Wenn Solidarität zur Sackgasse wird

„30 Jahre nach Mit Rechten reden“: So könnte ein Jubiläumstext im Jahre 2047 lauten. Und ich fürchte, vieles wäre in diesem neuen Jahrzehnt immer noch aktuell oder aber es wiederholt sich in Debatten in Dauerschleife das Vorurteil und es gäbe auch nach Jahrzehnten noch Unverbesserliche, die mit Verve und Brusttonüberzeugung meinen: „Man muß aber doch nicht mit Rechten reden!“ und was des anderen noch an Ressentiment in der Sphäre tönt. Nein, das muß man nicht und das behauptet das Buch auch nicht. Altes Ding, altes Lied, es werden die Texte nicht oder nur unzureichend gelesen. Es wird der eigene Horizont ins Buch gepresst und als Intention dann herausgelesen. Referenzrahmenbestätigung. Da kann dann aus dem Buch kein Apostel, sondern nur ein Affe blicken: kreuzverdammtes Ding, das mit den Spiegeln. Was man selbst in mancher Rezension auf Literaturblogs dann gut nachlesen kann. Heraus springt am Ende nur der alte Quarkus. Wenn der eigene Horizont verabsolutiert wird, folgt die Strafe auf den Fuß: Der Rezensent selbst verhängte sie auf jenem Blog gegen sich, indem er solchen Text schrieb, der für alle nun gut nachlesbar ist.

Ja, mit Rechten reden: Sehr schön ist vor allem die semantische Differenz: Während Leo/Steinbeis/Zorn mit Rechten reden, müssen Lichtmesz/Sommerfeld mit Linken leben. Ein Unterschied ums ganze und bereits an diesen beiden Titeln zeigt sich programmatisch, wie die Seiten verteilt sind. Eine Nicht-Rechte, die rationales Argumentieren für sinnvoll hält, gegen gäriges Gespür. Und hey, wie immer das alte Polit-Ding, schon aus den 1920er Jahren gekannt. Der böse Geist als Widersacher der guten Seele – eine schöne mag man sie in diesem Kontext freilich nicht nennen. Rationale Standards gegen lebensphilosophische Expression. Denn gegen Gefühle kann man nun mal nichts sagen – zumindest nicht mit Argumenten, so denken die alten wie die neuen Rechten. Aber nicht nur die: Diskurs gegen Wabern, das allerdings, dieses Wabern haben wir heute genauso in der Linken. Im Jahre 2018. Novemberimpressionen.

Ich lese auf dem Blog 54books einen Gasttext der Kulturwissenschaftlerin Asal Dardan. Er trägt den Titel „Solidarisiert euch!“. Da wird gleich zum Anfang auf die Pogrome und die entsetzliche Vernichtung der deutschen Juden Bezug genommen. So weit so schlecht, denn bereits im zweiten Absatz bemerke ich, wohin diese Reise geht, vorauf dieser Absatz den Leser emotional vorbereiten soll. Daß da die Shoah für einen ganz anderen Polit-Kontext an Anspruch genommen wird, um bereits im Vorfeld den moralischen Bonus einzufahren. Denn wer ist schon gerne für den Holocaust? „Darf man Juden umbringen oder soll man es besser lassen?“ Es gibt Grenzen des ansonsten in anderen Kontexten sinnvollen Pro-und-Contra-Formats. Menschenrechte und die Unversehrtheit des menschlichen Lebens, auch als ethische Fragestellungen entziehen sich zu recht eines solchen Formats.

Die Erfolglosigkeit der Juden, noch im Jahr 1934 mittels Aufklärung gegen den Antisemitismus vorzugehen, wird von Dardan im Fortgang des Textes (implizit) parallelisiert mit einer vorgeblichen Naivität der Autoren von „Mit Rechten reden“. Wenn solche Art von Vorwurf nicht einfach nur ermüdend wäre, könnte man darüber hinweggähnen. Aber solche Art von Unterstellung ist leider symptomatisch für viele Debatten, und wer „Mit Rechten reden“ je gelesen hat, wird nicht auf die Idee kommen, daß sich dieses Buch naiven Illusionen hingibt. Ärgerlich vor allem ist, daß Dardan Bezüge insinuiert, die in dieser Konstellation nicht vorhanden sind. Sie erzeugt unredliche Assonanzen. Sophistische Trickserei. Erstens ist die BRD nicht Weimar, zweitens nicht das Dritte Reich. Vor allem aber und das ist hier das schlimmste, wird der Holocaust für die eigene moralische Überlegenheit in Anspruch genommen. Dardans Text evoziert unlauter und vor allem rhetorisch durchschaubar Bezüge. Im Anschluß an die Judennummer heißt es:

