Urbane Räume (10) – Das Maß der Zeit

Ich machte Photographien von jener Szene. Ich bewegte mich, prüfte, suchte Ausschnitte. Neben mir feudelte eine szenig sich dünkende junge Barfrau, die aber doch nur die kleine Servicekraft eines Touristencafés ist und insofern zum Personal gehört, mit ihrem Lappen über die Tische und besah mich beim Photographieren dieser Dinge mit bösen, feindseligen Augen. Ich blickte zurück, sie schaute noch finsterer als bisher, verzog die Mundwinkel. Bei solcher Art von Frauen habe ich mir angewöhnt, zunächst fest in das Auge der anderen zu sehen, dann lasse ich meinen Blick auf ihr Brüste schweifen, taxiere mit meinen kalten Augen den Ort der Wölbung, verharre dort für vier oder fünf Sekunden, gleite wieder zu ihren Augen hin, und die Stimmung wird noch frostiger. Ich mag das Eis, ich warte auf den Winter.
 
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Prenzlauer Berg, Kastanienallee, 3. September, 13:00 Uhr

 
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Prenzlauer Berg, Kastanienallee, 3. September, 15:00 Uhr

 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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