Und der Büchnerpreis geht an …: Rainald Goetz

Irgendwann wird ihn auch Daniel Kehlmann bekommen. Ich bin mir da sicher. Jedes Jahr für jeweils einen Schriftsteller jeweils ein Büchnerpreis: Da fällt für alle im Betrieb etwas ab, und es gibt zudem die vielen kleinen Preise – da muß am Ende kein Dichter mehr in der im Sommer zu heißen, im Winter zu kalten und im Frühjahr sowie Herbst zu feuchten Spitzwegschen Dachkammer hausen und über sein prekäres Dasein jammern. Immerhin: Der Schriftsteller hat – anders als die Vielzahl derer, denen in tatsächlich prekären Verhältnissen der Saft ausgesogen wird – das Privileg, dieses Jammern und Klagen kathartisch für sich selber und (manchmal auch) zum Leseleidwesen der übrigen öffentlich tun zu dürfen. Ich halte nichts von Preisgeldern. Ich bin für die Abschaffung jeglichen Literaturpreisgeldes. Diese Preisungen sollten rein symbolisch erfolgen. Eine Frage der Ehre sozusagen. Andererseits sind 50.000 Euro eine eher klägliche Summe und man kommt damit nicht wirklich weit.

Ansonsten wäre an dieser Stelle und in diesem Zusammenhang ein weiteres Thema eine Kritik des Literaturbetriebes sowie einer immer mehr marktförmig sich organisierenden Literatur, die rein konventionell ihre Prosa schreibt. Dies zumindest kann man dem frühen und dem mittleren Goetz nicht vorwerfen. Erst Ende der 90er wird die Angelegenheit problematisch. Jedoch geht mir ein bestimmter Typus des Goetz-Bewunderers mehr auf die Nerven als jene Texte von Goetz aus den 90er Jahren, und dieses Genervtsein über die popaffinen Schwadroneure der Beliebigkeiten übertrage ich dann in einem Fehlschluß auf den Text von Goetz – das ist zugegeben ungerecht. Insofern wäre es angebracht, seine Texte gegen seine Bewunderer und vor allem gegen die Liebhaber zu verteidigen.

Bei seinem Büchlein „Rave“ und insbesondere ein wenig später dann bei der Prosa aus jener Zeit, als das Internet in den Kinderschuhen steckte und Blogs etwas Neues waren, mangelte Goetz den „Abfall für alle“ durch den Wolf. Berichte aus der Erlebnis-Zone wurden en vogue. Das reicht bis heute in den Blogwelt hinein.  Von unsäglichen Prosa-Blogs bis hin zu Literaturblogs, die über die simple Subjektivität nicht zu einem Übergreifenden hinausgelangen und ein Mehr entfalten. (Eine der wenigen löblichen Ausnahmen bildet die Dschungelanderswelt von Alban Nikolai Herbst. Ein giganto-manisches und gigantisches Projekt, das sich nicht vor den Niederungen des Banalen scheut, aber ebenso den hohen und geistreichen Ton trifft.) Egal wie: Leider muß man – neben vielem Guten – Goetz ebenso als den Ahnherren einer Assoziationsprosa oder -Lyrik bezeichnen, die ohne Struktur Einfälle, gerade Erblicktes, Gehörtes, Gelesenes und Launen verbindet: eine Art von Capriccio, das jedoch schnell als Schreibsystem kalkulierbar wurde. Solche Prosa seiner Epigonen gemahnt an Computerprogramme und Bots, denen man versucht, das Schreiben beizubringen: Aus der Luft Herbeifabuliertes – ohne Struktur: Vor meinen Füßen das Blütenblatt aus dem Topf, oder Vase, Fallhöhe und Luftzwang, der zu Boden geht. Jedes Blatt ein Manifest. Die Bilder müssen stimmen, rief Peter Hahne und Herr Pawelka lachte schief. Politik ist das Geschäft ohne Eigenschaften. Oh Rose reicher Überschiß. Schnell gemacht, schneller geschossen – solche Textlein.

Bei Goetz bin ich also gespalten. So wie er Gutes schrieb, existiert bei ihm ebenso der „Abfall für alle“, Ranz und Reigen der Beliebigkeiten wie „Rave“ oder „Celebration“. Mit dieser Form des Subjektiven hat er für das Schreiben von Literatur einerseits neue Wege markiert, andererseits ein Pop-Schreib-Maschinen-Assoziations-Sound seiner Epigonen hervorgebracht, der bloß noch nach dem Prinzip Zufall und Assonanz ausfällt und den Text zerfasert, weil sich Einfall an Einfall und gehörte Musik an erlebte Abende reiht. Zwischen Alk und Zigarettendampf: Schreibwut oder Drogenkrampf. Diese Assoziations- und Beziehungswut, die Bedeutungen auflöst oder umpolt oder aber bloß beliebig Namen von öffentlichen Personen aneinander kettet, mag als Einmaliges wie u.a. in „Festung“, „Krieg“ (immerhin Theaterstücke und damit Büchner gerecht werdend) sowie in der Prosa „Hirn“ gut funktionieren.

