Flaneure mit System. Zu Peter Handkes 75. und Niklas Luhmanns 90. Geburtstag

„Die Essenz des fiktionalen Schreibens ist die Isolation.“ So sagte es der US-amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen in einem Interview mit der NZZ. Ebenfalls, so möchte ich ergänzen, ist die Bedingung für wissenschaftliches Schreiben die Abgeschiedenheit. Hegelianisch gedacht ein reines Für-sich-sein. Doch kein Schreiben, kein Denken ohne Dialektik: um der Welthaltigkeit einer Theorie und um der Fähigkeit zur Erfahrung willen muß sich der Denker zur Welt öffnen. Die fensterlose Monade mag Resultat der Theorie sein, aber nicht ihr Ideal und schon gar nicht deren Voraussetzung im Denkprozeß. Hegel im übrigen war ein ausnehmend geselliger Geist und in solcher Geselligkeit kann sich das Denken prägen und entfalten, vor allem aber stößt es auch auf den Widerpart. Gedanken verflüssigen sich in den Gesprächen, im zweisamen Flanieren manchmal sogar, wenn man, wie es so schön heißt, über Gott und die Welt und die verschiedenen Theorien der Philosophen spricht.  Zwischen Freiheit und Systemzwang, zwischen Eros der Erkenntnis und einer blonden Haarsträhne.

Wie es der Soziologe und Systemtheoretiker Niklas Luhmann in der Frage des geselligen Austausches hielt, ist mir nicht bekannt. Er lebte eher zurückgezogen und folgte einem intensiven Schreib- und Arbeitsrhythmus, wie man dem Luhmann-Interview „Biographie, Attitüden, Zettelkasten“ in dem Merve-Gesprächsband „Archimedes und wir“ entnehmen kann. [Wer es eher persönlich und aus dem Nähkästchen geplaudert mag, wähle sich die drei Gesprächs- und Interviewbücher mit Luhmann, die im Kadmos Kulturverlag erschienen sind, um dem Systemtheoretiker sich zu nähern – ein weiteres Buch mit dem Titel „Niveau, wozu, wieso, Herr Luhmann? Problemorientierte Gespräche mit Niklas Luhmann“ erscheint im Oktober 2018.]

Geselligkeit also. Angeblich soll Luhmann mit Habermas Pingpong gespielt haben. Trotz jener hart geführten Kontroverse zwischen System- und Kommunikationstheorie. Eine legendäre Fehde, die die beiden so unterschiedlichen Denker Anfang der 70er Jahre austrugen, nachzulesen in jenem Band aus der „Theorie“-Reihe im Suhrkamp Verlag: „Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie – Was leistet die Systemforschung?“. Weltreduktion gegen Vielfalt und Erfahrungsbegriff. Theorie gegen Theorie, Konzept gegen Design, kritische Beschreibung gegen Konstruktivismus:

„Die soziale Kontingenz sinnhaften Erlebens ist nichts anderes als ein Aspekt jener unermeßlichen Weltkomplexität, die durch Systembildung reduziert werden muß.“

So Luhmann in jenem Band. Lebenswelt gegen Systemwelt. Beides hat methodisch und im Erfahrungsreflex etwas für sich. Ich denke diese Aspekte nicht in der Logik des Entweder-Oder. Und insofern kann man auch die ansonsten unterschiedlichen Denker und Autoren Handke und Luhmann in eine Konstellation bringen. Theorien sind Versuche.

Ähnlich auch Peter Handke, wenngleich, folgt man dem kürzlich gesendeten Fernsehportrait und den Handke-Interviews, deutlich ungesellig: Jener einsame Flaneur, mit seiner Behausung in der „Niemandsbucht“ nahe Paris. Ein Seinsbezirk mit Garten, verwunschenem Haus, mit Schreibzeug und Bleistift, von dem aus der Dichter seine Spaziergänge startet, von wo aus er die Welt um sich herum erkundet. Ein ausgedehntes Spazieren, von den Rändern der Stadt – diese Peripherie als System und Grenze spielt übrigens ebenfalls, seltsame und eher unfreiwillige Parallele, in Shumona Sinhas Roman Erschlagt die Armen! eine Rolle. Und bei Luhmann sowieso, wenn es in seinem Grundlagenbuch „Soziale Systeme“ um die Grenze zwischen System und Umwelt ging. Nur ist das kein Spaziergang.

In Handkes Roman „Der Große Fall“ spaziert ein Mann, von dem der Erzähler dieser Geschichte berichtet, genauer gesagt, ein Schauspieler, vom Rand der Stadt hin zum Zentrum. Betrachtet, schaut, wie der Rand in die Stadt verfließt, was sich tut auf den Straßen, im Wald, im Park. Die Vorstadtregionen sind es, wo Landschaft und Stadt, Natur und Menschenwelt in eine Berührung geraten, sich ineinander verstricken. Der Autor beobachtet dies, aber es ist (meist) eine Beobachtung erster Ordnung: bei den Dingen selbst zu sein, sie in ihrer schönen Unerbittlichkeit aufzufassen, aufzuheben in die Literatur. Handke ist ein Phänomenologe des Dinglichen, einer freilich, der mit Poesie begabt ist.

