Nachträglich zum 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die UdSSR

Eine großartige und sehr wichtige Serie dazu gibt es in der „Berliner Zeitung“. Und zwar von Götz Aly. Insbesondere zum Verhalten dieses verlogenen Polit-Clowns Gauck. (Aly nennt ihn natürlich nicht so. Ich schon.) Lest das! 

„Gestresst saß die Kanzlerin am Spätnachmittag des 22. Juni im Bundestag. Sie schwieg zum 75. Jahrestag des Kriegs gegen die Sowjetunion. (…) Zuvor hatte Angela Merkel die Botschafter einiger ehemals sowjetischer Staaten allein zum Berliner Ehrenmal für die Gefallenen gehen lassen. Man stelle sich vor, derartiges hätte am 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen stattgefunden.

Das Last-Minute-Erinnerungsstündchen im Bundestag war den Beteiligten nicht selbst eingefallen, sondern von außen nahegebracht worden. Sie gaben sich wenig Mühe, das zu verbergen. Im mäßig besetzten Saal, lieblos auf das Allernötigste beschränkt, veranstalteten sie eine halb verhuschte, halb rechthaberische Farce.

Auf Staatsbesuch bei einstigen deutschen Kriegsverbündeten steuerte der Bundespräsident aus Bukarest eine dürre Pressemitteilung bei. Wie üblich handelte sie von den Verbrechen „Hitlers und seiner Schergen …“, doch dann wechselte der Text ins Ungewöhnliche: „… unterstützt von zahllosen Deutschen“. Wie wäre es, wenn Joachim Gauck einmal von seinen Eltern spräche? Seine Mutter war 1932 der NSDAP beigetreten, sein Vater 1934. „Von denen nimmt nie wieder jemand ein Stück Brot“ – so urteilte Gauck nicht über ehemalige Nazis, sondern über SED-Mitglieder, denen man jedenfalls eines nicht zur Last legen kann: die Mitwirkung an Vernichtungskriegen, Massen- und Völkermorden.

Selbstverständlich muss über die Verbrechen des Stalinismus gesprochen werden; wissenschaftlich beschäftige ich mich gerade damit. Die Hungerpolitik in den Jahren 1932/33 mit mehreren Millionen ukrainischen Toten, die große „Säuberung“ 1937/38 mit 750.000 erschossenen und ebenso vielen in Lager verschleppten Menschen; die Deportationen „bestrafter Völker“ – all das gehört zum extremen Teil der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts.

(…)

Weder die Bundeskanzlerin noch der Bundespräsident fanden sich zu Worten oder einer Kranzniederlegung bereit. Sie vermieden eine öffentliche Geste, mit der im Fernsehen einst sowjetischer Staaten – sei es Weißrussland, Armenien oder Russland – hätte gezeigt werden können, dass die Deutschen, vertreten von ihren Repräsentanten, zu ihrer geschichtlichen Verantwortung stehen und der Opfer dieses Krieges gedenken. Ich empfinde das als diplomatischen Fehler – vor allem aber als menschliche Rohheit.“

So ist es. Lesen! Unbedingt. Jeden Teil.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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3 Antworten zu Nachträglich zum 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die UdSSR

  1. DPNews schreibt:

    Toller Beitrag!

  2. Herwig Finkeldey schreibt:

    @DPNews „Toller Beitrag!“ schließe mich an.
    Gauck demaskierte seine einseitige Sicht nun vollends. Und an Götz Aly – falls er hier mitliest: Big thumb und Gruß unbekannterweise!
    Krieg ist nie „normal“, aber schon Shakespears King Lear wußte, dass es selbst in der „Niedertracht Unterschiede“ gibt. Der Krieg gegen die Sowjetunion war wahrlich das Allerletzte! Und wahrscheinlich eine der letzten Stufen zur absoluten Enthemmung, die aus dem noch „ungeordnet“ verlaufenden Judenmord im Osten ein „ordentliches“ Jahrtausenverbrechen werden ließ.

  3. Bersarin schreibt:

    In der Tat an Niedertracht nicht zu überbieten. Jeder Krieg ist schlimm und grausam. Dieser Überfall jedoch wurde mit einer ideologischen Härte und ohne Erbarmen geführt. Es ging nicht, wie in Frankreich, um einen schnellen Sieg, sondern mit Faust gesprochen: Auf Vernichtung läuft’s hinaus. Angefangen bei der Blockade Leningrads.

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