Der unheimlichste aller Gäste – Grenzen der Gemeinschaft (1)

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„Der Nihilismus steht vor der Tür: woher kommt uns dieser unheimlichste aller Gäste? – Ausgangspunkt: es ist ein Irrtum, auf »soziale Notstände« oder »physiologische Entartungen« oder gar auf Korruption hinzuweisen als Ursache des Nihilismus. Es ist die honetteste, mitfühlendste Zeit. Not, seelische, leibliche, intellektuelle Not ist an sich durchaus nicht vermögend, Nihilismus (d. h. die radikale Ablehnung von Wert, Sinn, Wünschbarkeit) hervorzubringen. Diese Nöte erlauben immer noch ganz verschiedene Ausdeutungen. Sondern: in einer ganz bestimmten Ausdeutung, in der christlich-moralischen, steckt der Nihilismus.“ (Friedrich Nietzsche, Nachgelassene Fragmente)

Solcher Nihilismus und  damit auch der unheimlichste aller Gäste freilich sind aktuell seit Jahrhunderten. Da brauchen wir uns wegen Trump keine Sorgen zu machen. Trump ist nicht der Anfang einer Bewegung, sondern lediglich eines der Resultate einer lange schon andauernden Tendenz. Das vergessen die, welche den Alarmismus predigen, allzuleicht. Das hat eine Vorgeschichte. Aber der Titel dieses Beitrags ist – zugegeben – reißerisch angelegt. Böses Clickbaiting, Freude der Nacht. Worum es mir jedoch in diesem Kontext geht, ist die seit der frühen Aufklärung (nein, im Grunde seit der sokratisch-platonischen Antike) währende „Entzauberung der Welt“, das Geschehen, was Georg Lukács in seiner Theorie des Romans die „transzendentale Obdachlosigkeit“ nannte. Die philosphische Größe Nietzsches liegt vor allem darin, diese „Dialektik der Aufklärung“ auf den Begriff bzw. in eine fragmentarische Anordnung gebracht zu haben. Daß uns die Entzauberung der Welt auch als menschliche Wesen entzaubert. Und so treibt das die Wünsche aus und gebiert neue:

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit werden gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

Dies dichtete Novalis im „Heinrich von Ofterdingen“ – jener literaturkritischen Antwort auf Goethes „Wilhelm Meister“. Die Rätselworte, die eine falsche Welt aufzulösen vermögen. Eine nette fette Fiktion der lyrisch gestimmten Einbildungskraft? Einer Kraft zumindest bedarf es, um Falsches fortzuschaffen. Auch die Französische Revolution übrigens, auf die sowohl Schiller wie die Frühromantiker mit Schrecken reagierten, war eine solche Kraft, die ein altes Europa fortfegte. In Nietzsches Diktion jedoch ist es eine Entzauberung, die tiefer reicht, und es gesellt sich der Welt ein Gast zu, der gekommen ist, um zu bleiben.

Eine Frage aber hängt im Raum: Wer wohl die anderen Gäste sein mögen – neben dem unheimlichsten. Darauf gibt Nietzsche – zunächst – keine Antwort. Viel des Unheimlichen ist.

Was die Interpretation von Nietzsche betrifft, insbesondere im Hinblick auf die bekannte, auch hier im Blog immer einmal wieder geführte Debatte zu Nietzsche und dem Faschismus, empfehle ich zur Lektüre im Online-Magazin tell einen Text von Hartmut Finkeldey aus der Rubrik „Vers für Vers 4: Von der Ästhetik zur Barbarei?“. Es ist eine Lektüre von Nietzsches Gedicht „Mitleid hin und  her“ („Vereinsamt“). Jenes bekannte Gedicht, von dem Rilke inmitten der metaphysischen Obdachlosigkeit borgte, als er dichtete „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“. Bei Nietzsche hieß es am Ende „Weh dem, der keine Heimat hat!“ Eine Kältezone, die im deutschen Herbst ihren Anfang nimmt, Nietzsche taktet auf:

Die Krähen schreiʼn
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
bald wird es schnei’n. –
wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!

In dem Text von Hartmut Finkeldey insbesondere schön verwendet ist jenes Bild aus Nietzsches „Zarathustra“ von den drei Verwandlungen des Geistes: „wie der Geist zum Kamele wird, und zum Löwen das Kamel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.“ Eine Transformation, die noch die Hegelsche Dialektik durchstreicht, so würde ich hinzufügen. Dieser Umstand eines Umschlages macht diese Entwicklung für mich besonders spannend,  wenngleich wir mit dem Antihegelianer Foucault und dem Dialektiker Derrida wissen, daß wir nie mehr hinter Hegel zurückfallen können, weil wir insbesondere dann dem Denken Hegels nicht nur erliegen, sondern unterliegen.

Ja, Nietzsches Transformationen, seine Veredelungszucht, auf die auch dieses Gedicht deutet. Nicht als Rasse, sondern als Kultur, wie Hartmut Finkeldey betont. Dieses Konzept übt bis heute einen Reiz auf bestimmte Formen von Gemeinschaft aus: ob es die intellektuellen Herrenreiter sind, eingeschneite, eingebildete Ästhetiker (eingebildet in der Doppelbedeutung genommen), Grandhotel Abgrundler oder die kompetenten Teilnehmer am Politischen, intellektuelle Kraft, Fähigkeit zur Analyse, Diskursgemeinschaft.

Als eine Einheit stiftende Form der Gesellschaft freilich sind solche von Nietzsche gedachten Gemeinschaften nicht mehr möglich – die griechische Polis ist adé, weil es so etwas wie die Agora nicht mehr gibt. Ein Ort, wo Freie miteinander debattieren und sich durch solche Prozesse ein Gemeinwesen stiftet. Das Medium hat sich in einer Form gewandelt, daß sich von der Quantität her eine neue Qualität ergibt. Mit Habermas gesprochen entwickelt sich daraus der „Strukturwandel der Öffentlichkeit“.

Nietzsche und Habermas jedoch dürften schwer zusammenzubringen sein. Denn Nietzsche will auf etwas ganz anderes hinaus. Es ist dies keine Gemeinschaft Gleichberechtigter –  gleichberechtigt zumindest in der ideologischen oder auch idealtypischen Konstruktion bürgerlichen Denkens genommen, gewissermaßen die Fiktion von Gleichheit –, wo Schwache und Starke vertreten sind: auf dem Markt nämlich, kann man böse hinzufügen. Auch Zarathustra übrigens begibt sich, wie wir wissen, von seinene Höhen, aus dem Gebirge herab auf den Markt, hört das Volk, sieht den Seiltänzer. Da wo der Mensch ein Seil ist, das sich über einen Abgrund spannt. Übergang und Untergang. Es folgt der Possenreißer. Nietzsche in der Menge. Wir begegnen beim Betrachten ebenso den „Fliegen des Marktes“, Sätze die von Heidegger stammen könnten, der sich in seiner Weise sicherlich auch als eine Art Zarathustra begriff:

„Wo die Einsamkeit aufhört, da beginnt der Markt; und wo der Markt beginnt, da beginnt auch der Lärm der großen Schauspieler und das Geschwirr der giftigen Fliegen.“

Nein, Nietzsche ist kein Demokrat. Gemeinschaften unterschiedlichster Art jedoch sind in der Moderne immer eingebunden in eine Gesellschaft und damit in die Dimension des Politischen.

Was aber ist jener Nihilismus, von dem Nietzsche spricht und der den Riß, die Lücke, die Kluft der Moderne hervorruft? „Gott ist tot“? Diese Erkenntnis, dieser Ausruf des „letzten Menschen“ (Nietzsche) allein reicht allerdings nicht, um zu klären, weshalb Sinn erodiert und weshalb wir von „Legitimitätsproblemen im Spätkapitalismus“ sprechen. Mich interessiert die Frage nach dieser Kluft, nach dem Riß. Es geht die These, die Deutsche Romantik wollte diese verlorene Einheit wiederherstellen. Das, was wir die Ausdifferenzierung der Moderne nennen und was im Grunde bereits bei Aristoteles angelegt ist, wenn er die Erkenntnistheorie von der Moraltheorie trennt, was sich bei Kant in den drei  Kritiken dann manifest zeigt und dann bei Habermas in einer ausdifferenzierten Vernunft sich fortsetzt. Für die Ästhetik genommen scheint so etwas wie Einheit eine (vormoderne) Fiktion, im Konzept von Martin Seel etwa : vorzuziehen in der pluren Moderne ist die „Kunst der Entzweiung“.

Vielleicht aber sollten wir – noch einmal – zu den Texten der Frühromantik (lesend) zurückkehren. Meine These geht vielmehr so, daß es dieser deutschen Romantik nicht auf die Einheit ankam – wofür auf den ersten Blick Begriffe wie Universalpoesie und Transzendentalpoesie zu zeugen scheinen –, sondern daß sich dort vielmehr ein Denken extremer Differenz ereignet, wie wir es rund 160 Jahre später bei erst wieder bei Adorno, Heidegger und Jacques Derrida wiederfinden. Um aber diesen Abschweif aufs Thema zu leiten: Es sind auch Gemeinschaften immer Differenzgebilde. Implizit und explizit stellen Gemeinschaften andauernd die Frage nach dem Unterschied, nach dem, was anders ist. Einschließungen funktionieren nur qua Ausschluß. Spannende Frage für eine Ethik der Differenz, für ein Denken der Vielheiten. Bei Nietzsche übrigens heißt das Perspektivismus.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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52 Antworten zu Der unheimlichste aller Gäste – Grenzen der Gemeinschaft (1)

  1. Dieter Kief schreibt:

    „Eintritt in die Postmoderne – Nietzsche als Drehscheibe“
    „Einheit der Vernunft – in der Vielheit ihrer Stimmen“
    Es hieß nicht nur Universalpoesie es hieß: Transzendentale Universalpoesie – und es war, was Schiller in den erzenen Gegensatz vom Ideal einerseits und vom Leben andererseits fasste.
    cf. „Exkurs zu Schillers Ästhetischer Erziehung des Menschengeschlechts“

    Die Paraphrase welches Buches von welchem von Martin Seel gern, aber vergebens kritisierten deutschen Philosophen haben Sie, lieber Bersarin, mit Ihrem Aufsatz nolens volens bewerkstelligt?
    Die Zusatzfrage für das Sternchenthema: Wie hängen die Junghegelianer, die Romantiker, Derrida, Wittgenstein (knifflig!), Heidegger und Adorno, Giorgio Agamben, Heitmeyer, Foucault, Piketty, Naomi Klein, Vogel usw. zusammen, und warum passen sie in das o. a. Schema – und warum (=inwiefern) nicht?

