und ebenso die Kriegsrede der Khaleesi nach jener großen Schlacht, die sie vor ihrer Armee aus den Dhotraki-Reitern und der Armee der Unbefleckten hält, wo sie zu einer Art Kreuzzug gegen die Unterdrückung und für die Freiheit aufruft. Aber nicht etwa in der Sprache von Westeros, um die Menschen dort zu gewinnen, sondern in ihrer eigenen. Daenerys Targaryen ist ein Eroberer. Wie andere auch. Semantisch offen bleibt, ob in ihrer Rede jene Freiheitsutopien eines Stalin oder eines ehemaligen Ölunternehmers namens Georg W. Bush jr. karikiert werden sollten. Der bessere, der neue Mensch jedoch wird niemals mit dem Schwert und mit der Gewalt über die Menschheit gebracht werden. (Zur Dialektik der Gewalt ließe sich über GoT eine eigenständige Abhandlung schreiben.)

An der 8. Staffel gab es einige Kritik: Zu wenige Folgen, nur sechs diesmal, ein zu schnelles Abspulen der Geschichte, zu rasch wurden die Charaktere durch die Folgen geschleust. Richtig ist, daß filmisch und im Erzählen das Tempo erhöht wurde. Aber da inzwischen alle Figuren weitgehend entwickelt sind, bedarf es der epischen Entfaltung, wie man sie anfangs in genialer und schöner Weise noch sah, nicht weiter. Die Ausführlichkeit der Schilderung lag diesmal beim Grauen und beim Schrecken im Showdown. Zu Recht. Auch filmisch gut gelöst: die Sicht aus dem Staub der Trümmer. Pathetisch und doch gut gespielt der Schluß mit Cersei und Jaime. Brüderchen und Schwesterchen, die sich so sehr liebten und im Tod zumindest wieder zusammenfanden. Auch ästhetisch ein schönes Bild, wie beide dort in den Steinen lagen und wie ihr Bruder Tyrion sie ausgrub und weinte. Allenfalls hätte man sich für den langsam sich entwickelnden Wahnsinn von Daenerys mehr Erzählzeit nehmen können.

Das Ende aber kommt, wie es kommen mußte: der eigentliche Held der Serie, Jon Schnee, muß seine geliebte Daenerys in den Ruinen von Königsmund töten. Dramatische Bilder in einer Todeslandschaft aus Stein und Rauch. Blut, das aus dem Herzen der Königin fließt und die blasse, schöne, bleiche Haut der Khaleesi im Schnee. So endet es, so endet eine Geschichte. Als Feuersturm im Ascheregen.

Ein Dialog zwischen Tyrion Lennister, dem wunderbaren, am Anfang zynischen und zum Ende hin immer weiser werdenden Zwerg, und Jon Schnee, dem offensichtlichen und immer guten Helden, wirft Licht. Er ging so:

Tyrion: Liebe ist viel mächtiger als die Vernunft!

Jon: Liebe ist der Tod der Pflicht!

Tyrion:  „Habt ihr euch das gerade ausgedacht?“

Lustig ist dies, weil der erste Satz eben auch ein Zitat der heiligen Teresa von Ávila war.

Jon Schnee, der eigentlich ein Targaryen und der rechtmäßige Erbe des Eisernen Throns wäre, tat diese Pflicht – zweimal sogar – und büßte sie (zweimal) mit dem Verlust der Liebe.

Ja, es sind all diese liebevollen Details in den einzelnen Szenen, die „Game of Thrones“ so großartig machen. Eine stringent erzählte Geschichte, bis in die Nebenfiguren hinein, und vor allem dieses Phänomen des Charakterwandels, das an „Game of Thrones“ gefällt: Wer eben noch böse erschien, wie Jamie Lennister, der änderte sich. Man mochte ihn plötzlich. Wenn der Zuschauer dessen Schwester und Geliebte Cercei für ihre durchtriebene Bosheit und ihre Machtgier haßte, wenn sie ihre Kinder oder sich selbst auf den Eisernen Thron zu bringen gedachte, so bekam man, als sie Gefangene jener Sekte des Hohen Spatzen wurde, doch Mitleid mit ihr, als sie diese Leute mit Bußübungen und Bekenntnisritualen traktierten. Religiöse Fanatiker, an Calvinisten, Bilderstürmer und Bettelmönche erinnernd, die rein dem Gott dienen wollten. Von Cercei Lennister ins Leben gerufen, und in ihrem Büß- und Sühnestolz versah der Hohe Spatz die Abweichenden und vermeintlich Sündigen, mithin alle andere Menschen, mit Daueranklagen. Es erinnerte diese Gruppierung fatal an bestimmte postkoloniale, intersektionale Linke. Evangelikales Milieu.

Vor allem aber fand diese herrliche Serie ein würdiges, ein schönes und ein kongeniales Ende. Das eben ist vielleicht die größte Schwierigkeit: Nach derartig hohen Erwartungen einen angemessenen Abschluß hinzubekommen. Sehr gut gemacht, auch angesichts dessen, daß man in der vierten Folge von Staffel acht noch dachte „Wie geht es weiter, wie in so kurzer Zeit all die Geschichten auflösen?“ Den Machern glückte dies. Und das Finale besitzt ebenfalls einen gewissen Humor, etwa wenn der einstmals analphabetische Zwiebelritter korrigiert, daß es nicht „kein“ sondern „niemand“ heißt. Es ist ein feiner Schlußpunkt, wie die Berater des neuen Königs Bran, ohne sentimental zu greinen oder unbezüglich zu witzelen, ihre Derniere geben. Ein Abschied mit einem gewissen Witz. Und für den ist immer gesorgt, solange Tyrion dabei ist.

„Ich bin der Schild, der die Reiche der Menschen schützt“. So hieß der Eid der Nachtwache, den Jon Schnee in der ersten Staffel leistete und wohin man ihn als unehelichen Sohn, als Bastard also verbrachte, um die sieben Königreiche vor dem freien Volk und auch jenen weißen Wanderern zu schützen. Am Ende der Serie landet Jon genau da, wo er begann und wo auch die Serie anfing, nämlich in der Verbannung bei der Nachtwache, und es enden die Bilder, wo sie begannen, in jenen düsteren Waldszenen: diesmal wenn Jon mit dem freien Volk von der großen Mauer her in die Wildnis des Nordens hinein zieht. Schnee, immerwährender Schnee. So wie zum Beginn der ersten Staffel eine Patrouille der Nachtwache hinauszieht. Es ist eine wunderbare, eine schöne und melancholische Verlorenheit, die da in den beiden Charakteren Jon Schnee und auch in Arya Stark liegt. Das Mädchen Arya, das sie am Anfang der ersten Staffel noch war, ist inzwischen eine junge Frau. Doch um in der normalen Welt von Westeros bleiben zu können,  gar an der Seite ihrer Schwester, um den Norden zu regieren, hat sie in ihrem kleinen Leben bereits zu viel Schrecken gesehen. Nämlich, wie ihre Familie, wie ihr geliebter Vater ermordet wurde. Ein Mädchen hat keinen Namen. Am Ende dieser wunderbaren Serie, mit ihren liebevollen Charakteren, sehen wir sie, wie auch Jon Schnee in jene unbekannte Welt aufbrechen. Ein trauriges, ein schönes, aber vor allem ein würdiges und angemessenes Ende einer meisterhaften Serie.

