Grenzen der Demokratie? Das Theater der Avantgarden und Marc Jongen

Am 17. März sollte in Zürich im Theaterhaus Gessnerallee eine Diskussion zum Thema „Die neue Avantgarde“ stattfinden. In der Ankündigung des Theaters heißt es:

„Liberale und Reaktionäre, Konservative und Progressive, Linke und Rechte reden oft übereinander und durcheinander, selten jedoch miteinander. Nicht so auf diesem Podium. Marc Jongen, Olivier Kessler, Jörg Scheller und Laura Zimmermann debattieren darüber, was Kategorien wie ‚liberal‘, ‚progressiv‘ und ‚reaktionär‘ heute bedeuten. Ist die Renaissance des Rechtsnationalen eine Avantgarde-Bewegung? Wie ist dem Rückzug in ideologische Filterblasen beizukommen? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen populär und populistisch?“

Eigentlich kein schlechter Ansatz, gute Fragen und allemal besser, als unter seinesgleichen zu sprechen. Es gab jedoch darauf Proteste und einen offenen Brief bei „Nachtkritik.de“. Der Widerspruch entzündete sich, man wird es in vorauseilendem Gehorsam der guten Sache ahnen, an Marc Jongen. Ein Protest zudem aus der fernen BRD, viele der Unterzeichner leben – nun ja – in Berlin. Ich will es in diesem Falle vermeiden, von den ewigen Echokammern zu sprechen und vom restringierten Code derer, die sich gegenseitig lediglich in ihren Ansichten bestätigen – Differenzen und Disput allenfalls in Detailfragen. Zunächst ein Auszug aus diesem Protest-Brief:

„Marc Jongen ist einer der raffiniertesten Rhetoriker (Demagogen) in den Reihen der AfD. Sich ihn aufs Podium zu setzen und von einem ‚Experiment‘ zu sprechen, zeugt von Blauäugigkeit. Seine Anverwandlung von Sloterdijks politisch-psychologischem Versuch namens Zorn und Zeit (2006) auf die AfD ist jahrelang sorgfältig vorbereitet und ideologisch längst verwurzelt. Sie ist jenseits der vermeintlichen Analyse längst Handlungsanweisung geworden – jede Störung einer Theaterveranstaltung, jeder Angriff auf eine linke Buchhandlung, auch jede brennende Geflüchtetenunterkunft sind angewandte und durch diesen Diskurs legitimierte ‚Zornpolitiken‘.

Die Zornpolitik der AfD, was war das doch gleich genau? ‚Thymos‘, das steht bei Jongen – wie auch bei Sloterdijk – für Zorn, Stolz, Mut. Mit Jongen lassen sich eine ganze Vielfalt unmittelbarer Zornpolitiken innerhalb der rechtsextremen Bewegung ausmachen, u.a. der Pegida-Straßenkampf, die ‚subversive Aktion‘ (Begriff vom SDS geprägt, später von Götz Kubitschek übernommen), die ‚ästhetische Intervention‘ (ebenfalls von der Linken übernommener Jargon der ‚Identitären‘) und mit repräsentativer Parteipolitik zusammendenken. Jongens ‚Überbau‘ ist eben daran gelegen, außerparlamentarische und innerparlamentarische, ‚thymotische Energien‘ zu vereinen.“

Einmal davon abgesehen, daß es intellektuell schlicht und unredlich ist, Sloterdijks Theorie und insbesondere sein Buch „Zorn und Zeit“ implizit für die Politik der AfD verantwortlich zu machen und Unterschiedliches simpel über einen Leisten zu schlagen, gipfelt der Brief am Ende nicht bloß im (legitimen) Protest gegen diese Einladung, sondern er ruft aktiv zum Boykott dieser Veranstaltung auf:

„In diesem Sinne fordern wir Sie und alle anderen Theater und Theatermacher*innen dazu auf, der AfD keine Bühne zu bieten.

Mit solidarischen Grüßen an alle, die gegen den Hass auftreten, …“

Was mit anderen Worten bedeutet: die Veranstaltung abzusagen oder aber Jongen auszuladen. So ganz haßfrei gedroht. In Emckes lenorkuschelweichem Biederrock grüßt es sich solidarisch gut. Und Hate-Speech betreibt natürlich grundsätzlich nur die andere Seite, nie man selbst. Bereits hier liegt die arge Täuschung, der manche erliegen.

Traurig ist es allerdings: Wer bereits einer solchen, eigentlich gut zu bestreitenden Diskussion ausweicht, an der als Zuschauer sowieso nur die üblichen Verdächtigen des Kulturbetriebs teilnehmen, wird kaum bei härteren Kämpfen überleben. Wie wollen sie mit Argumenten und Worten bestehen, wenn die AfD nicht nur massiv an der Tür rüttelt, sondern Ende 2017 im Deutschen Bundestag sitzt und dann vermehrt Raum in tatsächlich öffentlichen Diskursen einnimmt? Und das sind nicht die Theaterbühnen für die Happy Few. Keck, aber im falschen Sinn Rosa Luxemburg zitierend, betonten seinerzeit jene Gutmeinenden, als die Redeverbote sie noch selbst betrafen, Freiheit sei immer die Freiheit des Andersdenkenden. Tempi passati, seit es sich bequem an den Futtertrögen mümmelt oder zumindest an den Schaltstellen des Kulturbetriebs halbprekär werkeln läßt.

Manche werden es als Triumpf der guten Sache verbuchen, denn das Theater hat die Diskussion absagen müssen. Aus Gründen, die man nachvollziehen kann.

„Die am 17.03. geplante Veranstaltung ‚Die Neue Avantgarde‘ kann aufgrund der Hitze der durch sie ausgelösten Debatte – in der Diffamierungen, persönliche Beleidigungen und Erpressung leider nicht gescheut wurden – ebenfalls nicht stattfinden. Trotz der positiven bzw. differenzierten Medienberichterstattung und dem vermehrten Zuspruch von Kolleg_innen haben sich die Angriffe und Drohungen nicht entschärft sondern sind im Gegenteil heftiger geworden. Die Veranstaltung stellt mittlerweile ein Sicherheitsrisiko für die Podiumsteilnehmer_innen, unsere Mitarbeiter_innen und unser Publikum dar. Das Podium kann nach der derzeitigen Einschätzung nur unter erhöhtem Sicherheitsaufwand, durch das Engagement einer Sicherheitsfirma und je nach Lagebeurteilung der Stadtpolizei mit deren Präsenz im Aussenraum der Gessnerallee, stattfinden. Wir sind nicht bereit, eine Veranstaltung unter diesen Bedingungen durchzuführen und bedauern diese Umstände sehr.“

Aufgabe einer Stadt und eines Gemeinwesens ist es jedoch, sicherzustellen, daß eine solche Veranstaltung durchgeführt werden kann. Zumindest was den Aspekt der Sicherheit von Teilnehmern und Publikum betrifft. Ich frage mich zudem, wie wohl die sogenannten Kulturalisten reagiert hätte, wenn solch ein Aufruf von Konservativen gestartet wäre, um eine Universitätsveranstaltung mit Diedrich Diederichsen abzusagen, weil Pop-Musik für den Untergang des Abendlandes, für die Unfähigkeit, adäquat Musik  wahrzunehmen und für ein restringiertes Denken verantwortlich ist. Niemandem muß das, was ein Redner an Thesen vertritt, schmecken. Aber jeder, auch Marc Jongen, man mag ihn mögen oder nicht, muß die Möglichkeit haben, in einer Institution ungestört aufzutreten.

Deutlich zeigt diese Absage auch: Solche wie Marc Jongen machen Angst, und es gibt wenige, die sich trauen, dessen Aura zu entzaubern und seinen Thesen mit der Kraft des Wortes zu begegnen. Denn nichts anderes ist Kultur: Voneinander lernen, anderes aushalten und begründet zu widersprechen. Eigentlich das, was die kulturalistische Linke, aber auch Liberale noch bei den extremsten Positionen bisher predigte. Wie will man eigentlich die Burka, militanten Islam oder Erdogans Autokratismus, der sich bis  in die BRD erstreckt, aushalten, wenn manche nicht einmal vor solchen wie Jongen bestehen können?

Abschließend bleibt zu bemerken: Was Begriffe wie „subversive Aktion“ und „ästhetische Intervention“ betrifft, die der offene Brief nennt, scheint mittlerweile eine seltsame Umpolung stattzufinden. War es einst das Prärogativ linker Bewegungen, mittels Kunst und Geist zu intervenieren, klammheimlich die Positionen des Gegners zu besetzen, gleichsam lustvoll als eine Art Guerilla sich (scheinbar) wie ein Fisch im Wasser zu bewegen und den langen Marsch durch die Instanzen zu wagen, so scheint dies inzwischen das Privileg der (extremen) Rechten zu sein und wie vordem die Konservativen wird nun mit der Keule Verbot gedroht.

Organisationen wie die Identitäre Bewegung kapern Protestformen, die einstmals als typisch links galten. Happenings, Satiren im öffentlichen Raum, Störmanöver. Wo früher bei solchem Protest bestimmte Kreise der Linken applaudierten, herrscht mittlerweile betroffenes Schweigen. Was wird, wenn irgendwann an den Universitäten vermehrt rechte Kräfte agieren? Und es wird die Frage aufkommen: Sind Institutsbesetzungen von links gut und die von rechts böse? Ich bleibe bei meiner Sicht, die mir bereits vor 30 Jahren böse Blicke und Worte einbrachte. Als Adorno 1969 zur Besetzung des Instituts für Sozialforschung die Polizei rief, tat er gut daran und handelte richtig.

Eines zumindest hat sich in dieser Absage des Theaterhauses Gessnerallee gut gezeigt: Der Rechten wird auch diese Aktion wieder eine Bestätigung für die vermeintliche linke Diskurshoheit sein. Die Fragen jedoch, die das Theaterhaus in einer Debatte aufwerfen wollte, führen sich mit der Absage des Auftrittes ad absurdum: „Wie können wir dem erstarkenden Autoritarismus entgegentreten? Welche Strategien sind zulässig? Was bedeutet Meinungsfreiheit? Was bedeutet Demokratie?“ Mit autoritären Methoden und Drohungen läßt sich dem erstarkten Autoritarismus ganz sicher nicht begegnen. Zumal dann eben der Gegner nicht minder sich darauf berufen kann, ähnliches zu tun.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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86 Antworten zu Grenzen der Demokratie? Das Theater der Avantgarden und Marc Jongen

  1. che2001 schreibt:

    Kleine Randbemerkung: Die Subversive Aktion war nicht vom SDS geprägt, sondern eine situationistische Gruppe, in der unter anderem Rudi Dutschke und Dieter Kunzelmann aktiv waren und die prägend für die antiautoritäre Phase des SDS wirkte. Ihre Protagonisten traten erst später in den SDS ein.

  2. Bersarin schreibt:

    Danke für den Hinweis. Wäre für die Verfasser des Briefes eigentlich leicht gewesen zu recherchiern. Aber vermutlich ging es den Verfassern um eine Art Abreviatur ohne lange Erläuterungen.

  3. Dieter Kief schreibt:

    Es wird kommen wie es kommen muss – die seufz (!) linke Idee, einfach alles zu skandalisieren, was nicht mit dem eigenen Weltbild übereinstimmt wird erhebliche soziale und politische Folgekosten zeitigen.

    Die weltweit erstaunlichste ist der Aufstieg von Breitbart zum meistrezipierten und -kommentierten US-amerikanischen Internetmedium nach der NYT – das muss man sich ganz gelassen anschauen: Breitbart besteht im Vergleich zur Konkurrenz aus ein paar Hanseln – ich hab jetzt nicht geschaut, aber ich meine mich zu erinnern, es seien um die 400 Beschäftigte. 400 Leutchen, die die mächtigste Nation der Welt umkrempeln halfen! – Das sind soviel wwie bei irgendeiner der süddeutschen Regionalzeitungen vom Schlag der Augsburger Allgemeine oder der Schwäbischen Zeitung – – –

    Was in den linken Stellungnahmen gegen Jongen z. B. auffällt ist noch eine ganz simple falsche Schlussfolgerung: Ungesteuerte Massenmigration selber ist ein großer Verursacher von gesellschaftlichem Unfrieden. – Durch die ungesteuerte Migration steigt simpel gesagt der Frustpegel und – das ist ebenso fatal – es sinkt die Fähigkeit zur Zusammenarbeit/ zum alltäglichen Miteinander. Beides Zusammen resultiert aus der Überforderung, die sich aus ungesteuerter Migration ergibt, sobald Quoten von über 30% Anteil von wirklich fremden Migranten in einem Quartier erreicht sind. (cf. Collier/ Koopmans/ Putnam et. al. ).

    Linke Blauäugigkeit ist die eine – linke Unverantwortlichkeit die andere Seite.
    Und dann noch diese Schönwetter- und Wohlfühl-Denker in der Theaterszene – sie können keine Diskussion veranstalten, zu deren Schutz die Polizei nötig wäre. Was ist denn bitteschön gegen die Zürcher Polizei zu sagen? – Was mich betrifft: Gar nichts. Es ist diese Polizei vielmehr eine wirklich wunderbare zivilisatorische Errungenschaft und insgesamt schätze ich sie jedenfalls in ihrer Bedeutung sogar ein Quentchen höher ein, als die Zürcher Theaterszene. Praktisch allüberall auf der Welt, wo man sich Gedanken macht über die Qualität der Polizeiarbeit, steht Zürich im höchsten Ansehen. – Verdientermaßen!

    Die Zürcher Theatermacher_innen (große Gött_innen/ …) hatten eine gute Idee, aber sie haben, wie das bei Künstlern häufig anzutreffen ist, keinen sehr entwickelten Gemeinsinn. – Hier gilt scheints noch immer der erste Wahlspruch: Der Einzige und sein Eigentum!

  4. Bersarin schreibt:

    Sehe ich in dem meisten Aspekten ähnlich. Insbesondere die Dauerskandalisierung bei manchen (nicht bei allen!) Linken. Im Feminismus haben wir das gleiche Sache: Privates von priviligierten Mittelstandsfrauen – meist in gehobener Stellung oder mit einem hohen kulturellen Kapital versehen – wird, wenn etwas nicht funktioniert, zum gesamtgesellschaftlichen Problem hochstilisiert.

    Wenn Sie dann noch den Höhepunkt des Lächerlichen lesen wollen, nehmen Sie sich Assheuers Artikel aus der Zeit von der letzten Woche. „Das rechtspopulistische Alphabet rechter Kampfbegriffe“. Schlimmer und dämlicher vom Inhalt geht es nimmer. Assheuer betreibt mit dieser Rubrik die intellektuelle Selbstimmunisierung und damit die Diskreditierung jeglicher Kritik an Gesellschaft, indem er auf sinnvolle Begriffe – etwa den dezidiert kritischen und linken Begriff Dekonstruktion und Alternative – das Label rechtsradikal aufdrückt.

    (Man mag dieses Trauerspiel eigentlich gar nicht verlinken: http://www.zeit.de/kultur/2017-03/rechtspopulismus-alphabet-rechte-kampfbegriffe

    Ähnlich der Breitbart-Ableger hier in der BRD, also die Spiegelvariante halt: Schmalbart, die jetze eine Seite namens „Beobachter, völkischer“ haben. Nicht mehr kommt es auf inhaltliche Auseinandersetzungen und Diskurse an, sondern es werden irgendwelche Sonstwas-Watchseiten installiert. Der Unfug fing mit Münckler-Watch an.

  5. Dieter Kief schreibt:

    Ich denke schon eine Weile über Hausfrauen und „ihre Welt“ = „ihre Sicht der Dinge“ nach. Sehr instruktiv fand ich eine Diskussion von Ann Coulter mit einem weißen katholischen Pfarrersmann und seinen schwarzen alleinerziehenden Schäfchen: Coulter referierte den Stand der soziologischen Forschung: Der größte Hemmschuh für ein zufriedenes (=selbstbestimmtes, wirtschaftlich erfolgreiches, knastfreies) Leben in den USA ist es, von einer alleinerziehenden Mutter herzustammen.

    Die absolut verblüffende Antwort der – wie sich herausstellte – überwiegend alleinerziehenden schwarzen Damen im Fernsehstudio war: Gestern wußten wir noch nicht einmal wer Sie, Frau Coulter, sind, und nun erdreisten sie sich hier solche rufschädigenden, rassistischen Hassbotschaften auszusenden. – Und zum krönenden Abschluss: Haben Sie überhaupt Kinder?

    Es ist schon so – Gesellschaft beschreibt man nicht zureichend mit individuellen Kategorien. – Wer immer öffentlich argumentiert, sollte, sobald diese Regel verletzt wird, als Angegriffener betrachtet werden, den es zunächst von allen Diskussionsteilnehmern zu verteidigen gilt – – da sonst die Debatte selber sinnlos wird. (Ab da nutzt auch die beste Stadtpolizei nichts mehr…).

    Wg. Assheuer – 1 Frage: Bannon hat ja die Dekonstruktion ausdrücklich in Stellung gebracht gegen den Verwaltungsstaat – nicht gegen den Staat, wie der Bannon-fehlergeplagte Perlentaucher – als einer unter vielen – übersetzt hat. Das ist nun kein normales Kuddelmuddel mehr, sondern ein Kuddelmuddel höherer Ordnung. Denn der schlaue Bannon hat seine ernst gemeinte Kritik am Verwaltungsstaat, den „dekonstruieren“ zu wollen er durchaus bekundet hat, mit – – – voller Absicht (und einigem bösen – durchaus mephistophelischen (!!) Witz) im Jargon – – – Derridas – – – appliziert.

    Entkuddelmuddelisierung: Insofern wäre Assheuers Einsortierung der „Dekonstruktion“ in den rechten Wörterbaukasten plausibel.

    Was er freilich verfehlt ist Bannons luzider (wie gesagt: Mephistophelischer) Gebrauch des – sozusagen von ihm appropriierten (!!!) – Wortes.

    Dann kommt noch was Oberirres dazu: 1) Bannons Kritik am Verwaltungsstaat ist so alt wie – allermindestens Marxens vergleichbare einschlägige Kritik – am „Staatsscheißkerl“. Und sie deckt sich in wichtigen Teilen mit Foucaults Kritik nicht nur an der Planwirtschaft, sondern auch mit Foucaults Kritik an der korporatistischen Erstickung der wirtschaftlichen Dynamik in sozusagen nicht hinreichend luhmannisch informierten Öffentlichkeiten – also solchen, die die befreiende Wirkung des systemsich eigensinnigen wirtschaftsliberalen Teils der ganz normalen freien Konkurrenz als belebendes Element einer Volkswirtschaft mit staatlichen Regulierungsmaßnahmen ersticken, anstatt sie zu befördern (das ist jener Teil Foucaults, von dem Assheuer wahrscheinlich noch nie geschrieben hat – und höchstwahrscheinlich auch kaum schreiben wird, wenn er denn davon überhaupt einen Schimmer hat – – wobei: Besser nicht: So lebt und verurteilt sichs leichter…

    Und dann gibt es noch die rechtsmarxistische Schiene der linkshegelianischen (ok – das kapiere ich jetzt bald auch schon nicht mehr – aber ich fahr‘ einfach mal weiter dahin) – also: Stand der referierten Debatte ist nun die rechtsmarxistische (=reformistische=emanzipative=linkshegelianische) Kritik am Verwaltungsstaat, für die man durchaus Max Weber, und Ch. S. Peirce und am Ende ja auch treulich Glotz, Kluge, Habermas, Negt, Forst und Honneth usw. wird reklamieren dürfen. Auch diese Schiene ist ja nicht per se rechts. Und schon gar nicht im Sinne Assheuers, hehe.

    Ich hab‘ den Assheuer-Artikel freilich nicht gelesen. Ich mache gerade eine kleine ZEIT-und Spiegel-und Süddeutsche und so weiter Diät. Ist ganz erholsam!

    Vielleicht darf ich den Zwischenstand so zusammenfassen: Assheuer 2015ff. = überwiegend Schnappatmung; unterwiegend Argumentation.

    PS – 2 Splitter: Das narzisstische Muster, das Sie oben ansprechen – – es hängt auch an einer misslingenden Säkularisation. Die Menschen nehmen zunehmend sich selbst als Maßstab für das Gute in der Welt – und fallen damit hinter ehedem erreichte abendländische Standards zurück.

    Das pure Selbst*** ist sozusagen ein viel schlechterer Referenzpunkt, als die überreiche – auch: religiöse -abendländische Tradition.

    *** cf. Purity – Unschuld – – Jonathan Franzen****

    **** Schöne Übung für die revolutionären Volksmassen: Vor dem Hintergrund der Säkularisation die Ausdrücke „Unschuld“, „Purity“, „Jonathan“ und „Franzen“ zu lesen und zu deuten versuchen.

  6. Bersarin schreibt:

    Assheuers Einordnung ist schlicht unterkomplex, weil er der Vielschichtigkeit der Begriffe nicht gerecht wird. Das Schlimme daran, und deshalb sind solche Brandstifter wie Assheuer doppelt gefährlich: Er weiß es eigentlich besser. (Oder müßte es besser wissen.) Übrigens fehlt in seiner Auflistung der Begriff Demokratie, wenn man es konsequent nimmt. Aber es ist doch auch der Begriff „Demokratie“ für die Demokraten nicht deshalb verbraucht oder zumindest kontaminiert, weil Putin von gelenkter Demokratie spricht, die auch für manche in der AfD oder bei Le Pen Vorbild ist, oder weil wir in den USA eine geleakte Demokratie beobachten müssen, die ihrem eigenen Begriff widerspricht.