    PS – Es gibt Fachkräfte, die bei der Beantwortung dieses ungefähren Fragenkatalogs gestorben sind – also: Schön vorsichtig mit der Axt, Eugenie!

  2. Bersarin schreibt:

    „Das Unzulängliche, hier wird’s Ereignis; das Unbeschreibliche, hier ist es getan.“

    Habermas kommt bestimmt noch, Seel auch. Aber ich weiß eigentlich noch gar nicht, wohin die Richtung dieser Serie sich verläuft. Sie probiert viel, deshalb reißt sie manches an, wer vielen bringt wird manches bringen. Aber das stimmt meist nicht. Stichworte, Eingriffe, Fragmente, eine Art transzendentaler Zusammenhang. Ha, eine gute Idee ja. Als ästhetisch regulative Idee vielleicht? Nein.

    Im Zweifelsfall ist es immer Hegel. Wir aber, wir bekommen es nicht mehr hin: die „‚emanzipatorische Konstitution‘ einer Gesellschaft, die sich aus der Freiheit ihrer Mitglieder nicht bloß rhetorisch organisiert.“ (M. Seel) Ja, es hätte so schön gewesen sein können.

    Solche Projekte zu bewältigen heißt immer: mit der Axt eine Schneise in den Dschungel schlagen. Dem folgt der Kanonendonner von Jena. Herrliche Welt!

  3. Herwig Finkeldey schreibt:

    Vorher war alles so gut und nun kommt „Fascho“ Trump, macht alles kaputt. Das ist in der Tat ein Denken von geradezu herzzerreißender Naivität.Aber Denken ist da eigentlich schon das falsche Wort. Das ist Meinen, Gerede, Werten vor der Analyse.

    Trump als der Januskopf Obamas, das protoreligiöse Hoffen bei Obamas Amtsantritt wird in der Protoreligiösität der Trump-Supporter gespiegelt – das ist schon eher mein Denken.Ein gespaltenes Land, aber es ist keine Spaltung zwischen gut und böse, sondern zwischen Glauben und Glauben, mithin eine wahrhaft nihilistische Spaltung.

  4. Bersarin schreibt:

    Richtig, Herwig, genau das ist auch meine Sicht. Wenn nun vielfach so getan wird, als sei Trump der Beginn des Großen Übels. Es ist umgekehrt: Trump ist dessen teuflisches Ressultat. Er spiegelt die Krise der USA in nuce wider.

  5. che2001 schreibt:

    Gab da schon vor über einem Jahrzehnt ein gutes Buch: Immanuel Todd, Weltmacht USA – ein Nachruf.

  6. Etsuko schreibt:

    Und noch ein weiteres – diesmal das Verhältnis USA-Europa in den Blick nehmend: Todorow, Die verhinderte Weltmacht. – womit Europa gemeint ist.

  7. ziggev schreibt:

    ach, my dears, dieses willst du den Weg des Schaffenden gehen? (so in etwa u. ungefähr dann weiter: so wählst Du den Weg der Einsamkeit !</i<) aus dem Zarathustra – ist diese Heroisierung des Einsamen nicht doch eine etwas Karl-May-mäßige Hyperstasierung, die eins doch eher – zurecht oder zu unrecht – als leidvolle Erfahrung ereilt?

    Wie es aussieht, handelt es sich um eine Vorentscheidung Heideggers, jenem erratisch aufragendem soli ipse (des Philosophen) den Vorrang einzuräumen, während das Existenzial des Mit-seins (mit anderen), des In-derWelt-seins, des besorgenden Umgehens mit den Dingen, auf welche bereits Max Scheler nachdrücklich hingewiesen zu haben scheint, desh. bei Heidegger in den Hintergrund zu treten scheint.

    Ein schöner Text zu (Nietzsches) Einsamkeiten. Seltsam nur, dass gerade dieser Gedanke so massenhaft rezipiert worden ist oder wird. Das Schöne an ihm ist, dass er sich so sehr gut denken lässt. Der Nimbus der Gefährlichkeit der Einsamkeit scheint mir jedoch einen ganz anderen Status zu haben als die Gefahr, der man sich auszusetzen scheint, sobald man sich bewusst ins Mit-sein begibt – und gerade dort die Quelle für Erkenntnisse, z.B. humanistischer Provenienz, zu finden sich anheischig macht.

    Aber, my Dears, keine Sorge, ich bin einsamkeitserprobt. Und werde diesen Weg weitergehen, versprochen

  8. Bersarin schreibt:

    @ che und Etsuko: Danke für die Literaturtips!

    @ ziggev: Natürlich kann die Einsamkeit auch eine Sache des unfreiwilligen Entzugs sein und damit zugleich eine Erfahrung des Leides. Für Nietzsche bedeutete sie wohl so etwas. Auch ein Nicht-Verstanden-Werden, denn nach seinem Tragödienbuch hat er sich in der seriösen Philologie unmöglich gemacht, wurde zum Außenseiter seiner Zunft. Nietzsche schrieb fortan als Privatgelehrter. In seiner Schrift „Ecce homo. Wie man wird, was man ist“ schilderte er seine Wirkung wie folgt: Meine Zeit wird kommen. In diesem Sinne, auch im Kontext des Verstandenwerdens, war Nietzsche sicherlich ein einsamer Mensch.

    Wenn man es aber ganz in der Phänomenologie will und hin zum Mitsein, dann lese man die Hegelsche. Darin bleibt niemand einsam. Andererseits finden wir sowohl bei Heidegger wie auch bei Adorno große Vorbehalte gegen die Kommunikation und die (oft unfreiwilligen) Vergemeinschaftungen. Man muß also die Ebenen differenzieren. Wir sind immer soziale Wesen und in Gesellschaft gebunden – selbst dann, wenn wir uns absondern, bleiben wir doch dem Geist der Zeit unabdingbar verhaftet.

  9. ziggev schreibt:

    „Natürlich kann die Einsamkeit auch eine Sache des unfreiwilligen Entzugs sein“ – oder die Entscheidung zum Entzug und damit zum selbstgerechten Masochismus dieses Leidens.

    Es ist ja – willst du den weg des Schaffenden gehen? – eine, vielleicht weniger freiwillige, dann jedoch aus einer anderen Notwendigkeit heraus erfolgte, in beiden fällen jedoch -, eine freiwillige Entscheidung. Welchen Wert hätte sie sonst?

    Diese Schwierigkeit der Unauflöslichkeit des Ursache-Wirkungs-Verhältnisses: Ist die Einsamkeit die notwendige Folge der Entscheidung „zum Weg des Schaffenden“ oder zwingt die notwendige Einsamkeit, die nicht nur aus einer nietzscheanischen Philosophie, sondern vielleicht auch aus einem bestimmten, einer gewissen Wahrhaftigkeit verpflichteten, Lebensstil resultiert, zu eben dieser Vorliebe, kreativ zu werden? (ich glaube, hier liegt der Kern des Zarathustra) –

    In beiden Fällen berechtigt sie in meinem Augen nicht zu einer Heroisierung jener Einsamkeit der Einsamen.

    Entweder sie ist eine notwendige Folge oder eine Entscheidung.

    Soweit ziggev als Nietzsche-Versteher, oder, Nietzsche als ziggev-Versteher.

    Was ich ja so über alle Maßen bei Adorno liebe: Das ist das Moment der zärtlichen Melancholie in seiner Einsamkeit. Die Gemeinschaft ist immer mitgedacht. So wenige haben den ganzen Text gelesen, der in der Aussage kumuliert, es gebe kein richtiges Leben im falschen.

    Der im Sinne einer hegelianischen Philosophie unternommene Versuch, beide Momente, den der Einsamkeit sowie den des notwendig gesellschaftlich Eingebunden-Seins, top-down zu deduzieren, muss deshalb scheitern, weil er allerhöchstens die Stimmigkeit des hegelianischen Systems beweist – sonst aber ganz und gar nichts.

    Willst Du wirklich mit Hegel hinter den – wohlverstandenen – Heidegger, also Husserl, Scheler, E. Stein, zurückgehen?

    Als hätte zuletzt Hegel das Mit-sein gedacht. Warum hier bloß Hegel?

    Ich argwöhne ja, es ist die Bequemlichkeit, die Hegel solchen Leuten bietet, die nicht einmal auch nur geruchsmäßig eine nietzscheanische Einsamkeit gespürt haben.

  10. Bersarin schreibt:

    Einsamkeit ist für bestimmte Projekte notwendig und insofern eine unhintergehbare Voraussetzung, so wie es auch ein Schreibgerät ist. Romane und philosophische Texte schreibt man in der Regel nicht während einer Party oder auf einer Konferenz.

    Was den Zarathustra betrifft, so sollte man zunächst sehen, daß es sich um eine literarische Figur handelt, der von Nietzsche für ein bestimmtes Projekt von Philosophie mit Mitteln der Rhetorik und der Kunst inszeniert wird.

