Tonspur zum Sonntag – Komm in den totgesagten park und schau

Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade

Dort nimm das tiefe gelb das weiche grau
Von birken und von buchs · der wind ist lau
Die späten rosen welkten noch nicht ganz
Erlese küsse sie und flicht den kranz

Vergiss auch diese lezten astern nicht
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht
(Stefan George)

7 Gedanken zu „Tonspur zum Sonntag – Komm in den totgesagten park und schau

  1. Huh, voll retro. Ich liebe dieses Gedicht, doch es erinnert mich an meine Schulzeit als ich es im Deutschunterricht hatte. Und nun ja selbst gerade eine Freundschaft zu einer alten Mitschülerin neu geschmiedet.

  2. Im Nymphenburger Park soll es entstanden sein, schreibt Thomas Karlauf. Als ich dort war, war es eisig kalt, im Dezember 2002.

  3. @ che: das Leben hält manchmal seltsame Korrespondenzen bereit. In unserer eher linken Schule gab es leider keinen George. Dafür ein bißchen Brecht. Was die Schule mir in Deutsch, drittes Prüfungsfach, hätte beibringen sollen, lernte ich im Eigenstudium. Traurig irgendwie. Aber ein schönes Gedicht, in der Tat.

    Und Dank auch an holio für diese schöne Ergänzung. Und für das feine Bild. Genau so stellte ich mir diese Gedichtlandschaft vor. Aber alle glücklichen Parks gleichen sich schließlich irgendwie in ihrem Daseinsglück.

  4. Ich hatte Deutsch Leistungskurs und eine sehr offene Lehrerin, Tutorin wie das damals hieß, die uns mit der Avantgarde des 20. Jahrhunderts vertraut machte, und da wurden George und Yvan Goll zusammen gelesen. Bei der wurde dann auch der Faust in kompletter Länge durchgearbeitet. Alle Stücke die wir lasen wurden auch im Theater geschaut. Eine schöne Zeit!

  5. Totgesagtes lebt länger, man muss nur gekonnt das Schöne mit dem Vergänglichen „verwinden“.

    Ein Herbstgedicht zum Frühlingsanfang: Ich mag Deine antizyklischen Postings.

    Gruß Uwe

  6. @ Che: Sowas ist ein großes Glück. Immerhin war dies bei meinem Philosophie-Lehrer der Fall und das wirkte sich dann auch auf die Literatur aus.

    @Uwe: vielen Dank. Mir gefiel dieser Dreh auch ganz gut, vor allem weil Frühling und Herbst ja aufeinander bezogen sind. Vor dem Blühen kommt das Vergehen. Im Blick auf diese andere,nicht-lineare Zeit. Eine Zeit von Vergehen und Werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.