Die Tonspur zum Sonntag

Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs sind eine Band aus der schönen Stadt Hamburg, und es liegen ihre Zeiten, nicht aber ihre Texte wie eine Weile schon zurück. In tiefe, tiefe Vergangenheit gepackt und gezuckert und das ist: in Erinnerung gebettet und gepudert. Und versenkt. Ein nettes sonntägliches Lied hier wie heute übers Für- oder Beisichsein: Von Haus aus allein. Jeder Photograph und jeder schreibende Spaziergänger wird es wissen: es geht am besten allein, andererseits wollen wir auch nicht überdramatisieren und Beisichsein als Fetisch herausstellen, doch zum Bildermachen und beim Spazieren im Hain, über Wiesen, am Fluß, durch die Straßen einer Stadt oder an der See braucht es niemanden. Hamburgbilder im Kopf, Hamburgbilder im Video, Berlinphotos aus der Kamera: Berlin ist beileibe keine schöne Stadt und schöner ist es, wenn man aus ihr fort ist. Aber solch öde Orte wie Berlin laden zum Photographieren ein. Ablichten des Absonderlichen oder Toten.

Ein schönes Video begleitet diese Musik. All das ist lange her: die Zeit, die Musik in Hamburg und das Augehen und die Ereignisse, denen ich lieber als Zaungast beiwohnte und bis heute als Betrachter nur beiwohne, ohne mich irgendwo dazuzuschlagen oder zu engagieren.

Traumgänge eines Photographen zur Zeitumstellung: Genau auf den Punkt als am Leipziger Hauptbahnhof die tschechischen Neonazi-Biker unter großem Hallo zum großen Naziaufmarsch einreiten und die Polizei in ungemütliche Alarmbereitschaft gerät, als es also dramatisch zu werden droht und eine Situation eskaliert, muß ich aus diesem herrlichen Traum aufwachen, weil draußen im Garten die Vögel tirilieren.

Es waren schöne Bilder, ich hätte gerne eines meiner Photos, die ich aus den Polizeiketten heraus im Traum schoß, hier eingestellt, um zu zeigen, wie aufregend und dramatisch die Sache war. Aber Träume lassen sich nicht photographieren. Die Stimmung, die Gegendemonstranten, deren Protest-Rufe, die Anreise der Nazis mit der Bahn, die Blockaden. Ein spannender Photographen-Traum. Auch dort wieder allein und ungesellig durch die verschiedenen Menschengruppen gestreift. Von Polizisten, Gegendemonstranten und Nazi-Demonstranten mißtrauisch beäugt.

4 Gedanken zu „Die Tonspur zum Sonntag

  1. Als Träumer/Schläfer warst Du doch auch in einer Art Dunkelkammer, der Dunkelkammer hinter den Lidern. Die Bilder, die sich dort entwickeln, ausbreiten und mischen, lassen sich jedoch nicht fixieren, sondern allenfalls erzählen, und da sie stets im Fluss sind, ist dies ein nicht endender Prozess der Annäherung und Auslegung durch Worte.

  2. In der Tat: in diesem Sinne eine besondere dunkle Kammer, nämlich die Schlafkammer. Fluide Bilder und Gehirnströme.

  3. @ Uwe u. Bersarin

    Chapeau!

    Alles fließt

    Der Traum als Dunkelkammer ist – ich sag das als einer, der in der wirklichen fotografischen Dunkelkammer viel (und Beglückendes) erlebt hat, eine großartige Metapher. Nicht zu überschätzen. Sogar das Fluide, Bersarin passt hier ganz genau, nicht zuletzt wegen Entwickler- und Fixierer- und Stoppbad — – – Flüssigkeiten.

  4. So ist es. Ich bin selbst oder war lange Zeit ein Bewohner der Dunkelkammer und habe per Hand abgezogen. Eine wunderbare Zeit. Und inzwischen überlege ich auch, das Digitale zu reduzieren und wieder diese Kammer mir einzurichten. Ein Zehnerpack Kodak Tmax liegt hier schon und die Nikon F3 ist eh immer bereit.

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