 

 

 

31 Gedanken zu „„Stop! In the Name of Love“ – Zum Ende von Game of Thrones

  1. @ HannesWurst: Vermutlich weil dieser Thron das Verhängnis war. Da der Thron aus den Schwertern hergestellt wurde, die seinerzeit die Drachen einschmolzen, haben wir hier auch einen Bezug zum Entstehen und zur Vernichtung. Man kann diese Szene sicherlich auch als eine Form von Metakritik und intrinsischem Spiel mit dem Medium Serie sehen: daß am Ende der Titel bzw. das Objekt, was Anlaß für all die Szenen und Kriege gab, sich selbst zerstört.

    @Alban Nikolai Herbst: Vielen Dank. Es ist nicht ganz leicht gewesen, bei all den Bildern und Szenen: was herausgreifen? Es gäbe noch so viele schöne Szenen und Charaktere, über die zu schreiben sich lohnt. Aber aus diesem Text einen Mehrteiler machen, wollte ich ebenfalls nicht, weil das in einem Zug gelesen werden muß.

  2. Ich habe Ihre Frage soeben mit Drogon besprochen: Er ist zusammen mit der Dhotraki-Horde auf dem Weg ins Bergische, um es Ihnen zu berichten. Ich hoffe Sie werden mit der Antwort zufrieden sein. Hören Sie doch inzwischen mal bei Bowies „Ashes to Ashes“ hinein. Oder bei Dschingis Khan: „Sie ritten durch die Steppe, auch bei Gegenwind“

  3. …Ich meine, ich hätte Drogon auch etwas von „Hannes BratWurst“ oder so ähnlich murmeln gehört….

  4. Eine sehr tolle Kritik, lieber Bersarin! Ich hab mir im Nachhinein überlegt, dass wohl in der Figur von Jon Snow auch eine Anspielung auf Jesus enthalten ist. …Weil er zum Einen natürlich von den Toten auferstanden ist, sich gleichzeitig zum Anderen aber auch so auffällig in seiner Machtungier und Uneitelkeit von den meisten anderen Charakteren unterschieden hat. Selbst die Frauenfiguren haben zwar in Ihrer Sehnsucht nach Führung gleichberechtigt zu den Männern aufgeschlossen, sind aber auch anschließend (mit Ausnahme von Sansa) gleichberechtigt daran zugrunde gegangen. Darin liegt für mich die besondere und ungewöhnliche Qualität dieser (immerhin amerikanischen!) Serie, dass sie nicht dem gängigen Heldenmythos folgt vom „friendly fire“ in dem das Gute zum Ende gewaltsam mächtiger Herrscher wird, sondern diese in vielen Hollywood Produktionen immer verbreiteteren Militärethik beim Rat um den zukünftigen König ganz im Gegenteil in der Figur von Kleinfingers Freund in seiner Rede vollkommen ad adsurdum uns ins Lächerliche geführt wird. So bildstark diese Serie gewalttätig sein kann, am Ende kann Jon Schnee am meisten überzeugen. Seine Gewalt endet da, wo sie Schlimmstes verhindert hat und verzichtet auf einen anschließenden Machtanspruch.

  5. Ich mochte diesen Jon Schnee zwar nicht besonders, weil er immer gleichmelancholisch aus der Wäsche guckte und irgendwie auch immer gleichgut war. Aber sicherlich gehört er zu den offensichtlichen Helden der Serie, ein Held, der am Ende sogar auf die Macht verzichtet, was beeindruckend ist – gerade auch die Schlußszene mit Arya und Jon. Jon mag Anteile von Jesus haben, wobei Jesus eben nicht mit dem Schwert, sondern mit Wörtern kämpfte. Zumindest besaß er einen Sinn für das Gute. Ebenso wie sein Freund Sam. Aber auch andere Charaktere, selbst die, die anfangs böse schienen, wie der Bluthund, wandelten sich. Wurden zwar nie ganz gut, aber doch geläutert.

  6. Warum hätte Drogon etwas von „Bratwurst“ murmeln sollen? Das ist wirklich totaler Quatsch, schon weil die Drachen in GoT gar nicht sprechen können. Sie scheinen ungefähr die Intelligenz einer Katze zu haben. Daher ist mein Befund der einzig mögliche: Drogon kommt in den Thronraum geflogen, wahrscheinlich hat er Hunger und will ein Leckerchen. Seine Mami liegt am Boden, er grabbelt an ihr herum und merkt, dass nichts mehr mit ihr los ist. Dann sieht er, dass da etwas in Mami steckt, was nicht dahin gehört. So etwas hat er auch schon einmal an dem netten Mann gesehen, der schon auf seinen Geschwistern reiten durfte. Der jedoch hat bestimmt nicht das Ding in die Mami gesteckt, denn da hängt ja noch eines an ihm dran. Das eckige Ding da steckt jedoch voller solcher Teile, ganz klar, daran ist die Mami gestorben. Entweder hat dieses Ding absichtlich etwas in die Mami gesteckt oder die Mami hat sich daran weh getan. So, jetzt ist aber Schluss, ich fackel das Teil ab. Danach kralle ich mir Mami, fliege an ein ruhiges Plätzchen und fresse sie auf. Die letzen Tage haben mich erschöpft, der Tank ist so gut wie leer.

  7. Nein, Hanneswurst, Drachen sind intelligente Wesen. Sie wollen nicht nur essen. Dazu vertilgen sie dann allerhöchstens Schafherden.

    @Partyschreck: Politik hat immer etwas mit Macht zu tun, nämlich der Durchsetzung bestimmter Interessen und Themen. (Und selbst um eine Forderung wie „Keine Macht für niemand“ oder „Alle Macht für keinen“ durchzusetzen bedarf es der Macht: nämlich der Möglichkeit dies irgendwie in die Politik unterzubringen.) Für demokratisch regierte Gesellschaften ist es wichtig, daß jene, die gewählt werden, um zu regieren, eben auch wieder vom Volk irgendwann abgewählt werden können. Das ist der Unterschied zu Diktaturen und Autokraten wie Ramsay Bolton oder Feudalsystemen, für die die Erbfolge gilt, wie den Eisernen Thron oder das neu geschaffene Königreich des Nordens. Ton Steine Scherben ist etwas für Fünfzehn- oder Zwanzigjährige. Aber es ist das Privileg von Pop-Musik, sich Dinge auszumalen.