„Vor diesem Hintergrund wirkt nicht nur der gegenwärtig unter Konservativen beliebte Begriff der „jüdisch-christlichen Leitkultur“ zynisch, sondern auch die Annahme, man müsste sich 2018 noch intensiv mit rechtem Gedankengut auseinandersetzen, um diesem angemessen zu begegnen. So fragte etwa die Autorin Svenja Flaßpöhler letzte Woche in einem Interview, das sie dem Standard gab: ‚Und wie kann man eigentlich ‚gegen rechts‘ sein, wenn man das rechte Denken überhaupt nicht kennt?‘ Anlass dieser überraschenden Frage, die suggeriert, es handelte sich bei rechtem Denken um ein in unserer Zeit noch nicht ausreichend erforschtes Mysterium, war Margarete Stokowskis Absage einer Lesung in der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl.“

Davon einmal ab, daß bereits der Begriff der „jüdisch-christlichen Leitkultur“ Dardansche Konstruktion ist, denn in der Regel werden in dieser Komposition ganz unterschiedliche Wendungen gebraucht und dies auch, je nach Debatte in recht unterschiedlichen Absichten und Aspekten. Insofern scheint es mir geboten, auf die Kontexte und Bezüge einer solchen Koppelung zu achten. Zumal ebenso die Annahme zulässig ist, daß dieser bei Konservativen gebrauchte Begriff des Jüdisch-Christlichen ebenso Ausdruck der Verbundenheit und in gewissem Sinne gar als eine Art Abbitte gelesen werden kann. Es sind also viele Lesarten denkbar – sicherlich auch die instrumentalisierende, auf die Dardan hinauswill. Und genau aus diesem Grunde plädiere ich für kontextabhängige Lektüren und nicht für Pauschalisierungen, die zudem in diesem Zusammenhang einen rhetorischen Zweck erfüllen sollen und damit einen unangenehmen Beigeschmack habe. Bei mir führen solche durchschaubaren Manöver grundsätzlich dazu, die Straßenseite zu wechseln. Nein, damit möchte ich keineswegs solidarisieren.

Flaßpöhler freilich brachte es in dem Interview auf den Punkt: Kritisieren kann einer nur, was er kennt. Und ich frage mich allerdings, wie Margarete Stokowski oder Asal Dardan rechtem Denken sonst begegnen wollen als durch Textkenntnis. Durchs Handauflegen sicherlich nicht. Auch wenn Dardans Text im rhetorischen Bau gefühlig engagiert gegen rechts auftritt – das gut Gemeinte ist selten das gut Gemachte, wie man an diversen „Rock gegen rechts“-Veranstaltungen sehen kann –, wird Gefühl das Wissen doch nimmer erjagen. Eine unangenehme Sache ist nicht weg, wenn du die Augen schließt. Das ist Kinderglaube. Auch der Schlaf der Vernunft ist keine gute Taktik. Denn jene Rechten, denen man gegenübersitzt, kennen ihre Texte. Anders als viele auf der anderen Seite. Und diese Rechte kennt nicht nur Armin Mohlers „Die nominalistische Wende“ und Alain de Benoists Bücher, sondern ebenfalls ihren Gramsci, Adorno und Marx – ob sie diese freilich gut genug kennt, steht auf einem anderen Blatt, denn mit der Vernunft ist das eine Sache eigener Bewandnis.

