Nach Paris

Nicht viel, was mir an diesem Morgen einfällt. Schon gar nichts zu schreiben. Allerdings bin ich kein Freund von Betroffenheitsgerede, das in Phrasen drischt, „Fühlt Euch umarmt, Pariser!“, oder irgend etwas in dieser Art. Und ein dummes Matthias Matussek-Süppchen zu kochen, ist nur erbärmlich. Genauso wie die abwiegelnden Stimmen der Komplexität nicht gerecht werden. All die Analysen, was zu tun oder was nicht zu tun ist, werden noch früh genug erfolgen. Nein, ich denke nicht, daß dies nur ein Anschlag auf unser Lebensgefühl war. (Auch, aber nicht nur. Mit ihm geht die Angstkommunikation einher: die Botschaft ist klar gesetzt: Wir sind überall und wir können dies überall! Aber ich wollte nichts schreiben und analysieren. Schweigen vielmehr.)

Ich selber fühlte und fühle mich aus verschiedenen Gründen der Stadt Paris verbunden. Einst war sie eine meiner Städte. Das ist heute anders, vieles von ihrem Reiz aus den 80er Jahren ging verloren, ihr Charme ist von der Struktur der Viertel her an vielen Stellen dahin. Aber ich denke heute an Paris und bin mit meinen Sinnen und meinem inneren Auge dort.

Eigentlich wollte ich heute auf AISTHESIS eine irgendwie lustige Geschichte aus meinem Musik- und Liebesleben zum besten geben, die mit dem 70. Geburtstag und insbesondere der Musik des von mir geschätzten Neil Young zusammenhängt. Diese Erzählung wäre sicherlich amüsant gewesen. Aber an diesem Tag paßt es nicht. Ich fahre photographieren, um nicht im Internet und in den sozialen Medien lesen zu müssen. Ablenkungskommunikation.

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Die Photographie wurde von mir im September 1985 aufgenommen. Auf Ilford FP4. (Das ist ein analoger Schwarz/Weiß-Film)

 

 

5 Gedanken zu „Nach Paris

  1. Pingback: Paris im Herbst | Kritik und Kunst

  2. Vor allem ist diese schlimme Tat ganz einfach zu komplex und in ihren Ursachen und Auswirkungen zu vielschichtig, um in einfachen Deutungsmustern oder in simplen kausalen Erklärungen zu verfahren. Na ja, altes Muster: Eulennacht und Minverva.

  3. Das ist leider richtig, wird aber für die meisten – in diesem Falle Politiker und Journalisten, die gerne Kriege herbeischreiben, ohne aus ihrem Furzsessel sich erheben zu müssen – nicht Anlaß sein, die Lage in diesen Ländern zu verbessern oder zumindest konstruktive Vorschläge zu unterbreiten, die nicht bloß NATO-Schreibe und NATO-Denke sind. Wobei beide Länder derart destabilisiert sind, daß ich hier keinerlei Hoffnung mehr sehe. In Afghanistan wäre die einzige funktionierende Regierung vermutlich ein Talibanregime, das sich mit den verschiedenen Stämmen ins Benehmen setzt oder die Korruption auf die ihre eigene Weise in die Hand nimmt. Im Irak wäre die Staatsteilung die einzig sinnvolle Option.

    Für sozialistische, linke Regierungen sehe ich im Augenblick keinen Spielraum – zumindest dann nicht, wenn ich die Machtfrage stelle und mir die Optionen betrachte, den eigenen politischen Willen einer Mehrzahl zu eigen zu machen. Selbst eine Durchsetzung mit Zwang – was ich in diesem Falle für legitim halte – dürfte scheitern oder ist mit derart viel Blut erkauft, daß es sich von einem ernsthaft gemeinten sozialistischen Ansatz kaum mehr sprechen läßt.

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