Aber wie sieht es mit den Halbwertszeiten solcher Texte aus? Leben solche Texte nicht mehr von den Effekten als aus der Komposition heraus? Das macht man einmal, aber dann nicht mehr und es hat etwas Kalkuliertes. Als Absatzbewegung von einer bestimmten Literatur der alten weißen Männer, die man mit bestimmten Namen der 50er, 60er, 70er Jahre verknüpft, mochte dieser Sound frischen Wind in die Küche bringen. Nun aber gehören auch die einstmals hungrigen jungen Männer jener Riege an und wurden im Laufe der Zeit alt und zu Männern mit weiß im Haar. Oder mit F.W. Bernstein und der „Titanic“ in jener absurden Verdrehung geschrieben: „Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher selber welche.“ Das Altern also auch der Postmoderne und der antiklassische Effekt des Subjektivismus – in diesem Sinne schreibt Goetz eine literarische Tendenz der 70er Jahre fort: die der Neuen Subjektivität, wie Ralf Schnell sie in seiner Literaturgeschichte der BDR beschreibt – er verwandelt sich in den Klassiker.

[In diesem  Spiel von Tradition und Avanciertem, zwischen Stürmen und Drängen sowie der Klassik liegt sicherlich ein gewichtiger Aspekt moderner Ästhetik. Das Innovative kann eben nur einmal innovativ sein, in einer bestimmten Raum/Zeit-Stelle paßt es und steht in seiner Struktur. Kleist, Kafka oder Beckett kann es nicht sehr häufig geben. Sie schufen Bleibendes. Einmaligkeit einer bestimmten Prosa.  Frage der Querelle des Anciens et des Modernes]

In den guten alten 50er, 60er Jahren war es einfach, den Büchner-Preis zu vergeben, denn es standen etwa 20 oder 30 relevante Schriftstellerinnen (wenige freilich, sehr wenige) und Schriftsteller (viele, sehr viele) zur Verfügung. Da fiel Lob und Preis nicht schwer, die Auswahl leicht. Andererseits täuscht der Eindruck des Verknöcherten bei der Preisvergabe und wenn man heute die Namen liest: Thomas Bernhard zählte 39 Lenze, als er den Preis erhielt. Hans Magnus Enzensberger 34 Jahre, Peter Handke 31 Jahre. Man könnte insofern auch behaupten, daß die Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zunehmend konservativer in der Preisvergabe verfährt.

Man kann – unabhängig vom monetären System Literatur – bei einer Preisvergabe immer einmal diese oder jene Auswahl eines Preisträgers kritisieren. Weshalb den Büchnerpreis etwa Friedrich Dürrenmatt sowie Erich Fried, deren Texte man als eher schwach bezeichnen kann, und 1991 Wolf Biermann erhielten, bleibt schleierhaft. Biermann hätte man ihn allenfalls 1973 für seine in den 60ern und in den frühen 70ern zur Gitarre vorgetragenen Lyrik aus der DDR geben müssen. Auch der Name Jelinek wurde kritisiert. Beim Nobelpreis verstehe ich die Gründe gut. Beim Büchnerpreis weniger. Denn wenn man jenen Autor nimmt, in dessen Namen der Preis jährlich vergeben wird, dann geht es um eine besondere, vor allem jedoch um eine innovative Form des Schreibens bzw. des Komponierens von Text. Was Büchner in „Dantons Tod“ oder im Theater-Fragment „Woyzeck“ als eine unerhörte Schreibweise auftat, das sollte auch berücksichtigt werden, wenn in seinem Namen ein Preis vergeben wird: Innovatives und avancierte Prosa, die sich auf der Höhe ihrer Zeit erweist. Aber es gehört zum Büchner ebenso der Aspekt des Politischen. (Dieser Umstand mag dann ebenfalls die Wahl von Fried und Dürrenmatt motivieren.) Diese unerhörte Schreibweise und das Avancierte der Prosa existiert bei Goetz. Seinen Roman „Johann Holtrop“ kenne ich leider nicht. Es gibt Kritiker, die schreiben, er wäre voll von Versatzstücken und huldigt einem eher schlichten, abbildhaften Realismus, der das, was sowieso bereits der Fall ist als das zurückspiegelt, was der Fall ist. Ein (Wider)Spiegelungskabinett also, das nichts sonders kniffelig und tricky auftritt. Das wäre zu prüfen.

Aber man sollte in jedem Falle Goetz gegen seine Liebhaber verteidigen. Er brachte mit seinen Romanen „Irre“ (1985) und „Kontrolliert“ (1988) einen neuen und frischen Ton in die Literatur: „Kontrolliert“ –  ein gigantomanischer RAF-Narzißmus in Textschrei und Baader-Haß und jene Nacht in Stuttgart-Stammheim, die vielen als zentraler Aspekt der BRD-Geschichte heute kaum noch geläufig sein dürfte. Ein Ich, das sich in jenen anderen hineinschreibt. Ein Schriftsteller-Ich ins Raspe-Ich. In den Kopf des anderen blicken, und wenn wir uns auch die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern zerren könnten: Doch dieser Akt gelingt nur mit der Kraft der Prosa und in den imaginativen Verhältnissen. Auch hier also: Büchner. Krieg den Hütten, Friede den Palästen. Und am Ende lag da vor uns ein Kampf, ein Krieg im Kleinen und in den Städten, der auf diese Weise jedoch nicht recht funktionierte. Insofern alles Gute für Rainald Goetz. Trotz manchem Zwiespalt.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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28 Antworten zu Und der Büchnerpreis geht an …: Rainald Goetz

