Nicht die Photographien sind das Grauen, sondern das, was sie zeigen: „Multicultural graveyard“

Solche Photographien, wie sie Khaled Barakeh auf seiner Facebook-Seite unter dem Titel „Multicultural graveyard“ einstellt, machen sprachlos, und sie eignen sich nicht wirklich gut, um daran Reflexionen oder gar Theorie anzuknüpfen. Andererseits kann und möchte ich solche Bilder nicht unkommentiert im Raume stehen lassen. Denn Photographien sind nie einfach nur Photographien. Zumal sich durchs radikale Schweigen nichts ändert und Khaled Barakeh diese Bilder sicherlich nicht deshalb einstellte, weil er Reflexion und Denken ausschalten wollte. Sondern ganz im Gegenteil. Das eine ist die emotionale Überwältigung durch das Grauen, das uns durch solche Bilder zur Anschauung gebracht wird: Direkt, einschließend in den Kopf. Das andere unsere Optionen und Reaktionen auf diese Photographien. Auf das, was wir sehen, wahrnehmen, in unsere Bezüge einordnen und was sich tagtäglich in der Welt abspielt. Was wollen wir tun? Was können wir tun?

Diese Photographien weisen auf ein Bündel an Bezügen: Zunächst bin ich und sind es viele andere schlicht schockiert, wenn ich mir diese Bilder betrachte. Tote Kinder, mit aufgerissenen Augen, von Wasser bedeckt, das sich in die Kleidung sog. Angesichts einer seit Jahren sich abspielenden Katastrophe im Mittelmeer wußten wir freilich alle, daß es diese Bilder gab und gibt, und wir wissen ebenso, daß es solche Photographien weiterhin geben wird. Und nicht nur dies, denn es sind nicht die Bilder selbst, die Photographien, sondern das, was sich real zuträgt: das, worauf die Photographie referenziert: daß da Kinder tot an einem Strand liegen, Körper, die das Meer wieder freigegeben hat und an Land spülte, ist das eigentlich Schockierende. (Ich möchte diese Photographien hier im Blog jedoch aus verschiedenen Gründen nicht zeigen. Unter dem Link kann man sie sich anschauen: das sollte genügen. Zum Betrachten der Bilder muß man jedoch bei Facebook eingeloggt sein. Im Augenblick funktioniert der Link noch nicht.)

Das Absurde oder auch Paradoxe solcher Bilder: Dieses Abgebildete, was sich jeder Bildlichkeit und jeder humanen Sprache entzieht, jeder Photographie entzieht, ist nicht abbildbar. Selbst dann nicht, wenn es unmittelbar in einem Bild sich zu bannen scheint. Andererseits reicht es eben nicht aus: Nein, nein, nein zu rufen, zu schreiben, zu schreien, zu weinen oder in anderen Arten und Weisen zu trauern und zugleich  ungemein zornig zu werden. (Diesen Zorn über das, was geschieht, sollte und müßte man zu einer produktiven Energie transformieren.)

Manche meinen, solche Photographien zu machen und vor allem zu zeigen, sei zynisch. Ich halte die Zustände, die solche Bilder produzieren und daß es überhaupt möglich ist, daß diese Bilder entstehen können, für sehr viel zynischer. Und vor allem die, die für solche Photographien sorgen und am Ende verantwortlich sind: Von den USA (die sich einen Dreck um die Flüchtlinge scheren, sondern Konflikte bewußt eskalieren lassen), über Europa, bis hin zum Iran, dem Assad-Regime, Rußland sowie den Rebellengruppen, die in dieser Region einen totalitären Religionsstaat anstreben, und vielen anderen, die in solchen Konflikten ihr Süpplein kochen – bei Waffenlieferanten und -produzenten wie Heckler & Koch angefangen. Aber was ist nun zynisch? Sind es nicht genauso die Zeitungen, die uns Photographien vorenthalten und uns geschönte Kriege zeigen? Meist bekommen wir irgendwelche Trümmerlandschaften zu sehen. Allenfalls, wenn die Partei, die dem Westen nicht genehm ist, Kriegsverbrechen begeht, zeigen die Medien von Zeit zu Zeit Bilder des Grauens. Photographien, wie sie etwa Christoph Bangert in seinem (2014 erschienenen) Buch „War Porn“ über den Krieg im Irak zeigt, sind in den Zeitungs- und Fernsehmedien kaum zu sehen. Ebensowenig Reportagestrecken wie von Stanley Greene in seinem Buch „BLACK PASSPORT. Journal eines Kriegsphotographen“ (Beide Bücher werden hier im Blog demnächst besprochen.)

