Zum Tod Rolf Tiedemanns

„Zweideutigkeit ist die bildliche Erscheinung der Dialektik, das Gesetz der Dialektik im Stillstand. Dieser Stillstand ist Utopie und das dialektische Bild also Traumbild. Ein solches Bild stellt die Ware schlechthin: als Fetisch. Ein solches Bild stellen die Passagen, die sowohl Haus sind wie Straße. Ein solches Bild stellt die Hure, die Verkäuferin und Ware in einem ist.“ (Benjamin, Paris, S. 55)

Rolf Tiedemann, legendärer Herausgeber der Benjamin- und auch von Teilen der Adorno-Gesamtausgabe, ist am 29. Juli verstorben. Ich habe es erst gestern in der FAZ gelesen. Er starb im hohen Alter von 85 Jahren. Daß überhaupt eine umfassende Benjamin-Ausgabe erschien, war Tiedemanns Verdienst. Und auch seine Texte zu Benjamin lieferten instruktive Hinführungen in Benjamins Werk, gleichsam als Ergänzung zu den Originaltexten, materialistisch, sich keinen intellektuellen Moden beugend, die ja gerade mit Benjamins Philosophie immer einmal wieder angezettelt wurden: Tiedemanns Essays zu dessen Werk bleiben lesenswert: Studien zur Philosophie Walter Benjamins und ebenso zum Passagen- und mithin auch zu seinem Spätwerk der Buch Dialektik im Stillstand – jener gelungene Begriff Benjamins aus den geschichtsphilosophischen Thesen, der für eine bestimmte Figur des dialektischen Bildes steht. Eine eingefroren-bewegliche Zeit, stillgestellt und im Akt des Zeigens und Erzählens doch verflüssigt. Adorno warf Benjamin vor, auf der Stufe des marxschen Warenfetischismus stehengeblieben zu sein und gleichsam eine Anbetung des Dinghaften zu betreiben, ein subtiler Vorwurf Adornos auch gegenüber Siegfried Kracauer, am Ende seines Aufsatzes Der wunderliche Realist:

„Die Fixierung an die Kindheit, als eine ans Spiel, hat bei ihm die Gestalt von einer an die Gutartigkeit der Dinge; vermutlich ist der Vorrang des Optischen bei ihm gar nicht das erste, sondern die Folge dieses Verhältnisses zur Dingwelt. Im Motivschatz seiner Gedanken dürfte man Aufbegehren wider die Verdinglichung vergebens suchen. Einem Bewußtsein, das argwöhnt, es sei von den Menschen verlassen, sind die Dinge das Bessere. An ihnen macht der Gedanke wieder gut, was die Menschen dem Lebendigen angetan haben. Der Stand der Unschuld wäre der der bedürftigen Dinge, der schäbigen, verachteten, ihrem Zweck entfremdeten; sie allein verkörpern dem Bewußtsein Kracauers, was anders wäre als der universale Funktionszusammenhang, und ihnen ihr unkenntliches Leben zu entlocken, wäre seine Idee von Philosophie. Das lateinische Wort für Ding heißt res. Davon ist Realismus abgeleitet. Kracauer hat seiner Filmtheorie den Untertitel ‚The Redemption of Physical Reality‘ verliehen. Wahrhaft zu übersetzen wäre das: Die Rettung der physischen Realität. So wunderlich ist sein Realismus.“ (Th.W. Adorno, Der wunderliche Realist)

Dieser Text ist in den Noten zur Literatur zu finden, ebenfalls von Rolf Tiedemann herausgegeben. Das aber, dieser Rückzug ins Dingliche, das Überwintern gleichsam, die seltsame Parteinahme für jenes seltsame, fremde Ding Odradek, das wir in einer Kafka-Erzählung finden, meint eben auch Rettung, rettenden Eingriff. Diesen Eingriff beförderte Rolf Tiedemann mit seiner Arbeit. Unter anderem auch ganz materialistisch: Er sorgte bei Siegfried Unseld dafür, auch gerichtlich, daß aus dem Verkauf der Benjamin-Ausgabe auch dem Erben und Sohn Stefan Benjamins ein Anteil am Erlös zukommen sollte. Ein Text dazu findet sich hier beim Spiegel, von Willi Winkler – in der leider typischen Spiegel-Manier damals geschrieben.

Unbedingt zu erwähnen ist Tiedemanns Arbeit an Adornos Fragment gebliebener Ästhetischer Theorie. Zusammen mit Gretel Adorno komponierten beide im Sinne des Autors diesen Text weiter und stellten die letzten Passagen zusammen. 1970 konnte das Werk erscheinen, als Fragment einerseits und doch als ein zusammenhängend zu lesender Text. Es ist insofern, so Tiedemann, ein work in progress – wie eigentlich jede gelungene Ästhetik, so auch die unvollendete und eigentlich in keiner festen Gestalt vorliegende von Hegel: Proteus-Schriften. Dieses Schillernde, das Changieren der philosophischen Form wie auch der Angewiesenheit auf Interpretation paßte zu Adornos Werk – eine Ästhetik im Geist der Romantik als Fragment, nicht jedoch als Ruine, sondern durchaus als komplexes Theoriegebäude. Zusammen mit Heideggers Kunstwerkaufsatz und jenem von Benjamin das wohl bis heute für das 20. Jahrhundert und darüber hinaus maßgebliche Buch zur Philosophie der Kunst bzw. zur Ästhetik – auch wenn es, wie Tiedemann im Nachwort schrieb, kein Buch ist, „das Adorno in dieser Form imprimiert hätte.“ Ausgefeilt, dialektisch: Adorno drückte sich nicht vor der gesellschaftliche Seite der Kunst, aber ebensowenig verriet er ihre Autonomie: daß sich das Kunstwerk niemals in den Dienst einer Sache zu stellen habe, außer einer einzigen, nämlich der eigenen Gestalt, seiner Form, die sich durch den Inhalt bedingt, durch das ästhetische Material – und bereits hier fängt es an komplex zu werden, komplexer als man es in einem Nachruf darstellen kann. Es ist das Verdienst von Rolf Tiedemann und von Gretel Adorno, daß dieses Werk erschien. Maßgeblich und eigentlich bis heute hin bestimmt es die Diskurse europäischer und teils auch der US-Amerikanischen Kunsttheorie. Nach der Fertigstellung von Adornos wohl wichtigstem Werk versuchte sich Gretel Adorno mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben zu nehmen. Es mißlang und sie lebte dahin. Alexander Kluge berichtet davon in seiner Chronik der Gefühle.

