Pour Gilles Deleuze – Postskriptum

„Mit Danone kriegen wir sie alle“
(Werbeslogan der 80er Jahre)

Gestern stand in einem Interview der Zeitschrift „Télérama“, das mit dem französischen Herausgeber der Texte von  Gilles Deleuze, David Lapoujade, geführt wurde:

„Natürlich hat sich der Kapitalismus seit zwanzig dreißig Jahren entwickelt, aber ihre [Deleuzes und Felix Guattaris] Reflexion über ‚Kontrollgesellschaften‘ ist aktueller denn je – als hätten sie die Umrisse des heutigen Kapitalismus bereits definiert. Sie haben gesehen, dass wir in eine Gesellschaft eingetreten sind, in der die Indivduen weniger einer permanenten Disziplinierung unterworfen sind. Kontrolliert werden sie eher über das Mittel von Informationen, die sie selber aussenden.“ (Quelle: Perlentaucher)

gilles_deleuze_2_h-672x372Gilles Deleuze, der sich vor 20 Jahren das Leben nahm, indem er am 4. November aus dem Fenster sprang (was heißt überhaupt: sich das Leben zu nehmen? Ist dies nicht eigentlich ein erobernder Akt? Sich das zu holen, was jedem Menschen zusteht: das Leben. Hier aber und in unserem Kontext der Sprache meint es genau das Gegenteil – auch dies ist bezeichnend und nicht ohne Bedeutung), schrieb in dem bis heute hin lesenswerten und nach wie vor aktuellen Aufsatz „Postskriptum über die Kontrollgesellschaft“:

„Die idiotischsten Spiele im Fernsehen sind nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sie die Unternehmenssituation adäquat zum Ausdruck bringen.

(…)

In den Disziplinargesellschaften hörte man nie auf anzufangen (von der Schule in die Kaserne, von der Kaserne in die Fabrik), während man in den Kontrollgesellschaften nie mit irgend etwas fertig wird: Unternehmen, Weiterbildung Dienstleistung sind metastabile und koexistierende Zustände ein und derselben Modulation, die einem universellen Verzerrer gleicht.

(…)

Zum Zentrum oder zur ‚Seele“ des Unternehmens ist die Dienstleistung des Verkaufs geworden. Man bringt uns bei, daß die Unternehmen eine Seele haben, was wirklich die größte Schreckensmeldung der Welt ist. Marketing heißt jetzt das Instrument der sozialen Kontrolle und formt die schamlose Rasse unserer Herren. Die Kontrolle ist kurzfristig und auf schnellen Umsatz gerichtet, aber auch kontinuierlich und unbegrenzt, während die Disziplin von langer Dauer, unendlich und diskontinuierlich war. Der Mensch ist nicht mehr der eingeschlossene, sondern der verschuldete Mensch.“

Zwang wird schon lange nicht mehr von außen, von einer anonymen oder auch sichtbaren Macht ausgeübt, schon gar nicht von personifizierten Gestalten oder dem zweifachen Körper eines Königs, sondern, ganz im Sinne von Foucaults Konzept einer Biomacht internalisieren wir die Kontrollmechanismen, die sich damit zu einer Disziplinarmacht samt Selbstoptimierung transformiert. Vom Veganer, über den sinnlosen Gesundheitsfetischismus, die Überbehütetheit von Kindern und einem absurden Vernetzungwahn bis hin zum internalisierten Zwang, den wir nicht umhinkommen, uns anzutun, wenn wir noch irgendwie dabeisein und Arbeit haben wollen. Das Unternehmen ist der Ort schlechthin geworden. [Und wie hieß es schon in Fechners/Kempowskis „Tadellöser & Wolff“: „Die Firma, die Firma, die Firma!“]

Tja – die immer gleiche Klage, die immer selben Sätze, die Wiederkehr des Immergleichen im Theorem. T(h)eorema oder die Geometrie der Warenbeziehungen. Wie es so ist, wenn die immer selbe Scheiße unter dem identitären Bann die immerselbe Scheiße bleibt. So wie sie ist und der Betrieb von uns allen es verlangt, den wir mit unserem Wirken, unserem Tun und Texten, dem Schreiben am Dampfen halten. Aber nein, es dampft nichts mehr: wir sind inzwischen im digitalen Zeitalter. Schauen wir mal, wann Sascha Lobo das postdigitale ausruft. Nein keine Klage: Anklage!