„Mein Lebtag lang hat mir die Unnahbarkeit der Welt, ihre Unfaßbarkeit und Unzulänglichkeit, mein von ihr Ausgeschlossensein, am schmerzlichsten zugesetzt. Das ist mein Grundproblem gewesen. Ein Dazugehören, Teilhaben, Mitwirken war so selten, daß es ein jedes Mal ein großer Augenblick für mich wurde, zudem überlieferungswert. Das Weltwerden jeweils der Welt, der friedfertigen, das Biegen, Sicherstrecken, Farbwerden, der Natur wie der Zivilisation, war nicht nur Ereignis, sondern auch Moment von Erkenntnis: mit dieser Erkenntnis gäbe es keinen Krieg.“ (P. Handke, Mein Jahr in der Niemandsbucht. Ein Märchen aus den neuen Zeiten)

Handkes Suche nach solchen Augenblicken. Literatur weist auch auf jenen Nicht-Ort, aufs Utopische nämlich. Das freilich unterscheidet Handke vom Skeptiker Luhmann, dem das Singen von der Schönheit der Welt lediglich ein Effekt der Kunst in der Moderne ist, auf alle Fälle einer systemtheoretischen Betrachtung wert, was bedeutet, nach der Funktion dieser Neigung zu fragen, und zwar unter den Bedingungen funktionaler Ausdifferenzierung: „Die Kunst der Gesellschaft“ ist eben keine Ästhetik, sondern eine soziologische Beschreibung.

Niklas Luhmanns 90er Geburtstag (inzwischen gestorben, nämlich am 6. November 1998) und Peter Handke, der Dichter, mit 75 Jahren noch am Leben und produktiv. Seltsames Band zwischen beiden. In einem einzigen Text kaum unterzubringen. Aber es reizen die Gegensätze und darin etwas zu entdecken, was verbindet.

Hinausgehen ins Unentdeckte, sich übersteigen, Disziplin in der Arbeit und jene Stetigkeit im Tageslauf. Handkes wunderbare Prosa, die auf den Moment zugeschnitten ist, berichtet von solchen Szenen, vom Alltäglichen und von der Arbeit des Schriftstellers im Besonderen, folgt ihm in den Nachmittag hinein. Den einen geglückten Tag zu suchen, um dabei – Beobachtung zweiter Ordnung – doch irgendwie das Schreiben selbst als Akt in den Blick zu bringen:

„Wann, anstelle des unendlichen Zickzacks draußen an der Peripherie, des zittrigen Grenzziehens an einer um so leerer wirkenden Sache, setzt du endlich, Satz für Satz, zu dem so leich-wie-scharfen Schnitt, durch das Wirrwarr in medias res, an, damit dein obskurer ‚geglückter Tag‘ beginnen kann, sich zu der Allgemeinheit einer Form zu lichten?“ (P. Handke, Versuch über den geglückten Tag)

„Ich habe von dem geglückten Tag keine einzelne Vorstellung, keine einzige. Es gibt allein die Idee, und das läßt mich auch fast verzweifeln, einen erkennbaren Umriß ins Bild zu rücken, das Muster durchschimmern zu machen, die ursprüngliche Leuchtspur nachzuziehen – von meinem Tag, wie ich es mir doch eingangs ersehnte, einfach und rein zu erzählen. Indem nichts als die Idee da ist, kann das Erzählen nur handeln von ebendieser Idee. ‚Ich möchte dir eine Idee erzählen.‘ Aber eine Idee – wie ist sie erzählbar?“ (P. Handke, Versuch über den geglückten Tag)

Diese Prosa umkreist, sie sucht und versucht die Sprache, schreitet, von Schwelle zu Schwelle, der Schriftsteller ist ein Schwellenkundiger, so Handke, und trägt zugleich Scheu vor der Schwelle. Diese Scheu, diese Furcht macht die Sprachkraft des Dichters aus, weil er imstande ist, diese Schwelle zu denken. Von ihr zu schreiben. Und so spaziert der Dichter entlang den Waldwegen, bis in die Pilze hinein.