    Ich halte solche Warnpamphlete wie von Assheuer für gefährlich. Weil sie – bewußt oder unbewußt – die Strategie des Labelings betreiben. Nach dem Muster, jemanden, der Zweifel an bestimmten Dingen anmeldet, sogleich als Verschwörungsirren zu labeln. Ohne Differenzen in der Sache vorzunehmen. Wer nach 9/11 fragt und berechtigte Zweifel anmeldet (nicht in der Art von „Die Juden waren’s“ oder „Alles eine Hollywood-Inszenierung“), ist kein Verschwörungsirrer, sondern zunächst mal ein kritisch Fragender bzw. ein Skeptiker. Zur Skepsis gab die damalige US-Regierung unter Bush manchen Anlaß. Die Frage „Cui bono?“ kann nicht als Argument dienen, um etwas zu beweisen, weil mögliche Motive eine heikle Sache sind. Aber diese Frage kann dennoch als heuristisches Werkzeug beim Recherchieren hilfreich sein.

    Ja, wir leben anscheinend in Zeiten, die sich der Katalogisierung entziehen. Auch Ihre Beispiele deuten darauf. Man betrachte nur den Fall Deniz Yücel, wo sich plötzlich eine linke Querfront bildet, die sich manisch mit Springers neuer junger Garde solidarisiert. Man lese nur bei der Antideutschen Julia Schramm, die – man höre, man staune! – nach dem Staat ruft. Das ist dann fast schon wieder komisch. Aber man bettet sich halt so, wie es einem paßt. Notfalls legt man sich auch zu Friede Springer, Döpfner und Poschardt ins Lotterbett.

  7. Ich werde die AfD auch nicht wählen, aber ich kann schon verstehen wenn manche es tun, weil man sich allgemein so schäbig denen gegenüber verhält, und auch noch aus einer angeblich moralischen Motivation heraus. Man muss doch wirklich nicht viel von Moralphilosophie verstehen, um zu wissen, dass man moralische Ziele nicht mit unmoralischen oder zumindest moralisch fragwürdigen Mitteln verfolgen kann.

  8. ziggev schreibt:

    Zitat aus dem letzen Absatz: „… wird auch diese Aktion wieder eine Bestätigung für die vermeintliche linke Diskurshoheit sein.“ Klug, hier von „vermeintliche“ zu sprechen. Wenn dieser „Hoheit“ nichts als „autoritäre[n] Methoden und Drohungen“ bleiben, so stellt sich die Frage, ob eine solche je, oder bis wann, bestanden hat. Nein, falsch !! Es handelt sich hier um ein frenetisches Abfeiern der Urhorde ob der leztendgültigen Niederlage der Linken, die offensichtlich weit davon entfernt ist, an ihre ehem. Ideale anzuknüpfen und sich auf intellektuellentypische Zickenbissigkeit verlegt.

    In Wahrheit haben AFD und Consorten schon längst die „Diskurshoheit“ erlangt; wenn wir nur die politischen Fakten einfach als solche zur Kenntnis nehmen. Niemand (außer mir, ziggev, natürlich) hat auch nur Merkels „Verteidigung“ ihrer „Flüchtlingspolitik“ (die es als solche natürlich gar nicht gegeben hat, außer dass alles genau, jedenfalls von mir, vorauszusehen gewesen ist, genauso, wie es dann auch passierte) wahrgenommen. Stattdessen über 1 Jahr – ein Jahr – auf allen Kanälen, auch den „Öffentlich-Rechtlichen“, nur und ganz alleinig die eine Diskussion: Was macht jetzt die AFD?

    Hartmut (oder hf99), der sich seit Langem jüngst wieder mit einer höchst instruktiven Analyse eines Gedichts Nietzsches auf tell-review.de gemeldet hat, hätte, wie ich ihn – schon etwas her (…) – kenne, von selbst-zerfleischenden, oder ähnlich, Kräften intern der Linken gesprochen. Nun, ich habe ihm nie geglaubt, nie so richtig. Meine persönliche Selbstzerfleischung hatte ich nie als besonders „links“ verstanden.

    Aber dieses Lamento, diese große Klage, ob dieses überdeutlichen Mangels an linker intellektueller Satisfaktionsfähigkeit, spielt sie nicht bereits auf demselben Instrument der reaktionären Schadenfreude über diese Niederlage?

  9. Dieter Kief schreibt:

    Werte Damen und Herren Lesen- und Schreibende! – Ich bin erstaunt über die Drift, die das hier hat. Ich fasse zusammen: Es geht nicht einfach darum, das bessere Ende für sich zu haben – es geht (auch) um richtige Beschreibungen und ordentliche Argumentationen.

    Splitter: „Satisfaktionsfähigkeit“. Ich ergänze: Ehre, hehe. Als Stoff für den Hinterkopf. – Und ich mache die Gegenprobe: Bräsigkeit, Selbstgewissheit, Wasserverdrängerei, Leugnung, strategisches Diskussionsverhalten.

    PS – Bis auf meine sozusagen antiquierenden Paraphrasen passt praktisch alles in die Theorie des Kommunikativen Handelns. Das aber dürfte nicht daran liegen, dass Habermas so genial ist, sondern, wenn man das schon nach Art der Mode personalisieren wollte: Daran, dass Habermas so bescheiden ist – und daran, dass wir Menschen aus dem cum grano salis immerzu gleichen „krummen Holz“ (Kant) geschnitzt sind.

    Dessen erste Biegung aber hört auf den Namen Rationalisierung, und jede, die jetzt einfach Max Weber ruft, hat sich bereits fünfzig von hundert Punkten verdient. Die andern fünfzig Prozent kommen von Freud.
    Gut – und das ist jetzt die erste Biegung des krummen Holzes gewesen.

    Die zweite, die dritte, die vierte: Hoffart, Narzissmus, Genussfeindlichkeit, Sündenstolz (=Masochismus). Die Fünfte Faulheit/Bequemlichkeit.

  10. Bersarin schreibt:

    ziggev, ein großer Teil der Linken hat leider so unendlich abgewirtschaftet. Statt andere beständig zum Privilegiencheck aufzufordern, hätte sie gut daran getan, ihre eigenen Privilegien zu checken und sich ihre Pfründe zu betrachten, die sie beim Marsch durch die Institutionen erwirtschafteten. Aber darum geht es eigentlich nur marginal. Thema war ein unsäglicher Aktivismus der selbstverordneten Anständigkeit. Ich habe für solche Aktionen, die zum direkten Boykott aufrufen, kein Verständnis. Wobei das ein zweitrangiger Einwand ist. Wichtiger ist, daß diese Leute zu feige sind, sich dieser Diskussion in Zürich zu stellen und daß sie zudem im Namen anderer sprechen, aus dem fernen Berlin zumal.

    Daß die AfD die Diskurshoheit erlangt hat, müßtest Du bitte nachweisen, ziggev. Ich fürchte eher, daß es sich hier um eine Verallgmeinerung handelt. Daß man jedoch über eine Partei diskutiert, die aus dem Stand heraus mit zweistelligen Wahlergebnissen das letzte Jahr in fünf Bundesländern ins Parlament einzog, sollte nicht verwundern. Wer Merkels Flüchtlingspolitik kritisiert, ist übrigens nicht automatisch AfD, nur weil das die ordre de ziggev so anbebefiehlt. Du folgerst etwas, daß sich aus der Prämisse nicht mit Notwendigkeit ergibt. Ein Schluß etwa in der Form, den man der AfD als falsch vorhält: Wer für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Arabien ist, ist für die Islamisierung der BRD. Da siehst Du vermutlich ein, daß der Schluß nicht funktioniert. Man sollte in diesen Dingen also schon etwas differenzierter hinschauen und betrachten. Das zumindest wäre von Philosophen zu erwarten: Wie und in welcher Weise wird kritisiert? Was wird konkret kritisiert?

  11. Wenn alle auf einen einprügeln, ist das dann auch Diskurshoheit?

  12. Dieter Kief schreibt:

    „Wenn alle auf einen einprügeln, ist das dann auch Diskurshoheit?“

    Nein.

  13. ziggev schreibt:

    es müsste eigentlich zuerst die angeblich „linke“ Diskurshoheit nachgewiesen werden. Ein Argument wie „Daß man jedoch über eine Partei diskutiert, die aus dem Stand heraus mit zweistelligen Wahlergebnissen das letzte Jahr in fünf Bundesländern ins Parlament einzog, …“ lässt mich begriffsstutzig zurück. Ich vermisse die Fairness des argumentativen Sportmanns. Ein solches Argumentum ad populum fasse ich als persönliche Beleidigung auf.

    Wie schließen nicht notwendig aus den Prämissen, wir schließen notwendig auf die Prämissen.

  14. Bersarin schreibt:

    Etwas Angebliches muß nicht nachgewiesen werden, eben weil es angeblich ist und damit nicht nachweisbar („vermeintliche linke Diskurshoheit“).

    Aus Prämissen wird etwas geschlossen: Alle Menschen sind sterblich, Sokrates ist ein Mensch. Daraus schließe oder folgere ich, daß auch Sokrates sterblich ist. Ansonsten ist das eine Frage, wie jemand sprachlich die Präposition verwendet. In unserer normalen Sprache folgern wir etwas aus anderem: „Ich folgere aus dem Gesagten“ und nicht „Ich folgere auf dem Gesagten“. Allerdings ändert dieser Sprachverhalt nichts an dem Fehlschluß von der Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung auf AfD-Sympathie.

    Wer sich mit den Wahlergebnissen der AfD nicht beschäftigen will, muß das nicht tut, ziggev, dazu ist niemand gezwungen. Aber es sollten dann im September die Schweiger und die Weiterso oder eine narkoleptische Kanzlerin sich nicht über zweistellige Ergebnisse für die AfD wundern.

    Wer vor einem Redner wie Jongen bereits Angst hat und sich die Hosen vollscheißt, wie jene Protestler, wie will der eigentlich vor hartgesottenen AfDlern bestehen? Insofern lobe ich mir die Aktion von Sascha Lobo letzten Samstag am Berliner Hauptbahnhof, wo er sich einer Anti-Merkel-Demo entgegenstellte und mit deren Teilnehmern eine Diskussion begann. DAS ist Mut und Tatkraft und praktizierte Demokratie. Man könnte auch sagen: Sokrates auf dem Marktplatz. Aber so hoch wollen wir den Lobo nun doch nicht loben.

  15. ziggev schreibt:

    vielleicht bin ich etw. weniger AFD-anfällig, weil ich Zäune in Europa bereits zu Zeiten der Osterweiterungen i.d. 90ern voraussah. Eine ganz einfache Rechnung. Je mehr Osterweiterung, desto „besser“ für die Etablierung eines Niedriglohnsektors. Irgendwie bin ich nie in die Verlegenheit geraten, mir „linke“ Pfründe zu sichern. In einem gewissen Ausmaß hat die Linke in meinen Augen schon lange „abgewirtschaftet“. Ich fand das dann eher belustigend, als jene Generation, nur ein paar Jahre älter als ich, über die „Generation Praktikum“ aufzuheulen begann. Einen richtigen Groll vermag ich gegenüber eine solche Selbstgerechtigkeit auf „linker“ Seite nicht zu empfinden. Ein PAL („Problem anderer Leute“).

    Was Du, bersarin, nicht beachtet hast, ist, dass ich den Gegenstand einer möglichen Kritik an einer angeblichen merkelschen „Flüchtlingspolitik“ als Phantasma gekennzeichnet habe, denn ich sagte ja: „die es als solche natürlich gar nicht gegeben hat“. Landauf und landab ist dieses völlig leere Gefasel von einer „Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik“ zu hören gewesen. Diese „Kritik“ wurde aber nirgends konkretisiert. Die Fragen: „Worin besteht Merkels Flüchtlingspolitik?“ und „Worin besteht die Kritik?“ wurden nicht einmal gestellt. Seehofer und AFD, vor vollendete Tatsachen gestellt, waren einfach nur stinksauer, dass Merkel ihnen die Gelegenheit genommen hatte, ihrem ekligen Populismus zu fröhnen. Es dauerte ein paar Monate, bis sie sich wieder aufgerappelt hatten, jetzt kamen Obergrenzen ins Gespräch, völlig absurd, die zu dem betreffenden Zeitpunkt nur mit Schießbefehl hätten durchgesetzt werden können. Diese Implikation nicht aussprechend, wurde versucht, an die Ressentiments, wie sie z.T. von der AFD bedient werden, zu appellieren.

    Ich wiederhole mich: als Merkel ihre „Flüchtlingspolitik“ „verteidigte“ – obwohl es gar keine inhaltliche Kritik gegeben hatte – mit Frau Will (glaube ich) im langen Interview, wurde nirgends, nicht am folgenden Tag und auch nicht am darauf folgenden, darauf Bezug genommen. Überall fuhr man fort, in vorauseilendem „Gehorsam“ vor einem fiktiven Voklszorn weiterhin von „Merkelkritik“ usw. zu reden. Diese „Kritik“ äußerte sich aber lediglich als „Islamkritik“, usw., bis zu hetzteähnlichen Reden.

    Dieser Zustand dauerte etwa ein Jahr an – bis die AFD in verschiedene Parlamente eingezogen war. Inzwischen hatte dieser AFD-Vertreter in der „Phönix – Runde“ sich als relativ vernünftig/rational gegeben, durchaus „demokratiefähig“ oder für AFD-Verhältnisse gemäßigt, bis ihm keine Argumente mehr geblieben waren – um dann, alles zuvor Gesagte wieder einkassierend, von Leuten mit einem „völlig anderem“, und fremden kulturellem Hintergrund zu sprechen.

    Darauf beschränkt sich aber die Merkelkritik. Viele Menschen sind besorgt, also existiert auch ein Grund, der zu diesen Sorgen berechtigt. Ein doch eher seltsamer Schluss, wenn es dabei belassen wird. Seehofer und AFD waren noch überrumpelt von Merkel, es hatte ihnen die Sprache verschlagen, da wurden schon „aus der Mitte der Gesellschaft“ ihnen Zugewinne prognostiziert. Über ein Jahr war dies das vorherrschende Thema. Seehofer brauchten gar nichts mehr tun, etwa seine Merkelkritik zu konkretisieren. Statt einer Konkretisierung einer lediglich als Popanz erfundenen „Merkelkritik“ scheint man es landläufig für opportun zu halten, Blauäugigkeit in Form eines Arumentum ad populum zu unterstellen, „man werde schon sehen …“. Bei gleichzeitigem Sich-Verwehren, angesichts einer nur behaupteten Merkelkritik gleich der AFD zugeordent zu werden, wird aus einer vielleicht ehrlichen Besorgnis kurzerhand eine Drohung mit einem AFD-Populismus. Populismus: Es wird Stimmung gemacht, insbesondere, wenn Argumente fehlen. Wenn Argumente fehlen, wird damit gedroht, dass Leute erhebliche Zugewinne verzeichnen würden könnten, die ihrerseits nur allzugerne auf Argumente verzichten.

    „Ich habe keine Argumente – Du wirst schon sehen!“

    Angesichts dieses Ersetzens des Arguments durch die Drohung frage ich mich, wie Du Dich über eine – von Dir lediglich imaginierte – Haltung meinerseits, dass, wer Merkels Flüchtlingspolitik kritisiert, automatisch AfDv sei, so erstaunt zu geben vermagst. Und woher kommt denn eigentlich die Eingebung, mich würde es erstaunen, wenn anstatt Merkels Haltung zu diskurtieren oder ihre tatsächliche Politik zumindest zu thematisieren, immerhin Kanzlerin, über ein Jahr lang einzig und allein in vorauseilendem Gehorsam gegenüber einem implizierten, aber außer ganz rechts ja nie festgemachten, „Volkszornes“ über die AFD im Namen einer herbeifantasierten „Merkelkritik“ gesprochen wird, wenn dann die AFD bei Wahlen punkten würde.

    Auch wird in krokodilstränenersticker Anteilnahme für sozial Schwache AFD-Wähler Verständnis für diese Klientel geübt oder behauptet. Das hat den Vorteil, sich den Schuh einer womöglich ja geteilten Fremdenfeindlichkeit nicht anziehen zu müssen. Nun wird aber absurderweise aus einer implizierten möglicherweise argumentativer Schwäche, die bei den armen AFD-Wählern anzunehmen wäre, die argumentative Schwäche der sog. „Merkelkritik“ impliziert, sofern also eine solche geübt werde, deren Schwäche in Teilen zumindest eingeräumt.

    Eine linke Diskurshoheit ist lange passé. Zweifele ich eine solche an, wodurch Du ja einen Deiner Liebligsgegner verlieren könntest – dass die Linke sich wie oben diskutiert eher lächerlich macht, deutet m.E. darauf hin -, scheinst Du es geradezu darauf anzulegen, Dich argumentativ zu vergalloppieren. Erst verlangst Du einen Nachweis einer AFD-Diskurshohiet, dann räumst Du aber sofort ein, dass über eine Partei diskutiert werde, „die aus dem Stand heraus mit zweistelligen Wahlergebnissen das letzte Jahr in fünf Bundesländern ins Parlament einzog“. Ich habe lediglich daran erinnert, dass über ein Jahr lang über nichts anderes thematisiert wurde, als dass genau das passieren könnte. Ohne jede Not hat man – die Sphäre des Argumentierens verlassend – sich für den öffentlichen Diskurs die Vorgaben von der AFD, wenn nicht von einer lediglich herbeiphantsierten Stimung im Volk, machen lassen.

    Lustigerweise ist es ausgerechnet Trump, der Merkels Flüchtlingspolitik, „irgendwer muss an der europäischen Idee festhalten“, zumindest in Teilen zum Durchbruch verhelfen könnte. Angesichts der Trump-Forderung nach höheren Militärausgaben von Europa-Natoländern hat es bereits große Übereinstimmung darüber gegeben, dass Europa „zusammenrücken“ sollte. Merkel hat Deutschland in die Lage versetzt, glaubwürdig größere europäische Solidarität in Sachen Flüchtlingsströme zu fordern. Was nicht hätte möglich gemacht werden können, wenn die Abschottungspolitik betrieben hätte. – Was wiederum gar nicht durchführbar gewesen wäre. Es wäre alles auf populistische Rhetorik hinausgelaufen. Zu der sich jedoch, als es aktuell wurde und alle Durchzugsländer, einschließlich Österreich, einfach die Flüchtlinge durchwinkten, nicht mal Seehofer und AFD hatten durchringen können.

    Eine substanzielle Merkelkritik fehlt offenbar bis heute so überdeutlich, weil niemand als schlechter Verlierer dastehen will. Dieser Makel soll nun durch das Vermeiden von Argumenten verschleiert werden.

  16. Lies mal diesen Artikel:https://www.welt.de/politik/deutschland/article162582074/Fast-haette-Merkel-die-Grenze-geschlossen.html

    „Die Kanzlerin traf keine Entscheidung, sondern verlangte von ihrem Minister Zusagen, dass die Grenzschließung vor Gerichten Bestand haben würde und es außerdem keine öffentlich schwer vermittelbaren Bilder vom Einsatz der Bundeswehr gegen Flüchtlinge gebe.“

    Es ging nie um Humanität, Merkel wollte nur keine schlechte Presse haben. Das ganze hat nichts mit Moral zu tun, habe ich auch nie gegkaubt.

  17. Bersarin schreibt:

    So ist es El Mocho. Naiv anzunehmen, daß Politik mit Moral zu tun hat. Hier ging es darum, daß qua BRD, Schweden, Frankreich auch Europa sich an den Kosten für einen Regime-Change in Syrien (H. Clinton) beteiligt. Stichwort: Flüchtlinge aufnehmen, Stichwort: Dem Regime Wehrfähige entziehen. Stichwort: Fachkräfte außer Landes bringen.

  18. Bersarin schreibt:

    Kleine Buchempfehlung noch, neben Boualem Sansal „Allahs Narren“, Zana Ramandani: Die verschleierte Gefahr. Europa Verlag, womit wir schon einmal bei einer ersten Kritik wären, ziggev:

    „Wir müssen aufhören mit der falschen Toleranz gegenüber dem Islam.“

    „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, sagt Zana Ramadani. „Muslime gehören zu Deutschland – aber nur, wenn sie sich dieser Gesellschaft anpassen.“ Doch das kann nicht gelingen, solange die überkommenen Regeln einer vormodernen Religion auf die heutige westliche Welt angewendet werden und muslimische Mütter frauenfeindliche Werte an ihre Söhne und Töchter weitergeben. Ramadanis Forderung: „Wir sollten in Deutschland weniger über Islamkritik debattieren und mehr über die negativen Ausprägungen dieser Religion, einschließlich des Terrorismus.“

  19. Bersarin schreibt:

    Deine Ausführen, ziggev, sind leider in vielem argumentativ unsauber, wenn nicht unredlich. Dazu gleich mehr. Ansonsten kann ich Dir nur raten: Mitleid ist eine feine Regung, nur ist Mitleid in der Politik und bei konkreten gesellschaftlichen Fragen mitunter ein schlechter Ratgeber, weil der gute und gewünschte Effekt unter dem Diktat der Realien sich leider oft ins Gegenteil des Gewünschten verkehrt. Hier aber sind wir nicht in einem philosophischen Seminar, sondern es stellen sich ganz konkret Fragen, wie ein Staat, ein Gemeinwesen diesen Zuzug, manche sagen auch Strom, bewältigen kann.