Es gibt Szenen, die sind da, die geschehen, einfachso und eben doch nicht einfachso, die lassen sich nicht verdrängen und es ist gut und wichtig, daß es mutige und tapfere Photographen gibt, die sich diesem Entsetzlichen stellen und es für uns festhalten.

Andererseits bleibt mir die Skepsis: Angesichts der Flut von Bildern wage ich es zu bezweifeln, daß solche Photographien am Ende unser Bewußtsein tangieren. Die Kreise der Hölle bleiben und es werden sich neue Höllen auftun, wenn die alten vorbei sind. Und es stumpfen die Bilder sich ab. Solche Bilder zu zeigen, insbesondere in Medien, in Zeitungen, scheint mir zugleich und bei aller Notwendigkeit ein heikler Akt. Einerseits muß man es wohl, um in Europa ein Bewußtsein zu erzeugen. Andererseits werden wir Betrachtenden beim Dauerbeschuß mit solchen Szenen irgendwann diese Photographien nur noch zur Kenntnis nehmen und in unsere Normalität eingliedern. Diese doppelte Perspektive wird sich nicht aufheben lassen und wir werden mit diesem Widerspruch leben müssen. (Ob er sich aushalten läßt, wäre eine weitere Frage, der die nach der Humanität, nach der Condition humaine berührt.)

Daß Photographien als effektive Waffe gegen den Krieg fungierten und dazu beitrugen, einen solchen Krieg zu beenden, passierte im letzten Jahrhundert ein einziges Mal: nämlich beim Vietnamkrieg, wo sich unkontrolliert und geradezu viral die Photos und Fernsehszenen vom Krieg, Brand und Gemetzel bis ins Wohnzimmer ausbreiteten. Als übten und testen die USA, was Bilder vermögen und als veranstaltete jemand ein Seminar über die Macht und die Reichweite von Bildern. (Dazu vielleicht auch: Elisabeth Bronfen: Hollywoods Kriege. Geschichte einer Heimsuchung.)

Hinter solchen Bilder scheinen mir die semantischen Diskussionen, ob wir nun Flüchtlinge, Flüchtenden, Heimatvertriebene, Vertriebene, Refugees sagen sollen relativ unerheblich. Tote bleiben diese Kinder allemal und es werden noch sehr viel mehr solcher Bilder kursieren. Und was noch viel schlimmer ist: Es sind nicht die Bilder, sondern daß sich dahinter Menschenleben verbergen, Geschichten von Müttern, von Vätern, die um ihre Kinder trauern, sofern sie es denn irgendwohin schafften und überhaupt noch die Zeit zur Trauer fänden, weil der Kampf ums Überleben am Ende alle Energie auffrißt. [Eine Schande bleibt es allemal, wie manche hier in der BRD und wie Länder wie Ungarn diese Menschen empfangen.]

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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27 Antworten zu Nicht die Photographien sind das Grauen, sondern das, was sie zeigen: „Multicultural graveyard“

  1. dj7o9 schreibt:

    Hat dies auf Binge Reading & More rebloggt und kommentierte:
    Meine Sprachlosigkeit und Trauer findet hier Ausdruck. Ein wichtiger Artikel, ich wünschte solche Texte und Bilder würden tatsächlich Herzen und Hirne öffnen können, aber vermutlich lesen die es nicht die es lesen und verstehen müssten. Trotzdem …

