„Wacht auf, Verdammte dieser Erde!“ – 100 Jahre Oktober-Revolution

„Ich hatte einen Traum. Es war ein Alptraum
Ich wachte auf und alles war in Ordnung.“
(Heiner Müller, Wolokolamsker Chaussee IV: Kentauren)

SPIEGEL: Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung …
ADORNO: Mir nicht.

Als die Schüsse am Winterpalais fallen, war es bloß ein müder Auftakt. Der Geschützdonner des Panzerkreuzers Aurora – welch bezeichnender Name, im trüben Oktobertag! – eröffnet jene Revolte, die sich zur Revolution auswächst. Aber zunächst knallen nur Platzpatronen – mit echten Granaten wurde nicht geschossen. Eine Tragödie, die als Farce mit Theaterlärm begann und als Drama blutiger endete als jedes Shakespeare-Gemetzel. Aber wie es in der Geschichte so ist, ging dem Blut viel Blut bereits voraus, und es machten die Unterdrückten und Verdammten dieses weiten Landes mit jener Zeile aus der „Internationalen“ ihren Ernst: Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun. Freilich waren die Parteikader schon lange vorher mit dem Zug aus Zürich eingereist. Dort, wo vor einem Jahr noch die Dadaisten im Cabaret Voltaire die Kunst auf die Spitze trieben und in ein neues Fahrwasser brachten.

Trotz simulierten Donners ist dieses Zeichen zum Sturm aufs Schloß mit der Kanonade von Valmy vergleichbar, von der Goethe, der auf dieser Campagne seinen Freund und Herzog begleitete, sagte und der Überlieferung nach zu den Offizieren sprach: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“ Pathetisch vielleicht und eher an den subjektiven Blick gefesselt, weil genauso zahlreiche andere Begebnisse in Frage kämen. Doch von diesem Oktobertag in Petrograd, gleichsam als geschichtliches Ereignis, auch im philosophischen Sinne des Ereignisbegriffes, ging in der Tat eine neue Epoche aus – eine grausame freilich. Das Strahlende, was sie verheißen wollte, im Zeichen der Freiheit, die Befreiung der Menschheit, des Verdammten, des Arbeiters, triumphierte in schrecklicher Gewalt, in Verbrechen, in Ausrottungen.

Doch eher noch als ein Theatertrick mit Platzpatronen war jener Tag im Oktober – oder nach dem gregorianischen Kalender im November, was sehr viel melancholischer und nach Flauberts gleichnamiger Erzählung klingt und weniger nach aufgehender Sonne – als eine Art Kantisches „Geschichtszeichen“ zu lesen. Es lodert ein Funke und dieser bricht, ach, sich die Bahn, entfacht ein Feuer. Ein Flächenbrand – insbesondere wenn man Ernst Noltes Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus einmal ernst nimmt.

„Das wahre Bild der Vergangenheit huscht vorbei. Nur als Bild, das auf Nimmerwiedersehen im Augenblick seiner Erkennbarkeit eben aufblitzt, ist die Vergangenheit festzuhalten.“ (W. Benjamin, Über den Begriff der Geschichte)

Dieses Verhältnis von Flüchtigkeit und Zeit impliziert bei Benjamin die Frage nach dem dialektischen Bild, nach einer Utopie, aber auch die einer dialektischen Hermeneutik und Deutbarkeit von Geschichte. Wie das Geschichtszeichen lesen und kenntlich machen? Vom heute her gedeutet, könnte man mit dem ungarischen Philosophen Támas Miklós geneigt sein, Benjamins Bildmetapher als Möglichkeitssinn umzudeuten, wenn in Miklós‘ Sätzen nicht zu sehr doch der bürgerliche Optimismus noch nachhallte.

„Geschichtsphilosophie handelt nicht von den Geschehnissen, sondern von den Chancen und Möglichkeiten ihrer Deutung, insofern wir die Geschehnisse durch Erzählen zu unserer eigenen Geschichte machen, sie handelt von der Identität eines abendländisch geprägten Geistes, der an den Vorstellungen der Freiheit und der Vernunft festhält.“ (Támas Miklós, Der kalte Dämon)

Geschichte aber ist zugleich eine gefährliche Leidenschaft. Die Geschichtszeichen ästhetisch aufzuladen. Was zu neuem Betrug führt.