    „vielleicht bin ich etw. weniger AFD-anfällig, weil ich Zäune in Europa bereits zu Zeiten der Osterweiterungen i.d. 90ern voraussah.“ Es ist schön, daß Du Hellseher bist, ziggev, nur tut das hier nicht zur Sache. Auch ist das kein Grund weniger AfD-Anfällig zu sein, weil Du in eine Hellseherkugel geblickt oder mit politischem Verstand etwas vorausgeschaut hast. Der AfD-Wähler dürfte sich übrigens, was den Islam betrifft, auf ähnliches berufen: immer schon geahnt und gewußt zu haben.

    „Was Du, bersarin, nicht beachtet hast, ist, dass ich den Gegenstand einer möglichen Kritik an einer angeblichen merkelschen „Flüchtlingspolitik“ als Phantasma gekennzeichnet habe, …“ Du kannst gerne allesmögliche behaupten und was Du willst kennzeichnen. Nur muß ich Dir dies ohne Angabe von Gründen nicht glauben. Der Gegenstand der Kritik an der Flüchtlingspolitik der BRD ist folgender: Die Flüchtlinge bringen zunächst einmal für ein Land eine Mehrbelastung. Es kommen Menschen, die vorher nicht da waren. Sie kommen in einer großen Zahl, nicht mal eben einge Tausend. Es kommen Menschen aus einer völlig anderen Kultur, das sind keine (protestantischen) Hugenoten aus Frankreich, die sich für Preußen als nützlich erweisen. (Und von denen ich, neben polnischem Blut, auch ich abstamme.) Sie kosten viel Geld, dieses Geld muß irgendwo herkommen. Zudem fliehen hierher Menschen mit einem anderen religiösen Hintergrund. Das dürfte nicht unproblematisch sein. Angefangen bei der Erziehung. Wie es sich auswirkt, wenn man das nicht berücksichtigt, sehen wir gegenwärtig bei den zahlreichen Einsätzen der Polizei in Flüchtlingsheimen.

    Diese Menschen wären, wie die meisten, lieber in ihrer Heimat in Frieden als hier. Wenn aber westliche Regime sogenannte „Rebellen“, die merkwürdigerweise in anderen Zusammenhänge wie dem 9/11 muslimische Terroristen genannt werden, mit Waffen und Logistik ausrüsten, wie etwa in Syrien, dann kann allerdings dort kein Frieden entstehen. Aber das sind Fragen der Außenpolitik. Der andere Aspekt ist das Recht und die Pflicht eines Staates seinen Bürgern gegenüber, Grenzen zu schützen und seine Souveränität zu sichern und vor allem festzuhalten und zu registrieren, wer wann und wie in die BRD einreist. Insofern mein Plädoyer: Sofort das Abkommen von Schengen aussetzen.

    Substantielle Kritik an Merkel haben unter anderem Seehofer, Sloterdijk, Safranski und viele andere, unter anderem hier auch Dieter Kief geäußert. Mit einem banalen „Wir schaffen das“ ist es nicht getan. Nach einer solchen Rede fühlen sich – zu recht – große Teile der Bevölkerung verschaukelt. Zumal wenn sie sehen, daß da nichts geschafft wird. Wo jahrelang für Reparaturen in Schulen kein Geld vorhanden war, wo in der öffentlichen Daseinsvorsorge konsequent kleingespart wurde. Und schon gar nicht schaffen „wir“ das damit, unkontrolliert Grenzen aufzureißen. Es hätten dringend Transiträume geschaffen werden müssen. Bis heute weiß kein Mensch genau, wer hier alles lebt und sich hier aufhält. Das halte ich für geradezu sträflich, und es ist auch zu fragen, ob ein solches Verhalten einer Kanzlerin tatsächlich mit ihrem Amt vereinbar ist.

    Aber wir können es drehen, wie wir wollen: es ist so, daß in einem demokratischen Gemeinwesen die Wähler entscheiden, welche Politik sie wollen. Eine der offenen Grenzen, des unkontrollierten Zuzugs, der uns solche Kräfte hierherbringt, die bis vor kurzem noch in Palmyra Ruinen sprengten oder Schwule von Häuserdächern stießen oder in Assads Kellern folterten. Oder ob die Wähler das lieber aufs äußerste begrenzt wollen.

    Um Dir zudem, ziggev, nur mal überblickshaft einen Eindruck über einige Probleme zu vermitteln, eine kleine Liste:

    „Junge Migranten kosten Deutschland vier Milliarden. Trotz der vergleichsweise hohen Straffälligkeit in dieser Gruppe wurde im Jahr 2016 kein Unbegleiteter abgeschoben. Aus der CDU kommt nun die Forderung, per Handy die Eltern zu finden.“ In der Tat. Summen, die man sinnvoller ausgeben kann.
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article162274380/Junge-Migranten-kosten-Deutschland-vier-Milliarden.html

    Schwulenfeindlichkeit der Migranten:
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article162251786/Wie-schwulenfeindlich-sind-muslimische-Migranten.html

    Ein schöner Bericht auch von Don Alphonso zu einigen Detailproblemen und besonders zu jenem Flüchtling in Freiburg, der die junge Studentin ermordete, sowie daran anschließende Probleme unter anderem ein Anstieg von 40% bei den ausländischen Sexualstraftätern.
    https://blogs.faz.net/stuetzen/2016/12/14/auch-nach-freiburg-keine-stimme-fuer-die-afd-7249/

    Und diesen Bericht über Kriminalität kann man gerne erweitern um die täglichen Schlägereien in Flüchtlingsunterkünften.
    http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article209248093/Wie-viele-Fluechtlinge-sind-in-Hamburg-kriminell.html

    Also, ziggev, so zu tun, als sei hier alles Friede-Freude-Eierkuchen und hier käme aus dem Orient die Heilsarmee angereist: Das entbehrt nicht einer gewissen Chuzpe. Womit wir beim nächsten Aspekt sind, der da heißt Antisemitismus. Viele der jüdischen Gemeinden in der BRD sind geradezu erpicht darauf die freundlichen neuen Nachbarn aus den IS- oder Assad-Gebieten zu Gast zu haben.

    Alle diese Probleme sollten keinen Anlaß zur Fremdenfeindlichkeit geben und sie dürfen auch kein Grund sein, das Recht auf Asyl einzuschränken. Allerdings sollte zum einen die BRD sehen, wen sie ins Land läßt. Und bei aller Humanität ist kein Land der Welt gezwungen, deswegen am Ende sein Gemeinwesen aufs Spiel zu setzen. Und auch weiterhin sollte der Westen sehen, daß er keine sinnlosen Kriege entfesselt, die Flüchtlinge produzieren. Schade, daß Du diesen Aspekt so systematisch ausblendest, ziggev. Wenn die USA es vorhat, den Nahen und Mittleren Osten derart zu destabilisieren, dann müssen die USA dafür aufkommen und ggf. die von dort Flüchtenden aufnehmen. Du siehst also, daß es mehr als genug Kritikpunkte an Merkels Politik der offenen Grenzen gibt. Neben den innenpolitischen Problemen hat das übrigens auch Auswirkungen auf die EU. Denn es sind keineswegs alle Länder von diesem ungehemmten Reisen angetan.

  20. ziggev schreibt:

    ja, aber wo liegt hier der Witz ? Nichts anderes habe ich ja gesagt: Dass eine Abschottungspolitk gar nicht durchführbar gewesen wäre. Dass selbst ein Seehofer sich nicht zu einer entsprechenden (populistischen) Rhetorik hatte durchringen können. Weil er zu feige war, – mittelbar – für zu erwartende unschöne Szenen verantwortlich gemacht zu werden. – Oder soll wieder das wohlfeil-triviale Narrativ bemüht werden, dass jemand, der Merkels „Politik“, die einfach nur aus ihrem Optativ „Wir schaffen das!“ und „Sonst ist das nicht mehr meine Land“ bestand, gegen inhaltslose Kritik verteidigt, logisch an ihre moralische Vortrefflichkeit glaubt. Ein bisschen zynische Phantasie bitte bemühen! Dann ist ja auch vorherzusehen gewesen, wie von mit prognostiziert, was auch eintrat: Die Balkanrouten-Länder, die sich, nebenbei, per Lippenbekenntnis zur europäischen Zusammenarbeit bekannten, machten Schritt für Schritt „zu“. Es würde immer „härter“ werden an den Grenzen, sprich, die Asylgesetzgebung wurde verschärft. Hat wirklich jemand etwas anderes erwartet, wenn Merkel von ihrem berühmten „Schritt für Schritt“-Vorgehen sprach?

    Nur weil sich keiner getraut hat, außer mir natürlich, Merkel gerade wegen ihres Zynismus zu loben, kam dann ausgerechnet aus CSU-Kreisen (war es Stoiber?), dass nun Balkanländer die „Drecksarbeit“ machten. Anstelle „TINA“ – plötzlich das sehr wenig überzeugende „Sonst ist das nicht mehr meine Land“. Was natürlich, vollkommen gegenstandslos, als „antidemokratisch“ denunziert wurde. Natürlich forderte niemand einen Rücktritt, angesichts dieses Junktims.

    Niemand wollte sehen, dass es sich bei der sog. Merkelkritik um einen König ohne Kleider handelte, weil einfach gegenstandslos. Niemand hat im Zuge solcher Kritik ihr Zynismus vorgehalten. Dabei hätte ein eiskalter, amoralischer Blick ihn offenlegen müssen.

    Ich habe doch deutlich gemacht: Merkels Schritt war riskant. Ein Erstarken der AFD musste eingepreist werden. Soll jetzt also allen Ernstes mir unterstellt werden, wozu ich nie Anlass gegeben habe, dass ich Merkel aus einer Art Naivität – es wird schon alles gut! – unterstütze? Nein! Nur ein Mangel an realistischem, meinetwegen zynischem, eiskaltem Hinsehen macht es erforderlich, etwas wie Naivität zu unterstellen, sollte sich jemand gegen gegenstandslose und damit sich im AFD-Fahrwasser bewegende „Merkelkritik“ stellen.

    Dann wird sich mit dem Gemeinplatz, dass Politik nichts mit Moral zu tun habe, in Pose geworfen. Ergibt aber nur Sinn, wenn an einer Unterstellung, es handelt sich um eine Projektion der eigenen Furcht vor zynischer Phantasie, für die ich aber nirgends Anlass gegeben habe, festgehalten wird. Aus dieser reaktionären Pose des vermeintlich kalten Blicks auf die Politik im amoralischen Modus heraus soll jetzt etwa die Drohung, „…. wirst schon sehen“, gerechtfertigt werden ?

    Politik mag mit Moral nichts zu tun haben. Agitation bei Fehlen von Argumenten allerdings schon.

  21. Bersarin schreibt:

    Nein, Merkel ist nicht naiv. Sie ist eiskalt und sie spielt qua unkontrollierter Massenmigration vor allem mit dem Sozialstaat, da sie willfährig die Politik der USA mitträgt. (Den Migranten im übrigen kann man am wenigsten einen Vorwurf machen, sondern vielmehr denen, die auf Kosten dieser armen Menschen ein Land in Trümmer legen.)

    Ansonsten denke ich, ziggev, daß Du meinen Text nicht gelesen hast. Und vor allem, wie kommst Du auf den Unsinn, daß eine Abschottungspolitik nicht durchführbar sei? Natürlich ist sie das. Zudem: Grenzkontrollen und Transitlager sind ganz sicher keine Abschottungspolitik, sondern sie sind das, was in dieser Situation angemessen ist. Darauf wies Seehofer hin. Das einzige Land, das sich in dieser Sache dicht macht, sind die USA, die einen großen Teil der Verantwortung für den Krieg in Syrien tragen, da sie Terroristen ausrüsten.

  22. ziggev schreibt:

    mein letzter Kommentar bezog sich auf El_Mochos und den dann folgenden von Dir. Offenbar hast Du Deinen längeren dann folgenden vor dem Zwischenruf als Antwort auf El_Mocho verfasst, und ihn dann nicht mehr überarbeitet.

    Der Punkt ist, ich lasse mir einfach nicht drohen oder Schönwetter-Gerede unterstellen. Letzteres ist reine Projektion Deinerseits. Diese Unterstellungen konnten offenbar zustandekommen, weil Du nicht meine Prämisse gesehen hast (um einmal auf die Prämissen zurückzukommen). Wenn Merkel ihre „Politik“ verteidigt, stundenlang, und in den nächsten 2 Tagen nirgends, insbesondere nicht von sich als „Kritiker“ Verstehenden darauf Bezug genommen wird, so darf man sich doch wohl fragen, was es mit einer solchen „Kritik“ auf sich haben möchte. Bei mir liefen jedenfalls die Tage ununterbrochen DLF und Phönix, auch bei Perlentaucher nachgeschaut. Ich denke, Du kennst auch die Presseschauen im DLF. Aber nichts!

    Meine Prämissen sind also: Wenn die Voraussetzungen für eine substanzielle Merkel-Kritik gar nicht gegeben sind, entweder weil es eine Flüchtlingspolitik, die diesen Namen nicht verdient,gar nicht gegeben hat oder weil ihre nachgereichte „Verteidigung“, also die merkelsche Position, einfach nicht zur Kenntnis genommen wird, – dann verteidige ich Merkel gegen eine solchermaßen notwendig substanzlose Kritik.

    Ich verstehe also Deine Einlassung gar nicht: „Du kannst gerne allesmögliche behaupten und was Du willst kennzeichnen. Nur muß ich Dir dies ohne Angabe von Gründen nicht glauben.“ Ich wollte an dieser Stelle einfach zum x-ten Mal meine „Prämissen“, wenn Du es so willst, darlegen (Du wolltest sie ja, und da waren sie doch!).

    Auch hat die folgende Entwicklung alles andere gezeigt, als dass nun aus Naivität Merkel unterstützt werde. Die Asylgesetzte haben sich verschärft, Afghanistan als „sicheres“ Herkunftsland eingestuft. Die „Balkan-Route“ dichtgemacht. Alles, ein bisschen Zynismus vorausgesetzt, vorhersehbar.

    Das Argument also: Es hat gar keine Merkel-Kritik geben können, weil entweder es gar keine Flüchtlingspolitik gegeben hat (wofür El_Mochos Einwurf spricht – in diesem Fall sogar ausnahmsweise wirklich TINA) oder weil die Kritik an Merkels Politik, die ja auch Alternativen hätte benennen können, Merkels Argumentation einfach ignorierte. Very simple also.

    Da Du Dich ja immerzu in Unterstellungen und Fallstricken Deiner eigenen Argumentation verhedderst, unfähig, auch nur ein Argument meinerseits wahrzunehmen, will ich Dir jetzt sagen, wie Du hättest argumentieren sollen: ‚Merkel hat eine ausgesprochene Nicht-Politik ins Werk gesetzt. Ohne auch nur eine geringste Vorstellung des Wie freizusetzen, hat sie das Phantasma eines Deutschlands mit offenen Grenzen in die Welt gesetzt. Ihrem „Wir schaffen das“ müssen wir leider entgegnen: „Sieht ganz so aus, dass wir es nur unter erheblichen Kosten ’schaffen werden‘. Vielleicht gar nicht.“‚

    Also: Na gut, Merkel, mit Ihrem „Wir schaffen das“ – die Zeichen stehen nicht nur gut, was das betrifft. Die Frage nach der Einlösbarkeit ihres Optativs beinhaltet aber noch keine Kritik ihrer Politik. Sie unterstreicht bloß die Dringlichkeit, mit der jener Optativ mit einer gewissen Hilflosigkeit als Parole ausgegeben wurde.

    Kontrafaktisch müssen allerdings (falsche) Verallgemeinerungen (Merkels Politik der „offenen Grenzen“) herangezogen werden, und Diffamierungen von solchen wie mir, die einfach nur Schlimmeres, wo es geht, vermeiden wollen, als Naivlige, um sich dem allgemeinen haltlosen Gerede von „Merkel-Kritik“ gemein machen zu können. Als würde Merkelsche Politik diese unübersehbaren Probleme, die gerne aufgebauscht werden, ich kenne auch andere Zahlen, kontinuierlich produzieren. Das ist einfach falsch.

    Diese Argumente, wie in dem von Dir empfohlenen Buch oben, müssen natürlich auf den Tisch. Eine Aufzählung dieser Schwierigkeiten, verbrämt als „Merkel-Kritk“, hinterlässt nur den Eindruck, uns würde durch Naivität oder merkelscher Sorglosigkeit eine Überfremdung und dergl. mehr aufgezwungen. Entspricht aber nicht den Tatsachen. Ressentiments usw. sind also bloß eine letzlich nachvollziehbare Reaktion gegen eine aufgezwungene Politik. Um dieses Argument – besser ja jeglichem Ressentiment freien Lauf Lassen – nachträglich abzusichern, wird Blauäugigkeit jerner unterstellt, die nach Kräften qua Sprachvermittlung schlimmstes, wofern möglich, verhindern wollen.

    Das Muster ist doch so simpel, wie jeder Populismus immer ist: Es muss einen Verantwortlichen geben! Sei es Merkel oder „die andere Kultur“ oder was auch sonst noch, wenn es mölw. eng wird. Wo bleibt hier das amor fati des desillusionierten Bewohners des Hotel Abgrund? – Ich jedenfalls habe mich mit dem Unvermeidlichen abgefunden.

    „Hey, warum da ganz hinten? Wir sind hier ‚western civilisation‘, komm´doch mal nach vorne, wir sind hier in Deutschland, ist Europa, mitteleuropäische Kultur … „, rief ich der Afghanin gestikulierend auf Englisch und Deutsch zu, die hinter uns, fünf Meter hinter ihrem Mann, mit uns zur Bushaltestelle ging. „Komm her, wir gehen zusammen, das ist Deutschland, Europa!“

    Da muss man sich halt mal buchstäblich gebärden. Wir gingen dann auch den restlichen Weg zur Bushaltestelle zusammen. Du glaubst gar nicht, wie schnell der Groschen fällt! Um solche minimalen Fortschritte, „Stück für Stück“, zu erreichen, ist, wie einleuchten sollte, alles andere als tränentriefendes Mitleid (in vielen Fällen aber auch Fortschritte nur über Empathie zu bewerkstelligen, es ist eben manchmal nur traurig) und naives „Gutmenschentum“ angesagt. – Ganz imGEgenteil, nur wo eine auch skeptische Haltung obwaltet, kann dort, wo sich Chancen bieten, auch unterstützend eingegriffen werden.

    Also, bitte, hör auf damit, nur weil Du unbedingt die AFD unterstützen willst, mir Mitleidigkeit und Naivität zu unterstellen! Denn auf nichts anderes denn eine solche Unterstützungen laufen diese Unterstellungen hinaus.

  23. Bersarin schreibt:

    Daß Du meine Einlassungen nicht verstehst, ziggev, glaube ich Dir aufs Wort. Morgen wirst Du uns dann zeigen, daß fünf Engel auf einer Nadelspitze tanzen können. Das ist sicherlich lustig. Nur haben wir es in Fragen der Flüchtlingspolitik nicht mit der Scholastik, sondern vielmehr mit pragmatischen Dingen zu tun.

    Deine dargelegten Prämissen sind nett und Dein Tun sicherlich freundlich gemeint, wenn Du mit Afghanen spazierst. Nur läßt sich vom Einzelnen nicht aufs Allgemeine schließen. Da kannst Du noch so viel – sozusagen in der Wüste – predigen, die von mir verlinkten Artikelchen hast Du damit leider nicht entkräftet. Fangen wir einfach nochmal von vorne mit dem ersten an.

    „Junge Migranten kosten Deutschland vier Milliarden. Trotz der vergleichsweise hohen Straffälligkeit in dieser Gruppe wurde im Jahr 2016 kein Unbegleiteter abgeschoben. Aus der CDU kommt nun die Forderung, per Handy die Eltern zu finden.“ In der Tat. Summen, die man sinnvoller ausgeben kann.
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article162274380/Junge-Migranten-kosten-Deutschland-vier-Milliarden.html

    All das und noch viel mehr sind leider Sorgen und Probleme, die sich nicht einfach durch nette Ziggev-Worte aus der Welt schaffen lassen. Wir sind nicht one world. Und das ist auch gut so. Es gibt eine Ethik der Differenz und des Nicht-Identischen, es gibt ein Recht auf kulturellen Pluralismus. Jeder in seiner Region und in seiner Art an seinem Ort. Kein Mensch verläßt gerne und freiwillig seine Heimat. Das unterschlägst Du beständig ziggev.

  24. ziggev schreibt:

    ich glaube Dir aufs Wort, dass Du mir glaubst, dass ich Deinen Einlassungen nicht folgen kann. Denn sie sind ja vollkommen sinnbefreit.