Dem Theoretiker und dem Flaneur ist die Lust am Beobachten und am Entdecken gemeinsam – bis in die intimsten Regungen hinein:

„Das Leitsymbol, das die Themenstruktur des Mediums Liebe organisiert, heißt zunächst ‚Passion‘, und Passion drückt aus, daß man etwas erleidet, woran man nichts ändern und wofür man keine Rechenschaft geben kann. Andere Bilder mit zum Teil sehr alter Tradition haben den gleichen Symbolwert – so wenn man sagt, Liebe sei eine Art Krankheit; Liebe sei Wahnsinn, folie à deux; Liebe lege in Ketten. In weiteren Wendungen kann es heißen: Liebe sei ein Mysterium, sei ein Wunder, lasse sich nicht erklären und nicht begründen usw. All dies verweist auf ein Ausscheren aus der normalen sozialen Kontrolle, das aber von der Gesellschaft nach einer Art Krankheit toleriert und mit der Zuweisung einer Sonderrolle honoriert wird.“ (N. Luhmann, Liebe als Passion)

„Die angestrengte Beobachtung des anderen auf jedes Zeichen hin, das er (absichtlich oder unabsichtlich) gibt als Hinweis auf eine Möglichkeit, ihm ein Zeichen der Liebe zu geben, gehört zu den wichtigsten Vorschriften der klassischen Liebesemantik. Die dem zu Grunde liegende Einsicht lautet, daß nur kontinuierliche Aufmerksamkeit und Dauerhandlungsbereitschaft im Blick auf den anderen wirklich Liebe zu symbolisieren vermögen.“ (N. Luhmann, Liebe als Passion)

Das Wagnis Liebe, so Luhmann, erfordert eine tradierte Semantik, auf die sich die Liebenden – unbewußt und ungewußt – stützen können, sonst geschieht es nicht. Kein Ereignis ohne Semantik. Funktional, aber in der Theorie doch luzid und präzise, beschreibt Luhmann diese Irrungen und Wirrungen, die doch – für die Liebenden freilich unbewußt – einer Ordnung der Welt unterliegen. Liebe geschieht. Aber nach Regeln. Für die kostbare Poesie und die Ausdichtung dieses feinen Verhältnisses sind freilich andere zuständig, nicht mehr der statuarisch beobachtende Systemtheoretiker. Die Poesie der Liebe schreibt der Systemtheoretiker in kühler Prosa des Alltags als Verhältnis mit Systemzwang. Zwischen Zettelkasten, Schreibtisch und Mittagsessen. Doch die Haltung des Erzählers und die des Theoretikers ähneln sich insofern, weil sie den offenen Blick erfordern – das verbindet sie. Insbesondere einen derart intensiven Betrachter und Spaziergänger wie Handke.

Man kann in der Theorie wie auch in der Prosa flanieren.

„Endlich nur noch draußen, bei den Dingen, zu sein, das war eine Art von Begeisterung; es war, als wölbten sich dabei die Augenbrauen. Ja, den Namen los zu sein, begeisterte; man schien dadurch, wie der legendäre chinesische Maler, verschwunden im Bild …“ (Handke, Nachmittag eines Schriftstellers)

Nicht anders löst sich das Subjekt in der Systemtheorie auf.

12 Gedanken zu „Flaneure mit System. Zu Peter Handkes 75. und Niklas Luhmanns 90. Geburtstag

  1. Ok, ich hatte ein wenig Mühe mit dem Zusammenhang. Außerdem habbich wahrscheinlich eine Handke-Überdosis abbekommen. Das Pilz-Buch blieb – vielleicht deshalb – halb ungelesen.

    Sein Baumschattenwand-Buch – wie so viele andere seiner ähnlichen Texte hat sehr schöne Passagen und las sich gut. Drei dieser Tagebücher habich sehr gerne gelesen.

    Von den Zitaten oben sind – welch Wunder, diejenigen die imposanten, die diese Biegung der Dinge gegen einen selbst, diese Momente des Verbundenseins hervorheben. Ich bin schon auch ein wenig neben mir selbst hergegangen heute, als ich an einem grandiosen Wintermorgen (Sonne, klares Licht, viel Reif und Kristalle, jenseitige Reflexionen, Wassertropfen, schleimige, sehr vielfältig grüne z. B. Algenteppiche in einem moorigen Gebiet) durch die Konstanzer Peripherie striff. Man verlässt die reflexionsfreie Schutzhülle und – steht prompt – neben sich – – dann sucht man sie wieder auf. Es war nicht perfekt, weil ich später noch etwas anderes tun musste, sowas stört im Hinterkopf. Aber es gab viel zu sehen und erleben.

    Luhmann über die Liebe fand ich vor Jahren, als es rauskam, völlig uninteresant und forciert. Ich mag es nicht, wenn Autoren per Willensakt in ein Thema gelangen. Mir fehlt da die Anmut und die Eleganz und die Überraschung. Es muss das Buch aber deswegen nicht unergiebig sein.

    Sein Hinweis auf die System/Subsystem-Spannung ist nur zu berechtigt. Luhmannianer, die dieses Feld beackern, können interessante Gesprächspartner sein.

    Enzensberger hat wohl – wie Goethe Kant – für den Hausgebrauch Luhmann gelesen und (wie Goehte…) die allerschönsten Wirkungen damit erzielt. „Mittelmaß und Wahn“ und „Zickzack“ und „Die Furie des Verschwindens“ – drei großartige Bücher, verdanken Luhmann sicherlich einiges. Aber Enzensberger ist da schon sehr lässig – sehr nahe an Goethe in der Art, wie er sich auf Luhmann bezieht. Außerdem ist da der Einfluss von Karl Markus Michel zu spüren, der sich etwa um diese Zeit herum in extenso mit den Kirchenvätern und Plotin, Occam und all solchen Geistern einließ.

