Peter Wawerzinek über den Stadtschreiberposten in Dresden

Selten wird bei AISTHESIS verlinkt. An dieser Stelle mache ich es mal, und zwar auf Peter Wawerzineks Aufruf. Den Hinweis darauf entnehme ich dem guten Perlentaucher, Pflichtlektüre am Morgen wie das Zähneputzen, der erste Kaffee und abends die Gläser Riesling.

Ein großer wie auch guter Text, poetisch und am Puls der Zeit, denn sich wegzuducken und in den Proklamationen zu verlieren „Keine Nazis“ usw. – das reicht mitnichten aus. Die Spaziergänger von Pegida lassen sich durch solche Rufe kaum vertreiben, sondern fühlen sich vielmehr in ihrer Sicht bestätigt. Gegenseitig sich verstärkende Blasenwelten. Ganz zu lesen gibt es diesen Beitrag  Wawerzinek hier. Wawerzinek trifft eine mutige wie richtige Entscheidung. Denn Dresden ist eine schöne und interessante Stadt, wie überhaupt Sachsen ein spannendes Bundesland ist. Trotz Rechtsdrall. Überhaupt wieder – als Fortgereister, als Schriftsteller und damit auch als Beobachter und Protokollant dessen, was der Fall ist – den Glanz wie auch das Trübe einer Stadt zu entdecken. Wawerzinek schreibt:

„Ich werde ein halbes Jahr Stadtschreiber in Dresden sein. Das habe ich so gewollt, die Herausforderung eingefordert, und nun will mich endlich zu allem und der Pegida äußern. Ich wurde genommen, weil sich in diesem Jahr deutlich weniger Autoren um das Amt bewarben. Waren es ein Jahr zuvor noch knapp hundert, so ist die Zahl auf den kläglichen Rest von dreiunddreißig Bewerbern geschrumpft. Da frage ich mich, was los ist mit unseren Schriftstellern? Wie kann binnen eines Jahres das Interesse für das Dresdner Amt um volle zwei Drittel sinken? Was hat über sechzig Autoren zum Rückzieher bewegt? Welche Angst, welcher Kleinmut macht sich da unter meinen Kollegen breit? Und welcher von den Autoren, die von ihren sicheren Schreibtischen aus ständig irgendwelche Unterschriftenaktionen anzetteln, Protestpapiere entwerfen, Aufrufe zum Schutz des Federhalter und Radiergummis injizieren, kommt einfach mit mir nach Dresden?“

Ja, eine gute Frage – in der Tat. Die meisten werden zu Hause am Schreibtisch bleiben und über dies und das, über die Welt und zu wenig Geld jammern, klagen, Zähne knirschen.

 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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2 Antworten zu Peter Wawerzinek über den Stadtschreiberposten in Dresden

  1. Jan Kuhlbrodt schreibt:

    NAJA; VIELLEICHT wollen sie vermeiden, wie preckwitz während ihres aufenthaltes ins pegidalager zu kippen.

  2. Bersarin schreibt:

    Der Preckwitz – einfach nur zum Verzweifeln. Nicht weil er konservativ ist (das bin ich in meiner Weise auch ), aber weil er einer Bande von Demagogen, Blendern vor allem aber: weil er Dummköpfen nachläuft. Solcher Konservatismus beleidigt mein Denken. Aber wer völkisch sich positionieren will, dem ist jedes Mittel recht. Bin dem Preckwitz mal Mitte der 90er in HH übern Weg gelaufen, zusammen mit einem Freund, der eine Literaturzeitschrift ins Leben rief. Egal wie, aber eine gestandene Schriftstellerin, ein gestandener Schriftsteller oder Essayist, der muß das aushalten können. Mit Nietzsche: Pathos der Distanz aufrechterhalten! Na ja gut, wer im Grandhotel Abgrund sitzt und gleich seinen Riesling schlürft, hat da gut reden.

    Hinfahren aber sollte man. Gerade als Schriftsteller. Ich nähme die Stelle sofort, bäte man mich, ginge zu Pegida, schriebe, photographierte, beobachtete. Für jemanden, der neugierig ist – und das sollten Autoren sein – eigentlich ein gefundenes Fressen.

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