  8. „Für demokratisch regierte Gesellschaften ist es wichtig, daß jene, die gewählt werden, um zu regieren, eben auch wieder vom Volk irgendwann abgewählt werden können.“ Da kann ich leider nicht mitreden… Da wo ich lebe haben wir eine sogenannte „Repräsentative Demokratie“ und das bedeutet in der Praxis für mich, dass ich spätestens seit Kanzler Schröder d u r c h g e h e n d bis heute nachzu die gleiche, stringente, neoliberale INSM Politik serviert bekomme. Diese schöngeredete „Mitte-Politik“ ist quasi nicht mehr abwählbar, denn spätestens wenn es lichtblickartig einmal den Hauch einer Chance auf eine wenigstens starke Oposition gab bzw. gäbe, in der man zumindest auf eine Periode von konstruktiven Kontroversen hätte hoffen können, bekommen wir es hierzulande aber sofort mit einer kreischenden, nahezu geschlossenen Einheitspresse zu tun, die solange etwas von „Großekolationsehrenpflicht“ oder ansonsten „Untergang des Abendlandes“ kreischt, bis die „Dauermacht“ wieder weiter ungehindert durchreagieren kann.
    Du magst Recht haben, dass es ohne eine gewisse Art von Macht nicht funktionieren kann,,, bist aber blauäugiger als der Nachtkönig, wenn du wirklich meinst, dass du hierzulande so einfach mal jemanden abwählen kannst;)

  9. „bist aber blauäugiger als der Nachtkönig, wenn du wirklich meinst, dass du hierzulande so einfach mal jemanden abwählen kannst;)“

    Das parlamentarische System ist nicht Wünsch-Dir-was, sondern eine komplexe Angelegenheit. In einem Klassenraum mit 30 Leuten kann man direkt über Dinge abstimmen und bei Bedarf einen Klassensprecher auch absetzen. In deutlich größeren Verbänden von rund 80 Millionen Menschen gibt es andere Regularien und deliberative Verfahren, die der Komplexität und der Unterschiedlichkeit von Menschen und Regionen gerecht werden müssen.

    Wenn ich mir das politische Prozedere in den meisten anderen Ländern ansehe, bin ich eigentlich ganz froh, in der BRD mit seinem rechtsstaatlichen Prozedere zu leben. Bei allem, was hier nicht optimal läuft und was zu kritisieren ist: es ist ganz sicher eine Menge: wer aber will, kann sich hier immerhin all die Informationen zusammensuchen und kritisch weiter publik machen, um Bestehendes in die Kritik zu nehmen. Allein der Umstand übrigens, daß Du dies hier alles schreiben kannst, ohne daß es morgen an Deiner Tür klingelt oder Dein Internet plötzlich abgeschaltet wurde, ist eine Errungenschaft, die man nicht leichtfertig preisgeben sollte. Bei aller Kritik, die man an vielen Fehlstellungen hier üben kann.

    Im übrigen sollte man sich vor dem Fehlschluß hüten, daß das Gegenteil von „alles“ „nichts“ ist. Und genauso umgekehrt. Und es bedeutet die Kritik von „einiges“ ebensowenig „alles“. Hier ist unbedingt differenziert anzusetzen und jeder Fall will neu verhandelt werden. Weil vieles, einiges, manches in dieser repräsentativen Demokratie nicht funktioniert und auch, weil im Spiel der Medien und deren Kontrolle der Politik als vierter Gewalt manches im argen ist, heißt dies nicht, daß das Ganze nicht funktioniert. Eine deliberative (und repräsentative) Demokratie mag viele Schwächen haben und vermutlich wird es niemals den Zustand geben, wo alle Menschen in der gleichen Weise zufrieden sind, aber sie ist als System allemal besser als das meiste, was außerhalb Europas und schon östlich von Polen sich zuträgt.

    „Da wo ich lebe haben wir eine sogenannte „Repräsentative Demokratie“ und das bedeutet in der Praxis für mich, dass ich spätestens seit Kanzler Schröder d u r c h g e h e n d bis heute nachzu die gleiche, stringente, neoliberale INSM Politik serviert bekomme.“

    Es gibt Parteien, die man wählen kann, die diese Politik nicht betreiben. Und selbst in Talkshows, wo von 5 Leuten drei der INSM angehören, gibt es immer noch Gegenstimmen. Sahra Wagenknecht und Gregor Gysi waren seinerzeit die mit am häufigsten geladenen Talk-Show-Gäste. Als Vertreter neoliberaler Politik würde ich diese Leute nicht bezeichnen. Man sollte sich im übrigen vor Verallgemeinerungen hüten. Und da Menschen unterschiedlich denken und unterschiedliche Präferenzen haben, wird dies auch in Parteien und Organisationen so sein. Ansonsten müßtest Du eben die Partyschreck-Partei gründen. Sie hat genau ein Mitglied und da gibt es dann eine 100 %-Übereinstimmung mit den eigenen Vorstellungen. Überall dort aber, wo andere Menschen mit im Spiel sind, gibt es Mischverhältnisse. Es gibt Leute, die in der Risikoabwägung AKWs für sinnvoll halten und es gibt solche, die das völlig anders sehen. Diese Fragen entscheiden, kann man nur im Streit der Meinungen und indem man mit Argumenten und Fakten die andere Seite überzeugt. Und selbst dabei muß man in Rechnung stellen, daß die andere Seite eben manchmal sich nicht überzeugen lassen will. Es gibt für diese Dinge leider kein Patentrezept.

    Das Abwählen von Parteien und der Wechsel in Regierungen geschieht hier durchaus, wenn auch die Regelungen für die Dauer einer Kanzlerschaft überarbeitungswürdig sind, etwa so wie in den USA: zwei Amtszeiten und dann ist Schluß. Insofern kann man ebenso auch über andere Modelle nachdenken. Solche Prozesse aber geschehen in der Regel langsam und also evolutionär, in dem sich neue Verfahren und Denkmodelle ausdifferenzieren. Wie Veränderungen geschehen, kann man gut am Umweltbewußtsein sehen, daß in den 70er und in den frühen 80er Jahren noch ein anderes war. Vielleicht wird dies irgendwann auch in bezug auf die Frage nach der Verteilung des Reichtums geschehen. Ebenso kann man sehen, wie sich in einer immer neoliberaler sich ausrichtenden Marktwirtschaft das Bewußtsein zum schlechteren gewandelt hat. Aber auch hier sollte man nicht den Fehler von „alles“, „nichts“, „einiges“ machen. Ändern kann man Dinge nur, indem man sie dauerhaft benennt. Meinungs-und Diskurswechsel unterliegen dabei komplexen Bedingungen.

    Politik in einer repräsentativen Demokratie bedeutet zudem auch, Kompromisse eingehen zu müssen. Eine 100-%-Lösung gibt es da nicht. Die Politik, die Dir nicht gefällt, scheint jedoch anderen zu passen und es ist in freien Wahlen, die alle vier Jahre stattfinden, prinzipiell möglich, anders zu wählen und sich auch aktiv an diesen Prozessen zu beteiligen. So geht das Spiel in einer Demokratie. Eine Demokratie wie die BRD, bei allen Fehlern, lebt von der Vielfalt ihrer Stimmen und eben auch von der Möglichkeit, sich selbst darin einzubringen.