    Wie willst Du von mir verlangen, die verlinkten Texte für eine Meinungsbildung heranzuziehen, wenn man vom Einzelnen, also jenen dort aufgezählten (an anderen Stellen widerlegten) „Fakten“, nicht aufs Allgemeine schließen könne? Nein, es ist eine traurigerweise durch Hegel verblödete Denke, die umgekehrt Phänomene der Wirklichkeit allein durchs Rückschließen vom Allgemeinen her – hier sind es willkürlich angenommene Vorurteile – verstehen zu können glaubt. Den Zirkel einer solchen auf Autoritätsglauben basierenden Struktur durchschaust Du natürlich nicht, weil Du logisches Denken nie gelernt hast. Es ist schon bedauerlich.

    Zitat: „Morgen wirst Du uns dann zeigen, daß fünf Engel auf einer Nadelspitze tanzen können. Das ist sicherlich lustig. Nur haben wir es in Fragen der Flüchtlingspolitik nicht mit der Scholastik, sondern vielmehr mit pragmatischen Dingen zu tun.“

    Dümmlicher get´s wirklich nicht mehr. Einfach die hegelsche Krankheit, die logischen Implikationen eines Arguments nicht zu erkennen. Wenn, dann würde ich argumentieren, dass eine Million Engel auf der Nadelspitze tanzen könnten, würde ich, vielleicht, morgen. Ich werde es aber nicht tun, und solche scholastischen Fragen haben in der Tat nichts mit irgendeiner Flüchtligspolitik zu tun. Schau Dir dieses „Argument“ nur noch einmal etwas genauer an! Genauso läuft Deine Argumentation. Erst wird etwas unterstellt, und dann der gegenstandslose „Gegenbeweis“ geliefert. Dann kommen die Verallgemeinerungen. Und die immergleichen, jeder Grundlage entbehrenden Unterstellungen.

    Es hieß, beispielsweise, das neuerliche deutsche Wirtschaftswachstum verdanke sich auch der Zuwanderung von jungen Leuten, die Liste der alterierenden Fakten ließe sich fortsetzen.

    „Junge Migranten kosten Deutschland vier Milliarden. Trotz der vergleichsweise hohen Straffälligkeit in dieser Gruppe … “ (erfundene Tatsache: es gibt auch entgegengesetzte Aussagen auf Statistik beruhend …) – und wenn? – Also, …? Willst Du wirklich vom Einzelnen aufs Allgemeine schließen?

    Ist das wirklich alles? „Deine dargelegten Prämissen sind nett und Dein Tun sicherlich freundlich gemeint, wenn Du …“; „sind leider Sorgen und Probleme, die sich nicht einfach durch nette Ziggev-Worte aus der Welt schaffen lassen. …“- Die direkte Verunglimpfung, Verleumdung, Unterstellung und Beleidigung ersetzt bei Die offenbar das Argument. Ich mache mir über Dich keine Illusionen. Unterstellungen als Beleidigungen ziehen bei mir nicht mehr. Du unternimmst ja nicht einmal mehr den Versuch, zum Schein irgendwie argumentativ auf ein Argument einzugehen. Eine solche Niederlage tut selbst mir – auf der anderen Seite – weh. Sorry, wer sich immer nur blöd stellt, muss irgendwann damit leben, auch tatsächlich für begriffsstutzig gehalten zu werden.

  25. che2001 schreibt:

    In Oberägypten beträgt der Anteil der Flüchtlinge an der Gesamtbevölkerung 30 %. Insofern haben wir echt ein Luxusproblem.

  26. Bersarin schreibt:

    Ziggev, wer hier gerade eine intellektuelle und argumentative Niederlage einfährt, dürfte deutlich zu sehen sein. Ich greife einen beliebigen Punkt heraus:
    „Wie willst Du von mir verlangen, die verlinkten Texte für eine Meinungsbildung heranzuziehen, wenn man vom Einzelnen, also jenen dort aufgezählten (an anderen Stellen widerlegten) „Fakten“, nicht aufs Allgemeine schließen könne?“ Zunächst einmal begehst Du einen Kategorienfehler, indem Du Dein Spaziergehen mit netten Afghanen, wo die Frau fünf Meter hinter dem Mann sich bewegt, mit allgemeinen Zahlen gleichsetzt. Eine singuläre Tatsache ist eine singuläre Tatsache. Bloß weil ein Flüchtling eine Frau vergewaltigte und umbrachte, bringen nicht alle Flüchtlinge Frauen um. Es dürfte Dir bekannt sein, daß logisch vom Einzelnen nicht aufs Allgemeine geschlossen werden darf. Aber dieses Flüchtlingsbeispiel war lediglich der Opener, um auf ein allgemeines Problem aufmerksam zu machen: Nämlich steigende und belegbare Zahlen der Flüchtlingskriminalität. Wie hoch sie exakt sind, damit rückt die Regierung nicht so recht heraus. (Eine Tatsache, die man in die eine oder die andere Richtung interpretieren kann.)

    Aber nehmen wir die Zahlen für das Oktoberfest 2016, aus dem Bericht der Münchener Polizei, in bezug auf Sexualdelikte:

    „Sexualdelikte wurden insgesamt 31 (21) Mal zur Anzeige gebracht. (…)
    18 (9) Tatverdächte wurden festgenommen. (…) Bei den festgenommenen Beschuldigten handelt es sich um 2 deutsche Staatsangehörige und 16 ausländische Staatsbürger (darunter 6 Asylbewerber).“

    Das Abendblatt schreibt:
    „Weit überdurchschnittlich sind Flüchtlinge laut Erhebung der Polizei an Sexualdelikten beteiligt. Ihr Anteil an den Tatverdächtigen, die 2016 ermittelt wurden, lag bei den Vergewaltigungen bei rund 15 Prozent, bei den Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung bei rund sieben Prozent und bei den Beleidigungen auf sexueller Basis bei 15,37 Prozent.“

    Daß die Kriminalität auch bei Flüchtlingen ansteigt, ist übrigens nichts Ungewöhnliches und auch nichts Flüchtlingsspezifisches, sondern es ist ein quasi natürlicher Vorgang, weil es unter jeder Menschengruppe Kriminelle gibt. Diese Vorgänge aber aus einer Mentalität des Teddybärchenschwenkens oder aus anderen Gründen zu verleugnen oder zu verschweigen, halte ich für naiv.

    Einen guten und sachlichen Bericht zur Kriminalität findest Du hier:
    https://www.welt.de/regionales/hamburg/article161104332/Wie-kriminell-sind-Fluechtlinge-in-Hamburg-wirklich.html

    Und mein Rat an Dich, ziggev: Probleme zu leugnen und Vogel-Strauß-Politik zu machen, wie etwa die narkoleptische Kanzlerin: das alles löst keine Probleme.

    Was jenen Satz betrifft: „Junge Migranten kosten Deutschland vier Milliarden. Trotz der vergleichsweise hohen Straffälligkeit in dieser Gruppe wurde im Jahr 2016 kein Unbegleiteter abgeschoben.“ Es kann natürlich sein, daß die Kosten hier nur 3,8 Milliarden betragen. Macht es aber nicht besser. Ich glaube nicht, ziggev, daß die freie Wirtschaft die Gebäude für die Unterbringung für den Gotteslohn hergibt. Und auch Unterbringungen im Jugendarrest sind bannig teuer. Denk mal drüber nach.
    Reichlich naiv ist es, anzunehmen, daß Flüchtlinge nichts kosten würden. Zumal hierher Leute kommen, deren Ausbildungsabschlüsse für qualifizierte Berufe grundsätzlich nicht anerkannt sind. Richtig ist, daß durch die Neuankömmlinge im Niedriglohnsektor die Konkurrenz befeuert wird. Was zu Lohndumping führen dürfte. Insofern sind die Ängste der Leute, die nicht Musikjournalisten, Lehrer, Professoren, Redakteure sind, sehr berechtigt. Und die Abwiegelungen dieser Gruppe haben etwas Verlogenes, sofern sie nicht gute Alternativen anbieten können. Denn jene Lehrer, Journalisten, Professoren werden mit denen aus Syrien kaum um Arbeitsplätze konkurrieren. Statistiken zu den Kosten für die Flüchtlinge finden sich im Internet reichlich. Hier nur ein Beispiel aus dem „Cicero“.

    http://cicero.de/kapital/kosten-der-zuwanderung-wer-beschoenigt-schadet-der-sache

    Es ist immer ein wenig schade zu sehen, wenn Leute, die sich mit Philosophie beschäftigen, die Ökonomie vernachlässigen. Kommt mir vor wie jener Thales, der in den Himmel schaut und am Ende in den Brunnen fällt.

    Von diesen von mir präsentierten Fakten hast Du bisher keinen widerlegt, ziggev, sondern Du lavierst drum herum und windest Dich. Und die bloße Behauptung, daß Flüchtlinge nichts kosten, bleibt leider eine bloße Behauptung. Sprachunterreicht, Unterbringung, Betreuung, Lebensmittel, Gelder zum Lebensunterhalt, Jugendknast, Gerichtsverfahren, Pflichtverteidiger: all das kostet Geld. Wenn wir denn in ökonomischen Begriffen denken: Bisher brachten Flüchtlinge der Wirtschaft wenig, dafür gibt es bisher keine belastbaren Zahlen. Und das wenige fließt nicht an den Staat zurück, sondern landet in privaten Taschen.

    Ansonsten ist es schade, daß es Dich in Deinen Ausführungen so gar nicht interessiert bist, auf die Ursachen von Flucht einzugehen. Hast Du kein Interesse daran, daß der Krieg in Syrien bald aufhört? Dort nämlich muß man ansetzen, damit diese Ströme von Flüchtlingen sich reduzieren. Was auch bedeutet, daß wir ein anderes Einwanderungsrecht schaffen müssen, daß sich an Kanada, Australien und den USA ausrichtet.

    Mit der Mentalität des Teddybärchenschwenkers jedoch kommt man in den Flüchtlingsfragen nicht weiter. Einige Millionen Flüchtlinge, aus einem anderen Kulturkreis zudem, das dürfte wohl inzwischen auf erhebliche interkulturelle Probleme schließen lassen. Frankreich führt uns das gerade vor.

  27. Bersarin schreibt:

    Ja che, das stimmt, wir haben in der BRD ein Luxusproblem. Allerdings wird uns dieses Luxusproblem eine AfD nun auch im Bundestag beschweren, und zwar, wie die bisherigen Umfragen vermuten, im zweistelligen Bereich. Aber damit wird man leben können. Ggf wird in der CDU ein parteiinterner Putsch stattfinden und die narkoleptische Kanzlerin ist irgendwann fort.

    Ägypten ist in der Tat ein guter Ort für die Flüchtlinge, ebenso die Türkei oder das reiche Saudi-Arabien, zumal für den Friedensfall die Rückkehr in die Heimat etwas problemloser möglich sein dürfte und auch die kulturellen Diskrepanzen weitaus geringer sind. Diese Lager können, sollen, müssen von der UN und von der EU mitfinanziert werden. (Und sie werden es ja auch schon. Etwa in der Türkei. Riesige und sehr gut verwaltete Flüchtlingslager.) Auf die Amis brauchen wir da wohl nicht zu rechnen – die finanzieren ja bereits den auf Dauer gestellten Krieg.

    Und damit sind wir bei dem eigentlichen Problem, das Freund ziggev mit jeder Windung zu umschiffen und zu beschweigen versucht: Dem Konflikt im Nahen und Mittleren Osten, der dort z.T. aus geopolitischen Gründen von Regional- und von Großmächten angefacht wird. Ich denke immer noch, daß die meisten Menschen aus Irak und Syrien lieber in ihre Heimat leben als weit ab davon in der Fremde. Insofern sollte ein Frieden in dieser Region die erste und wichtigste Option sein. Ich kann nicht verstehen, weshalb dieses Thema im öffentlichen Diskurs derart ausgespart wird. (Obwohl: eigentlich weiß ich es ganz gut!) Leider brauchen wir dazu wohl auch die Türkei, und insofern müssen wir uns wohl gegenüber dem Despoten vom Bosporus besänftigend verhalten.

  28. Hans schreibt:

    Eine Randbemerkung zum Disput: Bersarins Satz „es dürfte Dir bekannt sein, dass logisch vom Einzelnen nicht aufs Allgemeine geschlossen werden darf“ ist gut geeignet, Ziggevs Vermutung, dass „Du logisches Denken nie gelernt hast“ zu bestätigen.
    Der Schluss vom Einzelnen aufs Allgemeine wird logisch als Induktionsschluss bezeichnet und dieser ist selbstverständlich möglich und kann auch – muss aber nicht – wahr sein. Strittig ist also nicht die Zulässigkeit, sondern die Beweiskraft induktiver Verfahren, denn wissenschaftliche Aussagen – im Sinne Hempels z. Bsp. – erfordern deduktiv-nomologische Erklärungen.
    Die wissenschaftstheoretischen Auseinandersetzungen hierüber, die etwa zwischen Carnap und Popper geführt wurden, würden etwas weit führen und sind ja hier auch überflüssig, denn Ziggevs Satz kann auch so schon als praktisch bestätigt gelten.

  29. Bersarin schreibt:

    Zum Induktionsschluß findet sich einiges auf Wikipedia.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Induktion_(Philosophie)
    Der aber ist hier nicht das Thema, es ging darum, daß aus Einzelnem Allgemeines gefolgert bzw. von Einzelnem auf alle geschlossen wird. Beispiele für solche Fehlschlüsse, die gerne geglaubt werden: Wenn wir mehr Geld für Bildung ausgeben, können sich alle Menschen mehr Bücher kaufen. Reductio ad absurdum: Wenn ich im Theater aufstehe, kann ich besser sehen. Wenn alle im Theater aufstehen, können alle besser sehen. Der Flüchtling X ist schwarzgefahren. Folgerung: Alle Flüchtlinge fahren schwarz. Möglich ist dieser Fall natürlich. Aber es haben solche Aussagen, wie Du ganz richtig schreibst, keine Beweiskraft.

    Und ich schrieb ja auch: Nur weil es bei Flüchtlingen eine (mehr oder weniger) signifikante Zahl an Sexualstraftätern gibt, sind eben nicht alle Flüchtlinge Sexualstraftäter.

  30. Bersarin schreibt:

    Zur grundsätzlichen Kritik an der Massenmigration von Moslems nach Europa empfehle ich von Imad Karim: Islamische Werte frei Haus, im Cicero.
    http://cicero.de/berliner-republik/massenmigration-islamische-werte-frei-haus

    Ansonsten ein Interview mit dem lesenswerten Hamed Abdel-Samad

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-12/hamed-abdel-sama-islam-kritik-muslime-fundamentalismus

    Bedenkenswertes auch von Bassam Tibi:
    http://cicero.de/berliner-republik/Migration-humanitaere-politik-ist-keine-einwanderungspolitik

    Das sind Dinge, über die unbedingt gesprochen werden sollte. Und zwar mal unabhängig von diesem strunzdummen Labeln Andersdenkender als Rechtsradikale oder als potentielle AfD-Wähler. So wie ja ebensowenig alle Flüchtlingshelfer ausnahmslos Sympathisanten des Islamismus sind.

    Ansonsten trifft es Imre Kertész gut, in seinem Buch „The last Refugee“, schlecht übersetzt mit „Letzte Einkehr“:

    „Europa wird bald wegen seines bisherigen Liberalismus untergehen, der sich als kindlich und selbstmörderisch erwiesen hat. Europa hat Hitler hervorgebracht; und nach Hitler steht hier ein Kontinent ohne Argumente: die Türen weit offen für den Islam; er wagt es nicht länger über Rasse und Religion zu reden, während der Islam gleichzeitig einzig die Sprache des Hasses gegen alle ausländischen Rassen und Religionen kennt. Ich würde darüber reden, wie Muslime Europa überfluten, besetzen und unmissverständlich vernichten; darüber, wie Europa sich damit identifiziert, über den selbstmörderischen Liberalismus und die dumme Demokratie. Es endet immer auf dieselbe Weise: Die Zivilisation erreicht eine Reifestufe, auf der sie nicht nur unfähig ist sich zu verteidigen, sondern auf der sie in scheinbar unverständlicher Weise seinen eigenen Feind anbetet.“

    Man muß es nicht einmal so pauschal sehen, wie Kertész, dessen Kritik mir hier zu harsch ist. Aber an seinen Bedenken, an seiner Kritik ist leider dennoch einiges dran. Die Intuition seiner Äußerungen sollte man ernst nehmen. Vorboten davon sehen wir in Frankreich. Sollte die Wahl dort für Le Pen ausfallen, so ist dies mit etwas Pech das Ende einer EU, wie wir sie bisher kennen.

    Wie man für eine derart haltlose und uninspirierte Nahostpolitik am Ende die gesamte EU aufs Spiel setzten kann, ist mir schleierhaft. Denn im Gegensatz zu Rußland und anderen Ländern sind wir keine gelenkte Demokratie und es entscheiden im Zweifelsfall Wähler darüber, ob es wie bisher weitergehen soll.

    Denkt mal darüber nach. Anstatt hinterher, wenn es zu spät ist, wieder den deutschen Klagemichel zu geben.

  31. @ziggev und Che: ich empfehle diesen Weltspiegel-Beitrag: http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/gambia-flucht-um-jeden-preis-100.html

    Das ist wirklich zum verzweifeln; Gambia, ein Land in dem kein Krieg herrscht und dem es besser geht als dem Kongo oder Süsudan (Computer in der Schule!), und trotzdem wollen alle jungen Männer nach Europa. Eine ganze Gemeration hat man praktisch verloren gegeben, niemand macht sich mehr Gedanken darüber, wie man die Situation im Land verbessern kann, alle wollen nur nach Deutschland. Es ist doch wohl völlig klar, dass dies dem Lande schadet, und zwar extrem!

    Das kann nicht so weiter gehen, Deutschland muss dringend signalisieren, dass nur noch die aufgenommen werden, die wirklich eine indiviuelle politische Verfolgung nachweisen kónnen; politische Aktivisten, Journalisten, Gewerkschafter usw. und nicht die gesmmte Jugend Afrikas und der islamischen Länder. Alle anderen mússen abgewiesen werden.

    Jeder, der es schafft sich in Deutschland zu etablieren, zieht weitere nach; damit muss Schluss sein!

  32. Und um das ganze auch mal auf die philosophische Ebene zu führen: Solche Probleme lassen sich nicht durch Gesinnungsethik lösen. Aus meiner Sicht wird hier millionenfach das Gefangenendilemma gespielt; jeder sucht die fúr ihn selbst kurzfristig optimale Lösung, und deshalb kommt eine für alle optimale Lösung nicht zustande.

  33. Bersarin schreibt:

    Daß wir mal Seit‘ an Seit‘ schreiten, hätten wir sicherlich beide nicht gedacht, El Mocho. ;-)

    In der Tat ist es mit Gambia problematisch. Ich selbst kenne einen Fall von dort. Ein Schwarzer, der verfolgt wird, weil man ihn für schwul hält. Stimmt wahrscheinlich, leider erzählt er derart unterschiedliche Geschichten, daß es schwer ist, dem Mann zu glauben. Vielfach jedoch lebt es sich in Gambia sicher. Verstehen kann man die Menschen, daß es sie dahin treibt, wo es besser als zu Hause ist. (Ob es sich dann objektiv so verhält, bleibt dahingestellt. Aber das in die Heimat geschickte Geld reicht dort für die gesamte Familie. So geht der Deal.)

    Sehr gut in der Literatur verarbeitet wird das Begehren von Flüchtlingen, im reichen Westen zu leben, von Shumona Shina in ihrem Roman „Erschlagt die Armen“. Sehr gutes Stück Literatur.

    Rezensiert hier: https://bersarin.wordpress.com/2015/10/13/ich-bin-kein-mensch-in-der-revolte-die-revolte-ist-in-mir-shumona-sinha-erschlagt-die-armen/

  34. Dieter Kief schreibt:

    Männer – wg. Gambia usw. – das Problem der „Flüchtlings“-Überproduktion weltweit – vulgo: Der Migrantenüberhang für diejenigen, die wie unsre Kanzlerin optisch orientiert sind:

    Eigentlich ein didaktisch perfektes altmodisches Video. Pointe: Laissez-faire ist hier icher der falsche Weg. Die schiere Masse macht das unmöglich. Ansehen. Befehl!

    Dann:
    Kuriosum aus den Annalen des sozusagen nach-Hitlerschen Sozialstaates (Dinge, die man nirgendwo in der Welt nachvollziehen kann – und die auch der deutschen Unterschicht z. B. nicht vemittelbar sind – Quellen des anhaltenden politischen Legitimationsdefizits ( = die Rechtfertigungslücke – das nicht mehr Darstellbare usw.) – hier kucken – und immer daran denken: Klar sind Marginalien keine große Sache, aber, aber…auch Zwerge haben klein angefangen usw. …

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article158049400/Fluechtlinge-machen-Urlaub-wo-sie-angeblich-verfolgt-werden.html

    Und dann das da für die brainies:

    Hans Peter Schwarz – „Plädoyer für eine radikale Wende“ Europa muss das Asylrecht radikal umbauen – heute, konkreter (um politische Vorschläge bemühter)a 4 (!!) – seitiger Essay des o. a. Emeritus Schwarz – ein Auszug aus seinem Buch: „Die neue Völkerwanderung nach Europa“ – DVA München, 256 S., 20 Euro

  35. Dieter Kief schreibt:

    ah – das ist vielleicht noch hilfreich – – Schwarz‘ o. 20:36 Uhr a. ganz einlässlicher und wie ich meine praktikabler Vorschlag zum europäischen Asylrechtsumbau ist heute als extra-Bund in der Welt am Sonntag zu finden – vielleicht schaltet die Redaktion den Text auch noch frei.