    An sich hat Habermas die Causa Luhmann für die Nachwelt ganz gut auseinandergelegt.

    Der ketzerischste Gedanke zu Luhmann scheint mir der zu sein, dass er a) der Subjekt-Philosophie verhaftet blieb und b) etwas Wichtiges sagte, dass nämlich komplexe Systeme Eigengesetzlichkeiten hervorbringen, was aber andererseits – – – schon auch sehr auf der Hand liegen kann (für mich z. B. lagen diese Dinge sehr auf der Hand).
    ((Es hängt der Sinn, wenn man so will, eines Autors ja auch daran, welche Dinge von einer hinreichend großen Zahl seiner Zeitgenossen nicht gut gesehen (verstanden) werden können. Ein solches Publikum für Luhmanns kalte Duschen gab und gibt es, und das tummelt sich insgesamt sicherlich auf einem bedeutsamen und auch achtbaren/ fruchtbaren Feld)).

    (Gleichzeitig kommt mir das alles ein wenig schal vor – ichab vorhin bei Danisch reingeschaut, und er beackert in einem furiosen Post die Bildung insbesondere unserer Unterschicht. Und das liegt soweit weiter vorne in meinem Kopf, dass ich das da oben von ganz allein wohl nicht geschrieben hätte. Es zischte mir so ca. durch den Kopf, als ich Ihren Artikel las, das wohl – aber ich hätte es nicht geschrieben, weil die Danisch-Geschichte soviel weiter vorne liegt in meinem Kopf, wie ich finde.

    Unter anderem hat Danisch heute im Berliner Radio nebenbei das Wort „unbeschulbar“ aufgeschnappt, das wohl mittlerweile gut eingeführt ist in dieser Stadt und eine Klasse von Schülern bezeichnet, offenbar, – mit der die Schulverwaltung und die angeschlossene Öffentlichkeit nun eben hantiert: System und Subsystem… Aber lustig ist das nicht, auch nicht Danischs Blick ins idyllische Saarbrücken in dieser Sache.

    Zunächst meine ich in solchen Fällen, das müsste alle beschäftigen, dann denke ich wieder – oh, vielleicht ist es gut, dass derlei nicht alle beschäftigt, dann wird es nicht so zerredet…

    Aber das ist nur ein Teilgedanke. Der Hauptgedanke ist: Das sind eigentlich die Hammer-Nachrichten. Nichts davon wird morgen im Perlentaucher stehen. Nichts in der Süddeutschen. Nichts in der FAZ, bin ich fast sicher – aber Hadmut Danisch hat es heute gehabt. Chapeau!

  2. Hadmut Danisch. Aus dieser Ecke also weht der Wind. Dass Sie den hier überhaupt erwähnen, kommt einer Beleidigung für AISTHESIS gleich.

  3. Dieter Kief, es geht ja nicht darum, daß von einem Schriftsteller und von einem Theoretiker alles gelungen und hervorragend ist. Auch Handke hat schwächere und stärkere Texte – wie eigentlich jeder Künstler. Handke aber ist einer

    Das kurze Buch über die Liebe ist eine gute Einführung in Luhmanns Denken, insofern sollte man es in der Reihe nicht nach hinten stellen, sondern im Eingangsbereich: Für jene, die beginnen, sich mit Luhmann zu befassen. Anderes Gewicht hat dagegen schon Luhmanns „Liebe als Passion“. Wie es bei Theorien ist, so haben sie ihre Zeit und ihre Geschichte.

    Luhmann geht es nicht darum, die Subjektposition in einer écriture automatique oder in einem poststrukturalen Strudel aufzulösen. Insofern ist der Maßstab, den Sie bei Luhmann anlegen ein solcher, der nichts mit Luhmann zu tun hat. Qua Beobachter zweiter Ordnung usw. ist natürlich das Subjekt in Theorie involviert. Wir sind keine Computer. Aber um soziale Strukturen und Begriffe des Sozialen zu beschreiben, sind in Luhmanns Diktion eben keine Subjekte, mit so-und-so gearteten psychischen Strukturen, Eigenschaften etc. erforderlich. Interessant wird es da insbesondere, wenn Luhmann sich, so in „Protest“ und „Ökologische Kommunikation“ mit den neuen sozialen Bewegungen auseinandersetzt. Hier kann man fragen, ob nicht solche Proteste ganz wesentlich auch an charismatische Figuren (Weber, Weber!) gebunden sind, um im marxistischen-zizekschen-Lefèbreschem Sinne ein Ereignis adäquat hervorzubringen.