    Kann es sein, ziggev, daß Hegel biographisch und lebensmäßig gesehen weit vor den Genannten Husserl, Scheler, Stein wirkte? Bereits ein Blick auf das Kapitel von Herr und Knecht in der Phänomenologie zeigt doch, daß Hegel nicht monologisch denkt und seine Rechtsphilosophie ist nichts anderes als eine Theorie der Intersubjektivität, wie es heute so schön heißt, oder im Heidegger-Jargon ein Mitsein. Nur daß bei Hegel eben auch die Gesellschaft mit ihren Mechanismen eine Rolle spielt. Einsamkeit als Künstler ist ein Privileg in der bürgerlichen Gesellschaft.

    Adornos Aphorismus, in dem jener Satz vorkommt, das wird ja oft überlesen, handelt übrigens vom Wohnen. Bei Adorno findet sich in der Tat beides gedacht: Einsamkeit und Gesellschaft. Aber anders als bei Camus antithetischer Konstruktion von solidaire und solitaire, die im Grunde die Gesellschaft zugunsten von reiner Gemeinschaft ausblendet.

  11. ziggev schreibt:

    ohne ihnen Gewalt anzutun, glaube ich, können wir beide Begriffe – Einsamkeit (solitude), Alleinsein (alloneness) – in einigen Fällen synonym verwenden.

    um jedoch etwas mehr Klarheit zur Differenzierung schaffen – hoffentlich – einige Kriterien, die ich hierzu vorschlagen möchte.

    zunächst – als ganz grobe Vorüberlegung, denn ich habe nicht vor, Heideggers be- und gerühmte Analysen des sole ipse heranzuziehen oder dergl. mehr (hier würde ich im Sinne meiner „kriminalistischen Sorgfalt“, wie ich es gerne nenne, bei Husserl anfangen, etwa bei dessen nicht minder berühmten Epoché, oder seinem „Ur-Ego“) – zunächst also würden wir doch, als allererste Intuition, etwas ratlos dastehen, wollten wir die Einsamkeit als Intentionalität uns vorzustellen versuchen. Welche ja bekanntermaßen als „Gerichtetsein des Bewusstseins“ aufgefasst wird. Wir haben zwar bei Husserl die sog. „Leerintention“, bei welcher es sich allerdings eher um ein Gerichtetsein des Bewusstseins auf einen noch „abstrakten“ Gegenstand zu handeln scheint, der eben lediglich noch nicht „anschaulich“ gegeben ist. (nur behelfsmäßige Begrifflichkeit, Gemeinsamkeiten mit Kant rein zufällig.)

    im Unterschied zum Alleinsein, das doch eher negativ bestimmt zu sein scheint durch die Abwesenheit von anderen, scheinen wir aber mit dem Einsamsein eine eigene Bewusstseinsqualiät dieser bestimmten Singularität unseres Ichs, unseres Selbst, unseres Bewusstseins, die dem Bewusstwerden eben jener Singularität innewohnt, in Zusammenhang bringen zu wollen.

    aber ich wollte ja Heidegger außen vor lassen. ich kann einfach (noch?) keine Bestimmung dieses Einsamseins geben, die nicht negativ verfasst wäre und damit kaum zu unterscheiden vom Alleinsein.

    die Qualität des Gehalts des Bewusstseins in einem solchen „Gerichtetsein“, die ja nur in Abhängigkeit von dem Worauf dieses Gerichtetseins instantiiert würde, wäre rein negativ aufzufassen. Dem Gehalt von „einsam sein“, subjektiv aufgefasst, wäre wir so kein Stück näher. Bekanntlich ereilt die Houyhnhnms (das sind die Pferde im Land der Houyhnhnms) in Swifts Gullievers Reisen unermesslichen Horror vor dem Nicht-Sein (Nothingness) des Referenten einer Lüge. Sie haben kein Wort dafür: „He said the thing that is not!“ – unaussprechlicher Schrecken auf Seiten der Houyhnhnms !

    Allein nun aber aufgrund dieser – zugegeben – etwas ungelenken Vorüberlegungen würde ich zum (vorläufigen) Schluss kommen, dass, wenn dem Einsamsein ein bestimmter Bewusstseinsgehalt zukommt, dieser ein Erlebnis ist, das uns widerfährt. Im klassischen Sinne also etwas, das wir erleiden.

    nun, ich will nicht verschweigen, dass mich, als ich diesen Kommentar entwarf, – ausnahmsweise – jemand besuchte. Ich fragte also diese ehem. alleinerziehende Mutter, die ihren Sohn perfekt und dessen Talenten in jeder Hinsicht angemessen zum Zahntechniker hat ausbilden lassen (auch echt gut in seinem Job, I know!), was sie unter „Einsamkeit“ verstehe? – in etwa, die Paraphrasierung sei mir erlaubt: „Von allen guten Göttern verlassen …“ Also von all jenen, von denen sie mit Fug und Recht Hilfe hätte erwarten können. (ich war ja nur so über alle Maßen angetan vom Ergebnis gewesen und umso mehr beeindruckt von ihrer Leistung …)

    So gesehen scheint Einsamkeit auch ein Konzept zu sein, dass – in diesem Falle meine über alle Maßen geschätzte Nachbarin – jemand sein Verlorensein, sein, ihr Verlassenworden- Im-Stich-gelassenworden-Sein, Alleingelassenworden-Sein gewissermaßen objektiviert. Das „Ein“ von Einsamkeit, das „Soli“ der solitude ist diesem Bewusstsein auf eine besondere, schmerzhafte Weise aufgegangen.

    2.

    Dennoch scheint es anstrebbar zu sein, in einen gewissen Zustand der Einsamkeit zu gelangen, der über den des bloßen Alleinseins hinausgeht. Ich frage also nicht mehr nach der „Intentionalität“ von Einsamkeit, dem (posiviven) Gehalt eines solchen Bewusstseiszustandes, welcher – zumindest bei den Houyhnhnms in Analogie zum „horror vacui“ – blankes Entsetzen auslöste. „Nothingness“? (einige – moderne – Forschungen scheinen nahezulegen, dass sowas auch Tieren – anders als bei Heidegger – nicht unbekannt sei.)

    wie die Eingangsüberlegung ja schon impliziert, ich frage nach der Potentialität bzw. der Aktualiät des Einsamseins.

    Nur kurz die Beispiele: Ich kann (ich habe die Potentialität) in der Masse, auf dem Marktplatz, im Gewimmel dennoch – einsam sein. Hier scheint es nun doch ganz an der Oberfläche zu liegen: dass die Einsamkeit etwas anderes bedeutet als das bloße Alleinsein, welches letzteres sich letztlich auch auf eine simple mathematische Substraktion zurückführen ließe.

    Es gibt Leute, ich glaube es, ging einem jeden schon einmal so, oder ein jede/r hat solche in solcher Bedrängnis erlebt, die brauchen das Gewusel, die Ablenkung – des „Man“, um nochmal Heidegger zu zitieren. Sie schaffen es einfach nicht, ihr Potenzial zum „Alleinsein“, hier vielleicht doch besser: zum Einsamsein zu verwirklichen. Sie „können nicht alleine sein“. Oder sie ertragen diesen Zustand als solchen nicht (anders als jene große Anzahl von Menschen, die mit Fug und Recht auf Hilfe hätten hoffen dürfen, welche ihnen aber verwehrt worden blieb, und denen keine andere Wahl blieb), ihnen ist jener besondere Zustand der Einsamkeit verwehrt. Sie könnten aber.

    Ich komme zum Schluss meiner – absichtlich – behelfsmäßigen Überlegungen. Einsamkeit, solitude scheinen doch auf eine andere Verfasstheit des Bewusstseins hinzudeuten als jenes Alleinsein, bei welchem das Rest-Ich, das Rest-Selbst doch nur als ein Überbleibsel nach jener Substraktion erscheint, wenn alles, was zu mir selbst nicht dazugehört, abgezogen worden ist. Ich kann gewissermaßen immernoch fragen: „Wer bin ich, und wenn ja wie viele?“

    Nietzsches Ressentiment gegen die Masse (oder hier vielleicht sogar Heideggers „Man“) lassen mich hier einigermaßen unbeeindruckt. Nach dem oder im Versuch des Vollzuges des Rückzugs auf diese letzte Subjektivität ereilt mich ein Gewahrwerden der Fülle der Existenz. Es ist ein Erleiden. Es heißt manchmal „Ich bin Shiva“ – denn Shiva iat alles. Manchmal auch: Es ist das Gegebene; also muss es einen Gebenden geben (katholisch).

  12. Bersarin schreibt:

    Das ist sicherlich interessant, ziggev, aber es schweift doch in eine ganz andere Richtung ab und führt für die Lektüre Nietzsches und dessen rhetorische Strategien nicht wirklich weiter. Gewissermaßen eröffnest Du ein neues Thema.

  13. ziggev schreibt:

    nein, wirklich. ich hätte Nietzsche ad absurdun geführt. nichts Geringeres schwebte mir vor !

  14. Bersarin schreibt:

    Ich denke, das ist Dir nicht so gut gelungen. Es erinnert mich eher an Metábasis eis állo génos.

  15. Bersarin schreibt:

    Wobei ich jetzt, ziggev, im Detail nichts gegen Deine Anmerkungen sagen will. Ich fand sie interessant.

  16. holio schreibt:

    Ein interessantes Thema. Allein weil ich in der Straßenbahn heute früh in Nietzsches Briefen zufällig über nachfolgende Passage hinweglas, sei sie hier gegeben. Am 28. August 1877 schreibt der 32-jährige aus dem helvetischen Rosenlaui an Erwin Rohde:

    Als ich neulich meinen »Hymnus an die Einsamkeit« [Fußnote: »Hymnus an die Einsamkeit«, die Aufzeichnungen darüber sind verloren gegangen.] im Geiste mir vorsang, war es mir plötzlich, als ob Du meine Musik gar nicht möchtest und durchaus ein Lied auf die Zweisamkeit verlangtest: am Abend darauf spielte ich auch eins, so gut ich es verstand, und es gelang mir: so daß alle Englein mit Vergnügen hatten zuhören können, die menschlichen Englein zumal. Aber es war in einer finstern Stube, und niemand hörte es: so muß ich Glück und Tränen und alles in mich verschlucken.

