Karneval, Fasching, Fastnacht

Man kann diese tollen Tage – zumindest im Rheinland herrschen sie – auch als Vorschein eines Anderen sich betrachten. Alltagsaussetzung – das also, was sonst in der Literatur und in der Kunst seine Sphäre hat.

„Aber durch alle Arbeit erlangt man noch keinen Anspruch darauf, von allen mit Liebe behandelt zu werden, vielmehr ist man allen gänzlich fremd. Und solange Du ‚man‘ sagst an Stelle von ‚ich‘, ist es nichts und man kann diese Geschichte aufsagen, sobald Du aber Dir eingestehst daß Du selbst es bist, dann wirst Du förmlich durchbohrt und bist entsetzt.“
(Franz Kafka, Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande)

„Über die Arbeit klage ich nicht so, wie über die Faulheit der sumpfigen Zeit. Die Bureauzeit nämlich läßt sich nicht zerteilen, noch in der letzten halben Stunde spürt man den Druck der 8 Stunden wie in der ersten. Es ist oft wie bei einer Eisenbahnfahrt durch Nacht und Tag, wenn man schließlich, ganz furchtsam geworden, weder an die Arbeit der Maschine des Zugführers, noch an das hügelige oder flache Land mehr denkt, sondern alle Wirkung nur der Uhr zuschreibt, die man immer vor sich in der Handfläche hält.“
(Franz Kafka, Brief an Hedwig W., vermutlich vom November 1907)

(Sehr schade übrigens, daß es den Berliner Karnevals-Umzug nicht mehr gibt – andererseits wundert es mich bei diesem Berliner Senat nicht eine Sekunde. Die Photographien unten stammen aus Berlin, im Jahre 2013. Wer mehr sehen möchte, schaue auf meinem eingeschlafenen Photographie-Blog „Proteus Image“.)

 

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6 Gedanken zu „Karneval, Fasching, Fastnacht

  1. Nein, es gibt sie nicht nur im Rheinland. In Braunschweig war gerade der Schoduvel, der längste Karnevalsumzug des Nordens mit über 6 Kilometern Länge und über 200.000 Leuten, die teils aus Mexiko, Kanada, Indonesien und Neuseeland angereist waren.

  2. Stimmt: Braunschweig, Cottbus auch, da war der Umzug am Wochenende. Und der nördlichste Umzug findet meines Wissens in Marne statt.

  3. 1) Fassenacht ist klar auch Mädels gucken – bzw. Mädels zeigen sich, gerne als Tanzmariechen, durchaus anmutig, beweglich und keck…

    Bzw. so: 2) Fasnacht/Karneval war klar auch Mädels gucken, bzw. Mädels zeigten sich, unter anderem als Tanzmariechen usw., durchaus anmutig, beweglich und keck…

    2′) Emanuel Macron hat gerade eine neue trans- und proeuropäische Gesamtinitiative aller Top-Demokratinnen vorgeschlagen, wo auch die neue Aufstellung der Öffentlichkeit u.a. im internet durch verbesserte Überwachung die Demokratie wird stärken sollen. – Karneval geht dann nicht mehr? Ist es das, worauf sie hinauswollen, den erweiterten Menschenschutz auf jeglichen volkstümlichen und auch sonstigen Spaßgebieten? – Es wird alles immer besser. Die Ruhrbarone und die Amadeo Antonio Stiftung und was derlei emanzipative Öffentlichkeitsarbeiterinnen wie die bediente Linguistin Wehling usw. und noch mehr und immer mehr sind, – – – die repräsentieren das neue Wachstumssegment im magischen Dreieck aus Neusprech, Biedersinn und Volksferne. – Ene Hallemarsch!

  4. Das Gute daran: Es wird sich all das am Ende nicht durchsetzen. Und die Rügen über AKKs Faschingswitz geht den meisten am Arsch vorbei. Zu recht. Wer einmal nur dieses wunderbare „Ein Herz und eine Seele“ geguckt hat, wird darin einen sehr viel deftigeren, härteren und vor allem guten Humor entdecken. Man schaue nur die Faschingsfolge und was Alfred Tetzlaff dort über die Italiener sagt: Köstlich. Die linksgrüne (Medien)Elite kann diesen Humor gerne kritisieren: allein: es interessiert die Leute nicht wirklich und nach den nächsten Wahlen werden jene Medienschaffenden ein böses Trump-Erwachen haben. Der Belehrungsfurore wird sich schnell selbst erledigen bzw. die Spaltung der Gesellschaft wird zunehmend voranschreiten.

  5. Die PC-Moralfraktion wird einen Witzbollah einensetzen wollen der darüber zu entscheiden hat über was gelacht werden darf.

  6. Ähnliches war auch mein Gedanke, che. Aber ich erinnere mich dann halt an die gute alte Titanic der 80er Jahre und daß es da auch einen bösen linken Humor gab. Und ich vertraue auf die Enkel und Urenkel, die das einst wieder zum Leben erwecken werden. („Ein Herz und eine Seele“ ist übrigens das beste Beispiel, wie man derben Humor bringen kann und trotzdem weiß man, das der einerseits sehr witzig und irgendwie auch nicht in Ordnung ist. Man lacht übers Vorurteil gegen Itaker und weiß zugleich in diesem Lachen, daß was damit nicht stimmt. Vor allem, wenn man Alfreds teutschen Biedersinn sieht. Eine solche Serie entfachte in unseren Zeiten vermutlich Proteststürme.)

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