Diese Frage nach dem Wissen wirft auch ein Licht, auf die jüngst stattgefundene Stokowski/Lehmkuhl-Debatte: Stokowskis Absage einer Lesung in einem linken Buchladen, weil dort unter anderem auch rechte Bücher ausliegen, und zwar explizit in einem Regal, das eine Debatte anregen soll. Das Statement von Lehmkuhl ist recht klar: Eine intellektuelle Auseinandersetzung mit Rechts, und zwar ohne die üblichen Ressentiments und ohne das übliche Gekreische von solchen wie Leo Fischer, die spaßbefreite Zone .

Von einer „Normalisierung des rechten Denkens“, wie Stokowski unterstellt kann in diesem Falle nicht die Rede sein. Denn dazu müßte sie nämlich im voraus wissen, welche Reaktionen Bücher hervorrufen. Ich vermute, dies ist ihr nicht möglich. Denn genauso nämlich ist es denkbar, daß durch die Lektüre von Kubitschek und Konsorten der Mythos der Rechten entlarvt wird. Wer zum Beispiel Lichtmesz/Sommerfeld „Mit Linken leben“ liest, könnte z.B. schnell die intellektuellen Grenzen dieses Buches bemerken und zudem die verquere Argumentation der beiden Autoren. Mit anderen Worten: Es ist also genauso der gegenteilige Effekt denkbar und es kann keine Rede von einer Normalisierung des rechten Denkens sein. Was also die Auswirkungen eines solchen „Statements“ auf Kunden, Käufer, Leser betrifft: das kann niemand voraussagen.

Und insofern ist auch des Buchhändler Lemlings Statement nicht von der Hand zu weisen, „dass seine Buchhandlung nicht in der Position sei, gesellschaftliche Gruppen auf- oder abzuwerten“. Zumal kaum in allen Buchhandlungen die gleichen Bücher ausliegen, zumal all diese Debatten längst in der Welt sind, zumal sich die Rechten kaum durch linksliberale Statements oder die geballte Emo-Wucht von „Kulturschaffenden“ beeindrucken lassen. Und damit wäre man an diesem Punkt dann durchaus auch bei einer inhaltlich berechtigten Kritik von Stokowskis Rowohlt-Statement.

Schaut man das im Netz kursierend Buchregal an, so findet man eine Auswahl verschiedener Bücher, und es ist das Statement, das Lehmkuhl mit seinem Warenangebot setzt, von der Titelauswahl eindeutig: eine kritische Auseinandersetzung mit Rechts.

Rechten können wir nur begegnen, wenn wir sie lesen, aber nicht durch einen wabernden Nebel der Gefühligkeit, wo die rechtschaffene Gesinnung die diskursive Auseinandersetzung ersetzt. In diesem Befund hat Flaßpöhler in ihrem Interview im „Standard“ recht. Und in diesem Sinne hätte Asal Dardan gut daran, getan rechte Bücher vorzustellen, statt nur solche Werke aus der eigenen Welt sich zu greifen, davon mir allenfalls Victor Klemperer und Isolde Charim brauchbar scheinen. Max Czolleks „Desintegriert Euch!“ ist leider ein Pamphlet. Das, was einst als linkes Empowerment konzipiert war, verdampft zum eingeschränkten Horizont

Das Grundproblem solcher Texte ist wie dem von Dardan ist, daß bereits im Vorfeld festgelegt wird, was als demokratisch und was als nicht-demokratisch zu gelten hat:

„Differenz gehört also tatsächlich zum Pluralismus dazu, aber es ist kein Verbleiben in der Echokammer, wenn man daran erinnert, dass selbst in einer pluralistischen Demokratie Meinungen und Aussagen nicht tolerierbar sind, die die tatsächliche Differenz einer Gesellschaft zum Feind erklärt haben. Man kann niemandem seinen Dünkel und seine Vorurteile verbieten, aber man muss sie auch nicht zur validen Diskussionsgrundlage erklären. Es gibt einen Unterschied, ob man “Deutschland wird von einer Umvolkung bedroht” oder “Wie können wir mit dem Zuwachs migrantischer Mitbürger*innen angemessen umgehen” sagt und diskutiert. Das wissen wir, es ist bloß die Länge eines ungemordeten Menschenlebens her, dass dieses Land die Missachtung dieses Unterschieds in all seiner mörderischen Brutalität zu verantworten hatte.“