Auch die Differenzspiele taugen allenfalls in ihrer Glasperlenform. Kunst etwa, die einmal als widerständig sich konzipierte, ist Teil des Betriebes. Selbst dort, wo sie als hermetisch sich erweist, ist ihre Kritik, ihre Opposition, ihr kalter Blick auf die Struktur häufig bereits vom System integriert und eingekauft, wenn nicht einkalkuliert. Kein Ort – nirgends. Allenfalls die Fluchtorte der Ästhetik oder in den winzigen Lücken und Falten bleiben Reste. Im stillen Winkel, weit ab von den Großstädten, den Theatern, den Museen. Vielleicht doch die Uckermark? Nur bitte ohne dieses dumm Deutschtümelnde.

La vie/la vide

Salute Gille Deleuze!

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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7 Antworten zu Pour Gilles Deleuze – Postskriptum

  1. Amike schreibt:

    Mal eine aufrichtig als solche gemeinte Frage: was ist an Veganern eigentlich derart provozierend?

    Ich verstehe, dass „Seit ich Veganer bin, bin ich viel schöner, gesünder, leistungsfähiger und ausserdem riecht meine Kacke nach Blumenwiese“-Veganer widerliche Selbstoptimierungshansel sind, aber solche gibt es auch unter denen, die sich von fettarmem Joghurt und Putenbrust ernähren. Solche Typen kann keiner leiden, schon klar, übrigens auch nicht die restlichen Veganer.

    Lese ich bei solchen, deren Texte ich grundsätzlich schätze, von Veganern, riecht das immer nach Faschismus, fast warte ich schon auf das obligatorische „Und ausserdem war Hitler ja auch Vegetarier!“ Dagegen klingt eigentlich nie das „Und ausserdem war Kafka ja auch Vegetarier!“ an. Natürlich sind beide Bezüge in einer Debatte um Vegetarismus so vollkommen ohne Kontext ziemlicher Schwachsinn (mal abgesehen vom zweifelhaften faktischen Wahrheitsgehalt solcher Behauptungen).

    Aber Kafkas Weigerung Fleisch zu essen, kann man durchaus aufgreifen; ich komme darauf, weil die hier zitierten Deleuze und Guattari eben dies tun in „Für eine kleine Literatur“, ein Buch, was ich zufälligerweise gerade lese. Natürlich sind die Bezüge dort viel weitreichender und ausgreifender als solche, die sich aus einer Tierrechtler- bzw. Tierschützerperspektive entwickeln lassen. Kafkas Tierwerdung und Nahrungsverweigerung (auch über das Fleisch hinaus) rein aus einer solchen verstehen zu wollen ist ebenso beschränkt wie der alleinige Fokus auf die Beziehung zum Vater. Mindestens ebenso interessant ist der Gedanke, der mit dem zuletzt hier veröffentlichten Text zum kannibalisierenden Lesen korrespondiert: die Disjunktion zwischen Essen und Schreiben, die Verwandlung der Worte zu etwas, was mit der Nahrung rivalisiert.

    Dennoch ist der Gedanke interessant: Stell dir vor, du fändest dich (eines Morgens aus unruhigen Träumen erwacht) in einem Käfig zu einem Nutztier verwandelt. Die Metamorphose zum Mastschwein schriebe sich unaufhaltsam fort als eine weitere zur Bärchenwurst. Nicht nur Augen auf bei der Berufswahl, sondern auch bei der des Totemtiers.

    Der Aspekt der Regression einer solchen Verwandlung wäre auch zu betrachten: von der Welt der Selbstoptimierung und -kontrolle zurück in den heimeligen, vertrauten Schoss der Disziplinierung. Eingesperrt, verstümmelt, rasiert, kastriert, besamt, gemästet und letztlich – verwurstet (empfohlen hierzu auch der grossartige Ole Thestrup ).