  1. sgeisel schreibt:

    Sehr treffender Kommentar, übrigens komplementär zu meinen eigenen Ausführungen (http://www.sieglindegeisel.ch/2015/07/09/der-wille-zum-wilden-buechnerpreis-an-rainald-goetz/): Du schreibst über den frühen Goetz, ich über „Johann Holtrop“. Genialer erster Satz – der sagt schon alles über die Verfasstheit des derzeitigen Literaturbetriebs. Hier meine Rezension von „F“: http://www.sieglindegeisel.ch/wp-content/uploads/sites/4/2014/12/Rezension-Kehlmann-NZZaS.pdf

  2. Bersarin schreibt:

    Der frühe Goetz und auch der der 90er Jahren, war in seiner Weise prägend. Wobei ich in der Sicht auf seine Texte schwanke: zwischen einem leicht übersteigerten – gewiß aber berechtigten – Manierismus und einer leider dann wieder ins Belieben abgleitenden Assoziationskette. Dennoch haben mich „Kontrolliert“ wie auch seine Theaterstücke damals durchaus beeindruckt und ich sah diesen neuen Ton in Prosa.

    Was Du über “Johann Holtrop” schreibst, klingt nicht wirklich gut und macht mir keine besondere Lust auf das Buch. Aber ich will es denn doch gegenlesen. Mal schauen, was bei dieser Lektüre herauskommt. Den schönen neuen alten Schein des Kapitalismus und die Sicht eines Konzernmanagers zu schildern, ist per se ja nicht schlecht. Im Gegenteil.

    Mit böser Zunge könnte man nun noch behaupten, daß Kehlmann und Goetz die beiden entgegengesetzen Enden der Parabel sind.

  3. Hans Kylwerth schreibt:

    Ah ja, kann man Dürrenmatts Literatur als „eher schwach bezeichnen“? Ist das so selbstverständlich, daß man es nicht einmal erklären muß? Und Daniel Kehlmann – ist der so schlecht, daß allein der Name schon reicht, so daß alles gesagt ist? Ist ja schön, wenn man so hohe Maßstäbe hat. „Diese unerhörte Schreibweise und das Avancierte der Prosa existiert bei Goetz. Seinen Roman „Johann Holtrop“ kenne ich leider nicht.“ Wow – literarische Diskussionen auf höchstem Niveau sind das. Wer braucht da noch professionelle Literaturkritik?

  4. Bersarin schreibt:

    Zumindest liegt diese Kritik über dem Niveau von Hänschenkleins Kommentar.

    Dürrenmatt ist eher schwach, weil das, was er schrieb, Bekenntnistheater und Bekenntnisprosa ist. Das politisch Gute ist nicht das literarisch Gelungene. Was an Kehlmann mißlang, hat S. Geisel in ihrer Besprechung in der NZZ geschrieben. Was an Goetz gut ist und anregend, aber in einer bestimmten Weise ebenfalls zwiespältig, beschrieb ich hier in diesem Text, der eben nicht von Kehlmann, von Dürrenmatt oder anderen Büchnerpreisträgern handelt, die ich detailliert bespräche, sondern ich werfe einen knappen Blick auf einen Teil des Werkes von R. Goetz. Insofern ist es naturgemäßt richtig motiviert, Namen wie Dürrenmatt bloß anzuschneiden. In einer Feuilletonglosse meine ich, daß ich nicht der einzige Kritiker bin, der in dieser Weise verfährt. Ich hätte auch diesen Bogen noch schlagen können, dann läsen wir jedoch einen Beitrag von rund 4000 Zeichen.

    Lies und zitiere den von mir geschriebenen Satz einfach weiter, dann weißt Du wie es sich mit dem Herrn Holtrop möglicherweise verhält. Weshalb diese Prosa avanciert ist, begründete ich in vorausgehenden Ausführungen. Es wäre schön, wenn ich Leser hätte, die Texte gründlich lesen und sie nicht überfliegen.

    Da es mir sachlich geboten erschien, daß Goetz bereits für das, was er bis in den 90er Jahre schrieb, diesen Preis erhielte, ist es sachlich nicht notwendig, den „Johann Holtrop“ knapp zu skizzieren. Der kam nämlich im Jahre 2012 auf den Markt.

    Bei Kehlmann hast Du allerdings recht. Da reicht der Name bereits. Hätte ich für ihn noch eine Abwatschung parat, dann wären wir freilich bei rund 5500 Zeichen. Solche Texte liest leider keiner mehr.

  5. Hans Kylwerth schreibt:

    Daß irgendeine Siglinde irgendwo was über Kehlmann schreib, das reicht, damit ist der Fall erledigt? Gut, danke. Dann weiß ich das. Dann brauche ich gar nicht mehr nachsehen, was New York Times, FAZ oder Le Monde über Kehlmann geschrieben haben. Daß Dürrenmatt Bekenntnistheater ist und Bekenntnisprosa, das war mir allerdings neu. Was bekennt denn Dürrenmatt so nach deiner kundigen Meinung?