Die Tat selbst, jener Sturm aufs Winterpalais, war weniger bedeutungsvoll und aufregend. Widerstand gab es kaum. Im weitläufigen Gebäude, an die 360 Säle durchkämmten die Kronstädter Matrosen, hielt sich, kämpfend – weitere Ironie der Geschichte –, ein Frauenbataillon zur Sicherung auf. Alexander Fjodorowitsch Kerenski war bereits nach Finnland geflohen. Das Ereignis, als revolutionärer und dramatischer Auftakt, heftete sich uns ins kollektive Gedächtnis eher über Sergej Eisensteins legendären Film „Oktober“, der das Ereignis ästhetisch bedeutungsvoll auflud. So schuf ein Film die Wirklichkeit, das wahre Bild der Vergangenheit ist eines über die filmischen Bilder, und es ist das Bild derer, die über die Macht der Bilder gebieten. In dieser Weise wurde der Sturm aufs Schloß zum revolutionären Kulturgut vermittelt. Die Wahrheit ist konkret. Bestandteil jeder politischen Bewegungen sind die Mythen und die Zeichen. Zur Revolution gehörte immer schon das in der Kunst gestaltete Pathos: wir werden den Mythos nicht los, weil es den Menschen nach Erzählung und nach Stiftung dürstet. Aufklärung schlägt auch hier in die Mythologie um. Die Legende von der Revolution: ohne Ende.

Und in diesem Sinne finden sich sowohl im Kommunismus wie im Faschismus eine eigenwillige Verschränkung von Ästhetisierung der Politik und Politisierung der Ästhetik. Der faschistische Herrenmensch legte, laut Benjamins These im Kunstwerkaufsatz, aufs erste seinen Fokus; die sowjetischen Revolutionäre auf die Politisierung. Aber auch hier transportiert die Ästhetik der Bilder die Politik, und im leninschen Rußland blühten die Künste, während die Tschekisten fleißig in rot malten und ihre Genickschüsse setzten. Der bürgerliche Intellektuelle war am Ende zwischen beide Lager gekeilt. Hätte sich etwa Walter Benjamin im Winter 1926/27 um einige Jahre länger in Sowjet-Rußland aufgehalten, er wäre bereits früher gestorben als ohnehin oder aber deportiert worden, wie Asja Lacis, die Geliebte Benjamins. 1938 vom NKWD verhaftet und bis 1948 in Arbeitslagern in Kasachstan interniert. Immerhin – sie überlebte. Auch so kann Geschichte laufen. Die List der Vernunft in der Geschichte setzt sich, so Hegel, übers Individuelle durch.

„Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit – ein Fortschritt, den wir in seiner Notwendigkeit zu erkennen haben.“  (Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte)

Doch sind solche Zeilen mit der Optik des Dialektikers zu lesen. Hegel begrüßte niemals jenen großen Terror, den die Französische Revolution brachte. Aber er gehörte ebensowenig zu den Reaktionären, die sich in den Katholizismus, die objektlose Innerlichkeit oder die Apologie der Monarchie flüchteten. Diese Revolution sah Hegel als geschichtlich notwendig, und er leerte, zurecht, bis an sein Lebensende auf den Quatorze juillet eine Flasche guten Roten. Hegels Rechtsphilosophie liefert nicht die Apologie Preußens, wie man immer wieder irrig ansetzt, sondern ist das Vorspiel zu einem demokratisch-bürgerlichen Rechtsstaat. Die Dialektik der Gewalt war Hegel wohl bewußt.