Abbruch und Fortleben. Adorno schreibt – und Tiedemann zitiert diesen Satz im editorischen Nachwort zur Ästhetischen Theorie:

„Das Fragment ist der Eingriff des Todes ins Werk. Indem er es zerstört, nimmt er den Makel des Scheins von ihm.“

Daß ein Mensch gelebt hat, sieht man an seinen Werken, die bleiben, die gelesen werden und die den Debatten Anlaß liefern und auch an seinen Taten – und womöglich am Ende noch den den Photographien und Bildern, die er hinterläßt. Das Fragmentarische dieser Ästhetik ist der Ausdruck eines bsonderen Werkes, das sich, wie kein anderes dem Systemdenken sträubt, darin der Negativen Dialektik ganz und gar treu. Dekonstruktion von Einheits- und Ursprungsfiktionen. Auch Ästhetik kann in diesem Sinne gesellschaftliche Kritik an der Geschlossenheit sein. Aber das Fragment darf zugleich und kann nicht das letzte Wort sein. In Adornos Utopie von der Abschaffung des Todes – so in der Negativen Dialektik im Schlußteil der Meditationen zur Metaphysik angeklungen und in jenem legendären Radio-Gespräch über Utopie zwischen Adorno und Bloch direkt genannt – liegt zugleich die Warnung, aus „den Zerstörungen des Todes keinen Sinn zu pressen, der Einverständnis mit ihnen erlaubte“, so Tiedemann im Nachwort zur Ästhetischen Theorie. Es schreibt Tiedemann:

„So wenig eine Edition der Ästhetischen Theorie über den Fragmentcharakter des Werkes täuschen kann, es auch nur versuchen darf, so unmöglich ist es, mit ihm sich zu versöhnen. Mit dem Unvollendeten, das aus bloßer Kontingenz zu einem solchen wurde, gibt es kein sich Abfinden, und dennoch verbietet wahre Treue, wie Adorno selbst unvergleichlich sie übte, das Fragmentarische mit Ergänzungsversuchen anzutasten.“

Es gibt Autoren, die stehen im Schatten eines großen Werkes, leisten die Kärrnerarbeit und tauchen darin doch nicht auf. Am Theater sind es die Bühnentechniker, die Assistenten, manchmal auch die Dramaturgen. Aber das ist nicht ganz ganz richtig: Im Prozeß des Schaffens sind sie unabdingbarer Teil des Werkes. Und so gehört auch Rolf Tiedemann unaufhebbar zum Werk Walter Benjamins und Theodor W. Adornos. Wir haben ihm viel zu verdanken.

 

 

43 Gedanken zu „Zum Tod Rolf Tiedemanns

  1. „Es gibt Autoren, die stehen im Schatten eines großen Werkes, leisten die Kärrnerarbeit und tauchen darin doch nicht auf. Am Theater sind es die Bühnentechniker, die Assistenten, manchmal auch die Dramaturgen. Aber das ist nicht ganz ganz richtig: Im Prozeß des Schaffens sind sie unabdingbarer Teil des Werkes.“

    So ist es, und meine Insider-Einblicke sind hier tiefer als die des Bersarin.
    Was die Edition Benjamins und Adornos betrifft, so waren die Kärrner im Frankfurter Adorno-Archiv Christoph Gödde und Henry Lonitz, die über Jahrzehnte eine Arbeit machten, an der Archivdirektor Tiedeman nicht beteiligt war.
    Die Benjamin-Tantiemensauerei hatte freilich er aufgedeckt – sein einziges Verdienst -, wozu ich als Redakteur im Hörunk am Tag zuvor ihn interviewte, da Gödde über den Scoop mich informiert hatte.
    Allein Lonitz und Gödde waren es, die Jahrzehnte quer durch Europa reisten, um Quellen zu sichern und zu identifizieren, um historisch-kritisch in den Anmerkungen wissenschaftlichen Kriterien zu genügen. Der Tiedemann-Beitrag hierzu ist Null.

    Die Tiedemann-Eloge Bersarins ist es darum auch.
    Nicht immer so auf die Kulturindustrie reinfallen, Bersarin.

  2. Noch was vom Insider: Die das Adorno-Archiv finanzierende Jan Philipp Reemtsa-Stiftung hatte Gödde und Lonitz nach Hamburg geladen, um zu hören, wie die Mitarbeiter den Direktor bewerten. Der nämlich stand vor der Rente und hatte einen Nachfolger empfohlen. LonitzGödde meinten, dass direktorenfrei sie besser arbeiten. Reemtsma stimmte dem zu.