  36. Bersarin schreibt:

    Vielen Dank für die Lektüre-Tips und das Video. Ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler, aber ich sehe diese Massenmigration aus Kriegsgebieten wie auch aus Wirtschaftsgründen ebenso skeptisch. (Was eben nicht bedeutet, wie es der von Herrn ziggev aufgestellte Pappkamerad insinuiert, nun für die AfD zu votieren oder inhuman zu sein. Sondern vielmehr, das Video zeigt es, in den Blick zu bekommen, daß die herkömmlichen Lösungen überhaupt nicht ausreichen und wir uns neue Modelle und Möglichkeiten überlegen müssen. Dies wird aufgrund der globalen Technik und der Zusammenhänge eine der größten Herausforderungen darstellen. Was mich daran erinnert, Heideggers Ausführungen über das Wesen der Technik mal wieder nachzulesen und mir endlich mal den Band 76 der GSA zu kaufen.)

    Insofern, aufgrund dieser Probleme, die Migration verschafft, auch mein Plädoyer in Syrien auf einen Frieden hinzuarbeiten. Es sind viele kleine Schritte erforderlich, um die Massenmigration zu stoppen. Jürgen Todenhöfer hat kürzlich im „Freitag“ eine interessante Perspektive für den arabischen Großraum entwickelt. Was ich bei den Flüchtlingsbewegungen noch bedenklicher finde, ist jener Clash of Cultures, der damit einhergeht. Daß es sich hierbei um eine kulturelle Bereicherung handele, wie uns manche einreden wollen, halte ich keineswegs für ausgemacht. Eher im Gegenteil treffen und schlagen hier Traditionen aufeinander ein, die schwierig zu vermitteln sind.

    Da reicht am Ende, meines Erachtens, auch kein Habermasscher Verfassungspatriotismus aus, wie er ihn in seinem Aufsatz „Staatsbürgerschaft und nationale Identität“ (in „Faktizität und Geltung“) anmahnt, als Grundlage setzt und in seinem Text ansonsten für eine multikulturelle Gesellschaft votiert. Das funktioniert allenfalls in begrenztem Rahmen, bei geringer, überschaubarer Zahl von Migranten. So wie das noch Anfang der 90er gegeben war. Im Grunde von Habermas ein implizites Plädoyer gegen die Verschärfung des Asylrechts damals.

    Hinzu kommen weltweit die Klimaflüchtlinge. Harald Welzer beschreibt dieses Problem in seinem Buch Klima-Kriege, das vor rund acht Jahren erschien. Ich zumindest werde mich hoffentlich bald an das von Ihnen empfohlene Buch von Enzensberger machen: „Tumult“ (ach nee, so heißt ja jene Vierteljahreszeitschrift, die wohl mittlerweile als intellektuelle Herausforderung dem „Merkur“ vorzuziehen ist.), also „Versuch über den Unfrieden“.

  37. Hans schreibt:

    @ Bersarins

    Ich verstehe leider nicht, was Du sagen willst.
    Wenn von Einzelfällen auf allgemeine Aussagen geschlossen saßen wird, dann ist das ein Induktionsschluss, nichts anderes sagt auch der Link. Warum ist das dann nicht das Thema?
    Wo liegt der Fehlschluss in dem Satz „wenn wir mehr Geld für Bildung ausgeben, können sich alle Menschen mehr Bücher kaufen“? Das ist gar kein Schluss, also auch kein Fehlschluss, sondern schlicht eine unsinnIge Aussage.
    Wo liegt die „reductio ad absurdum“ in den Implikationen: „Wenn ich im Theater aufstehe, dann kann ich besser sehen. Wenn alle im Theater aufstehen, dann können alle besser sehen“? Das sind unterschiedliche und voneinander vollkommen unabhängige Aussagen, aus denen als Prämissen im Modus-Ponens jeweils logisch wahre Schlüsse gefolgert werden könnten, aber nicht alle dieser Folgerungen wären auch empirisch wahr.
    Wie ist es „möglich“ nur aus dem Satz „Flüchtling X ist schwarzgefahren“ irgendetwas zu schließen? Wenn daraus etwas geschlossen werden sollte, muss mindestens die Bedingung „Wenn ein Flüchtling schwarzfährt, dann tun es alle“ hinzukommen. Die daraus logisch wahre Schlussfolgerung „Alle Flüchtlinge sind Schwarzfahrer“ ist empirisch evident falsch, also ist die hinzugekommene Prämisse empirisch unwahr, wenn die ursprüngliche Prämisse zutrifft.

    Logisch ist das alles Unfug, was Du aufführst. Belegen lässt sich damit nur, dass viel Unsinn geredet wird.

  38. Dieter Kief schreibt:

    Ja, der Merkur war mal (unter Scheel – was beim Himmel macht eigentlich Kurt Scheel?! – der wollte doch schreiben, nach der jahrzehntelangen Merkur-Fron***….), was der TUMULT jetzt vielleicht wird.

    Unverzichtbar auch Rolf Peter Sieferles gerade als Band 1 der „Werkreihe von TUMULT“ erschienene kleine Abhandlung „Das Migrationsproblem – Über die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung“ 135 S – 16 Euro – – Sieferle spricht ähnlich wie Schwarz (s. o. 20.43 Uhr) aus ziemlich akademischer Sicht, aber doch mit hie und da praktischem Einschlag.

    Ich warte auf den Moment, da all‘ solche Bemühungen sozusagen die Köpfe erfassen – das gibt dann mit Sicherheit ein großes intellektuelles Durcheinander – – – – – – h o f f e n t l i c h

    (einstweilen kann man sich noch zu wohl fühlen bei der Lektüre solcher Sachen – es ist immer noch the happy few, so to speak – (das ist ja einfach der zivilere Ausdruck für Avantgarde…).

    *** wie sehr das alles noch im Begriff ist, sozusagen entziffert zu werden, zeigt das seitenlange Interview, das FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube letzte Woche mit Merkur-ex-Herausgeber Karl Heinz Bohrer geführt hat. Da sind Präliminarien dessen enthalten, was Scheel insbesondere in Zusammenarbeit mit vor allem Siegfried Kohlhammer, aber auch Rutschky et. al., bewerkstelligt hat. Konkret haben Bohrer und Scheel schon sehr früh gemerkt, was der Hinkefuss an der political correctness ist – und inwiefern die allgemeine Islam-Toleranz faul ist.

    Noch ein Satz zu Habermas – seine Grundidee (Verfassungspatriotismus) ist natürlich vollkommen ok – der Teufel steckt im Detail – und das hat auch ein Merkur-Mitarbeiter, nämlich Dahrendorf, ebenfalls sehr früh – nämlich direkt im Anschluß an Habermas‘ praktisches Voll-Scheitern in Starnberg als Institutsvorstand gemerkt. Habermas‘ komplette institutionelle (=praktische) Bauchlandung ist – ein wenig freundlich dargestellt, aber doch mit hinlänglicher Klarheit, in Dohms Habermas-Biografie nachzulesen.
    In einer Nußschale: Was, wenn man sich an die Regeln hält (= Habermas‘ Position) – die anderen aber falsch spielen (viele Institutsmitarbeiter – in einer Nußschale ist das auch das Problem Sieferles (und Houellebecqs, ickjloobe) mit der muslimischen Massenimmigration. Ein Faktor dabei sind Verwandtenehen – wie oben beschrieben. Das kapiert unterdessen auch ein Staat wie Dubai, der das Phänomen immerhin im Hinblick auf seine biologische Fatalität hin untersuchen lässt. Hier traut sich derlei kaum jemand zu sagen, er heiße denn – – Sarrazin oder Rindermann, in der Schweiz steht es immerhin unskandalisiert (!! – tu felix, Suiza, dispute!) in der NZZ.

    Ansonsten ist der Blog isteve eine Fundgrube – der im übrigen mit Rindermann in Chemnitz in einiger Tuchfühlung steht – Steve Sailer kennt aund schätzt die Arbeiten Rindermanns – et vice versa.

  39. chairborne schreibt:

    Ja, Tumult ist mir zur unverzichtbaren Lektüre geworden, manchmal wären mir längere, ausführlichere Artikel dort noch lieber, aber offenbar will man bei etwa 90 Seiten pro Heft bleiben, derzeit wohl auch noch eine Kostenfrage, es gab ja einigen Aufruhr gegen die Schrift nach dem „heißen Herbst“ 2015. Der Merkur löst bei mir indes meist nur noch Schulterzucken aus, sehr schade, was daraus geworden ist. (Danke bei dieser Gelegenheit für die stets sehr interessanten Veröffentlichungen!)

  40. che2001 schreibt:

    Na ja, außerhalb Syriens, des Iraks und Libyens kommen Flüchtlingsströme vor allem aus dem subsaharischen Afrika, und wesentliche Fluchtgründe werden hier gemacht: Die EU überschwemt diese Länder mit subventionierten Agrarprodukten mit der Folge, dass die dortigen Bauern mit ihren Produkten auf dem heimischen Markt nicht mehr konkurrenzfähig sind. Die haben dann gar keine andere Möglichkeit mehr als nach Europa zu flüchten, sich Söldnermilizen anzuschließen oder kriminell ihr Brot zu verdienen. Wenn sie in Europa den Sozialstaat belasten holen sie sich nur was ihnen zusteht, moralische Ökonomie. Da die Fanggründe vor den Küsten von Portugal bis Angola an ausländische Fischfanggesellschaften verpachtet sind dürfen die Fischer dort auch nicht legal fischen, denen bleiben nur Piraterie, Schleusertum oder Drogenschmuggel. Fluchtursachen bekämpfen müsste heißen: Exportverbot für EU-Agrarprodukte nach Schwarzafrika oder Ende der Agrarsubventionen (Letzteres bedeutete für hiesige Bauern entweder Umstellung auf Ökolandwirtschaft oder Hartz 4 als Lebensperspektive, und Verfielfachung der Lebensmittelpreise hier). Letztendlich ist der einzige Weg zur Lösung des ganzen Problems tatsächlich soziale Weltrevolution.

  41. Bersarin schreibt:

    @ Hans: Die reductio ad absurdum liegt darin, daß man vom Einzelnen nicht auf alle schließen kann. Gezeigt an einem Beispiel. Der Satz zu Bildung und Büchern ist solch eine falsche Verallgemeinerung in einem Wenn-dann-Schema, der im alltagssprachlichen Kontext inn ähnlichen Varianten verwendet wird. Es stimmt allerdings, daß diese Fragen mit der Induktionslogik zusammenhängen, daß sie nichts miteinander zu tun haben ist quatsch und war von mir vorschnell formuliert. Vermeiden wollte ich eine wissenschaftstheoreitische Debatte über die grundsätzlich Zulässigkeit solcher eben Unzulässigkeit solcher Schlüsse (siehe unten). Die ist hier nämlich nicht Thema.

    „Induktionslogik befasst sich mit der Frage, ob es ein gültiges Schema gibt, das aus einzelnen Beobachtungen und Fakten auf allgemeine Aussagen schließen lässt. In gültigen deduktiven Argumenten folgt die Konklusion mit Notwendigkeit aus den Prämissen. Induktive Argumente sind hingegen bestenfalls plausibel und gut bestätigt. Zwingend und logisch notwendig, wie deduktive Argumente, sind sie nicht.“

    Der Satz „Wenn ich im Theater aufstehe, kann ich besser sehen“ ist richtig. Der Satz, den einer als Folgerung daraus ziehen könnte: „Wenn alle im Theater aufstehen, können alle besser sehen“ ist es nicht, er ist absurd. Was ja auch nachgewiesen werden sollte. Insofern kann ich von meiner Perspektive des persönlichen Aufstehens im Theater nicht folgern, daß dies nun allgemein für alle gelten muß. Solche Argument-Varianten finden wir, wenn Du in Foren liest, z.B. in politischen Diskussionen, wo Sätze gebildet werden, die nicht als Argument dienen können, die aber als Argument gebraucht werden. Deshalb stellst Du ganz richtig fest, daß der Satz „Wenn wir mehr Geld für Bildung ausgeben, können sich alle Menschen mehr Bücher kaufen“ unsinnig ist. Schau in die Kommentarspalten von Zeitungen oder im Internet, da findest Du solche Fehlschlüsse zuhauf. Besonders beliebt in Diskussionen um Flüchtlinge.

    Was den Induktionsschluß betrifft, ist dies allerdings ein wissenschaftstheoretisch komplexes Problem. Wir werden es vermutlich nicht hier und heute und schon gar nicht in diesem Kommentarstrang lösen. Es sei denn, jemand präsentierte hier eine plausible und logische Aufschlüsselung. Würde mich interessieren, denn ich komme nicht aus der Wissenschaftstheorie und lerne gerne dazu. Allerdings berühren Induktionsschlüsse unsere Fragestellung in dem Sinne, wieweit wir von Statistiken und darin erhobenen Zahlen her allgemeine Aussagen formulieren können.

    „Die Frage, mit der sich auch die Sozialwissenschaften auseinandersetzen müssen: „Wie sind induktive Allsätze möglich?“ bzw. „Wie können aus einzelnen Beobachtungen allgemein gültige Gesetze („Allsätze“) abgeleitet werden?“, ist nicht zufriedenstellend zu beantworten.
    Der Ausweg aus dem Dilemma wird in den Sozialwissenschaften auf zweierlei Wegen gesucht. Die deduktiv-nomologischen Wissenschaftler der analytischen Wissenschaftstheorie beziehen sich auf die „Poppersche Wende“ des Falsifikationismus: Deduktion statt Induktion. Die Wissenschaftler der phänomenologischen/hermeneutischen Methode verzichten weitestgehend auf die Formulierung von Allsätzen, die raum-zeitlich unbegrenzt sind, zugunsten eines subjektiven interpretativen-historischen Verfahrens und begnügen sich mit raum-zeitlich begrenzten Aussagen (Theorie mittlerer Reichweite).

    Induktive Schlüsse haben einen heuristischen Wert. Ein gültiges Induktionsschema, das es gestattet, von wahren Prämissen auf wahre Konklusionen zu schließen, ist logisch ausgeschlossen und nur mit metaphysischen Annahmen möglich.“

  42. Bersarin schreibt:

    @ Dieter Kief: Feine Hinweise, danke. Ja, der gute Scheel. Ich überlege, ob ich mal eine Kolumne über den Merkur und Tumult mache. So als Parallellektüre oder nach dem Prinzip Schuß-Gegenschuß. Die von Ihnen genannten Aufsätze stehen auf der Liste bzw. müssen nur noch gelesen werden. Besonders der aus dem Weihnachtsheft. Das neue Bohrer-Buch natürlich auch.

    Bei dem Hinweis auf Habermas ging es mir auch nicht darum, daß Konzept des Verfassungspatriotismus zu widerliegen. Ich halte es in diesem Rahmen für sinnvoll. Vielleicht nur noch ergänzt um das Böckenförde-Diktum. Deshalb auch meine Skepsis gegen massenhafte Immigration. Weil es da fraglich ist, ob überhaupt noch so etwas wie eine irgendwie gemeinsame Kultur und ein gemeinsames kulturelles Bewußtsein vorhanden ist. Stichwort auch Parallelwelten, die Habermas nonchalant in seinem Text übergeht bzw. kaum darauf eingeht. Die nämlich widersprechen in keinem Sinne dem Verfassungspatriotismus. Der ja nicht abgefragt und abgefordert wird. Er ist nur in diesem Falle schlicht nicht vorhanden, weil bei Paralleljustiz durch Friedensrichter und weitgehendes Meiden deutscher Institutionen – bis auf das Sozialgeld – dieser Bezug zur Verfassung auch gar nicht mehr erforderlich ist. Diese Menschen leben hier, ohne hier zu leben. (Stichwort hier auch: Burka, Kinderehen, Zwangsehen, Friedensrichter, Paralleljustiz.) Ansonsten aber teile ich die Zustimmung zu Habermas‘ Konzept.

  43. Bersarin schreibt:

    @ chairborne: Haben Sie vielen Dank für ihr Lob. Tumult muß sich, das denke ich auch, noch ein wenig einspielen. Sehr schön darin auch die Kolumne von Siegfried Gerlich. Ich bin mit einigem in Tumult nicht einer Meinung. Dennoch ist die Lektüre anregend. Schade, daß es das Heft nicht im üblichen Buchhandel gibt. Am Vertrieb muß wohl noch einiges getan werden.

  44. Bersarin schreibt:

    @ che: Völlig richtig. Böse kann man allerdings nun sagen: Wenn wir mit dem Subventionen der Agrar-Exporte aufhören, stoßen sofort andere, wie bspw. die Chinesen in den Markt, die an Afrika ein starkes ökonomisches Interesse haben. Ähnliches mit den Fischgründen vor Somalia. Aber im Prinzip gebe ich Dir mit Deiner Analyse recht, die <eine, aber eben nicht die einzige Ursache für das Übel ist. Bleibt es so, wie es ist, steht hier eben Macht gegen Macht, Macht gegen Mensch. Ausbau der Festung Europa. Insofern ist es richtig, insbesondere in diesen Ländern etwas zu tun. Hier ist ein Neu-und Umdenken gefragt. Und in diesem Sinne bin ich auch mit Dieter Kief einer Meinung, daß wir unser Denken umpolen müssen, neue Ideen entwickeln müssen, teils in ganz andere Richtungen.

    Freilich glaube ich, daß die weltweite soziale Revolution in weiter Ferne liegt. Und mit den gegenwärtigen Menschen glaube ich auch nicht ans Gute. Die Adornosche Utopie ist schwärzer als schwarz verhüllt.

  45. „Wenn sie in Europa den Sozialstaat belasten holen sie sich nur was ihnen zusteht, moralische Ökonomie.“

    Warum lassen denn die afrikanischen Regierungen zu, dass europäische Fischer vor ihren Küsten fischen? Es wäre ein leichtes, das zu untersagen. Nein, sie kassieren eine ganze Menge Geld dafür, s. hier: https://ec.europa.eu/fisheries/cfp/international/agreements_de
    Marokko bekommt z.B. 30 Millionen Euro pro Jahr, Guinea neun Millionen usw. Warum koordinieren die Afrikaner ihre Politik gegenüber der EU nicht? Niemand hindert sie daran, aber die Politiker stecken lieber das Geld in die eigene Tasche, und die betroffenen Menschen fliehen lieber nach Europa als die Verhältnisse vor Ort zu verändern.

    Die sind in erster Linie selber schuld an ihrer schlimmen Situation, weil sie in ihren überkommenen sozialen Strukturen und Identitäten verharren. Wenn es wichtiger ist, seine eigene Familie zu versorgen, als gmeinsam mit anderen das Land aufzubauen, wenn es wichtiger ist, sich an die Gebote Gottes zu halten, als die Wirtschaft zu modernisieren, dann ändert sich eben nichts.

    Im übrigen halte ich solche Konstruktionen kollektiver Verantwortlichkeit für problematisch. Bin ich wirklich moralisch verpflichtet, höhere Steuern oder Krankenkassenbeiträge zur Versorgung von Flüchtlingen zu Zahlen, weil irgendwelche europäische Unternehmen Geschäfte in Afrika mit Einverständnis der dortigen Politiker machen?

  46. Die Globalisierung als Projekt zur Verwandlung der Welt in einen einzigen, großen Markt, auf dem sich Waren, Finanzströme und Menschen frei bewegen, wird natürlich von internationalen Großunternehmen und ihnen zuarbeitenden Politikern und Institutionen in deren eigenem Interesse betrieben, gegen die Mehrheit der Menschen sowohl in EU/USA als auch in den Ländern der III. Welt. Wenn amerikanische Unternehmen in Mexiko produzieren, dann fallen erstmal Arbeitsplätze in den USA weg, bzw. werden nicht geschaffen. Sie entstehen in Mexiko, wo man maximal 20% des amerikanischen Lohns bezahlt. Das sind für mexikanische Verhältnisse immer noch gute Arbeitsplätze, aber den Gewinn haben in erster Linie die (amerikanischen) Kapitalisten. So kann man wunderbar die Interessen der amerikanische Arbeiter gegen die der mexikanischen ausspielen und abkassieren.

    Und die Linken machen sich dieses Programm zu eigen und merken nicht, was wirklich abläuft. Ist doch erstaunlich wie oft inzwischen (grade im ZUsammenhzang mit Trump) darauf hingewiesen wird, dass Freihandel und „offene Gesellschaft“ zusammen gehören. Sehe ich nicht so; die Gesellschaft könnte wesentlich offener sein, wenn mächtige Kapitalisten weniger Einfluss auf die Politik hätten.