  10. Ein anregender Beitrag zur Kultur der Kritik und als Mahnung vor satter Selbstzufriedenheit findet sich in bezug auf die Feierlichkeiten zum Grundgesetz, das in der Tat eine Errungenschaft ist, aber eben auch keine Bibel.

    “ 70 Jahre Grundgesetz – Warum Freiheit, warum Demokratie?
    EIN GASTBEITRAG VON OTTO DEPENHEUER am 24. Mai 2019
    Zu seinem 70. Geburtstag wollen die Lobeshymnen auf das Grundgesetz nicht enden. Doch damit einher geht auch die Gefahr einer satten Selbstzufriedenheit und der Erstarrung der politischen Debatte. Warum wir den Meinungen Andersdenkender wieder mehr Raum geben müssen“

    https://www.cicero.de/innenpolitik/grundgesetz-freiheit-demokratie-meinungsfreiheit-debattenkultur?

  11. Es ist geradezu absurd, wenn du mir zu erklären versuchst, was das Tolle an Pluralität ist, wenn ich wie oben beschrieben gerade diese hierzulande vermisse! Damit stellst du meinen Punkt komplett auf den Kopf. In bester alternativlosen Bastatradition gibt es hierzulande quasi keinen nennenswerten „Kompromiss“ zur Befürwortung sämtlicher Regimechanges und Kriegshandlungen innerhalb der letzten Jahre, es gibt keinen Kompromiss zum Trend zu steigenden Mieten, es gibt keinen Kompromiss zum Sozialabbau, es gibt keinen Kompromiss zur immer weiter auseinanderklaffenden Gehaltsschere, es gibt keinen Kompromiss zur Bargeldabschaffung, Krankenhäuser werden privatisiert bleiben, Glyphosat wird mit Hilfe unserer Regierung weiter auf unsere Felder gesprüht, es sei denn, unbezahlbare Privatklagen setzen dem ein Ende, Klimaziele wirden auf bis nach uns die Sinnflut verschoben, man wird Krankenhauskeime weiterhin nur viertelherzig versuchen in den Griff zu bekommen und entprechende Opfer achselzuckend in Kauf nehmen, man wird weiterhin Freihandelsabkommen am liebsten komplett hinter dem Rücken der Bevölkerung auszubaldowern und in vielerlei Hinsicht private, undemokratische Schiedsgerichte anvisieren. Wird es wieder einen Bankencrash geben, werden weiterhin Verluste sozialisiert werden und wenn man es tatsächlich schaffen sollte, die Situation nochmal in den Griff zu bekommen werden anschließende Gewinne wieder ausschließlich bei den geretteten Banken bleiben. Sozialismus wird weiterhin nur zum Retten von verspekulierten Konzernen praktiziert werden.
    Die CDU hatte bei der letzten Wahl dramatische Einbußen zu vermelden und es hat zu nichts geführt weil mein sich die Macht wieder wie gesagt über eine erpresste, große Koalition zurückgeholt hat. Danach hat man dann weiter stur und unbelehrbar Business as usual betrieben… Und so wird es immer weiter gehen. Wenn die SPD tot sein wird, werden die Grünen willfährig einspringen, das haben sie bei den letzten Koalitionsverhandlungen eindrucksvoll und erschreckend demonstriert und danach wird die Wagenknecht bereinigte Linke einspringen.

    Glaub du gerne daran, dass langfristig und schleichend alles besser wird – Ich sehe den Trend leider in die genau entgegengesetzte Richtung gehen: Die Schere wird rasant größer werden, man arbeitet an bundesweiten Polizeigesetzten nach Bayrischen Vorbild, votiert für Uploadfilter und siniert über Gummigeschosse im Inneren. Und glaubst du, deine Daten hier werden einfach nur mal so zum Spaß gespeichert, weil irgendwelchen Silocon Valley Hanseln irgendwie langweilig war, und die Ihre Speicher nicht einstauben lassen wollen? ..Deine blauen Augen sind p h ä n o m i n a l!!!

  12. …Vor allem kommt das vierjährige Kreuzchen auf dem Wahlzettel in unserer Praxis ja quasi der Unterschrift auf einem Blankoscheck gleich, wenn die Wähler im Wahlkampf gar nicht ausreichend darüber informiert werden, welche Themen in der anschließenden Amtsperiode wirklich relevant sein werden! Wie gesagt, als das Freihandelabkommen unter Volldampf in der Vorbereitung war, hat man im anschließen Wahlkampf keine Silbe darüber verloren, obwohl es eine elementare Veränderung für die Wähler bedeutet hätte (…Wäre es nicht ganz unverholen letztendlich unabhängig vom Bürger und von Demokratie von Donald Trump gekippt worden)… Und aktuell werden die Wähler wieder erstaunlich wenig über 5G aufgeklärt und können sich die wenigen Informationen hierüber mühsam über Alternativmedien (teilweise leider selbst reichlich verstrahlten…!!!) zusammenklauben. Wer weiß denn schon in Hamburg oder Berlin, dass ihre Städte 5G Testgebiete waren oder sind und wo welche Masten wie gestrahlt haben oder immer noch straheln? Nennst du das vielleicht demokratisch? Ich meine, dass Strahlung irgendwie auch im Zusammenhang mit unserem Wohlbefinden steht, darüber dürfte es doch wohl kaum einen Zweifel geben, oder? Und da dürfte man eigentlich doch auch erwarten, dass man vielleicht irgendwie mal gefragt werden sollte, ob man hierfür gerne das Testkaninchen machen möchte oder nicht!
    Ich glaube schon, dass die Änderungen durch 5G massiv sein werden – Schon weil soviele neue Masten flächendeckend aufgebaut werden müssen.
    Aber was ist die lauteste Parole im Europawahlkampf? Wählt uns nicht für überzeugende Parteiprogramme, sondern wählt uns aus moralischer Erpressung heraus, weil Ihr sonst ja indirekt Nazis möglich machen würdet… Das ist wirklich atemberaubend, sehr wohl zu ahnen, dass man immer mehr Wähler durch seine lobbynahe Politik verlieren wird und dann dem Wähler jede Möglichkeit zu nehmen, sein Missfallen und seinen Protest irgendwie kenntlich zu machen!

    Wie ich dir schon sagte, ein ganzes Stück demokratischer wären wir, wenn es auf dem Wahlzettel zumindes den Punkt anzukreuzen gäbe : „Ich nehme an dieser Wahl teil, weil ich es als meine bürgerliche Verpflichtung ansehe, votiere aber für keine der aufgeführten Parteien und möchte lediglich unter dem Sammelbegriff „teilgenommen“ vermerkt werden.“ Dann wäre es viel eindeutiger, an wievielen Wählern man in Zahlen und ganz konkret wirklich vorbeiregiert.