  3. Na ja, Nörgler, alles fängt klein an. Daß überhaupt ab 1972 von Benjamin eine Werksausgabe erschienen ist und daß Adornos Ästhetische Theorie akribisch zusammengetragen wurde, ist durchaus Tiedemanns Verdienst. Über die Gewichtung der inhaltlichen Arbeit vermag ich nichts zu sagen, was Christoph Gödde und Henry Lonitz da in den 70er Jahren leisten und auch nicht über Tiedemanns Anteil an der Organisation. Sofern Gödde und Lonitz bereits 1972 dabei waren und auch an der Ästhetischen Theorie ihren Anteil hatten, müßten sie allerdings grundsätzlich mitgenannt werden.

    Dein Einwand hingegen, Nörgler, legt nahe, daß Tiedemann eher nichts tat und nur seinen schönen Namen hergab. Existieren dazu hinreichende Belege? Dann müßte man allerdings auch bei Suhrkamp einmal fragen, weshalb sein Name derart prominent auf der Benjamin-Ausgabe von 1972 ff steht. Bei den dann 1989 erschienenen Bänden VII.1 und VII.2 werden Christoph Gödde und Henry Lonitz allerdings dann genannt.

  4. Danke Nörgler!
    Adorno essen Seele auf. Oder anders: Es kann etwas – Annihiliierendes haben, in so einem starken Licht zu stehen. Gibt’s öfter. Ist bequem, aber auch lähmend und produktivitätshemmend. Der Fluch der nicht gelösten Vater-Problematik, die nur ausgeborgte Bedeutsamkeit.
    Der Goethe Essay Tiedemanns interessiert mich freilich, den hätte ich ohne diese Rückblicke nicht gefunden.

  5. Ein Insider ist nicht dasselbe wie ein Nörgler, Nörgler. Der Einblick, den Sie uns gewährt haben, ist einer in Ihre Ressentiments. Mehr ist von einem Journo Ihrer Güteklasse wohl auch nicht zu erwarten.

    @bersarin: Da ich fast befürchte, dass mein „Whistleblowing“ den Nörgler ermuntert hat, erinnere ich daran, dass ein tatsächlicher Insider über Belege für seine Informationen verfügt. Ihre Diskretion vorausgesetzt, kann ich Ihnen bei Bedarf Teile davon zukommen lassen. Ein Nörgler wie der Nörgler kann das vermutlich nicht.

  6. Das, Ex-Bockenheimer wäre dahingehend zu spiegeln dass Sie zunächst mal offenbaren nicht zu wissen wer der Nörgler ist – als Kommentator einerseits aber dann auch wo der Name sich herleitet.

  7. Dafür, che2001, weiß ich immerhin, wer Sie sind. Aber tut das was zur Sache? Was der Nörgler treibt, ist ganz unabhängig von seiner Person nur eins – Genörgel.

  8. „Adorno essen Seele auf.“
    @ Dieter Kief: Na ja, Tiedemann hat etwas daraus gemacht und er beließ es nicht bei der Edition, sondern es gibt genauso Texte von ihm. Und in der Wissenschaft ist nun einmal auch diese Kärrner-Arbeit nötig, damit ein Werk erscheint. Inzwischen geht es ja auch an eine kritische Benjamin-Ausgabe, auch das wird womöglich noch einmal neue Dimensionen vom Werk eröffnen. Daß in der Philosophie Denker wie Nietzsche, Benjamin, Adorno oder Heidegger auftauchen – das geschieht nun einmal nur alle Jubeljahre. Die meisten sind am Ende doch die Kärrner und müssen im Weinberg des Herrn schaffen. Und daß Philosophie immer auch ein Weiter- und Darüber-hinaus-Denken einer Sache ist und nicht das Nachbeten und das unkritische Übernehmen der Gedanken des Übervaters, darüber sind wir uns vermutlich eh alle einig.

    Kurt Scheel ist übrigens gestorben, wie Sie mit Sicherheit gehört haben. Kürzlich schrieben wir noch und fragten, was er wohl mache. Es kann so schnell im Leben gehen. Aber wenn einer das Leben zu genießen weiß, so ist das auch eine Tat

    Haben Sie vielen Dank, Ex-Bockenheimer, bei Bedarf werde ich darauf zurückkommen. Ich denke, daß die Arbeit von Tiedemann, was den Benjamin betrifft und Adornos Ästhetische Theorie in den 70er Jahren durchaus maßgeblich war. Und es wäre ja, um dann zu klären, wer wann welchen Anteil an was hatte, die Frage, was Christoph Gödde und Henri oder Henry Lonitz zu dieser Zeit nun genau taten und woran sie seit 1972 saßen. Und da liegt dann vermutlich des Rätsels Lösung, indem man die Arbeitsschritte aufdröselt. Bei Adornos Ästhetischer Theorie zumindest waren sie, wenn ich der einschlägigen Literatur folge, nicht beteiligt. In Wikipedia und auch im Internet ist über die beiden leider nicht viel zu finden.

    In konkret gibt es zudem als eine Art Nachruf einen Text von Tiedemann aus dem Jahr 2007 über den Maler Aloys Rump.
    https://konkret-magazin.de/aktuelles/aus-aktuellem-anlass/aus-aktuellem-anlass-beitrag/items/zum-tod-von-rolf-tiedemann.html

  9. Na Hoppala, Ex-bockenheimer,

    da mache ich lediglich, als Insider, eine Korrektur am marmornen Tiedemann-Monument, und eine Amöbe, die sich mit dem Stephansdom verwechselt, belästigt meine Nerven.

    Das Risiko, in diesem Blog aufzuschlagen, ist hoch. Denn hier tummeln sich Gesellinnen und Gesellen, die ihre Texte gelesen haben, mit der Konsequenz, dass man hier in der Ersten Liga spielt.

