Achtung: Heute Action-Event mit Suspense-Faktor!

„Nazi-Herrschaft: So haben Sie den Holocaust garantiert noch nie gesehen“ titelte am heutigen Tage das Onlineboulevardblatt „Huffington Post“ und macht uns Leserinnen und Lesern den Holocaust endlich wieder hinguckerisch schmackhaft. Und alle so: yeah Holocaust!

Immer wieder interessant und mit ironisch gelächeltem Mund zu lesen, wie manche in ihrem Ressentiment oder in ihrem Medienkonservatismus den Herrn Adorno der Übertreibung bezichtigten. Aber andererseits stimmt das sogar – freilich in einer anderen Variante als gedacht. Der Begriff Kulturindustrie war zu hoch gegriffen. Denn dieser setzte wenigstens ein Minimum an Kultur als Bestandteil von Gesellschaft noch voraus.

Im Grunde ist es traurig, einen solchen Text schreiben zu müssen, weil auch solche Glosse bereits dieses schwarze Geschehen, diesen absoluten Zivilisationsbruch instrumentalisiert. Einerseits soll und darf Auschwitz weder zu einer Veranstaltung des medialen Quotenhypes werden, andererseits darf dieser Begriff, der einen Ortsnamen als Bild des brutalen Todes und der grenzenlosen Vernichtung als pars pro toto in ein Zeichen bringt, nicht zu einer negativen Theologie oder zum bewußtlosen Erinnerungsritual erstarren. Lebendig bleibt Auschwitz für uns, also die Täterinnen und Täter bzw. deren Nachkommen als Akt barbarischer Gewalt, der im Namen Deutschlands von normalen Menschen und allzu willigen Vollstreckern durchgeführt wurde. Die, die das taten, hatten, wie auch all die Opfer, Namen. Daß die Auschwitzprozesse erst 19 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus durch die UdSSR, die USA und England stattfanden, bleibt ein weiteres Skandalon für die BRD.

3 Gedanken zu „Achtung: Heute Action-Event mit Suspense-Faktor!

  1. …Und wenn du den Huffington Post Artikel durchgelesen hast, dann gäbe es bei der ARD auch noch eine Reportage mit dem klangvollen Titel: „Auschwitz und ich“ für dich und unter „#Auschwitz ist für mich: ___________“ kannst du dich dann sogar noch persönlich in das Begrenzte-Zeichen-Sammelsorium mit deinen knapp gehaltenen Empfindungen für das Unaussprechliche verewigen!

  2. …Allerdings muss ich sagen, nachdem ich die Reportage jetzt gesehen habe, dass diese sehr beeindruckend über die Auseinandersetzung von Schülern mit ihrem Auschschwitzbesuch erzählt. Das hätte ich von so einem – für meinen Eindruck komplett misslungenem – Titel nicht erwartet! Diese Reportage ist in der ARD-Mediathek einsehbar und auf jeden Fall sehr empfehlenswert!

  3. Das Problem besteht darin, daß jede Sache heute aufreißerisch und ranschmeißerisch kommuniziert werden muß. Je schriller und schräger der Titel ausfällt, desto mehr Zuschauer, so scheint die Devise. Ein Titel wie „Schulbesuch“ oder „Nach Polen“, versehen mit einem Untertitel, der zeigt worum es geht, hätte niemals gereicht.

    #Auschwitz ist für mich: Wenn ich ein Selfie machen kann.

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