  47. Bersarin schreibt:

    Was die Ursachen für das Elend in diesen Ländern sind, scheint mir nicht ganz einfach zu sein. Ein großes Problem ist sicher die hohe Korruption in vielen Ländern Afrikas. Daß Geld für die Öffentliche Daseinsvorsorge in private Kanäle versickert. Länder wie der Kongo sind eigentlich reich an wichtigen Bodenschätzen. Zu fragen bleibt, weshalb das nicht genutzt werden kann. Wer hält dort die Kriege am Laufen, wer finanziert sie mit? Wer profitiert von den Exporten? Mir scheint, daß es hier keine monokausalen Erklärungen gibt.

    Wie dem aber auch sei: Traurig und schlimm ist dieses Elend der Menschen, die unter entsetzlichen Bedingungen übers Mittelmeer fliehen und was meist nicht genannt wird, durch die noch grausamere Sahara. Die Wüste schwemmt in Europa keine Leichen an. Ich bin kein Experte für Wirtschaft und Geopolitik, ich halte jedoch die Lösung oder zumindest die Linderung dieses Übels für eine der wichtigsten Arbeiten der nächsten Jahrzehnte. Monokausale Erklärungen oder Schuldzuweisungen nützen da wenig. Der Westen trägt hier genauso eine Mitschuld wie auch die betroffenen Länder und ihre Regierungen.

    Was ich interessant finde, und das kann vielleicht auch neue Perspektiven und ein neues Bewußtsein eröffnen, ist der Umstand, daß Afrika (als Kontinent, nit vielen unterschiedlichen Ländern) in der Kunst und besonders in der Literatur immer mehr an Bedeutung gewinnt. Spannende Geschichten gibt es da zu lesen. Und auch in der Philosophie finden wir mittlerweile bei Suhrkamp etwas: von Achille Mbembe die „Kritik der schwarzen Vernunft“. Ein Buch, das auf meiner Liste steht.

  48. Bersarin schreibt:

    Ebenso sollten wir in dieser Sache auf China blicken, das Afrika lediglich als gigantische Wirtschaftsfläche betrachtet und ansonsten von den Flüchtlingsströmen (weitgehend) verschont bleibt und sich auch sozial nur marginal einbringt, Radikaler Wirtschaftsliberalismus im Sinne des Staates China. Wenige Afrikaner nur kommen wohl auf die Idee nach China zu emigierten. Und die, die es täten wurden schnell bemerken, wie sinnlos dieses Unterfangen ist.

  49. che2001 schreibt:

    Immerhin investiert China in Länder die vom Westen bereits aufgegeben wurden und baut zum Beispiel die verrotteten Eisenbahnnetze afrikanischer Staaten wieder auf. Auch wenn da humanitäre Überlegungen überhaupt keine Rolle spielen nützt das chinesische Engagement den afrikanischen Ökonomien mehr als man gemeinhin denkt.

  50. Bersarin schreibt:

    Na ja, der Chinese ist teils gelb, teils großmütig. Mehr aber gelb. Eigennutz dürfte auch hier in der Tat vor Fremdnutz gehen, wie Du richtig schreibst. Der Effekt jedoch mag auch gut für aufgegebene Länder sein. Müßte ich mir aber im Detail ansehe, worin am Ende bekanntlich der Teufel steckt.

  51. Dieter Kief schreibt:

    @ b -wg. Habermas nochmal

    1) Was Sie sagen zu den hier lebenden, aber nicht teilnehmenden Menschen – – mein Hinweis in dieser Sache war Habermas selber als Institutsdirektor – was macht man, wenn Arbeitnehmer am Institut nicht tun, was ich (Habermas) als Chef von ihnen (zu recht!!) erwarte?
    Habermas hat diese Frage nicht zu beantworten vermocht. – On a bigger scale sind das diejenigen ImmigrantInnen, die sich für hier nur in ihrer Rolle als LeistungbezügerInnen interessieren, ansonsten aber dem Islam und Erdogan und ihren Patriarchen obliegen.

    Ich meine aber, das sei ein sozusagen s e k u n d ä r e s Problem. Ich meine, die Sache sei insgesamt nicht von theoretischer, sondern von praktischer Natur. Wir hatten eine leidlich funktionierende Gesellschaft – wie in Japan, oder Korea oder Dänemark oder Norwegen oder der Schweiz – und haben sie noch immer.
    Ich finde, wir sollten uns, was den Zuzug betrifft, verhalten wie Dänemark order Norwegen oder Korea oder Japan: Defensiv und/ oder selektiv.
    Motto: Gesellschaften unseres entwickelten Typs sind anfällige Gebilde. Man soll vorsichtig mit ihnen umgehen – einfach aus erfahrungsgesättigter Klugheit heraus. Die Leuchten auf diesem Weg sind – Collier, Putnam, Ruud Koopmans – für diejenigen, die welche brauchen.

    Der Rest ist die Abwehr des Gleichheits- und Universalismuszaubers. Der einfachste Weg ist anzuerkennen, dass – Achtung: Grundgesetz – Verfassungspatriotismus!! – – : Also anzuerkennen dass Staatsbürger zu sein ein Vorrecht darstellt, das gegen illegitime Ansprüche zu verteidigen ist. Der Statsbürgerstatus setzt dem Universalismus der Menschenrechte Schranken (= Grenzen…).

    Schengen muss mit Rolf Peter Sieferle und Hans-Peter Schwarz zurückgebaut werden. Das ist die praktische Konsequenz, die vor ein paar Monaten in einem brillianten FAZ S.-3-Kasten auch Thilo Sarrazin aus der Tatsache gezogen hat, dass ungesteuerte Immigration mit zwei Groß-Kosten verbunden ist: Sozialer Erosion – und gewaltigen ökonomischen Folgelasten – z. T. jetzt schon absehbar auf Generationen hinaus (siehe Frankreich, siehe insbsondere die USA (!!) und siehe – Deutschland).

    Wir haben mit Sieferle einen freischwebenden, aber sonst gerne grün verordneten Historiker, mit Sarrazin einen SPD-Politiker und mit Schwarz einen CDU-nahen Politologen. Im Prinzip ist das ein Anfang. Klonovsky spricht pro AfD ähnlich wie die bisher genannten. Übrigens auch in dem sehr virulenten Punkt, wie es mit dem nun einmal hier befindlichen Islam weiterzugehen habe: Nämlich in Richtung grundgesetzkompatibler Islam. Das aber erfordert hie und da robuste Maßnahmen. Im Tessin gilt seit 2016 ein Burka-Verbot. Es werden Strafmandate bei Zuwiderhandlung ausgesprochen. Das funktioniert einwandfrei. Man soll da finde ich nicht zuviel taktieren – wir haben nichts schamhaft zu verbergen.

    Was ich in diesem Zusammenhang gefunden habe: Es gibt von jüdischer Seite einen handfesten Einwand – und das bringt hier Hitler ganz weit nach vorne: Dass es nämlich auch im orthodoxen Judentum die Vollverschleierung gibt.
    Kann sein, das ein Verbot in der Schweiz unter diesem Gesichtspunkt einfacher ist als hierzulande. Ok. Tatsächlich ist das eine Tabuzone, wo ich mir Hilfe an allererster Stelle von liberalen MuslimInnen und liberalen JüdInnen erhoffe.

    Ansonsten – mit Sieferle: Das Staatsbürgerrecht ist eingentlich ein Anpruchstitel – vergleichbar dem Anteilsschein an einer Genossenschaft – und dieses genossenschaftliche Vorrecht gilt es zu verteidigen.

    Noch einmal: Hans-Peter Schwarz hat recht: Schengen muss (und kann!) reformiert werden. Und Sarrazin und Sieferle haben recht: Das Asylrecht ist kein taugliches Mittel, die Sozialprobleme der Welt zu lösen (cf. Enzensberger – „Versuche über den Unfrieden“). Menke, Seel, Assheuer, Habermas usw. – Gysi, Göring-Eckardt, Merkel, Schulz, Kipping, der Papst Franziskus usw. irren sich. Der Dalai Lama und – unglaublich – der steinalte ehemalige Papst-Berater und Stuttgarter Moralphilosoph und Psalmen-Ausleger Robert Spaemann weisen den Weg – das ist nicht nur unglaublich, das ist doch auch tröstlich – wo nicht sogar lustig! – Mit einem von Blochs Lieblings-Motti zu enden: Sursum corda – empor die Herzen!

  52. che2001 schreibt:

    Dass die meisten Afrikaner auf die Idee kommen in die EU zu emigrieren hängt damit zusammen, dass deren Agenda, nicht immer faktisch, doch in der Theorie, eine humanitäre ist. Diese abzuschaffen ist das Thema der Rechtspopulisten und Neuen Rechten. Dem sollte gerade nicht entgegengewirkt werden, indem man ihnen entgegenkommt. Sie müssen vielmehr als das begriffen werden was sie sind: Feinde der weltgesellschaftlich ausgerichteten liberalen Demokratie, die noch gar nicht verwirklicht, sondern nur ein theoretischer Anspruch ist (und die ich als antiimperialistischer Sozialrevolutionär auch nicht für verwirklichbar halte, aber das ist ein anderes Thema), und gegen Feinde wird gekämpft.

    @“Länder wie der Kongo sind eigentlich reich an wichtigen Bodenschätzen. Zu fragen bleibt, weshalb das nicht genutzt werden kann. Wer hält dort die Kriege am Laufen, wer finanziert sie mit? Wer profitiert von den Exporten? Mir scheint, daß es hier keine monokausalen Erklärungen gibt.

    Wie dem aber auch sei: Traurig und schlimm ist dieses Elend der Menschen, die unter entsetzlichen Bedingungen übers Mittelmeer fliehen und was meist nicht genannt wird, durch die noch grausamere Sahara. Die Wüste schwemmt in Europa keine Leichen an. Ich bin kein Experte für Wirtschaft und Geopolitik, ich halte jedoch die Lösung oder zumindest die Linderung dieses Übels für eine der wichtigsten Arbeiten der nächsten Jahrzehnte. Monokausale Erklärungen oder Schuldzuweisungen nützen da wenig. Der Westen trägt hier genauso eine Mitschuld wie auch die betroffenen Länder und ihre Regierungen.“

    Die Kriege halten zum Beispiel westliche Rohstoffkonzerne am Laufen, das Schicksal des Kongo wird noch immer eher in Belgien und Frankreich verhandelt als im Kongo selber.

  53. che2001 schreibt:

    Kabila, der ermordete Vater des aktuellen Präsidenten, hatte 40 Jahre lang im Regenwald einen Guerrillakrieg gegen Tschombé und Mobutu geführt und war dafür noch von Che Guevara persönlich ausgebildet worden (vgl. Paco Ignacio Taibo, „Das Jahr, in dem wir nirgendwo waren“), ein Krieg, in dem es darum gegangen war, ein hyperkorruptes Kleptokratenregime zu stürzen mit dem Resultat, dass heute andere Kleptokraten mit einer nur theoretisch demokratischen und sozialen Agenda regieren und nach wie vor gegen Kräfte kämpfen, die tribale Stammes- oder ganz unmittelbar Konzerninteressen vertreten. In Burkina Faso war Staatsgründer Thomas Sankara, der Liebling des Jungen Afrika, ermordet worden, nachdem er die Luxussaläre der Staatsdiener gekürzt, Cadillacs als Staatskarossen durch Renault R5 ersetzt und den Bau von Windschutzhecken gegen die Ausbreitung von Saharadünen anstelle von im Wüstenklima nicht realisierbaren, aber von westlichen „Entwicklungshelfern“ empfohlenen Cash-Crop-Farmen zum obersten Staatsziel erklärt hatte.

    Sehr bewusstseinsprägend war für mich einmal eine Fahrt von Freunden im VW Bulli von Braunschweig nach Ghana, bei der das Fahrzeug im damaligen Obervolta liegenblieb, weil es kein Benzin gab. Die Polizei war nicht in der Lage, Räuberbanden zu verfolgen, weil sie keinen Sprit hatte. Ein Plantagenbesitzer lud dann meine Freunde zum Umtrunk auf sein Farmhaus ein und schenkte ihnen am nächsten Tag in großen Kanistern genug Sprit, um nach Ghana zu kommen. Die Pflanzer horteten nämlich Benzin in großen Tankanlagen auf ihren Anwesen, um die Preise in die Höhe zu treiben. Deren Nachkommen studieren an deutschen Unis, und einer der Konflikte, die ich mit dem afrobesoffenen Momorulez hatte hing damit zusammen, dass solche Leute im Verein mit naiv-antirassistischen deutschen Studis ein Flüchtlingssolicamp in moralisaurer Manier zu dominieren versuchten und dann von afrikanischen Flüchtlingen „Pflanzerkinder“ und „Söhne Mugabes und Mobutus“ entgegengebrüllt bekamen. Mein ägyptischer Freund Mohamed, der diese ganze Region kennt meinte einmal: „You cannot call Tschad or Mali „countries“. This are tribal territories in private posession.“

  54. Bersarin schreibt:

    @ che: Danke für Deine Ausführungen. Sie zeigen, wie schwierig die Situation in Afrika ist und wie weit davon entfernt, daß sich die nächsten 10 Jahre etwas ändert. Es muß sich dort jedoch etwas ändern. Böse könnte man sagen, es wäre vielleicht besser gewesen, das koloniale System beizubehalten, in einer gezähmten fürs 21. Jhd angemessenen Form. Allerdings lassen sich die Probleme in Afrika eben auch nicht durch Völkerwanderungen lösen. So verständlich die wirtschaftlichen und politischen Motive der Menschen sein mögen. Daran werden am Ende nämlich, wie Dieter Kief ganz zu recht bemerkt, auch die europäischen Gemeinwesen kollabieren. Ein kleiner Funke genügt. Morgen in den Niederlanden. Erdogan hat es uns vorgemacht. In der BRD leben 1,4 Millionen (bitte die Zahl in Worten wiederholen einskommavier Millionen!) Türken. (Das sind nur die mit einem türkischen Paß.) Hoffen wir mal, daß die sich hier nicht, wie momentan in Rotterdam zusammenrotten. Wie sich solche Bilder auf Wahlen auswirken, weiß ich nicht. Ich vermute aber, nicht besonders gut.

    Worauf ich hinaus will: Die EU – man mag von ihr halten was man will – benötigt ein Einwanderungsgesetz. Die EU muß massiv und in einem positiven machtpolitischen Sinn Einfluß auf die afrikanischen Staaten nehmen. Dazu gehört auch die Stärkung der Binnenwirtschaft in Afrika. Dazu reicht es nicht Millionen in einen Kontinent zu pumpen, die in den Taschen von Oligarchen landen. Was nicht funktionieren wird, ist die Massenmigration.

    Da die revolutionäre Perspektive in weiter Ferne liegt und ich an die solidarische Verfaßtheit des Menschen immer weniger glaube, je älter ich werde, bleiben eigentlich nur pragmatische Lösungen übrig und ein eher evolutionärer Wandel. Mit Marx gedacht: das ungeheure fortschrittliche Moment des Kapitalismus immanent zu nutzen. In diesem Sinne MUSS linke Politik umdenken, da eine revolutionäre Instanz wegfällt und die Mulittude sich als Illusion erwies und man bei manchen Minderheiten, die sabbeln – man denke an Mädchenmannschaft, die Gendertröten, solche wie Noah Sow -, nur hoffen, wünschen und dafür sorgen kann, daß diese Leute auch weiterhin Minderheiten bleiben.

  55. Bersarin schreibt:

    @ Dieter Kief: Sie sprechen mir aus meiner roten Seele. Lesebefehl an alle: Den guten, wichtigen, richtigen Kommentar von Kief vom 13.3., 22.32 Uhr lesen!

    Und besonders das hier unterschreibe ich:

    „Der Rest ist die Abwehr des Gleichheits- und Universalismuszaubers. Der einfachste Weg ist anzuerkennen, dass – Achtung: Grundgesetz – Verfassungspatriotismus!! – – : Also anzuerkennen dass Staatsbürger zu sein ein Vorrecht darstellt, das gegen illegitime Ansprüche zu verteidigen ist. Der Staatsbürgerstatus setzt dem Universalismus der Menschenrechte Schranken (= Grenzen…).

    Schengen muss mit Rolf Peter Sieferle und Hans-Peter Schwarz zurückgebaut werden.“

    Seit Jahren mein Predigen: Schengenabkommen sofort aufheben, Grenzkontrollen wieder einführen. An der Grenze zu Polen erleben wir gerade den Wahnsinn. Mittlerweile werden ganze Rinderherden dort geklaut, nicht nur landwirtschaftliches Gerät. Ich kann mittlerweile die Bauern verstehen, die sich mit einer Knarre dort hinsetzen und auf Selbstwehr und Bürgerwehr setzen. Nur ist es für ein Gemeinwesen eben verheerend, wenn der Staat sein Gewaltmonopol verliert. Hinzu kommen freundliche tschtschenische Moslemextremisten, die hier langsam einsickern, ohne daß irgendwer sich anschickt, das zu kontrollieren und diese Leute stante pede nach Tschetschenien wieder zurückzuschicken. Es geht hier nicht mehr darum, ob das den Teddybärchenschwenkern gefällt oder nicht. Gerade heute wieder ein Bericht in der BLZ.

  56. Ich denke da kommen wir irgendwo alle zusammen. Natürlich reicht es nicht, hier die Schotten dicht zu machen und zu sagen: Sollen die doch sehen, wie sie zurecht kommen. Aber für wirklich wirksame und durchgreifende Lösungen sehe ich z.Z. nirgendwo die benötigten Akteure; die EU vertritt im wesentlichen die Interessen der europäischen Großkonzerne (auch in der Migrationsfrage), die USA sind mit sich selbst beschäftigt, die Linken geben sich absurden Ideen einer ganz neuen Weltordnung hin, und die Rechten sehen nur die eine Seite der Medalle, nämlich die der Betroffenen Einheimischen hier.

  57. che2001 schreibt:

    Schengen gibt es überhaupt nicht mehr, das ist seit Jahrzehnten das Dubliner Abkommen.
    Und solche Forderungen wie der Rückbau des so genannten Schengenraumes und was hier sonst so geäußert wurde ist genau das, wovor ich mit den Sätzen „Diese abzuschaffen ist das Thema der Rechtspopulisten und Neuen Rechten. Dem sollte gerade nicht entgegengewirkt werden, indem man ihnen entgegenkommt.“ gewarnt habe. Ich bin mit Dieter Kief bündig nicht einverstanden. Ich denke auch weniger aus einer Perspektive der Gouvernementalität, sondern aus der Linksuntenperspektive des Widerstands im Alltag. Was in der Konsequenz dann eher auf konkrete Unterstützung von Flüchtlingen und Abschiebungen verhindern hinausläuft als auf Forderungen nach dem starken Staat. Die erste „große“ politische Forderung wäre in der Tat für mich: Stoppt den Export von subventionierten EU-Lebensmitteln nach Schwarzafrika. Und unterbindet den Waffenhandel. Fluchtursachen bekämpfen hat nichts mit einem Grenzregime zu tun. Im Übrigen war die alte Fremdenpass-Regelung vor dem Schengener Abkommen (eingereister Flüchtling bekommt in Griechenland einen Fremdenpass der ihn als staatenlosen Flüchtling ausweist, damit hat er die Möglichkeit, sich in der EU – damals noch EG – frei zu bewegen, ohne dass das an einen Aufenthaltstitel in einem bestimmten Land geknüpft wäre, keine Sichere-Drittstaaten-Regelung) humaner und pragmatisch sinnvoller als die jetzige. Das ursprüngliche Schengener Abkommen wurde von Flüchtlingsräten und Asylsoligruppen als Rückschritt wahrgenommen.

  58. Bersarin schreibt:

    Die in den öffentlichen Diskursen herrschende Bezeichnung ist die des Schengen-Raumes und des Schengener Abkommens sowie der Schengen-Staaten. Die offizielle Bezeichnung hier lautet „Verordnung (EU) 2016/399 (Schengener Grenzkodex)“. Aber das ändert an der unsinnigen Politik der fehlenden Grenzkontrollen nichts. Ich glaube auch, daß die Bauern, denen ihre Rinder geklaut werden, nicht so viel Sinn für den genauen Wortlaut haben und daß sie kaum nach den Flüchtlingsursachen außerhalb Europas fragen, sondern sie blicken mit Sorge auf die polnische und tschechische Grenze, die der Transporter mit den gestohlenen Tieren ungehindert und und unkontrolliert passieren kann. Aber das freilich ist immer eine Sache der Perspektive. Jemand, der Flüchtlingsarbeit macht, blickt kaum nach Brandenburg. Außer es brennen dort Asylheime, und jemand, der auf dem Land seinen Lebensunterhalt bestreiten muß, blickt selten, so vermute ich, auf die Ursachen für Elend. Das ist manchmal schade.

    Was Deine Forderungen betrifft, gebe ich Dir recht, che. Aber, wie El Mocho ganz richtig schrieb, muß das eine das andere nicht ausschließen. Zumal diese Dinge komplizierte Prozesse sind, die nicht einfach mit Parolen zu erledigen sind. Wir haben in diesem Feld eine hinreichend hohe Komplexität und ein Netz von mehrdimensionalen Kausalitäten und Abhängigkeiten.