  2. Thomas Brasch schreibt:

    Auch ich hab auf FB auf Vietnam und im weiteren auf die Bilder der KZ-Befreiung oder der wasserbäuchigen Kinder aus Eritrea beispielhaft deren Notwendigkeit und Wirkung verwiesen. Die Mediengeschichte dürfte da eindeutig sein: erst mit der heftigeren Konfrontation durch Bilder, Fotografie und Filme wird das Geschehen unmittelbarer – man kann ihm eben nicht ausweichen. Eine rein textliche Berichterstattungen – und sei sie auch noch so ergreifend – schafft (gewünschte) Distanz in der Rezeption. Offenbar führt das bei einem nicht unerheblichen Anteil in der Gesellschaft dazu, vielen Themen auszuweichen, zu denen sie jedoch als politische Menschen Stellung beziehen müssten. Letztlich glaube ich, dass die Konfrontation der Öffentlichkeit mit teils unerträglichen Bildern von unvorstellbarem Leid und Terror mehr aktive Solidarität für die Opfer erzeugt hat als das sie einige Teile abstumpfte. Ich spekuliere sogar, dass würde unser Welt nur über Textmedien erklärt, sie wohl noch um vieles grausamer wäre

  3. Bersarin schreibt:

    So ist es. Es geht ja hier nicht um das Reißerische – und überhaupt: was soll an solchem Grauen, an Leichenbergen reißerisch sein? Sie sind ja nur schrecklich – sondern darum, über Bilder Aufmerksamkeit (im Sinne von Aufmerken) und Bewußtsein zu erzeugen. Und zwar bei einer breiten Masse und nicht bei denen, die es sowieso schon wissen. Dennoch halte ich es für wichtig, daß man, um überhaupt eine Auseinandersetzung zu führen, solche Pro-und-Kontra-Debatten betreibt. Es gibt Argumente, denen man sich nicht ganz verschließen kann, weshalb es ein Problem ist, diese Kinder zu präsentieren. Die fangen beim Schmerz der Eltern und Verwandten an, sofern diese noch am Leben sind. Aber es gibt ebenfalls eine Pflicht, diesen Tod zu dokumentieren. Noch wesentlicher scheint mir aber, daß in den Herkunftsländern so etwas wie Frieden einzieht. Aber frage mich keiner, wie das zu bewerkstelligen sei.

  4. Bersarin schreibt:

    @ dj7o9
    Ich hege ebenfalls den Verdacht, daß in diesen aufgeregten, aufgescheuchten Zeiten diese Dinge nach einer Woche vergessen sind. Heidenau? Wo war das nochmal?

  5. summacumlaudeblog schreibt:

    Diese Frage entzieht sich der Eindeutigkeit. Ich denke aber mit Dir und Thomas Brasch, dass man bei diesem Thema nicht auf ein wichtiges Medium verzichten sollte. Auch Sprache kann übrigens hart und direkt, an der Grenze des Erträglichen operieren. Denkt man ein Bilderverbot konsequent zu Ende, wäre dann auch diese direkte Sprache bald auf dem Index.
    Dennoch muß klar sein: niemand ist ein „pig“, nur weil er hier anderer Meinung ist. Auch die Würde der Toten ist ein hohes Gut, wer sie ins Feld führt, muß nicht automatisch ein „Verdunkler“ sein.
    Glatt abzulehnen sind aber diejenigen, die den „Bilderbefürwortern“, den drastischen Schilderern einfach nur ein krankes Interesse an scharfen Bildern unterstellen. Mir ist das wegen meines Gedichtes „Gesang der Capri-Fischer“ ( https://summacumlaudeblog.wordpress.com/2015/07/01/engagierte-literatur-erster-versuch/ ) so ergangen. „Kommt irgendwie krank rüber…“ postete eine facebookfratze, auf dessen Seite sonst AfD, Fleischhauer und Sarrazin verlinkt sind. Auf meine Nachfrage nach der Begründung für eine solche Meinung folgte das AfD-typische Schweigen…..