    Ich schweife ab und aus, hauptsächlich um zu signalisieren, dass ich nicht an einer „immer selbe Scheiße unter dem identitären Bann“-Diskussion interessiert bin, sondern mich die Antwort dessen interessiert, der die hier veröffentlichten Texte schreibt, die ich durchaus gelesen habe, wenn auch evtl. nicht immer in all ihren Bezügen erfasst (gib mir noch ein paar Jahrzehnte zum Lesen, dann wird es vielleicht noch was). Die Frage also bleibt: was ist es, das so provoziert am Veganer?

  2. Bersarin schreibt:

    Mich provoziert am Veganer gar nichts, wenn er einfach still sich verhält, Gemüse, Nüsse und Tofu ißt, andere nicht missioniert oder ihnen ihren Fleischkonsum vorhält und ob seines Eßverhalten kein dummes Geschwätz abseiert. Leider machen das viel Veganer nicht, sondern sie tragen mit Verve ihr Veganertum als Monstranz moralischer Feistigkeit vor sich her.

    Die Menschen wären, so denke ich, auch bei veganer Ernährung nicht ein Stück besser. Im Gegenteil, es entstünde vermutlich bei den eigentlich carnivor Veranlagten ein höherer Aggressionsdruck: Man sieht es bei Hitler. Und bei Kafka ging es mit den Frauen gründlich schief. (Das war jetzt ein Scherz!)

    Einem vegan sich ernährenden Menschen, der mir die Masttierhaltung auf meine Mettwurststulle schmiert, nenne ich die Palmenplantagen in Indonesien, Thailand, Kambodscha und anderen Ländern, wofür Kleinbauern enteignet, gefoltert, verfolgt werden, damit dort großflächig Palmöl produziert werden kann. Es hat vieles auf dieser Welt, gerade beim Aspekt der Nahrung, sehr viele Seiten.

    Man kann über Tierrechte lange streiten. Wir sollten wenig Fleisch essen, am besten Neuland oder ähnliches. Was sich freilich nicht jeder leisten kann. Wer es nicht essen will, muß es nicht. Aber es sind Tier keine Menschen, auch wenn mich der Hund oder die Katze morgens mit treudoof menschlichem Ausdruck anglotzen mögen. Richtig ist aber auch, daß wir anhand der Weise, wie wir Tiere behandeln, sehen können, wie es um den Menschen bestellt ist. Die Frage ist also: wie und in welcher Weise essen wir Tiere, wie halten wir sie, wie töten wir sie? Ich bin der Meinung, daß es am besten ist, wenn man, in ländlichen Regionen lebend, sieht, wie das liebe Vieh aufwächst und man bei der Schlachtung dabei ist. Die Massen an Wurstwaren in den Supermärkten sind widerlich.

    Der Tieraspekt bei Kafka, den Deleuze/Guattari in ihrem Kafka-Buch für eine kleine Literatur aufgreifen, hängt meines Wissens nicht mit dem Vegetarismus zusammen, sondern ist in der Sicht der beiden Autoren fluchttechnisch und im Sinne einer Deterritorialisierung gemeint. Damit zusammenhängend bedeutet dies, aus der ödipalen Struktur auszubrechen.

    Solange ich aus meinen Träumen nicht als asiatischer Reisbauer oder als Wanderarbeiter aufwache, bin ich jeden Morgen froh und glücklich, bis dann in Gestalt von SpOn und anderen Medien die Realität wieder einbricht.

  3. Amike schreibt:

    Dass Deleuze und Guattari nicht auf ein Plädoyer für Vegetarismus hinauswollen, ist mir klar. Steht ja auch nicht in meinem Kommentar.

    Was mich wundert ist die Bereitschaft bei diesem Thema auf einem Niveau zu argumentieren, das man andernorts einem anderen vollkommen zu Recht um die Ohren hauen würde.

    Auf die ländliche Idylle des Biohofs zu verweisen, wo die Realität zu >95% anders aussieht, halte ich schon für arg euphemistisch. In etwa so wie auf die Landkommune zu verweisen, wo es noch/wieder das richtige Leben im falschen gäbe. Der Normalfall ist die Massentierhaltung. Und von vermindertem Fleischkonsum zu fabulieren, wenn ein fleischfreier Tag in der Woche den Untergang des Abendlandes einzuläuten droht, ist auch ziemlich schwach.