    „Lies und zitiere den von mir geschriebenen Satz einfach weiter, dann weißt Du wie es sich mit dem Herrn Holtrop möglicherweise verhält. Weshalb diese Prosa avanciert ist, begründete ich in vorausgehenden Ausführungen.“ Das ist super, zumal du ja gleich sagst, daß du Holtrop nicht gelesen hast. Da bin ich natürlich sehr neugierig darauf, wie es sich nach deiner Meinung mit diesem Roman verhält. Da mache ich mich gleich ans Studieren.

  6. Bersarin schreibt:

    Also noch einmal für den leseunkundigen Hans:

    Punkt 1: Dies ist keine Besprechung über Kehlmann und Dürrenmatt. Ist das derart schwierig zu verstehen für Dich?

    Punkt 2: Gut daß Du in bezug auf Dürrenmatt begriffen hast, was ich meine. Immerhin ein erfreulicher Aspekt.

    Punkt 3: Da es mir sachlich geboten erschien, daß Goetz bereits für das, was er bis in den 90er Jahre schrieb, diesen Preis erhielte, ist es sachlich nicht notwendig, den „Johann Holtrop“ knapp zu skizzieren. Der kam nämlich im Jahre 2012 auf den Markt. Auf Probleme dieses Buches in anderen Kritiken wies ich hin. Andere eitlere Menschen täten einfach so als hätten sie den Holtrop gelesen. Der Satz ist vielleicht etwas kompliziert formuliert gewesen, also für Dich einfacher: Goetz gut in den 80er und 90er. Ich begründete dies. Weil Goetz macht neuen Stil. Büchnerpreis früher als 2015. Da ich fast den gesamten Goetz der 80er, 90er. 00er gelesen habe, denke ich, daß dies Kriterium genug abgibt für ein Urteil. Geht das in Deinen Kopf hinein?

    „Dann brauche ich gar nicht mehr nachsehen, was New York Times, FAZ oder Le Monde über Kehlmann geschrieben haben.“ Nein, Hans, das brauchst Du auch nicht. Weil: Wenn Du diese einfachen Zusammenhänge schon nicht begreifst, wirst Du Dich auch mit der FAZ schwertun, die – wie manche meinen – eine nicht immer einfache Sprache pflegt. (Wobei ich das anders sehe). Und bei der New York Times und bei Le Monde müßtest Du vorher noch Englisch und Französisch lernen. Diese Zeitungen schreiben nämlich nicht in Deutsch und sie werden vermutlich in absehbarer Zeit ihre Sprache nicht umstellen. Es sei denn, Deutschland marschierte wieder mal in Frankreich ein. Aber gegenwärtig stehen die Chancen dafür schlecht. Wir können schon froh sein, wenn wir überhaupt die französische Nationalmannschaft im Fußball schlagen.

    Ich hoffe, Du hast keine Kinder, denn was Hans nicht weiß, lernt Hänschen nimmermehr.

  7. Hans Kylwerth schreibt:

    Ich habe gerade mal geguckt, was du in deinem klugen Blog so über Kehlmann geschrieben hast. Da finde ich z.B. einmal „Ich habe seinen neuen Roman ‚Ruhm‘ nicht gelesen“. Oder ich finde: „Da verhält es sich wie mit den Büchern von Daniel Kehlmann: man nimmt es sich vor: die müßte man mal lesen. Und doch ereignet sich der unendliche Aufschub.“ Steht so da bei dir.

    Und zu Goetz sagst du, daß er heute nicht mehr gut ist, daß du das auch genau weißt, daß du aber Holtrop nicht gelesen hast.

    Weißt du, wenn man einen Literaturblog macht, dann hilft das wirklich sehr, wenn man auch mal was liest.

    Zum Beispiel könntest du Dürrenmatt lesen. Mal so als Versuch. „Gut daß Du in bezug auf Dürrenmatt begriffen hast, was ich meine. Immerhin ein erfreulicher Aspekt.“ – Ja, ich habe begriffen, was du meinst, aber: Es ist einfach falsch. Es ist völliger Unsinn.

  8. Bersarin schreibt:

    Ja, genau so steht es mit dem Kehlmann. Und dann liest man ihn und fragt sich: Wieso, weshalb warum? So gings mit „F“, so gings mit „Ruhm“, so auch mit der „Vermessung der Welt“: nette Unterhaltung, der man das Bildungsbeflissene ansieht. Mehr nicht.

    Und noch etwas Nachhilfe für Dich und eine kostenlose Einführung in den Journalismus: Es gibt verschiedene Formen von Texten bzw. Darstellungen. Es gibt den Bericht, die Nachricht, den Kommentar, das Interview und auch die Glosse. Jede dieser Darstellungen zeichnet sich durch eine andere Art des Schreibens aus. Wie Du vielleicht bemerkt haben wirst – und das kann man bereits am ersten Satz meines Textes bemerken – handelt es sich nicht um eine Nachricht und auch nicht um einen Bericht. Da es hier keinen Dialog zwischen mir und Goetz gibt, scheint auch die Form des Interviews auszuscheiden. Es bleiben nur noch der Kommentar und die Glosse übrig. Und nun rate einmal, für welche Form ich mich entschied? Deine Trefferquote liegt bei genau 50 %

    Wenn Du etwas Inhaltliches zu Rainald Goetz beisteuern möchtest oder meine Sicht auf ihn anders beurteilst, dann kannst Du Dich hierzu gerne im Detail äußern. Ich weiß nicht, ob Du es beim Lesen bemerkt hast, aber dieser Beitrag handelt von Goetz, nicht von Kehlmann, nicht von Dürrenmatt. Ist das so schwierig zu verstehen? Er handelt übrigens auch nicht von Wolf Biermann, den ich hier ebenfalls erwähnte. Also beziehe Dich bitte auf, das, was hier Thema ist und nicht auf das, was nicht wesentlicher Bestand dieses Beitrages ist!

