Die Tonspur zum Geburtstag: Patti Smith

Heute zum 70. Geburtstag, Idol einer Jugend, Idol meiner Jugend, noch zu Punk-Zeiten, als deren Ahnfrau sie zu recht beschrieben wird; ihre Musik immer gerne auf dem Plattenteller – „Horses“ natürlich, ebenso wie „Easter“. Das drehte sich im Kopf und immer im Kreis. Ein brachialer Sound klingt aus den scheppernden Boxen. Wildes Tanzen, Zigaretten und Drinks auf Party-Nächten und ein bißchen klägliches Fummeln. „Because the night“ war da der Bringer. Was für eine Sängerin und überhaupt diese Stimme, als ich Patti Smith zum ersten Mal hörte! – so ging es mir sonst nur mit Johnny Cash. Spricht sie singend oder singt sie sprechend? Das sowieso ist ja die Frage der Dichtung seit der Antike, wenn Texte zur Lyra vorgetragen werden. Sprache, die sich übersteigt und in den reinen Ton übergeht. Cello-Einsatz heißt ein Gedicht von Paul Celan. Oder Novalis: „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren// Sind Schlüssel aller Kreaturen// Wenn die, so singen oder küssen,// Mehr als die Tiefgelehrten wissen, …“ Und gut küssen konnte man zu dieser Musik ganz sicher. Schöne Frauen der 80er Jahre. Schwarze Lederjacke oder zerrissene Jacketts.

Schade, daß ich nicht zu Konzerten gehe – ich hätte diese Sängerin gerne live erlebt. Und wenn ich diese Lieder höre: Gleich wieder tanzen gehen! (Zumindest in den Gedanken. Aber wem nützt das Tanzen in Gedanken? Nun, vermutlich denen, die das Imaginäre nicht minder als das Reale schätzen, bedeutet das Imaginieren als Modus fürs Schreiben viel. Wie entstehen Intensitäten? Vermutlich durch beides, durch ein austariertes Verhältnis von Nähe und Ferne: Keine Ferne macht dich schwierig. Man darf nur nicht bei zu viel Nähe in der Flamme verbrennen.) Es gibt Pferde und weites, wildes Land. „All die schönen Pferde“. Wilde, brutale Gesellschaft. Americana. Auch davon singt Patti Smith. Vom ewigen Mythos des Pop. Von den USA und den Innenwelten.

Und dazu – natürlich – der Klassiker:

Eine Poetin, eine Lyrikern, eine Autorin ist Patti Smith noch dazu. Insofern sollte dann auf dem Leseplan für 2017 auch „M Train. Erinnerungen“ nicht fehlen.

Alles, alles Gute zum 70. Geburtstag, Patti Smith.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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Eine Antwort zu Die Tonspur zum Geburtstag: Patti Smith

  1. che2001 schreibt:

    Habe diesen Geburtstag auch gerade mit einer kleinen Discographie gewürdigt.

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