    Was das Palmöl mit Vegetarismus zu tun haben soll, wird mir auch nicht klar. Klar, Palmöl ist scheisse, Kaffee ist scheisse, Soja ist scheisse, das meiste andere vermutlich auch. Als Fleischersatz verwendet man davon eigentlich nur Soja, wobei die Sojabohnen für den menschlichen Verzehr einen Bruchteil des Sojaanbaus ausmachen, welcher meist aus zertifiziertem Anbau in Europa stammt, der Rest ist – na, we errät es? – Tierfutter. Palmöl findet sich in manchen veganen Produkten, ebenso wie in nicht-veganen oder nicht als vegan vermarkteten, hat also nicht wirklich mit der Entscheidung Tierprodukte zu verzehren zu tun. Innerhalb der veganen Szene gibt es übrigens viele, die auf Palmöl verzichten, aus genannten Gründen. Wenn wir allerdings auf dem Niveau argumentieren, dann hat am Ende der gewonnen, der sich von Fallobst aus der Region ernährt (und das vermutlich nicht lange).

    Ich stellte die Frage ja nicht ohne Grund. Die recht gereizte Antwort widerspricht der Aussage Veganer seien nicht provozierend, so lange sie nicht missionierten, ja schon deutlich. Ich habe hier weder auf deinen persönlichen Konsum abgezielt, noch andere Versuche gestartet, das Thema zu einer privatmoralischen Verantaltung zu machen. Ich habe dagegen Bezug auf deinen aktuellen Text und andere genommen und dich (ohne dabei werten oder runtermachen zu wollen) schlicht etwas gefragt.

    Schade, dass zu dem Thema offenbar auch hier nur auf einem Niveau diskutiert wird, das auch einem Sascha Lobo alle Ehre machen würde. Die genannten Argumente habe ich alle auch schon anderswo gelesen und nicht sonderlich überzeugend gefunden. Fragen, die das Thema nicht nur am Rande berühren, habe ich mir sogar gänzlich verkniffen. Warum es z.B. gerechtfertigt ist Tiere zu essen, aber nicht Menschen zu essen, ist so eine Frage. Der „treudoofe“ Blick ist keine sonderlich gute Begründung.

    Deinen Einschub zu den Einsichten, die sich aus dem menschlichen Umgang mit Tieren ergeben (können), habe ich zur Kenntnis genommen, allerdings schwebt deine Schlussfolgerung recht anämisch auf der Wolke der guten Hoffnungen neben dem Weltfrieden der Schlagersängerin und den gerechten Löhnen des Gewerkschafters.

    Die missionierenden Veganer sind schon ein dankbares Klischee, auf das man eindreschen kann. Seit Teenagerzeiten ist es mir nicht mehr eingefallen, mit Leuten über ihren persönlichen Konsum von Tierprodukten zu sprechen. Dagegen ist in über zehn Jahren Vegetarismus kaum eine Woche vergangen, in der ich nicht darüber belehrt wurde wie ungesund, unnatürlich, ja geradezu abartig meine Ernährungsgewohnheiten seien und wie schlimm die missionierenden Veganer sich benähmen. Wäre es nicht so ermüdend würde ich es beinahe lustig finden. Bei den meisten anderen Leuten gehe ich einfach davon aus, dass sie blöd sind, was sich dann oft auch anderweitig bestätigt. Bei Leuten, die ich für klüger als mich selbst halte, frage ich halt nach, in der Hoffnung, mal eine erhellende Antwort zu bekommen.

    Den Scherz fand ich übrigens tatsächlich lustig, sieht man mal was für einen unterirdischen Sinn für Humor die Veganer so haben.

  4. Bersarin schreibt:

    Ja, nur habe ich auch Deine Argumente alle schon woanders gelesen. Insofern und in dieser von Dir verwendeten Logik ist das, was Du anbringst, dann ebenfalls kein Argument.

    Nein, es steht nicht in Deinem Kommentar, daß Deleuze/Guattari für vegane Ernährung plädierten. Da Du aber zu ca. 80 % über dieses Thema schreibst, scheint mir der Hinweis nicht unangebracht, daß Veganertum und Vegetarismus dort eben nicht Thema ist, damit für die, die unkundig sind, kein falscher Eindruck entsteht.

    Es können Veganer sich soviel vegan ernähren wie sie wollen. Was mich am Moralmonstranzveganer stört, schrieb ich bereits. Missionarische Veganer sind leider kein dankbares Klischee, sondern sie bestätigen dieses Klischee beständig und aufs neue.

