Die Welt der Plakate – Lissabon

„Ich war stets anspruchslos, wenn es die Wahl der Anlässe galt, um zu Erlebnisse zu gelangen, und ich verschmähte jene starken Reizmittel, die die schwachen Seelen brauchten, um eine trügerische Wirkung mit Schaden zu erkaufen. Kurzum, die vielen Bibliotheken und Museen, an denen ich im Leben vorbeigekommen bin, hatten sich über meine Aufdringlichkeit nicht zu beklagen. Dagegen zog mich von jeher das Leben der Straße an, und den Geräuschen des Tages zu lauschen, als wären es die Akkorde der Ewigkeit, das war eine Beschäftigung, bei der Genußsucht und Lernbegier auf ihre Kosten kamen. Und wahrlich, wem der dreimal gefährliche Idealismus eingeboren ist, die Schönheit an ihrem Widerspiel sich zu bestätigen, den kann ein Plakat zur Andacht stimmen!“
(Karl Kraus, Die Welt der Plakate)

 In dieser Weise ging es mir in Lissabon. Ich besuchte nicht ein einziges Museum. Aber halt, das stimmt nicht ganz: Ich habe mir in der „Fundação Arpad Szenes-vieira Da Silva“ die Bilder jener Malerin angesehen. Ansonsten aber konzentrierte ich mich auf die Stadt. Auf Mauern und manchmal auch auf die dort spazierenden Menschen. Der Gang der Bewohner scheint mir, aber vielleicht trügt das bloß, wesentlich ruhiger und gemächlicher als in anderen Großstädten. Lissabon ist auf eine eigentümliche Weise entspannt. Höflich-distanziert, was ich sehr schätze. Keine falsche und überschwengliche Nähe. [Eine sehr gute Freundin behauptet steif und fest, ich könne keine Menschen photographieren, fände keinen Zugang zu ihnen, entlockte ihren Gesichtern nichts. Ich werde darüber nachdenken. Sie sagt oft wahre Dinge. Aber hier und in diesem Falle?]

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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