  9. Hans Kylwerth schreibt:

    Mein einziger Kommentar ist, daß ich es mutig finde, wie du dazu stehst, daß du aufs Lesen verzichtest. In einem Bücherblog. Das ist Zivilcourage. Hast schon recht: Meinungen haben ist viel lustiger als auf die bedruckten Seiten starren.

    Aber einen Satz doch noch. Wenn man etwas sagt, das sachlich falsch ist, und wenn einen dann jemand darauf hinweist, daß man etwas sachlich Falsches gesagt hat, dann kann man natürlich sagen: Darum ging es doch gar nicht, ich wollte über was anderes sprechen, also lass mich in Ruhe. Aber etwas sachlich Falsches hat man trotzdem gesagt.

    Kleine Empfehlung am Rande: Falls du doch mal ein Buch lesen willst, Holtrop wär kein schlechter Anfang.

  10. Bersarin schreibt:

    Ich löse Dir das Rätsel mal auf, kleiner Hans: Es handelte sich bei diesem Beitrag um eine Glosse. In der wurden weder Kehlmann noch Dürrenmatt besprochen, nicht Wolf Biermann, nicht Peter Handke, nicht Heinrich Böll, nicht Martin Walser, nicht Elfriede Jelinek, nicht Erich Fried, nicht Dietmar Dath, nicht Maxim Biller, nicht Thomas Hettche, noch Clemens Meyer (die Bücher von letzteren wurden hier an anderer Stelle besprochen). Hänschen, Du kannst nicht lesen: Es ging nämlich in diesem Beitrag um den Schriftsteller Rainald Goetz. Bezieh Dich einfach auf die von mir genannten Texte und auf die Preisvergabe! Wenn Du etwas Inhaltliches zu Rainald Goetz beisteuern möchtest oder meine Sicht auf ihn anders beurteilst, dann kannst Du Dich hierzu gerne im Detail äußern. Ich wiederhole mich da gerne.

    Wer Dürrenmatt ganz prima findet, der wird sicherlich auch einen Hang zu „Holtrop“ haben. Ich ahne bereits die Kausalitäten einer restringierten Kunstbetrachtung – Ästhetik möchte ich es in Deinem Falle nicht nennen. Wenn ich die Besprechung von Sieglinde Geisel lese, dann will ich mir diesen Roman eigentlich nicht kaufen. Aber darüber kann ich naturgemäß erst nach der Lektüre urteilen. Vielleicht mache ich mir den Spaß. Denn es geht nichts über einen schönen Verriß – nach Karen Köhlers Stuß-Roman wäre mal wieder einer fällig hier.

    Übrigens ist dies kein Literaturblog, sondern eher eine philosophisch-ästhetisch ausgerichtete Essaysammlung mit Hang zum Feuilleton. Wäre dies ein Bücherblog hieße er extra für Dich „Lesen lernen“ oder in meinem Sinne „Lust am Text“ oder irgendwas mit „Buch“ im Titel. Tut er aber nicht. Der Blog heißt „Aisthesis“. Mit dem Lesen ist es also so eine Sache, Hänschen. Nicht wahr? Kennst Du die Geschichte vom Glashaus und den Steinen?

  11. Bersarin schreibt:

    Und noch ein kleiner Nachtrag für Dich oder besser eine Nachhilfe, damit Du das Genre der Glosse verstehst. Sie ist zuweilen wie eine Satire aufgebaut. Als die Titanic z.B. den ehemaligen Bundeskanzler Kohl „Birne“ nannte, wäre es ganz und gar sinnlos und gegen die Regeln dieses Genres gewesen, hier eine rationale Begründung aufzufahren. Verstehst Du, was ich meine? Nein? Das dachte ich mir.

    Schlimm genug ist es freilich, daß man in der Blogwelt mit Möchtegernschreiberinnen und -schreiberen sich herumschlagen muß, die von Tuten und Blasen wenig Ahnung haben. (Also, manche vielleicht noch vom Blasen.)

  12. Hans Kylwerth schreibt:

    Bist du eigentlich im echten Leben auch so, oder nur wenn du deinen Blog schreibst?

  13. Bersarin schreibt:

    Es gibt kein echtes Leben im falschen. Das sieht man an Kommentaren wie dem Deinen.

    Ich lasse Dummheit nicht durchgehen, und es ärgert mich, wenn Menschen nicht richtig die Texte lesen und hernach dummes Zeug von sich geben. Wer sich in einem Gedicht über Reime echauffiert, der sollte Prosa vorziehen. Wer keine Glossen mag, der lese Nachrichten. Es gibt genügend Blogs auf dieser Welt. Es wird einer dabei sein, der Deinen Empfindungen entspricht.