  6. che2001 schreibt:

    @“Auch Sprache kann übrigens hart und direkt, an der Grenze des Erträglichen operieren.“ —— Das erlebte ich sehr überzeugend, als nach einer Revolte in einem Abschiebeknast die Flüchtlinge dort vom Wachpersonal misshandelt, ja gefoltert wurden und ich auf einer Solidaritätsdemo die Ansagen der Misshandler in wörtlicher Rede zitierte, z.B. „Zieh dich aus, du Sau!“. Ich wurde heftige fürs das Reißerische meines Vortrags kritisiert. Nicht das verbrecherische Vorgehen des Wachpersonals erschien hier als das Problem, sondern die öffentliche wörtliche Wiedergabe ihrer gewalthaltigen Sprache.

  7. Bersarin schreibt:

    Ich bin ebenfalls sehr skeptisch, wenn die Pietät vorgeschoben wird. Nicht die Sprache und die Bilder sind gewalttätig, die das, was ist, kenntlich machen, sondern die Zustände sind es.

    „Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch“ (Gottfried Benn)

  8. che2001 schreibt:

    Ja, das ist aber typisch für den aktuellen Geist innerlinker Diskurse. Ich wurde dafür kritisiert, dass ich das Grauen ungeschminkt beim Namen nannte, das war halt nicht politisch korrekt.

  9. Fabs schreibt:

    Das momentan versucht wird diesen toten Menschen einen Sinn bzw. einen Wert zu geben, ist schon der Ausdruck der totalen Verzweiflung, welche aus der falschen Vergesellschaftung herrührt. Die konstitutive Kälte des bürgerlichen Subjekts ist so total geworden, dass selbst der Schock im Angesicht des puren menschlichen Abgrunds zu einer wohlgefälligen Theorie sublimiert werden muss. Schreien, weinen, verrückt werden und alles kaputt schlagen? Wo kämen wir dahin?!? Wir sind doch alle auf Spannungsausgleich aus. Jenseits der Psychoanalyse heißt sowas Work-Life-Balance. Ein wütender Ausbruch mit juristischer oder psychiatrischer Konsequenz passt da nun mal so gar nicht. Und ausserdem: Never underestimate the Mob. Sogar Adorno war kein Freund des Aufstands. In Deutschland sicherlich zu recht.
    Doch was bleibt von der vernunftsdeformierten Verzweifelung? Ein kleiner Wirbelsturm im virtuellen Wasserglas? Vermutlich…

    Viel schrecklicher wiegen für mich aber die Erkenntnisse, welche sich aus der neuen Qualität des bebilderten Grauens gewinnen lassen. Im Angesicht der absoluten Ohnmacht, sind solche Bilder nicht nur Zeugen des gesellschaftlichen Zusammenbruch, sondern Wegweiser und -bereiter für die neue Menschlichkeit. Das Abstumpfen vor dem Tod und dem Leid, als finaler Lachgaseinspritzer im langsam, aber stetig, heisslaufenden Fortschrittsmotor des Kapitals. Bisher war Tod, Leid und Schmerz immer ein Störfaktor in der Verwertung. Die Pflege alter Menschen war ein Luxus, welcher sich das Kapital leisten musste. Erfrorene ohne Obdach zwangen den hiesigen Städten das ein oder andere „Winternotprogramm“ ab. Und auch Selbstmord ist ungern gesehen und dessen Ursachen werden, zwar günstig mittels Massenmedikament, nach wie vor behandelt. Alles First-World-Problems. Was jenseits der Pipelines mit dem unwerten Leben geschieht, ist dem Kapital schon seit jeher egal. Doch eben auch hierzulande schleicht sich der „verwertungskonforme Umgang mit dem Leben“ langsam ein. Die Entwicklung der Sterbehilfe ist da in meinen Augen das beste Beispiel.
    Und jetzt diese Bilder von den Toten. Nein, nicht von Toten, sondern von „toten, unschuldigen Kindern“. Als wären die Erwachsenen nicht in der Lage zu leiden. Diese Bilder werden Normalität werden. Der Tod wird bald niemanden mehr schocken. Warum auch? Die Maschine läuft. Und wird auch in Zukunft weiterlaufen. Im Inland: Pillen für die lebenden Toten die noch etwas länger arbeiten möchten und Todesspritzen für diejenigen, welche keine Lust mehr haben. Jenseits der Pipeline: Entfesselte Subjektivität, Mord, Krankheit und Zerstörung. Ferngehalten von einer perfektionierten, vollautomatischen Grenzsicherungsmaschinerie.
    Im Angesicht dieser rosigen Aussichten nicht verrückt zu werden ist in meinen Augen ein Beweis für die Unmenschlichkeit des deformierten Gattungswesen Mensch.