    Wenn wir dann Sätze sehen wie:

    „Ein Insider ist nicht dasselbe wie ein Nörgler, Nörgler.“
    oder:
    „Was der Nörgler treibt, ist ganz unabhängig von seiner Person nur eins – Genörgel.“

    dann sehen wir, dass Exbokki seine Texte nicht gelesen hat, da er die Herkunft des Begriffs des Nörglers nicht kennt. Daher nimmt er platt nur den Namen, und glaubt, er wäre ein begnadeter Polemiker.

    Und das hat Folgen, denn das Witzige an intellektuell Minderjährigen wie Exbokki ist, dass sie ihre eigenbetriebene intellektuelle Selbsthinrichtung nicht einmal bemerken.

    Aber jetzt, wo ich‘s sage, spürst du doch ein bißchen was davon, Harhar!

  10. Es hätte durchaus auffallen können, dass meine die Ebene des Hymnischen doch unterschreitenden Beiträge zu „Tiddie“, wie ihn seine Freunde nannten, sich ausschließlich auf die Zeit ab Gründung des Adorno-Archivs beziehen. Bersarins Eröffnungstext erstaunt auch dadurch, dass ihm die Existenz des Archivs, sowie die Rolle Reemtsmas und seines Justiziars bislang offenbar völlig unbekannt gewesen ist.

  11. Eigenbetriebene intellektuelle Selbsthinrichtung? Stilistisch spielen Sie ja tatsächlich in der Ersten Liga.

    Da wir uns hier auf einem fremden Blog befinden, würde ich aber vorschlagen, dass wir’s nu‘ dabei belassen. Sie können gern bei Ihrer Meinung, dass Tiedemann seit 1985 im Archiv bloß Däumchen gedreht hat, bleiben. Sie ist halt nur, höflich gesagt, etwas gewagt.

  12. „… dass wir’s nu‘ dabei belassen.“ Ähm, ja. Die Amöbe erkennt den Stephansdom.

    „bloß Däumchen gedreht hat“ Tschulli Bokki, ich habe das gesehen. Ich bin Zeitzeuge.
    Und ich habe auch gesehen, welche Schuhe er im Archiv trug. Wer hier kennt Tiedemanns Schuhe im Adorno-Archiv? Wer ist so ein Insider, dass er dies gesehen hat?

    Bersarin wird, nachdem er feststellte, dass Tiedemanns Schuhe aus parischem Marmor waren, da der den italienischen noch übertrifft, erklären, dass Schuhe ohne Belang, da nur der Empiristik zuzuordnen sind.

    Blöd nur, dass der Nörgler im Adorno-Archiv war und Tiedemanns Schuhe sah.

  13. Das Adorno-Archiv und zufälligerweise auch der Herr Reemtsmas sind mir durchaus bekannt. Nur: darum ging es in meinem Artikel nicht, Nörgler. Insofern bitte keine externen Referenzen an einen Text herantragen. Du oder jeder andere können gerne dazu einen Text schreiben, wenn er oder sie es für einen Tiedemann-Nachruf für relevant halten. Davon ab noch, daß von einer Sache schweigen nicht automatisch heißt, sie auch zu goutieren. Siehe dazu das argumentum ex silentio als Form des Fehlschlusses. Es ging in meinem Nachruf, wie man dem Text entnehmen kann, um die Arbeit, die Tiedemann an der ersten Werksausgabe von Benjamin und an der Ästhetischen Theorie von Adorno leistete. Daran kann man sicherlich einiges kritisieren, und wer das möchte, soll es machen. Am besten mit Argumenten und Sachbezügen.

    Weiterhin war dieser Artikel keine Monumentalisierung – dies ist Deine Lesart, die Du an den Text heranträgst –, sondern wie es bei einem eintretenden Tod und in einem Nachruf üblich ist, eine Würdigung der Arbeit von Tiedemann. Mir ging es um die erste Werksausgabe, die Dank Tiedemann erscheinen konnte. („Daß überhaupt eine umfassende Benjamin-Ausgabe erschien, war Tiedemanns Verdienst.“) und um die Veröffentlichung der Ästhetischen Theorie, die wir Tiedemann und Gretel Adorno zu verdanken haben.

    Da wir es hier mit der Textform des Nachrufs zu tun haben, habe ich die Verdienste Tiedemanns herausgestrichen. Wenn es Gründe dafür gibt, daß er nicht sorgfältig gearbeitet hat, so bitte ich da um Nachweise. Ich habe es im allgemeinen bei solchen Dingen nicht so gerne, wenn Behauptungen in den Raum geworfen werden oder man sich in Andeutungen ergeht, ohne für eine vorgebrachte These auch Belege liefern zu können. Das ist Gerüchteküche. Insofern wäre ich Dir dankbar, Nörgler, wenn Du für Deine These auch belastbare Belege liefertest.

  14. Da der Eröffnungstext nicht zu leugnen ist, kann auch Dein Nichtwissen über Adornoarchiv/Reemtsma/Tiddie/Gödde/Lonitz nicht geleugnet werden. Von alledem hast Du Null und Nichts gewußt. Allererst ich habe dich hierüber informiert. Hinterher so zu tun, als habe man es vorher schon gewußt – wie erbärmlich ist das denn.
    Besinne Dich.

  15. „Das Adorno-Archiv und zufälligerweise auch der Herr Reemtsmas sind mir durchaus bekannt“ aber erst, seitdem ich sie Dir bekanntmachte. Vorher war da garnix. Also tu da nicht so rum. Es merkt ja doch jeder.