Was aber die russische Revolution nach dem Oktober zeigte, als Lenin 1921 nach allen Wirren die Oberhand gewann: Es wird ein Joch gegen das andere getauscht. Und es begann das Experiment am lebenden Menschen: den neuen Menschen zu schaffen. Jene Frage, die sich schon in Platons Politikos stellte: wie eine Herdenzucht zu bewerkstelligen sei. In diesem Sinne kann man mit Heidegger und mit böser Zunge sagen, daß die Oktoberrevolution ein metaphysisches Projekt par excellence ist – von dem wir allerdings wünschen, daß es niemals mehr wiederholt wird. In  jenem Platon-Dialog spricht der Fremde, (nur an einen Fremden kann man diese unangenehmen Wahrheiten delegieren, um sie überhaupt auszusprechen):

„Aber den Staatsmann werden wir doch nicht mit wenigen einzelnen beschäftigt finden wie den Ochsenjungen oder den Reiterknecht, sondern mehr gleicht er einem, der Pferdezucht und Rinderzucht im großen treibt.
(…)
Wollen wir also von Aufziehung des Lebendigen die gemeinsame Wartung vieler zugleich die Gemeinzucht oder Herdenzucht nennen?“ (Platon, Politikos)

Unabhängig einmal von den biotechnischen Konnotationen, die Peter Sloterdijk in seiner lehrreichen Elmauer Rede einwarf, nämlich als letztes Projekt des Humanismus die Domstizierung des Menschen qua Gentechnik, und unabhängig auch davon, daß jener Fremde diesen Gedanken der Zucht im Gespräch mit dem jungen Sokrates dann in eine andere Richtung lenkt, zeigt sich hier die eigentümlich pädagogische Formung einer Masse. Dialektik von Individuum und Gemeinschaft. Aufgelöst aber ins Kollektiv. Die UdSSR sei ein einziges kollektiviertes Arbeitslager, schrieb Adorno. Die Befreiung der Menschen ist eine schöne Illusion. Sie ist möglich. Aber nicht mit den Menschen. Freilich gibt es dennoch geschichtlichen Fortschritt. Aber er produziert zugleich und reitet über die Leichen der Geschichte. Das zeigt die ansonsten wichtige und bedeutsame Französische Revolution: sie gebar den Weltgeist zu Pferde und brachte ein bürgerliches Gesetzbuch über Europa. Immerhin: der Code Napoleon. Hegel sprach in diesem Sinne von der List der Vernunft.

„… es ist nun einmal so gewesen; es ist ein Schicksal; es ist nichts daran zu ändern; – und dann, daß wir aus der Langeweile, welche uns jene Reflexion der Trauer machen könnte, zurück in unser Lebensgefühl, in die Gegenwart unserer Zwecke und Interessen, kurz in die Selbstsucht zurücktreten, welche am ruhigen Ufer steht und von da aus sicher des fernen Anblicks der verworrenen Trümmermasse genießt. Aber auch indem wir die Geschichte als diese Schlachtbank betrachten, auf welcher das Glück der Völker, die Weisheit der Staaten und die Tugend der Individuen zum Opfer gebracht worden, so entsteht dem Gedanken notwendig auch die Frage, wem, welchem Endzwecke diese ungeheuersten Opfer gebracht worden sind.“ (Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte)

Schiller dichtete es in „Resignation. Eine Phantasie“ im Zusammenhang mit der Hoffnung und dem Genuß:

„Wer dieser Blumen eine brach, begehre
Die andre Schwester nicht.
Genieße, wer nicht glauben kann. Die Lehre
Ist ewig, wie die Welt. Wer glauben kann, entbehre!
Die Weltgeschichte ist das Weltgericht.“

Kleist brachte es kruder, und jene Frage nach dem Wozu und nach dem Gerichtshof der Vernunft löste er in seinem Gedicht „Germania“ in den Dezisionismus auf:

„Schlagt ihn tot! das Weltgericht Fragt euch nach den Gründen nicht!“

Nicht anders hielten es später seine deutschen Nationalgenossen und ebenso die Revolutionäre von der Tscheka. Der menschliche Fortschritt wurde zu einem hohen Preis erkauft. Dieser Hegelsche Reflex „des fernen Anblicks der verworrenen Trümmermasse“ spiegelt sich insbesondere in Walter Benjamins „Engel der Geschichte“ wider. Dieser Engel mit seinem Blick in die Landschaft bleibt weiterhin eine zeitgemäße Figur und wird es unabwendbar bleiben. Geschichtsphilosophie ist nur bedingt das Bewußtsein von Fortschritt, sondern vielmehr eine melancholische Haltung, eine Form des Skeptizismus. Adornos Skepsis, sein Bilderverbot für die Utopie und auch Benjamins erkenntniskritische Haltung wußten davon. Melancholisch notierte Benjamin in den Vorarbeiten zu seinen geschichtsphilosophischen Thesen:

„Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotiven der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zug reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.“

 


 
 

 
 

 
 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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30 Antworten zu „Wacht auf, Verdammte dieser Erde!“ – 100 Jahre Oktober-Revolution

  1. „Der menschliche Fortschritt wurde zu einem hohen Preis erkauft.“

    Zu welchem Fortschritt hat aus deiner Sicht denn die Oktoberrevolution geführt? Ich halte sie für eines der überflüssigsten und schädlichsten Ereignisse der Weltgeschichte.

  2. Bersarin schreibt:

    Der Fortschritt war die Abschaffung des Zaren und der Schritt ins industrielle Zeitalter. Der Fortschritt gegenüber dem alten System war die Möglichkeit, die im Raum stand: Nämlich Arbeiter und Bauern und Arme zu befreien und Gerechtigkeit zu schaffen. Die revolutionären Bewegungen waren plural, es gab viele unterschiedliche Gruppen und Ideen.Das Problem waren am Ende Leute wie Lenin. Rußland zumindest zeigte, wie schwierig es ist, aus einer Diktatur eine Demokratie zu machen – sei es auch eine Volksdemokratie. Die anfänglichen Forderungen: Alle Macht den Räten wurde ja sträflich über den Haufen geworfen, und den bürokratischen Gewaltapparat dieser Revolution kritisierte bereits Rosa Luxemburg. Dennoch war im Gesamt dieses geschichtlichen Prozesses diese Revolution notwendig und überfällig. Zumal auch die Kerenski-Regierung nicht gewillt war, mit dem Deutschen Reich Frieden zu machen.

  3. Bersarin schreibt:

    Und insofern zeigt dieser Prozeß gut, wie aus Schlechtem noch Schlechteres erwachsen kann. Wer allerdings von den kriminellen und diktatorischen Machenschaften jener aus dem Sowjetreich spricht, sollte nicht von denen jener Herrscher des Westens, insbesondere der Oligarchen in den USA schweigen.

  4. Das hatten aber alles die gemäßigten Revolutionäre erreicht, schon im Februar 2017 (Februarrevolution), als Lenin noch in Zürich saß und seine Bolsheviki praktisch keine Rolle spielten in Russland.

    Lenin und seine Linksradikalen haben einfach alles kaputt geschlagen; das meine ich.

  5. Bersarin schreibt:

    Ja, da sind wir uns ganz sicher einig. Wobei man das Verhängnis sich immer auch immanent anschauen muß, was dann sozusagen mit einer gewissen Notwendigkeit das eine aus dem anderen folgen läßt. Im Politischen sind es immer auch die Machtkämpfe. Für die Details muß man sicherlich nochmal in Lenins Schriften hineinsteigen und sich dann noch die Besonderheiten des Stalinismus betrachten und da die Unterschiede herausarbeiten. Das wäre dann eine Arbeit für die Historiker und der Quellenkundler. Insofern bin ich dann auch wieder vorsichtig mit der These, daß im Leninismus schon der Stalin schlummerte.

  6. Die beste literarische Darstellung der russischen Revolution ist nach meinem Urteil:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Das_rote_Rad

  7. che2001 schreibt:

    @“Lenin und seine Linksradikalen haben einfach alles kaputt geschlagen“ —– Die waren eben nicht linksradikal. Nicht umsonst heißt eine der wichtigsten Streitschriften von Lenin: „Der linke Radikalismus, Kinderkrankheit des Kommunismus“. Linksradikal waren die Anarchisten und die Linken Sozialrevolutionäre, auch Luxemburg und die Rätekommunisten, vielleicht und mit vielen Abstrichen sogar Trotzki, aber mit Sicherheit nicht Lenin, Kalinin, Bucharin oder gar Stalin. Der Erfolg des Bolschewismus beruhte ja gerade darauf dass eine wirkliche Klassenrevolution mit einer Diktatur des Proletariats, die noch keine Diktatur im heutigen Sinne war sondern eine basisdemokratische Herrschaft von nach dem Delegationsprinzip mit imperativem Mandat gewählten Arbeiter-Soldaten-Matrosen-und Bauernräten durch eine zentralistische, bürokratische Diktatur kleinbürgerlicher Funktionäre gestürzt wurde. Gegenüber dem, was die Sowjetdemokratie 1917 bereits erreicht hatte bedeutete Lenins Putsch einen Rechtsruck.

  8. che2001 schreibt:

    Ergänzung hierzu, mal wieder zitiere ich mich selbst:

    https://che2001.blogger.de/stories/1117082/#1117725

  9. Bersarin schreibt:

    Ja, ein sehr treffender und richtiger Text. Diese Aspekte zur Revolution werden leider viel zu wenig zur Kenntnis genommen.

    Und auch das hier deckt sich mit meinen Überlegungen zur Zucht:

    „Ein anderer, nämlich der nationalsozialistische Staat sollte es diesen Wissenschaften danken, indem er ihnen massenweise “Menschenmaterial” für ihre Laboratorien zur Verfügung stellte. “Euthanasie”, Shoah und Vernichtungskrieg bedeuteten die Aufnahme der sowjetischen Sozialpolitik durch Vernichtung mit noch brutaleren Mitteln und einer beispiellos effizienteren Bürokratie.“

  10. In jedem Fall wäre die Entwicklung Russlands und der Welt wesentlich positiver verlaufen, wenn Kerenski Regierungschef geblieben wäre.

  11. Che2001 schreibt:

    Wäre sie das? Der Krieg wäre weitergegangen , was sich der russischen Bevölkerung längst nicht mehr vermitteln liess. Zum Zeitpunkt des sturms auf das Winterpalaiswar kerenski de facto bereits entmachtet. Als Mittel zur Durchsetzung der sowjetmacht war diese Aktion überflüssig. Die provisorische Regierung hätte auch so nur noch ein paar Wochen durchgehalten. Der oktoberputsch war nur notwendig um Lenin an die Macht zu bringen. Die Alternative war nicht Lenin oder kerrnskisondern Lenin oder räterepublik.

  12. Che2001 schreibt:

    Und hätten die weissen gewonnen wäre ein Faschismus an die Macht gekommen der Ale revolutionären Kräfte ausgerottet hätte.

  13. Lenin oder demokratische (parlamentarische) Republik wäre nicht möglich gewesen?

  14. Che2001 schreibt:

    Nicht mehr zu diesem Zeitpunkt. Es sei denn kerrnaki hätte mit den deutschen einen separatfrieden abgeschlossen

  15. Che2001 schreibt:

    Kerenskidie koŕrektur Macht da immer kerrnaki draus. Samsung Fehler.

  16. Ich denke so ziemlich alles wäre besser gewesen, als die Machtübernahme der Kommunisten. Sogar der Premierminister Stolypin des Zaren hatte bereits umfassende Reformen eingeleitet, als er 1911 von einem Anarchisten ermordet wurde.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Arkadjewitsch_Stolypin

  17. Bersarin schreibt:

    Das mag alles sein oder auch nicht. Geschichte ist immer mit viel „hätte, könnte, sollte“ behaftet- besonders bei einschneidenden, dramatischen Ereignissen – und die kontrafaktische Spekulation eines „Was-wäre-wenn?“ ist methodisch und auch im Sinne einer eher äshtetisierten, spekulativen Geschichte interessant. Aber es kann auch bei solchen Modellen keiner wissen, wie sie dann realiter ausgegangen wären und ob sich dann nicht andere Grausamkeiten Bahn gebrochen hätten. Daß die Bolschewiki unter Lenin an die Macht kamen, war nichtsdestotrotz ein großes Verhängnis. Vergleichbar mit der Machtergreifung der Faschisten – bei aller Differenz zu den Hintergründen und zu den unterschiedlichen Unterstützern beider Bewegungen. In diesem Sinne ist dann auch Ernst Nolte interessant zu rezipieren, weil er diese beiden Totalitarismen in Bezug setzt.