    Weshalb ich momentan keine sinnvolle Linksunten-Perspektive sehe, deutete ich oben und überhaupt verschiedentlich hier im Blog an. Ich argumentiere im Augenblick aus der Logik des Staates heraus, das ist richtig. Bei aller Kritik an diesem Staat kann jedoch jene sinnvolle Staatskritik nur in einem halbwegs funktionierenden Staat geübt werden. Wenn, wie im Kongo und anderswo, alle ums nackte Überlegen kämpfen, dürfte für Kritische Theorie kaum noch Zeit übrigbleiben, denn diese bedarf der Denkräume und eines Ortes. Diese (meinetwegen fatale) Dialektik hat niemand anderes als Adorno bestens erkannt.

    Und aus diesem Grunde, weil ich in einem halbwegs funktionierenden Staat leben will, der kritischen Diskurs möglich macht, kann ich (auch aus wirtschaftlichen und intellektuellem Eigeninteresse heraus) die Intention von Staaten verstehen, ihre Grenzen zu sichern und darüber zu bestimmten, wer hinein und wer nicht hinein darf. Das ist kein spezifisches Thema der Neuen Rechten. Und selbst wenn es das wäre, muß es deshalb noch nicht falsch sein. Hier kommt es auf inhaltliche Argumente an, weshalb ein Staat nicht nur das Recht, sondern zum Wohle seiner Bürger auch die Pflicht hat, seine Grenzen und damit seine Souveränität zu schützen. Meinetwegen kann man übrigens gerne zu einem Vorschengen-Zustand zurückkehren. Grenzkontrollen innerhalb der EU wie früher, Registrierung mit Paß, Fingerabdruck etc. pp. für Flüchtlinge, Verteilung auf verschiedene EU-Länder. Bewegungsfreiheit innerhalb des entsprechenden EU-Landes. Was nicht funktioniert sind, unkontrollierte Flüchtlingsströme, insbesondere von arabischen Männern, von denen kein Mensch weiß, wo die herkommen und was sie vorher taten.

  59. Also ich suche eine Perspektive, die die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt. Interesse des einzelnen Flüchtlings ist, nach Deutschland oder Schweden zu kommen und dort dauerhaft bleiben zu können, egal was aus seinem Herkunftsland wird (Familie kann er mit Glück irgendwann nachholen). Das ist in jedem Fall eine fundamentale Verbesserung seiner Lebensverhältnisse, ganz egal ob er Arbeit findet oder sich integriert in die deutsche Gesellschaft (unter Integration würde ich mal ein dauerhaft konfliktfreies Zusammenleben mit der Mehrheit verstehen). Collier zitiert irgendwo eine Untersuchung, nach der ein Straßenhändler in New York das Zehnfache eines Straßenhändlers auf Haiti verdient. Der Haitianer muss also nur nach Amerika gelangen und dort so weiter leben wie er es auf Haiti getan hat, und schon geht es ihm zehnmal besser. Die Folgen der Massenzuwanderung für die Aufnahmeländer sind aus der Sicht des Flüchtlings zu vernachlässigen.

    Interesse der Mehrheit der Menschen in den Aufnahmeländern ist, dass aktuell möglichst wenig zusätzliche Flüchtlinge kommen, mit denen er um staatliche Leistungen und später auch Arbeitsplätze konkurrieren muss, und die durch Kriminalität sein Leben unsicherer machen. Ich glaube, dass nur sehr wenige Deutsche wirklich grundsätzlich gegen Zuwanderung sind, und Untersuchungen von Ökonomen bestätigen ja auch, dass begrenzte (und selektive) Zuwanderung sich auf mittlere Sicht auch für die Einheimischen positiv auswirkt. Aber die Situation im Augenblick ist eine andere, und jeder neue Flüchtling, der wegen mangelnder Bildung und Sprachkenntnissen keine Arbeit findet und dauerhaft auf Sozialleistungen angewiesen bleibt, verschlechtert sein Leben, von Muslimen, die hier so leben wollen wie sie in ihren Heimatländern schon immer gelebt haben und unsere Kultur nur verachten, ganz abgesehen.

    So, wie können nun Menschen mit so unterschiedlichen Interessen zusammen leben? Konflikte sind unvermeidlich, und man muss Wege zu ihrer friedlichen Lösung finden. Das heißt aus meiner Sicht zuerst mal, dass beide Seiten zurückstecken und Kompromissbereitschaft zeigen müssen. Die Deutschen haben hier schon eine nicht geringe Vorleistung gebracht mit der Aufnahme von mehr als einer Million Menschen inkl. Unterbringung und Ernährung, es wäre jetzt an den Flüchtlingen, sich kooperativer zu verhalten. Und viele tun das natürlich auch, aber die Bedingungen sind nicht günstig. Es sind zu viel junge Männer (die immer und überall aggressiver und risikobereiter als andere sind), und es sind zu viele Muslime, die noch nie und nirgendwo friedlich mit Nichtmuslimen zusammengelebt haben, und auf diese beiden Gruppen muss verstärkt Druck ausgeübt werden. Ich bin ziemlich überzeugt, dass sich die Lage rasch entspannen würde, wenn die Deutschen sehen, dass Flüchtlinge, die kriminell werden oder Frauen belästigen, eine Woche später wieder in ihrer Heimat sind, egal wie dort die Verhältnisse aussehen. Das müssen die sich eben vorher überlegen. Und wenn Muslimen gegenüber mal eine klare Kante gezogen wird, was hier akzeptiert wird und was nicht, mit einem entsprechenden gesetzlichen Rahmen, keine Kopftücher in der Schule, wie in Frankreich, keine Halal-Ernährung im Kindergarten, keine Gebetsräume usw.

    Das wären mal konkrete Maßnahmen, und wenn die getroffen werden, dann kann sich eigentlich niemand mehr aufregen, außer den wirklichen Nazis. Die christlichen Afrikaner verhalten sich vorbildlich, ich sehe das in der Kirchengemeinde meiner Frau. Die gehen nicht nur Sonntags zur Messe, sondern melden sich auch freiwillig als Katecheten für die Kommunion und lernen so viel schneller Deutsch, lernen Menschen aus ihre Nachbarschaft kennen, und spätestens ihre Kinder werden sich als Deutsche fühlen, genau wie die Kinder der spanischen Gastarbeiter aus den 60er Jahren. In 20 bis 30 Jahren wird niemand mehr einen jungen Schwarzen, der akzentfrei Deutsch spricht, fragen, wo er das denn gelernt habe oder wo er herkommt, ich bin da sehr optimistisch.

  60. che2001 schreibt:

    Warum keine Halal-Ernährung im Kindergarten, keine Gebetsräume usw.? Schadet das irgendwem? Im Umkehrschluss, ich bin eher für die Befreiung von der Religion als für Religionsfreiheit, müssten dann nicht auch alle Kirchen in Museen umgewandelt werden? Wertvolle Kulturschätze, aber in ihrer ursprünglichen Zweckbestimmumng nicht mehr zeitgemäß?
    Wenn, dann alle oder gar nicht. Kopftücher tragen in der Heide noch alte Bäuerinnen, soll man die jetzt auch verbieten? Zwischen Islam und dem sich öffentlich dazu bekennen und politischem Islamismus sollte aber gründlichst unterschieden werden. Auch der politische Islam kennt liberale, progressive und linke Richtungen, vgl. Ahmadija, Rote Schiiten und Tagammu. Der Umgang mit diesen Themen in Deutschland fußt auf kenntnisfreier Vorurteilsbereitschaft. Und der regierungsamtliche Umgang der offiziellen deutschen Politik mit dem Islam leider auf einer „Verständigung“ staatlicher Würdenträger mit Organisationen wie Ditib, nicht mit Muslimen an sich.

  61. Als meine Frau in ihrem Integrationskurs war, berichtete sie, dass die Muslime am Ramadan frei bekamen, wie selbstverständlich. Niemand dachte daran, den katholischen Latinos oder Kroaten an Fronleichnam frei zu geben, und sie haben es auch nicht verlangt. Denen war offenbar klar, dass man sich in einem anderen Land als Zuwanderer an die herrschenden Sitten anzupassen hat und nicht umgekehrt. Die muslimischen Kinder können ja nur Gemüse und Kartoffeln essen, wenn sie kein Schweinefleisch wollen, spricht nichts dagegen.

    Was den Unterschied zwischen Islam und Islamismus angeht, gillt das gleiche wir für Rechtsradikalismus: Nur die wenigsten Rechtsradikalen zünden Flüchtlingsheime an, die meisten verhalten sich völlig gesetzeskonform, gleichwohl werden sie heftigst kritisiert, und zu recht. Auch der Islamismus gedeiht nur auf dem Grund der stillschweigenden Unterstützung durch Mehrheitsmuslime, und die sollte genauso kritisiert werden. Die „liberalen Strömungen“ im Islam sind entweder völlig marginalisiert oder Augenwischerei.

    Ansonsten bin ich auch ungläubig, aber für die Mehrheit der Zuwanderer gilt das nicht, die sind nach meiner Einschätzung zu 95% religiös, und zwar richtig religiös mit täglischem Tischgebet und wöchentlichen Kirchen- bzw. Moscheebesuch. Da wird man mit der Befreiung von Religion nicht weit kommen.

    Dass der Staat bevorzugt mit den reaktionären Islamverbänden verhandelt, ist natürlich zu kritisieren, aber es ist ja auch schwer anders zu machen. Wen soll man den ansprechen, wenn man die Meinung der „Muslime an sich“ wissen will? Warum können die sich nicht auf eine Vertretung für alle einigen?

  62. Bersarin schreibt:

    Für 200 EUR Aufpreis pro Woche pro Kind, das Halal ißt, bin ich damit einverstanden. Das testet die Festigkeit im Glauben und hat zudem den guten Effekt, daß die Kindergärten ihr flaches Budget aufbessern können. Ansonsten halte ich nichts davon, das Essen nach Glaubensdingen auszurichten. Es müßte dann am Freitag auch konstant Fisch geben und in der Fastenzeit kein Fleisch. Insofern würd ich da schwarzpädagogisch sagen: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Und das heißt ja nicht, daß es deshalb nun jeden Tag Schweinefleich geben muß. Wenn einer Schweinebraten oder Bratwurst nicht mag, muß er oder sie halt nur das Gemüse und die Nudeln dazu essen. Alles andere ist sinnloses Brimborum. Und wie gesagt: wer fest im Glauben ist, übt gerne Verzicht. Wer für diese Regeln nichts übrig hat, sollte sich überlegen, ob er sich mit der BRD das richtige Land ausgesucht hat. Vielleicht kommen Saudi-Arabien und Katar den Lebenswelten dieser Menschen doch um einiges näher.

    El Mochos Beispiel zum Rechtsradikalismus trifft es sehr gut. In der Tat gibt es viele Strömungen des Islam, leider haben es die liberalen hier sehr schwer. Ich bin mal gespannt, was geschieht, wenn Seyran Ates hier in Berlin die Moschee eröffnet, wo Frauen und Männer zusammenbeten. Was man ansonsten beim Islam dazu sagen muß: Daß er im westlichen, nördlichen und nordöstlichen Europa noch nicht heimisch ist und insofern nicht zur kulturellen Prägung dieser Regionen beitrug. Es bleibt festzuhalten, daß die Tradition Europas christlich ist, bei der Philosophie und den Feiertagen angefangen. Insofern müßte dann strenggenommen in jedem Amtszimmer ein Kreuz hängen. Täte es das, hätte ich damit zwar kein Problem, aber wohl ist mir dabei ebensowenig. Wer als Moslem nach Europa emigriert, hier leben will, aus welchen Gründen auch immer, sollte sich dieser Dinge bewußt sein.

    Der Staat sollte sich religiös neutral verhalten und das bedeutet, daß in einem säkularen Gemeinwesen religiöse Symbole nichts zu suchen haben. Das gilt auch für das Kopftuch bei solchen Menschen, die beim Staat beschäftigt sind. Es hat dort nichts verloren, weil die religiöse Gesinnung nicht nach außen getragen werden soll. Ansonsten müßte man in staatlichen Schulen auch Kreuze, Kippas oder Ordenstracht tragende Lehrer und Lehrerinnen zulassen. Was die Leute hingegen privat in der Öffentlichkeit anziehen, ist in bezug aufs Kopftuch ins Ermessen eines jeden einzelnen gestellt.

  63. Dieter Kief schreibt:

    http://www.achgut.com/artikel/zur_heutigen_wahl_die_urwunde_der_niederlaendischen_seele

    Leon de Winter schaut auf die Wahl in den Nierlanden und variiert Sieferles Thema:

    Die Kombintion aus offenen Grenzen und Sozialstaat als Attraktoren des Unheils.

  64. Bersarin schreibt:

    Der Hinweis auf Pim Fortuyn ist interessant und wichtig, weil es sich hier um ein Fanal handelt. Und da war ja auch noch die schwarze holländische Soziologin, die aus Somalia stammt (Name leider vergessen, wer kann aushelfen?). Sie sprach sich massiv gegen die schleichende Islamisierung aus und nannte die Gefahren, die von einer allzu toleranten Gesellschaft ausgeht. Ansonsten sehe ich es, was diese Kombination betrifft, man mag jetzt von der Reichweite des „Sozialstaates“ halten was man will, ebenso. Man kann natürlich und im Rahmen der offenen Diskurse für eine tolerante Politik gegenüber dem Islam sein, man kann auch – niemand verbietet es – für die Burka Stellung beziehen und das Tragen derselben tolerieren. Nur das einzige, was man dann nicht mehr kann, ist, sich über den Ausgang von Wahlen zu wundern, wenn sich bestimmte, nicht gewünschte Ergebnisse einstellen.

    Denn Wahlen sind die einzige Möglichkeit, um dem Behagen oder eben dem Unbehagen an dieser Tendenz Ausdruck zu verleihen. Und vielen scheint diese Frage auf der Seele zu brennen.

  65. Dieter Kief schreibt:

    Ayaan Hirsi Ali – ja, die hat de Winter nicht erwähnt. Henryk M. Broder würde sie glaubich gerne heiraten, er sendet sone vibes, wenn er von ihr spricht.

  66. Bersarin schreibt:

    Ja, genau! Danke. Interessante Frau.

  67. che2001 schreibt:

    @“Für 200 EUR Aufpreis pro Woche pro Kind, das Halal ißt, bin ich damit einverstanden. Das testet die Festigkeit im Glauben und hat zudem den guten Effekt, daß die Kindergärten ihr flaches Budget aufbessern können. Ansonsten halte ich nichts davon, das Essen nach Glaubensdingen auszurichten“ —– Was stört daran, wenn die halal essen? Sollen jüdische Kinder auch kein koscheres Essen bekommen oder Veganen Fleisch zu gemutet werden? Das ist keine aufgeklärte Haltung, sondern Assimilierungsterror. Und dass Gesellschaften einem ständigen Wandel unterliegen unter anderem durch Kollektive die in sie einwandern ist auch eine Tatsache, da halte ich überhaupt nichts vom Aufrechterhalten einer Leitkultur, sondern bin begeisterter Anhänger des melting pot. Eine Grenze muss nur da gezogen werden, wo es um Menschen- und Frauenrechte, sexuelle Selbstbestimmung und solches geht.

  68. che2001 schreibt:

    Ayaan Hirsi Magan, wie sie inzwischen heißt ist eine der verstrahltesten Antiislam-Hetzerinnen dieses Planeten, bei allerdings grauemnhaft traumatisierenden eigenen Erfahrungen. Die stand lange Zeit neben PI, Kewils Fakten und Fiktionen, Ann Coulter, Campo de Criptana (so eine Art Colonia Dignidad für Pädophile) und der Achse des Guten auf der immer gleichen Blogroll der prowestlichen neoliberalen bzw. anarchokapitalistischen und auch evangelikalen Blogs, gegen die Don Alphonso, Dr. Dean, Momorulez, Netbitch und meine Wenigkeit jahrelange Diskussionsschlachten geführt haben bis diese Art von Blogs nach wie vor verschwand oder sich untereinander entbündete. Sie selbst hat einen Teil ihrer Biographie erfunden und ist selber in die USA ausgewandert wo sie von einer Stiftung aus dem engsten Neoconumfeld bezahlt wird.

  69. Bersarin schreibt:

    Es stört mich nichts an dem Halaltrallala, außer daß es Umstände macht. Und irgendwann bereiten wir für jeden einzelnen ein Extraessen und irgendein Extratrara, weil noch der letzte Hansel seine persönliche Befindlichkeit mitbringt. Wer vegan ißt, läßt das Fleisch weg. Ganz einfach. Wem das nicht paßt, der läßt sein Kind zu Hause oder eben die Familie gibt dem Kind von zu Hause aus Extraessen mit. Diese Mühe sollte einem der Glaube in solchem Extremismus wert sein. Es wird in den Debatten viel zu viel Aufhebens gemacht. Auch diesem Grunde plädiere ich dafür, Grenze zu ziehen: Morgen nämlich debattieren wir dann über das Singen von Weihnachtslieder oder es kommt jemand der das Glockenspiel von „Fuchs du hast die Ganz gestohlen“ verbieten will.

    Ansonsten: Warst Du schon einmal in einem Kindergarten, che? Meinst Du wirklich, das sei eine Großkantine, in der fünf verschiedene Essen bereitgehalten werden können? Es gab übrigens bei uns damals ein Gericht, das haben alle gegessen. Auch die Kinder von Moslems. Insofern vermute ich hinter diesem Halalscheiß ganz einfach nur perfide Politik. Aufweichen, immer ein Schritt mehr. Mich bestätigt es zunehmend in meiner Hypothese der schleichenden Islamisierung der Gesellschaft. Unter dem Deckmantel der Toleranz.

    Aber da wir in einer Waren- und Geldgesellschaft leben, ist doch ansonsten eine feine Sache, wenn man für die Extras seinen Obolus entrichtet. Und ja: wer hier lebt, sollte sich assimilieren. Weshalb sonst will er hier leben? Um sein altes Leben fortzusetzen, muß doch niemand seine angestammte Heimat verlassen. Was jeder glaubt und denkt, ist Privatsache, das kann jeder zu Hause für sich praktizieren. Wer sich in öffentlichen und das heißt staatlichen Einrichtungen aufhält, sollte die säkulare Gesellschaft akzeptieren.

    Vorhin auf Twitter gelesen: „In Deutschland zu leben ist ein Angebot, das man bei Nichtgefallen auch ablehnen kann“ Auf den Punkt gebracht.

  70. che2001 schreibt:

    Ich präzisiere mal: Ayaan Hirsi Magan ist zum Ayn Rand Institut gegangen.

    Ansonsten vgl. hier:

    https://che2001.blogger.de/stories/456377/

    https://che2001.blogger.de/stories/456009/

    https://che2001.blogger.de/stories/454193/#454923

  71. Bersarin schreibt:

    Man kann diese Meinungen kritisieren, man muß sie zugleich von ihrer Sprecherposition her verstehen. Ich teile nicht alles von Ali, aber nach inzwischen über 10 Jahren scheinen sich doch manche ihrer Befürchtungen bewahrheitet zu haben und wie es so ist blitzt im Extremen immer auch ein Moment von Wahrheit auf, was schon Adorno in seinen Mimima Moralia festhielt. Wünschen würde ich mir, daß sich in solchen gesellschaftlichen Debatten zum Islamismus mehr gemäßigte und liberale Muslime zu Wort melden. Wie gesagt geschrieben: ich bin gespannt auf die Reaktionen wenn Seyran Ates hier in Berlin eine Moschee eröffnet, in der Frauen und Männer zusammen beten werden. Die Veränderungen hin zu einem liberalen Islam, sozusagen einem Euroislam – sofern denn Religion schon sein muß – wird ein langer Weg werden, den Liberale und Linke unterstützen sollten. Und aus genau diesem Gründen, um einer säkularen Gesellschaft willen, sollten sich staatliche Institutionen bei Speisevorschriften querstellen.

  72. che2001 schreibt:

    Wer vegan isst lässt das Fleisch weg? Falsch. Wer vegan isst darf keinerlei tierisches Fett oder Milch oder Eiweiß auf dem Teller oder im Kochtopf haben. Wer koscher isst isst nur Sachen bei denen Fleisch, Gemüse, Mehl und Milchprodukte in unterschiedlichen Töpfen zubereitet wurden. Verglichen damit sind die Standards von halal ziemlich moderat. Unsere Gesellschaft ist fortwährend verändert worden durch die Gebräuche von Eingewanderten. Zum Beispiel war es mal völlig undeutsch, vor Kneipen oder Restaurants in Stühlen draußen auf dem Gehsteig zu sitzen. Als diese Sitte Anfang der Achtziger aufkam hieß es „jetzt kehren hier französische Verhältnisse ein.“ Hätte man von den Italienern, Spaniern, Jugoslawen, Griechen und Türken, die diese Sitte zu uns importiert haben verlangen sollen, treudeutsch drinnen oder im Biergarten zu sitzen, statt südländisch den Gehweg zu okkupieren? Auf der anderen Seite habe ich eine deutschafghanische Freundin, die ganz selbstverständlich Schweinefleisch ist. Die Grenzen sind da doch durchaus durchlässig. Problematisch wird es nur, wenn es rein räumlich zu Ghettobildung kommt und sich nicht Mischkulturen sondern Parallelgesellschaften bilden. Dass sich die deutsche Gesellschaft durchmischt und dadurch auch verändert finde ich erstmal gut, die piefige Gesellschaft der Adenauerzeit will ich auf keinen Fall zurück.

