Wahre Sätze – Ware Wort (3)

„Vor jedem Kunstgenuß stehe die Warnung: Das Publikum wird ersucht, die ausgestellten Gegenstände nur anzusehen, nicht zu begreifen.“
(Karl Kraus)

 Eine Warnung, die man von den Zeiten Karl Krausʼ her im seligen Wien, als den Bürgern die Kunst bereits zu entgleiten drohte, indem sie mehr sich selber in der Kunst genossen als daß sie des Gehalts eines Werkes geschweige denn ihrer Disposition irgendwie noch gewahr wurden, bis ins Heutzutage hinein, wo Kunst als Accessoire der Distinktion dient, unter der Aureole einer neuen unseligen Fühligkeit – action without reflection –, gar nicht oft genug aussprechen kann. Fast möchte man sie einprügeln. Dennoch – die Warnung nützt nichts. Im Zeichen der popästhetischen Post-Moderne: Es bleibt beim Touch too much. Genuß, der weder zum Genuß noch zur Reflexion der Sache als fähig sich erweist. Der Arbeit des Begriffs wird unter allen erdenklichen Vorwänden sich entzogen, denn sie könnte womöglich die objektlose Innerlichkeit beschädigen. So aber bleibt die Kunst bis ans Ende heillos ramponiert. Ikonoklasmus müßte die Folge sein. Doch nicht oktroyiert aus einem Haß gegen die Kunst heraus, sondern vermittels seines Gegenparts. Bewußtsein von Nöten.

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