  16. Und jetzt nochmal zu Tiddies, wie er auch mir erlaubte, ihn zu nennen, Schuhen. Die Frage ist noch unbeantwortet: Mit welchen Schuhen betrat Rolf Tiedemann das Adorno-Archiv?
    Seltsam, wie oft die Frage schon zu stellen war. Bersarin & sein Freund ExboXX können sie jedenfalls nicht beantworten.

  17. @ Bersarin

    Kurt Scheel starb von eichna Hand mit Siebzig. Hart. Was macht jetzt Siegfried Kohlhammer in Venezia, wenn er keine Mails mehr kriegt von Scheel und Rutschky in Berlin?
    Rutschky, schreibt Scheel auf Rutschkys Blog das Schema, der immer noch online ist, habe seine drei Bände Tagebücher, von denen zwei bereits bei Berenberg in hervorragenden Ausgaben veröffentlicht sind, vielleicht sogar als sein Hauptwerk betrachtet. Scheel hat den letzten Band noch druckfertig gemacht, bevor er seinem Erdenwandel ein Ende setzte.

    Ich hab‘ letztes Frühjahr noch mit Scheel und Rutschky ein paar Mails getauscht, und hab‘ mich von der traurigen Grundstimmung, die da bereits über dem Freundespaar hing, leider ein wenig irritieren lassen, und Rutschky auch nichts davon erzählt, was hier über den ersten Band seiner Tagebücher verhandelt worden ist. Es hätte ihn sicher gefreut. Tempi (e possibiltati nenumerati…) passati.

    Auf den dritten Band von Rutschkys Tagebüchen bin ich gespannt, obwohl Scheel verraten hat, dass er noch düsterer werde, als die ersten beiden Bände. Rutschky ließ sich zwar nichts anmerken, aber er hat offenbar weite Teile seiner Umgebung zunehmend durch eine sehr düstere und missliebige Brille gesehen. Scheel klang teilweise fast ein wenig geschockt darob. Aber er hat den Freundschaftsdienst der Edition dennoch tapfer vollendet, wofür ich ihm nun gerührt nachrufe, er sei ein guter Mensch gewesen!

    Wer es kann, besorge sich von Siegfried Kohlhammer „Auf Kosten der Dritten Welt?“ und „Islam und Toleranz“, beides überragnde Bücher und beide hatten ihren vorschein im Merkur – wann hätte ich das letzte Mal sowas interessantes im Merkur gelesen, seit Scheel und Bohrer den nicht mehr machen? – Ich erinnere – nichts, kucke aber auch schon seit längerem nicht mehr regelmäßig hinein. (Whilst) The Times, They Are A-Changin’…

    (Zu Rutschkys Tagebüchern könnte – ja sollte hier noch ein wenig was folgen, wie ich finde, wie auch zu seiner Roman-Theorie).

    ((Erschreckend in seiner formlosen Härte angesichts des Todes des doch offenbar mit ihm befreundeten Kurt Scheel gestern Jan Feddersen am Ende seine taz-Nachrufs – ein Sachverhalt, der am sozusagen lebendigen Beispiel nochmal veranschaulicht, wie richtig Kurt Scheels Merkur-Chef Karl-Heinz Bohrer mit seiner diesbezüglichen Deutschland-Kritik lag).

  18. @ Nörgler: Wie gesagt, ich warte auf die Nachweise. Weiterhin: Diese von Dir genannten und bisher durch nichts belegten Aspekte waren nicht Thema meines Textes, sie sind Dein Thema. Das ist schön für Dich, muß mich aber nicht weiter interessieren und interessiert mich auch nicht. Sollte sich Tiedemann irgendwelcher Vergehen schuldig gemacht haben, sollte er unrechtmäßig als Herausgeber aufgeführt sein, wirst Du uns sicherlich dafür Argumente oder Hinweise liefern können, vielleicht noch vor weiteren Details zu den Schuhen.

    Nachrufe sind übrigens in der Regel keine Auseinandersetzung über eine Editionspraxis oder über die Schuhe von Tiedemann im Archiv, sondern sie geben einen Blick auf die Arbeit. Und um es Dir nun zum dritten Male zu schreiben: Es ging in meinem Nachruf um die erste Werksausgabe und um die Ästhetische Theorie. Ersichtlich wird Dir dies vielleicht auch durch die Zitate, die ich aus dem editorischen Nachwort brachte. Anhand dieser Zitate hättest Du eigentlich darauf von selbst kommen können. Also hier für Dich nochmal: Es wurde Tiedemanns Arbeit an der Ästhetischen Theorie gewürdigt. Sollte es gegen diese Arbeit Einwände geben, wäre hier eine gute Gelegenheit, diese hier zu bringen.

    „Das Adorno-Archiv und zufälligerweise auch der Herr Reemtsmas sind mir durchaus bekannt“ aber erst, seitdem ich sie Dir bekanntmachte. Vorher war da garnix. Also tu da nicht so rum. Es merkt ja doch jeder.“

    Die Hitze scheint Dir zuzusetzen. Vom ehemals alten Nörgler bleibt eine etwas traurige Gestalt. Nun gut. Ins Detail: zunächst einmal gehe ich davon aus, daß Du nicht Gedanken lesen kannst. Insofern dürfte Dir kaum bekannt sein, welche Details ich weiß und welche ich nicht weiß. Und worüber ich schreibe oder worüber ich nicht schreibe, das entscheide hier in meinem Blog immer noch ich selber. Gleiches gilt für die Fokussierung des Themas. Weiterhin, um es in der Diktion der Logik zu machen: Über etwas nicht zu schreiben, heißt nicht, es nicht zu wissen. Ebenso wenig heißt es, diese Umstände zu goutieren oder sie nicht zu goutieren. Argumentum ex silentio: Aus Schweigen folgt nichts. Also: Bitte keine Fehlschlüsse produzieren. Kommt nicht so gut und dies merken am Ende auch die Leser. Nächster Aspekt: Ich habe hier ebenfalls nichts über Hermann Schweppenhäuser geschrieben. Nicht weil er nicht wichtig wäre, denn er ist als Mitherausgeber in der ersten Werksausgabe geführt, und auch nicht, weil mir der Herr gar unbekannt wäre, sondern weil nicht etwa Hermann Schweppenhäuser starb, der ist bereits tot, vielmehr ereilte der Tod diesmal den Herrn Tiedemann.