    Ok, genug dieser unsinnigen Ergüsse und zurück zum Thema: Ich befürchte, dass diese Toten Kinder in Zukunft noch häufiger an die verschiedenen Strände und mittels neuer Technik/Medien weiter in unser Bewusstsein gespült werden. Und das sie uns die Katastrophe vergessen lassen werden. Unsere Fähigkeit zu Mitleid weichspülen werden. Irgendwann bricht jeder zusammen. Da bleibt am Ende nur noch Knast, Klapse, Elfenbeinturm, Stumpfsinn oder Sarg. Oder vielleicht doch Hoffnung? Ich denke, spätestens wenn fundamentale Menschenrechte zur Diskussion gestellt werden und „neu aufgelegt werden“ (wobei das Kapital durch das bürgerliche Recht nie behindert wurde, im Gegenteil), sollte statt mit Bilder lieber mit Steinen um sich geschmissen werden. Obwohl,… dann,… dann ist da immer noch dieser Bedürfnis nach Spannungsausgleich… So ein Elend… Ich mach mir erstmal nen Tee und schau ne Runde Netflix. ;) :P

  10. Bersarin schreibt:

    Ich hege bei dieser Angelegenheit wenig Hoffnung. Natürlich werden sich diese Bilder abstumpfen, wenn wir sie jeden Abend in die Wohnzimmer geliefert bekommen.

    Daß die meisten über die üblichen Betroffenheitsfloskeln nicht hinausgelangen (meine Person eingeschlossen), scheint mir ebenfalls ein menschliches Phänomen. Ich spendete Geld und habe mir damit meinen Ablaß gekauft.

  11. Bersarin schreibt:

    Auch was die Revolution oder die kommenden Aufstände betrifft, hege ich kaum Hoffnung. Sie werden übrigens nicht von links, sondern von rechts kommen.

  12. che2001 schreibt:

    Na ja, die Freundlichkeit, mit der die Flüchtlinge auf den Bahnhöfen begrüßt werden, das ist ja wie beim Mauerfall hat mich echt positiv überrascht. Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet.

  13. Bersarin schreibt:

    Na, ich bin skeptisch. Ich sag mal eher: Jubelperser, die da standen. Die schweigende Mehrheit blieb zu Hause, die regeln das auch ganz anders. Umgucken werden sich am Ende beide Seiten.

    Aber um nicht mißverstanden zu werden: Natürlich freut es mich, wenn es solch einen Empfang gibt. Dennoch: die nächsten Probleme stehen vor der Tür!

  14. summacumlaudeblog schreibt:

    Auch bei deutschen Einheit blieb es ja nicht beim Jubeln, der Kater kam früher, als manchen lieb war….. nun hat man sich Deutsch-Deutsch arrangiert wie in einer Zwangsehe. Mehr ist wohl auch diesmal nicht drin. Ansonsten gilt: Warten wir die Entwicklung der Inflationsrate ab.

  15. Bersarin schreibt:

    Ja, man wird lediglich abwarten können. Und vielleicht selber irgendwo sein Quäntchen beitragen, daß es nicht allzu schlimm wird.