Verstünde man, daß es eine Differenz gibt, zwischen „Eine Behauptung aufstellen“ und „Eine Behauptung gilt“, so könnte man auch in einer Debatte, wo plötzlich die Entvolkungsthese auftaucht, Argumente bringen, die zeigen, daß dem nicht so ist. Ebenso hier:

„Man kann diese Bücher lesen oder verkaufen, aber das als besonders demokratischen oder aufgeklärten Akt hinzustellen, ist schon reichlich frech, insbesondere wenn man bedenkt, dass es Menschen gibt, die sich nicht aussuchen können, ob sie sich von derlei Gedankengut angegriffen fühlen oder nicht. Ihre Existenz wird relativiert, da gibt es nichts zu debattieren.“

Wer intellektuell Unterschiede realisiert, liest klüger: Solche Bücher innerhalb eines demokratisches Diskurses vorzustellen und zu diskutieren, heißt zum einen nicht, ihren Thesen zuzustimmen und zum anderen bedeutet es nicht, den Inhalt eines solchen Buches als demokratischen zu legitimieren: Ganz im Gegenteil. Man kann anhand solcher Prachtbücher wie „Mit Linken leben“ oder „Provokationen“ gut zeigen, wo es klemmt. Und das kann man für alle gut sichtbar tun. Solche von Asal Dardan produzierte unterstellenden Lektüren finden sich leider in ihrem Text zahlreiche, insbesondere gegen Per Leo und Ijoma Mangold gerichtet, die beide moderate und demokratische Positionen für einen offenen und freien Diskurs vertreten. (Übrigens ist es, nebenbei geschrieben, genauso denkbar,  sich in einer solchen Debatte solidarisierend gegenüber jenen zu verhalten, die in diesen Büchern ausgegrenzt werden. Auch hier fährt Dardan eine Entweder-Oder-Logik aus und setzt bereits ein Ergebnis voraus, das keineswegs von vornherein feststeht.)

In der Tat – auch ich denke, daß wir ein erhebliches Problem mit rechts haben – übrigens schon deutlich länger als Chemnitz und als 2015 oder seit der Wahl 2017. Die BRD begleitet dieses Problem in unterschiedlichen Konstellationen seit ihrer Gründung, teils massiv. Und nein: diese neuen Rechten sind nicht fort, wenn man lange genug wegguckt. Die AfD sitzt in sämtlichen 16 Landesparlamenten und im Bundestag. Es wird also Zeit zu reden und in konfrontative Debatte zu gehen. Nicht, weil man gemütlich plaudern will, sondern weil nur in solchen öffentlichen Diskursen die Bauernfängertricks entlarvt werden – für alle gut sichtbar. Und ein Mythos um Rechts kann sich nur dann bilden, wenn Argumente aussetzen und politische Gefühligkeit die Oberhand gewinnt. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Debatte.

 

6 Gedanken zu „Wenn Solidarität zur Sackgasse wird

  1. Stokowski, Dardan et al. sind denen, die sie bekämpfen näher, als sie sich jemals eingestehen würden. Auch sie verabsolutieren ihre Weltanschauung zur einzig richtigen, auch sie wissen immer schon, wer die Wahrheit spricht. Der andere ist per se „Unperson“ (das Wort verwenden sie nicht, aber handeln danach). Jemand wie Mangold irrt daher, wenn er diese Personen dahingehend kritisiert, dass sie sich einem Diskurs verweigern. Das machen sie, aber nicht absichtslos, sondern gewollt. Sie wünschen keinen Diskurs, weil sie ihn nicht für möglich halten. Sie inflationieren den Begriff des „Nazi“. Der Münchner Buchhändler wurde bei Twitter ohne Widerspruch als „Faschist“ beschimpft. Faschismus bedeutet aber auch, den anderen nicht mehr als Menschen wahrnehmen. Die Weltanschauung der Diskursgegner wird somit nicht mehr argumentativ erarbeitet, sondern ist sakrosankt. So funktionieren Religionen. Die kann man nämlich auch nur glauben – oder es lassen.

