Die Tonspur zum Sonntag

Aus gegebenem Anlaß: Schöne Isabella aus Kastillien (Comedian Harmonists)

Dies aber darf man heute beim Gendergaga vermutlich nicht mehr singen und Stokowski kreischt. Wunderbare Musik! Wir müssen endlich Musik und Stimmung machen gegen die Prüderie der neuen Evangelikalen aus dem Hause Wizorek und Stokowski.

Höre die Geschichte von Frau Potifar
Die ungemein erfahren war
Hör‘ zu, hör‘ zu: Das war die Frau von Portifar
Die ungemein erfahren war
In allen Liebessachen
Der Gatte aber, au contraire
Der war schon alt und konn’t nicht mehr

Tirili tirila, die kleine Frau bewachen
Da pfiff sie auf die Stittsamkeit
Und machte sich ’nen Schlitz ins Kleid
Und fuhr hinab nach Theben
Um dort sich auszuleben
Denn Theben ist für Memphis
Das, was Lausanne für Genf ist

In der Bar zum Krokodil
Am Nil, am Nil, am Nil
Verkehrten ganz incognito
Der Joseph und der Pharao
Dort tanzt man nur dreiviertelnackt
I’m Rumba und Dreivierteltakt
Es trifft mit der Geliebten sich
Am Abend ganz Ägypten sich

4 Gedanken zu „Die Tonspur zum Sonntag

  1. In der Kölner Tintoretto-Ausstellung langt eine Potiphar aus dem Prado sehr nach einem abgewendeten Joseph. Krischel stellt dar, wie Jacopo Josephs Haupt immer weiter wegrückte von Potiphar. Wir sehen die Szene von unten, weil das Bild oben nahe der Decke angebracht war. Dennoch hat Tintoretto, der Deukalion und Pyrrha noch ziemlich klassisch von unten gemalt hat, zwar in krasser Perspektive, eine Göttinnenstatue anbetend, ohne ihre Häupter zu offenbaren, gewagt, die Architektur hier schief zu zeigen, was ja gar nicht parallel gehen kann zur wirklichen. Ein Manierist, Grenzenbrecher ohne gleichen, obwohl er auf mich, ehrlich gesagt, hier mehr nach Rokoko wirkt.
    „Und es begab sich danach, dass seines Herrn Frau ihre Augen auf Joseph warf und sprach: Lege dich zu mir! Er weigerte sich aber und sprach zu ihr: usw.
    Und sie erwischte ihn bei seinem Kleid und sprach: Lege dich zu mir! Aber er ließ das Kleid in ihrer Hand und floh und lief zum Hause hinaus.“

  2. Unendliche Schönheit der Kunst in der Manier. Schöpfung entsteht (fast) immer aus dem Geist des Manierismus. Grenzen brechen. Als Kunst.

  3. @ Bersarin
    Die Manier k a n n produktiv sein, ok; sie ist aber von Haus auf ein Grenzphänomen und als solches eng verwandt nicht nur mit dem Ingenium selber, sondern eben auch mit seinem ungefähren Gegenteil -also der – mit Kant zu reden – – Afterkunst – – und vergleichbaren Merkwürdigkeiten (dem Kitsch).

  4. Die Manier als Standard und als Regel gesetzt, funktioniert nicht. Das ist wie mit dem Jüngling, dem Splitter und der Anmut in Kleists Aufsatz zum Marionethentheater. Und die Grenze zum Kitsch ist in der Kunst oft nahe und manches, das einst avanciert war, gerät zum Kitsch oder zumindest zum Design. (Rilke wäre da so ein interessanter Grenzfall für die Literatur.)

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