  18. che2001 schreibt:

    Bevor ihn seine Schlaganfälle völlig außer Gefecht setzten war Lenin sich begangener Fehler durchaus bewusst. Die Neue Ökonomische Politik ließ durchaus erkennen, dass es eine Alternative zum Stalinismus gab, so eine Art Zwanziger-Jahre-Perestroika. Die Unterschiede zwischen Lenin, Stalin und Trotzki festzuhalten ist also wichtig

  19. che2001 schreibt:

    @El Mocho, Stolypin: Das entscheidende Verhängnis war der Erste Weltkrieg. Danach waren friedliche Reformprozesse einfach nicht mehr möglich.

  20. Da dürftest du allerdings recht haben.

    Übrigens denke ich, spätestens seit der Niederschlagung des Matrosenaufstandes in Kronstadt 1921 hatte sich auch Lenin disqualifiziert. Schade das Solshenizyn nicht mehr dazu gekommen ist, das in Literatur zu verwandeln.

  21. che2001 schreibt:

    Zum Thema Kronstadt: Kennst Du da noch die Debatte die über Bande auf Shifting Reality, bei Genova, bei Momo und bei mir abging? Stichwort „Von Marx zu Stalin“.

  22. Nein,verlink mal. Ich habe dazu vor ein paar Tagen eine gut gemachte Dokumentation gesehen auf Phoenix, deswegen war es mir präsent.

  23. Ich empfehle euch mal diesen Text hier:
    http://www.ca-ira.net/verlag/leseproben/brendel-pannekoek_lp.php

    Das is ne Kritik des Rätekommunismus an der Oktoberrevolution, die viele wichtige Aspekte rausarbeitet (natürlich nicht alles. Dazu ist der Rätekommunismus glaub ich auch nicht fähig). Und ich verteidige Lenin ja nur ungern. Aber Russland konnte sich in dieser ökonomischen und gesellschaftlichen Lage unmöglich zu einem demokratischen Rechtstaat entwickeln. Dieses „Was wäre wenn“-Gerate gehört in Roleplays und Computerspiele. Aber sicher nicht in eine historische Diskussion.

    @Bersarin
    Jetzt mal mehr oder weniger ab vom Artikel:
    Verstehst du dich eher als Kommunist oder Demokrat?

  24. Bersarin schreibt:

    Na ja, das Was-wäre-wenn ist als heuristisches Mittel, als Spiel schon interessant, kann aber in Debatten nur bedingt als Argument herhalten. Zumal ja niemand weiß, ob es die Räterepublik besser gemacht hätte, ob sie nicht von den Weißen überrannt worden wäre etc pp.

    Der Weg Lenins und was auf ihn folgte, war für das Land ein Entsetzen. Es etablierte sich ein Schlacht- und Arbeitshaus, das Modell Land-als-Lager. Menschenmord in Massen.

    Ich verstehe mich als Beobachter und Analytiker. Und wenn ich die Wahl habe zwischen dieser Art von „Kommunismus“ wie ihn die UdSSR vorführte und einem demokratischen Rechtsstaat, plädiere ich ganz sicher für den demokratischen Rechtsstaat – trotz all seiner Tücken. So wie ich bei der Wahl zwischen Faschismus und Rechtsstaat genauso für den Rechtsstaat mich entscheiden würde. Die Frage ist natürlich immer, wie man diesen Begriff Demokrat mit Inhalt füllt und was man unter einer Herrschaft des Volkes versteht.

  25. che2001 schreibt:

    Wenn hingegen heute die Polizei um 5 Uhr morgens vor der Tür steht heißt es „Macht auf, Verdammte dieser Erde“. ;-)

  26. holio schreibt:

    @che um 15:56 *like*

  27. Dieter Kief schreibt:

    „Macht auf, Verdammte dieser Erde“. ;-)
    Darf man nicht mehr sagen – hatespeech!————

  28. che2001 schreibt:

    Im Großen und Ganzen stimme ich dem Brendel-Text zu.

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