    Eine Analyse und Auseinandersetzung mit der neuen Kritischen Benjamin-Ausgabe, die hier, soweit sie erschienen ist, durch einen lustigen Zufall bei mir im Regal steht, hätte einen ganz anderen Text ergeben, wäre auch kein Nachruf auf Tiedemann ehr und es wäre dieser Text über editorische Praxis auch nicht an einem Tage für einen Blog erstellt, sondern hier handelt es sich um eine wissenschaftliche Analyse.

  19. @ Dieter Kief: So richtig gelungen war der Feddersen-Text nicht, stimmt wohl. Böse könnte man sagen: Taz eben.

  20. Und ich werde dann doch nochmal mit dem Rutschky-Tagebuch anfangen. Sie sind Schuld, Herr Kief. Und Rutschkys Photo-Berlin-Buch.

  21. Noch ein Nachtrag für den ex-Bockenheimer, wie auch alle übrigen: ich erwarte hier in Debatten einen gepflegten Ton im Umgang und keine Beleidigungen. (Das gilt übrigens für alle.)

    Ich erwarte hier in den Auseinandersetzung weiterhin Argumente und Sachbezug.

  22. Oh – danke!

    Vom alten Merkur hätte ich noch „Das rasende Gefasel der Gegenaufklärung/ Dietmar Kamper als Symptom“ von Klaus Laermann erwähnen sollen. Jüngere bitte nicht erschrecken: Dieser sehr hellsichtige Aufsatz ist im März ’85 im Merkur erschienen. Man kann ihn kaufen – das lohnt sich unbedingt!

    Der hier von Laermann ist gratis und haut in die nämliche Kerbe:
    https://www.zeit.de/1986/23/lacancan-und-derridada

    Mir ist vom neueren Merkur noch ein Text eingefallen der mutig und – hell = aufklärerisch – ist, weil Schirrmacher hier erscheint als das, was er wohl war: Ein intellektueller Fuchtel (Schirrmachers Talent war nicht das Schreiben (das hat er irgendwie heruntergerissen), sondern seine Obsession mit dem Zeitgeist (das ist für einen Journalist k e i n e Kleinigkeit) :
    https://www.merkur-zeitschrift.de/2013/02/16/sorgfaltspflichten-wenn-frank-schirrmacher-einen-bestseller-schreibt/

    PS

    Aufätze wie „Ästhetischer ‚Witz‘ und logischer ‚Scharfsinn'“ von Gottfried Gabriel und die von Klaus Laermann oder Joachim Rohloff oder die von Siegfried Kohlhammer im Merkur über den Islam oder über Handelsfragen werden hierzulande, noch stärker, fürchte ich, als in der angelsächsischen Welt, unterschätzt. Das ist eine kollektive Eselei. Es ist sehr schön, wenn eine(r) es schafft, sich kurz zu fassen!

  23. Laermanns Artikel nun zeigt ganz gut, was passiert, wenn man einen Text nicht gelesen hat oder einfach seinen eigenen Referenzrahmen und das, was man in Vorurteilen im Kopf hat, in einen Text hineinpreßt. Solche Artikel waren schon damals kein Gewinn und sie sind es auch heute nicht. Und man sollte auch nicht die Jünger von Texten mit dem Autor verwechseln

  24. Wo, Bersarin, zeigt Laermanns Text (welcher der beiden?), dass sein Verfasser die besprochenen Bücher nicht gelesen habe?

  25. In dem Zeit-Text zeigt Lachmann, daß er vom Poststrukturalismus nicht viel verstanden hat bzw. diese Texte nie gelesen hat, außer vielleicht ein paar Slogans. Die Adepten Derridas sollte man eben nicht mit Derrida verwechseln. Und es ist auch ungeschickt, Pappkameraden aufzubauen. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Mann hat keine Ahnung von diesen Dingen. Ärgerlich daß man solche Leute an die Feder läßt und daß da keiner redigiert und hilfreich eingreift. Das war anscheinend 1986 so und das ist auch bis heute noch der Fall, wenn ich diesen Text von René Scheu in der NZZ vom 18.7. (online) zu Derrida lesen. An diesem Text stimmt ebenfalls von vorne bis hinten nichts.

  26. Lachmann ist nicht Laermann und auch nicht Lachenmann. Nur so.
    Sie weiten die Kampfzone aus auf den ziemlich untadeligen René Scheu.
    Da ich Iser gekannt hab‘, erlaube ich mir noch den folgenden Hinweis: Laermanns Text hat viele Folgen gezeitigt, ich meine, er sei einer der folgenreichsten geisteswissenschaftlichen Aufätze, aber, und jetzt kommt’s: Was Sie behaupten, hat keiner der vielen, die auf Laermann reagiert haben, behauptet soviel ich weiß.
    Diese Rezeptionsgechichte legt nun den ziemlich steilen Schluß nahe, dass Sie womöglich eine riesen Entdeckung gemacht haben (Laermann ist ein Schwindler und / oder ein Null), auf die vor Ihnen in Jahrzehnten keiner kam. Sowas gibt’s Bersarin, aber das ist sehr selten.

