Die Schwarzen Hefte von Wien

Im Gasthaus Wild am Radetzkyplaz speist und trinkt es sich, wenn ich in der Stadt bin, jedes Mal aufs neue angenehmen. Ich komme bei jedem Wienbesuch mindestens einmal in dieses feine Wirtshaus. Eigentlich sogar zweimal, nämlich zur Ankunft und zum Abschiedsessen. Vortrefflich lassen sich dort auch Notizen machen, zum Beispiel für meinen Text zur Monet-Ausstellung.

Allerdings: ich bin kein Reise-Essayist. Ich schreibe nicht gerne während des Reisens, sondern ich beobachte, sauge die Bilder ein, manchmal fallen mir kleine Geschichten dazu ein, die ich jedoch schnell wieder vergesse – ich bräuchte ein Diktiergerät – ich photographiere lieber, halte eine Stimmung oder eine Szene fest, baue an Photoserien. Und auch von Ausstellungen zu berichten, die bereits vorüber sind, ist ganz unsinnig, weil keiner sie mehr sehen kann. Dennoch werde ich von der Open Air-Photoausstellung in Baden schreiben – Thema Afrika, mit vielfältigen Perspektiven. Alles umsonst und draußen zu sehen, leider nur noch bis zum 28.9.Der Bericht folgt allerdings erst in Berlin, wie auch der zur Monet-Ausstellung – sofern mich nicht die Lust verläßt. Ansonsten werden hier in Wien die Notizen und Stichworte in besagtes schwarzes Heft eingetragen, um dann in der Heimat einen schönen Text übers Fremde zu machen.

Ich schreibe auf Reisen nicht gerne, weil ich damit beschäftigt bin, all die Bilder im Kopf zu ordnen. Die Sprache tritt dann erst in der Ruhe des heimischen Schreibtisches hinzu. Auf Reisen ist in mir eine wunderbar zu nennende, fast zenbuddhistische Sprach-Leere.

3 Gedanken zu „Die Schwarzen Hefte von Wien

  1. Mir geht es auf Reisen ähnlich. Das mit dem Diktiergerät habe ich einmal versucht, aber man erntet schon – je nachdem wo man es einsetzt – schon merkwürdige Blicke (auch heute noch in Zeiten des Handywahnsinns). Hinzu kommt, dass ich nicht möchte, dass andere meine zuweilen unsortierten Gedanken mithören können.

  2. Es ist also eine gute Idee, in Kontakt zu bleiben, und ich vermute, es ist dieses Kontakthalten, worauf es bei Notizbüchern ankommt.
    (Joan Didion)

    In diesem Sinne: halte Kontakt!
    Gruß Uwe

  3. In der Tat ist es mit dem Diktiergerät auch nicht die optimale Lösung. Ich ziehe es inzwischen vor, mir einige knappe Notizen in Stichworten zu machen, etwa was Örtlichkeiten betrifft. So kann es, wenn man nachträglich den Blick vom Sacre Coeur über Paris beschreibt, peinlich sein, wenn man da den Satz unterbringt: und in der Ferne strahlte der Eiffelturm. Den nämlich sieht man von dort aus gar nicht.

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