Wuppertal – Neviges

Weiter in meiner Serie zum Tatort Wuppertal, die zweite Sendung an Bildern. Jeder, der ins Bergische Land reist – warum auch immer, es gibt viele Gründe, Deutschland ist ein herrliches Reiseland und wie der Photoband „Kleinstadt“ von Ute und Werner Mahler uns zeigt: daß gerade dort, in der Provinz, scheinbar abseitig, ganz und gar wunderbare Motive anzutreffen sind. Unaufgeregt und ohne nach Effekten zu haschen, zeigt das Photographen-Ehepaar, was sie an diesen Orten sehen: ohne zu denunzieren, ohne anzuklagen, ohne über Menschen sich lustig zu machen, sondern das, was da ist, wird in seinem So-Sein zum Vorschein gebracht. Für solche photographischen Arbeiten braucht es Zeit und Ruhe, man muß sich treiben lassen. Mit Menschen sprechen, Vertrauen gewinnen. In einem abgeschlossenen Kosmos. Man muß genau sehen. Im Häßlichen die Schönheit zeigen, in der Schönheit das Verdorbene, das Trübe und zugleich auch eine Idylle Idylle sein lassen. Naturschönes, die Bedeutung der Landschaft für einen kleinen Ort und die Bedeutung des Ortes für die Landschaft. Vielleicht muß man sich beim Photographieren gar in einen anderen Zustand verzaubern. Wie am 26. April 1336 Francesco Petrarca den Mont Ventoux bestieg und mit solchem Blick, könnte man vielleicht einen Ort und seine landschaftliche Umgebung erkunden und statt in Sprache in Bilder setzen. Vielleicht käme in solchen wunderbar-seltsamen bergigen Landschaften aber auch die „Lehre der Sainte-Victoire“ heraus. (Alle Photographen müßten eigentlich Peter Handke lesen, um ihr Handwerk zu lernen!)

Wer also das Bergische Land bereist, sollte einmal sich dieses Gebäude anschauen: die Wallfahrtskirche Maria, Königin des Friedens in Neviges. Große Herrlichkeit, Lust am Schauen. Im Dom selbst herrscht eine herrliche Finsternis und zugleich ist es licht. Meditativer Katholizismus in modernem Gewand. Zurück zum Beton. Draußen am Parkplatz ritten hoch erhoben zwei Polizistinnen auf ihren Polizeipferden. Ich habe sie zwar photographiert, aber mir gefiel die Bildanordnung nicht, dafür aber erfreuten mich um so mehr ihre engen beige-farbenen Reiterhosen, darin ihre wohlgeformten Schenkel und die Pobacken herrlich zur Geltung kamen. Rundungsaspekte. Die eine hellblond, mit apartem Zopf, die andere keck dunkelhaarig. So stellen sich manche die Erlösung vor. Sollten die Reiter der Apokalypse gar Weiber sein? So zumindest könnten sich Polizeiästhetiker oder Uniformfetischisten diese soteriologische Anordnung ausmalen.