  13. @ Partyschreck: Bitte einfach meinen Text genauer lesen und vielleicht mal aus „einiges“ nicht immer „alles“ machen. Wie wäre es damit? Dann sieht man auch durch ganz normale Augen klarer und nicht trübe in der Schwarz/Weiß-Logik des „Alles oder nichts“. Weil vielfach manipuliert wird und so etwas wie eine Bewußtseinsindustrie auch existiert, ist nicht alles Manipulation. (Bildung und Aufklärung z.B. können vor solchen Mechanismen schützen.) Weil viele Leute nicht die Partei(en) wählen, die Du gerne hättest, zeigt dies nicht das Nicht-Funktionieren der repräsentativen Demokratie, sondern zunächst einmal nur, daß Deine Erwartungen nicht erfüllt werden. Ob diese richtig sind oder nicht, ist dabei nicht ausgemacht. Wenn man nämlich alles nur durch die Brille seines eigenen Referenzsystems betrachtet, dann kommt am Ende auch nichts anderes mehr heraus als das, was man vorher hineingelegt hat. Insbesondere, wenn man nicht mehr den Blick für die Details und die Zwischentöne entwickelt. Und ein Problem kann eben auch darin liegen, die eigene Sicht per se als richtig und als einzig mögliche vorauszusetzen. Natürlich kann man eine Aneinanderreihung von Negativem aufschreiben und dann sieht eben die Sache auf den ersten Blick ganz furchtbar aus. Ob solches Stakkato aber wirklich den Blick schärft, bezweifle ich aber. Die Sicht auf Zwischentöne entfällt dann. Und ein wenig ist es nur die umgedrehte Seite von jenen Leuten, die uns alles an der EU als positiv verkaufen wollen. Nur hier eben mit anderen Vorzeichen.

    Daß es erhebliche Probleme in der Demokratie gibt, spricht nicht gegen dieses System per se, sondern dafür, daß jene repräsentative Demokratie immer wieder sich überarbeiten und verändern muß. Deshalb auch meine Verlinkung auf den Artikel von Dependorf. El Mochos Verweis auch Crouch ist in diesem Sinne auch sehr gut. Und so zeigt sich, wie in einer Demokratie qua Theorie und einer damit korrespondierenden Öffentlichkeit, Themen verhandelt werden können. (Wobei man freilich nie davon ausgehen sollte, daß alle Verhandlungen immer so ausfallen, wie man selbst sie sich wünscht.)

    Daß es viele Dinge in Politik und Gesellschaft gibt, die hier zu kritisieren sind, schrieb ich bereits. Das fängt an mit groben Gesetzeslücken bei Cum-Ex-Geschäften an oder einer wirtschaftsliberalen Politik der großen Koalition, und es ließe sich hier eine sehr lange Liste einreichen von Dingen, die verbesserungswürdig sind. (Wobei es eben andere zugleich auch wieder anders sehen und Du nicht erwarten kannst, daß es alle in Deiner Weise betrachten. Es gibt nämlich von den meisten sogenannten „Fakten“ viele Aspekte und Facetten. Diese Dinge sind insofern ziemlich kompliziert und lassen sich von vielen Seiten her betrachten. Selbst da, wo sich Menschen in einem Faktum einig sind, z.B. daß Kinderarmut oder Chancenungleichheit beseitigt werden müssen, gibt es in den Lösungen dieser Frage und in der Umsetzung manchen Disput und sehr unterschiedliche Ansätze.)

    Egal wie man es aber dreht: All diese genannten Aspekte sind nur in einem demokratischen System kritisierbar und mithin auch änderbar, und daß Du, wie auch viele andere Leute, sie öffentlich benennen können, zeigt bereits, daß es mit der Öffentlichkeit hier zumindest halbwegs funktioniert. Und mir fällt da im Augenblick auch kein anderes, bereits existierendes System ein, wo das in dieser Form möglich ist. Beim Glyphosat und bei der Umweltpolitik sehen das die Grünen genauso wie Du, in anderen Fällen wieder haben sie andere Ansichten. (Du wirst also bei einer Wahl für Dich entscheiden müssen, ob Dir das Thema Glyphosat oder Asylpolitik oder Außenpolitik wichtiger ist.) Und selbst bei den Grünen gibt es innerparteilich zu vielen Themen Streit. Und dieser Umstand eben, dieser Streit macht das Wesen einer Demokratie aus. Am Ende muß man für bestimmte Themen Mehrheiten finden. Und man muß sehen, daß man Funktionsstörungen und Korruption und Probleme angeht. Daß das nicht immer zur Zufriedenheit geschieht, steht auf einem anderen Blatt. Daß man diese Dinge aber immerhin benennen kann, ist schonmal ein Fortschritt.

    Bei der gegenwärtigen Parteienlandschaft von sechs Parteien, die alle in die Parlamente gewählt werden, ist das Koalieren komplizierter geworden. Und da SPD, Linke und Grüne im Augenblick keine Politik hinbekommen, die mehrheitsfähig im Sinne einer Regierungsbildung ist, wird es bei der großen Koalition auf Bundesebene bleiben, solange bis die Grünen die SPD überholt haben. Und warum sollten die Grünen auch nicht mit der CDU zusammengehen?

    „Es ist geradezu absurd, wenn du mir zu erklären versuchst, was das Tolle an Pluralität ist, wenn ich wie oben beschrieben gerade diese hierzulande vermisse!“

    Weil Du diese Pluralität vermißt, muß dies nicht heißen, daß dies objektiv auch so sein muß. (Siehe oben mein Satz zur Brille.) Ich vermisse sie zum Beispiel in vielen, einigen, manchen Aspekten nicht. Allein, daß Du Deine Thesen vertreten kannst und andere Menschen eben andere Thesen und daß sich diese unterschiedlichen Thesen eben auch in den unterschiedlichen Medien auf unterschiedliche Art wiederfinden, zeigt zumindest, daß es prinzipiell möglich ist, Themen plural auszufahren. Ebenso die Aufstellung der Parteien bei der Europawahl. Selbst da, wo es Meinungskorridore und wo es einen medialen Mainstream gibt. (Wobei auch hier vieles mit interpretatorischen Referenzrahmen zusammenhängt, die in einer pluralen Gesellschaft eben sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. El Mocho z.B. sieht die Flüchtlingsfrage ganz anders als che. Und ich wieder in manchem anders anders als che und El Mocho.)

    Um Themen zu lancieren, hat jeder die Möglichkeit eine Demo zu organisieren. Über die sozialen Medien sind neue Formen der Vernetzung möglich. Der Klimaprotest der Schüler z.B. zeigte wie man auch jenseits der parlamentarischen Arbeit Themen lancieren kann. [Daß all dies möglich ist, heißt nicht, daß all dies auch optimal ist. Aber wenn man in der Analyse schonmal diese Ebenen auseinanderhält, bekommt man manches auch differenzierter in den Blick. Weil einiges oder vieles schlecht läuft, heißt dies nicht, daß in einem System alles schlecht läuft. Zumal das System der Demokratie immer auch fähig ist gleichsam bei laufendem Betrieb sich immer wieder neu zu justieren. Seit den 90er Jahren in Fragen der Wirtschaftspolitik in vielem leider zum schlechteren.]