    Ich verweise nicht auf die ländliche Idylle eine Biobauernhofes, sondern ich beschrieb, auf welche Weise wir Fleisch konsumieren sollten. Lies bitte meine Ausführungen vollständig und nicht selektiv!

    Fleisch ist zudem ein Genußmittel, für das ich in der Tat bereit bin, den Preis zu zahlen, daß Tiere geschlachtet werden. Der Aspekt der Tierhaltung ist etwas anderes und muß debattiert werden. Es ist bei einem deutlich verringerten Fleischkonsum und einem höheren Preis für Fleisch durchaus möglich, auf Massentierhaltung weitgehend zu verzichten. Und dort, wo dies erforderlich ist, läßt sich auch diese tierwürdig gestalten.

    Für die vegane Lebensweise spielt Palmöl eine wichtige Rolle. Daß es ebenso Veganer gibt, die darüber nachdenken, auf Palmöl zu verzichten, steht auf einem anderen Blatt.

    Ansonsten verweise ich auf den schönen Text der klugen und kompakten Text von Elisabeth Raether:

    http://www.zeit.de/zeit-magazin/essen-trinken/2014-07/fleisch-argumente-vegetarier-veganer

    Du siehst also: Ganz so einfach ist es nicht.

    Ich gehöre übrigens zu denen, die strikt dafür sind, Tiere nicht als Menschen zu behandeln. Das bedeutet für mich auch: sie zu essen, sie für medizinische Versuche einzusetzen, wo es geboten ist, sie als Nutztiere zu verwenden. Wenn alles Leben auf einem gleichen Niveau sich befindet, ist es übrigens auch ungerecht, Pflanzen zu essen. Spalte nie ein Blatt zum Scherz, denn es spürt wie Du den Schmerz.

  5. Amike schreibt:

    Naja, ich betrachte es als Versuch.

    Ich habe übrigens nicht geschrieben, dass Tiere (zu behandeln) sind wie Menschen. Was aber ist es, das den Menschen vom Tier unterscheidet, was es rechtfertigt, Tiere zu essen und Menschen nicht?

    Das entscheidende Kriterium für mich ist die Fähigkeit Schmerzen zu empfinden, denn Tiere zu verzehren ohne dass sie Schmerzen empfinden, ist kaum möglich. Der Vergleich mit Pflanzen hinkt, das können die eben nicht (nach dem, was wir wissen). Die sind sogar z.T. darauf angewiesen, verzehrt zu werden um sich reproduzieren zu können.

    Wie auch immer, das Interesse, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen ist offenbar nicht vorhanden und das respektiere ich.

  6. Bersarin schreibt:

    Das Interesse an diesem Thema der Ernährung ist in der Tat nur bedingt vorhanden. Die philosophische und auch ästhetische Reflexion darüber, was Schmerz ist und was Tiersein bedeutet, halte ich nichts desto trotz für wichtig. Anders als Pflanzen blicken Tiere uns an. Dies ist eine interessante Erfahrung, die sich philosophisch fruchtbar machen läßt. Derrida schrieb dazu einen Text, der im Passagen Verlag erschienen ist: „Das Tier, das ich also bin“. Darin auch die Derridasche Reflexion von dem Befremden, wenn ihn im Badezimmer morgens, wo er nackt vorm Spiegel steht, seine Katze anblickt.

  7. Amike schreibt:

    Nunja, über Ernährung muss man sich nicht unterhalten, um die kommt ohnehin keiner umhin und der selektive Konsum wird die Welt nicht retten, da mach ich mir keine Illusionen. Wäre nett, wenn sich die Überlegungen, dass über die Ernährung jeder selbst zu entscheiden hat, denn auch soweit ausstrecken würden, dass man sich unmotivierte Seitenhiebe auf diejenigen spart, die sich auf eine bestimmte Weise ernähren, aber das werde ich nicht mehr erleben. Schwamm drüber.

    Die Reflexion, die du ansprichst, ist in der Tat interessant; in etwa auf dem Niveau hatte ich mir eine Antwort erhofft, als ich meine Frage stellte. Danke für den Lektüretipp. Kommt auf die Liste.

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