    Und was Dein schludriges Lesen betrifft: Ich schrieb hier nicht, daß Dürrenmatt und Kehlmann grundsätzlich und bis ans Ende ihrer Tage – das von Dürrenmatt ist bereits erreicht – per se und ad infinitum schlechte Autoren seien, sondern ich bezweifelte, daß Dürrenmatt ein geeigneter Preisträger war und ich bezeifelte, daß Kehlmann ein geeigneter sein könnte. Zudem stelle ich in einem meiner Kommentare das literarische Prinzip Dürrenmatts in Frage. Ich halte nichts von per Literatur servierter Moral. Im Zusammenhang mit dem übrigen Text, gibt es für den Eröffnungssatz übrigens mehrere Lesarten. Ich habe das ganz bewußt derart aufgebaut. Schwierige Sache, nicht wahr? Aber ich gehe mal davon aus, daß dies genügend andere gut verstanden haben.

  14. Hans Kylwerth schreibt:

    Jetzt hör mir mal zu. Du bist ein ganz armer Tropf. Du verteilst von oben herab Wertungen über Bücher und Autoren, von denen du selbst sagst, daß du sie nicht gelesen hast. Du weißt, daß du über Kehlmann eine schlechte Kritik schreiben würdest, obwohl du selbst zugibst, das Buch gar nicht zu kennen. Du hast irgendeine Idee von Dürrenmatt, und wenn man sie korrigiert, kommst du einem mit einem großväterlichen Schulmeisterton, von oben herab, wie es einem ungebildeten Nichtleser deiner Kategorie einfach nicht zukommt. Meine Vermutung über dich (denn du hältst das ja alles ganz geheimnisvoll): Du hast nie eine Uni von innen gesehen, wahrscheinlich auch kein höherer Schulabschluß, das ganze Ungenügen lebst du jetzt in deinem kleinen Blog im Schutz der Anonymität aus, wo du den Leuten, die dir vielleicht mal widersprechen, Dummheit attestieren kannst und Platitüden über den Unterschied von Glosse und Kommentar absonderst, die du aus Wikipedia gefischt hast. Hättest du auch nur einmal einen Seminrarraum von innen gesehen, wüßtest du, wie eine richtige Diskussion abläuft oder eben einfach auch: Daß man Bücher lesen sollte, bevor man sich in einem Ton, als hätte man die Weisheit mit Löffeln gefressen, über sie zu äußern herausnimmt. Das war’s. Letzter Beitrag von mir. Ich habe besseres zu tun, als mich mit armseligen Arroganzgnomen abzugeben, und sei es auch: nichts.

  15. Bersarin schreibt:

    Es ist bei Menschen, die nicht richtig lesen oder zuhören, immer das selbe Spiel: Weist man sie auf diesen Umstand und auf ihr Ungenügen hin, werden sie pampig. Ich habe Dir meinen Text mehrfach erläutert. Du willst es oder Du kannst es nicht verstehen.

    Woher der Unterschied zwischen Glosse und Nachricht stammt, ob ich ihn von Wolf Schneider gelernt habe, aus dem Lehrbuch von Walther von La Roche oder aber ob ihn mir der Heilige Geist einflüsterte, ist ganz zweitrangig. Wesentlich ist, daß es diesen Unterschied gibt. Du kannst ihn nicht realisieren. Schade für Dich, nicht für mich. Schade auch, daß Du nicht realisierst, was ich über Kehlmann schrieb.

    Wichtelchen wie Dich muß man übrigens nicht einmal erledigen. Denn das tun diese nämlich bereits selber.

  16. Hans Kylwerth schreibt:

    Du hast mich falsch verstanden. Als ich dich einen armen Tropf nannte, der über Dinge redet, von denen er nichts versteht und der sich als Schulmeisterli gibt, obgleich er offensichtlich noch nie eine bessere Schule von innen gesehen hat, einen ungelernten Autodidakten also gewissermaßen; als ich all das sagte, war das natürlich eine Glosse. Damit wäre doch alles geklärt, oder?

    Trotzdem, eine Empfehlung zum Abschied. Probier mal eines der Bücher zu lesen, über die du bloggst. Manchmal ist das wirklich ganz interessant.

  17. Bersarin schreibt:

    Es ist schade, daß Dir zur lustigen oder guten Glosse das Zeug fehlt. Macht aber nichts. Es muß nicht jeder alles können. Die Bücher, die ich hier im Blog bespreche, habe ich gelesen, wie Du siehst, wenn Du lesen könntest.

  18. summacumlaudeblog schreibt:

    Ich bin was Goetz angeht ähnlich ambivalent wie Du. In der Summe hat er den Preis aber verdient – auch im Angesicht der Liste aller vorhergehenden Preisträger.

    Dürrenmatt sehe ich allerdings dann doch deutlich anders. Er ist im Grunde kein Moralist sondern ein Spieler, dessen Spielzimmer die Theaterbühne ist. In seinen Spielen erfolgt regelhaft die Wendung zum schlimstmöglichen Ausgang. Ich sehe ihn ja gerade als Überwinder des schlechten Brechts, also des Brechts der Lehrstücke. Den überlangen Zeigefinger kann ich so nicht erkennen. Was bei Dürrenmatt wie bei allen seinen Zeitgenossen auffällt, ist die Tatsache, dass die Zeitgenossenschaft zu den deutschen Todslagern ihr Schreiben stark beeinflusste und somit Moral nie außen vor stand. Das stimmt natürlich, ist aber m. E. mehr als verständlich. Irgendwer – ich glaube Ulrich Greiner – schrieb einmal, dass in dieser Generation der künstlerische Mehrwert, den es durchaus gegeben hat, durch moralischen Anspruch aufgesaugt worden ist. Das gilt in Teilen auch für den Spieler Dürrenmatt. Wobei gerade er noch den wie gesagt verständlichen Ansprüchen der Moral mit am deutlichsten den Formanspruch entgegensetzte. Nun, man muß ja nicht immer einer Meinung sein…..