    Ein Problem gegenwärtig ist sicherlich im Augenblick die Presse als vierte Gewalt und insbesondere die öffentlich-rechtlichen Medien. Aber selbst in der Zeitungslandschaft gibt es von der Jungen Freiheit, über FAZ, Welt und Süddeutsche bis hin zum Neuen Deutschland und der Jungen Welt, von Sezession bis Analyse & Kritik, von den Nachdenkenseiten bis zu Deutschlandradio ein breites Spektrum an Möglichkeiten, wo und wie man sich informieren kann. Dazu in Bibliotheken oder Online eine Vielzahl an Magazinen. Dumm sterben muß hier also keiner, der es nicht will. Daß Kritik auch von ganz anderer Seite kommen kann und öffentlichkeitswirksam und breit in den Medien diskutiert wird, zeigt das Video des YouTubers Rezo. (Mag sein, daß es viral inszeniert ist und daß dahinter womöglich sogar eine Partei steckt. Aber selbst das kann man in einer Demokratie debattieren.)

    Ob Entwicklungen besser werden oder nicht, kann niemand sagen. Außer der Wahrsager. Manches hier hat sich in der BRD verbessert, etwa die Rechte von Schwulen und Lesben oder die Umweltpolitik, die Rechte von Frauen. Anderes hat sich verschlechtert. Und wenn alle in Berlin im Prenzlauer Berg wohnen wollen und das Wohnen jenseits des S-Bahnrings als Zumutung empfinden: Ja, dann steigen die Mieten. Wesentlich ist aber, daß alle diese Themen und Kritikpunkte benannt werden können und daß soziale Bewegungen die Möglichkeit haben, bestimmte Themen zu lancieren. Bei der Klimapolitik sehen wir es gerade, bei den Mieten könnte sich irgendwann ebenfalls etwas tun, so daß auch die CDU es nicht mehr wird ignorieren können. Daß vieles nicht optimal ist, heißt eben nicht, daß alles nicht optimal ist. Wenn man in seiner Analyse diesen Unterschied realisiert, kann man viele Fehler vermeiden.

    „Und aktuell werden die Wähler wieder erstaunlich wenig über 5G aufgeklärt „

    Nun, Du scheinst zumindest über die Risiken zu wissen. Es kann also so arg nun wieder doch nicht mit der Verschleierung bestellt sein. Ebenso ist es denkbar, daß für viele Leute dies noch kein interessantes Thema ist. Oder daß es ihnen egal ist. Die Ausentwicklung von Themen hängt von vielen Faktoren ab, sicherlich auch von der Macht der Medien, ein Thema zu lancieren: Kommt morgen eine Studie, die die eminente Schädigung durch Strahlen zeigt, wird 5 G vermutlich ein Thema werden. So wie nach Tschernobyl 1986 auch die AKWs ein Thema waren, das aus der Nische herausgelangte.

    Bei der Europawahl steht eine Vielzahl an Parteien auf dem Wahlzettel. Du bist nicht gehalten, die Grünen zu wählen. Oder zwingt Dich dazu jemand? Und selbst die Enthaltung bei der Wahl ist ein legitimes Mittel. Wenn Du Gründe dafür angibst, so stehen diese im Raum der Debatte. Auch hier also eine Vielzahl an Möglichkeiten.

    Im übrigen gibt es zu all den genannten Themen auch Leute, die das ganz und gar anders sehen als Du, und zwar obwohl sie um manche Mechanismen der Manipulation wissen. Auch dieses Aushalten von Widersprüchen gehört zum Wesen einer Demokratie. Und eben auch, daß manche Entscheidungen umgesetzt werden, die dem einen oder dem anderen nicht gefallen. Demokratie lebt vom Streit der Argumente. Und der ist hier in der BRD zumindest in Ansätzen gegeben. Bildung und Wissen sind dabei zentrale Aspekte, um solche Mechanismen, auch die der Manipulation und der einseitigen Themenführung in den Blick zu bekommen. Davon einmal ab, daß es viele Gründe gegen kann, weshalb ein Medium A sich nicht mit dem Thema Y, sondern mit dem Thema Z beschäftigt. Weshalb das so ist, dazu muß man zunächst mal das Medium befragen und aus diesem Grunde schrieb ich kürzlich eben auch einen Leserbrief an Kulturzeit, um zu erfahren, weshalb die Berichterstattung zu Chelsea Manning und Julian Assange so derart spärlich ausfällt, während sie damals bei Oleg Senzows Inhaftierung sehr ausführlich war.

  14. Als bekennenden Linksextremen und Antiimperialisten kann man mich wohl nicht der Apologie des Systems bezichtigen, aber ich sehe bezogen auf meine eigene Lebenserfahrung durchaus Fortschritte, die besonders im Bereich Umweltschutz gemacht wurden. Als Junge begleitete ich in den 70er Jahren meinen Vater zum Müllentsorgen auf den Schuttplatz. Da gab es eine Müllverbrennungsanlage. Das war nicht wie heute ein mit Müll betriebenes Kraftwerk zur Stromerzeugung dessen Rauchgas durch Katalysatoren gereinigt wird sondern eine Halde, auf der unsortierter Müll – Küchenabfälle, Holzverschnitt, Papier, Plastik, Konservendosen, Glasflaschen, alles durcheinander – mit dem Bulldozer zu einer Art Deich zusammengeschoben wurde. Hatte dieser eine bestimmte Höhe erreicht wurde er lückenlos mit alten Autoreifen bedeckt, diese mit Benzin übergossen und angezündet. Dann brannte das Ganze open air mehrere Wochen lang, bis nur noch Asche und Schlacke übrig war. Die wurde dann in den Wald gekippt oder kam als Dünger auf die Felder.

    Wir müssen mindestens bis nach Kamerun reisen um heute noch solche Verhältnisse vorzufinden.

    Damals häufte sich überall an den Flussufern auch so gelber Schaum, bis zu einem Meter hoch und schnittfest.

    Wer als linke Person in den 80ern eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Gefahren der Gentechnologie veranstaltete musste mit einem 129a)-Verfahren mit Untersuchungshaft rechnen weil das ein „anschlagsrelevantes Thema“ war. Frauen, die grob über den Daumen gepeilt damals den radikaleren Flügel des Feminismus ausmachten wurden für ihre Ansichten nicht mit Grimme-Preisen ausgezeichnet oder dominierten Mediendiskurse, sondern saßen, wie Ingrid Strobl und Ulla Penselin im Knast.

    Es lässt sich nicht behaupten dass sich seither in dieser Gesellschaft nichts verbessert hätte. Obwohl der öffentliche Diskurs seither in weiten Teilen sich nach rechts entwickelt hat und klassenkämpferische Positionen zunehmend als nicht mehr formulierbar erscheinen hat sich die Gesellschaft außerhalb der Ökonomie selber strukturell nach links entwickelt.