  27. Ob etwas Folgen gezeitigt hat, ist für die Richtigkeit der Sache völlig irrelevant. Der WWII hat übrigens auch Folgen gezeitigt.

    Es geht hier nicht um Scheu oder um Laermann im allgemeinen, von deren Untadligkeit wir hier nicht schreiben, sondern um diese konkreten Texte, die sachlich und in ihrer Logik vor Fehlern strotzen. Die darin als Pappkameraden aufgestellten Thesen werden natürlich, wie so häufig, nicht am Text Derridas, Deleuzes oder Lacans belegt, sondern es wird frei assoziiert und etwas in den Text geschoben, was der Autor meint, es müsse darin stehen – es werden mithin Thesen aus dem Zusammenhang heraus extrahiert, die nicht der Philosophie Derridas entsprechen. Und das macht dann in diesem Falle aus dem Laermann-Text eine Lachnummer, deshalb wahrscheinlich kam ich auf den Namenssprung und die Assonanz.

    Laemanns Text läßt ich relativ mühelos auseinandernehmen und es läßt sich ebenso der darin geschriebene Unsinn zeigen. Zunächst einmal kann man übrigens auf den Laerman-Text schonmal so reagieren, daß man den Autor darum bittet, das, was er behauptet, mit Zitatenbei Derrida zu belegen. Das ist im Grunde noch auf dem Niveau des guten alten Proseminars, des Lektürekurses für Anfänger: Seine These zu begründen. Etwas zu behaupten, bedeutet nun einmal nicht, daß das Behauptete schon gilt.

    Weil übrigens viele einem Text zustimmen, ist diese Zustimmung noch kein Kriterium für dessen Richtigkeit. Das sind elementare Regeln des Logischen. Denn genauso ist es denkbar, daß die Leser ein gerne gehegtes Vorurteil aufgreifen und dieser Laermann-Text Anlaß für eine Referenzrahmenbestätigung ist.

  28. Ja klar – aber müssten nicht, damit Ihre Argumentation aufgeht, alle Leser Laermanns Dekonstruktivismus-Gegner gewesen sein? Und ist das zu einer Zeit, als der schwerst angesagt war, nicht ein wenig unplausibel?

    Mir fällt aus dem alten Merkur noch eine Lacan-Adeptin ein, deren Texte ich immer sehr sehr schön fand, nämlich Iris Hanika und Ihre Kolumne Loch im Brot.
    Von Iris Hanika gibt es auch ein ganz imposantes Buch über ihre Lacansche Psychoanalyse, das sie im Dialog mit ihrer Analytikerin Judith Seifert geschrieben hat: Die Wette auf das Unbewusste – oder was Sie schon immer über Psychoanalyse wissen wollten.

  29. Ich beziehe mich hier auf Ihren Kommentar: „Laermanns Text hat viele Folgen gezeitigt, ich meine, er sei einer der folgenreichsten geisteswissenschaftlichen Aufätze, aber, und jetzt kommt’s: Was Sie behaupten, hat keiner der vielen, die auf Laermann reagiert haben, behauptet soviel ich weiß.“

    Was „alle Leser“, viele oder einige denken, ist unerheblich, allein aus dem Umstand, daß wir dies wohl niemals eruieren können. Worum es mir ging: Die Reaktionsweisen von Lesern zum Maßstab zu machen, führt nicht weit: ob alle oder einige nun Laermanns Text zur Postmoderne goutierten oder nicht, ist im Hinblick auf die Struktur seines Textes unerheblich. Daß solche Reaktionsweisen in bezug auf Philosophie wie auch auf Kunst problematisch sind, weil hier die persönliche Sichweise lediglich verabsolutiert wird und das ganze in die Hypertrophie der subjektiven Ansicht mündet, die dogmatisch als Maß gesetzt wird, strichen prominent so unterschiedliche und doch wieder ähnliche Denker wie Adorno und Heidegger heraus. Diese Reaktionsweisen können nur dann Maßstab sein, wenn sie sich unmittelbar auf die „Argumente“ des Textes von Laermann beziehen.

    Laermann macht in seinem Bezug den zentralen Fehler, daß er die Adepten und die Mode des Poststrukturalismus für den Poststrukturalismus und die Jünger Derridas für Derrida nimmt. Da ist Habermas in seinem „Philosophischen Diskurs der Moderne“ um einiges weiter und klüger: Er bezieht sich auf die Sache selbst, also auf die Thesen von Derrida und auf seine Schriften. Darüber kann man aufgrund einer Hermeneutik oder einer Lektüre angemessen debattieren und insofern auch angemessen inhaltlich auf Habermas reagieren, ohne seinen Text pauschal als unangemessen abzutun. Ob freilich diese Thesen, die Habermas als die von Derrida markiert, so stimmen, darüber muß und kann man dann anhand von Derridas und Habermas‘ Text streiten und debattieren. Und in diesem Sinne bin ich in der Philosophie immer dafür, es konkret an der Sache und im Detail festzumachen oder wie Heidegger es einmal in einem Seminar sagte: „Geben sie Kleingeld!“

  30. Und noch ein Aspekt zu den Folgen, die Laermanns Text gezeitigt hat: In solchen Folgen liegt genau das Verhängnisvolle, wenn sich dadurch ein Vorurteil perpetuiert und weitergeflüstert wird wie bei „Stille Post“. Das Gerücht über „den“ Poststrukturalismus oder über Derrida und Lacan ist eben nicht der Poststrukturalismus in seinen ganz unterschiedlichen Ausfaltungen. Insofern muß man solche Texte eben als populistisch bezeichnen, zumal, wenn sie als Referenz auch noch gebraucht werden und sich niemand mehr die Mühe macht, mal kritisch nachzuhaken, ob das, was da im Text steht, denn überhaupt stimmt. Darin liegt das Verhängnis.