  2. Ja, Bersarin und Gregor Keuschnig, bei vielen Debattenbeiträgen geht es um Debattenvermeidung. Freilich ist es derzeit die Linke, die insbesondere einen strategischen Vorteil hat – und die den auch ungescheut nutz.

    Damit fährt sie fort, etwas zu tun, was sie 68f. schon getan hat. Nämlich die Debattenhoheit zu verwechseln mit absolut richtigen normativen Orientierungen. Es ist so zwar am Bequemsten, doch leider scheint nichts so sehr zu korrumpieren wie die Tatsache, dass man die Lufthoheit über die(inter-)nationlen Diskursen hat.

    Dave Rubin nannte deshalb letztjahr die US-Linke rundweg „the regressive Left“. Jonathan Haidt hat das zusammen mit Greg Lukianoff und Mark Lilla (z. T. auch quantitaiv sehr eindrücklich) unterfüttert. Wenn man deren Befunde (z. B. in The Coddling of the AmericanMind) herunterbricht, so wird man sagen könnnen, dass es der Linken schadet, was allgemein schadet: Nämlich wenn man im eigenen Saft schmort.

    So tönt es landauf landab – mit dem Segen des Bundespräsidenten: Links ist richtig, rechts ist schlecht.

    Das ist eine Milchmädchenrechnung und sollte jeden aufgeklärten Geist in Marsch setzen, um die basics wieder mal zu betonen: Es gibt keine verborgene Weltordnung, die richtig wäre, und zu der die Linke einen privilegierten Zugang hätte. – Das gibt es nicht, sag‘ ich, und ich folgere: Wer derlei prätendiert, wie es die europäische Antifa z. B. von Helsinki bis Athen in der Tat tut, irrt exemplarisch.

    Es bleibt dabei: Richtige Ideen sind per se (per se ! ) n i c h t links. Und sie sind per se (per se ! ) auch n i c h t rechts. Die Fehlbarkeit des menschlichen Geistes heischt, dass man alle normativen Fragen als theoretisch unlösbar begreift. Sie sind oft allein über trial und error (=praktisch) allein zugänglich.

    (Das Nähere regelt man am ökonomischsten über Dr. Habermas in den Fußstapfen des alten und des neuen Kantianismus sowie – – cum grano salis – – -Schillers, Hegels, Webers, Feuds und Wittgensteins).

    Was absolut in die Irre der PC führt oder dieselbe manchmal auch nur vergegenwärtigt oder illustriert, ist die Idee, man brauche eine Öffentlichkeit ohne die Rechte (oder ohne die Mitte oder ohne die Liberalen oder die Linken usw.). Wer immer derlei Gedanken äußert, verfällt der coincidentia oppositorum Einsicht des Moselanischen Nikolaus von Cues seligen Angedenkens. – – – Item, na klar: Man ist dann denen, die man zu bekämpfen vorgibt, nolens volens näher, als einem lieb wäre.

    ( Das ist übrigens einer der Fälle, wo unbedingt Freud greift (nämlich der für mich zentrale Freud der neurotischen Abwehrmechanismen – insbesondere der Rationalisierung und der Verleugnung).

  3. @ Gregor Keuschnig: Das haben Sie bestens auf den Punkt gebracht. Schöner hätte ich es nicht sagen können.

    @Dieter Kief: Vielfach ist es in der Tat eher auf der linken Seite zu beobachten, daß da ungeheure Animositäten entstehen. Eine fast schon vorrationale Verve. War einst die Aufklärung das Metier vieler Linken, so ist es heute der Obskurantismus. Und das Im-eigenen-Satz-Schmorren wird dabei zu einem grundsätzlichen Problem. Nicht einmal mehr ihren Lukács und Adorno hat diese identitäre Linke noch parat, sonst käme sie darauf, dies als eine Tendenz der Verdinglichung zu registrieren. (Marc Lilla brachte die Denkweise dieser identitären Linken kürzlich in der „Zeit“ hervorragend auf den Punkt.)