  15. Immerhin wurden Linke damals zwei Jahrzehnte lang vom Öffentlichen Dienst durch Berufsverbote ausgesperrt.

  16. che2001

    „Es lässt sich nicht behaupten dass sich seither in dieser Gesellschaft nichts verbessert hätte. Obwohl der öffentliche Diskurs seither in weiten Teilen sich nach rechts entwickelt hat und klassenkämpferische Positionen zunehmend als nicht mehr formulierbar erscheinen hat sich die Gesellschaft außerhalb der Ökonomie selber strukturell nach links entwickelt.“

    So isses. Ich schwimm sommers wieder vergnügt im Reihn im Rhein-Neckar Delta (am Hochrhein sowieso). Im Bodensee wachsen den Fischern nicht mehr genug Fischlein heran wegen – aufgepasst: Nitrat m a n g e l !

    Dass das links wäre, ist geschenkt.

    Aber doch zur Info: Der erste Deutsche (=weltweit der erste – wer weiß?) Umweltschutzroman ist Wilhelm Raabes Die Innerste – über die Leiden der Innersten durch die Ansiedlung einer Papierfabrik an ihrem Oberlauf. Raabe war – – – – Liberaler.

    Die ersten Naturschutzvereine – im 19. Jahrhundert, am Kocher und an der Jagst… unter Fürstlicher Anzteilnahme derer von Langenburg.

    Wer meterhoch Ökologie-Frage themtisiert haben will, greife zu Geothes zweiter (!) Schweizerreise von 1789.

  17. @ Kommentare von „doppelzüngige schnatternatter, gelbkehlig“ gelöscht wegen Irrelevanz, einer Beleidigung und unzureichender Sprache. Bitte formulieren Sie in vollständigen Sätzen! Weiterhin bitte hier keine Meinungsbekundungen, sondern Thesen/Sätze mit Begründung hineinschreiben. Solche Begründungs-Sätze zeichnen sich durch Begriffe wie „weil“, „da“, „deshalb“, „darum“, „insofern“ aus.
    _____________________

    @Dieter Kief: Daß vieles oder manches besser ist, heißt eben nicht, daß alles gut ist. Im Gegenteil. Ich versuche in diese Dinge immer, ein wenig Differenzierung hineinzubringen. Auch bin ich nicht der Meinung, daß wir in der besten aller Welten leben. Und jemand wie che wird das vermutlich viel deutlicher noch als ich so sehen. Aber auch politisch habe ich in meinem Kommentar ja bereits eine Reihe von Problemen genannt. In diesen Sinne widerspreche ich Partyschreck auch nicht. Ich tue dies nur in der Bewertung und in den Möglichkeiten, die ein demokratischer Rechtsstaat uns bietet. Ich will auch dort kein Hohelied anstimmen. Als Adornit sehe ich da vieles sehr skeptisch, insbesondere im Blick auf die Mechanismen der Bewußtseinsindustrie. Zugleich aber wußte jemand wie Adorno aber auch, was er, trotz aller Tücken und Mängel und trotz eines Trosses an ehemaligen und nicht-ehemaligen Nazis, an der BRD hatte. Was sich gesellschaftlich von jenen 50er, 60er Jahren bis heute tat, ist in einigen Dingen erheblich, in anderen zu rügen: sozialpolitisch sind inzwischen die Zeiten andere. In bezug auf die neoliberale, sich immer weiter forcierende Agenda, wo auch in der Presse als vierter Gewalt viel zu wenig Gegenwind kommt, schrieb ich ebenfalls.

    Übrigens: Als 1968 Frauen arbeiten wollten, mußten sie dazu ihren Mann um Genehmigung fragen. Der mußte zustimmen und durfte erlauben, sofern die Arbeit nicht den Familienbetrieb störte. Dies war dann seit 1973 nicht mehr so. Eine der wenigen Änderungen im Gang des Fortschritts, die mir gegen den Strich gehen. Es wird also nicht alles besser.

  18. Seit der Grenzöffnung von 2015 hat sich die Lebensqualität in Deutschland merklich verschlechtert, aber es ist immer noch eine Art Paradies, verglichen mit weiten Teilen der Welt. Norwegen ist vielleicht noch besser, aber die haben dafür diesen langen dunklen Winter.

    Ich bin da ganz bei Stephen Pinker; es gibt keinen Grund, unsere Kultur umstürzen und durch eine andere ersetzen zu wollen. Grund gibt es allerdings, die Prinzipien der Aufklärung aufrecht zu halten und offensiv zu vertreten. Der Weg ist bekanntlich alles, das Ziel nichts, wie Eduard Bernstein sagte.

  19. „Seit der Grenzöffnung von 2015 hat sich die Lebensqualität in Deutschland merklich verschlechtert, …“

    Nein. Aber das Land ist politisch ein anderes geworden. Statt allerdings Menschen in Syrien und im Irak ihren Lebensraum zu zerstören, hätte Europa sicherlich gut daran getan, an Friedenslösungen etwa mit Assad zu wirken. Und es hätte gut daran getan, Subventionen der Landwirtschaft, die dem Export nach Afrika dienen und dort lokale Märkte zerstören, zu unterbinden.

    Die einschneidensten Änderungen der BRD ergaben sich seit Ende der 90er, Anfang der 00er Jahre durch die Schaffung eines Niedriglohnsektors, durch die Deregulierung der Finanzmärkte und das Anwachsen der Pauperisierung – seinerzeit durch eine rot-grüne Regierungskoalition erwirkt. Auswirkungen übrigens, an denen die SPD mehr oder weniger bis heute zu knapsen hat.

    Es geht, denke ich, in der Tat nicht darum, eine Kultur umzustürzen, was auch ganz und gar widersinnig ist, denn dazu müßte man sich ja wiederum der Mittel dieser Kultur bedienen. Selbst eine Kultur der Kritik wird keine neue Kultur installieren können, weil der Modus der Kritik eine Angelegenheit unter anderem der europäischen Aufklärung ist. Richtig ist, daß der Weg als solcher ein wichtiges Kriterium ist. Deshalb eben schrieb ich ja auch, daß eine Demokratie eine Angelegenheit ist, die sich in ihrem eigenen Tun mit ihren eigenen Mitteln immer wieder erneuert und transformiert. Es mögen die Modalitäten der Kritik auch je nach Zeithorizont anders ausfallen, die Descartesche Kritik ist eine andere als die Kantische, die Hegelsche, die Marxsche, die der Kritischen Theorie oder von Deleuze, Derrida, Foucault, Habermas oder Thomas Kuhn. Was sie jedoch eint ist die Kritik von Fixierungen und von Stillstellungen. Und all diese Aspekte hängen in bezug auf die Spätmoderne wesentlich an rechtlichen Aspekten. Weshalb neben der Kritik der Politischen Ökonomie eben auch die Rechtsphilosophie auf dem Plan einer Kritischen Theorie der Gesellschaft stehen muß.