    Danisch hin oder her, das läuft doch alles ein wenig komplexer. Zufrieden bin ich mit der föderalen Bildungspolitik auch nicht. Mit Luhmannschen Termini kann man hier sicherlich qua jener Ausdifferenzierung und der Eigendynamik von Systemen einiges erklären. Und im Luhmannschen Sinne könnte man sagen: das wächst sich evolutionär-systemimmanent auch wieder zurecht. Aber damit ist es natürlich nicht getan. Das ist lediglich ein Aspekt. Hier ein ordentliches Curriculum aufzubauen und eine Schulform zu finden, die dem Lernen und Verstehen angemessen ist, dürfte schwierig sein. Ich stehe in diesen Fragen vermutlich eher auf der Seite von Habermas und Adorno. Erziehung zur Mündigkeit ist – leider und zugleich zum Glück – ein schwieriger Prozeß, der sich nicht in Verfügbarkeiten äußert, sondern in Anstrengung. Hier haben wir allerdings auch das Problem einer spätmodernen Arbeits- und Industriegesellschaft, der die einfachen Arbeiten wie Schauerleute im Hafen, Lagerarbeiter ausgehen.

    Bei Nachrichten ist es immer eine Frage der Auswahl. Sooo laut hat es sich natürlich nicht herumgesprochen, daß es in Schweden brodelt. Bei der Ukraine-Krise verschwieg die „Tagesschau“ wohlweißlich, daß bei den Assoziationsabkommen eben auch militärische Abkommen eine große Rolle spielten. Hätte man das alles mitberichtet, wären die Reaktione Putins und möglicherweise sogar die völkerrechtswidrige Annexion der Krim in einem anderen Licht erschienen. (Nicht anders als die von den Israelis zu recht besetzten Golan-Höhen.) Um wieder auf Luhmann zurückzukommen: Die Stärke seiner Theorie liegt darin, daß er all diese Phänomene funktional beschreiben kann: Und zwar nicht in dem Sinne zu sagen: die Massenmedien lügen!, sondern Luhmann zeigt, weshalb sie so berichten und weshalb Medien in den Nachrichten ausdifferenzieren müssen, wie sie es tun. Das ist ganz sicher nicht die einzige Art und Weise, sich einem Phänomen zu nähern. Aber im Sinne des Unaufgeregten und Kalten ist es nicht uninteressant und ein Aspekt in einer mulitperspektivischen Sicht. Und nichts anderes ist ja auch die Dialektik nicht: Eine Vielzahl von Perspektiven. Diese gilt es dann zu vermitteln und auszuloten. (Müßte man prüfen, ob Luhmann auch in diesem Sinne ein Hegelianer ist.)

  4. Es war für mich über die Jahrzehnte interessant zu beobachten, wie recht Luhmann hatte, indem er die System/Komplexitäts-Exerzitien durchführte. Ich sah immer wieder absolut zurechnungsfähige Resonanz auf seine Arbeiten. Es ist ja Hegel nicht der erste Systematiker, aber vielleicht der einflussreichste, weltweit, bis hin zu Fukuyama.

    Es ist also am Denken in Zusammenhängen unbedingt etwas daran. Der listige und charmante alte Hans-Georg Gadamer sagte manchmal, wenn er eigentlich Hegeln zu verteidigen im Schilde führte, um seinen Zuhörern via captatio benevolentiae auf halbem Wege entgegenzukommen: Analyse (=der Frankfurter Weg…) ja: Aber: Nicht auf Kosten der Synthese, bitte. Er sagte das gerne in den sehr schlichten, aber oft (gerade deshalb?!) überaus wirksamen (manchmal, ich habe das erlebt: Gerdezu beaubernden) Worten: Man müsse bitte auch das „Zusammensehen“ (=die Synthese) – üben/lernen/pflegen/ achten…

    Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine, fünf wirklich interessante Bücher von Handke gelesen zu haben. Der Großroman „Mein Jahr in der Niemandsbucht“ ist der unsichere eventuelle sechste Kandidat. Und ich finde, dass das viel ist. Ich schätze und bewundere Handke. Bei Luhmann ist das anders, ganz anders, weil mich seine Bücher indirekt überzeugt haben: Also über die enorme Wirkung seiner mir oft sehr plausible erscheinenden Rezepetion (s. o.).

    Der Einwand, Luhmann sei – wie ja auch Hegel, klar, der Subjektphilosophie verhaftet, beinhaltet die Feststellung, dass Luhmann sich in Aporien verstrickt, die sich aus anderer philosophischer Perspektive auflösen lassen.

    Sie dürfen versichert sein, dass ich mir diese Erkenntnisse in keiner Weise anmasse, sondern dass ich hier nur Mitfahrer – oder Beifahrer – Kopilot oder sowas bin – naja: Als Leser der Theorie des Kommunikativen Handelns, der Abhandlung über den Philosophischen Diskurs der Moderne und – nicht zu vergessen der Rechtstheorie unter dem Titel Die Einbeziehung des Anderen.
    Für den späten Habermas von z. B. Nachmetaphysisches Denken II wird Luhmann aber weniger und weniger zum Gegenstand. Das könnte mit dem Alter zu tun haben und mit Habermas‘ wie ich finde ganz richtiger Einschätzung, er habe den Kasus in früheren Werken erschöpfend behandelt.