  16. che2001 schreibt:

    Wie gesagt, meine Wahrnehmung ist da völlig anders. http://che2001.blogger.de/stories/2529262/

  17. Bersarin schreibt:

    Auf alle Fälle ist ein solcher Empfang in München besser als das, was wir in den 90er Jahren erleben mußten und ich freue mich sehr darüber. Dennoch gehöre ich zu den Skeptikern: der Schoß ist fruchtbar noch. Und warten wir nur ab, bis die ersten Kritiker den Münchenern Paternalismus oder Whiteness und anderen Schwachfug unterstellen und bis die Rassismusschnüffler von der Behörde Gesinnungskontrolle auftauchen und die Bedenklichkeitszertifikate ausstellen. Das wird nicht lange dauern.

  18. Pingback: Heinrich Böll über Bersarin | Kritik und Kunst

  19. che2001 schreibt:

    Ist bei der Mädchenmannschaft schon passiert, die gerade von der Münchner Normalbevölkerung links überholt wurde und deren Vertreterinnen für mich erst dann halbwegs glaubwürdig werden, wenn sie sich in die Reihen derer einordnen, die konkret helfen und z.B. ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit leisten. Sprachfixierter Höhere-Töchter-Haufen, denen eine längere Phase Bandarbeit oder HartzIV zwar weiterhelfen würde, zu denen unsereins aber selbst dann nur noch ein pädagogisches Verhältnis haben kann.

  20. Bersarin schreibt:

    Da ist leider viel Wahrheit dran. Sprachfixierte höhere Töchter: Genau das trifft es. Wäre alles nicht so schlimm, wenn solches Denken ohne Einfluß bliebe. In bestimmten Subkulturen scheint da aber eine gewisse Relevanz zu bestehen.

  21. che2001 schreibt:

    Das hat alles mit Feminismus, Antirassismus und linker Theorie nichts zu tun, sondern ist so etwas wie scholastische Moraltheorologie zur Zeit des Universalienstreits. Leider sind wir so weit gekommen, dass genau das für Feminismus, Antirassismus und linke Theorie gehalten wird.

  22. summacumlaudeblog schreibt:

    „Auf alle Fälle ist ein solcher Empfang in München besser als das, was wir in den 90er Jahren erleben mußten…“ ich mußte so häufig in letzter Zeit an die 90er Jahre denken. An die vielen Toten, die Erschlagenen, die Verbrannten. An Antonio Amadeu. Ich sprach einst mit dem Arzt, der seinen Leichenschauschein ausstellen mußte. Ja, da ist es heute besser. Aber die entscheidende Frage wird sein, ob diese Gesellschaft die unvermeidbaren Langzeiteffekte der Flüchtlingswellen bereit sein wird zu tragen.

  23. ziggev schreibt:

    bitte nichts gegen den Universalienstreit, insbesondere jenen zur Zeit der (zuendegehenden) Scholastik ! Nominalistische Positionen – insbesondere der Empirismus – halfen bekanntlich bis hin zu Ansätzen in der Frühmoderne, die Scholastik zu Überwinden.

    Empirie:
    Bandarnbeit und Hartz-IV-Existenz (beides von mir mit Hingabe praktiziert)

    Nominalismus:
    Lernen, die eigenen (eigentlich ja fremden, ungefragt übernommenen) Begriffe zu hinterfragen

    Den Universalinstreit ausschließlich ins Mittelalter zu verlegen und in der Scholastik zu verorten bedeutet, das Universalienproblem zu umgehen, ein Versäumnis, das anfällig macht für jene „sprachfixierte“ Scholastik höherer Töchter.

    Ich würde sie daher nicht nur zu körperlicher Arbeit, sondern auch dazu verdonnern, unter Preisgabe jedweden Anspruchsdenkens mit mönchischer Disziplin die Geschichte des Universalienproblems aufzuarbeiten.

    Über sich selbst lachen zu können, ist ebenfalls schonmal ein gutes Zeichen: „ostentative Heterosexualität“ sowie die Formulierungen, welche der altebolschewik zuletzt auf shiftig reality postete, gelten mir als untrügliches Zeichen für dieselbe Fähigkeit jener Protaqgonisten u. ProtagonistInnen.

  24. Bersarin schreibt:

    Entscheidend bleibt ches Hinweis. Wobei ich nichts gegen die mittelalterliche Philosophie geschrieben haben will.