  31. „Die Hitze scheint Dir zuzusetzen. Vom ehemals alten Nörgler bleibt eine etwas traurige Gestalt. Nun gut.“
    Die Hitze setzt mir zu, und ich bin eine traurige Gestalt.

  32. Fragen, die wir nochmals stellen:
    Was war nochmal der Kern des Adornoarchivs?

  33. Die Logik der Sache ist nicht jederman Stärke. Macht aber nichts, wenn man konsequent am Thema vorbeinörgelt. Ansonsten verweise ich zur Auseinandersetzung auf meinen Kommentar vom 2. August 2018 um 21 Uhr 43.

  34. Am Tag, als der „Spiegel“ Tiedemanns Abrechnung mit Suhrkamp veröffentlichte – es war die Story über den Betrug an Benjamin – habe ich im Rundfunk ein Interview mit Tiedemann geführt. Ein paar Millionen Hörer konnten verfolgen, dass ich nicht der Feind TiedemaenÄußerungnns bin.

    Meine Einwände gegen Tiddi bezogen sich auf die Zeit ab Archiv. Tiedemanns
    Wirken und Verdienste davor und meine Äußerungen hierzu, können kaum ein Anlaß sein, meine Person zu beleidigen und herabzuwürdigen.

  35. Schwierig hier zu schreiben.
    „TiedemaenÄußerungnns“
    Das habe ich so nicht geschrieben.

  36. TiedemaenÄußerungnnsich

    Das war das System. Den Scheiß habe ich nicht getippt. Es springen auch ständig die Zeilen.

  37. „Meine Einwände gegen Tiddi bezogen sich auf die Zeit ab Archiv. Tiedemanns
    Wirken und Verdienste davor und meine Äußerungen hierzu, können kaum ein Anlaß sein, meine Person zu beleidigen und herabzuwürdigen.“

    Es geht um die Art und Weise Deiner Einwände. Wer hier in meinem Blog mit dem Holzhammer aufschlägt (siehe dazu die letzten drei Sätze Deines ersten Kommentars, die ich nicht nur wegen des Tones und des Bezugs auf meinen Text, sondern auch wegen des logischen Absolutheitsanspruchs „ist Null“ nicht teile, sondern im Gegenteil für verfehlt halte) und wer mir zudem etwas unterstellt, das nicht in meinem Text formuliert wurde, bekommt genau die Antwort, die er dann provoziert hat. Und mir ist da dann auch ganz gleich, ob es der geschätzte Nörgler oder jemand anders ist. Mich treibt die Sache. Und mich ärgern Bezüge, die in einen Text gelegt werden, die da nicht vorkommen. Du magst diesen in meinem Nachruf fehlenden Aspekt kritisieren: Nur legitimiert ein solches Fehlen nicht das Urteil „Der Tiedemann-Beitrag hierzu ist Null. Die Tiedemann-Eloge Bersarins ist es darum auch.“ Wie geschrieben: Über eine Sache nicht zu schreiben, heißt nicht sie zu goutieren und es heißt auch nicht, daß deshalb die übrigen Aspekte des Textes falsch sind – etwa Tiedemanns Leistungen in der Edition der Ästhetischen Theorie“. Was eine Aussage wie „ist null“ impliziert. Und ich wäre Dir dankbar gewesen, wenn Du Deine Einwände gegen Tiedemann hier in einer der Sache angemessenen Form dargeboten hättest.

    In meiner Antwort auf Deine ersten beiden Kommentare hatte ich versucht, eine abwägende Antwort zu geben. Daß Tiedemann Gödde und Lonitz die Arbeit machen ließ, will ich gerne glauben, wenn Du es hier so darstellst. Und daß der empirische Charakter eines Menschen aus vielen Facetten besteht: in diesem Falle nicht nur den guten, das mag so sein. In diesem Sinne sind mir Ergänzungen zu jenen Hinsichten, die ich im Text nannte, willkommen, sofern sie in einer angemessenen Form geboten werden. Und sofern es sich um schwerwiegende Anschuldigungen handelt, müssen diese auch belegt werden können. Das mag in solchen Fällen nicht immer leicht sein, aber ich möchte in solchen Fragen möglichst viele Seiten hören. (Tiedemann freilich kann man nun nicht mehr befragen.)

  38. Das Verzweifelte der Kultur besteht darin, daß sie Kultur nicht mehr sein kann.
    Wie soll ich jenen Satz, der von mir und nicht von Adorno stammt, noch prolongieren?

  39. Das Adorno-Archiv ist eine ‚Class of its own“. Wir haben es hier mit sehr zum Teil auch konfligfierenden Verhältnissen zu tun.

  40. Das sind Sätze, die ich teile. Ja! Insbesondere den Satz zur Kultur. Und wir beiden, als Kraus- und als Adorno-Leser wissen um dieses Verhängnis und ringen darum in der Sprache. Und was Du zum Adorno-Archiv schreibst, das glaube ich Dir aufs Wort. Von diesen Interna weiß ich in der Tat wenig. Und was Tiedemanns Texte und ihn als Person in der Causa Archiv betrifft: empirischer und idealischer Charakter weichen oft erheblich voneinander ab.

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