    Cave: Eventuell muss was emendiert werden, weil meine Ausgabe von einem schlechten Scan zu stammen scheint.

  17. ziggev schreibt:

    @holio natürlcih ist es herausragend, dass Du hier Das Nieztsche-Zitat anbringst.
    Hier outed sich aber Nietzsche als nicht-kompetenter Komponist, in myc view.

    Wir kennen von Adorno: er ist ein Schüler gewesen von keinem geringeren als Webern, aber seine Kompositionen zeichnen sich durch eine unwahrscheinliche Unkenntnis der musikalischen Praxis seiner Zeit (Jazz) aus.

  18. Bersarin schreibt:

    Adorno war Schönberg- und Bergschüler. Mit Berg zudem befreundet.

  19. ziggev schreibt:

    bersarin, nur kurz, und um zu zeigen, dass ich durchaus Deinen vorigen längeren Kommentar zur Kenntnis genommen habe, zumindest im Nachhinein. Also: bitte verzeih´ mir meine Hegel-Idiosynkrasie (nicht im englischen Sinne):

    Brillant natürlich der Anfang seiner „Wissenschaft der Logik“. Aber bereits in Abschnitt C. Werden 1. Einheit des Seins und Nichts. heißt es gleich zu Anfang: „Das reine Sein und das reine Nichts ist also dasselbe. Was die Wahrheit ist, ist weder das Sein, noch das Nichts, sondern daß das Sein in Nichts, und das Nichts in Sein – nicht übergeht, – sondern übergegangen ist. Aber ebensosehr ist die Wahrheit nicht ihre Ununterschiedenheit, sondern daß sie nicht dasselbe, daß sie absolut unterschieden, aber ebenso ungetrennt und untrennbar sind und unmittelbar jedes in seinem Gegenteil verschwindet. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung …“

    Ich glaube, niemand würde Hegel verteidigen wollen, indem nun eine „rhetorische Strategie“ – wie beim Zarathustra ja möglw. statthaft – diagnostiziert würde. Nein, wie billig ist das denn? kann ich nicht umhin zu fragen! Hegel scheut sich davor, einen Prozess zu beschreiben – zu beschreiben, die einfache Tätigkeit des ehrlichen Wissenschaftlers – nein, er setzt ihn als finit: „sondern daß das Sein in Nichts, und das Nichts in Sein – nicht übergeht, – sondern übergegangen ist.“ (Hervorhebung von mir, zigg)

    Genau hier, bei (s.o.) „Bewegung …“, höre ich auf, bei Hegel weiterzulesen. Die Vögel zwitschern, es dämmert hinter den Bäumen – aber nichts zwingt mich, in diese Hölle der hegelschen Antilogik hinabzusteigen. Hegel würde verdursten ohne den Begriff der Bewegung; er postuliert das Vonstattengegangensein eines Prozesses, um diesen Prozess zu beweisen. Auch auf Kosten der Tatsache, dass es keinen Prozess je gegeben hat, ich mich also nie entwickeln werde, werde ich nie und nimmer in die Hölle der Antilogik, die nur Hegel hat bereitstellen können, eintreten. Lieber Stillstand als hegelsche Antilogik ! Das ist, in meinen Augen, keine Philosophie, sondern ein Alptraum !

    Bei Nietzsche nun bezog ich mich zuletzt weniger auf dessen vielleicht mehr „rhetorische Strategie“, wie wir sie im Zarathustra so sehr genießen, sondern auf dessen voraussetzungslose Setzung des „höheren Typus“, wie wir ihn aus anderen Quellen kennen.

    Nur dadurch (durch die Setzung des „höheren Typus“) gelingt ihm diese besondere Abgrenzung (des Einsamen) gegenüber der Masse. Kann man postulieren, ja, ok, – muss man aber nicht. Das Postulat eines „höheren Typus“ erzwingt eine „minderwertige Masse“. Aber weder das eine noch das andere ist gezeigt worden. Nietzsche versteckt, nur möglicherweise rhetorisch etwas geschickter, das ändert aber nichts, seinen logischen Fehler hinter einem Ressentiment gegen „die Masse“.

    Ich habe mit diesen Leuten nichts mehr zu bereden.

    …. aus diesen Gründen, bersarin, bitte verzeih´ mir, dass ich die Lektüre des betreffenden Kapitels in der Phänomenologie des Geistes noch etwas herausschiebe! (Ich werde dies tun, aber nur aus meinem Antrieb meiner „kriminalistischen Sorgfalt“. Meine Bereitschaft, auch noch jeden logischen Fehler bis in dessen letzte Konsequenz nachzuvollziehen, ist jedoch – bei Nietzsche gebe ich noch etwas Spielraum – begrenzt.)

  20. Bersarin schreibt:

    Ja, Hegel setzt es in die Vergangenheit. Reines Nicht und reines Sein sind dasselbe, aufgrund ihrer Unbestimmtheit. Den Grund, weshalb dieses Verhältnis in der Vergangenheit liegt, findest Du in der Vorrede. Die Hegelsche Logik, das sind die Gedanken Gottes vor der Erschaffung der Welt, schreibt Hegel. Man kann es sich so vorstellen, wie auch die ersten Sätze der Genesis für uns, das betrachtende Bewußtsein, wenn man so will und in der Diktion der „Phänomenologie“ gedacht, in der Vergangenheit liegen.

  21. ziggev schreibt:

    na gut. ich werde wohl einräumen müssen. Das eine oder andere. Zunächst: ich habe hier nicht die Wissenschaft der Logik vorliegen. Sondern eine Art Kompilation vom Piper Verlag. Peinlich genug, soetwas zu besitzen, anstatt – als Mindestgeste des Respekts – sich verdammtnochmal den Originaltext zu besorgen. Der Titel der Serie „Lust an der Erkenntnis“ (Ausgabe „Klassische Deutsche Philosophie“) hätte mich angesichts eines solchen Kategirienschlamassels ja hinreichend abschrecken müssen.

    der Fehler, wie ich gerne einräume, liegt also weniger bei den Herausgebern der Piper-Serie mit dem unsäglichen Titel, sondern eher bei mir. Denn wie hatten jene Herausgeber die Zeiten des Internets voraussehen können, die, in diesem Fall mich, doch überschnell zu Schnellschüssen verleiten. Die Vorrede liegt mir schlechterdings nicht vor.

    Nun aber: Die Phänomenologie allerdings doch. Und ich fand auch den betreffenden Abschnitt. Aber wieder beschleicht mich ein unheimlicher Verdacht: Hegel will – und dieses Ansinnen finde ich nicht im Geringsten trivial – dem Gedanken er Entwicklung den ihm gebührenden Stellenwert Rechnung tragen. Es geht los, wie folgt: „Das Selbstbewusstsein ist an und für sich, indem und dadurch, daß es für ein anderes an und für sich ist; d.h. es ist nur als ein Anerkanntes.“ Wieder: bei Hegel scheint einmal mehr die Sprache (Helgels) verzweifelt gegen die Unumkehrbarkeit des Ursache-Wirkungs-Verhältnisses anzurennen. – Es ist – jedenfalls in meinen Augen – klar, dass sich Hegel am Problem der creatio ex nihilo abarbeitet. Dieses Problem hat er sich aber selber, so will es mir scheinen, geschaffen. Er will von einer Art reinen Seins ausgehen, und will und will einfach nicht verstehen, dass sich daraus nun mal nichts folgern lässt. Also erfindet er immerzu irgendwelche Sachen, um dann, Abschnittsweise, mehr oder weniger deduktiv vorzugehen. Müssten wir das nicht für inkonsistent halten?

    So mein Eindruck. Das Verhältnis des Anerkennens, um überhaupt Personen – oder, bei Hegel, das Selbstbewusstsein – als solche wahrzunehmen, ist zweifelsohne eine Tatsache, die sich sicherlich ohne Probleme soziologisch nachweisen ließe (oder entwicklungspsychologisch, etc …).

    Ich sehe aber keinen Grund, hier Hegel in seinem Anthropomorphismus zu folgen. Denn er scheint hier, bereits in seinen Voraussetzungen, eben jenen Fehler das Anthropomorphismus zu machen. Eine Rückprojektion – die bei mir alle Alarmglocken läuten lässt, weil sie genau eine Verletzung der Unumkehrbarkeit des Ursache-Wirkungs-Verhältnisses darstellt – mit der Folge, dass meine Hände und Arme seltsam katatonisch erstarren, und mir das Buch einfach entgleitet.

    Offenbar sind „sie Gedanken Gottes vor der Erschaffung der Welt“ – wenn wir uns an Hegel halten – tatsächlich ein Alptraum gewesen. Das würde jedenfalls einiges erklären (die hegelschen Höllen der Antilogik einbegriffen).

  22. Dieter Kief schreibt:

    @ziggev wg. Hegel, Gott, Berarin, Logik

    – man kann der Ansicht sein, Hegels Logik sei die Hölle der Antilogik, man kann auch wähnen, die Erfindung des Kompasses sei der Beginn aller weltweiten Verirrungen gewesen – es gibt nicht wenige Anthropologen, die begeistert sind von der Kraft der Wegefindung, die sich bei jenen Völkern auf Erden findet, die nicht vom Kompass korrumpiert sind. In der Tat sind deren Fähigkeiten auf diesem Feld im Einzelnen hie und da überragend.

    Wenn Sie ein wenig Geduld haben und kleine Umwege nicht scheuen, probieren Sie es mal mit Hartmut Langes Aufsatz über Hegel in „Die Revolution als Geisterschiff – Massenemanzipation und Kunst“.

    Wenn Sie noch ein wenig mehr Geduld haben, probieren Sie es mit dem Band Subjekt-Objekt von Ernst Bloch. Das kann aber schon ein wenig dauern.