    Summacumlaudes Sicht teile ich.

  25. Bersarin schreibt:

    Richtig ist allerdings, daß man solchen Schrunzen wie auch diesem Mädchenmannschaftsbeitrag nur noch mit Satire und mit Ätzprägung begegnen sollte. Weshalb sachlich bleiben, wenn man auch persönlich werden kann? Dies zumindest gilt für die ostentativ zur Schau gestellte Bräsigkeit und Seichtheit solcher Denke.

  26. ziggev schreibt:

    dazu, zur deutschen neuen sog. Willkommen kultur, deutsches Neuhippietum á la National-Elf (seit Oliver Kahn immer Osho im Gepäck), sei vielleicht von einem Begebnis berichtet: ich brachte heute das Zahngold meiner Mutter zum hiesigen Goldschmied – keine Sorge, es wurde mir nicht vom Bestattungsunternehmer überreicht, meine Mutter hatte es mir übergeben, da sie sich ohnehin von vielen Dingen hatte trennen müssen und im Zuge ihres Wechsels von der Eigentum-Doppelhaushälfte in die Mietwohnung darum bemüht war, alles, was sie nicht mitnehmen wollte oder konnte, unter die Leute zu bringen – von dem ich erfuhr, dass auf der an die Bebauung an der Straße ihres ehemaligen Wohnsitzes grenzenden Wiese, an die wiederum immer nur weitere Wiesen bis an die Alster grenzen, nun alles mit Asylunterkünften vollgebaut werden würde.

    Der Goldschmied ist ein alter Bekannter, der wusste, wo meine Mutter wohnte, und als Goldschmied weiß man eben, wenn irgendwo Bauland frei wird oder mit Asylantenheimen „vollgebaut“ werden soll. „Na, da werden sich die Neubesitzer freuen“, denn nun sei der ja Wert nicht unerheblich gesunken. „Ja ?“ – Wir rechneten nach, wann genau war der Verkauf unter Dach und Fach gebracht worden? Tja, just kurz darauf sei das mit der Bebauung bekanntgeworden …

    Nicht fern der Gegend der neuen Wohnstatt meiner Mutter hatte man es vor etwa 10 Jahren wie folgt gehalten: Die Eigentümer der Grundstücke entlang einer Straße hatten sich zusammengetan, Geld gesammelt – und kurzerhand das Nachbargrundstück auf, auf dem eine Asylbewerberunterkunft hatte eingerichtet werden sollen, aufgekauft, um einen befürchteten Wertverlust ihrer Grundstücke abzuwenden.

    Dafür aber war dieses Jahr die Entscheidung für das Asylantenheim zu kurzfristig getroffen und bekanntgemacht worden.

    Sicher ist: Ein paar Tage oder Wochen später wäre sie das Haus nie zu dem erzielten sehr guten Preis losgeworden, reines Glück, reiner Zufall !

    Und ich muss es eingestehen: meine Schadenfreude ist nicht gering, denn unsere ehemaligen Nachbarn werden sich über die glückliche Entscheidung meiner Mutter schwarzärgern – und ich kann es nicht nur genießen, mich für meine Mutter zu freuen, mir – und vielleicht sogar meiner Mutter, die als Rentnerin und ehem. Pädagogin natürlich ehrenamtlich Einwandererkindern beim Erlernen der deutschen Sprache behilflich gewesen ist – ist darüberhinaus jener Groll über „die Asylanten“, die hier die Grundstückpreise verderben, erspart geblieben, den unsere ehemaligen Nachbarn unvermeidlich – wie auch ich ganz sicher an ihrer Stelle – hegen werden …

    Das war wirklich knapp !! – Und ich liebe alle Flüchtlinge! Herzlich willkommen in Germany !

  27. Bersarin schreibt:

    Mit der Liebe bin ich denn doch sehr zurückhaltend: ich liebe meine Geliebte und in anderer Form meine Familie, meine Freunde. Aber alle zu lieben fällt mir schwer und ist mir zu unspezifisch.

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