  20. Ob eine Papierfabrik viele Abwässer produziert, weiß ich nicht zu sagen. In Herman Melvilles Tartarus of Maids ist davon keine Rede, sondern vom in Anführungsstrichen Lumpenproletariat. Ebensowenig meiner Erinnerung nach in Heinrich Manns Untertan, wo Diederich Heßling eine geerbte betreibt. Weiters kommen Innovationen bei der Papierproduktion vor in Balzacs Verlorenen Illusionen. In Wilhelm Raabes Erzählung Die Innerste kommt keine Papierfabrik vor. Dort ist es der Bergbau oben im Harz, unter dem die Innerste leidet: „Grauschwarz und giftig kommt das Wasser von den Hüttenwerken von Wildemann; daß es über mehr als drei Steine läuft, hilft ihm nichts, es wird nicht reiner dadurch, und wütend springt es vom Stein hinter dem Hause des Meisters Radebrecker und hohnlachend vorbei an dem gestellten, trümmerhaften Rade.“ Die Sägemühle nämlich ist außer Betrieb. Der von Dieter Kief gemeinte erste Ökoroman ist Raabes Pfisters Mühle. Auch dort keine Papier-, sondern eine Zuckerrübenfabrik. Diese produziert im Wintersemester giftige Abwässer von Ammoniak und Schwefelwasserstoff, unter denen das namenlose Flüsschen 3 km oberhalb der Mühle leidet und von denen Fische sterben. Im Erzählzeitraum – Sommer – ist das Wasser aber wieder klar. Ob Raabe Partei für den Fluss nimmt, ist mir nicht so klar. Die Zukunft spielt in der chemischen Wäscherei des Exfaulenzers und -mentors Adam August Asche an der Spree, die ob Größe weniger leide unter Abwässern, so sagt Raabe.

  21. Danke für die Raabe-Korrekturen, holio. Es ist dreißig Jahre her, dass ich die beiden Bücher gelesen habe, wie ich zugeben will. Freilich erinnere ich mich noch an Gespräche mit meiner Mutter, der ich – – –
    – – Pfisters Mühle geschenkt hatte, und die nicht glauben konnte, dass das Buch schon so alt sei, weil es ihr ganz aktuell zu sein schien – sie wohnte damals hinter der – – – Papier- und Kartonagenfabrik – – – Zechel…

  22. @Bersarin
    „Weshalb das so ist, dazu muß man zunächst mal das Medium befragen und aus diesem Grunde schrieb ich kürzlich eben auch einen Leserbrief an Kulturzeit, um zu erfahren, weshalb die Berichterstattung zu Chelsea Manning und Julian Assange so derart spärlich ausfällt, während sie damals bei Oleg Senzows Inhaftierung sehr ausführlich war.“

    Lass mich raten, du hast bis heute keine Antwort bekommen oder bist mit einem lapidaren „Sorry, andere Themen fanden wir irgendwie wichtiger“ Schrieb abgespeist worden…?

    Da sich ja die Mehrheit unserer hiesigen Journalisten offenbar nicht im Geringsten für Ihren Kollengen Julian Assange zuständig zu fühlen scheint, weil er ja irgendwie Ih! Bäh! „narzistisch“ und „eitel“ ist und ihm vor einer geschätzten Ewigkeit einmal ein Kondom geplatzt ist, hier ein kleines Update über seinen Gesundheitszustand:

    „Der Wikileaks-Gründer Julian Assange ist wegen einer Krankheit nicht per Video-Link zu einer Anhörung vor dem Amtsgericht Westminster zugeschaltet worden. Er soll in den medizinischen Trakt des Belmarsh-Gefängnisses verlegt worden sein, in dem er seit sieben Wochen eine Haftstrafe verbringt. Die Anhörung zum kürzlich erweiterten Auslieferungsbegehren der USA dauerte fünf Minuten und soll am 12. Juni fortgesetzt werden. Richterin Emma Arbuthnot bot an, die Anhörung in das Gefängnis zu verlegen, wenn dies für alle Beteiligten einfacher sei, als vor Gericht zu erscheinen.
    Sorge um Assange

    Wie Wikileaks zuvor in einem Statement auf Twitter mitteilte, ist man in schwerer Sorge, was die Gesundheit von Julian Assange anbelangt. Er habe in den sieben Wochen seines Gefängnisaufenthaltes dramatisch an Gewicht verloren. Es sei bedenklich, dass er in den medizinischen Trakt des Gefängnisses verlegt wurde.“

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Assange-krankheitsbedingt-nicht-zur-Anhoerung-erschienen-4435579.html

    Erschreckend!

  23. 3sat Kulturzeit hat bisher nicht reagiert und sie werden es vermutlich auch nicht. Da werden bei den Thematisierungen schon erhebliche Unterschiede gemacht. Bei Deniz Yücel wurde ganz zu recht immer wieder der Scheinwerfer auf diese Sache gerichtet, damit durch den Druck der Öffentlichkeit und der Medien eben auch ein gewisser Druck auf die Türkei ausgeübt wird, die dann sehen muß, daß das Thema nicht spurlos an ihnen vorübergeht. Ähnliches wäre auch für Chelsea Manning und Julian Assange zu wünschen, was eben die Aufdeckung schwerer Kriegsverbrechen durch die USA angeht.

    Ähnlich reagierte Kulturzeit bei Oleg Senzow: über Wochen wurde das Thema in Gange gehalten, teils gab es mindestes einmal in der Woche einen Bericht. Zu Manning und Assange: nichts. Im Falle von Senzow standen dann sogar solche Gestalten wie die Nato-Lobbyistin Marieluise Beck und auch Leute wie Klaus Staeck vor der russischen Botschaft, um gegen dessen Verhaftung zu protestieren und ihn beim Hungerstreik zu unterstützen.

    Immer hin aber findet sich heute auch auf Zeit-Online ein Bericht zu Assange:

    „Julian Assange war laut UN-Experte psychischer Folter ausgesetzt
    Die Gesundheit des WikiLeaks-Gründers ist laut einem UN-Experten stark beeinträchtigt. Julian Assange weise alle Symptome jahrelanger psychischer Folter auf.“

    https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-05/wikileaks-julian-assange-folter-un-sonderberichterstatter?

  24. Läuft genauso, wie es zu vermuten war…!
    Vielen Dank für den Link! Ist irgendwie aber auch schlimm, dass man es inzwischen zurecht schon lobend hervorheben muss, dass die Zeit so alamierende Ereignisse überhaupt mal zur Kenntniss nimmt und thematisiert. Der Spiegel inzwischen ja auch… Wenn man allerdings zum Beispiel anhand von „Russia Gate“ sieht, zu welcher gigantischen Mobilmachung diese marktführenden Zeitungsverlage theoretisch in der Lage wären, wenn sie ihren Kollegen wirklich unterstützen wollten, dann haben sie gemessen daran quasi nicht mal zugunsten von Assange gehüstelt. Dass sie jetzt, wo er kaum noch in der Lage ist zu sprechen, schnell noch ein bisschen aktiver in Ihrer Berichterstattung werden, ist einfach nur beschämend!

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