    Ein Groß-Trick Hegels ist, dass er die Verzeitlichung in alles hineinziehen sieht.
    Das hat mit Gott insofern zu tun, als der zu Hegels Zeiten noch sehr im Vordergrund stand, und qua eigener Überzeitlichkeit – und dem damit verbundenen Trost – – die Zeitgenosssen Hegels nicht nur beruhigte, sondern halt auch in einer ein wenig übertriebenen Sicherheit wiegte.

    Heute scheint mir das alles anders. Heute ist alles der Zeitlichkeit – der Diktatur der Aktualität (cf. K. Kraus) unterworfen und nichts mehr der göttlichen Allmacht.

    Wenn Sie wollen, können Sie an dieser Stelle auch bei einem der luziden Hegel-Kritiker , nämlich bei Odo Marquard nachlesen.

    Martin Walser, der diesjahr Neunzig wird, hat gestern in Konstanz Marquard die Honneurss gemacht – genau weil Marquard sieht, wie sehr unser Unglück von unserer (scheinbaren) Zeitenthobenheit (=Gottgleichheit) herrührt. (Walser sieht Parallelen zu seinem letzten Roman – und zu seiner Tochter Alissa allerneusten Roman, denn Alissa Walser hat dort ein Motto von – Odo Marquard vorangestellt, das ehe – auf die hier aufgeführten Zusammenhänge – – – reflektiert – – – was Walser Vater, wie er gestern sagte, alles in allem sehr glücklich stimmte.
    Konnte ich gut nachvollziehen.

  23. ziggev schreibt:

    Nun, Dieter Kief (ich gebe mir alle Mühe, mich an das Sie zu gewöhnen). Sie kritisieren zurecht meine Ungeduld, was Hegel betrifft. Ungeduld, oder – was mir immer wieder bei Hegel widerfährt – katatonische Lähmung, können nicht wirklich ein Argument sein. I see.

    Ich pflege halt einen gewissermaßen echtzeit-authentizitätsphantasiemäßgen Umgang mit Philosophie – sofern ich mich hier jedenfalls über die Unplausibilitäten Hegels, wie ich sie jedenfalls in diesem Modus wahrnehme, auslasse. Ich möchte halt gerne wenigstens eine Anfangsplausibilität.

    Der Verweis auf – wie ich dann immer befürchte – hegelhörige Sekundärliteratur, würde mich eben auf jene Struktur zurückführen, das befürchte ich, gegen eine welche Hegel, wie ich jetzt von Ihnen lerne, Hegel anschrieb: Gottesfürchtiges Sich-in-Sicherheit-Wiegen. Nur kurz der Zweifel eingestreut: Ist nicht eine jede Systemphilosophie nur in Abhängigkeit von einer solchen (zu überwindenden oder vergangenen) Gottesfürchtigkeit denkbar ?

    Aber die Wirklichkeit bietet doch ein vollständig anderes Bild, oder? Wir haben es – wenn nicht mit einer Pluralität von unverbundenen Daten – so doch zumindest mit einer unendlichen Aufzählung von Fakten zu tun. Hervorsagen bestätigen oder falsifizieren das Experiment.

    Hegels Philosophie, insofern sie auch noch als Systemphilosophie sich uns darbietet, müsste also uns zuerst einmal darlegen, inwiefern sie tatsächlich unabhängig von irgendeiner vorgänigen Theologie oder theologischen Philosophie sich darzulegen vermag. – Ich befürchte halt, einen systematischen Fehler mitzumachen, sollte ich mich in dieses selbstmörderische Unterfangen stürzen, in termy of irgendeiner Systemphilosophie mit- oder weiterzudenken.

    Natürlich, wieder, kann meine unbedeutende Jetztzeitverfallenheit nirgends als Argument dienen. Sehe ich ein.

    Aber das Problem der Philosophie ist doch, anders als bei Hegel, nicht, verfestigte Strukturen – ein altertümlicher Reflex gegenüber einer verdummten Theologie – über Zeitlichkeit zu verflüssigen, sondern angesichts einer immer nur je amorphen, immer nur verflüssigten Wirklichkeit Regelmäßigkeiten festzustellen. Was soll mir hier der Popanz einer verflüssigen Wirklichkeit im Zeitmodus, wenn alles, was ich wahrnehme, sowieso schon verflüssigt ist?

    Hegel rennt hier – behalte ich das Moment der Verzeitlichung im Gegensatz einer etwas lächerlichen Theologie im Auge – einfach offene Türen ein.

    Niemand hat eine solche Verzeitlichung je gefordert. Fordere ich das Absurde – oder das Offensichtliche -, dann kann ich von meinen Jüngern alles, rein logisch sogar wirklich alles abfordern. Ich werde in diese Logischen Fallen nicht hineingehen. Ein harmloser Aberglaube, irgendeine Sekte eines indischen „Gurus“. Für mich alles kein Problem. Aber die Antilogik als Prinzip auf das Banner zu heben, na ja, mit mir jedenfalls nicht.

    Nun, lieber Dieter Kief, ich beliebte zu improvisieren. Aber der Verweis von einer Autorität (Hegel, oder als solche von einigen so gesehenen) auf weitere vermeintliche stimmt mich eher skeptisch.

    Danke aber für die Literaturhinweise. Wenn´s sich ergibt – ich werde dann sicherlich dem Bloch-Verweis auch nachgehen. Die Mutter eines meiner besten Freunde studierte bei Bloch – und stürzte dann in Tübingen bei dem Hölderlin-Interpretation Heideggers ziemlich plötzlich ab. Und ich liebe einfach Blochs Diktion. Werde ich mir also, wenn sich die Gelegenheit bietet, Bloch hier zu Gemüthe ziehen. Halte mich hier gerne für einen Snob.

  24. ziggev schreibt:

    denn nur diese bestimmten Persönlichkeiten enthüllen mir das Phänomen der Zeitlichkeit. Mit allenihren Irrungen und Wirrungen. Der Faktizität der Dinge hängt eine unendliche Melancholie an

  25. Dieter Kief schreibt:

    ziggev – ist Ihnen Ihre Nähe zu Münchhausen bewusst?

    ( – -nein, sonst sag‘ ich dazu nix).

    Ah wg. Theologie noch – ich habe manchmal den Eindruck, da wirke ein Schreibautomat: Theologie = alt, dumm usw.

    Ich habe tatsächlich an der Uni gelernt: Es gibt haufenweise Leute, die glauben alt = dumm usw. (alt zumindest (=auf jeden Fall!) : weniger schlau als – – – WirHier) – und ich habe mit Friedrich Kambartel einen vor der Nase gehabt, der die gleiche Idee (Wahrnehmung) hatte, und mir öffentlich hie und da – vor ein paar hundert Leuten – sozusagen vorargumentierte, wie man angesichts solcher Ideenträgerinnen sich verhalten kann. Er hat das gut gemacht; es ist mir präsent.

    Da es nun sowieso schon spät ist noch der: Karl-Markus Michel, „Von Eulen, Engeln und Sirenen“.

    Oder hie und da in ein kursbuch kucken – z. B. in das über Religion – und dann halt Michel daselbst lesen.

    Stets jedoch: Eingedenk Münchhausens, obwohl der ja „ein Lügner“ (Enzensberger) war. Sein „Theorem – Pferd, Sumpf und Schopf“ (nochmal E.) war gleichwohl „bezaubernd“.

  26. Bersarin schreibt:

    Schöne Ironie oder eine Volte des Hegelschen Geistes: Ich bin auf einem Hegelintensivseminar, weit ab vom Schuß, fast ohne Internet und kann insofern nicht angemessen antworten. Weil ich abends zu müde bin. Nach so viel wunderbarer Hegelein im tiefster deutscher Lutherprovinz. Nicht als Münchhausen freilich, sondern als Weltgeist mit Auto. Das braucht man hier auch. Bilder und Photographien folgen hier demnächst.

  27. ziggev schreibt:

    @ Dieter Kief

    Ich kann ihren anfänglichen Ausführungen nicht ganz folgen. Aber egal, ich schreibe ja selbst eher unzusammenhängend, nicht immer extra wirr, dann aber dennoch, usw…

    bitte aber nicht an einer rein rhetorischen Schwäche aufhängen, als ich etwa von einer „verdummten Theologie“ sprach.

    Meines Erachtens ist das Kapitel über die Irrationalität in der Philosophiegeschichte noch lange nicht zuende geschrieben worden. Beweis: Es gibt Leute, die sich weiterhin ernsthaft, ernstzunehmende Leute!, mit Hegel beschäftigen. Die Irrationalität – in der Tat ein von der Philosophie vernachlässigtes Thema. Zuletzt haben sich eigentlich die alten Griechen damit beschäftigt, unter der Überschrift der Akrasia – der Kopflosigkeit: Wie ist es möglich, dass eine Person wider besseren Wissens irrational handelt? Und: Sie Tut es aber ?

    Nun aber jetzt noch getoppt: Dieselbe Person handelt nicht nur situationsbedingt irrational, nein, sie erfindet auch noch eine Philosophie, die es ihr erlaubt, zu jeder Gelegenheit einen falschen Gedanken unter dem Anschein einer Schlussfolgerung anzubringen.

    Klar, dass vor solcher Hybris die alten Griechen mit ihrem läppischen Konzept der Akrasia die Schwänze einziehen.

    Aber bitte stopp, ich überstolpere mich, lasse mich überwältigen von einer schieren Masse von Irrationalität (die eigene noch nicht mal mit eingerechnet!), die mich mit der unglaublichen Geschwindigkeit eines Wasserfalls überströmt.

    Vielleicht liegt hier wirklich der Vorteil im Rückzug. Verlangsamung. Durchbuchstabieren. Solange der Vorrat reicht. Und bei Hegel haben wir ja schließlich genug Material.

    Diese Biederkeit, diese Trägheit, wie wir sich noch bei Luther finden, oder nicht, diese Verlangsamung des Deutschen Geistes, die ihm eignet, ist es doch letztlich, was uns als denkend-fühlende Wesen hervorgebracht hat.