  19. Bersarin schreibt:

    Bei Dürrenmatt sind wir uns nicht einig. Ich lese in ihm zu sehr den Moralisten. Das mag der Zeit geschuldet sein, aber mir sind seine Texte, wie auch die Sartres zu sehr mit einer Weise von Engagement aufgeladen, die dem Text nicht unbedingt zugute kommt. Das heißt nicht, alles von ihm wäre schlecht. Sicherlich liegt in solchen Akten der Preisverleihung – man kann nun von ihnen halten, was man mag – auch eine politische Dimension: daß eben eine bestimmte Haltung oder wie im Falle von Goetz ebenso eine bestimmte ästhetische Schreibweise mit ausgezeichnet wird. Bei Biermann kam dieser Preis definitiv zu spät, da er seine beste Jahre hinter sich hatte. Seine BRD-Texte waren eher lau. Zeilen wie: Die Stasi ist mein Eckermann seinerzeit in der DDR waren groß. Auch hier, gewiß: Politisch Lied, garstig Lied. Aber in einem sehr frechen und frische Sinne.

    Ich selber sehe in dieser Art der Ästhetik, in dieser Literatur, die sich auf das Grauen der KZs bezieht, große Probleme, weil die Übertragungen viel zu direkt laufen oder die Parabeln viel zu wenig subtil sind. Einige der Stücke Brechts sind hierfür noch einmal ein Beispiel. Andererseits hängen nun gerade Theaterstücke auch an der Reaktualisierung: wenn sie nämlich neu Inszeniert werden, kann aus einem eher mäßigen Stück eine hoch interessante Angelegenheit werden.

  20. Bersarin schreibt:

    Andererseits stimmt es vielleicht und man müßte es mit Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ und mit „Die Physiker“ in einer Castorfschen Theatervariante probieren. Ich denke, in dieser Weise läßt sich etwas bewirken. Heiner Müller hat das am BE mit seinem Arturo Ui getan.

    Was den „künstlerischen Mehrwert“ betrifft, so ist das sicherlich richtig. Und es bleiben Böll und Walser mit seinen Büchern aus den 60ern natürlich immer noch lesenswert, auch wenn ein bestimmter post- und popmoderner Beliebigkeitssound sich über diese Namen gerne mokiert. Auf alle Fälle muß man Texte eben auch in ihrer Zeit, in ihren sozialen Kontexten lesen. Andererseits gibt es Texte, die sind nach 20 Jahren durch und verbraucht.

  21. Pingback: Der Wille zum Wilden. Büchnerpreis an Rainald Goetz - Sieglinde Geisel

  22. summacumlaudeblog schreibt:

    Was im „Besuch“ so stark ist, ist der Übergang vom ersten zum zweiten Akt. Erst die Ablehnung der Gemeinde „Güllen“ (gülden und Gülle also Scheiße in einem Wort) des „unmenschlichen“ Angebotes zum Ende des ersten Aktes, dann kauft jedermann zu Beginn des Zweiten bei Ill auf Pump. Zunächst merkt es der Zuschauer und dann Alfred Ill selbst: Jede Bestellung verringert seine Überlebenswahrscheinlichkeit, die schließlich gegen Null geht. Was zwischen dem ersten und dem zweiten Akt passierte, schildert Dürrenmatt nicht, das wäre schlechtes Theater, das wäre Schulmeistertheater, zum Beispiel: Eine arme Familie in Güllen diskutiert das Für und Wider und entscheidet sich für Ills Tod. Das wäre dann das schlechte Lehr(Leer)stück. Dürrenmatt lässt die Tat sprechen. Und die Tat kündigt sich durchs Kaufen an! Das genügt – und das ist meisterlich!
    Ills Tod dann vor laufenden Kameras – auch das ist unglaublich stark. Medienkritik vor über 60 Jahren.
    Weiterhin verdanken wir Dürrenmatt neben den „Physikern“ auch „Die Panne“, starke Prosa. Und gute Kriminalstücke. Über die Zeitabhängigkeit und seine moralische Aufgewühltheit, die er mit den meisten seiner intellektuellen Zeitgenossen teilte, schrieben wir ja schon. Daß hierdurch mitunter ästhetische Katastrophen passierten, war unvermeidbar, da sollte man generös sein. Wobei „Der Verdacht“ noch zur etwas besseren KZ-Literatur zu zählen ist.

    Du merkst schon: Dürrenmatt bedeutet mir unendlich viel mehr als Goetz. Den Büchner-Preis – ja mei – er soll ihn haben. An Büchner selbst reichten ehe die wenigsten Preisträger heran.
    Grüße.

  23. metepsilonema schreibt:

    Als Ergänzung vielleicht noch dies.

  24. Bersarin schreibt:

    Interessant zumindest, wie in diesem Zusammenhang von einem Blogger, den ich schätze, eine differente Sicht entsteht.