    By and large entnehme ich – auf weiter oben schon besungenen Schultern balancierend, für meinen „Hausgebrauch“ das da mit: Systeme haben ihren (eigen)Sinn, und sind deshalb dem einfachen Meinen oder der schlichten Dezision besser nicht unterzuordnen/auszusetzen. Und auch Systeme können – das ist der Adornitische Aspekt – nicht allein technisch, sondern halt auch moralisch subkomplex sein, um es ein wenig herzlos auszudrücken.
    By and large 2: Ach – auch das schöne System kann sterben / scheitern/ zerfallen und stellt keine absolute Versicherung gegen das Scheitern dar (Luhmann war – haben nicht Sie es auch angesprochen, ein leidenschaftlicher Theoretiker des Subsystems des Versicherungswesens. Ich habe einmal erlebt, wie er so einen kompletten Soziologentag tagelang indirekt und subkutan – – informierte. Das war wirklich imposant – auch im Hinblick auf – – – Max Webers Überlegungen).

    Schließen möchte ich mit der Bemerkung, dass auch in der Luhmann-Rezeption eine spezifische Art des Sinnmangels (=der Entfremdung), des Sinnverlusts (= des Phantomschmerzes der Säkularisierung (der u. a. als Walserscher Mangel erscheinenden „metaphysischen Obdachlosigkeit“) waltet.
    Nietzsche hat das schon gesehen, und Walser erkennt das von Herzen gern an, übrigens – ich zitiere – aber jetzt aus dem Kopf, kann ein wenig verwackelt sein: Nur als ästhetisches lässt sich das Dasein noch rechtfertigen – so in der Art etwas lauert auch bei Luhmannn, selbst wenn die Systeme perfekt laufen – zumindest an deren Rand.

    Dass die Berliner Schulverwaltung jetzt eine neue Kategorie aus der Taufe hebt – nämlich die Gruppe der „Unbeschulbaren“, scheint mir darauf hinzudeuten, dass man einen bis anhin zentralen Baustein des Bildungs-wesens (-systems…) ganz umstandslos preisgibt. Die Erziehung zur Mündigkeit wurde als universalisierbarer Grundsatz (als konstitutives systemisches Regulativ) betrachtet – mit wieviel Idealisierungsanteilen auch immer. Das hat man nun offenbar, und wie zu fürchten ist: Notgedrungen – – kassiert.

    Wenn das richtig ist so, findet an einer leider nur z u erwartbaren Stelle (cf. Ellen Packer, „Letter from Baltimore“ auf unz.com, cf, Paul Collier, cf. MelusineB hier auf dem Blog, cf, Charles Murray Coming Apart – aber auch mit der Optik eines Praktikers wie Heinz Buschkowsky gesehen: Findet also, sage ich mit Blick auf all‘ diese wirklich achtbaren Leute und die Ergebnisse ihrer Arbeit, an einer leider schon lange ausgemarchten Sollbruchstelle eine Überdehnung (=Überlastung) unseres Bildungssystems statt.

    Wir seien, meine ich, Zeuge eines Vorgang von erheblicher Tragweite, nämlich die sprachlich/kategorial bereits vollzogene („Unbildbare“) Zurücknahme des als wie gesagt bis anhin als universalisierbar angesehenen Ideals der Erziehung zur Mündigkeit.
    Der Lichtblicke sind wenige. Einer davon ist Regina Mönch in der FAZ. Ich hoffe, dass ich mich nicht anhöre wie einer, der nachts im Wald pfeift. Falls doch, müsste ich das wohl auf meine Kappe nehmen.

  5. Völlig richtig ist es auf die Synthesen zu verweisen. (Gerne auch mit Gadamer, wobei ich mich nicht gerade als sein Fan oute.) Nur bleibt halt, mit Adorno dann negativ-dialektisch gedacht, die Frage, ob diese immer möglich sind. Daher mag dann auch das riesige Mißverständnis, das Aneinandervorbeidenken seinerzeit zwischen Derrida und Gadamer herrühren. (In jenem Text zur Macht des guten Willen oder zum guten Willen der Macht. Nachzulesen in „Text und Interpretation“)

    Der spätere, mittlere Habermas hat sich in der Tat in seiner Theorie von den Begriffen der Kommunikation weg- und hin zu Fragen der Diskursethik und sodann zur Organisation rationaler Diskurse hinbewegt. Von der Diskursethetik zu einer Art Rechtsphilosophie, worin dann bei diesem veränderten Theoriegerüst kaum noch und sinnvoll Platz für die Auseinandersetzung mit Luhmann ist. In den Auseinandersetzungen zwischen beiden bis in die Mitte der 80er ist dann ja auch alles gesagt. Beide Denker sind – das sehe ich ebenso wie Sie – für sich genommen interessant. Ich halte nichts von der Entweder-Oder-Logik. Und beide Denker haben zugleich in ihren Systemen ihre „Schwächen“ oder eben Aspekte, die man dialektisch aufheben muß. Das ist dann die Arbeit im Detail. (Was mich daran erinnert, heute einfach nochmal „Die normativen Gehalte der Moderne“ aus dem philosophischen Diskurs der Moderne zu lesen.