  28. Bersarin schreibt:

    Ziggev, es ist Unsinn, daß Hegel irrational sei. Es sei denn Du setzt den Begriff des Geistes, den der Gesellschaft und dazu noch die Bedeutung des Begriffes als prinzipiell irrational. DAS nämlich sind die Felder, in denen Hegel sich bewegt. Und zwar dazu noch mit Argumenten. Er postuliert ja, daß alles zufällig sei, was er in seiner Philosophie auftut und daß man es so oder auch ganz anders sehen kann, sondern bei Hegel steht die Notwendigkeit. Sei das die Epistemologie in seiner Enzyklopädie oder auch die (noch sehr poetisch formulierte) „Phänomenologie“. Jener klassische philosophische Bildungsroman.

    Das in einem umfassenden Sinne gedachte Konzept von Rationalität zweigt sich etwa, wenn Hegel Kants strenge Pflichtenethik als Ausdruck des Dualismus kritisiert. Da wird bei Kant zunächst eine Welt auseinandergerissen und dann hinterher sich beklagt, weshalb die Welt nun auseinandergerissen wurde. Später wies auch Heine auf diese Widersinnigkeit bei Kant hin: Um die Notwendigkeit des Lichtes zu beweisen, zerschlug ein Göttinger Professor nachts sämtliche Laternen. Wenn man es also böse will, muß man sagen, daß Kant in seinen durch nichts mehr zu vermittelnden Dualismus irrational sei. Aber auch das ist natürlich quatsch. Insofern solltest Du, ziggev, zunächst einmal Deinen Begriff von Rationalität prüfen und darin die irrationalenn Aspekte ausschalten.

    (Übrigens war ja nicht einmal Nietzsche in seiner Philosophie irrational, obwohl er keinem Konzept von hypertropher Vernunft anhing, sondern schrieb, daß der Philosoph mit seinem Körper und den Regungen seines Körpers denkt.)

  29. ziggev schreibt:

    tja, bersarin, hier bin ich vielleicht etwas durch analytische Philosophie versaut. Zunächst wäre also, für mich, zu fragen, ob dort, wo ‚bei Hegel die Notwendigkeit steht‘, etwa möglicherweise „Notwendigkeit“ aufzufassen ist, wie noch in Schopenhauers Über die Vierfache Wurzel des Zureichenden Grundes, oder, etwas moderner, wie wir heute die Notwendigkeit rein logisch auffassen.

    ich bin ja auch kein prinzipieller Hegel- (usw.) -Feind. AFAIK promovierte mein Logik-Professor über Heideggers Hegel-Rezeption (bei Gadamer). Irgendwie hat er das überlebt, zog sich dann aber zur Erholung, so interpretiere ich das jedenfalls, nach England zurück, um zum ersten Mal überhaupt ernsthaft Philosophie zu betreiben. – Wünschenswert wäre es aber dennoch, in meinen Augen, wenn sich Hegel-Spezialisten einmal mit der analytischen Philosophie zumindest insofern beschäftigten, als wir hier eine sehr klar Definition der Notwendigkeit vorfinden. – Um Missverständnissen vorzubeugen, die sonst – notwendig – passieren werden.

    Pro Hegel: es ist natürlich nicht irrational, sich ausschließlich mit Begriffen zu beschäftigen: „Geist“, „Gesellschaft“ und gergl. mehr. Und es ergibt sich ja von selbst, dass hier Argumente lediglich im Modus der Wahrscheinlichkeit wenig überzeugend wären. Natürlich kann hier nur “ mit Notwendigkeit“ geschlossen werden.

    Nichts aber will ich zu tun haben mit Vorwürfen des „Irrationalismus“ – wie sie vielleicht infolge einer unschönen Nietzsche-Rezeption (den sog. ‚Nietzschesianismus‘ weiland brauche ich nicht zu erwähnen) Anfang des 20. Jahrhunderts erforderlich wurden.

    Es ist also kein „Irrationalismus“, wenn Hegel einen logischen Fehler begeht. Es ist einfach ein Fehler.

    Ich sehe Hegel eher als einen Fall für. Dr. House: Wo genau (in seinen Prämissen) hat er sich selbst belogen, wo genau (in seinen unüberprüften Vorannahmen), hat er sich selbst getäuscht ?

  30. Hans schreibt:

    @ziggev

    Es gibt in den USA schon seit längerer Zeit eine Beschäftigung ‚analytischer‘ Philosophen mit Hegel, die mit dem Label „Pittsburgher Neohegelianismus“ bezeichnet wird.
    In Deutschland ist das Zentrum der analytisch-idealistischen Interpretationsrichtung die Uni Leipzig und der zur Zeit bekannteste Vertreter ist Pirmin Stekeler-Weithofer. Dieser hat bei Meiner einen Kommentar zur Phänomenologie verfasst, dem noch in diesem Jahr einer zur Logik folgen soll. Von den Pittsburghern ist Robert Brandom der interessanteste und zum Einstieg am besten geeignet ist sein Buch „Wiedererinnerter Idealismus“.

    Bei Interesse:

    http://www.sozphil.uni-leipzig.de/cm/fagi/

    http://digital.bib-bvb.de/view/bvbmets/viewer.0.6.jsp?folder_id=0&dvs=1486821227263~222&pid=2883790&locale=de&usePid1=true&usePid2=true#

    https://www.google.de/search?q=brandom+wiedererinnerter+idealismus&ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=zxefWK_YAY2XaaaIpZgF

    https://meiner.de/hegels-phaenomenologie-des-geistes-ein-dialogischer-kommentar-band-1-gewissheit-und-vernunft.html

  31. Dieter Kief schreibt:

    @ ziggev „ich kann Ihren ursprünglichen Ausführungen nicht ganz…“

    Sie könnten versuchen zu sagen, wo – und ich könnte versuchen zu antworten

  32. ziggev schreibt:

    Herr Dieter Kief – ich werde ihnen meine Theorie der Dummheit – für heute – vorenthalten.

    Wenn aber die Münchhausen-Anspielung aus mich gemünzt gewesen sein sollte – dann bitte ich meinerseits um Konkretisierung.

  33. Dieter Kief schreibt:

    @ Ziggev

    „Hegel rennt hier – behalte ich das Moment der Verzeitlichung im Gegensatz einer etwas lächerlichen Theologie im Auge – einfach offene Türen ein“

    Könnte es sein, sehr geehrter Ziggev, dass Sie an dieser Stelle ein wenig zu kurz springen?

    Säkularisierung ist wichtig, sie ist aber notwendigerweise anspruchsvoll (= hie und da schwierig – bis sauschwer).

    Ich – es ist so: Hegel schreibt zu einer Zeit, in der Gott noch die Kontinuität selber verbürgte. Das ist sehr angenehm, sehr beruhigend, wenn da einer ist, an den man gemeinschAFTLICH GLAUBT; UND DER in den Stürmen der Zeit verbürgt, dass man keine Angst haben muss – und dass man sich frei fühlen kann – auch von dem Druck, der von den lieben Mitmenschen und – nicht zuletzt – von der Obrigkeit ausgeht, weil man sich getragen fühlen kann von einer gemeinschaftlich erlebten – gemeinschaftlich imaginierten, die Wechsel- und Zufälle und Ungerechtigkeiten und Unebenheiten der einzelnen Existenz aufhebenden – – – Transzendenz.

    Es sind dies alles integrale Bestandteile der Hegelschen Weltsicht.
    Nun – ich meinte, Sie hätten sich zwar auf Hegel bezogen, aber sozusagen auf Ihre – und eben nicht auf diese hier ausgemalte, wenn Sie so wollen, historische Weise.
    Das meinte ich mit der Münchhausen-Anspielung: Die Modernen lieben es, sich am eigenen (= emanzipierten = vereinzelten = individuellen) Schopf aus dem Sumpf der Ungewissheit zu ziehen – so wie Sie.

    Jetzt kommt aber mein Punkt: Das allein hat mich nicht ironsich gestimmt, sondern erst die Idee, dass diese moderne, emanzipative, vereinzelte – – Identität sich mir nichts dir nichts mit anderen, in diesem Punkt aber sehr verschiedenen früheren Mentalitäten in eins zu setzen erlaubt.

    Im Übrigen: Mein Münchhausen-Hinweis ist noch dadurch ein wenig tiefenscharf gezeichnet, dass er in dem Kontext, in dem ich ihn aufrufe, auf nicht nur Enzensberger verweist (nämlich auf dessen Gedicht Gödels Theorem, aus dem ich zitierte), sondern mit Enzensberger auf den zentralen modernen Einwand gegen eine abgeschlossene (= überzeitliche) systematische Philosophie***: Nämlich eben Gödels Hinweis (= Entdeckung), dass es kein formales System geben kann, das zugleich vollständig und widerspruchsfrei wäre. – Das ist – so ist das bei Enzensberger, insgesamt kein Spaß, sondern das ist eine Wegmarke auf dem Pfad der westlichen Achtsamkeit, die auf der streng formalen Ebene einholt, was Hegel induktiv freilich schon sehr gut und klar erschlossen hatte: Dass etwas, so lautet die einschlägige Formulierung aus der Logik, etwas ist – als anderes.
    Mit Hannes Wader zu schließen: Dass alles im Fluss ist – dass mithin NICHTS BLEIBT WIE ES WAR.

    *** Die Sie weiter oben ja ebenfalls ansprechen

  34. Bersarin schreibt:

    ziggev, wer ernsthaft meint, in England Philosophie treiben zu müssen, hat von Philosophie nichts verstanden. Der Mann – Professor mag ich solche Wesen nicht nennen – wäre besser in England geblieben. Die englische Philosophie ist für ihre Qualität in etwa so berühmt wie der großartige englische Wein oder wie aufgeweichtes Brot, Breat puddin genannt.

