Harry Rowohlt ist gestorben

Schlimmer als dieser traurige, aber irgendwie unabänderliche Umstand ist jedoch, daß es die Blogwelt vermag, das Traurige durch noch Traurigeres und Trostloses zu toppen, indem dort phantasielose, phrasendurchseuchte, beschissene und belanglose Nachrufe hingeschmiert werden. Sprachlicher Schluder. Armer Harry Rowohlt, der die Minderbegabung so sehr verachtete und der an Wörtern feilte und werkte und schmirgelte! Aber er wird diese Nachrufe und Elogen nicht mehr lesen, wie auch die unendlich verlinkten Röhrenglotzvideos nicht mehr sehen müssen. Da hat er noch einmal Glück gehabt. Dennoch: Verdient hat er diese Nichtachtung nicht.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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2 Antworten zu Harry Rowohlt ist gestorben

  1. summacumlaudeblog schreibt:

    Mit Harry Rowohlt starb einer der profundesten Übersetzer aus dem Englischen. Ohne ihn kein Flann O’Brien in Deutschland, das ist sicherlich nicht übertrieben. Ich verlieh einst „Durst“ – und es kam nie wieder. Ausgetrunken gewissermaßen!
    Zum Trost (und Rat) schenkte mir mein Schwager die Hör-CD „Durst“. Mein erstes akustisches Harry Rowohlterlebnis.
    Manchmal ist hören noch mehr als lesen!!!!

  2. Bersarin schreibt:

    Ich habe Rowohlt mehrmals lesen gehört und das allein steht für sich. Und ich hörte ihn in jenen Jahren als er noch auf die Bühne trat und in der einen Hand den Whisky, in der anderen das dunkle Bier hielt, während in der Hemdtasche die Schachte Zigaretten stecke. Nach einer Stunde Lesung waren Bier und Whisky ausgetrunken und razteputzhastenichtgesehn nichts mehr übrig außer ein voller Aschenbecher. Schöne Zeiten waren das.

    Seine Übersetzungen vermag ich nicht zu beurteilen. In der Tat: es gibt jene begnadeten Vorleser, da macht es mehr Freund zuzuhören als selber zu lesen. Gert Westphal ist auch solch ein Fall, wenn er Thomas Mann las, so mußte man zuhören, glitt und verströmte sich in den Text auf eine ganz andere Weise als läse ich ihn selber. (Wenngleich Westphal ein ganz anderer Rezitator ist als Rowohlt.)

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