Tage wie diese, wie die der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt

Die Namen der Bachmannlesepreiskandidaten setzen Feuilleton und Facebook geradezu in helle Aufregung. Sich überschlagende Debatten angesichts der Namen. Na ja, „Still ruht der See“ kann im Kulturbetrieb, der sich ständig selbst übertönt und überholt, ganz gut sein. Ich werde mir im Juli auf alle Fälle Stefanie Sargnagel im TV ansehen, weil das verspricht lustig zu werden. Am Ende ist der Performance-Charakter im Warenbetrieb, wo Literatur als Konsumgut gehandelt wird, im Rahmen kultureller Darbietungen ehrlicher und amüsanter als vom Lese- und Kritiker-Ehrgeiz getragene Vorleser- und Kritiker-Gesichter. I gfrei mi auf Stefanie Sargnagel und vor allem auf das, was sie vorliest. Die einzige Art, dem Betrieb zu begegnen, ist, ihn in der Weise angemessen ernst zu nehmen, wie er es verdient. Bereits ihr Videoportrait, in dem sie sich vorstellt, hat mir Freude gemacht.

 „Mein Name ist Stefanie Sargnagel. Meine Mutter fand mich 1986 in der Hofer-Filiale Bergsteiggasse zwischen den Aufbackbroten. Sie nahm mich mit nach Hause und zog mich mit viel Liebe auf.“

Für ihr untengenanntes Vorhaben werden ich und mein Arbeitsbüro Schwert und Schild Frau Sargnagel die entsprechenden Dossiers zukommen lassen.

Denn ich habe im Laufe meines Lebens umfangreiche Dossiers von vielen Schriftstellern angelegt – auch über die Auslandsösterreicher, die in Klagenfurt lesen.

Schreibt sich dieser Ort eigentlich mit oder ohne th? Ich vergesse es immer wieder. Dabei reiste ich als Kind oft nach Kärnten. Oder war es Tirol? Die Ostmark. Irgendwo nach Süden hin, nach Venedig war es nicht weit. Und nach Laibach, wo ich das schlimmmste Hot-Dog meines Lebens aß. Von da ab wollte ich einen Sozialismus, wo sich Marx und Oscar Wilde gleichermaßen begegnen konnten: Mehr Gebrauchswert für den Tauschwert, mußte die Devise sein. Parole: Geben Sie Luxus, auf das Notwendigste kann ich verzichten. Ich bin gespannt.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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3 Antworten zu Tage wie diese, wie die der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt

  1. Herwig Finkeldey schreibt:

    Ist sie nun eingesargt oder sprengt sie den Sarg mit Hilfe eines Nagels? ich würde ihr raten, nicht zu mobben, sondern wie Destructivus in „Streit um Asterix“ die Anderen gegenseitig aufzuhetzen.

  2. kulturgeschwaetz schreibt:

    Bin auch Team Sargnagel.

  3. Bersarin schreibt:

    Aufhetzen und Ausspielen ist allerdings noch besser, und dabei dann noch die Kritiker mit einzubeziehen. Aber vielleicht schreibt sie auch einfach nur einen sehr guten Text. Witz, Humor und Literatur schließen sich nicht aus, wie Monika Rinck in ihrem feinen und klugen Essayband „Risiko und Idiotie“ uns zeigt. Und wie Gernhardt, Henscheid, Queneau und Flann O’Brien bewiesen.

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