Zur Besetzung der Volksbühne

„Die Geburtsstunde der Theatralik ist der Konflikt.“ (Frank Castorf)

So ist ist. Und der sollte ausgetragen werden, bis jener Chris Dercon fort ist. Mit Dank an eine Facebookfreundin für das Zitat und es bleibt dabei: die Volksbühne gehört Castorf, und nicht dem Manager aus Belgien.  Man kann da ein Jahr lang Sand ins Getriebe werfen, irgendwann vielleicht wird Thomas Middelhoff das Handtuch wirft. Wie dem auch sei: diese Besetzung der Volksbühne war so oder so ein Erfolg, wie auch immer man zu dem Programm der Besetzer und zu ihrem ästhetischen Konzept stehen mag. Ein Erfolg zumindest, sofern man es mit Castorf hält und für die Freunde der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz eine Win-win-Situation, um es spieltheoretisch auszudrücken. Läßt Dercon nicht räumen, ist es ein besetztes Haus. Räumt Dercon, so steht er ramponiert da. Bereits die Bilder, die durch die Stadt gehen, sprechen für sich. Ein wunderbares Theater, ich hätte es gerne photographiert. Szenen, die im Sinne von Castorf sein dürften – auch als ästhetisches Ereignis. Es entpuppt sich der Kurator.

Ein Konflikt, der sich nicht so einfach aus der Welt tanzen läßt mit kulturalistischem chi chi und mit nichtssagendem Tanz-Tralala. Und daß dieses Vorgehen der Besetzer auch Teile der kulturalistischen Linken grämt, ist umso besser. Zwei Fliegen mit einer Klappe.

Soviel nur als Notiz aus dem Urlaub, fern ab von Berlin.

 

2 Gedanken zu „Zur Besetzung der Volksbühne

  1. Schade, dass du nicht vor Ort photographieren konntest! Oliver Feldhaus war gestern offenbar dort und hat sehr beeindruckende Fotos auf Facebook gepostet. Es mutet wirklich absolut surreal an, wenn man die Polizeieinheiten durchs Volksbühnen-Foyer marschieren sieht!
    Die ganze Volksbühnenbesetzung gibt meiner Ansicht nach auch im Kleinen einen sehr aufschlussreichen Eindruck darüber, wo dieses Land aktuell zu verorten ist: Bei wem bis gestern der Stimmenzuwachs der AFD noch nicht richtig gesackt war, der möge sich einfach nur noch einmal rückblickend die vielen „Volkes Stimme“-Beiträge in den digitalen Zeitungsausgaben zur Volksbühnen-Besetzung durchlesen. Man hasst hier demnach offenbar im großen Stil schlicht und einfach schonmal ganz grundsätzlich zutiefst Menschen, die nicht parieren, nicht gehorchen und sich nicht zu Huntertprozent fügen wenn Tim Renner verfügt hat! Das sich junge, idealistische Menschen die Freiheit genommen haben, mehr oder weniger professionell aber eben komplett gewaltfrei gegen Missstände, wie die selbstgefällige und sonnenkönighafte Decron-Ernennung („Dass ich ihren Sockelheiligen F. Castorf nicht verlängert habe, werden die mir nie verzeihen“) oder Mietwucher aufzubegehren, bringt den Mob hier offenbar völlig zum Rasen.

    Aber auch gelehrtere Mitbürger waren zu lesen, die die Besetzer ganz vornehm und in bester „Krieg ist Frieden-Manier“ zu „traditiollen, großdeutschen Weißichnichtwas“ oder gleich zu quasi Reichsbürgern im Geiste hochkonstruierten. Wenn das in dem Tempo weitergeht, dann gilt Rio Reiser morgen wahrscheinlich noch rückblickend als der zweite- wenn nicht gar der eigentliche Reichsführer…. Aber stopp! D e r ist ja tot und nicht mehr unbequem und läßt sich dadurch so wunderbar einverleiben und in den Tagesthemen anläßlich nullender Todestage als Aushängeschild unserer „offenen und besten aller Demokratien“ missbrauchen, in der Menschen die ihre Miete trotzt 3 mal täglichen Jobbens nicht mehr zahlen können, mit einem verbalen Arschtritt bis weit über die Stadtgrenzen hinausbefördert werden, aber dafür sind wir ja sooooo weltoffen, dass wir jetzt mittlerweile 18 unterschiedliche Toilettenformen andenken (Für Frauen, für Manner, für Männer die sich zu Frauen umoperiert haben, Für Frauen, die sich eigentlich wie Frauen fühlen, aber nicht ausschließen können, dass sie sich übermorgen vielleicht wie Männer fühlen k ö n n t en…) und haben uns damit ganz wunderbar aus der Affäre gezogen, denn wer die seltensten Randphänomene so umsichtig angeht, der geht bei den elementaren Gesellschaftsproblemen doch sicherlich ganz genauso vor… oder ist das einfach nur ein ganz billiges Täuschungsmanöver..?
    Zusammenfassend kann man nur sagen, das man allmählich hellhörig werden sollte, wenn man von uns aus immer nur allen Menschen Legitimität zuspricht, die in anderen Ländern aufbegehren, Proteste hierzulande aber gleichzeitig als doch völlig obsolet und lächerlich abtut, weil hier doch sowieso schon alles so optimal läuft. (Das haben nämlich immer schon alle von sich gedacht, und das läßt sich nur rückblickend einigermaßen neutral so werten!)
    Wenn man am Wahlsonntag im meistgelesensten deutschen Online-Blatt mit den Zeilen „In einem Land, in dem wir gut und gerne reden“ weichgespült werden soll, spätestens dann sollten die George Orwell-Alarmglocken läuten!

  2. Tja, man sollte im Journalismus eine neue Rubrik einführen: Der Arschkriecher der Woche. Diesmal wäre Robin Detje dran für seinen Kommentar in der „Zeit“. Statt die Probleme aufzurollen, wird dummes Zeug fabuliert.

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