Wort und Welt

Solch ein Titel klingt zunächst wie ein Sprachbuch für die gymnasiale Oberstufe, wie ein Kitsch, denn die immergleichen Alliterationen nutzen sich ab, nerven, und es klingelt nur billig, wenn Sprache in Prosa schludert. Karl Kraus nimmt die Sprache beim Wort, packt die Schreiber der Journaille beim Begriff. Diese Weise der Kritik fehlt in heutigen Zeiten. Und wenn sie geschieht, geht die Einrede nicht über Wolf Schneider und Bastian Sick hinaus. In der Sprache zeigt sich das Wesen, nimmt die Wirklichkeit Gestalt an. Formvollendet und mit Stil wußte davon Karl Kraus zu schreiben. So heißt es über den Kritiker und Publizisten Maximilian Harden: „‚Daß einer ein Mörder ist, beweist nichts gegen seinen Stil‘: auf diesen Standpunkt einer absoluten Ästhetik darf sich ein Ethiker wie er nicht stellen. Ich gehe in der Schätzung stilistischer Vorzüge weiter und mache sie zum Maßstab moralischer Werte. Daß einer ein Mörder ist, muß nichts gegen seinen Stil beweisen. Aber der Stil kann beweisen, daß er ein Mörder ist.“ (Karl Kraus: Maximilian Harden. Eine Erledigung)

Heute vor 80 Jahren wurden die Nürnberger Gesetze erlassen, worauf der Blog „Kritik und Kunst“ hinweist – zu Recht ganz und gar ohne große Ausschmückung. Es gibt Fakten, die stehen für sich und sprechen für sich.

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