    Ich versuche gleichsam beide Seiten zu sehen. Diesen neuen Goetz-Ton und das andere Moment einer (notwendigen) BRD-Prosa, zu der insbesondere Böll, Grass, Walser gehören. Und in ihrer Weise auch Frisch, Handke und Johnson. (Von Arno Schmidt mal zu schweigen.)
    Die Brüche und Differenzen zu denken, ist die Aufgabe.

  25. Bersarin schreibt:

    @ metepsilonema
    Danke auch für Ihren Link. Der Artikel gibt weitgehend das wieder, was auch ich denke. Am schlimmsten ist und bleibt Iris Radisch in der „Zeit“.

    Zu Ihren anderen Ausführungen, was die Formen der Wissenschaft betrifft, schreibe ich Ende der Woche etwas. Ich bin im Augenblick in andere Dinge eingebunden. Es handelt sich um ausgesprochen angenehme Angelegenheiten. Insofern sind die Ausdrücke „Dinge“ und „Angelegenheiten“ nicht wirklich passend, weil verdinglichend.

  26. Bersarin schreibt:

    Allerdings, wenn ich überlege, ist der Poschardt noch schlimmer. Dumpfes Zeitgeistgedröne.

  27. ziggev schreibt:

    schnellkommentar:

    nun, ich hatte auch geglaubt, wir wären den Goetz endlich los. Vielleicht trägt so ´ne Preisverleihung am Ende doch dazu bei …

    Es ist wie „action painting“. An „action painting“ fand ich immer die Äktschn am besten. Nur deshalb bewarb ich mich sogar mal an einer Kunsthochschule.

    Was ich an Gortz nicht mochte: Mit dem Techno-Jet-Set im düsentempo um die Welt flanieren, um den exklusivsten Partys beizuwohnen, dabei war allen klar, dass es dabei nur um die Kohle und den irrsten Drigencocktail ging.

    Der Roman „Irre“: der vorgeblich kritische Impuls billig, um Vieles mehr interessieren mich da summacumlaudes Betrachtungen (bzw. würden mich seine Ansichten zu R. Goetz interessieren); Leuten, die literarisch völlig uninteressant sprechen (zum Vergleich, bitte schön!, A. Döblin, Berlin Alexanderplatz, die wunderbaren und absolut liebenswerten Figuren bei Arno Schmidt), „aufs Maul schauen“, ich bin sogar überzeugt, dass er für „Irre“ ein Tonbandgerät mitlaufen ließ. Und das soll „Popliteratur“ sein? Pop? Literatur?

    Nun ist vielleicht gesagt worden, dass er die Web- bzw. Blog-Literatur vorwegnahm, dann, ach, wie naheligend, ausgerechnet mit „Abfall für alle“, bei Recherchen stieß ich irgendwann einmal auf diesen „Müll“, der tatsächlich Müll ist, doch wir haben es ja gar nicht mit Literatur zu tun, eher mit ‚Auslagerungsdateien‘ (sorry: mein Blog), Sachen, die einem für das eigene, wirkliche Tagebuch einfach zu schade wären.

    Pop-Literatur: endlich der Freibrief, vermeintliche Literatur zu vermarkten, der Kriterien, die für Literatur gelten sollten, fremd sind?

    Ich sah allerdings einmal einen Bühnen-Monolog im hamburger Malersal, bei dem es um eine Jugend in den 70ern ging, ganz im Modus des „Generation Golf“ – hier ging es jedoch mehr um Turnschuhe und das erste Mofa. Und diese Aufführung überzeugte mich. Dieser kaputte, versoffene Schauspieler, der sein destruktives Verhältnis zu seinen Erinnerungen, die daraus folgende Selbstzerstörung, gnaden- und erbarmungslos offenlegte, anhand eines Textes, der ja nicht seine eigene Geschichte hatte erzählen können, das war kein Theater, das war real live, eine Dramaturgie, die das Theatralische abstreifte, fast masochistischer Exhibitionismus (der Drogenmissbrauch hamburger Schauspieler ist legendär, Wildgruber, Tukur).

    Und doch Mimesis. Selbst das Abonnement-Publikum raunte sich zu: ‚huch, das war ja tatsächlich mal was‘.

    Goetz wäre fast eine (deutsche) Pop-Ikone, oder wenigstens eine Figur des Pop geworden. Ist er aber nicht.

    Wie hätte aber ein Literaturpreis ihm dazu verhelfen können. Mit diesen Literaturpreisen stimmt etwas nicht.

  28. Bersarin schreibt:

    Deine Sicht teile ich großenteils, ziggev. Guter und kluger Kommentar!

    Der Realismus einer bloß noch dokumentierenden Literatur ist nicht per se abzulehnen. Wenn es jedoch in einem solchen Modus der gespurten Unmittelbarkeit des Tonbandes geschieht, dann wird es arg und dumm. Insofern bin ich auf den Holtrop-Roman gespannt. Ich selber bin mehr oder weniger dafür, Literaturpreise und überhaupt Kunstpreise aus Staatsgeldern abzuschaffen. Entweder ein Künstler kann vom Verkauf seiner Bücher leben oder eben nicht. Vermag er es nicht, so muß er sich Geld beschaffen. Es gibt dazu viele Möglichkeiten und viele Wege.

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