  35. ziggev schreibt:

    @ bersarin – England ist mir vor allem durch die lebhafte W. Benjamin – (desh. bei mir immer englisch auszusprechen) und – Kafka-Rezeption (die oxford-Truppe) auf der anderen Seite des Kanals in Erinnerung geblieben. Ich wäre auch glatt gleich dort geblieben – wenn es nicht diese diese Schwierigkeiten damit gegeben hätte, einen anständigen Wein – geschweige denn wenigstes einer anständigen Scheibe Brots – zu besorgen gegeben hätte.

  36. ziggev schreibt:

    @ Hans – Vielen Dank für die Links !

    Wie es sich ergibt, hören wir bereits aus plato.stanford.edu die Nachricht, „very rewarding“ sei es, bei Hegel mal vorbeizuschauen. Ich verbreite hier vielleicht Gemeinplätze. Aber seit die analytische Philosophie angefangen hat, ihre eigene Geschichte zu erzählen, so mein Eindruck, hat man auch auf der anderen Seite des Kanals bzw. des Teiches begonnen, nicht wenig Intensiv auch die kontinentale Philosophie zu rezipieren. Gerade angesichts des Trump-Phänomens kramen Leute, die im New Yorker veröffentlichen, ihren ollen Horkdorno wieder hervor.

    Wie berichtet wurde, sei es eine ganz normale Angelegenheit, dass in Schottland – zusammen mit all jenen Studenten, die aus Asien stammen – sich die Kritische Theorie angelesen wird.

    Ich habe jetzt noch nicht Deine Links durchgeklickt – aber mein Eindruck, und ich mag mich ja täuschen, ist aber deutlich, dass wir mit unserer „kontinentalen“ Philosophie uns lange nicht mehr auf einsamen Inseln der seligen befinden.

    Desh. sehe ich keinen Grund, warum ich diese neuerliche Beschäftigung mit Hegel – u. A. – nicht begrüßen sollte.

  37. Hans schreibt:

    @ziggev

    Als „Gemeinplatz“ würde ich diese Annäherung zwischen analytischer und kontinentaler Philosophie zwar nicht bezeichnen, aber die kontradiktorische Beziehung gegenseitiger Ignoranz ist wohl doch schon seit längerem obsolet. Auch wenn ich mich ebenfalls gut an die Zeiten erinnere, als Du bei Künne die Vorlesung „Logik, Sprache, Zeichen“ gehört hast – seine Diss. behandelte m. W. Hegels Platon-Interpretation und nicht Heideggers Hegellektüre – und sich auch die Studenten noch in exklusive Gruppen von Kantianern bei Bartuschat, dem „Hamburger Kreis“ (so nannten sie sich wirklich, oder?) bei Künne usw. teilten, so gab es doch damals schon die Bücher von Tugendhat, Rorty u. a., die dieses Spiel nicht mehr spielten.
    Insofern lässt sich heute akademisch zwar nicht mehr ohne das sprachanalytische und logische Instrumentarium arbeiten, aber die Ächtung Hegels und Heideggers oder die Ignoranz gegenüber Husserl ist dadurch nicht mehr notwendig impliziert. Borniertheit ist ohnehin kein Ausweis relevanten oder auch nur interessanten Denkens.

    Schönen Sonntag!

    Ein Nachtrag: Falls noch nicht bekannt, dann empfehle ich zum Thema auch die Bücher von Robert Pippin zu Hegel und von James Conant zu Nietzsche. Beide Autoren lehren in Chicago und schreiben sehr undogmatisch.

  38. Hans schreibt:

    @ Ziggev

    Noch ein Nachtrag: Dass Hegel den Anfang der Logik nicht logisch begründen kann, ist seit Henrichs mittlerweile klassischem Aufsatz aus den 60ern die Standardinterpretation.

    http://filosofia.fflch.usp.br/sites/filosofia.fflch.usp.br/files/docentes/sites/safatle/2015/posgrad/aulas_FLF5189/Dieter%20Henrich%20-%20Hegel%20im%20Kontext.pdf

    Allerdings ist spätestens seit Gödel klar, dass dieses Problem sich nicht lösen lässt. In der Konsequenz ist das begründungslose „draw a distinction“, das Luhmann mit dem Formenkalkül George Spencer-Browns als ursprüngliche Paradoxie jeder Theorie begreift, die universalen Anspruch hat – jeder Supertheorie, wie er es nennt – unüberwindbar. Die Entparadoxierung erfolgt erst in der Zeit, im „Prozess“, wie Du es genannt hast.

  39. Dieter Kief schreibt:

    ja da Gödel wie von Hans Magnus Enzensberger so trefflich gegeben

    Hommage an Gödel

    Münchhausens Theorem, Pferd, Sumpf und Schopf,
    ist bezaubernd, aber vergiss nicht:
    Münchhausen war ein Lügner.

    Gödels Theorem wirkt auf den ersten Blick
    Etwas unscheinbar, doch bedenk:
    Gödel hat recht.

    „In jedem genügend reichhaltigen System
    lassen sich Sätze formulieren,
    die innerhalb des Systems
    weder beweis- noch widerlegbar sind,
    es sei denn das System
    wäre selber inkonsistent.“

    Du kannst deine eigene Sprache
    in deiner eigenen Sprache beschreiben:
    aber nicht ganz.
    Du kannst dein eigenes Gehirn
    mit deinem eigenen Gehirn erforschen:
    aber nicht ganz
    Usw.

    Um sich zu rechtfertigen
    muss jedes denkbare System
    sich transzendieren,
    d.h. zerstören.

    „Genügend reichhaltig“ oder nicht:
    Widerspruchsfreiheit
    ist eine Mangelerscheinung
    oder ein Widerspruch.

    (Gewissheit = Inkonsistenz)

    Jeder denkbare Reiter,
    also auch Münchhausen,
    also auch du bist ein Subsystem
    eines genügend reichhaltigen Sumpfes.

    Und ein Subsystem dieses Subsystems
    Ist der eigene Schopf,
    dieses Hebezeug
    für Reformisten und Lügner.
    In jedem genügend reichhaltigen System
    also auch in diesem Sumpf hier,
    lassen sich Sätze formulieren,
    die innerhalb des Systems
    weder beweis- noch widerlegbar sind.

    Diese Sätze nimm in die Hand
    Und zieh!

    Zitiert nach „Die Elixiere der Wissenschaft“, Suhrkamp 2002.

    Enzensberger bezieht sich auf Kurt Gödels „Unvollständigkeitssatz“, den dieser 1931 formulierte: „Zu jeder widerspruchsfreien rekursiven Klasse K von Formeln gibt es rekursive Klassenzeichen r, so daß weder v Gen r noch Neg (v Gen r) zu Flg (K) gehört (wobei v die freie Variable aus r ist).“

    Statt die Widerspruchsfreiheit in der Arithmetik zu beweisen (ein ungelöstes Problem der Mathematik) zeigte Gödel, dass es nicht beweisbare Sätze geben kann – ein Beweis ex negativo.

  40. Bersarin schreibt:

    Man kann darüber nachdenken, ob es womöglich sinnvoller sei, in Hegels Logik mit dem Begriff, dem Schein, dem Urteil oder der Qualität anzufangen, statt mit dem Sein. Vielleicht kommt man von diesem Schritt her darauf, weshalb es für die Sache logisch sinnvoll ist – auch aus Gründern der philosophischen Referenz, die bis zu Parmenides hinreicht –, daß Hegel das Sein wählte.

    Selbst wenn man die Unterscheidungen bzw. die Paradoxie des Hegelianers Luhmann als richtig annimmt – wobei Hegels Anfang eben gerade keiner ist, der auf Dezisionismus beruht: Man könnte so oder auch ganz anders beginnen – bleibt für Hegel die innere Logik des Fortgangs: Vom Sein zum Begriff.

    Guter Hinweis auf Henrich in der Hegellektüre, der allerdings als Standard zumindest bekannt sein sollte, wer sich mit Hegel beschäftigt. Wer sich Hegels Argumentation ansehen möchte, womit nun in der Logik bzw. der Philosophie der Anfang gemacht werden müsse, lese jene zentrale Passage vor dem Beginn der eigentlichen Logik: „Womit muß der Anfang Anfang der Wissenschaft gemacht werden“. Vielfältig darin auch die Bezüge zur „Phänomenologie“ und korrespondierend mit epistemologischen Gedanken aus der „Enzyklopädie“, wenn Hegel sich etwa über den Scholastikus amüsiert, der wissen will, wie man schwimmen lernt und am Beckenrand umherschreitend versucht, die Schwimmbewegungen nachzumachen.

    Ansonsten ist es so, wie Hans schrieb: es geht darum, die Opposition Analytische Philosophie/Hegel, Nietzsche, Heidegger (entsprechendes bitte ins freie Feld eintragen) hinter sich zu lassen. Insbesondere Rorty zeugte davon und sehr früh hat das auch Karl-Otto Apel getan – man mag von seiner Philosophie nun halten was man mag. Ebenso Schnädelbach, und bei Seel ist das mittlerweile Standard. Vor allem ist es erfreulich, wenn die Analytische Philosophie sich endlich auf die Geschichte der Philosophie besinnt, um ernstgenommen zu werden. Denn eine Philosophie, die von ihrer eigenen Geschichte und Herkunft nichts weiß, taumelt entweder blind durch die Welt oder aber sie neigt zur Hybris, weil sie wie Robert Falcon Scott zu spät am Südpol ankommt, sich aber als Entdecker feiern lassen will. Das wirkt unfreiwillig komisch oder macht zumindest kopfschüttelnd. Denn es ist ärgerlich, wenn etwas als dernier cri verkauft wird und sich hinterher herausstellt: Huch, bei Hegel finden wir ja auch so etwas wie einen Zeichenbegriff und da hat tatsächlich schon jemand über Gehalt und Bedeutung nachgedacht.

    Eine pauschale Kritik, ziggev, an einem Philosophen ist argumentationslogisch selber Ausdruck von Irrationalität. Eine Aussage wie, Hegel sei irrational, ziggev, ist nun gerade kein Ausweis philosophischer Rationalität.

