Via Dolorosa – Vom Ereignis (1)

Steinpfad und Körperblut. Getröpfelt und gepredigt und getrunken. Bis hinauf. Die eine Frau, die unter dem Kreuz weinte, während die Nägel ins Fleisch bohrten; die andere, die am Karfreitag ungerührt den Ofen heizte, in der Niedriggarmethode Braten briet. No fish today. Vergeblicher Bußgang. Ich schmiege mich an ihr Fleisch und verspeise es. Symbolische Bisse. Da kann man leicht das eine für das andere nehmen. Anthropophagie und Epiphanie in der Einsiedelei der philosophischen Theologie.  Liebe als Passion, und es folgt der Gesang der Sirenen. (Maurice Blanchot)

Ich ziehe das Wortwerden des Fleisches der Revolution und der Tathandlung vor. Das Ereignis wird ein metaphysisches sein. Nichts als Rauschen und Begehren nach jenem Fleisch.

In einem Hotelbett in Leipzig hinter den Steinen schwitzen die Körper. Epiliertes Fleisch.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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6 Antworten zu Via Dolorosa – Vom Ereignis (1)

  1. summacumlaudeblog schreibt:

    Der Schmerzensmann im Felsengrab.
    Drei Tage tot – nun hebt er ab.

  2. Bersarin schreibt:

    Ach, wenn es doch so einfach wäre
    Doch ist die Lehre theologisch vertrackt
    Hinreichend in Metaphern verpackt
    Das nähm dem Christentum die Schwere

    Denn geistreicher als die Trinität
    Es in keiner Schriftreligion geschrieben steht.
    Drum bleib ich theologisch katholisch gesonnen
    Dennoch: Thomas Müntzer beim Wort genommen
    Nicht nur in Metaphern und Bilder versponnen
    Möge der Himmel auf die Erde kommen.

    Und Zuckererbsen nicht minder

  3. ziggev schreibt:

    es will mir durchaus nicht einleuchten, dass und wie das Osterfest plus Karfreitag solche schwarzen Gedanken jemandem einflößen kann. good old jesus hat für uns alle unsere Sünden auf sich genommen: das bedeutet, dass wir frei sind, von nun an unwidersprechlich verantwortlich für unsere Taten, unser Handeln. Diplomatie wird helfen. Dass wir aber frei sind, es keine jenseitige Schuld mehr gibt, bedeutet, dass Jesu Botschaft ganz allein das Diesseits betrifft. Das Paradies wird im Diesseits auffindbar sein, nur im sonst soviel geschmähten Hier-und Jetzt. Jedesmal übrigens, wenn Ostern ist, ist gutes Wetter, immer und jedesmal. Das ist das untrügliche Zeichen dafür, dass das Paradies bereits da ist, besser wird´s nimmer, wir müssen es nur besser organisieren, das Paradies ist bereits da!

  4. ziggev schreibt:

    frohe Ostern übrigens !

  5. Bersarin schreibt:

    Das Paradies hat sich als Hölle erwiesen. Im Umkehrschluß leider die Hölle nicht als das Paradies. In der Tat haben wir nur das Hier und Jetzt. Als zu Überwindendes, Transzendenz und Übersteigung, Übersteigerung. Das meint ja auch das Heine-Gedicht „Deutschland. Ein Wintermärchen“

    Leider ist das schöne Wetter bloß ein Partialphänomen.

    Ob wir es besser organisieren müssen? Ich bin skeptisch. Mittlerweile. Es gibt freilich immer diese Mißverständnisse, die sich in einer Lautverscheibung äußern können. So schrieb Jens Balzer in der Berliner Zeitung vom 10.10.2007 in einer Rezension über Jörg W. Gronius‘ „Ein Stück Malheur“:

    Nach einer Viertelstunde ist der Raum so verqualmt, dass man nicht mehr bis zur vorderen Wand gucken kann; in den Foucault-Seminaren der Siebzigerjahre herrscht eine strenge Kettenrauch-Pflicht. Als der japanische Gastdozent nach einer Viertelstunde des Schweigens und Qualmens endlich die Stimme erhebt, dringt sie nur noch durch wabernde Schwaden hindurch; dann sagt Makoto Ozaki einen einzigen Satz: „Wir müssen die Arbeiterjugend organisieren.“ Tatsächlich? Hier wundern sich selbst die bewegten Studenten. „Dass es galt, Michel Foucaults epistemologisches Grundwerk mit marxistischem Klassenstandpunkt, ja mit der Aufgabe einer politpädagogischen Perspektive zu lesen, verblüffte alle.“ Ein Semester lang werden die jungen Poststrukturalisten fortan, schwer denkend und noch schwerer rauchend, dieser erregenden Aufgabe nachstellen; erst ganz am Ende finden sie heraus, was der Dozent wirklich meinte: „Wir müssen die Arbeit der Übung organisieren.“ Der Foucault-Japaner hatte genuschelt.

    Frohe Ostern auch Dir!

  6. ziggev schreibt:

    ich fragte meine gitarrespielende Hauskatze mit der Osho-Plakette am Halsband, die frühestens alle drei Tage mal sich zu einem Spaziergang überreden lässt: ist das Paradies nun einfach nur ein Bewusstseinszustand, der sich durchaus nur im Hier-und-Jetzt verwirklichen läßt, eine höchst diesseitige Angelegenheit, oder ist das Paradies tatsächlich im Diesseits, nur dass es im Hier-und-Heute sich um die Hölle handelt? er nickte bloß wissend mit dem Kopf. wir reden sowieso nie miteinander, sondern schweigen kettenrauchend tagelang aneinander vorbei.

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