Die Tonspur zum Sonntag und ein Blick auf On Kawara

Auch ein wenig für Frankreich, eine nette Reminiszenz an Plastic Bertrand, von einer der besten Bands, die sich leider 2011 ehetrennten, und für alle Freunde schneller Musik sowie des schnellen, Begrenzungen von Geschwindigkeit überschreitenden Autofahrens. Seien wir ehrlich: Geschwindigkeitsschilder sind Kann-Bestimmungen, kein Muß: „Rund und rot – ein Gebot: Fahre 130! Oder mehr!“

Vielleicht wäre dies sogar ein schönes Kunstprojekt – im Geiste On Kawaras: Raum ist durchschrittene Zeit plus überschrittenes Tempo: weiße quadratische Kartons, die an einer Galeriewand hängen, Format ca. 20 x 20 cm, in einer serifenlosen Beschriftung mit den Autobahn- oder Ortsnamen versehen oder wenn kein Ort in der Nähe war, dann steht auf dem Karton der Autobahnkilometer sowie die Nummer der Trasse: A 7, A 9, A 4, Heidelberg, Frankfurt, Hamburg, Leipzig. Im Karton befinden sich die Photographien des Blogbetreibers Bersarin, die ihn hinter dem Steuer zeigen, als er von einem Überwachungsgerät geortet und aufgenommen wurde. Dazu in jede Box eingelegt jene Geldsumme, die es mich kostete, sowie der zugestellte Strafbefehl. Wer das Kunstwerk dann ersteht, kauft zugleich Geld mit. Das aber unsichtbar bleibt. Man könnte ebenso, um die Referentialität und das Subjekt der Kunst, des Raumes, des Tempos und der Zeit sichtbar zu machen, über der weißen Box die Photographie an die Wand pinnen, statt das Bild in der Box zu belassen. (Was sicher auch etwas für sich hätte.) Die Körnigkeit und die Unschärfe der Photographie sowie die dort angezeigten Daten geben dem Portrait eine besondere Aura. Entweder gerahmt oder hinter Glas oder einfach mit einer Cutterklinge oder einer Nadel an die weiße Wand geheftet. „Speed Dating“ würde ich dieses serielle Werk nennen. Wer kauft?

„Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementarform. (…) Die Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache. Es handelt sich hier auch nicht darum, wie die Sache das menschliche Bedürfnis befriedigt, ob unmittelbar als Lebensmittel, d.h. als Gegenstand des Genusses, oder auf einem Umweg, als Produktionsmittel.“
(Karl Marx, Das Kapital)

Im Zusammenhang mit der Kunst werde ich in nächster Zeit sicherlich vermehrt auf diesen Satz zurückkommen.

Nun aber zum musikalischen Teil und zum Autofahren.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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