Urbane Räume (9) – Underworld, Eiswelt

Fischwärts: Lissabon im Monat des milden Aprils, im Jahre 2013, irgendwo im Westen der Stadt, in einer Markthalle, nahe des „Cemitério dos Prazeres“, was übersetzt Friedhof der Freuden heißt und für diesen Ort ganz und gar passend ist. Hitze zwar und die staubigen Straßen oder was ich in meinem Blick für staubig halte, aber doch im ganzen von den Temperaturen erträglich, um Bilder mitzunehmen und gut zu schlendern – was man vom heutigen Tage in Berlin nicht sagen kann. Die Kühle meines Altbaus ist im Sommer angenehm, geradezu unersetzlich.

Die Toten des „Cemitério dos Prazeres“ könnten, wenn sie denn eine Grabstelle am Rande, am Ende des Friedhofes, da, wo es in den Abgrund geht, sich pachteten oder ihnen von einem freundlichen Angehörigen eine solche gepachtet wurde und wenn der Blick der Toten über den Westen von Lissabon schweifte, hinüber auf die „Ponte de 25 April“ und auf den unendlich-schönen und breit strömenden Tejo schauen. An welchem Ort der Welt ruht man angenehmer vom Dasein aus? Doch! Es gibt einen zweiten Ort: der hoch über der Landschaft gelegene Friedhof von Deià auf Mallorca: es ist einer der schönsten Plätze, um die unruhigen Gedanken stillzustellen. Naturgemäß halte ich mich an beiden Orten lieber als Lebender auf. Betrachtend. Ich überlege, ob ich Anfang Oktober nun zur Biennale nach Venedig oder im feinen Herbst, wenn die Frische des Atlantiks die Stadt berührt, nach Lissabon reise. Herzensstadt in dem Sinne, daß einen die Menschen dort in Frieden lassen und ich, wenn sie mich ansprechen, ihre Sprache nicht verstehen muß und also nicht höre, was sie zu sagen haben.

Irisnebel hat auf ihrem Blog Bilder von diesem herrlichen Ort mit dem Blick auf den Tejo gezeigt, nachzusehen hier und an dieser Stelle. Sie hat ins Innere der Grabstätten geblickt. Dies ist der Ort, der irgendwann uns allen vorbehalten ist. Die Photographien jener Wasserlebewesen, die nun für den Teller bestimmt sind, hatte ich bereits an anderer Stelle gezeigt. Aber mich faszinieren diese leeren kalten Augen der Fische. Sie sind traurig wie der Tod. Und dennoch haben diese Fischphysiognomien für mich Ausdruck. Als lebten sie und verweilten nur ein wenig, um für meine Kamera zu posieren und davor entspannt Platz zu nehmen. On the rocks, beim Gemahl der Schneekönigin, nahe Tromsø.
 
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Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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