    In meiner Sicht funktioniert dieses Links-rechts-Schema schon seit einiger Zeit nicht mehr – oder eben nur noch bedingt. Denken sowie die Bestimmungen des Denkens sind ja sowieso nicht per se rechts oder links. Man sieht dies bereits bei Hegel sehr schön: von seinen Texten zehren Konservative wie Progressive gleichermaßen.

    Und ja: Öffentlichkeit wie auch Wissenschaft heißt immer zugleich Streit und Disput, der mit Begründen ausgetragen wird. (Habermas und was den Staat betrifft insbesondere der Habermas von „Faktizität und Geltung“ ist da ein schönes Beispiel für. Auch was die Ordnung des Rechtsstaates betrifft. Wobei man in bezug auf die Frage der Ökonomie einiges an Einwänden und Fragen erheben kann. Da wäre man dann in einer schönen Debatte zwischen Habermas und Marx.)

    Was die Autorin des Solidaritäts-Textes macht, ist ein Sich-Immunisieren. Das dazu mit rhetorisch durchschaubaren Mitteln. Insofern ist dies dann auch ein performativer Text, der genau das, was man vermeiden muß, in seinem Ausdruck vorführt.

  4. zu denekn gibt, dass so viele bereit sind, die Dinge, über die hier offenbar Einigkeit herrscht, insbesondere den Vorrang des Arguments vor der Bewertung – wie viele, sag‘ ich, derzeit bereit sind, diese Dinge zu opfern. Zum Beispiel so netten Mädels wie der Asal Dardan zu opfern – oder einer Schweizer schwarzen „Performerin“ namens Fatima Moumouni, die im letzten Literaturclub einen Vortrag zum besten gab, in dem sie so tat, als ob Christoph Blocher oder Roger Köppel etwas gegen Schwarzhäutige hätten – ein vollkommen verpeiltes Unterfangen, das ohne jeden Beleg des behaupteten“Rassimus“ der attackierten Schweizerischen Prominenten Rechten auskam. Dafür zeigte Moumouni, wie sozusagen biologisch-rein, also durch und durch tolerant sie selber sei, indem sie – sehr telegen – die weißen Innenflächen ihrer wunderschönen mokkafarbenen Hände in die Kameras hielt! – – – Auweh!!

    Da sitzt dann aber der dezidiert linke Theaterregiseur Milo Rau (u. a.) mit am Tisch – und anstatt diesem unredlichen und absolut verleumderischen Zeitgeist-Ritual, das sich da vor seinen Augen abspielt, wenigstens mit einiger Reserve zu begegnen, wenn er sich schon nicht zu einer irgendwie geistesgegenwärtigen Kritik des unwürdigen – und halt vermeintlich kritischen – Gehabes aufzuschwingen vermag – anstatt also dieses denunziatorische Gewese der Moumoudi auch nur sacht zu kritisieren, wird wird von Milo Rau enthusiasmiert Beifall geklatscht und unter schwerstem Einsatz der Gesichtsmuskeln Solidarität m i t der und Sympthiewerbung f ü r die – bildhübsche, eh kloa – – polit-ästhetisch aber leider minderbemittelte Verkörperung des reinen (und auch noch blutjungen, juhu!) und quasi als strahlend-schönes Realsymbol des Multikulturalismus namens Fatima Moumoudi ausgestrahlten gemacht.
    Derlei hat auf Dauer, fürchte ich, keine guten Folgen.

  5. Ich beschäftige mich eigentlich kaum noch mit solchen Leuten und Texten, außer eben ab und an aus eher pädagogischen Gründen, um wie bei diesem unsägliche Dardan-Text zu zeigen, was da falsch läuft. Ansonsten aber denke ich, daß das Leben zu kurz für schlechte Lektüre ist.

  6. Es ist schon interessant zu sehen, wenn Leute wie Milo Rau einfach vor dem Zeitgeist-Altar auf die Knie fallen, sobald dort gleichsam die Junge Schwarze Madonna des Schweizerischen Mittellandes erscheint.
    Quasi-Religion. Linkes Emanzipations-Schauspiel im Ersten Programm des Deutschschweizer Fernsehens zur tipp-topp Sendezeit mit einer der Galionsfiguren Feuilletons als Grüß-August oder Nick-Figur.

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