    Das Nietzsche-Zitat ist weitgehend richtig. Aus der „Geburt der Tragödie“ stammt es bekanntlich, also früher Nietzsche. Ja, und da sind wir also auch wieder beim früh-mittleren Georg Lukács und seiner „Theorie des Romans“, worin ja jene Wendung von der „transzendentalen Obdachlosigkeit“ von der Wort- bzw. Sprachform her ihren Ursprung hatte. Und das färbte noch mächtig auf Bloch, auf Benjamin und auf Adorno. Ach, gute alte Zeit, als es noch diese Art von Obdachlosigkeit gab.

    Die Melancholie der Theorie mitzudenken: das ist ja sowieso mein Dauerprojekt. (Ob das und wie das auch mit Luhmann geht, dazu müßte ich mal wieder in seine Texte steigen. Vielleicht eher in die Nebentexte. Aber selten zu finden dort wie in den Hauptwerken: der untröstliche Ton. Sondern meist Systemzwang. Schön vielleicht und mit ein wenig Wehmut in „Liebe als Passion“. Es ist ein gutes Buch!)

    Was das Schulische betrifft, teile ich Ihre Sicht. Und ich kenne hier in Berlin ebenfalls Lehrer, die still verzweifeln. Und sich nicht trauen, etwas zu sagen: denn das herrschende Narrativ, das einem hier in diesem grün-sozialdemokratischen Milieu schnell übergestülpt wird: Rechtsextrem oder in der harmlosen Variante: „Man dürfe diesen rechten Diskursen keine Andockpunkte liefern.“ Was für ein Wahnsinn! Sich wegducken vor Problemen. Nur fällt das am Ende den notorisch Guten leider auf die eigenen Füße.

  6. @Bersarin, dass Sie Lehrer kennen, die still verzweifeln, wundert mich nicht. Die Verzweiflung hat ja den nachvollziehbaren Grund in der finanziellen Ausstattung des Schulwesens, wie schließlich auch Melusine Barby, als unmittelbar davon betroffen, kompetent dargelegt hatte – das Leben im verordneten Wolkenkuckucksheim ist recht unbequem. Für mich steht der Ausdruck „Sollbruchstelle“ für systematisch angelegte Beschädigung des Bildungswesen qua durchgesetzter Ressourcenaustrocknung. Was ja auch geradezu logisch ist. Wer kann, bringt seine Kinder in Privatschulen unter.

    Mit dem Zitat „Man dürfe diesen rechten Diskursen keine Andockpunkte liefern.“ verweisen Sie auf einen wesentlichen Angelpunkt linker Diskursverweigerung. Ins Wort gegossen: „Querfront“. Das Bedürfnis, mit den Rechten nicht in Verbindung gebracht werden zu wollen, reicht nicht zu als Strategie der Linken. Bei allem Verständnis für die aus meiner Sicht immer noch bewältigbaren Verwerfungen, die mit dem Einzug fremder Kultureigenheiten einhergehen, werden wir uns nachdenkend dem Propagandabegriff „Querfront“ und dessen Wirkung aufmerksam zuwenden müssen. Der Begriff verhindert äußerst effektiv, dass im Bildungswesen über die bekannten gegensätzlichen Sichtweisen verhandelt wird: „Unterricht ist, wie er ist – das Verhalten der Schülerinnen und Schüler entscheidet darüber, ob er gelingt.“ versus „Die Schüler sind, wie sie sind – die Unterrichtsgestaltung entscheidet darüber, ob Lernen gelingt“ (Kap. 2.2.1 und 2.2.2. in „wissenschaftliche Begleitung der Pilotphase Gemeinschaftsschule Berlin, Anlage zum Bericht Ende 2013: qualitative Fallstudien“). Asylpolitik ist davon allerdings ganz besonders betroffen.

    Die Rechten haben es einfach. Sie phantasieren zu gemachten Beobachtungen von irrationalen Zusammenhängen und leiten daraus politische Handlungsanweisungen ab – und siehe, sie werden an die Macht gewählt (hierzulande ist heute eine, mit fast Zweidrittelmehrheit ausgestattet, stramme Rechtsregierungskoalition angelobt worden). Die Linken machen es sich einfach. Sie konzentrieren sich darauf, den Rechten moralische Mangelhaftigkeit umzuhängen. Der Mühe der Recherche, des sachgerechten Befundes, der sauberen Analyse und – vor allem – der verständlichen nachvollziehbaren Kommunikation will sich die Linke nicht unterziehen. Konsequenterweise versinkt sie stetig in politischer Bedeutungslosigkeit. Für alle anderen, die solche Arbeit auf individueller Ebene durchaus leisten (sie werden, auch aus Verzweiflung, mehr und mehr), hat das höchstes Ermüdungspotenzial.

