Heiligabend für den snobistischen Gott

Ich habe irgendwann in meiner langen, beschwerlichen Bloggerzeit diese feine und wie ich finde lustige Geschichte schon einmal gebracht. Weil in Blogs gute wie schlechte Artikel unterschiedslos im kalten Nichts versinken, halte ich es für sinnvoll, die Perlen und Schätze von Zeit zu Zeit einmal wieder hervorzukramen. Heute also dieser Text. Er stammt von dem leider viel zu früh verstorbenen Maler, Zeichner, Dichter, Schriftsteller Robert Gernhardt aus dem Band: Die Blusen des Böhmen. Vorhang auf, wenn es schon nicht die fröhliche Muppets-Weihnachtsgeschichte gibt und auch nicht das brutalehrliche Gernhardtsche Weihnachtsmärchen, dann doch dieses hier. Wiederholen, wiederholen, wiederholen:

„Es begab sich einmal, als der liebe Gott wieder über die Erde wandelte, daß es dunkel wurde und er am Hause des reichen Mannes anklopfte und um ein Nachtlager bat.

Doch der reiche Mann erkannte nicht, wer da vor ihm stand, und so antwortete er: ‚Tritt ein, unbekannter Fremder, das ist wohlgetan, daß du bei mir anklopfst. Gleich werde ich dir das schönste Bett im ganzen Hause herrichten lassen, darf ich dich in der Zwischenzeit mit feinem Backwerk und köstlichen Weinen bewirten?‘

Da gab sich der liebe Gott zu erkennen und sprach erfreut: ‚Dein Angebot ist sehr freundlich, reicher Mann. Die letzten Male, da ich über die Erde wandelte, mußte ich nämlich immer beim armen Mann absteigen. Und da hat es mir, ehrlich gesagt, gar nicht gefallen, bei dem war alles – unter uns gesagt – doch schrecklich ärmlich.‘

Nach diesen Worten aber schmausten und tranken die beiden nach Herzenslust, und es wurde noch ein richtig netter Abend.“

So wünscht auch der Betreiber dieses Blogs ein nettes, fettes, frohes Fest.

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Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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8 Antworten zu Heiligabend für den snobistischen Gott

  1. almathun schreibt:

    Ganz brutal ehrlich wünsche ich dir jetzt drei richtig nette, meinetwegen auch fette, Feiertage.

  2. Uwe schreibt:

    Auch bei den Fotos hast Du großartige „Perlen“ ausgesucht und wiederbelebt:
    Japanischer Minimalismus und amerikanische New Color Photography, kombiniert mit einem Hauch Sozialreportage.
    Vor allem das letzte Foto hat es mir mit seiner impliziten Hommage an den großen Saul Leiter angetan: Man bemerke, neben dem diffusen Ungefähr der ganzen Szenerie, nur die überdimensionale, tierartige Schattenform in der unteren Mitte, in der drei stechend helle „Augen“ leuchten -, was für eine Aberation mitten im Alltäglichen. Solche Verfremdungen des vermeintlich Vertrauten setzen den Assoziationsmechanismus in Gang.
    Was las ich kürzlich bei Durs Grünbein: „Kein Bild, das nicht seine optischen Täuschungen mitbrachte.“ (Die Jahre im Zoo, S. 9)

    Ein helles Fest wünsche ich Dir und den Deinen,
    uWe.

  3. ohneeinander schreibt:

    Ich wünsche dir ein frohes Fest.

  4. Bersarin schreibt:

    @Almathun: Dir ebenfalls ein brutal gutes, ruhiges Fest.

    @Uwe: Ja, Weihnachten auf Photographien, mit Schnee. Diesen Saul-Leitner-Bilder schätze ich sehr. Scheiben, die beschlagen sind, durchsichtige Plastikplanen, die jedoch nicht vollständig Transparenz besitzen, sondern verschliert wirken, oder Milchglasscheiben, hinter denen sich Menschen oder Objekte in Andeutung bloß abzeichnen, gleichsam nur eine Farbform, reizen mich vom Blick her, weil diese Trennmedien die Dinge oder die Menschen unschärfer machen – Gestalten geraten schemenhaft oder auf den Wassertropfen bricht sich das Licht, überstrahlt die Formen, und so entsteht ein anderes, fast schon ein abstraktes Bild.

    Dir und den Deinen ebenfalls ein frohes und feines Weihnachtsfest.

  5. Bersarin schreibt:

    Auch Dir ein frohes und besinnliches Fest, Ohneeinander. Mit all den Genüssen, die dazugehören.

  6. Dieter Kief schreibt:

    Ja – und für’s neue Jahr emt: „Fleisch und Geflügel“.
    Hängen geblieben bin ich diesmal am ersten Foto vom HH Hafen. Auch sehr schön!

  7. Bersarin schreibt:

    Der Hafen, von St. Pauli oder Altona aus betrachtet, sieht am schönsten im Winter aus, wenn Rauch und Dampf aufsteigen und das Licht schattenlos, Ton in Ton.

  8. Dieter Kief schreibt:

    Ja, schön grau in blau in braun usw. – Ton in Ton – und schön duster! – Wasserfarben oben, Wasserfarben unten, Häuserfarben davon angehaucht.
    Die „Ülker Türkel“- Fotografie mit ihrem herzwärmenden Fleisch u n d Geflügel (muss schon wieder lachen!) empfehle ich hier privat so rum, kamen auch schon Lacher zurück. – Und heut morgen fiel mir dann noch auf, dass das Foto einen little-mag-Subtext (bzw. Hyper-Text – hö!) hat: Weil : Türkel ÜLKER // ULCUS molle – – und erst jetzt, wo ich das ausbuchtabiert hab‘ merk ich zum überhaupt ersten Mal – nach Jahrzehnten! – dass im Bottropper ulcus molle – nicht allein der Kranke, sondern auch der ULK mit umging: Wie ja ebenfalls im ÜLKER – und schon wieder grins ich wiewohl vergrippt, doch auch vergnügt – – – empfehle die mail vor Gebrauch zu desinfizieren –

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