Reisenotizen (2) – Straßen und Gebeine

Heute Flores und auch Weiber
Geile nackte Zeitvertreiber.

Blumen, Katzen, Avenidas,
Frauenbeine und sonstwiewas.

Im Straßenraum wird schön gewildert:
Der Weg zum Klo ist ausgeschildert.

So schrieb es sich der Beobachter ins Notizbuch, während er die Beobachterinnen und Beobachter in der Stadt Palma de Mallorca beobachtete und in den verstohlenen Situationen photographierte, um sich ein Bild zu machen. Eine Beobachtung zweiter, wenn nicht dritter Ordnung. Er dachte sich, das könne man zusammen mit den Photos als Entwurf an jener gendersensiblen Hochschule einreichen. Und Muschi-Content geht schließlich immer, wirklich immer.

Ansonsten bleibt für uns Photographen, Essayisten, Kulturjournalisten sowie für uns Phänomenologen des Alltags nur übrig zu sagen: der öffentliche Raum ist zum Schauen da. Ja, man glaubt es kaum in den heutigen Tagen.

7 Gedanken zu „Reisenotizen (2) – Straßen und Gebeine

  1. Tja, das Problem des Zahlens und der Zahlen beim Sitzen in Bars mit jener damals noch jungen Studentin mit den blonden Haaren und den geilen Brüsten, dem tollen Arsch, 1,82 großer Wuchs, unser Fabulieren von der Existenz im Fragment und Novalis und Rätselreim:

    Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
    Sind Schlüssel aller Kreaturen
    Wenn die, so singen oder küssen,
    Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
    Wenn sich die Welt ins freye Leben
    Und in die Welt wird zurück begeben,
    Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
    Zu ächter Klarheit werden gatten,
    Und man in Mährchen und Gedichten
    Erkennt die wahren Weltgeschichten,
    Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
    Das ganze verkehrte Wesen fort.

    Geld war nicht viel in der Tasche der beiden Studenten. Und so zahlte mal der Mann und mal die Frau. Und wenn erst das verkehrte Wesen fortweht, so nahmen beide an, ändere sich auch das System der Waren. Romantischer Eskapismus der jungen Leute. Café unter den Linden, Essbar in der Rentzelstraße oder der „Tropfen“.

  2. Warum so streng:
    mit HME könnte man es auch als Flug- und Fliehversuch verstehen, mithin als Leben in der Möglichkeitsform oder im Spielraum der Fantasie.
    Und apropos Muschi-Content:
    das erste Bild irritiert mich mächtig. Es scheint fast, die Katze ist zweigeteilt, wobei der Oberkörper frontal zum Betrachter aufrecht steht, wobei der Unterkörper zur Seite gedreht auf dem Boden liegt. Eine wahr- und geradezu wahnhafte Ver-Drehung, in seiner Unnatürlichkeit zugleich horribel und zum Lachen, zumal die Katze uns Betrachter mit ihren Augen fixiert, so als ob sie uns auffordern wollte, ihr Können zu estimieren. Ein beunruhigendes Bild, selbst dann, wenn ich mich grandios verblickt hätte und mein Seheindruck völlig daneben läge.
    Gruß Uwe

  3. Allerdings, der Verweis aus HME ist gut und richtig. Aber diesmal kein Eskapismus, sondern den Kampf aufnehmen.

    Das Katzenbild gefiel mir wegen genau dieser Optik. Ich sah diese seltsame Lage der Katze und dachte mir gleich: erstmal aus der Distanz photographieren, schauen, wie weit sie mich heranläßt und ob sie irgendwann einmal direkt in die Kamera blickt. Sie tat es Gott sei Dank.

  4. Kein Wunder, Du folgtest ja dem Ratschlag eines „Gottes“ der Photographie:
    … auf Samtpfoten gehen,
    aber mit Argusaugen sehen … 😉

  5. Da hast Du die Arbeit des Photographen gut auf den Begriff gebracht. Nicht gesehen werden, aber alles selbst sehen. Aber da Du Profi bist und gute Photographien machst, weißt Du, wie der Hase läuft.

  6. Du weißt natürlich, dass es ein Statement von Cartier-Bresson ist, dass ich da aus dem Kopf zitiert habe. Ich kam wegen der Katze (Pfötchen) und Deiner Schilderung der langsamen, gleichsam heimlichen Annäherung darauf. Nicht zuletzt finde ich, dass dieses Foto durchaus ein Beispiel ist für den von Cartier-Bresson definierten „entscheidenden Augenblick“, den nur der unbeobachtete Beobachter erreicht.

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