Der Reim als die gesetzmäßige Wiederkehr eines ähnlichen Geräusches. Zum Welttag der Poesie: Friedrich Schlegel

„Der Reim selbst scheint ein Kennzeichen dieser ursprünglichen Künstlichkeit unsrer ästhetischen Bildung. Zwar kann vielleicht das Vergnügen an der gesetzmäßigen Wiederkehr eines ähnlichen Geräusches in der Natur des menschlichen Gefühlsvermögens selbst gegründet sein. Jeder Laut eines lebenden Wesens hat seinen eigentümlichen Sinn, und auch die Gleichartigkeit mehrerer Laute ist nicht bedeutungslos. Wie der einzelne Laut den vorübergehenden Zustand, so bezeichnet sie die beharrliche Eigentümlichkeit. Sie ist die tönende Charakteristik, das musikalische Portrait einer individuellen Organisation. So wiederholen viele Tierarten stets dasselbe Geräusch, gleichsam um der Welt ihre Identität bekannt zu machen – sie reimen.“ (Friedrich Schlegel: Über das Studium der griechischen Poesie)

Konventionen bilden sich aus und sie verschwinden wieder, langsam, peu à peu, sie transformieren sich, bilden sich um, sie hängen aber auch, was Rhythmus und Reim betrifft, an der Sprache selbst. Wir werden bekanntlich Gott nicht los, weil wir die Grammatik nicht loswerden, so Nietzsche. Grammtik jedoch per ordre du mufti wegzuzwingen, funktioniert noch viel weniger.

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