  41. ziggev schreibt:

    @ Georg

    tatsächlich, es hieß, glaube ich, „Hamburger Kreis“, ich erinnere noch recht deutlich an den Ordner (nicht mitgemacht, nicht ´reingeschaut). Und nachdem ich den Kommentar abgeschickt hatte, schwante mir in der Tat, dass ich vielleicht etwas durcheinandergebracht hatte. Aber die Verbindung Künne-Hegel-Platon schien mir damals, als jungem Spunt, etwa so absurd bis verwirrend, wie heute „Künne-Heidegger-Hegel“. Obwohl ich mich ja derzeit – sehr verlangsamt – Heidegger anzunähern versuche. (Über E. Stein – vielleicht ist es eben ein Anzeichen für eine gewisse Husserl-Ignoranz, dass Husserl in gewissen Kontexten vornehmlich als Vorarbeiter Heideggers, oder denken wir an Sartre, noch Nennung erfährt. Künne, o.T., soweit ich mich erinnere, es sei „nicht unanständig“, Husserls Ideen im Regal stehen zu haben.)

    Aber ich bin Dir wirklich sehr dankbar dafür, dass Du durch die Links mir die Möglichkeit gibst, meine hegelkritische Anfangs- und Grundintuitionen zu überprüfen. Dadurch kann ich mir jedenfalls Erkenntnisgewinne erhoffen. Thanx !

  42. ziggev schreibt:

    sorry, ich meinte natürlich mit Georg, nicht Georg, sondern =>Hans

  43. ziggev schreibt:

    @ bersarin – wenn Dir die analytische Fähigkeit abgeht, Hegels argumentatorischen Fehler, – genau aufzufinden, in seinen Schriften aufzufinden, geschweige denn sie einer Analyse zuzuführen -, dann solltest Du fürderhin es vermeiden, sich auf dessem brillantestem Kritiker zu berufen .

    Wenn Du meine Argumente durchaus genau durchgelesen hättest, wäre Dir durchaus klar geworden, dass es mir nicht um eine „pauschale“ Hegelkritik geht. Du kannst einfach keine analytische Kritik. My Dear, it´s booring !!

  44. Bersarin schreibt:

    Original ziggev: „Genau hier, bei (s.o.) „Bewegung …“, höre ich auf, bei Hegel weiterzulesen. Die Vögel zwitschern, es dämmert hinter den Bäumen – aber nichts zwingt mich, in diese Hölle der hegelschen Antilogik hinabzusteigen.“

    Das also nennst argumentieren? Interessant. Hegel erfinde irgendwelche Sachen, so schreibt der ziggev. Der Begriff des Seins ist also eine Erfindung Hegels? Auch interessant. Ziggev, Du argumentierst nicht, sondern Du assoziierst. Zudem: In Hegels Logik ist nun gerade nichts Anthropomorphistisches angesiedelt, wie Du insinuierst. Eine Behauptung, so absurd als würde man meinen, Formale Logik wäre ein Anthropomorphismus.

    Und noch ein Rat, ziggev: Bevor Du assoziierst, versuche einfach, zunächst den Text Hegels ganz hermeneutisch immanent überhaupt erstmal zu verstehen. Es ist nämlich sinnlos mit Menschen zu diskutieren, die sich nicht vom Text, sondern von ihren Vorurteilen leiten lassen.

  45. ziggev schreibt:

    genau das sind mir jene Hegel-Höllen. Anstatt die Philosophie zu nutzen, um klareres Denken zu erlernen, haben wir die Erbärmlichkeit eines Denkens, das nicht ohne – vermeidliche – Autoritäten auskommt. Und dann noch sich die denkbar schlechtestmöglichte ausgesucht.

  46. Bersarin schreibt:

    Und genau das sind keine Argumente, ziggev. Zudem: Was klares Denken ist, bestimmt nicht der ziggev. Und an genau solchen logischen Fehlschlüssen setzt Hegel an: Wenn nämlich jemand seinen eigenen unmittelbaren Maßstab an eine Sache anlegt und sich diese Sache paßgerecht ins Subjekt hinein zimmern will. Dieser subjektive Idealismus – insofern müssen wir annehmen, daß Du Fichteianer bist, ziggev – funktioniert jedoch nicht und stößt an die Grenzen des Ichs. Was klares Denken ist, legt nicht der ziggev per ordre du mufti fest. Die Autorität in der Philosophie ist und bleibt der Text, der darin entwickelte Gang der Gedanken und das Argument.

  47. Dieter Kief schreibt:

    Der arme Ficht‘ wird hier mit einem unserer Zeitgenossen in einer Weise verkuppelt, die selber schon schwerennötig leuchtet, in der hereinbrechenden Nacht.

    Öhh und das hier anstatt einer Friedensfeiffö – – –

    „Wenn die Macht der Vereinigung aus dem Leben der Menschen verschwindet und die Gegensätze ihre lebendige Beziehung und Wechselwirkung verloren haben und Selbständigkeit gewinnen, entsteht das Bedürfnis der Philosophie.“

    Stammt von wem – Macht der Vereinigung – Nietzsche? – Dalai Lama, Otto Gross, Rabindranth Tagore, Meister Propper? – Oh – ehe – Meister Popper (Popper, hehe = OSHO= Slotergijk=Jörg Andrees-Elten selig?!?) – oddr isst das Mister Minute? Minimaus und Maiklaus? – Öhh – Minimaus und Maxiklaus? – Stirnlaus – Reblaus – Onomatotheorethem-Sauss- und braussende – – – Steinlaus – – – = Loriot?

    Bleib‘ ich für den Augenblick bei Loriot und Professo‘ Grzimek, dann fehlte da wer, wo bald die Gegensätze selber anfangen zu tanzen, zu hüpfen und frühlingshaft zu springen und zu juchzn anfangen sag ich, um sich endlich in ein subjektives Vermögen zu verwandeln, nämlich das der – – – endlich, endlich: Liebe – also )es ist immerhin/ Valentin( – – – in das der Liebe sag‘ ich und damit der – damit er nur heraus wäre, – das unschierige Wort, – – der schwere Begriff – – : Der im eigentlichen, Liebes-Sinne gar gedeuteten (Hegelschen) Philosophie.

    Amen!

    unschierig ist süddeutsch für nicht handlich, nicht leicht zu handhaben, störrisch

  48. Bersarin schreibt:

    Hegels Philosophie, sie hängt in der Tat eng am Begriff der Liebe. Zumindest beim frühen Hegel. Und sowieso sollte ich einmal wieder die Differenzschrift beackern. Es lohnt sich.

  49. Dieter Kief schreibt:

    Auch Fichte (und Böhme).

    Ahh, vielleicht nicht ganz zufällig – gestern habbich einen ein wenig abgestastet – Heinrich Luden – janz doll: „Rückblicke in mein Leben“ (is online). Auch Jena. Nach Fichte, mit Goethe. Er ist so präzis bei der Erkundung der Erwartungshaltungen der Goethe-BesucherInnen all‘ – das ist nahe bei Jean Paul, was die plane Menschenkenntnis angeht. Aber sehr ökonomisch – und wenn das nicht missverständlich wäre: Sehr trocken – ich mache es explizit (seufz!) – trocken wie in „sein Pulver trocken halten/ trockener Witz“. – – –

  50. Dieter Kief schreibt:

    ach Gott, wie es unser aller unfasslicher Compagnon und Trebegänger Zufall so will, gibts bei Mohr & Siebeck d e n Bringer des Frühjahrsprogramms 2017 mit dem elektrisierenden und gleich auch noch falsch geschriebenen Titel Hegel’s Erben. Der Band handelt Hegel und das Strafrecht ab und versammelt unter anderem Gedanken von Emil Anghern, Basel (einem sehr ruhigen Geist, der sehr schön über Hegels Geschichtsphilosophie sprach, einst im Heidlberger Mai, heieieiei) – aber wo wollte ich hinaus: Heinrich Luden – nicht zu fassen – hat da ein eigenes Kapitel. Ich bin sicher, die intellektuelle Welt in allen Landeshauptstädten und Kantonskapitalen und Bezirkshauptstädten im schönen Österreich und soweiter brummt – ja vibriert schon, wegen dieses für April avisierten Frühjahrskrachers, und so mancher in den Startlöchern verharrender Rezensent/ so manche Rezensentin – sind aber zugleich doch ein wenig blass im Gesicht, denn das Trumm soll laut Ankündigung immerhin und ohne Rabatt glatt 3400 Seiten umfassen. Gemessen daran wären die 80 Euro nur eine Gebühr oder WAS/ – nun ja, es gilt: Viel Spaß, viel Spaß! – – file:///C:/Users/admin/Downloads/Hegels-Erben-.pdf – – – .
    Der Frühling kann kommen, A splendid time is guaranteed for all // – – –

  51. che2001 schreibt:

    Da muss ich dann aber doch mal aus der Antrittsrede von Loriot zitieren, die er zur Verleihung der Ehrendoktorwürde an der FU Berlin hielt: „Es ist der unerbittliche Schaffensdrang, dem wir die verwegene Würde danken. Oder, wie schon Adorno zu Thomas Mann sagte: Jaja, die Musik!“

  52. Dieter Kief schreibt:

    Professor Loriot, bitte. Loriot – einer der besten und ältesten Professoren der Welt überhaupt: Das ist richtig.
    Danke.

    PS – Loriot ist bekannt als Kenner der Entzweiung, eines Geisteszustands mithin, der auf die Selbstentfesselung der Menschen & Dinge rekurriert – – eine dem vor- wie nachheglischen Strafrecht zumal nur partiell zugewandte Welt der Reinheit und Unreinheit zugleich, deren
    Epizentrums- bzw. Rotationsachse nicht im abstrakten, sondern in der reinen Gegenwart körperlicher und komischer Zustände sich dreht und weist…rep. ad inf. / fades away… – leaves a small but quite sympathetic buzzzzz after its absolue – – disappearence; …

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