  73. „Was stört daran, wenn die halal essen?“

    Eigentlich nichts, aber die muslimischen Eltern VERLANGEN es für ihre Kinder. Und wie Bersarin sagt, man kann nicht mehrere Mahlzeiten anbieten, aus rein praktischen Gründen. In dem Kindergarten, in dem meine Frau arbeitet, sind ca. die Hälfte der Kinder muslimisch, und da macht die Leitung es eben, weil sie keine Kunden verlieren und keinen Ärger haben will. Muslime reagieren auf jedes Entgegenkommen mit Neuforderungen, ist bekannt. Irgendwann wird man dann auch Trennung von Mädchen und Jungen fordern, usw.

    Was Muslime betrifft, die den Islam kritisieren und Modernisierung fordern aber gleichwohl ihre Religion nicht verlassen, wie etwa Bassam Tibi oder Abdel-Samad, so benötigen die meines Wissens Polizeschutz. Und werden von Linken umgehend als Reaktionäre identifiziert.

  74. Bersarin schreibt:

    Es ist richtig und auch interessant, wenn sich Kultur verändert. Hier jedoch, was den Islam bzw. bestimmte Ausprägungen desselben (nicht diesen im ganzen, denn der Islam ist vielfältig) betrifft, sieht es für mich etwas anders aus: El Mocho beschreibt die Mechanismen ganz richtig. Heute ist es die Forderung nach X, morgen dann nach dem nächsten, daß Mädchen nicht am Schwimmunterricht oder an Klassenfahrten teilnehmen und im übernächsten Schritt wird die Koedukation aufgegeben. Das geht schön schleichend. In Berlin ist an vielen Schulen nicht halal das Problem, sondern es beklagen sich weibliche Lehrerinnen massiv über das Verhalten von 8- oder 12-jährigen Jungs gegenüber Frauen. DAS ist ein Problem und bevor diese entsetzlichen Erziehungsmaßnahmen muslimischer Eltern nicht angegangen werden und ein Ende finden, brauchen wir nicht über Halal zu sprechen. Ich habe Geschichten von Lehrerinnen gehört, da schlägt man nur noch die Hände über dem Kopf zusammen und wünscht sich, daß diese Leute niemals hierher gekommen wären. Was in diesen Dingen die Maßnahmen betrifft, ist Heinz Buschkowsky, der ehemalige Bürgermeister von Neukölln, interessant. Klar wird man auch hier wieder ein Haar in der Suppe finden. Aber mir sind da die Haare in der Suppe lieber, als Bewohner, die die elementaren Regeln des Zusammenlebens nicht beherrschen.

    Und auch was El Mocho im letzten Absatz beschreibt, muß zunächst mal aufgearbeitet werden. Bevor sich hier nicht grundlegend etwas ändert, werden ganz zu recht große Teile der Gesellschaft nicht bereit sein, überhaupt nur im Ansatz diese Halal-Debatten zu beginnen.

  75. Besucher schreibt:

    @ Bersarin

    „Warst Du schon einmal in einem Kindergarten, che? Meinst Du wirklich, das sei eine Großkantine, in der fünf verschiedene Essen bereitgehalten werden können?“

    Ich vermute mal, dass Du selbst schon längere Zeit nicht mehr in einem Kindergarten warst. Inzwischen kocht da nämlich keiner mehr, sondern die werden von Caterern beliefert, die selbstverständlich auch vegetarisches Essen anbieten. Der konkrete Speiseplan wird von den Eltern online vorher für das einzelne jeweilige Kind ausgewählt. Ob es da auch Halal oder koscheres Essen gibt, weiß ich mangels Interesse nicht, aber bei entsprechender Nachfrage sollte das wohl kein Problem sein und – wenn überhaupt – für deutlich weniger Mehrkosten als 200,- € pro Woche lieferbar sein. Der individualistische Kapitalismus unseres Systems hat die Vielfalt der Lebensstile doch längst als Einnahmequelle identifiziert und entschärft solche ‚Kulturkämpfe‘.

    Mit der Pädagogik des „es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“, kannst Du heute weder einen Kindergarten noch eine Schule betreiben. Deshalb vermute ich zusätzlich, dass Du nie oder sehr lange nicht mehr eine entsprechende Elternversammlung besucht hast. Sei froh drüber.

  76. Bersarin schreibt:

    „Mit der Pädagogik des „es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“, kannst Du heute weder einen Kindergarten noch eine Schule betreiben.“ Ach, wenn man das als neuen Trend verkauft, ginge auch das und noch viel mehr.

    Ansonsten habe ich selbst aber nichts weiter mit Kindern, Schulen etc. zu schaffen. Lediglich über eine Ecke und familiär kommt mir das eine oder andere zu Ohren.

  77. Dieter Kief schreibt:

    Ayaan Hirsi Ali diskutiert den Islam – und sie macht das gut:

    @ che 2001 noch ein Nachtrag zu Ihnen 14. 3. 12.19 Uhr: – ehe – Sie sind gegen Aktionen auf der staatlichen Ebene, fordern aber auf der transnationalen Ebene der EU ein koordiniertes handelspolitisches Vorgehen wg. Afrika. Hu?

    Und Ayaan Hirsi Ali fordert einen reformierten Islam – wie auch Michael Klonovsky, immerhin.

    Jaja – und die wiederkehrende Idee der Befreiung von der Religion – wartet, wartet nur ein Weilchen, dann kommt Habermas nächster großer Streich – es wird von 1100 Seiten gesprochen, die bereits geschrieben seien – – – aber nicht über die Befreiung von der Religion, sondern über den vernünftigen Umgang mit ihr.

    Es scheint mir auch unpolitisch gedacht zu sein anzunehmen, die Frage, wie es mit dem Islam weitergeht und wie mit der extrem zähen, spaßfernen (cf. de Winter!) und (u. a. daher…) gewaltbereiten Integration der Mehrheit der hiesigen Muslime hänge davon ab, was wir hier auf von der Religion halten. In solchen Überlegungen verrät sich, fürchte ich, ein allzugroßer Abstand von unseren lieben, Allah anhangenden Mit- bzw. NeubürgerInnen.

  78. che2001 schreibt:

    Ich bin nicht gegen Aktionen auf der staatlichen Ebene, sondern agiere selber aus einer Position des Staatsfeindes. Ich bin auf der Analyseebene zwischen Kritischer Theorie, bestimmten Anwendungen des Poststrukturalismus und einer Marxinterpretation, die sich nicht auf Marxismus-Leninismus und auch nicht auf linkssozialdemokratischen Arbeiterbewegungsmarxismus bezieht, sondern auf operaistische Ansätze – Hartmann, Roth, den frühen Tronti, Poulantzas.

    Auf der Handlungsebene würde ich mich eher als Anarchist bezeichnen. Was auch heißt, nicht im Rahmen von Staatspolitik zu handeln, sondern in dem von direkter Aktion: Von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge verstecken, Abschiebungen notfalls militant zu behindern, Verbesserungen der Situation von Geflüchteten durchzusetzen, indem GO-Ins in Ausländerämter gemacht werden, bei denen, wenn die nicht korrekt versorgt werden wir dort die Festplatten neu formatieren. Und Nazis auf die Fresse, mit 70 cm solidem Teak.

    Wenn ich schreibe, was ich an weltwirtschaftspolitischen Maßnahmen für sinnvoll halte stellt das eine realitätskonforme Alternative zur realen Politik dar, aber nicht meine konkrete Utopie.

    Was den „allzugroßen Abstand“ angeht: Ich lebe in einer Großstadt, aber nicht in Berlin, und meine Stadt ist durch Studierende und durch IndustriearbeiterInnen in Hochlohnbetrieben geprägt, es gibt hier keine Ghettos und keine parallelgesellschaftlichen Strukturen. Ich würde hier eher von einem gutem interkulturellen Zusammenleben sprechen. Die praktizierenden Muslime, die ich so kenne, sind Leute, die zum Opferfest einen Hammel schlachten und dann Obdachlose zum Essen einladen, weil das ihrer religiösen Vorstellung von im Koran vorgeschriebenen Almosen entspricht. Andererseits habe ich echtes Dritte-Welt-Elend in persönlicher Anschauung erlebt (und mein inzwischen wirklich wütendes Antworten an fast Alle auf diesem Blog ist: Ihr habt davon überhaupt keine Ahnung und könnt Euch darüber echt nicht äußern, wer das nicht persönlich erlebt hat kann dazu nichts sagen) und auch meine Erfahrungen aus der Sozialberatung für Geflüchtete. Ich behaupte mal, dass die Mehrheit der hier Kommentierenden von dem, was in Flüchtlingscommunities abgeht keine Ahnung hat, ich schon.

  79. Bersarin schreibt:

    Ob es Parallelgesellschaften gibt, ist eine Frage der Perspektive und was man sehen oder eben nicht sehen möchte. Bremen, Hamburg, Mannheim, Berlin, Duisburg – da sieht es schon ein bißchen anders aus. Ich halte nichts von Sozialidyllen, die jegliches Problem ausblenden, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Ja, in der Dritten Welt ist viel Elend. Wenn man dann allerdings in diesem interkulturellen Rahmen vergleicht und abwiegelt, dürfte man allerdings auch nicht mehr von Armut in der BRD sprechen. Denn im Vergleich zur Dritten Welt sind Hartzer, Niedriglöhner oder Alleinerziehende mit drei Kindern Millionäre und leben in Saus und Braus. Insofern bin ich mit Vergleichen, die auf unterschiedlichen Bedingungen gründen, vorsichtig. In diesem Sinne gäbe es dann in der BRD übrigens auch keinen Rassismus. Wer je in Südafrika sah, wie dort Schwarze andere Schwarze, die dorthin migrierten, zu Tode prügelten und dies in Orgien, ohne daß Polizei irgendwie einschreitet und dagegen ist dann Lichtenhagen ein Nichts gewesen: Also ich bin da dann immer vorsichtig mit der interkulturellen Dimension.

    Wie gesagt, che, ich halte nichts davon, Probleme zu beschweigen. Hier in Berlin gibt es massive Probleme. Jene Lehrerin, die sich über das Verhalten der Junges beklagte, ist hier keine Ausnahme.

    Ich halte übrigens auch nichts davon, Moslems unter Generalverdacht zu stellen. Eine Vielzahl lebt hier, ohne anderen Menschen Probleme zu bereiten, ohne andere Menschen zu malträtieren und auf den Sack zu gehen.

  80. Dieter Kief schreibt:

    @ che2001 u Bersarin – wg. Elend und relativem Elend, bzw, relativem Reichtum.

    Das Problem erinnert im Kern an die Schwarze (sorry for this one….) Pädagogik: Und an den Sündenstolz usw. (cf. Anton Reiser). Oder – ich muss mich noch mehr entschuldigen für Leichtsinn – – das Autoquartett seligen Angedenkens: Wer hat mehr Zylinder (= Katastrophen) zu bieten. – – –
    Es liegt aber kein Segen darauf, gesellschaftliche und soziale Deformierungen als Maßstab für eine angemessene Sozialkritik wo auch immer heranzuziehen. Man kann sich in diesem Kontext nicht einfach gegenseitig übertrumpfen – das, diese Idee selber i s t bereits die nicht statthafte Form der Komplexitätsreduktion (= der strukturellen Unangemessenheit).

    Ansonsten empfehle ich: Fromms „Anatomie der menschlichen Destruktivität“. Und Jean Pauls Wutz. Oder halt gleich den Faust zu bedenken.

  81. Bersarin schreibt:

    Darauf genau wollte ich hinaus: Es führen die Relativierungen und das „Spieglein-Spieglein an der Wand“ nicht wirklich weit. Auch wenn alles mit allem irgendwie zusammenhängt und die Wirtschaft Afrikas sehr wohl an das gekoppelt ist, was in Europa geschieht.

  82. Dieter Kief schreibt:

    Ja klar. Be here now – – wherever it is.

    (Dieser Gedanke findet sich fast buchstabenidentisch sowohl bei Lao Tse als auch bei Hegeln). (Bloch hatte einen Sinn für solche nicht-linearen Funkenflüge durch Raum und Zeit – – wie auch Ernst Jünger – umwerfend, wie gut der Chauvet verstand – auf Anhieb!).

    Und klar ist der mir in der Tat heilige, oben aufgeführte Hippie-Spruch anti-universalistisch, was die praktischen Handlungsmöglichkeiten angeht – sein Witz liegt ja gerade darin, die Hippie-Transzendenz – nicht auszuradieren, sondern zu erden.

  83. ziggev schreibt:

    oh, schau – Nach Niederlanden!

    Dass sich ausgerechnet Trump als der herausstellen könnte, „der Merkels Flüchtlingspolitik, – „irgendwer muss an der europäischen Idee festhalten“ -, zumindest in Teilen zum Durchbruch verhelfen könnte“, wie ich oben (11. März 2017 um 17:05) schrieb.

    So lautete jedenfalls sinngemäß ihre „Verteidigung“, die niemand unter den sog „Merkelkritikern“ – in Wirklichkeit „Islamkritiker“ (welcher Gattung jew. zuzuordnen, ist etwas schwierig, da von den „Merkelkritikern“ sich niemand aus freien Stücken als „Islamkritiker“, welcher Couleur auch immer, aus Feigheit bekennen mochte) – zur Kenntnis nehmen wollte.

    Möglw. ja tatsächlich bloß ein Lippenbekenntnis mit dem Rücken zur Wand. Dank El_Mocho wissen wir jetzt aber zumindest, dass sie tatsächlich á la Sherlock Holmes erst alle Alternativen eliminiert hatte, bevor sie ihre TINA-Politik weiterführte. Niemand traute sich, ihr dies, jedenfalls diesmal, zugute zu halten (außer ziggev).

    Offenbar ist es jetzt nicht mehr nur so, dass „Angesichts der Trump-Forderung nach höheren Militärausgaben von Europa-Natoländern […] es bereits große Übereinstimmung darüber gegeben [hat], dass Europa „zusammenrücken“ sollte“ (ziggev, hier im thread, 11. März 2017 um 17:05), sondern es könnte ja geradezu den Anschein haben, dass nun Europa, das gute alte Europa, angesichts der Trump-„fueled“ Popularismen doch ein wenig „zusammenrückt“.

    Wie bequem für Merkel jetzt! – Eine – wohlfeile – moralische Überlegenheit wird sie nicht hervorzukehren versuchen. Zu gefährlich, zu durchschaubar, zu wohlfeil.

    Aber einem Merkelunterstützer, ziggev, glaubt man ein solches Sich-moralisch-überlegen-Wähnen unterstellen sich herauszunehmen zu dürfen, der nur auf diesen klugen Schachzug aufmerksam gemacht hat.

    Weil wesentlich „Islamkritik“ (as yet not specified), konnte natürlich auch keine Merkelkritik konkretisiert/substantiiert werden. Unterstellt wurden Blauäugigkeit, Wohlfühl-Egagement (das nur zu realistisch motiviert ist), denn der populistische Islamkritiker braucht diese angeblichen Anhänger einer neuen „Willkommenskultur“, die nichts anderes bedeutet(e), als den Fehler der Ghettoisierung und über Jahre Im-Stich-Lassen der „Gastarbeitet“ und den folgenden Generationen nun künftig möglichst zu vermeiden, – als Gegner, um auf der Welle des Ressentiments gegen eine (angebliche) linken Diskurshoheit mitzureiten.

    Ich wiederhole : es ist doch eine seltsame Koinzidenz der Armut an Argumenten, welche wir doch eher eindeutigen Populisten diagnostizieren, wenn dann ein Argumentum ad Populum Verwendung findet. „Wirst schon sehen.“ Ich schaue jetzt aber nach den Niederlanden. Das sei mir erlaubt.

    Wie kann man aber alarmglockenläutend davor warnen, dass (i.S. von Habermas – über den man sonst, unbesehen seiner international anerkannten Adornokritik, gerne witzelt) die Situation entstehe, dass die einen (die guten Europäer) „sich an die Regeln halten“, die anderen (infolge muslimischer Massenimmigratin) aber falsch spielen, wenn man es nicht für nötig hält, jetzt schon aber man selber sich auf die Regeln eines rationalen Diskurses zu verpflichten nicht für nötig hält.

    Sorry ! Ich halte das für eine eher gefährliche Mischung aus linkem Selbsthass (der sich das Objekt des Hasses u.a. bei angeblichen Naivlingen wie mir sucht, aber mit ein bisschen (Euro)Patriotismus – gestehe ich gerne zur: Merkel – vollkommen gegenstandslos wäre) und Adorno missbräuchlich im Namen führender Selbst-Immunisierung gegen jede Kritik als Versteifung in der Geste des Großen Nein-Sagers. (Für die Uneingeweihten: in den Sitzungsprotokollen aus den 60ern wird deutlich, dass Adorno dort vornehmlich von – natürlich – ziemlich klugen Leuten kritisiert wurde. Interessant, sich das mal anzusehen.)

    Es wird hier auf dramatischste Weise das Kinde mit dem Bade ausgeschüttet. Gefährliche (jedenfalls in meinen Augen) Hegel-Rückfälle zu verzeichnen. Das Einzelne (das Nichtidentische (Adorno), das „Unterdeterminierte“ (siehe auch Quine)) wird nicht mehr vorm „Allgemeinen“ in Schutz genommen! Dieser Mangel an Sorgfalt (um jedenfalls selber kohärent zu bleiben) geht sogar soweit, dass vollkommen unsinniges behauptet wird oder – ganz offensichtlich ein Dekadenzphänomen im Hotel Abgrund – „aus Versehen“ die Geschichte verfälscht wird:

    https://bersarin.wordpress.com/2017/01/04/clash-of-civilisation-oder-was-sind-nafris/

    ganz am Anfang:

    „Dieser Kampf (der Kampf der Kulturen, Anm. zigg) herrschte zu archaischen Zeiten, und er ist uns schriftlich übermittelt, spätestens mit dem Beginn der Geschichtsschreibung unter Herodot und Thukydides. Perser und Helenen. Zwei Welten, die sich dennoch durchdrangen. Orient und Okzident. Geschichte denkt immer auch im Schema der Gegnerschaft, wenn die Völker aufeinander einschlagen.“

    Mit einer Denkphrase wie „Geschichte denkt“, die man sich zu erlauben zu können glaubt, weil sie so schön hegelianisch klingt, glaubt man sich hier aus der Affäre ziehen zu können.

    Was insinuiert werden soll – oder wovon ansonsten nichts als Geräusch übrigbleibt -, ist, historisch gesehen, lesen wir nämlich einmal bei Herodot u. Thukidides nach, nun ja, es ist einfach falsch.

    Gerade Herodot war von der Negativierung des Barbarenbildes, die propagandistisch um 378/6 betrieben wurde, frei, wie wir in W. Will. Herodot und Thukidides. S. 145-149, im Kapitel „Barbaren“ nachlesen können. Als der König Kambyses die Sprache, Sitten und Gebräuche der Ägypter verachtet und verspottet, hält Herodot ihn für „wahnsinnig„:

    „Denn wenn man an alle Völker der Erde die Aufforderung ergehen ließe, sich unter all den verschiedenen Sitten die vorzüglichste auszuwählen, so würde jedes, – nachdem es alles geprüft, die seinigen allen anderen vorziehen. So sehr ist jedes Volk überzeugt, daß seine Lebensformen die besten sind. Wie kann daher ein gesunder Mensch darüber spotten!“

    Herodot hat so eine große Achtung vor den Persern, dass er sogar die „Verfassungsdebatte“ – es muss sich tatsächlich um die erste in der Geschichte des Abendlandes handeln – nach Persien verlegt.

    Thukidides wie Herodot nehmen keinen Gegensatz an, sondern eine Evolution.

    Hab´ das entsprechende Kapitel bei Will spaßeshalber vor einiger Zeit bei

    https://wortanfall.wordpress.com/ziggscann-pics/

    eingescannt.

  84. Bersarin schreibt:

    Ziggev, es ist nicht so gut, wenn man Pappkameraden aufbaut (siehe bspw. 2. und 3. Absatz) und zudem etwas behauptet, was ich nicht behauptet habe. Insofern sehe ich mich auch nicht genötigt, irgendetwas zu widerlegen.

    Zudem möchte ich Dich bitten, Deine Ausführungen in einer luziden, lesbaren und argumentativ nachvollziehbaren Weise darzustellen. Das fängst Du am besten in der Art an, daß Du nicht hin und her springst und zunächst das Assoziieren einstellst.

  85. Ziggev, dir ist schon klar, dass das Wahlergebnis in den Niederlanden darauf zurückgeht, dass der Regierungschef im wesentlichen die Positionen von Wilders übernommen hat und den Mut hatte, eine türkische Minisaterin ausweisen zu lassen? In Deutschland ist sowas nicht in Sicht.

  86. ziggev schreibt:

    @ El_Mocho: Die von Dir angeführten Faktoren dürften auch eine Rolle gespielt haben. Die Gründe für die hohe Wahlbeteiligung dürften allerdings tatsächlich woanders zu suchen sein und eben nicht in dem von Dir Angeführten liegen.

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