Leipzig Kraftwerk, Leipzig Plagwitz

Ohne weitere Worte, Dokumente in Bildern, sie stammen zum Teil von der Ausstellung zur jungen chinesischen Photographie, die fand im Juni 2016 statt, im Kraftwerk Leipzig  – industrielles Interieur. Und sie resultieren aus einem sich daran anschließenden Spaziergang durch Leipzig-Plagwitz, einem Stadtteil im Umbruch, zwischen alter Industrie, neuem Wohnen, Kunst und den letzten besetzten Häusern. Wir betrachten beim Photographieren eine Welt im Wandel. Zumindest in diesem Falle.

 

 

 

 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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8 Antworten zu Leipzig Kraftwerk, Leipzig Plagwitz

  1. Etwas o.t., aber hier sind die faszinierndsten Fotografien seit langem: https://twitter.com/PhotoVergue

  2. Bersarin schreibt:

    Ganz und gar großartiger Hinweis auf einen Photographen, den ich tatsächlich nicht kannte. Klarer Vorläufer von Eugène Atget, auf den sich Walter Benjamin bezog. Müßte ich jetzt prüfen, ob bei ihm auch Marville vorkommt. Vor allem faszinierend sind diese Straßen ohne Menschen. Was an den langen Belichtungszeiten gelegen haben mag, weil die Kamera den so schnell sich bewegenden Mensch noch nicht festhalten konnte.

    Großartiger Fund!

  3. Wenn man direkt auf die Seite geht und die Fotos doppelt anklickt, gehen sie ganz groß auf und man kann alle Details erkennen: http://vergue.com/media/rue-pretres-saint-germain.jpg
    Hätte nie gedacht, dass man im 19. Jahrhundert schon so qualitativ hochwertige Fotos machen konnte. Men meint, jeden Augenblich käme eine Figur aus einem Roman von Zola um die Ecke.

  4. Bersarin schreibt:

    Genial detailreich. Marville benutzte Kollodiumplatten, also eine Form des Negativverfahrens. Das waren dann allerdings auch Riesenplatten, deutlich größer als die Negative bei heutigen Mittelformatkameras. Wenn Du Dich für die Geschichte der Photographie und auch deren technischen Seiten interessierst. könnte dieses Buch bei Schirmer/Mosel ganz interessant sein: Beaumont Newhall, Geschichte der Photographie. Leider nur noch antiquarisch. Das Gute an dem Buch ist, daß Technik darin vorkommt, aber eben nicht fetischhaft, sondern als wichtiges Hintergrndwissen, wie es funktioniert. Was für die Arbeit des Photographen nun einmal wichtig ist.

  5. Uwe schreibt:

    Ein wahrlich grandioser Hinweis. Danke dafür. Ein Leckerbissen für alle Fotohistoriker und solche, die an der Tiefenschärfe dieser frühen Kameratechnik Gefallen finden.

    Der Bezug zu Atget ist offensichtlich, obgleich bei diesem die Bilder oftmals (etwa durch Spiegelungseffekte und dergl.) ins Surreale kippen. Die Leere der Straßenzüge und -Szenen, gleichsam ihr Bühnencharakter ist allerdings vergleichbar, jene Leere, die Benjamin an „Tatorte“ erinnerte.

    Die angesprochene Detailfülle konnten nicht alle Zeitgenossen goutieren. Baudelaire etwa geißelte die Fotografie gerade ob dieser „Hölle der Details“: die ungeordnete Gleich-Gültigkeit der sichtbaren Dinge auf einem Foto spreche diesem den Kunststatus ab. Bei Atget und Marville allerdings greift dieser Vorwurf nicht wirklich, da sie sich vornehmlich dokumentarischen und chronografischen Zielen verschrieben hatten: Das Foto als Memento mori.

    Nochmals vielen Dank für diesen Tipp.
    So kann man also auch bei Twitter fündig werden.
    Schatzkisten allüberall ;-)

    Gruß, Uwe

  6. Uwe schreibt:

    Fotos von Oberflächen, Fassaden, toten Winkeln, Relikten der Technik, Kuriosa der Streetart, und vor allem: ein Herz und ein Auge fürs Beiläufige, Nebensächliche, letztlich für sprechende Details wie volle Mülleimer, Verteilerkästen oder verlassene Spinde und Containerburgen.

    Die Standpunkte sind meist bildparallel zum Motiv gewählt, bisweilen mit schrägen Perspektiven ins Bild gesetzt, um so Proportionen verrutschen zu lassen, und immer wieder Schriftzüge, die Signaletik der städtischen Oberflächen – Botschaften, Codes, Markierungen, mal kryptisch, mal allzu selbsterklärend … die Überfülle der Zeichen.

    Zudem ein spannendes Ambiente für Fotoausstellungen. Die Historie der Räume wirkt mit, die Verfallsspuren geben den Zeitfaktor des Wandels an, dem auch das Aktuellste an den Wänden unterworfen ist. Der Kontrast belebt nicht nur den Zeitsinn des Betrachters, sondern relativiert auch den artifiziellen Status der Exponate, so dass sie eher als Relikte denn als Kunstwerke erscheinen. Es ist eben kein neutraler weißer Kubus, in dem sie hängen, sondern ein angejahrter Funktionsraum. Der Unterschied ist gravierend und zugleich für die Sinne, wie ich finde, anregend.

    Gruß, Uwe

  7. Bersarin schreibt:

    Das Ambiente für diese Ausstellung fand auch ich einerseits faszinierend. Andererseits hätte ich mir für dies Photographien der chinesischen Künstler tatsächlich eher ein Museum klassischer Art gewünscht, um einen Kontrapunkt zu setzen. Bild gegen Raum.

  8. „Ende der 1850er Jahre beauftragte die Stadt von Paris Marville, die alten Viertel der Stadt vor der Umgestaltung und Modernisierung im Auftrag von Napoléon III. (durchgeführt durch Georges-Eugène Haussmann) zu dokumentieren. Er fotografierte Neu- und Umbauten (Pariser Oper, Bois de Boulogne), aber auch viele alte Straßen und Gebäude vor ihrer Zerstörung. 1862 wurde er zum „amtlichen Photographen von Paris“ ernannt. Als „Photograph des Kaisermuseums des Louvre“ arbeitete er mit an Zeichnungsreproduktionen insbesondere von Ingres.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Marville

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