Zur Buchmesse 2018

„Denn Bleiben ist nirgends (…) Aber weil Hiersein viel ist, und weil uns scheinbar alles das Hiesige braucht, dieses Schwindende, das seltsam uns angeht. Uns, die Schwindendsten.“

Aus der Rubrik: „Rilke zur Buchmemesse“ für Hierbleiber.

Eine sehr großartige Idee setzte die SZ um, und zwar unter dem Titel „Schweigeblockade“, ein Dramolett.

„Warum sind Sie nicht Autorin und Autor geworden? Ein denkbares Gespräch mit Irene Gerbeldinger und Hans-Joachim Parzmann über die Kunst des Nicht-Schreibens.

Alljährlich werden zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse Autorinnen und Autoren befragt, wie es sich so lebt als Schriftsteller: Schreibblockaden, Einsamkeit beim Schreiben?“

Dabei wurden jene beiden genannten Personen befrage, und zwar als ebenso passionierte wie auch völlig unbekannte Nichtschreiber. Eine saukomisch-gute Idee von der SZ – auch im Hinblick auf dauerjammernde Prekariatsschriftsteller_*Innen, die ihre Geldsorgen, ihren Mangel an „Verdienst“ nicht müde werden in der Öffentlichkeit ostentativ zur Schau zu stellen und Menschen mit Themen belästigen, die nur wenige interessieren: Zumindest die nicht, die an der Literatur interessiert sind und nicht an den Existenzproblemen ihnen ansonsten Unbekannter. Ja, das Leben ist hart. Nicht nur für Schriftsteller übrigens, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Prekariatsschriftsteller und Journalisten der Berliner Blasenwelt: Nehmt Euch ein Beispiel an Frau Gerbeldinger und Herrn Parzmann, wenn’s beim Schreiben nicht zum Überleben reicht.

4 Gedanken zu „Zur Buchmesse 2018

  1. Das hat fast Monty-Python-Qualitäten. Ich frage dann mal Rollstuhlfahrer wieso sie nicht Bergführer geworden sind.

  2. Frei nach einer „Lieblose(n) Legende“ von Wolfgang Hildesheimer: nötig wäre ein „Pilzjahr“, ein spartenübergreifendes Kunstverhinderungsprogramm, eine umfassende Anstrengung in Demotivation aller künsterlisch Tätigen 😉

  3. Da hat das deutsche Volk nun lesen und schreiben gelernt. Und niemand liest und schreibt! Was soll das??? Sinnlose Resourcenvergeudung das! Ihr habt doch alle den Aufbau von Schillers Dramen kennengelernt! Ihr wart doch auf Klassenfahrt in Weimar in Goethes Arbeitszimmer! Oder etwa nicht? Warum dichtet und denkt das deutsche Volk nicht mehr? Ihr habt doch massenhaft Schüleraufsätze verfaßt; Gedichte interpretiert, die Erzeugnisse von berühmten Künstlern besprochen! Doch gelernt habt ihr das Schreiben nie! – Weil ihr andauernd vom Klassenstreber abgeschrieben habt! So ist das! Der arme Klassenlehrer hat sich dabei andauernd verarscht gefühlt, daß seine Schüler alle denselben Aufsatz ablieferten, und dabei die Klasse so tut, als ob sie aus lauter Literaturkritikern bestünde wie die Rezensenten in den Zeitungen im Falle von Frl. Hegemann!

    Für Klassenstreber ein Tipp: Immer Schulaufsätze zweimal mit unterschiedlichem Inhalt schreiben! Den einen gebt ihr dem Lehrer ab! Den anderen dürfen die Faulpelze-Klassenkameraden abschreiben. So bekommt ihr weniger Ärger vom Lehrer!

  4. @ Uwe: In der Tat. Und ähnliches auch für den Journalismus. Stichwort Gauland oder die Ermordung der bulgarischen Journalistin: Nachrichten einfach mal 24 Stunden sacken lassen, Inhalte und Hintergründe recherchieren und dann erst werten und kommentieren. Vor allem: All das Mußmaßungsgeschreibe und die Posen zu lassen. Gilt dann wieder besonders für die Literatur.

    @che: Tja, wohl wahr.

    @neumondschein: Da kann ich Dir nicht groß widersprechen. Genau von dieser Qualität ist ein Teil der neueren deutschen Literatur. Klassenstreberabschreibprosa. Löbliche Schreibschulenausnahmen gibt es: Etwa Clemens Meyer.

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