    „Dass die Berliner Schulverwaltung jetzt eine neue Kategorie aus der Taufe hebt – nämlich die Gruppe der „Unbeschulbaren“, scheint mir darauf hinzudeuten, dass man einen bis anhin zentralen Baustein des Bildungswesens (-systems…) ganz umstandslos preisgibt. Die Erziehung zur Mündigkeit wurde als universalisierbarer Grundsatz (als konstitutives systemisches Regulativ) betrachtet – mit wieviel Idealisierungsanteilen auch immer. Das hat man nun offenbar, und wie zu fürchten ist: Notgedrungen – – kassiert.“ wurde im Kommentar davor behauptet.
    Dem bin ich nachgegangen und konnte nichts finden, was diese Behauptung stützen würde. Wohl aber kann ich nun am Rande nachvollziehen, dass die Institution Förderschule dem Prinzip Inklusion politisch vorgegeben weichen sollte und vereinzelt bereits gefordert wird, davon wieder abzugehen. Ich konnte auch finden, dass die Schulverwaltung die Schulpflicht vorübergehend aussetzen darf, um anderen fördernden (z.B. psychotherapeutischen) Maßnahmen Raum zu verschaffen. „Unbeschulbar“ ist im Ergebnis meiner Nachforschung kein Begriff, der im Wirkungsbereich einer Schulverwaltung Gebrauch oder gar Anwendung findet.

  7. „Wer kann, bringt seine Kinder in Privatschulen unter.“ Das ist einer der entscheidenden Sätze. Nicht alle tun das, es gibt explizit solche, die sich bewußt für andere Viertel entscheiden. Ich fürchte nur, daß es nicht viele sind und daß es sich, was das Schulsystem betrifft, in Richtung der USA hin verlagert.

    Was diese Querfront-Sache betrifft, so ist das in der Tat kompliziert. Der Begriff ist unter anderem auch ein Ausdruck von politischen Positionsverschiebungen innerhalb der verschiedenen Lager. Ich denke, daß Theorien und Gedanken nicht per se rechts oder links, sondern richtig oder nicht richtig oder manchmal irgendwas dazwischen sind, weil da Vermittlungsprozesse wirken. Von den Schubladen links und rechts halte ich nicht viel. Und es führt dann auch regelmäßig dazu, daß man da hineingeschoben wird. Ich orte mich in keiner Richtung, sondern gehe nach Problemlagen. In der Philosophie schätze ich Heidegger und Adorno, Marx und Nietzsche. Eben weil es nicht um Schubladen, sondern um Denkpositionen geht.

    Das Bildungsproblem ist eine komplexe Sache. Nicht in zwei Sätzen abzuhandeln: Das, was mir Praktikerinnen und Praktiker aus dem Schulbereich erzählen und was auch Melusine Barbey mehrmals erwähnte, sind Aspekte, über die man sprechen muß. Das ist keine einfache harmlose Sache. Da hilft es nichts zu sagen: oh das könnte den Falschen nützen. Ich denke auch, daß wir da weitgehend einig sind. Zumal einem die Probleme mit doppeltem Gewicht auf die Füße fallen, wenn man sie verschweigt: das ist mit den Debatten um die deutsche Geschichte (oder Vergangenheit, wie man so schön euphemistisch sagt) so und das ist auch bei anderen Fragen der Fall. Zentral scheint mir zu sein, daß für diese Dinge eine Menge Geld in die Hände genommen werden muß. Und das Gute scheint mir zudem, daß sich hier insbesondere die Relevanz der Geisteswissenschaften wieder zeigt. Denn gerade die haben in diesen Fragen und im Hinblick auch auf Argumentationsstukturen eine hohe Kompetenz. Insofern wäre zu wünschen, daß der Staat hier fürs Universitäre und auch fürs Schulische den Ernst begreift.

    Allerdings: ich befürchte, daß die AfD noch weiter zulegen wird, wenn diese Probleme und Fragen nicht angegangen werden. Denn jene Leute, die ihre Kinder nicht auf die Privatschulen schicken können, sind kein geringes Wählerpotential. (Übrigens scheint es auch bei lange schon hier lebenden Migranten, bei solchen, die inzwischen also Deutsche sind, ein nicht geringes Potential zu geben, die AfD wählen. Es scheint mir also, daß hier nicht bloß ein rassistisches Problem vorliegt, sondern eben ein soziales.) Die einzige Chance der etablierten Parteien mag darin liegen, daß sich die AfD selbst zerlegt. Aber auch das ist in the long run ja keine Lösung für diese Probleme, für die die AfD nur ein Symptom ist.

  8. Um den Rahmen nicht zu sprengen: Zustimmung zu fast jedem einzelnen Satz. Die wenigen Unterschiedlichkeiten betreffen Nuancen und Gewichtungen – nicht würdig, erörtert zu werden.

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